Alemannen, Franken, Christianisierung

Im Verlauf des 5. Jahrhunderts nach Christus wurde die Römerherrschaft durch die von Norden her vordringenden Germanenstämme abgelöst. Schon um 260 bis 300 verbreiteten diese sporadischen Alemanneneinfälle Angst und Schrecken unter der römisch-helvetischen Bevölkerung südlich des Rheines. Und als dann das Römische Reich durch innere Zwistigkeiten geschwächt und deshalb gezwungen war, die bei uns stationierten römischen Söldner zurückzuziehen, drangen die Alemannen endgültig bei uns ein und nahmen das Land in Besitz; dies geschah etwa 450 nach Christus. Bereits 496 schlug aber der aus dem Geschlechte der Merovinger stammende Frankenkönig Chlodwig (466 bis 511) die Alemannen und nun beherrschten er und seine Nachkommen unser Land. Später, ab etwa 750, folgte der merovingischen Herrschaft dann diejenige der Karolinger (Karl der Grosse, 768 bis 814). Schon unter der Frankenherrschaft nahm das im Mittelalter aufblühende Lehenwesen seinen Anfang. Vor allem der Grossvater Karls des Grossen war dessen Schrittmacher, und der Enkel baute und festigte dieses Lehenwesen noch stärker aus. Das ist aber auch die Zeit, wo nördlich und südlich der Rheinlinie die Einteilung des riesigen Frankenreiches in Gaue vorgenommen wurde (Hegau, Albgau, Breisgau, Frickgau, Klettgau, Sundgau, Aaregau, Thurgau). Der Zürichgau selbst wurde etwas später, etwa um 850, also erst nach der Regentschaft Karls des Grossen, vom Thurgau abgetrennt. Zu diesem Zürichgau haben wir auch die linksufrige Landschaft am Zürcher Rhein zu zählen.

Um das gewaltige, schwer überblickbare Reich eher regieren zu können, verliehen also die fränkischen und karolingischen Könige Teile desselben an hohe Adelige des Reiches, an Herzoge, Grafen oder Freiherren. Der König war anfänglich noch der Lehensherr; wer ein Lehen empfing, hatte ihm dafür Heerfolge in Kriegszeiten sowie Beamtendienste zu leisten, das heisst in königlichem Auftrag Gericht zu halten, die Güter zu verwalten, Steuern, Zehnten und weitere Abgaben einzuziehen und im Kriegsfall die Mannen seines Gaues oder Gebietes aufzubieten und anzuführen. Diese Lehensempfänger, der hohe Adel also, bekam nach und nach auch das Recht, sein Lehen oder Teile desselben wiederum weiter zu verIeihen, so entstand der niedere Adel und damit auch die vielen kleinen Burgen im Land herum. Oftmals empfingen die Bauern aus der Hand dieser Edelleute einzelne Höfe als Lehen zur Bewirtschaftung. Es würde hier zu weit führen, den ganzen Wirrwarr des mittelalterlichen Lehenswesens eingehender zu schildern. Durch Erbschaft, Tausch, Kauf und Verkauf, durch Verpfändung, aber auch durch gelegentliche Fehden unter dem Adel wechselten diese Lehensgüter oftmals ihre Herren und Dienstleute, wie wir unterm Abschnitt �Mittelalter� noch sehen werden.

Auch kirchliche Fürstentümer entstanden früh. Schon vor Karl dem Grossen, nämlich anfangs des 7. Jahrhunderts, drang das Christentum im Reich der Alemannen und Franken immer weiter vor. Die irischen Mönche werden ihre Botschaft bestimmt auch am Oberrhein verkündet haben, ist doch das am rechten Rheinufer gelegene Kloster Säckingen von einem Glaubensbruder des Gallus, vom heiligen Fridolin im Jahre 552 gegründet worden, demselben, der dann auch den Glarnern das Christentum gebracht und deshalb in deren Wappen einen Ehrenplatz erhalten hat. So darf angenommen werden, dass die damalige, allerdings wohl noch spärliche Bevölkerung unserer Gegend mit diesen Boten, die ja christianisierend an den Zürichsee, ins Glarnerland und an den Bodensee wanderten, in nähere Berührung gekommen ist. Bald entstanden weitere Klöster, wie St. Blasien, St. Gallen, Einsiedeln, Engelberg und andere, die nach und nach alle durch Schenkungen oder Kauf zu grossem Landbesitz gelangten. Auch Bistümer (Diözesen) wurden schon zur Karolingerzeit errichtet und von Königen und Grafen oft reichlich mit Gütern und Rechten ausgestattet. Am Oberrhein waren vor allem die konstanzischen Bischöfe massgebend und eifrig bemüht, ihre Macht zu vergrössern.

 

 

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