Afghanistan

Referat von Lukas Weidauer,
12. Klasse, am 29.11.2001


Das in Südostasien gelegene Afghanistan ist ein Land zwischen Hochgebirge, mit Vielfalt an Strukturen, Wüste, Steppe und Wald. Zum Teil ist es wegen der Höhenlage unfruchtbar. In klimatischer Hinsicht ist Afghanistan ein typisch kontinentales Land d. h. gekennzeichnet durch heiße Sommer, kalte Winter, geringe Luftfeuchtigkeit und Bewölkung, große tägliche und jährliche Temperaturschwankungen und Niederschlägen in der kalten Jahreszeit. Afghanistan ist ein Übergangsraum: unterschiedlichste Vegetationszonen befinden sich auf kleinstem Raum. Riesige Bergketten umgeben das Land, sodass Nachbarländer häufig nur über Pässe erreichbar sind.
Doch nicht nur in geografischer Sicht ist Afghanistan ein Spannungsfeld. Vor allem die politische Situation in dem Entwicklungsland mit niedrigster Entwicklung, ist so verworren, dass ein Begreifen der Hintergründe und der Geschichte vor allem nach den Geschehnissen vom 11. September nahezu unmöglich erscheinen. Ich will in meinem Referat versuchen euch ein Bild des Landes und seiner Vergangenheit zu vermitteln. Des weiteren möchte ich kurz etwas zu der Person Osama Bin Laden sagen.
Doch zunächst stichpunktartig einige Fakten über das Land:

  Afghanistan Deutschland
Fläche(in km²) 652.225 357.022
Bevölkerung(Einw. in Millionen) 22,474 82,183
Bevölkerungsdichte(Einw. pro km²) 34,5 230,2
Bevölkerungswachstum (in Prozent) 3,68 0,12
Fruchtbarkeitsrate (Geburten pro Frau) 6,8 1,4
Lebenserwartung Männer (in Jahren) 43 75
Lebenserwartung Frauen (in Jahren) 44 81
Säuglingssterblichkeit (in Promille) 161 5
Analphabeten Männer (in Prozent) 48,1 1,0
Analphabeten Frauen (in Prozent) 78,1 1,0
Bruttoinlandsprodukt (in Mio. US-Dollar) 21 000 1 878 113
BIP pro Kopf (in US-Dollar) 800 24 900
Empfangene Entwicklungshilfe (in Mio. US-Dollar) 279  
Exporterlöse (in Mio. US-Dollar) 149 562 295
Importausgaben (in Mio. US-Dollar) 525 509 660
Quelle: Spiegel Online, Almanach
Afghanistan-Lage
Nachbarländer sind: Pakistan, Iran, Turkmenistan, Uzbekistan, Tajikistan und China


Bevölkerung:
38 % Paschtunen
25 % Tadschiken
19 % Hazara
6 % Usbeken
Aimak, Nurestani, Belutschen, Turkmenen und Kirgisen

Landessprachen:
Dari, Paschtu (Amtssprachen), Usbekisch

Religion:
Islam (84 % Suniten, 15 % Schiiten)

Verkehr:
Schienennetz: 24,6 km
Straßennetz: 21 000 km, davon nur 2793 km befestigt
Zwei internationale Flughäfen in Kabul und Kandhar
1200 km Binnenwasserwege mit den Haupthäfen Khairabad und Shirkan.
Wirtschaft:
Aufteilung des BIP (1993):
Landwirtschaft 64,4 %, Industrie 20 %, Dienstleistungen 15,6 %

Landwirtschaft:
Baumwolle, Schafzucht, Getreide, Moon (für Opium)Anbau offiziell verboten Exporte: Obst, Nüsse, Drockenfrüchte, Drogen, Wolle, Karakulfälle


Industrie:
Teppichweberei ist ein traditioneller Industriezweig

Rohstoffe:
Erdgas, Kohle, Kupfer und Salz


Geschichte
1747 wird Afghanistan durch König Ahmed Schah gegründet. Ich will die geschichtliche Betrachtung Afghanistans auf die Zeit nach der Begründung richten. Im 19. Jh. fanden zahlreiche Kämpfe gegen die Perser, Russen und Briten statt. Hervorzuheben sind die drei britisch-afghanischen Kriege. Der erste ging von 1839 - 1842 und endete mit einer Niederlage der Briten. In dem zweiten von 1878 - 1880 gewannen die Briten die Oberhoheit. Und der dritte, der sog. "Afghanische Unabhängigkeitskrieg" von 1918 - 1919 endete mit dem Frieden von Rawalpindi und der Anerkennung Groß Britanniens 1921 der polit. Unabhängigkeit Afghanistans. Die Situation war die, dass die Briten versuchten ihre Kolonialmacht von Indien her zu erweitern. Die Russen hatten den Traum, einen Zugang zum Arabischen Meer und dem Indischen Ozean über den Persischen Golf zu erlangen. Dadurch war Afghanistan ständig ein Land zwischen zwei Fronten.

Unter der Herrschaft von Amanullah von 1919 - 1929, ab 1926 König, fanden einige Reformen statt: Die Einführung des Kabinettsystems, die Säkularisierung der Verwaltung, d.h. die Überführung von der Kirche auf den Staat, und die Abschaffung des Schleierzwangs. Doch 1929 kommt es zu Unruhen im Land und zu der Vertreibung des Königs Amanullah. Er wird abgelöst von dem General Mohammed Nadir und dieser wiederum nach vier Jahren durch Mohammed Sahir, der von 1933 - 1973 das Land führte. Er versuchte die Modernisierung des Landes voranzutreiben, erzielte eine Regelung der Grenzführung mit der UDSSR und Pakistan und schloß 1955 mit der UDSSR einen Beistandsvertrag ab, der auch sowjetische Militärhilfe beinhaltete. Durch die Neutralität Afghanistans, auch im zweiten Weltkrieg, und der Blockfreiheit erhielt das Land westliche und östliche Wirtschaftshilfe. 1964 erhält das Land eine neue Verfassung, 1965 finden die ersten Parlamentswahlen statt.

1973 wird König Sahir durch einen Militärputsch unter General Daud gestürzt. Dieser ruft die Republik aus. Aber auch er wird 1978 gestürzt und kommt dabei ums Leben. Sein Nachfolger wird Taraki, ein in der kommunistischen Sowjetunion ausgebildeter Offizier. Er ruft die sozialistische Volksrepublik Afghanistan aus. Es kommt zu der Unterzeichnung eines Vertrages über 20 Jahre "sowjetisch-afghanischer Freundschaft und Zusammenarbeit".

Daraufhin sendet die Sowjetunion dem neuen Staatschef etwa 2500 Offiziere zur Ausbildung seiner Armee. Des weiteren etwa 5000 Berater für die kommunistische Umgestaltung der Landwirtschaft, der Industrie, und des Finanz-, Gesundheits- und Bildungswesen. Darüber hinaus stellt sie bis Ende der siebziger Jahre folgende Waffen zur Verfügung:
100 Kampfflugzeuge, 30 Großhelikopter, 700 Tanks, 1000 gepanzerte Truppentransporter, sowie halbautomatische und automatische Handfeuerwaffen. Des weiteren wird in der Nähe der iranischen Grenze wurde ein sowjetischer Fliegerstützpunkt eingerichtet.

Jedoch geschah dies alles gegen den Willen des Volkes. Auch die neue Aufteilung des Großgrundbesitzes stieß auf Wiederwillen. Es kam zum Aufstand und die Geistlichen riefen zum "Heiligen Krieg" gegen die Kommunisten auf.
1979 kommt es zu blutigen Aufständen in Kabul. Taraki geht rücksichtslos gegen die Rebellen vor. Die Gefängnisse sind überfüllt, etwa 12 000 sollen hingerichtet worden sein. Es setzt eine Massenflucht der Bevölkerung nach Pakistan ein.

1979 lässt Ministerpräsident Amin Taraki ermorden. Im selben Jahr beginnt der Einfall der Sowjets in Afghanistan mit vorerst 30 000 Mann. Amin stellt sich zur Wehr und wird ermordet, worauf Babrak neuer Regierungschef wird. Mit welcher Legitimation die Sowjetunion in das Land einfiel bleibt bis heute eine Frage.
Sie behaupteten um Hilfe gebeten worden zu sein. Doch von wem? Und gegen wen? Wie Anfangs schon erwähnt hatten sie vielleicht immer noch die Hoffnung einen Zugang zu dem arabischen Meer und dem Indischen Ozean zu erlangen.
Es beginnt nun ein Kampf der sowjetischen Truppen gegen die Regierungstruppen und die Rebellen. Die Truppenstärke wurde bald auf 100 000 verstärkt, womit sie etwa ebenso vielen Rebellen gegenüber standen. Jedoch kannten diese das Land und führten den Krieg in kleinen Verbänden. Der Ausbruch des Kriegs hat zur folge das Tausende Flüchtlinge nach Pakistan, Indien, Europa und in den Iran aufbrachen. Bis Ende 1981 zwei Millionen Flüchtlinge, bis 1989 über vier Millionen und eine Millionen Tote. Die Angriffe der Sowjetunion stießen auf große Empörung in der westlichen und der dritten Welt.

Warum konnte die Sowjetunion Afghanistan nicht einnehmen?
Afghanistan entwickelte sich zum Schauplatz des Kalten Krieges: Der US - Geheimdienst sponserte die Mujaheddin jährlich mit 500 Millionen Dollar und half bei der Ausbildung zum Guerillakrieg. Weitere Unterstützung kam von Saudi Arabien und Pakistan. Bin Ladens Gruppe war damals eine von sieben Hauptgruppen unter den verschiedenen Mujaheddin-Fraktionen.

Wer ist Osama Bin Laden? Bin Laden wird 1955 (in manchen Quellen 1957) als 17. von 55 Kindern im saudi arabischen Dschidda geboren. Sein Vater ist Multimillionär und Bauunternehmer. Bin Laden absolviert ein Studium und wird Bauingenieur. Danach arbeitet er einige Zeit in dem Betrieb seines Vaters.
Erst Ende der siebziger Jahre kommt er zu dem Islam. Der Einfall des Sowjets in Afghanistan erregt ihn, sodass er beginnt das Land finanziell zu unterstützen. Doch nicht nur das, durch seinen Lehrer Abdullah Azzam entwickelt sich sein radikal islamisches Weltbild. Er geht nach Afghanistan und hilft die Infrastruktur auf zu bauen. Des weiteren werden unter seiner Anleitung zahlreiche Tunnel, Höhlen und unterirdische Gänge in die Berge gegraben.
1988 gründet er die Terrororganisation "Al-Qaidah" ("die Basis"). In von ihm errichteten Ausbildungslagern werden Tausende zu Selbstmordattentätern ausgebildet, die danach in alle Länder ausschweifen und sich dort in kleinen Gruppen selbst organisieren.
1989 kehrt Bin Laden nach Saudi Arabien zurück und arbeitet eine Zeitlang in dem Betrieb seines Vaters. Nach einigen Anschlägen, für die Bin Laden verantwortlich gemacht wurde, wird ihm 1994 die Staatsbürgerschaft aberkannt und er des Landes verwiesen. Außerdem wird er aus der Familie ausgeschlossen.
Er geht zunächst in den Sudan und baut seine Organisation weiter auf. Im Mai 1996 kehrt er nach Afghanistan zurück, stellt sich bald auf die Seite der Taliban und genießt bis heute deren Gastfreundschaft.

1986 löst Najibullah Barak ab und wird neuer Staatschef.
1988, unter Gorbatschow, kommt es zum Afghanistan-Abkommen in Genf zwischen der Sowjetunion, den USA, Pakistan und Afghanistan. Es wird die Garantie für die Unabhängigkeit von Afghanistan gegeben. Im selben Jahr beginnt der Truppenabzug der Sowjetunion und ist ein Jahr später beendet.

Doch die Hoffnung nach Frieden erstickt sehr schnell als es 1989 zu offenen Kämpfen zwischen den beiden größten Mujahedin-Parteien kommt und schließlich zum Bürgerkrieg. Nach dem erzwungenen rücktritt Najibullahs 1992 erobern die Mujahedin Kabul und nach und nach das ganze Land. Ein provisorischer Kriegsrat übernimmt die Macht. Einige Flüchtlinge kehren in ihre Heimat zurück.
Im Juni des Jahres wird Rabbani Präsident. Im Dezember verlängert er sein Mandat um zwei Jahre, was aber von einigen nicht anerkannt wird. Die Kämpfe verstärken sich. Alle westlichen Diplomaten verlassen Kabul. 1993 kommt es zum Friedensabkommen und Rabbani wird für weitere 18 Monate im Amt bestätigt.

Im Herbst 1994 erobern die "Taliban", eine neue politische Gruppierung von traditionalistischen, radikalen Mullahs und "Glaubensschülern" ("taliban"), Teile des Landes. Ständiger Kampf um die Hauptstadt Kabul.
1995, es herrscht gerade relative Ruhe in Kabul, sodass viele Flüchtlinge und Hilfsorganisationen zurück kehren, bemüht sich die UN erfolglos Rabbani zum rücktritt zu bewegen, um ein Parlament gründen zu können. Die Taliban erlangen weitere Erfolge.

1996 erobern die Taliban Kabul. Rabbani und die meisten übrigen Parteien organisieren sich zur Nordallianz. Das Regime der Taliban versetzt das Land Ende des 20. Jh. Zurück in die Steinzeit. Keine Schulbildung für Mädchen, keine Radios, von Fernsehern ganz zu schweigen. Keine Kinos, kein Ballspiel der Kinder auf der Straße. Bartpflicht für Männer und die Frauen werden in die Häuser verbannt.

1998 gibt es zwei schwere Erdbeben in NO-Afghanistan mit etwa 9500 Toten.
Außerdem kommt es zu US-amerikanische Angriffen auf terroristische Ausbildungslager in SO-Afghanistan, um Osama bin Laden zu treffen.

Die aktuellen Geschehnisse werden ja allen bekannt sein. Die Nordallianz hat das Land zurück erobert, mit Hilfe der Amerikaner, die nach den Anschlägen vom 11. September die Taliban stürzen und Bin Laden fangen wollen. Rabbani sitzt als Präsident wieder in Kabul.
Wollen wir hoffen, dass die Konferenz in Bonn der Anfang für eine friedliche Entwicklung des so Spannungsreichen Landes ist.
Lukas Weidauer, E-Mail an den Autor



Links zu Afghanistan:

Sehr empfehlen kann ich die Zeit-Online. www.zeit.de
Neben aktuellen Nachrichten gibt es die Zeit-Schwerpunkte zu Afghanistan. Zeit-Schwerpunkte
Des weiteren haben sie einen Korrespondenten in Pakistan (bald direkt in Afghanistan) der von dort berichtet. (Flüchtlingslager, Flüchtlingshandel...) Briefe eines Korrespodenten aus der Region
Und direkte E-Mails aus Kabul E-Mails aus Kabul


Ansonsten sind hier die besten Links zu Afghanistan:

AFGHAN GERMAN ONLINE www.afghan-german.de/
Afghanistan Online www.afghan-web.com/
Afghanistan-Site der Uni-Marburg stud-www.uni-marburg.de/~Alam/
Arbeitsgemeinschaft Afghanistan www.bglatzer.de/aga/index.html
Info-Site über Afgh. des Handelblattes www.handelsblatt.com/rd/pr/index.html
Worldfactbook des CIA www.odci.gov/cia/publications/factbook/geos/af.html

Wenn man Afghanistan in der Suchmaschine (www.google.de) eingibt, kann man sich gar nicht retten, auch Bilder findet man viele. Was ich noch empfehlen kann ist, bei den großen Medien (www.spiegel.de, www.deutschlandfunk.de, www.ard.de usw. mal in die Suchmaschinen "Afghanistan" einzugeben.
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