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12. Klass-Jahresarbeit von Lukas Weidauer: Nachhaltige Energieversorgung

1. Kapitel - Bilanzen des Energieverbrauchs

"Wenn jeder Mensch einen Energie-, Wasser-, Land- und Stoffbedarf hat wie wir heutigen wohlhabenden Europäer, dann reicht die Erde nicht aus. Denn sie wächst ja nicht mit. Aber wenn wir mit dem Energieverbrauch so weiter machen wie bisher und wenn acht Milliarden Menschen das nachmachen, was wir ihnen vormachen, dann befürchte ich schwerwiegende Wetterveränderungen. Denn der Energieverbrauch heizt die Lufthülle der Erde auf."(9)
Ernst Ulrich von Weizsäcker

1. 1 Primärenergieverbrauch

Der Primärenergieverbrauch in Deutschland ist seit Beginn der 90er Jahre relativ konstant. Die sich ergebenden Schwankungen sind weitgehend temperaturbedingt. Trotz des gleichbleibenden Primärenergieverbrauchs, fand wirtschaftliches Wachs-tum statt. Der Energieverbrauch konnte also von dem Wirtschaftswachstum entkop-pelt werden. Oder andersherum: die Energieeffizienz ist erheblich gesteigert worden. Das Bruttosozialprodukt erhöhte sich nämlich zwischen 1972, dem Jahr des Ölpreis-schocks, und 1985 um rund ein Drittel, bei praktisch gleichbleibenden Einsatz von Primärenergie. Die Energieeffizienz stieg also um etwa 30 Prozent.

Deutschland ist mit rund 60 Prozent (1999) im Vergleich zu anderen EU-Ländern (EU-15: rund 50 Prozent) bereits heute überdurchschnittlich energieimportabhängig.(10) Der Primärenergieverbrauch in Deutschland beruht zu rund 85 Prozent, also dem größten Teil, auf dem Verbrennen fossiler Brennstoffe. Mineralöl nimmt dabei den größten Teil von etwa 40 Prozent ein, gefolgt von Naturgas mit etwa 21 Prozent. Steinkohle trägt mit etwa 13 Prozent bei, wobei die Förderung seit Jahren rückläufig ist. Das hängt damit zusammen, dass die Förderung der Steinkohle in Deutschland sehr teuer ist im Vergleich zu Importkohle. Des weiteren folgt die Braunkohle mit 10,3 Prozent und die Kernenergie mit 13 Prozent. Einen eher bescheidenen Anteil am Primärenergieverbrauch nehmen Wind und Wasser mit etwa drei Prozent ein.

Primärenergieverbrauch in Deutschland 1999
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Abbildung 2.1: Der Primärenergieverbrauch in Deutschland beruht zu rund 85 Prozent auf dem Ver-brennen fossiler Brennstoffe: Mineralöl, Kohle und Gas. Die Kernenergie trägt mit 13 Prozent, Wind und Wasser mit rund 3 Prozent zum Primärenergieverbrauch bei.

Öl und Gas haben in Deutschland beim Primärenergieverbrauch einen Marktanteil von zusammen rund 60 Prozent. Bei der Rohölversorgung ist Deutschland nahezu 100 Prozent von Importen abhängig. Im Jahre 2000 lag der Primärenergieverbrauch in Deutschland insgesamt bei 484 Mill. T SKE, das sind 14 173 PJ. Und damit um 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr, was aber vor allem auf Witterungseinflüsse zurückzuführen ist: 2000 war ein sehr warmes Jahr. Ohne den Temperatureffekt, wäre der Primärenergieverbrauch um etwa 0,6 Prozent gestiegen.

Um die Menge von 484 Mio. Tonnen (oder 484 000 000 000 kg) SKE etwas an-schaulicher zu machen, will ich versuchen ein Beispiel zu finden, um eine Relation zu schaffen. Würde man die Menge Steinkohle in einen Zug laden, so hätte dieser etwa sechs Millionen Wagen und wäre aneinander gereiht rund 75 000 km lang. Knapp zweimal um die Erde also. Statistisch entfallen somit im Jahr rund sechs Tonnen Steinkohle oder 4500 Liter Rohöl auf jeden Bürger der Bundesrepublik Deutschland.

Der Verbrauch im Einzelnen: Der gesamte Mineralölverbrauch lag im Jahr 2000 bei 128 Mill. Tonnen SKE und war damit 2,4 Prozent niedriger als 1999. Dies ist auf den anhaltenden Preisanstieg von Rohölprodukten zurückzuführen. Der Verbrauch von Erdgas sank um 1,2 Prozent auf rund 102 Mill. Tonnen SKE. Der Steinkohlenver-brauch stieg dagegen um 1,6 Prozent auf 65,5 Mill. Tonnen SKE. Maßgeblich dafür war die günstige Konjunktur in der Stahlindustrie. Die Verwendung von Inlandskohle und Exportkohle war dabei, wie schon in den Vorjahren, gegenläufig: Während das Exportaufkommen zunahm, sank der Inlandsabsatz um acht Prozent. Der Verbrauch von Braunkohlen stieg um etwa fünf Prozent auf 168 Mill. Tonnen SKE.

(9) Ernst Ulrich von Weizsäcker, Brief an meine Enkel, www.ernst.weizsaecker.de/. Erschienen in: Wor-auf du dich verlassen kannst. Prominente schreiben ihren Enkeln, Hrsg.: Klaus Möllering, Leipzig, S. 78-87.
(10) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI), Nachhaltige Energiepolitik für eine zu-kunftsfähige Energieversorgung. Energiebericht, Berlin Oktober 2001, S. 15.

© Lukas Weidauer | www.lukasweidauer.de.vu | [email protected]
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