Älteste Zeiten

Der Name unseres Dorfes, früher Wiach, Wyach (wohl vereinzelt auch Wijach), dann Weyach und mundartlich heute noch Weych geheissen, stammt, wie Prof. Dr. J. U. Hubschmid vermutet, von einem gallorömischen Gutsnamen her, von fundus wiakos, das heisst so viel wie Hof des Wius. Ähnliche solche -ach- oder -akos-Namen finden wir noch etliche in unserer Umgegend: Embrach, Bülach, Neerach, Windlach. Letzteres soll zum Beispiel auch von einem fundus windiliakos abgeleitet sein. Unter einem solchen Hof ist aber nicht immer bloss ein Einzelgut zu verstehen, vielmehr wohnte meist eine ganze Sippe beisammen, deren Oberhaupt bei uns eben wius oder vielleicht sogar vejus geheissen haben mag, so dass wir bereits das Bestehen eines vorrömischen Weilers annehmen dürfen. Dass eine solch frühe Besiedelung unserer Umgegend Tatsache sein kann, beweisen verschiedene Gräberfunde bei Glattfelden, Bülach, im Wehntal und sogar bei uns selber. In Heierli's «Urgeschichte der Schweiz» ist schon zu lesen:

«Im Hard bei Weiach, unfern Kaiserstuhl, wurden ebenfalls Bronzespangen, Nadeln und zudem ein Bronzedolch in Grabhügeln entdeckt. Sie lagen bei verbrannten menschlichen Knochen und waren durch einen Steinkern gegen aussen geschützt.»

Die Bronzezeit, aus der diese Gräber stammen, war zwischen 1800 und 750 vor Christi Geburt. Bei Feldarbeiten im hintern Hard fand im Herbst 1950 ein Bauersmann sogar ein durchbohrtes Steinbeil. Es wurde vom derzeitigen Direktor des Landesmuseums, Herrn Dr. E. Vogt, in die Zeit der «Rössener Kultur», also der sogenannten Jungsteinzeit (etwa 3000 bis 1800 vor Christus) verwiesen. In diesem Zusammenhang darf auch der im Jahre 1948 an der Rheinhalde beim Griesgraben entdeckte und sorgfältig ausgegrabene Mammutzahn (3,40 m lang) erwähnt werden.

Er kam beim Abbau von Kies für die Rheinuferverbauung zum Vorschein. Er befindet sich jetzt im Paläonthologischen Museum der Universität Zürich und gilt als eines der schönsten derartigen Fundstücke. Weiter weisen ja auch die einstigen helvetischen Fluchtburgen (Refugien) auf dem Wörndel, dem Stein und dem Stadlerberg deutlich auf vorrömische Besiedlung unserer Gegend hin. Der griechische Gelehrte Poseidonios, der Helvetien in den Jahren 100 bis 80 vor Christus bereiste, schreibt darüber:

«Refugien, das waren künstlich errichtete, hohe Erdwälle, hinter denen das Volk in Kriegszeiten mit Vieh und Habe Schutz fand. Die Helvetier sind hochgewachsene Recken, die ihre struppige Mähne dick mit Seife verstreichen, nach hinten kämmen und knoten. Der Mund ist verdeckt vom hängenden Schnurrbart, der sich beim Essen mit den Speisen verwickelt und der beim Trinken wie ein Sieb wirkt. Ihre Bekleidung besteht aus gemusterten Hosen, einer Ärmeljacke und einem Schulterkragen. Sie tragen reichen Schmuck aus Gold in Form von Ringen, Spangen und Ketten. Dieses edle Metall waschen alte und schwache Leute aus dem Geschiebe der Flüsse (im Napfgebiet). Scharf ist der Verstand der Helvetier, schlagfertig ihre Rede, und rasch haben sie Neues aufgefasst und gelernt. Ewig durstig und händelsüchtig sitzen sie in ihren runden Hütten auf dem Boden und führen prahlerische Reden über ihre Heldentaten. Im Kampf tragen sie mannshohe Schilde, lange Schwerter und Lanzen. Fürchterlich ist ihr Kriegsgeschrei und bewunderungswürdig ihr Mut und ihre Todesverachtung.»

Das 1. bis 4. Jahrhundert nach Christi sind sodann die Zeiten der Römerherrschaft. Diese hatten der ganzen Rheingrenze entlang in regelmässigen Abständen von rund 1200 bis 1500 Meter (entsprechend einer römischen Meile) ihre festen Wachttürme errichtet. Fundamente von solchen sind auch auf Weiacher Boden zu finden, nämlich auf Lebern und im hintern Hard. Der Platz der letztern wurde 1968 dem Staat Zürich abgetreten, von demselben restauriert und als geschütztes Gebiet erklärt. Über diese Wachttürme (burgi) lese ich in einem alten Geschichtsbuch:

«Nach den Ausgrabungen hatten diese Warten einen rechteckigen Grundriss von durchschnittlich 8 bis 10 Meter Seitenlänge und 1,6 bis 1,7 Meter (maximal 1,9 m) Mauerdicke. Die kleinste Seitenlänge des quadratischen Grundrisses war 6,5 Meter, die grösste (bei Weiach) 14 Meter. Die Fundamente sind nicht tief gelegt, da sie mit dem hölzernen Oberbau keine schwere Last zu tragen hatten, und bestehen aus - zwischen einer niedern Kalksteinmauer gegossenen - Kalkmörtel mit Rheinkieseln dazwischen. Als Ecksteine wurden oft grössere, zugehauene Blöcke genommen. Zahlreiche Ziegelreste lassen auf eine harte Bedachung des zwei- bis dreistöckigen Oberbaues aus Holz mit gebrannten Ziegeln schliessen.»

 

Abb.: Refugium auf dem Leuenchopf. Aufnahme der kantonalen Denkmalpflege, von Herrn Dr. Drack freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Abb.: Fundament der Römerwarte im Hard; während der Restaurationsarbeiten aufgenommen durch das kantonale Hochbauamt. Von Herrn Dr. Drack in freundlicher Weise zur Verfügung gestellt

Abb.: Im Oberdorf [HR, 27.1.79]

 

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