Pieta von Michelangelo (1475 - 1564)Pieta (Mitleid, Erbarmen) "Darstellung des toten Christus, der im Schoß der trauernden Jungfrau Maria ruht. Als Typus hat die Pieta ihren Ursprung im 14. Jahrh. In Deutschland (Synon.: Vesperbild). (Edwar Lucie-Smith, DuMont�s Lexikon d. bildenden Künste)- Das Motiv der Pieta ist ein oft bearbeitetes Thema in der Kunstgeschichte. Michelangelo hat sich mehrmals diesem Thema gewidmet, nicht geklärt ist, ob die Pieta da Palestrina zu seinen Werken zu zählen ist, wir sehen in Florenz die Florentiner Pieta. � Römische Pieta, 1498 bis 1499, Marmor, 1,74 m hoch, Petersdom, Rom � Florentiener Pieta (Kreuzabnahme, Grablegung), um 1447 bis 1555, Marmor, 2,26 m hoch, Museo dell�Opera del Duomo, Florenz � Pieta Rondanini, um 1556 bis 1564, Marmor, 1,92 m hoch, Castello Sforezzo, Mailland (� Pieta da Palestrina, um 1555 bis 1557, Marmor, 2,53 m hoch, Accademia delle Belle Arti Florenz)
Römische Pieta:- Michelangelo ist 23 Jahre, als er den Auftrag von einem Kardinal, Gesandten des Königs v. Frank-reich am Heiligen Stuhl erhält. - Für Italien war das Motiv neu. Es gab vereinzelte Werke italienischer Maler. - Skulptur fügt sich in der Form zu einer Pyramide (Renaissance) - Die Motive der Pieta in Deutschland o. Frankreich, die eine bis ins 14. Jh. zurückreichende Tradition hatte, weisen am erstarrten Leichnam die blutigen Spuren vor: Geißelhiebe, Dornenhaupt, klaffende Seitenwunde und die von den Nägeln zerrissenen Füße u. Hände. - Michelangelos Christus zeigt keine durchlittenen Qualen. Das Haupt ist ohne Blut und Wunden, der Körper makellos und schön. - Die Madonna ist nicht die 47 jährige grummgebeugte Alte, sondern ein schönes, junges 16 Jähriges Mädchen, jünger als ihr Sohn. - Wie aber den Leichnam eines ausgewachsenen Mannes in den Schoß der Maria einbetten? Auf deutschen Vesperbildern greift der erstarrte Körper entweder beidseitig weit über den Schoß der Mutter heraus oder der Tote ist verkleinert. Michelangelo vergrößert die Madonna: sitzend 1,74 m wäre sie stehend 2,13 m, übergroße Knie, Beine. Hände und Kopf aber, die unbedeckt einen Vergleich mit dem Körper des Sohnes erlauben, beließ er in natürlicher Propertion. - Madonnas rechter Fuß sitzt auf einem Felsstück auf, so kann der angehobene Schenkel den Rücken des Sohnes stützen. Ihr linker senkt sich weiter ab, auf dem die Oberschenkel Christi ruhen, die durch die Schräglage nach Außen gedreht sind. Seine Füße treten weiter als die Knie nach hinten zurück, rechter aufgestellt, linker, mit Ferse zu uns, sitzt auf totem Baumstumpf. Der ganze Körper bewegt sich schräg im Raum und biegt sich um die Madonna herum. Faltenschwünge beleben die Gruppe. Die dominante Kurve, von Mantel- und Rocksaum der Madonna geformt, wird vom rechten Arm Christi aufgenommen, aufwärts zu seinem Haupt geführt, steigt weiter zur rechten Schulter der Maria, folgt deren Rundung hinüber zur anderen Seite, geleitet den linken Arm abwärts und geht nach außen, auf den Betrachter zu. - Christus wirkt tot, jedoch wären bei einem Toten die Adern unter der Haut, die kunstvoll herausgear-beitet sind, zusammen gefallen, Muskeln und Sehnen erschlafft, der Körper starr und in sich zusammen gesackt. Rechter Arm müsste senkrecht hinab hängen und Finger könnten sich an Falte nicht öffnen. Michelangelo, der selbst Tote sezierte, wollte keinen Toten abbilden.
Florentiener Pieta- Zwischen der ersten Pieta und dieser Skulptur liegen etwa 50 Jahre und man bemerkt die Veränderung. Wiederum aus einem Marmorblock versucht Michelangelo diesmal aber vier Personen zu gestalten. Neben Madonna und Christus, Maria Magdalena und Nikodemus, einen gottesfürchtigen Mann, der Jesus begraben haben soll. Jedoch behauptet Vasari (Künstler, Schüler von Michelangelo) dass das Gesicht dieser zentralen Figur, ein Selbstbildnis des Bildhauers ist. Dies unterstützt auch die Vermutung, dass die Skulptur für das eigene Grabmal gedacht gewesen sei. - Die Skulptur ist unvollendet, etwa um 1555 abgebrochen. Das rechte Bein des Christus fehlt, abge-brochen oder von M. zerstört. - Die Schwierigkeiten bei der Ausführung dieses Werkes, nicht nur von der Beschaffenheit des Mar-mors, sondern vor allem die wahrscheinlich hohen Ansprüche Michelangelos und der Anspruch aus einem einzigen Block die Gruppe herauszuarbeiten, führten dazu, dass er die Arbeit aufgab. Tiberio Calcagni führte die Arbeit weiter, man sieht es an der Maria Magdalena, die deutlich von den Anderen absticht, vollendete die Skulptur aber auch nicht. Zum Glück, vielleicht...
Pieta Rondanini- Aufnahme der Arbeit wahrscheinlich direkt nach Abbruch der Flor. Pieta und bis zu seinem Tod daran gearbeitet. Auch diese Skulptur ist unvollendet. Wie sie hätte vollendet werden können, ist schwer vorstellbar, da nur noch wenig Material vorhanden ist. Es muss mehrere Fassungen gegen haben, dass zeigt vor allem dass rechte Bein Christi und das stehengebliebene Armfragment an der linken Seite. - Das besondere ist jedoch, dass die Figuren, Madonna und Christus, stehend dargestellt sind. Es ist sogar nicht mehr ganz klar zu unterscheiden ob die Maria ihren Sohn oder dieser vielmehr die Mutter stützt. Pieta Palestrina
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