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12. Klass-Jahresarbeit von Lukas Weidauer: Nachhaltige Energieversorgung

2. 2. 1 Sich regenerierende Quellen

Auch wenn die Probleme der globalen Wasserversorgung oder der Abholzung des Regenwaldes, das Waldsterben nicht direkt etwas mit dem Thema "Nachhaltige Energieversorgung" zu tun hat, will ich doch nachfolgend kurz darauf eingehen. Denn an ihnen kann wunderbar verdeutlicht werden, was keine nachhaltige Nutzung für Auswirkungen haben kann. Des weiteren sind viele Ursachen des Waldsterbens auf das Verbrennen fossiler Brennstoffe zurück zu führen, womit man wieder bei der Energeipolitik wäre.

Wasser

Obwohl zwei Drittel der Wasserfläche einem Drittel Landfläche gegenüberstehen, und diese überall auf der Welt verteilt sind, ist der Wassermangel ein ernst zu nehmendes Problem. Einem Afrikaner nutzen die Zuläufe zur Nordsee wenig. Wasser ist also eine regionale Ressource.

Die gesamte Durchflussmenge an Süßwasser auf der Erde beträgt etwa 40 000 Kubikkilometer jährlich. Der gesamte Verbrauch der Menschen, auch mit der Wassernutzung für die Industrie, liegt bei etwa 3 500 Kubikkilometer im Jahr. Genug Wasser für alle, so scheint es. Jedoch ist diese Gesamtdurchflussmenge nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt. In vielen Gebieten regnet es nur zu bestimmten Jahreszeiten. Etwa 28 000 Kubikkilometer strömen bei Regenzeiten, in saisonalen Wasserläufen und als Hochwasserwellen in die Weltmeere. Bleibt ein Durchfluss von 12 000 Kubk-kilometern. Des weiteren fließen manche Flüsse durch nicht besiedeltes Land, womit die Zahl auf 7 000 km3 Durchflussmenge in Jahr sinkt.
Durch das Errichten von Staudämmen können saisonal auftretende Wassermengen gespeichert werden. Dadurch stehen insgesamt rund 3 000 Kubikkilometer mehr zur Verfügung. Allerdings sind die Nachteile von Staudämmen auch hinlänglich bekannt: Land wird überschwemmt, das landwirtschaftlich genutzt werden könnte, Menschen verlieren ihre Heimat, ökologisch wichtige Feuchtgebiete an Flussläufen werden zerstört.

Der entscheidende und wohl auch erschreckensde Punkt ist, dass die Menschheit nahezu genau so viel Wasser verschmutzt und durch Abgase vergiftet, wie sie insge-samt verbraucht. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wer-den 80 Prozent aller Krankheiten in den Entwicklungsländern durch verschmutztes Wasser ausgelöst. Aus dieser Ursache sterben jährlich zehnmal so viele Menschen wie durch Kriege. Die Wasserverschmutzung wächst exponentiell, ebenso wie der gesamte Wasserverbrauch. In den letzten 70 Jahren hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht. Der Wasserverbrauch stieg allerdings um das sechsfache.(22)





Abbildung 2.4: Im Jahr 2000 lebten 508 Millionen Menschen in den 31 unter Wasserknappheit oder Wassermangel leidenden Ländern, bis 2025 werden es 48 Länder mit insgesammt drei Milliarden Einwohner sein. Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 4,2 Milliarden Menschen (über 45 Prozent der Weltbevölkerung) in Ländern leben, in denen weniger als die 50 Liter pro Kopf täglich, die zur Befriedung des Grundbedarfs notwenig sind, zur Verfpgung stehen.(23)

Eine Verdopplung des Wasserverbrauchs ist noch möglich, die in etwa 20 Jahren erreicht sein wird.(24) Dies gilt jedoch als globale Betrachtung, denn in vielen Regionen gibt es heute bereits akuten Wassermangel. Diese Regionen liegen zumeist in den Entwicklungsländern und sind - bedingt durch die geografische Lage oder durch akuten Geldmangel - wenig imstande, Leitungen zu bauen oder Stauseen anzule-gen. Erstaunlich ist jedoch, dass gerade diese Menschen im internationalen Vergleich am wenigsten benötigen: Ein Mensch in Zentralafrika verbraucht 39 Liter Wasser am Tag, in Hannover sind 130 Liter, in Los Angeles 511 Liter.

Wälder

Das großflächige Vernichtung der Wälder ist ein klassisches Beispiel der ökolologischen Kurzsichtigkeit der Menscheit. Was auf den ersten Blick als entwicklungsfördernd und Gewinn machend, in Form von Urbarmachung, Papierherstellung und Holzverwertung umsichtig erscheint, erweist sich als eine grundlegende Bedrohung. Das so große und vielfältige, für den Wasserhaushalt und das Klima wichtige Ökosystem Wald, wird derart rasch vernichtet, dass es keine Zeit erhält sich zu regenerieren.

Vor 3 000 bis 4 000 Jahren, also noch vor der landwirtschaftlichen Nutzung der Erde, gab es 6 Milliarden Hektar Wald, das sind 60 Millionen Quadratkilometer. Heute sind es noch rund 4 Milliarden Hektar, davon 1,5 Milliarden Hektar in ihrem Urzustand erhalten. Das heißt, dass der Bestand von Waldungen auf zwei Driitel, und der Bestand von Urwäldern auf ein Viertel seiner ursprünglichen Fläche durch menschliches Tun geschrumpft ist. In den USA (ohne Alaska) sind ein Drittel aller Waldungen und 85 % der Urwälder verschwunden. Europa hat keine Urwälder mehr. Und in China sind nur noch ein Viertel der ehemals vorhandenen Waldfläche erhalten. Die größten zusammenhängenden Waldgebiete befinden sich in Kanada und Russland mit einer Gesamtfläche von 1,4 Milliarden Hektar.

Die tropischen Wälder unterscheiden sich grundsätzlich von den Waldungen in gemäßigten Zonen. Sie wachsen schneller und beherbergen eine größere Artenvielfalt. Jedoch ist ihr komplizierten Ökosystem sehr leicht zu zerstören. Es ist noch unklar, ob nicht schon ein Kahlschlag reicht, um den Wald so zu schädigen, dass er sich nicht mehr regenerieren kann. Fest steht aber, dass der Wald ein wichtiger Faktor für die Bodenbildung ist. Stärkere Niederschläge kann er aufnehmen, und wirkt so der Erosionswirkung entgegen. Von großen Einschlägen weiß man, dass Erdrutsche und Verschlammung zu großen Problemen werden können. Der Wald festigt den Boden an Hängen und hält die Ufer von Flüssen und Meeren frei von Schlamm. Er ist Heimat von vielen tausend Tieren, Pflanzen und auch Menschen. Vor allem aber sind die Regenwälder eine wichtige Komponente im globalen und regionalen Klimasystem. Sie mildern klimatische Schwankungen und wirken durch ihre Funktion im Kohlendioxidkreislauf dem Treibhauseffekt entgegen. Der Wert des Waldes ist also ganz bestimmt nur zum Teil nach wirtschaftlichen Maßstäben bewertbar.
Die Hälfte der tropischen Wälder ist bereits vernichtet. Und von dem noch vorhandenem ist die Hälfte bereits einmal eingeschlagen. Es gibt keine offiziellen Zahlen, wie schnell gerodet wird. Die FAO ermittelte 1980 einen Wert von 11,4 Millionen Hektar im Jahr. 1985 stieg dieser auf mehr 20 Millionen Hektar und Jahr an. Vor allem durch die politischen Änderungen in Brasilien sank er 1990 auf etwa 17 Millionen Hektar im Jahr.Wie kommt es, dass der Mensch in diesem Ausmaß seine Lebensgrundlage zerstört? In den tropischen Ländern sind die Ursachen vielseitig:
- als erstes sind da die internationalen Nutzholz- und Papierkonzerne, und man weiß ja, der Markt geht nie den vernüftigen Weg sondern reguliert sich selber nach Angebot und Nachfrage.
- oft haben die Ländern mit Tropenwald hohe Schulden, d.h. die Regierungen versuchen ihren Export zu steigern, um die Schulden begleichen zu können
- des weiteren sind da reiche Großgrundbesitzer und
- Rancher, Farmer und arme Leute, die Brennholz brauchen oder Land zum bewirt-schaften suchen, um leben zu können. Meist sind das große Familien, die aus den Slums der Städte kommen, um durch die Urbarmachung von Land überleben zu versuchen. Diese Faktoren spielen "gut" zusammen: Papierkonzerne handeln mit der Regierung Verträge aus, um Holz zu roden. Rancher, Farmer kommen in den geschlagenen Schneisen nach und suchen sich ihre Gebiete. Wie geht es weiter?
    1990 gab es noch etwa 800 Millionen Hektar Urwald, davon 330 Hektar Urwald in Brasilien. Etwa 17 Millionen Hektar, also 2,1 Prozent des Bestandes, wurden in 1990 gerodet. Wenn es bei der Entwaldung oder Abholzung von 17 Millionen Hektar jährlich bleibt, werden die Urwälder in 47 Jahren verschwunden sein. Diese mögliche Entwicklung beruht auf der Annahme, dass die Wirkungskräfte, welche die Entwaldung verursachen, sich 47 Jahre lang nicht ändern.
    Wächst aber die Rate der Abholzung exponentiell, zum Beispiel entsprechend der Wachstumsrate der Bevölkerung in tropischen Regionen (etwa 2,3 Prozent jährlich), dann sind die Urwälder schon in 30 Jahren vernichtet. Diese Annahme geht davon aus, dass die verantwortlichen Triebkräfte exponentiell zunehmen.
    Wenn jedoch die Rate der Entwaldung ein konstanter Prozentsatz (2,1 Prozent), des jeweils noch vorhandenen Bestandes an Urwäldern bleibt, fällt die tatsächliche gerodete Fläche Jahr um Jahr ein wenig. Die noch bewachsene Fläche nähert sich langsam Null und wird dann in etwa einem Jahrhundert weitgehend ver-schwunden sein. Diese Rechnung beruht auf der Annahme, dass jede Entfor-stung einer bestimmten Fläche die nächste Entforstung einer gleich großen Fläche etwas weniger wahrscheinlich macht, weil die nächstgelegenen günstigen Flächen immer zuerst entwaldet werden und dadurch immer ungeeigneter Waldflächen übrig bleiben.(25)


Noch wird der Wald abgeholtzt wie eine nicht regenerierende Ressource. In China werden jährlich 100 Millionen Kubikmeter mehr gerodet als nachwachsen kann. In Indien nehmen die Waldungen jährlich um 1,5 Millionen Hektar ab, der Verbrauch ist um das siebenfache höher, als in der selben Zeit nachwachsen kann. Besonders rasch geht die Rodung in Nordamerika voran: In den siebziger Jahren wurde in den Waldungen im Industriebesitz an der Westküste der Vereinigten Staaten rund 25 Prozent mehr Weichhölzer eingeschlagen, als der Holznachwuchs es erlaubt, in Staatswaldungen waren es sogar 61 Prozent zuviel. In der kanadischen Provinz British Columbia übertraf 1989 der Holzeinschlag die aufrechterhaltbare Rate um 30 Prozent.
Folgendes Schema soll helfen, dass Rodungsproblem in Südostasien zu verstehen.



Abbildung 2.5: In Südostasien ist der Wald massiv von der hohen Bevölkerungszahl bedroht.

(22) Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) (Hrsg.), Weltbevölkerungsbericht 2001. Bevölkerung und Umwelt, Hannover 2001.
(23)Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) (Hrsg.), Weltbevölkerungsbericht 2001. Bevölkerung und Umwelt, Hannover 2001 S. 5.
(24) Donella und Dennis Meadows, Jorgen Randers, Die neuen Grenzen des Wachstums, Reinbek bei Hamburg 2001, S. 82 ff.
(25) Donella und Dennis Meadows, Jorgen Randers, Die neuen Grenzen des Wachstums, Reinbek bei Hamburg 2001, S. 86ff.


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