Part 40
A Sorta Fairytale
Ich bet�tigte die Klingel und trat mit nerv�sem Blick einen Schritt zur�ck. Erst glaubte ich, es w�re niemand Zuhause, doch dann sah ich die Umrisse einer Person durch das milchige Glas der T�r auf mich zukommen und kurz darauf blickte mich Mr. Collins neugierig an.
�Hallo. Du warst ja schon lange nicht mehr hier�, gr��te er mich. �Ich kann mich gar nicht mehr an deinen Namen erinnern. Isabel?�
�Yvonne�, verbesserte ich l�chelnd. �Ich wollte zu Amber. Ist sie da?�
�Ja, du hast Gl�ck. Sie kam vor etwa zwanzig Minuten von der Arbeit, hat allerdings im Moment Besuch von einem jungen Herren. Komm rein, ich gebe ihr Bescheid, dass du hier bist.�
Mr. Collins verwies mich mit einer Handbewegung in den Salon, ging dann selber die Treppe in das n�chste Stockwerk nach oben. Ich stand im Salon, lie� meinen Blick �ber das Mobiliar gleiten und schielte dabei immer wieder durch die T�r zur Treppe. Heute war ein anstrengender Tag gewesen. Aufgrund von Unwohlsein war Tiffany eine Stunde eher gegangen und ich hatte das Restaurant nahezu alleine schmei�en m�ssen. Meine Beine schmerzten, als h�tte ich den ganzen Tag am Buckingham Palace Wache gestanden. Eigentlich hatte ich nach Feierabend nur noch einen Gedanken gehabt: Ab nach Hause und F��e hoch! Doch qu�lte mich mein Gewissen zu sehr. Ich musste endlich mit Amber sprechen, musste ihr manches erkl�ren. Orlando hatte mich gestern nochmals gefragt, ob er nicht doch mitkommen sollte. Ich fand sein Angebot wirklich nett, aber schlug es abermals aus. Dies war eine Sache zwischen Amber und mir. Amber war inzwischen meine Freundin geworden. Mit ihm hat sie nicht mehr viel zu tun, doch war auch er es gewesen, der den Kontakt zu ihr abgebrochen hatte. Ich warf einen Blick auf meine Armbanduhr. Hoffentlich w�rde die Sache schnell �ber die B�hne gehen. Ich wollte zwar nicht bei Orlando vorbei, aber nach Hause und mich hinlegen. Ungeduldig sah ich zur Treppe. Wer mochte wohl der Herrenbesuch sein? Amber hatte nie jemanden erw�hnt. Orlando war doch nicht etwa ohne Absprache mit mir hierher gekommen? So lieb er sich mir gegen�ber verhielt, so legte er jedoch auch eine �bertriebene F�rsorge an den Tag. Mir kam es so vor, als wollte er mich vor jeglichen Stress besch�tzen. Als f�rchtete er, dass die kleinste Ungereimtheit wieder eine Katastrophe in mir ausl�sen k�nnte. War er etwa hergekommen, um vor mir mit Amber zu sprechen?
Was soll das denn? Ich bin schlie�lich keine Irre, die eine Spezialbehandlung ben�tigt. Nein, ich m�chte mein Leben alleine meistern! Das habe ich schlie�lich bisher auch getan! Okay, bis auf ein Paar Ausnahmen, bei denen mir Rachel, David oder ein anderer Freund beiseite gestanden hatte. Doch er brauchte nun nicht auf Superheld machen. Das hatte er zuvor auch nicht gemacht.
Mr. Collins kam die Treppen heruntergepoltert und in den Salon. Er l�chelte mich an.
�Madame kommt sofort. Kann ich dir inzwischen irgendetwas anbieten? Tee? Kaffee?�
�Nein danke.�
�Du hast jetzt wohl Semesterferien, was?�
�Zum Gl�ck. Obwohl ich vor lauter Arbeit von den Ferien nicht gerade viel habe.�
�T�chtig. Man bekommt im Leben eben nichts geschenkt.� Er zwinkerte mir zu. �Amber wird sicher gleich hier sein.� Mit einem kurzen Kopfnicken lie� er mich allein und verschwand durch eine T�r im hinteren Bereich des Salons.
Ich wollte mich gerade gedanklich weiter �ber Orlando aufregen, als Stimmen und Schritte auf der Treppe erklangen. �berrascht erkannte ich, dass es sich bei dem m�nnlichen Wesen nicht um Orlando, sondern um Ben handelte. Nach all dem, was geschehen war, h�tte es mich nicht verwundert, wenn er die Nase ger�mpft h�tte und an mir vorbeigeschritten w�re. Doch er l�chelte mir gequ�lt zu und sah mich wehm�tig an.
�Warte einen Moment�, sagte Amber zu mir. �Ich bringe Ben eben zur T�r.�
Sie wirkte wie immer, vielleicht etwas ruhiger, doch erhielt ich weder einen absch�tzenden Blick noch eine Andeutung, dass ich verschwinden sollte.
An der T�r tauschten die beiden noch einige S�tze, dann verabschiedeten sie sich, wobei Amber Ben kurz in den Arm nahm. Mein schlechtes Gewissen meldete sich wieder. Ich musste Ben verdammt wehgetan haben.
Amber kam zur�ck. �Komm, wir gehen besser zu mir nach oben. Meine Mutter m�sste jeden Moment von ihrer Frauenrunde zur�ckkommen und wenn sie uns hier sieht, d�rfen wir uns alle Gespr�chsthemen des Nachmittags anh�ren.� Sie grinste einen Augenblick, drehte sich um und ging mir voran die Treppen hoch.
In ihrem Zimmer roch es nach R�ucherst�bchen und zwei Tassen standen auf dem Boden neben den Sitzkissen.
�M�chtest du was trinken?�, fragte sie.
�Danke Amber, aber ich f�rchte, dass ich dir dann hier einschlafe.� Ich l�chelte m�de.
�Anstrengenden Tag gehabt?�
Ich nickte und erz�hlte ihr von der Arbeit, w�hrend wir uns setzten.
�Klingt nicht gerade toll. Aber bei uns ist es auch nicht besser�, sagte sie am Ende meines Berichtes. �David ist total �bel gelaunt. Ben und ich gehen ihm so gut es geht aus dem Weg.�
�Zum Gl�ck ist er bald weg�, st�hnte ich.
�Ja, er fliegt Sonntag.�
Ich sah sie an. �Sonntag schon?�
�Wei�t du das nicht?�
�Der Herr redet nicht mehr mit mir.�
�Ach so. Ich dachte schon, dass dich das nicht weiter interessieren w�rde, jetzt wo Orlando wieder da ist.� Ihre Stimme klang bissig. �Ja, jetzt brauchst du die anderen Kerle schlie�lich nicht mehr.�
�Amber bitte. Du hast keine Ahnung, was alles geschehen ist, weshalb ich neulich so ausgerastet bin.�
�Dann hast du jetzt die M�glichkeit, mir die Dinge zu erkl�ren.�
Abwartend sah sie mich. Ich nickte, atmete nochmals durch und begann zu erz�hlen. Ich war bem�ht, nichts auszulassen, erz�hlte ihr von meinem Gef�hlschaos, von der neuen Vereinbarung zwischen Orlando und mir und die Wahrheit �ber die Nacht mit David. Schlie�lich kannte sie auch nur die Alkohol-Variante. Da David Rachels Bruder ist, hatte ich ihr nicht sagen wollen, wie es wirklich gewesen war, aber Amber sollte die Wahrheit wissen. Sie wirkte �berrascht �ber die neuen Tatsachen und je mehr ich preisgab, desto mehr der verst�ndlichen Amber kehrte zur�ck. Ich glaube, Amber kann wirklich niemanden lange ernsthaft b�se sein.
�Es tut mir leid, dass ich dir nicht von David und mir erz�hlte, doch ich wollte das Ganze einfach nur vergessen�, sagte ich zum Abschluss. �Du siehst ja, was diese Nacht gebracht hat. Es ist wirklich nichts, worauf ich stolz sein kann.�
�Ich fasse es nicht. Wieso verh�lt er sich derart?� Amber knuffte eines der Sitzkissen. �Gut, ich finde es auch nicht toll, dass du Orlando so schnell verziehen hast, aber er kann dir doch nicht verbieten, mit ihm zusammenzusein.�
�Das tut er auch nicht. Er wei�, dass er das nicht kann.� Ich sah sie �ber die kurze Distanz zwischen uns an. �Allerdings hat David seine eigenen Regeln. Schon als ich eingezogen bin, sagte er zu mir: So Yvonne, jetzt bist du hier und hast zwei M�glichkeiten. Entweder spielst du im selben Team wie ich oder du bist gegen mich. Doch glaube mir, dann wirst du verlieren. Ich habe nie weiter dar�ber nachgedacht, da wir ein Team waren. Aber nun... Wenn es nicht nach seinem Willen geht...�
�Und Hallo!?�, regte sich Amber weiter auf, h�rte mir gar nicht zu. �Er kann doch nicht den Stress, den er wegen eures Techtelmechtels mit seiner Franzecke hat, an dir auslassen. Vor allem nicht, wenn gar kein Alkohol im Spiel war! Er hat genau gewusst, was er tat!�
�Vielleicht hat er es gewusst, aber vielleicht war es ihm in diesem Moment einfach nur egal. Ich h�tte auch vern�nftig sein k�nnen, doch ich war es nicht. Ich wollte ebenso mit ihm schlafen wie er mit mir.�
�Kann man dir nicht ver�beln. Schau ihn doch mal an.� Amber seufzte.
�Das ist keine Entschuldigung, auch wenn ich zugeben muss, dass ich einen totalen Kurzschluss hatte. Es war wie eine Kettenreaktion. Aber ich h�tte es nicht dazu kommen lassen d�rfen.�
�Das spielt jetzt keine Rolle mehr.�
�Amber, es tut mir so leid. Ich wollte dir ganz sicher nicht wehtun. Ich wei� doch, was du f�r ihn empfindest und...�
�Lass gut sein. David und ich sind kein Paar. Du hast keine Aff�re mit meinem Freund.�
�Aber du musst doch w�tend sein?�
�W�tend bin ich nur mit mir selber�, antwortete sie. �W�tend bin ich, weil ich so bin, wie ich bin. Nichts Besonderes eben. Ich bin w�tend, weil M�nner dich interessant finden und mich nicht.�
�Bitte?� Ich sah sie unverstanden an.
Sie schluckte einen Moment. �Orlando wollte lediglich eine Freundschaft mit mir. Nach einigen K�ssen war ich schon nicht mehr interessant genug f�r ihn. Dann tauchst du auf der Bildfl�che auf und weckst sein Interesse so sehr, dass er nahezu wieder angekrochen kommt. David bemerkt mich nicht einmal, schl�ft aber mit dir. Und auch Ben und Chiar�n geiern dir hinterher, obwohl du vom �u�eren her wirklich nur das nette M�del von nebenan bist und keine Traumfrau. Ich verstehe nicht, was an dir so besonders ist und an mir nicht. Diese Zur�ckweisung tut weh, doch kannst du daf�r nichts. Du bist eben, wie du bist.�
�Amber, ich wusste nicht, dass du...�
�Ist schon okay. Eines Tages werde ich schon einem Kerl begegnen, den ich nicht langweilen werde. Und wenn ich dein Leben sehe, m�chte ich wirklich nicht tauschen.� Sie streckte mir neckend die Zunge raus. �Du hast zwar jede Menge Verehrer, bist im Grunde aber doch allein.
Der letzte Satz hatte gesessen, da er der Wahrheit entsprach.
�Danke f�r dein Mitgef�hl�, knurrte ich gespielt hervor, damit sie meine Best�rztheit �ber ihre Aussage nicht bemerkte.
Wir l�chelten uns kurz an.
�Und was ist nun? M�chtest du in Zukunft noch mit mir zu tun haben?�
Amber dachte nach. �Ich wei� nicht. Du bist eine wirklich anstrengende Person und l�sst dir nicht gerade helfen.�
�Ich wei�...�
�Ich denke, wir warten einfach ab, wie die Dinge sich entwickeln. Erwarte nur nicht, dass ich in Euphorie ausbreche, wenn ich Orlando sehe. Im Gegensatz zu dir habe ich ihm noch nicht verziehen. Aber schlie�lich bist du mit ihm zusammen und nicht ich.�
�Danke Amber.�
�Allerdings denke ich auch, dass David und du euch aussprechen solltet.�
Ich sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. �David kann mich mal kreuzweise.�
�Yvonne, glaub mir, wenn ihr beide nun stur bleibt, werdet ihr es eines Tages bereuen. Man sollte eine gute Freundschaft nicht so einfach aufgeben.�
�Zeigen solche Momente nicht die Beschaffenheit einer Freundschaft?�, fragte ich. �Ich meine, hat eine Freundschaft, die enden kann, je wirklich bestanden?�
Amber zuckte mit den Schultern. �Du musst es wissen. Aber sag, willst du wirklich, dass David und du zu Feinden werdet? M�chtest du einen guten Freund wegen Orlando aufgeben? David war immer f�r dich da. Orlando kennst du noch nicht so lange. Du solltest ihm im Verliebtheitswahn nicht eine Priorit�t geben, die er sich eigentlich verdienen muss.�
Ich wich ihr aus. �Amber, ich bin m�de. Ich gehe nun besser nach Hause.�
Wir standen auf und Amber brachte mich wie zuvor Ben zur Haust�re. Dort hielt sie mich zur�ck.
�Yvonne, eine Frage h�tte ich nur noch.�
Ich sah sie an und sie err�tete, sah mich sch�chtern an.
�Was m�chtest du wissen?�
Verlegen schob sie ihre Haare zur�ck. �David... Wie war es?�
Ich blickte sie einen Moment unfreundlich an, bedachte dann aber, wie ich mich in den vergangenen Wochen ihr gegen�ber verhalten hatte. Ihr zu sagen, wie ihr Schwarm war, war das Mindeste, was ich tun konnte. Ich sah zu Boden und holte die Erinnerung an David wieder hervor. Erinnerte mich an seine K�sse und Ber�hrungen. Ich sp�rte, wie sich ein L�cheln auf meinem Gesicht bildete und in meinem Kopf spielte ein altes Lied von Bryan Adams.
�Only wanted to stay a while, only wanted to play a while
Then you taught me to fly like a bird
Baby, thought I�d died and gone to heaven
Such a night I never had before�
Wieso kam mir dieses Lied in den Sinn? Es handelte sich wirklich nur um eine Nacht. Doch war ich geflogen wie ein Vogel? Hatte David mir das beigebracht? So ein Unsinn! Er hatte mich gewisserma�en befreit, aber hatte ich gef�hlt, als w�rde ich sterben und gen Himmel schweben? Okay, wenn der Himmel sich so anf�hlt: Jederzeit wieder! Und hatte ich zuvor nie eine vergleichbare Nacht gehabt? Doch, hatte ich! Sogar bessere! Mit romantischer Musik und Kerzenschein und der Kerl war am n�chsten Morgen nicht einfach abgehauen, wie David es getan hatte.
�Yvonne?� Amber sah mich an. �Du musst nicht...�
�Es war�, antwortete ich geistesabwesend, �als w�re ich gestorben und im Himmel erwacht.�
Als ich nach Hause kam, h�rte ich lediglich Musik aus Simons Zimmer. Weder David noch Chiar�n waren irgendwo zu sehen. Ich schl�pfte aus meinen Schuhen und warf sie im Vorbeigehen in mein Zimmer. In der K�che suchte ich nach etwas Essbarem, doch f�ndig wurde ich nicht. Anscheinend hatte niemand es f�r n�tig gehalten zu kochen. Also machte ich mir ein Sandwich, welches ich im Stehen vor dem K�chenfenster a� und dabei auf die Stra�e hinuntersah. Anschlie�end wollte ich meinen Plan von vorhin in die Tat umsetzen und mich hinlegen. Vor Simons Zimmert�r blieb ich stehen. Wenigstens Hallo sollte ich ihm sagen. Nach einem raschen Anklopfen stie� ich die T�r auf. Ich wollte gerade mit einer Begr��ungsrede beginnen, als ich sah, dass er nicht alleine war. Ein br�nettes M�dchen sa� neben ihm auf dem Bett. Ihre Sneakers lagen vor diesem und ihre Beine lagen quer �ber Simons Schoss. Zugegeben, ich musste einen selten d�mlichen Gesichtsausdruck gemacht haben. Das M�dchen r�ckte verlegen ihre Beine von Simon und zog diese sch�tzend an ihren K�rper.
�Muffy!�, sagte Simon. �Ich wusste gar nicht, dass du heute hier bist.�
�Entschuldigung�, brachte ich dumm hervor.
�Aber dann lernst du Sam kennen!�
Er sprang auf, nahm die Hand des M�dchens und zog sie mit sich. Vor mir blieb er stehen und ich stellte erst einmal fest, dass es mir lieber gewesen w�re, wenn sie weitergesessen w�re. Ihre Gr��e �berragte meine n�mlich um einiges.
�Sam, das ist Yvonne. Yvonne, das ist Samantha�, machte Simon uns miteinander bekannt.
�Hi.� Auch das klang dumm.
�Hallo.� Das M�dchen wirkte noch immer verlegen. Ich sch�tzte sie auf zwanzig.
Simon strahlte uns an wie ein Honigkuchenpferd und erz�hlte, dass wir uns bereits kennen m�ssten. Angeblich hatten wir Samantha vor einem Jahr in einem Gesch�ft in der Innenstadt gesehen und Simon w�re sofort Feuer und Flamme gewesen, hatte sich aber nicht getraut, sie anzusprechen, weshalb ich ihr schlie�lich die Telefonnummer gegeben h�tte. Samantha nickte und meinte, sie w�rde sich noch gut darin erinnern. Auch mir kehrte eine blasse Erinnerung zur�ck. Das Telefon klingelte und Simon entschuldigte sich f�r einen Augenblick.
�Simon sagt, du kommst aus Deutschland?�, fragte Samantha. �Ich bin auch Deutsche.�
Ich nickte. �Haben wir damals nicht Deutsch gesprochen?�
�Ja, haben wir.� Sie versuchte ein L�cheln, als sie auf Deutsch antwortete.
Ich ging ebenfalls in meine Muttersprache �ber.
�Vor einem Jahr... Ihr habt euch m�chtig Zeit gelassen.� Yvonne, kannst du heute auch mal etwas Produktives sagen und deine Stimme nicht ganz so abwertend klingen lassen.
�Wir hatten uns auch aus den Augen verloren�, erkl�rte sie. Sie wirkte ungemein nerv�s.
Wir schwiegen einen Moment.
�Und du studierst hier?�, stellte sie die n�chste Frage. �Ich stelle mir das ziemlich schwierig vor. Eine fremde Sprache und nebenbei jobben.�
Wieder nickte ich. �Literatur und Englisch.�
�Simon erz�hlte mir, du schreibst f�r eine Zeitung.� Sie sah mich mit respektvollen Blick an.
Ach, Simon scheint ziemlich viel zu sagen. �Noch nicht lange. Und was machst du?�
�Ich gehe auf eine Maskenbildnerschule. Leider musste ich aufgrund eines Unfalls dieses Fr�hjahr aussetzen, aber im Herbst geht es weiter.�
Ich hob die Augenbrauen an. Sie war also eine bessere Friseurin. Samantha bemerkte meinen Blick und ich �berlegte, was ich sagen k�nnte, damit sie nicht ahnte, was ich von ihrer T�tigkeit hielt.
�Maskenbildnerin. Ist doch interessant. Ein schwuler Freund von mir macht das auch.� Toll Yvonne, das �schwul� h�ttest du weglassen k�nnen.
Samantha nickte. Ich hoffte, sie sch�tzte mich nicht als gar zu �berheblich ein. Da kam Simon zur�ck.
�Der Andr� Schneider hat �brigens heute Mittag angerufen�, sagte er. �Du sollst ihn bitte zur�ckrufen.�
Mich �berraschte, dass Andr� angerufen hatte. F�r gew�hnlich kommunizierten wir per E-Mail. Doch ebenso hatte mich Samanthas Reaktion beim Klang seines Namens �berrascht. Sie hatte verbl�fft und interessiert aufgehorcht. Sagte ihr der Name etwas? War sie etwa ein Fan von Orlando?
�Na, dann lasse ich euch mal wieder allein und werde ihn anrufen.� Ich wandte mich zum Gehen.
�Muffin, bist du heute Abend hier oder gehst du zu Bloom?�, wollte Simon wissen.
Ich blickte wieder zu Samantha, die ziemlich nerv�s wirkte und zu Boden blickte.
�Nein, ich werde heute hier sein.� Mir wurde die Situation unangenehm. Simon sollte nicht so offen �ber Orlando sprechen. Nicht wenn jemand Fremdes hier war. Ich kannte seine kleine Freundin schlie�lich nicht.
�Muffin. Das ist ein netter Name. Wie kommst du denn zu dem?� Sam sah mich wieder an und l�chelte.
�Den habe ich meinen Freunden hier zu verdanken. Du kennst doch die Definition?�
Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich kenne die Kekse...�
�Ein Muffin. Ein gef�lltes Geb�ckst�ck, das sowohl angenehme Zutaten als auch Ungenie�bares enthalten kann, wobei man dies allerdings von au�en nicht sieht. Tja, und das britische Wort Muff bezeichnet einen unsportlichen, untalentierten, unwissenden Menschen. Eine Niete, einen Versager, ein Nichts.� Ich seufzte. �Sie haben mir den Namen schon zurecht gegeben.�
Mit einem letzten L�cheln ging ich Richtung Salon, suchte am PC nach meinem Adressbuch und schnappte mir das Telefon. W�hrend der Rufton erklang, setzte ich mich in den Sessel.
�Hallo?�
�Hallo Andr�, ich bin es, Yvonne�, meldete ich mich.
�Na du, wie geht es dir?�
�Meine Beine schmerzen, aber ansonsten geht es mir gut. Und selber?�
�Kann nicht klagen. Und was macht unser Star?�
Ich lachte auf. �Spielt die Rolle des treuliebenden Freundes.�
�Dann achte mal darauf, dass du ein langes Drehbuch schreibst und die Gage gut ist, damit er bleibt. Aber erz�hl mal, wie ist die Lage bei euch?�
Seufzend erz�hlte ich ihm von den vergangenen Tagen. Andr� h�rte wie immer zu, lachte hin und wieder.
�Mit Cole hast du keinen leichten Gegner. Er ist gef�hrlicher als du, weil er ehrlich ist und wei�, was er will.�
�Ja, er will mich aus der Wohnung haben und zwar mit aller Macht, die er aufbringen kann.�
��ber alles hat der Mensch Macht, nur nicht �ber sein Herz. Das k�nnte auch sein Schwachpunkt sein.� Er raschelte mit etwas herum.
�Dazu m�sste er eines haben, aber David besteht lediglich aus reservierter K�hle. Typisch Brite. Was tust du denn da?�
�Ach, ich habe ein Buch gefunden, mit Zitaten und Spr�chen. Ist ganz nett. H�r mal: Liebe besteht zum gr��ten Teil aus Neugierde. Entspricht das nicht der Wahrheit? Solange du einen Menschen kennen lernst, ist es einfach, in ihn verliebt zu sein. Verpufft die Neugierde �ber ihn allerdings, war�s das oft mit der Liebe.�
�Ganz toll, Andr�. Spielst du etwa darauf an, dass Orlando lediglich neugierig ist, weil ich einen an der Waffel habe und anders bin?�
�Man kann Liebe selten zu sp�t, immer zu bald gestehen.�
�Andr�?�
�Jean Paul. F�r wahre Liebe ist es nie zu sp�t, doch betr�gen wir uns selber, indem wir sie zu schnell aussprechen, ohne uns ihrer bewusst zu sein.�
�Ich liebe es, wenn du in R�tseln sprichst.�
�Fr�her oder sp�ter wirst du verstehen, was ich meine. Ich hoffe jedoch, dass es fr�her sein wird.�
�Du kannst mir auch einfach sagen, was du meinst�, st�hnte ich in einem gespielt genervt klingenden Ton.
�Lass mich �berlegen. Nein.�
�Du bist doof.�
Aufgrund der Telefonkosten konnten wir die Diskussion nicht weiterf�hren, doch versprach Andr�, mir zu schreiben. Auch ich gab ihm dieses Versprechen. G�hnend stand ich auf und ging in mein Zimmer, wechselte meine Kleidung, schloss die Jalousien und warf mich auf mein Bett und starrte an die Decke. David w�rde Sonntag gehen. In f�nf Tagen w�rde er wegsein. Wenn das kein Lichtblick am Ende des Tunnels war?
Amber und ich w�rden die Probleme wieder aus der Welt schaffen. Sie w�rde sich wieder mit Orlando vertragen und ich w�rde die Sache mit David wieder hinbiegen. Amber hatte Recht. David war mir zu wichtig. Wir w�rden zwar nie wieder die Freunde werden k�nnen, die wir einst waren, aber wollte ich wenigstens wieder mit ihm reden k�nnen. Schon weil wir uns nicht st�ndig aus dem Weg gehen konnten, da wir dieselben Freunde hatten.
Und auch wenn er mich momentan nicht gerade liebevoll behandelt, so respektiere ich ihn dennoch. Seine Meinung ist mir wichtig und ich frage mich, was ich falsch gemacht habe. Was hat er nur? F�rchtet er so sehr, dass mir durch Orlando wieder etwas passieren und er diesmal zu sp�t kommen k�nnte? Ach, was ist nur mit ihm los? Wenn ich an diese Nacht denke...
Himmel! Ich hatte mir nie Gedanken �ber diese Nacht gemacht. Vielleicht h�tte ich es getan, aber das Gespr�ch, welches David und ich am n�chsten Tag gef�hrt hatten, hatte einen Graben zwischen uns ausgehoben, gegen den der Grand Canyon ein lausiges Tal war. Sofort hatte ich meine Gedanken von allen Empfindungen befreit. Doch nun hatte Amber mit ihrer Frage alles erneut aufgew�hlt.
Ich setzte mich im Bett auf. Nein, ich will David nicht verlieren. Ich will ihn wiederhaben, unsere Freundschaft zur�ckhaben. Morgen werde ich mit reden. Ich werde meinen Stolz vergessen und auf ihn zugehen. Egal wie sehr ich mich dem�tige, ich werde mit ihm sprechen, ihm sagen, wie ich mich f�hle und ich werde k�mpfen!
*
Am n�chsten Tag hatte ich frei. Allerdings musste ich zu meiner Therapiesitzung bei Dr. Fleming. Wieder bestimmte ich das Gespr�chsthema und fragte ihn nach Rat. Er stimmte mir zu und meinte, dass ein offenes Gespr�ch mit David die beste L�sung w�re.
Als ich die Praxis verlassen hatte, rief ich Orlando von meinem Handy aus an. Er hatte heute einen Fototermin gehabt, war aber bereits wieder Zuhause und fragte, ob ich vorbeikommen w�rde. Ich stimmte zu, erkl�rte jedoch, dass ich erst noch etwas erledigen m�sste.
Obwohl es Sp�tnachmittag war, waren David, Chiar�n und Mike in der Wohnung. Ich vermutete, dass sie heute gemeinsam etwas unternommen hatten. Sie sa�en im Salon, tranken Tee und unterhielten sich, sahen allerdings auf, als ich eintrat und begr��ten mich sogar. Zumindest Mike und Chiar�n. Ich wollte eben David ansprechen, als dieser mir zuvorkam.
�Deine Redakteurin hat angerufen�, sagte er mit monotoner Stimme. �Sie ist mit deiner Arbeit zufrieden und wird zwei deiner geschriebenen Artikel verwenden. Sie ruft n�chste Woche noch mal an, weil sie die n�chsten Tage auf einem Seminar sein wird.�
�Oh danke.�
Doch David beachtete mich nicht weiter. Ich wollte schon bissig fragen, weshalb er mir diese Nachricht nicht hatte schriftlich zukommen lassen, als die drei ihre Unterhaltung einfach weiterf�hrten.
�Auf jeden Fall machen wir am Samstagabend eine Abschiedsparty. Da kommst du nicht drum rum�, verk�ndete Mike. �Und da deine Freundin bereits in Paris ist, werden wir die Sau rauslassen, das kannst du mir glauben.�
�Leute, das muss doch nicht sein�, widersprach David, doch wurde er gar nicht erh�rt und Chiar�n und Mike planten weiter. Chiar�n begann bereits, eine Einkaufsliste zu erstellen.
Ich stand noch immer an der T�r. Sonntag w�rde er tats�chlich gehen. Und Monique war anscheinend schon in Paris. Wahrscheinlich bereitete sie alles f�r die Ankunft ihres Liebsten vor. Ich verwarf diesen ekelerregenden Gedanken und sah zu den drei M�nnern. W�hrend Chiar�n und Mike einen Partyentwurf starteten, stand David seufzend auf und sagte ihnen, dass er noch einen Tee machen w�rde. Er ergriff die drei Tassen und lief an mir vorbei zur K�che. Wahrscheinlich war das die Gelegenheit. Ich wartete einige Sekunden und folgte ihm.
�David?�, sprach ich ihn an. �H�ttest du einen Augenblick Zeit? Ich w�rde gerne mit dir reden.� Mein Herz klopfte irgendwo in meinem Hals und erschwerte mir das Schlucken.
Ich hatte geglaubt, dass David mir eine Abfuhr erteilen w�rde, doch irrte ich mich.
Er nickte lediglich, sah mich jedoch nicht an.
�Geh in dein Zimmer. Ich komme sofort.�
Mir missfiel zwar, dass er den Austragungsort und Zeitpunkt bestimmte, doch war ich bereit, dies zu �bersehen, da er mir schlie�lich eine Art Audienz gestattete. Und was war schon Stolz gegen Freundschaft?
Ich nickte ebenfalls und verlie� die K�che. In meinem Zimmer begann ich, Sachen f�r die Nacht bei Orlando zusammenzupacken. Ich durchforstete gerade meinen Kleiderschrank, als es an der T�r klopfte und David das Zimmer betrat. Ich streifte ihn mit einem kurzen Blick, wandte mich dann wieder ab. Es verwirrte mich, dass er meiner Bitte nachgekommen war, dass er wie ich seinem Stolz nachgekommen war. Mich hatte es schlie�lich auch �berwindung gekostet, ihn um dieses Gespr�ch zu bitten.
�Du wolltest mich sprechen?�, fragte er. �Also, hier bin ich.�
�Ja�, stammelte ich und stopfte einen Stapel Shirts zur�ck in das Schrankfach. �Es ist mir wirklich wichtig.�
Er nickte kurz und schloss die T�r hinter sich. �Ich wollte mit dir auch etwas besprechen.�
Der Stapel Shirts rutschte aus meiner Hand und fiel zu Boden. Ich sah kurz auf den W�schehaufen, lie� ihn aber liegen, wo er war.
�Du brauchst keine Angst haben�, sagte David. �Es geht nur darum, dass ich nicht m�chte, dass es so zwischen uns beiden weitergeht.�
�Genau darum geht es mir auch�, erwiderte ich und kickte die W�sche mit dem Fu� ein St�ck zur Seite, ging dann auf David zu.
�Ich m�chte nicht im Streit nach Frankreich gehen.�
�Das m�chte ich auch nicht.�
Davids Augen wurden schmaler.
�Ich meine, ich m�chte nicht, dass du nach Frankreich gehst und wir nicht wie zwei normale Menschen miteinander reden k�nnen�, korrigierte ich meine Aussage.
�Es sind einige dumme Sachen gelaufen, aber inzwischen ist mir das Ganze nur noch l�stig. Es nervt mich alles.�
�Deshalb wollte ich dich um eine Art Waffenstillstand bitten.�
�Ich denke auch, dass wir es hinbekommen k�nnen, dass du mich in Ruhe l�sst und ich dich und wir einander respektvoll behandeln. Zumindest wird dies die L�sung sein, solange ich in Paris sein werde. Danach werden wir sehen, was wir machen k�nnen. Vielleicht ziehst du dann wirklich zu Bloom oder ich suche mir eine eigene Wohnung. Wie du wei�t, schwebte mir dies auch schon vor.�
Ich nickte kurz. Unerkl�rlicherweise zitterten meine Knie und mein Herz schlug wild vor Aufregung. Ich wollte meinen David wiederhaben. Den David, der in meine Seele blicken konnte, so unwohl ich �ber dies auch manchmal f�hlte. Den David, der mich besser kannte als ich mich selbst. Den David, der immer bereits wusste, was zu tun ist, ehe ich �berhaupt fragte. Den David, der mir energisch zusprach, wenn ich schwach wurde. Ich wollte wieder mit ihm reden und lachen k�nnen. Es ging mir nicht nur um einen Waffenstillstand bis zu seiner m�glichen R�ckkehr. Ich wollte, dass ich ihn wieder um Rat fragen konnte, dass er wieder f�r mich da war, wenn ich ihn brauchte. Wollte, dass er mit Orlando auskam. Er geh�rte ebenso zu meinem Leben wie Letzterer. Doch wenn er nach Frankreich ginge, w�rde ich ihn letztendlich ganz verlieren. Ich w�rde keine M�glichkeit haben, ihn wenigstens noch in der WG zu begegnen. Ich k�nnte nicht einfach in den Laden gehen und ihm bei der Arbeit aufsuchen. Er w�re weg. Und was w�rde dann aus mir?
David sah mich an und wartete darauf, dass ich etwas sagte. Doch ich konnte nicht. Mein Hals war wie zugeschn�rt. Meine Beine schienen an Kraft zu verlieren und ich sank auf die Bettkante.
�Dann w�re das ja gekl�rt�, sagte er schlie�lich, als von mir nichts kam. �Du l�sst mich in Ruhe und ich dich. Sonst noch etwas?�
Ich sch�ttelte den Kopf.
Er ergriff den T�rknauf, drehte diesen und �ffnete die T�r. Panisch sah ich ihm dabei zu.
Gleich wird er wegsein... Yvonne, sag endlich was! Du hast noch nicht gesagt, worum es dir wirklich geht, was du wirklich m�chtest! Du wolltest nicht nur Friedenschlie�en! Du hast ihm nicht gesagt, wie du dich f�hlst. Trau dich endlich!
�Ich will nicht das du gehst!�, entfuhr es mir.
David stoppte in seiner Bewegung und sah mich an.
�Geh nicht nach Frankreich.�
Er warf einen kurzen Blick auf den Flur und versicherte sich davon, dass Mike und Chiar�n mich nicht geh�rt hatten. Dann trat er einen Schritt zur�ck und schloss erneut die T�r.
�Was hast du denn jetzt wieder?�
Ich fuhr mir kurz durch die Haare, zwang mich selber dazu, �ber meinen Schatten zu springen. Kein Zur�ck mehr.
�Ich weiߓ, stotterte ich los, �dass ich manchmal ein total rechthaberischer Sturkopf bin und ebenso wie du �ber einen verdammten Stolz verf�ge! Aber ich denke, dass wir beide auch kompromissbereit sind und was passierte aus der Welt schaffen k�nnen. Wie du glaubte ich, ich m�sste stur bleiben und blo� nicht nachgeben.�
David schluckte einen Augenblick, blieb jedoch stumm.
�Allerdings gebe ich zu, dass das falsch war und mehr noch...� Ich �berlegte einen Moment, kam zum Entschluss, dass Ehrlichkeit die beste L�sung war. �Ich bin mir sogar nicht zu fein weiter zu leugnen, dass ich mir ohne dich irgendwie verloren vorkomme. Wie soll ich es ohne dich schaffen? Ich brauch dich doch!�
�Yvonne...�
�Wenn du nun sagst, dass es das war, dass wir nie Freunde oder gar mehr waren und wir mit einem Abschied, denn ich nicht will, enden, dann wei� ich nicht, was ich tun werde!�
�Du wirst weitermachen�, sagte er leise. �Du wirst deinen Weg finden, auch ohne mich. Genau darum geht es. Um nichts anderes.�
�Das will ich aber nicht.�
�Du wirst es aber m�ssen.�
�David bitte!� Ich sprang auf. Hysterie, vermischt mit Verzweiflung, machte sich in mir breit.
�Du wirst hier auch einen guten Job finden. Geh nicht fort!�
�Yvonne!� Er ergriff mich bei den Schultern und dr�ckte mich auf das Bett zur�ck, kniete vor mir nieder. �Krieg dich wieder ein, ja?�
�Ich schaff das nicht�, wisperte ich. Meine Augen waren feucht und ich sah ihn durch einen Schleier an. �Die letzten Wochen waren... Nein, ich pack das nicht.�
�Nat�rlich wirst du das. Du hast in den vergangenen Wochen gezeigt, dass du dich nicht unterkriegen l�sst. Du hast bewiesen, dass du stark bist.�
�So f�hle ich mich aber nicht.�
�Aber du bist es. Deine Gewohnheiten werden sich �ndern und du wirst alleine zurecht kommen. Dabei wirst du jedoch nicht alleine sein. Du hast schlie�lich noch Simon. Rachel wird da sein, ebenso wie Tim und Richy.� Er gab einen kurzen Seufzer von sich. �Du hast mir neulich an den Kopf geworfen, dass ich es nicht ertragen w�rde, nicht mehr die Nummer 1 f�r dich zu sein. Ist das nicht die Antwort? Du hast mit dieser Aussage selber zugegeben, dass ich dies nicht mehr f�r dich bin. Dieses Privileg hat jemand anderes bekommen. In Zukunft wirst du eben mit Bloom �ber deine Hirngespinste sprechen m�ssen. Und auch wenn ich ihn nicht leiden kann, bin ich mir dennoch sicher, dass er dir zur Seite stehen wird, soweit er kann.�
�Aber...�
�Nein, Yvonne, kein aber. Du kannst nicht auf uns beide Anspr�che stellen. Stell deinen Egoismus endlich zur�ck.�
�Aber�, begann ich erneut und missachtete, wie David Einwand erheben wollte, �du kannst doch immer noch mein Freund sein, mit dem ich reden kann.�
�Du wei�t, dass das nicht geht. Hierf�r sind wir beide zu weit gegangen. Au�erdem m�chte ich das auch nicht mehr. Ich habe dir wie gesagt verziehen, aber vergessen habe ich nicht. Dein Verhalten hat mich ziemlich entt�uscht, weshalb ich mich nicht mehr f�r die Rolle deines Zuh�rers geeignet f�hle. Au�erdem l�sst dein �Freund-zu-sein� kaum Platz f�r andere Personen. Wenn ich dir die ben�tigte Aufmerksamkeit gebe, bleibt nichts mehr f�r andere �brig.� Mir fiel auf, dass er sich beim Sprechen immer wieder umblickte wie ein in die Enge getriebenes Tier. �Nein, ich bin nicht nur f�r dich hier. Genau deshalb m�chte ich diese Distanz. Zumal ich auch denke, dass Bloom �ber einen Sicherheitsabstand zwischen uns beiden nicht gerade ungl�cklich ist.�
Ich nickte verst�ndlich. Er hatte Recht. Ich konnte nicht beide haben. Orlando misstraute David und David konnte Orlando schlichtweg nicht leiden. Es w�rde Zeit ben�tigen, diese beiden Parteien zusammenzuf�hren.
David stand auf, blickte auf mich herunter. �Das Leben �ndert Dinge so wahnsinnig schnell und bei mancher Ver�nderung glaubt man, dass man sie nicht bestehen kann, aber man tut es. Denk doch nur mal an Jessica.�
Ich sah ihn an.
�Ihr wart sehrgute Freundinnen, habt nahezu alles im Duett gemacht. Dann kam der Streit. Am Anfang gingen dir die Umst�nde ziemlich an die Nieren, aber wie schnell war ihre Rolle neu besetzt? Amber hatte ihren Platz eingenommen und nun denkst du kaum mehr an sie.�
Ich wusste selber, dass dies stimmte. Wie hatte ich mich �ber Jessica ge�rgert. Wie verletzt war ich gewesen. Sie war eine sehrgute Freundin gewesen, hatte ich ihr doch fast alles anvertrauen k�nnen. Doch der Schmerz �ber den Bruch unserer Freundschaft hatte nicht lange angedauert. Amber war schlie�lich da gewesen. Und David? Nachdem wir einander fremdgeworden waren, hatte ich mich an Simon und Andr� gewendet. Und nun war auch Orlando f�r mich da. Dennoch wollte ich ihn nicht aufgeben.
�Du wirst sehen, Yvonne, bei unserer n�chsten Begegnung nach meiner R�ckkehr wirst du wieder lachen k�nnen.� David ging wieder zur T�r. �Und wei�t du, was ich mir f�r diesen Tag von dir w�nsche?�
�Was?�
�Das es ein ehrliches Lachen sein wird und nicht dieses, dass du f�r gew�hnlich vorspielst.�
Wir sahen uns an und David �ffnete bereits die T�r.
�Wieso ist dir das so wichtig?�, hielt ich ihn zur�ck.
�Wenn du lachst�, sagte er nachdenklich und blickte mich schlie�lich direkt an. �Ja, wenn du ehrlich lachst, klingt es f�r mich, als w�rde die ganze Welt lachen.� Er l�chelte f�r eine Sekunde. Doch das L�cheln erreichte seine Augen nicht. Es war gequ�lt und geheuchelt.
Ich dachte noch immer �ber seine Worte nach, als er die T�r schon l�ngst hinter sich ins Schloss gezogen hatte.
*
Nach dem Gespr�ch war ich nach Notting Hill gegangen. Orlando und ich hatten einen sch�nen Abend miteinander verbracht und auch die Nacht war ziemlich lang gewesen. Ich wollte den Tag bis zu meinem Schichtbeginn im Diners bei ihm verbringen. Was ich als Morgen zu zweit erhofft hatte, entt�uschte mich jedoch. Orlando hatte mehrere Rollenangebote erhalten und musste die Scripts bis zum Termin mit seinem Betreuer am Nachmittag durchlesen. So sa� er also an einem Ende der Couch und studierte die Bl�tter, w�hrend ich am anderen Ende mit angezogenen Knien sa� und auf die Packung Antidepressiva in meiner Hand starrte, aus welcher ich eben die verordnete Kapsel eingenommen hatte.
Was war nur mit mir los? Als ich am Morgen aufgestanden war, erf�llte mich ein Gef�hl der Unzufriedenheit. Ich war ziellos durch Orlandos Wohnung gewandert, empfand alles als trostlos, dachte an Andr�, Amber und David und f�hlte mich dabei hundeelend.
Ich sollte gl�cklich sein. Ja, ich sollte eigentlich verdammt gl�cklich sein. Orlando und ich waren wieder zusammen. War das nicht Grund genug, himmelhochjauchzend zu f�hlen? Doch ich f�hlte mich zu Tode betr�bt.
Betr�bt, weil ich nicht wusste, woraus die Zuneigung, welche Orlando mir entgegenbrachte, bestand. Ich hatte den Eindruck, dass es sich bei dieser Zuneigung nur um momentanes Mitleid handelte und ich im Grunde nicht mehr f�r ihn war als ein l�stiges Anh�ngsel.
Betr�bt, weil ich bei David nicht erreichte, was ich mir vorgenommen hatte. Er w�rde nach Frankreich gehen und wollte keine tiefere Freundschaft mehr zu mir aufbauen.
Betr�bt, weil Andr� zu mir sprach wie Yoda zu Luke Skywalker. Wenn er eine L�sung f�r all meine Probleme hatte, wieso sagte er sie mir nicht einfach?
Und betr�bt, weil ich nicht gesehen hatte, wie verletzt Amber war.
Wieso war mein Leben wie es war? Wieso konnten wir uns nicht alle einfach lieb haben? Weshalb f�hlte ich mich nicht gl�cklich und wohl? Was fehlte mir?
Ich registrierte eine Bewegung neben mir. Orlando hatte die Scripts auf den Tisch geworfen und war aufgestanden.
�Was h�ltst du von Tee?�, fragte er.
Ich zuckte mit den Schultern, sah ihn nicht an, sondern noch immer die Packung. Ich war froh, dass ich sie anschauen konnte. Ich wollte nicht, dass Orlando mir ansah, dass es etwas nicht stimmte. Er w�rde nur Fragen stellen. Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Doch funktionierte meine Taktik nicht.
�Hey, warum so still heute?� Er drehte sich zu mir und streichelte mit einem Finger an meinem Schienbein entlang.
Erneut zuckte ich mit den Schultern, sah ihm jedoch in die Augen. �Ich wei� auch nicht...�
�Geht es dir nicht gut?� Besorgt deutete er auf die Packung in meiner Hand.
Ich legte diese zur Seite, um ihn nicht weiter zu beunruhigen. �Auch das wei� ich nicht. Heute ist alles irgendwie bl�de. Irgendwie passt mir gar nichts und was ich will, bekomme ich nicht.�
Er setzte sich vor mir auf den Couchtisch. �Du hast das, was du wolltest. Mich.�
Ich sah ihn erneut an.
�Das wolltest du doch?�
Hatte ich ihn gewollt? Nat�rlich hatte ich das. Seit wir uns kennen gelernt hatte, hatte ich ihn geliebt. Die Trennung hatte mich zu Boden gerissen, doch ich war wieder auf die Beine gekommen. Ich hatte mein Leben weitergelebt. Ohne ihn. Es war weitergegangen. Hatte ich ihn mir zur�ckgew�nscht? Ich war ohne ihn zurechtgekommen.
�Yvonne?� Er sah mich fragend an.
�Ich wei� nicht, was ich will�, wehrte ich ab und stand auf. Auf den Teppich starrend lief ich umher. �Gott, ich f�hle mich heute einfach beschissen. Nichts ist wahr und richtig. Lass mich einfach in Ruhe.� Ich blieb stehen und vergrub mein Gesicht in meinen H�nden, da ich aus Unzufriedenheit und Wut �ber mich selbst zu weinen begann.
�Yvonne?�, sprach Orlando erneut und kam auf mich zu. �Was hast du?�
Er wollte mich in die Arme nehmen, doch ich wich ihm aus, wischte die Tr�nen beiseite und sah ihn an. So viele Gedanken vermischten sich in meinem Kopf. Gespr�che mit ihm, mit Andr�, mit David, mit Simon, mit Amber. Zu viele Fragen, Gedanken, �ngste...
�Glaubst du, dass du stark genug f�r das hier bist?�, fragte ich ihn. �Glaubst du, dass du mit mir zurechtkommst? Denkst du nicht, dass ich dich �berfordern k�nnte?�
�Gemeinsam schaffen wir...�
�Begreif doch, ich bin die Letzte, die dir helfen kann, mich zu verstehen. Ich verstehe mich doch selbst nicht einmal. Du kannst mich nicht �ndern. Ich werde immer ein Gesicht haben, dass du nie sehen wirst und nach Regeln leben, die du nicht verstehen kannst, weil sie f�r dich absurd erscheinen m�gen.� Ich machte eine kurze Pause. �Du kannst versuchen mich zu lieben, aber ich wei� nicht, ob du es schaffen wirst. Es gibt Seiten an mir, die du nicht kennst, die du noch nie gesehen hast. Du hast noch nie erlebt, wenn mir alles egal ist, wenn mich nichts mehr k�mmert. Du hast noch nie erlebt, wenn ich im Zorn Dinge sage, die andere verletzen und ich einfach die Kontrolle verliere, eventuell vor Wut Sachen gegen die n�chste Wand werfe. Ebenso hast du noch nie erlebt, wenn ich alles nicht mehr aushalte und zusammenbreche.�
Er schluckte und sah mich an. Meine Worte drangen wohl zu ihm durch
Die Tr�nen hatten einen Schleier vor meinen Augen gebildet. �Bitte l�g mich an. Ich verspreche dir auch, dass ich dir glauben werde. Aber bitte sag, mir, dass du stark genug f�r mich bist.�
Orlando blickte einen Moment zu Boden, dann wieder zu mir. L�chelnd trat er auf mich zu und hievte mich im n�chsten Moment in seine Arme.
�Findest du, dass ich schwach bin?�, fragte er lachend und drehte sich kraftdemonstrierend mit mir im Kreis.
Ich lachte ebenfalls. �Orlando, lass mich runter!�
Er horchte auf meinen Befehl und setzte meine Beine zu Boden, lie� mich jedoch nicht los.
�Orlando, ich glaube nicht, dass wir...�
�Ich werde nicht weglaufen�, fl�sterte er mir ins Ohr. �Das verspreche ich dir.�
*
Orlandos Worte hatten mich nicht wirklich beruhigt. Ich war zur Arbeit gegangen und am Abend nach Hause und nicht wie geplant zu Orlando. Ich rief an und sagte ab. Er wirkte ziemlich beunruhigt, doch erkl�rte ich ihm, dass ich diesen Abend f�r mich ben�tigen w�rde. Gedanken qu�lten mich. Fragen �ber Fragen. Ich schien endlich zu realisieren, was meine Freunde mir immer hatten sagen wollen. Nein, ich begann nicht auf meine Freunde zu h�ren. Ich h�rte auf mich selber. Und ich hatte mir sehr viel zu sagen.
*
Doch der Abend war viel zu schnell zur Nacht und zu einem neuen Tag geworden. Ich f�hlte mich selber unter einen massiven Druck gesetzt. Was wollte ich eigentlich?
Freitag erlebte ich als w�re ich vom Rest der Welt durch eine Glaswand getrennt. Ich verrichtete meine Arbeit unkoordiniert, befand mich in einer Art Schlafwandel, Trancezustand. Meine eigenen Gedanken besch�ftigten mich zu sehr als dass ich mich auf Bestellungen und Bedienung konzentrieren konnte. Ich trat mir selber entgegen, stellte erneut Fragen und bekam Antworten.
Am Abend rief Orlando an, fragte, ob es mir besser gehen w�rde und wir uns sehen k�nnten. Schweren Herzens verneinte ich. Ich ben�tigte mehr Zeit f�r mich, sagte ihm, dass ich innerlich langsam zur Ruhe kommen w�rde und dies nur alleine schaffen konnte. Er akzeptierte dies, merkte allerdings auch an, dass ich keinen Mist machen sollte. Er f�rchtete, dass ich wieder eine schwere Depression erleiden k�nnte. Ich versicherte ihm, dass er sich keine Sorgen machen m�sste.
*
Ich hatte nicht gut geschlafen. Im Bett hatte ich mich hin- und hergeworfen, hatte �berlegt, in mich hineingeh�rt. Ich hatte mich selbst vernommen. Hatte mir die ganze Nacht �ber zugeh�rt. Nun wusste ich, was ich zu tun hatte. Ich w�rde die Verlierein sein. Dies hatte ich mir selber zuzuschreiben.
Das Wetter passte sich meiner Stimmung an. Es regnete in Str�men. Simon, Chiar�n und Mike rannten den ganzen Mittag zwischen Laden-Lagerhalle und Wohnung umher und bereiteten Davids Abschiedsparty vor. David selber hielt sich mit Packen auf.
Ich w�rde an der Party im Laden nicht teilnehmen. Zum einen, weil ich gegen Davids Weggehen demonstrierte und mir sicher war, dass er auf mich sowieso keinen Wert legte und zum anderen, weil ich selber etwas vorhatte.
Nat�rlich schenkten mir Mike, Chiar�n, Simon und David b�se Blicke, als sie mitbekamen, dass ich den Abend mit Orlando verbringen wollte. Doch war mir das egal. Es ging ausschlie�lich um mich.
Als die anderen sich am Abend zum Laden begaben, nahm ich die U-Bahn nach Lancaster Gate. Orlando und ich w�rden uns im Park treffen. Ich hatte mir dies gew�nscht.
Orlando wartete bereits, als ich den Sandweg entlang kam. Er lehnte am Zaun vor der Statue, welche er mir im Fr�hjahr gezeigt hatte.
�Hallo Tiger-Lily�, sagte er leise, als ich vor ihm stand.
�Hallo Peter Pan.�
Er l�chelte mich an. �Also, machen wir einen romantischen Spaziergang? Wenn du magst, k�nnen wir sp�ter bei Chris vorbei.�
�Ich glaube nicht�, sagte ich mit d�nner Stimme.
Er sah mich fragend an, stie� sich vom Gel�nder ab. �Was hast du?�
Ich schloss einen Moment die Augen, k�mpfte mit den Tr�nen. Wenn es richtig war, wieso war es dann so schwer? Ich �ffnete die Augen und sah ihn stumm an, blickte in seine braunen Augen.
�Orlando, ich glaube nicht, dass wir uns weiterhin sehen sollten.�
Er richtete sich auf, wollte etwas sagen, doch ich lie� ihn nicht.
�Es hat nichts mit meinen Freunden zu tun. Ich habe lange dar�ber nachgedacht und es f�llt mir nicht leicht, aber das mit uns beiden soll einfach nicht sein. Es kann nicht gut gehen.�
�Wieso sagst du so etwas?�
�Weil es die Wahrheit ist. Unsere Leben sind zu unterschiedlich und lassen sich nicht vereinbaren. Nicht jetzt. Du hast einen Beruf, der dich in die Welt hinausbringt. Ich bin hier. Ich geh�re hierher. Das ist mein Leben. Ich liebe dich, aber wenn ich bei dir bleibe, verk�mmere ich von Tag zu Tag, bis nichts mehr von dem, was mich ausmacht, �brigbleibt. Au�erdem geht alles viel zu schnell. Du bist zur�ckgekommen und wir st�rzen in diese Beziehung, die unter einem Zwang steht, den wir selber aufeinander aus�ben.�
Orlando sah mich stumm an und allein dies lie� die Tr�nen gegen mich gewinnen.
�W�hrend du fort warst, ist zu viel geschehen. Zu sehr war mein Herz in Aufruhr. Ich brauche Zeit f�r mich, muss erst mal alles verarbeiten und herausfinden, was ich will. Denn eben das wei� ich nicht. Ich habe mich immer gefragt, was f�r einen Sinn das Leben �berhaupt macht. Nun komme ich langsam dahinter. Es ist nicht, dass du f�r mich dieser Sinn bist, nein, das glaubte ich nur. Aber diese Gef�hle und Momente, die ich mit dir erlebte, machen das Leben kostbar.�
Wieder wollte er Einwand erheben, doch sprach ich weiter.
�Ich ben�tige mehr, als du mir momentan geben kannst. Und ich kann dir nicht sein, was du brauchst.�
Er nickte, wirkte jedoch ziemlich �berrumpelt. �Dann war�s das also?�
�Sieht so aus. Das Leben fragt nicht.�
�Dann hat dieses beschissene Leben doch einen Weg gefunden, uns zu trennen. Unser Traum endet also.� Er sah durch die D�mmerung und sang leise vor sich hin.
�Hey now, hey now, don't dream it's over
Hey now, hey now, when the world comes in
They come, they come to build a wall between us�
Dann kickte er einen Stein beiseite und blickte wieder zu mir, l�chelte gespielt.
�Du verdammter Schauspieler�, sagte ich. �Wieso kannst du nicht einmal jetzt du selbst sein?�
Das L�cheln schwand und er sah mich an. �W�rde es etwas bringen? W�rdest du deinen Entschluss nochmals �berdenken, wenn ich dir sagte, dass ich dich liebe?�
Ich sch�ttelte den Kopf. �Manchmal reicht Liebe nicht aus.�
Stumm sahen wir uns an. Die Situation raubte mir nahezu den Verstand. Ich liebte ihn, aber es ging einfach nicht. Es ging nicht!
�Ich habe noch Pullover von dir�, brachte ich betroffen hervor. �Ich werde sie dir so bald wie m�glich...�
�Behalte sie�, unterbrach er mich. �Behalte sie.�
Er sah mich nicht an. Ich glaubte, Tr�nen in seinen Augen zu erkennen. Was geschah, tat uns beiden weh und wir wussten, dass es nicht zu �ndern war. Ich schluckte. Eine solche Trennung hatte ich noch nicht erlebt. Ich wollte nicht, dass wir weinend voreinander stehen. Ich wollte Orlando so sehen, wie ich ihn kennen gelernt hatte. Lachend und voller Leben.
�Danke. Glaubst du, ich werde sie bei e-bay los, wenn ich angebe, dass sie von dir sind?�
Er blickte mich wieder an, l�chelte. �Willst du mit unserer Geschichte nun etwa Geldmachen und meine Fans ausbeuten?�
�Einen Versuch ist es doch wert, oder?�
Wir l�chelten nun beide, w�hrend die Tr�nen auf meinen Wangen trockneten.
�Ich werde dich vermissen, Tiger-Lily. Ich kann es gar nicht glauben.�
�Du wei�t, wo du mich finden kannst. Ich werde die n�chsten Jahre noch hier sein und studieren. Wo du sein wirst, werde ich aus Zeitschriften erfahren.�
�Nein, ich werde dich anrufen.�
Mein L�cheln wurde breiter. �Du elender L�gner...�
�Sag das nicht, ich bin lediglich ein mieser Schauspieler mit dem Talent einer Klob�rste.�
Wieder sahen wir uns nur an, erinnerten uns mit Blicken an unsere Geschichten, an unsere Szenen, unsere Kapitel. So viel war innerhalb kurzer Zeit geschehen, so viele Momente hatte wir erlebt, so viele unterschiedliche Gef�hle f�r einander empfunden.
�Vielleicht solltest du es einmal mit einem M�dchen aus deiner Branche versuchen�, nahm ich das Gespr�ch wieder auf.
�Habe ich schon probiert. Hat auch nicht geklappt.�
Ich hob die Augenbraue an und sah ihm an. Nie hatten wir �ber ehemalige Beziehungen und Partner gesprochen.
�Sie hat mir die Haare gemacht�, erkl�rte er mit einem Grinsen. �War nicht so das Wahre. Nach den Dreharbeiten verflog das Ganze irgendwie.�
Wir sahen uns wieder an.
�Yvonne Marx, ich werde dich nie vergessen. Wenn ich je einen Oscar bekommen werde, werde ich mich an deinen Namen erinnern, wenn ich ihn in die Kamera sage. Und ich werde mich an dich erinnern. Du hast mir schon gefallen, als ich dich das erste Mal gesehen habe.�
�Als ich wie eine Schildkr�te auf dem Theaterboden lag?�
�Nein, ich habe dich zuvor schon einmal gesehen. In einem Laden in der Stadt. Damals kannte mich noch niemand. Ich sah dich und glaubte, ich w�rde dich nie wiedersehen. Nicht in einer Stadt wie London.�
Nun schluckte ich und sah ihn an. Es gab vieles, dass wir nicht voneinander wussten, doch war es nun zu sp�t. Auch wenn er die Wahrheit sagte und eine Art Schicksal mich wieder in sein Leben gef�hrt hatte, so hatte mein Schicksal andere Pl�ne f�r mich.
�Ich werde jetzt gehen�, sagte ich. �Ich werde mich nicht noch einmal umdrehen.�
Als ich gehen wollte, zog Orlando mich noch einmal an sich und k�sste mich. Noch nie zuvor hatte in seinem Kuss derart viel Gef�hl gesteckt. Es war ein Abschied und ein Neuanfang zugleich. Er lie� mich los und ich sah ihn f�r einen endlos langen Herzschlag an, drehte mich um und begann zu laufen. Der Sand knirschte unter meinen Schuhen. Tr�nen stiegen erneut in meine Augen. Wieso? Wieso Gott? Wieso hatten wir keine Chance? Ich drehte mich doch noch einmal um. Orlando stand noch immer an der Stelle, an welcher ich ihn zur�ckgelassen hatte und sah mir nach. In meinem Kopf machte ich ein letztes Foto von ihm, dann rannte ich los.
Ich ging nicht nach Hause, sondern fuhr in die Innenstadt. In Gedanken lief ich die Oxford Street entlang, entlang an den inzwischen geschlossenen Gesch�ften. Ich hatte es getan. Orlando und ich, das war einmal. Es war eine Geschichte, ein M�rchen. Wir hatten uns beide etwas vorgemacht, wenn auch wir dies aus Liebe getan hatten.
Ich war nicht schlau genug gewesen um zu verstehen, was mit mir geschehen war, dass ich mich rettungslos in ihn verliebt hatte und hoffte, dass meine Liebe von ihm erwidert werden w�rde. Und Orlando? Orlando war nicht schlau genug gewesen um zu wissen, was er mir angetan hatte, was er noch immer tat. Es sollte einfach nicht sein.
Wenn ich daran dachte, wie es h�tte sein k�nnen, kamen mir erneut die Tr�nen. Es h�tte so sch�n sein k�nnen. Es h�tte richtig sein k�nnen. Er h�tte meine Liebe sein k�nnen, jeden Tag und jede Nacht. Doch nun w�rden wir nie erfahren, wie es in Wirklichkeit gewesen w�re. Aber vielleicht war es besser so. Vielleicht war es besser, sich vorzustellen, was vielleicht niemals h�tte wahr werden k�nnen.
Meine Beine hatten mich letztendlich nach Kensington zur�ckgebracht. Okay, die U-Bahn war dabei eine gro�e Hilfe gewesen. Ich lief um die H�userfassaden und betrat den Lagerraum des Ladens. Davids Abschiedsparty war im vollen Gange, doch war ich nicht zum mitfeiern gekommen. Viele der Anwesenden kannte ich nicht. Es handelte sich um Freunde von David. Ich stand an der T�rschwelle und sah mich suchend um. Allerdings hatte er mich zuerst gesehen.
�Muffy, wie siehst du denn aus?� Simon stand pl�tzlich vor mir und sah in mein verheultes Gesicht. �Was ist passiert?�
Auch Timothy stand auf einmal vor mir.
�Was ist los?�, fragte er.
�Es ist vorbei.�
Sie sahen einander an, verstanden meine Antwort nicht.
�Wir haben uns getrennt.�
�Moment�, versuchte Simon das Geh�rte zu verarbeiten. �Bloom hat Schluss gemacht?�
�Nein, ich habe es getan.�
�Aber wieso?� Tim sah mich unverstanden an.
�Aus Liebe.�
Nun blickten sie noch d�mlicher drein.
�Ich werde nun nach Hause gehen.�
Ehe sie antworten konnte, war ich losgelaufen. Als ich die Hauptstra�e erreicht hatte, h�rte ich Schritte hinter mir.
�Yvonne!�
Ich blieb stehen. Simon kam mir nach. Als er bei mir war, nahm er mich stumm in den Arm. So standen wir eine ganze Weile, bis er mich wieder loslie� und mich ernst ansah.
�Yvonne, ich soll dich von Schneider an folgendes erinnern: Um zu sehen, musst du die Augen �ffnen. Um zu erkennen, musst du sie schlie�en und denken. Ich hoffe, du tust es.�
Er sah mich kurz an und verschwand dann wieder zwischen den H�usern.
*
Obgleich ich die Nacht noch viel geweint hatte, war ich mir sicher, dass ich das Richtige getan hatte. Dennoch verstand ich diese Ungerechtigkeit nicht. Wieso schafft die Welt, das Leben und die Gesellschaft, zwei liebende Menschen zu trennen? Was f�r ein Leben, was f�r eine Welt ist das? An was soll man noch glauben k�nnen?
Irgendwann hievte ich mich mechanisch aus meinem Bett, duschte und zog mich an. Alles erschien trist und sinnlos. Ich hatte wirklich verloren. Der n�chste Verlust erfolgte, als ich das Bad verlie�. David stand im Flur. Mike wartete an der Wohnungst�r auf ihn. Er w�rde ihn zum Flughafen bringen.
�Ich wollte mich noch von dir verabschieden.�
Ich sah ihn an, h�tte sofort losheulen k�nnen. Chiar�n stand am T�rrahmen vom Salon. Auch er w�rde die n�chste Woche nach Irland zur�ckgehen.
�Ich melde mich heute Abend bei euch�, fuhr David fort und besah meine k�mmerliche Gestalt.
Ich nickte nur. David machte keine Anstalten, mich zum Abschied in den Arm zu nehmen. Er sah mich lediglich an.
�Gut, dann gehe ich mal. Mach�s gut.� Er wandte sich von mir ab, verabschiedete sich mit Schulterschlag von Chiar�n und ging schlie�lich an mir vorbei zur T�r, ohne mich noch einmal anzusehen. Die T�r schloss sich hinter ihm und er war weg.
Ich schluchzte los. Wieso beide? Wieso Orlando und David?
Chiar�n seufzte und ging in den Salon. Ich folgte ihm. Wahrscheinlich war er �ber meine Gesellschaft nicht erfreut, doch wollte ich nicht alleine sein. Ich lief auf den Balkon hinaus, blickte auf die Stra�e hinunter. Aber David und Mike waren nicht mehr zu sehen. Als ich wieder in den Salon trat, stand Chiar�n an der Balkont�r und wartete auf mich.
�Simon erz�hlte, dass du deinen Kerl abgeschossen hast. Warum?�
Ich sah ihn an. �Weil wir beide es nicht schaffen k�nnen. Ich will etwas anderes.�
�Und wieso weinst du dann jetzt?�
Ich zuckte mit den Schultern.
�Du siehst es immer noch nicht, oder?�, fragte er.
�Was?�
Er antwortete nicht, sondern ging aus dem Raum. Ich setzte mich in den Sessel. Eine von Davids Ketten lag auf dem Couchtisch. Ich ergriff diese und spielte mit dem keltischen Anh�nger.
Mein Herz meldete sich. Es erinnerte sich an Sterne, die leuchtend �ber London standen. Ich erinnerte mich an eine wunderbare Nacht, die unendlich gewirkt hatte. Ich war bei ihm gewesen. Wie weit war der Morgen gewesen? Wie nah der Himmel? Einst wurde ein Traum wahr. Einst, als mein Herz sang, war ich mit ihm gewesen.
Mein Blick fiel auf meine Hand, auf den Ring. Ich dachte an Andr�, schloss die Augen, dachte nach und in meinem Unterbewusstsein begann ich zu erkennen. Ich erkannte es. Hektisch sprang ich auf und rannte hinaus. Chiar�n war in der K�che und machte sich einen Tee.
�Wo ist Simon?�
�Der ist mit Tim und Richy bei der Tr�mmerbeseitigung.�
�Bitte?�
�Die r�umen die �berreste der Party auf.�
�Danke. Ich muss gehen.�
�Yvonne!�, rief er mir nach. �Was ist los?�
�Ich sehe endlich!�
Noch nie hatte ich es so eilig gehabt, in den Laden zu kommen. Ich rannte die Stra�en entlang und kam keuchend an dem Geb�ude an. Rachels Mini Cooper stand in der Hofeinfahrt, doch sie war nirgends zu sehen. Ich schlitterte ins Lager, wo Simon, Tim, Richy, Ben und Amber einen Besenkampf ausf�hrten. Verlegen senkten sie ihre Waffen und sahen mich an.
�Simon�, brachte ich es sofort auf den Punkt. �Ich bin der blinde Esel, nicht?�
Er sah mich an, als h�tte ich Chinesisch gesprochen. �Was redest du?�
�Ich bin nicht der stolze Esel, sondern der blinde!�
Simon begriff, worauf ich anspielte und nickte.
�Schei�e! Schei�e! Schei�e!�
�Muffy, beruhige dich...�, versuchte Tim.
�Nein, ich werde mich nicht beruhigen. Ich muss zum Flughafen.�
�Wieso?�
�Weil ich mein Leben wieder in Ordnung bringen muss.� Ich sah meine Freunde an, die nicht verstanden, was ich sagte. Sie kapierten den Zusammenhang nicht. Ich fluchte kurz, da ich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte, sah dann wieder zu dem Freund, der mir die gr��te Hilfe war.
�Simon, ich muss es ihm sagen. Wenn ich es ihm nicht sage, werde ich mir das nie verzeihen.�
�Was?�, fragte er herausfordernd.
�Das, was alle au�er mir l�ngst zu wissen scheinen.� Ich erwiderte seinen Blick. �Ich liebe ihn.�
Simons Gesicht wurde zu einem einzigen Grinsen. Er tauschte einen Blick mit Timothy und Richy.
�Endlich hat sie es!�, rief letzterer aus.
�Okay, wir haben keine Zeit mehr. Die Maschine startet in vierzig Minuten. Ab zum Auto!�, stie� Tim hervor.
�Aber Rachel...�
�Ist nicht hier, Yvonne. Wir haben uns den Wagen geliehen, damit wir das Geschirr zu eurer Wohnung transportieren k�nnen, aber das kann warten. Los jetzt!�
Wir lie�en Ben und Amber verbl�fft zur�ck und st�rmten zum Auto. Am Wagen entriss ich Tim die Schl�ssel. Er und Richy quetschten sich auf die R�ckbank. Ich rutschte hinter das Lenkrad und Simon nahm neben mir Platz.
W�re diese Fahrt meine F�hrerscheinpr�fung gewesen, ich w�re durchgefallen. Ich schnitt Kurven, fuhr �ber Dunkelgelb, nahm anderen die Vorfahrt und meine Mitfahrer gaben sich alle M�he, mich durch den Verkehr und die Stra�en zu dirigieren.
�Immer dachte ich, ich w�rde nach etwas suchen, das es nicht gibt!�, plapperte ich w�hrend der Fahrt. �Doch da gibt es diese Momente, in welchen man nicht leugnen kann, dass es so etwas gibt. Wie dieser beschissen-gew�hnliche Tag, an welchen ich ihn kennen lernte.�
�Vorsicht! Das ist eine Einbahnstra�e!�, unterbrach mich Simon. �Da vorne nach rechts!�
�Und dann kam er in mein Leben und gab ihm eine v�llig neue Bedeutung und ich habe es nicht einmal bemerkt! Er �nderte alles, an das ich je geglaubt hatte. Immer war er f�r mich da!�
�Radfahrer!�
�Er hat so viel f�r mich getan, f�r das ich mich bedanken muss. Vor allem daf�r, dass er mich ausgesucht hat. Dass ich seine Freundschaft bekommen habe! Wenn ich nun daran denke, dass er nicht mehr hier ist... Oh Gott, vielleicht bin ich total irre, aber das ist mir egal!�
�Muffy�, bemerkte Tim. �Mir w�re lieber, wenn du etwas verkehrskonzentrierter w�rst.�
�Mein Leben �ndert sich jeden Tag�, missachtete ich ihn. �In jede noch so erdenklich Art und Weise. Und meine Tr�ume sind nahezu utopisch!�
�Links!� Simon krallte sich am Sitz fest, als ich in die angewiesene Stra�e fuhr.
�Ich habe schon einmal so f�r eine Person empfunden, aber nun f�hle ich es noch mehr, weil er es ist! Und ich will einfach mehr! Ich kann das nicht ignorieren, da ich nun wei�, dass Tr�ume wahr werden k�nnen. Es ist nicht unm�glich! Nichts ist unm�glich!�
�Die Ampel! Du bist eben bei Rot dr�ber!�, kam es entsetzt von Richy.
�Ich werde ihm offen sagen, dass mein Herz ihm geh�rt! Und er soll aufh�ren mir weiter wehzutun!�
�Wenn du so weiterf�hrst, wird es niemandem mehr geh�ren�, brummte Tim.
�Er ist, was ich nicht hatte finden k�nnen.�
�Merkst du das auch endlich mal?�, fragte Simon.
�Er ist einfach unglaublich, so verst�ndnisvoll und lieb... Er ist alles f�r mich. Mein Traum.�
�Sag das nicht uns, sondern ihm. Und gib mal ein bisschen mehr Gas, sonst kannst du ihm das per Telegramm ausrichten.�
Auf Befehl trat ich das Gaspedal weiter durch, sah immer �ngstlich auf die Uhr. Hoffentlich reichte die Zeit... Dass ich s�mtliche Verkehrsordnungen missachtete, war mir egal. Ich wollte nur zu ihm. Endlich erreichten wir den Flughafen. Mit einem scharfen Bremsman�ver kam der Mini vor dem Haupteingang zum Stehen. Ich stie� die T�r auf und sprang aus dem Sitz.
�Hey! Sie k�nnen hier nicht parken!� Ein Angestellter lief auf uns zu.
Panisch schaute ich zu Simon. Mir blieb keine Zeit, den Wagen zu einem der Parkh�user zu fahren. Simon stieg ebenfalls aus dem Auto, blieb aber an der ge�ffneten Beifahrert�r stehen.
�Himmel, worauf wartest du? Lauf schon!�, schrie er mir zu.
Ich warf ihm ein dankbares L�cheln zu und rannte los. Meine Beine flogen geradezu �ber den Boden. Im Geb�ude rutschte ich um Kurven, wich Menschen aus, sprang �ber Gep�ckst�cke. Es war wie ein Rausch. Ich h�rte lediglich mein Keuchen und das Aufschlagen meiner F��e auf den Boden. In der Abflughalle drosselte ich mein Tempo und blieb stehen. Hektisch sah ich mich um. �berall waren Schalter von Fluggesellschaften. Ich sah auf die Abflugstafel �ber mir, suchte den Flug. Man hatte noch nicht mit dem Boarding begonnen. Ich konnte es noch schaffen. Ich musste es noch schaffen. Um mich herum begann sich alles zu drehen, mein Kopf dr�hnte. Immerzu Durchsagen, Durchrufe, Aufrufe, Abfl�ge, Versp�tungen.
Konzentrier dich, Yvonne!
Ich schaute wieder auf die Tafel und entnahm dieser das Abflugsterminal. Schnell verarbeitete ich die Information und rannte los. Wieder schlug ich Haken, um Menschen auszuweichen, stolperte �ber Reisetaschen und riss nahezu ein Kind um. Doch dann hatte ich mein Ziel erreicht. Durch eine Glaswand abgetrennt, lag der Zoll. Vor dem diesem stand eine Menschenschlange, deren letzte f�nf Wartenden noch im Bereich der Abflugshalle standen. Die anderen hatten den Durchgang durch das Panzerglas bereits passiert. Ich begab mich an das Ende der Schlange und blickte suchend nach vorn. Allerdings schien mich mein Gl�ck zu verlassen. Vor mir stand eine Gruppe Farbiger, die bunte Sportkleidung trug. Eine Basketballmannschaft. �ber deren K�pfe konnte ich unm�glich blicken. Fluchend reckte ich den Hals, lief noch einmal an die Seite und versuchte durch das Glas zu sehen. Doch im Inneren befanden sich zu viele Menschen. Es half nichts. Ich musste ebenfalls in den Sicherheitsbereich. Ich lief zur�ck zum Ende der Schlange.
�Entschuldigung�, sprach ich einen der M�nner vor mir an. �K�nnte ich bitte durch? Ich suche jemanden.�
Der Mann sah mich an, drehte sich wieder um. Er hatte mich wohl nicht verstanden.
�Hallo�, versuchte ich es erneut und sprach diesmal im totalen Idioten-Englisch. �Ich suche Freund. Darf ich bitte vorbei. Ich will nicht fliegen.�
Diesmal sahen mich zwei weitere M�nner an, zeigten jedoch keine Reaktion. Toll, aus welchen Land waren die wohl?
�Excuse-moi. Je...� Verdammt! Wie war das doch gleich mit Franz�sisch? Na, dann eben Spanisch. �Perdoname, yo solamente estoy buscando un amigo mio.�
Nach dieser Aktion erhielt ich noch ratlosere Blicke. Die Schlange war weitergegangen und ich aus Verzweiflung den Tr�nen nah. Was sollte ich nur tun? Zum Informationsschalter zu gehen und ihn ausrufen zu lassen, w�rde zu lange dauern. Mir blieb nichts anderes �brig. Ich hatte lediglich diesen Versuch. Ich atmete tief durch. Verzweiflung macht eben mutig.
�David!�
Mein Schreien klang leise, aber dennoch reagierten die Menschen und sahen mich an. Ich bem�hte mich, nicht rot zu werden und blickte weiterhin nach vorne, ignorierte die Blicke der Basketballmannschaft.
�David Cole!�
Mein Pulsschlag musste in der ganzen Halle zu h�ren sein, meine Atmung ging flach und sto�artig. Hoffentlich �berkommt mich kein Erstickungsanfall. Ich sp�rte die Blicke der anderen Menschen auf mir. Was soll�s? Jetzt ist es sowieso egal.
�David!�
Die Zeit schien stillzustehen. Nichts geschah, au�er dass die Leute mich anstarrten. Meine Kehle war so zugeschn�rt, als ob mich jemand w�rgte. Au�erdem machte ich mir langsam Sorgen �ber die Sauerstoffzufuhr f�r mein Gehirn. Was w�rde wohl passieren, falls sich das mit dem Luftholen nicht wieder beruhigen w�rde? K�nnte ich wohlm�glich tot umfallen? Gebannt lag mein Blick auf der Menschschlange vor mir, die sich in diesem Moment regte und auseinander trat. David kam auf mich zu.
�Yvonne? Was zum Teufel machst du hier?�, fragte er ver�rgert und blieb vor mir stehen.
Die Leute um uns herum sahen uns neugierig an.
�Ich muss dir etwas sagen.� Mein Stimmb�nder f�hlten sich an wie Stacheldraht und ebenso kratzten sie in meiner Kehle.
�Und deshalb schreist du hier so rum? Ich h�tte doch heute Abend angerufen.�
�Nein�, protestierte ich. �Ich muss es dir jetzt sagen. Ich kann nicht l�nger warten.�
Mein energischer Ton lie� noch mehr Menschen aufhorchen. David sah sich um. Ihm war die ganze Situation �beraus peinlich.
�Okay, dann leg los, aber mach schnell. Ich muss noch durch den Check In und...�
�Ich habe mich gestern Abend von Orlando getrennt, weil...�
�Yvonne, das Thema hatten wir doch schon zur Gen�ge. Ich will davon nichts mehr h�ren. Wenn du...�
�Ich liebe dich.�
David verstummte abrupt und sah mich an.
In diesem Moment erschienen Simon, Richy und Tim. Simon bremste die beiden anderen ab und sah zu uns. Wir blickten ebenfalls zu ihnen, wobei Davids Blick mit Misstrauen gef�llt war.
�Pass auf�, sagte er zu mir. �Wenn ihr mit dieser Aktion versucht, mich hier zu behalten, dann...�
�Du sturer Esel! H�r mir doch endlich einmal zu!�, fuhr ich ihn an.
�Genau�, stimmte mir ein Passant zu. �H�r erst mal, was das M�del zu sagen hat.�
David sah den Mann verdutzt an. Ich nutzte den �berraschungsmoment und sprach rasch weiter.
�Ich war so blind. Ich habe es einfach nicht bemerkt. Ich war so sehr mit Suchen besch�ftigt, dass ich das Naheliegende �bersehen und verdr�ngt habe. Und dann kam Orlando und machte mich blind f�r alles weitere.�
Immer mehr Menschen sammelten sich um uns herum. Wahrscheinlich glaubten sie, dass hier eine Szene f�r einen Film gedreht wurde. Doch ich lie� mich nicht von ihnen beirren.
�Doch so blind ich auch war, durch jede Dunkelheit habe ich dein Licht gesehen. Und ich sehe es noch immer. Genauso wie ich dich immer sehe. Wenn es einen Menschen gibt, den ich bewundere, dann bist du dieser Mensch.�
David wich meinem Blick aus und sah zu Boden. Dies musste der peinlichste Moment seines Lebens sein.
�In meinen Augen bist du fehlerlos. Nach allem, was in den letzten Wochen passiert ist, bist du immer noch du! Die Zeit mag alles �ndern k�nnen, aber was einfach und wahr ist, bleibt bestehen. Und die einfachen Dinge sind die Wahrheit. Und die Antwort ist eben einfach: Ich liebe dich.�
Ich sah ihn an, doch er blickte noch immer zu Boden.
�David, ich liebe dich schon so lange. Ich wei� nicht, wann es angefangen hat, aber du hattest Recht. Ich habe gelernt dich zu lieben, weil du gut f�r mich bist, weil du mir unheimlich gut tust! Ich glaube an dich, auch wenn du das nicht von mir erwartest.�
Er sagte noch immer nichts.
�Ich glaubte einst, dass Orlando und ich etwas Besonderes werden k�nnten...�
David gab ein Seufzen von sich, doch ich ignorierte dies.
�Aber du und ich, wir sind doch schon l�ngst etwas.�
Nun sah er mich an. Au�er den Durchsagen �ber den Flugverkehr herrschte Stille. Meine Stimme wurde ungew�hnlich sanft.
�David, es ist viel einfacher, die Sonne zu erreichen als dein Herz. Aber genau das ist mein Ziel und ich werde nicht aufgeben, auch wenn ich wei�, dass du nicht f�r mich empfindest wie ich f�r dich. Doch vielleicht lernst du, mich zu lieben. Ich werde es auf jeden Fall versuchen.�
David schluckte, sah sich nerv�s um. Es war, als s��e er in einer Falle. Und ich lie� diese zuschnappen.
�Ich w�re Orlando �berallhin gefolgt, da ich glaubte, dass er mein Leben ist. Doch ich selber bin mein Leben. Und ich bin bereit, einiges von mir aufzugeben, um bei dir zu sein. Ich kann auch sp�ter Kolumnen schreiben. Ich kann auch in einem lausigen Einzimmerapartment leben und in einem kleinen sch�bigen Restaurant in Paris arbeiten.�
Seine Augen verflochten sich wieder mit meinem. Erneut stieg Argwohn in dem sonst so sanften Blau auf.
�Oh nein, so naiv bin ich nicht mehr�, sagte ich rasch, da ich wusste, was er dachte. �Ich komme auch alleine zurecht. Wenn du gehst, st�rzt nicht der Himmel ein. Meine Welt wird nicht untergehen.� Ich pausierte einen Moment, nahm die Sch�rfe aus meiner Stimme und lie� meine Gef�hle sprechen. �Aber mit dir ist sie einfach sch�ner.�
David senkte erneut den Kopf und schwieg einen Augenblick. Einen Augenblick, welcher sich zu einer Ewigkeit ausdehnte.
�Wenn du mit mir nach Frankreich gehen w�rdest�, sagte er schlie�lich, �w�rdest du nichts bekommen, was du nicht l�ngst schon hast.�
Er hob den Kopf und sah mich an. Seine Augen wirkten gutm�tig, wie an jenem Abend. Da lag wieder dieses Mitgef�hl in ihnen. Ich erwiderte seinen Blick und sp�rte, wie meine Beine zu zittern begannen. War das tats�chlich wahr, was er sagte?
�Ich wei� nicht, wann ich das erste Mal auf diese Weise an dich gedacht habe. Es war auf einmal da. Aber seither zerfressen mich diese Gedanken. Doch was sollte ich tun? Du bist die Freundin meiner Schwester und du bist in Bloom verknallt und... � Er verstummte wieder einen Moment. �Um wieder Herr meiner Gef�hle zu werden, gab es f�r mich nur eine L�sung: R�ckzug. Wenn wir keine Freunde mehr sind, wenn du ausziehst und wir uns nicht mehr sehen, dann w�rde ich... Dann w�rde ich dich irgendwann vergessen.�
�Was meinst du?� Meine Augen wurden feucht.
Er sah mich an und sprach mit ruhiger Stimme. �Auf die bl�de Idee, dass du mir gefallen k�nntest, bist du nicht gekommen?�
Wir sahen uns an. Die Leuten um uns herum tuschelten und murmelten. Davids Worte begannen, in meinem Kopf Sinn zu machen.
�Du hast dich mir gegen�ber derart verhalten, weil du eifers�chtig auf Orlando bist? Du hast Angst vor deinen Gef�hlen? Du liebst mich?�, fragte ich und begann zu lachen. �Du liebst mich!�
David err�tete und sah verlegen zu den anderen Menschen.
Tr�nen mischten sich unter mein Lachen.
�Ziemlich bescheuert, ich weiߓ, sagte er. �Ausgerechnet dich. Und wie sollte ich es mit Bloom aufnehmen? Ich habe schon einmal gegen einen Schauspieler verloren und so eine H�lle m�chte ich nicht noch einmal erleben.�
�David, ich bin nicht Anna.� Meine Stimme war wieder gefestigt.
Er sah mich, schien zu versuchen, meine Worte zu verstehen.
�Junge, nun k�ss sie endlich!�, rief da der Mann von vorhin wieder. Auch die anderen Menschen meinten derartiges.
David sah mich unsicher an, wusste jedoch nicht, was er tun sollte. Ich wollte nicht mehr warten. Mit einem Satz sprang ich nach vorn, warf meine Arme um seinen Hals und k�sste ihn. Er drohte f�r einen Moment das Gleichgewicht zu verlieren, fing dieses jedoch wieder und schloss seine Arme um meine H�ften. Ich sp�rte nur noch seine Lippen und h�rte den Jubel und den Applaus der Passanten. Als ich wieder Boden unter den F��en hatte, sah ich ihn erwartungsvoll an. David l�chelte, wie ich ihn selten zuvor hatte l�cheln sehen, griff mit der Hand nach meinem Kinn und k�sste mich erneut. Es war ein Kuss der Sorte Dauerbrenner und ich glaubte schon, das Bewusstsein zu verlieren, als er von mir ablie�. Die Leute applaudierten und pfiffen. Allen voran Simon, Tim und Richy. David und ich err�teten beide und sahen uns verlegen um.
�Das ist f�r meinen Geschmack zu viel Publikum�, raunte er mir zu. �Komm, lass uns nach Hause gehen.�
�Und dein Flug?�
�Schei� auf Paris. Arbeit finde ich �berall, dich nicht.�
Er nahm meine Hand in seine und zog mich mit sich.
�Aber dein Gep�ck...�
�Lasse ich mit dem n�chsten Flug zur�ckkommen. Ich will jetzt nur mit dir alleine sein.�
Wie liefen unter dem Applaus der anderen Menschen an Simon, Tim und Richy vorbei.
�Halt! Warte!�, bremste ich David. �Du musst mir erst etwas versprechen und du darfst nicht nein sagen.�
�Super. Da l�sst du mir aber einen bemerkenswerten Handlungsspielraum.�
�Versprich mir lediglich, dass du es wie alle K�nstler machst. Werde erst ber�hmt, wenn du tot bist.�
Er sah mich verwirrt an.
�Ich habe noch genug von meiner letzten Beziehung mit einem Prominenten.�
David antwortete nicht, sondern k�sste mich. Doch dieser Kuss war Versprechen genug. David und ich geh�rten zusammen.
*Epilog*
Vier Monate sind inzwischen vergangen. Vier Monate, in welchen sich nahezu nichts ge�ndert hat, au�er das die Kampfaufstellung nun nicht mehr David und Simon gegen mich, sondern David und ich gegen Simon ist. Auch nehme ich allm�hlich eine gleichberechtigte Stellung neben David ein. Dies wird besonders deutlich, wenn Simon und ich uns streiten und er protestierend David hinzuziehen m�chte. David h�rt sich die Sache jedoch kaum mehr an, winkt ab und sagt meistens: �Tu, was sie sagt.�
Man kann sich bestimmt denken, wie h�misch ich Simon jedes Mal angrinse. Meistens grinst er zur�ck.
Ansonsten merkt man kaum, dass David und ich ein Paar sind. Wir zeigen selten Z�rtlichkeitsbeschauungen, verhalten uns noch immer wie Freunde. Lediglich wenn wir alleine sind, �ndert sich dies. Ich sage ihm nicht oft, dass ich ihn liebe. Zum einen, weil ich mit diesen Worten sehr vorsichtig umgehe und zum anderen, weil David sonst denkt, dass ich erwarte, dass er dies ebenfalls sagt und ich wei�, dass er genervt ist, wenn es auf diese Art eingefordert wird. Ich lernte sehr bald, dass David sich nach der Beziehung mit Anna in ein Schneckenhaus verkrochen und Liebe und Gef�hlen so gut wie abgeschworen hatte und lediglich Aff�ren eingegangen war. Und dann verliebte er sich ausgerechnet in mich, das totale Liebeskrisengebiet mit Gef�hlsschwankungen, die dem Temperaturunterschied der Antarktis und den Tropen gleichkommen. Schon schlimm genug, dass er keine Kontrolle �ber seine Gef�hle hatte, aber musste es dann ausgerechnet noch die Freundin seiner Schwester sein, wo innerhalb unserer Gruppe sowieso eine Regel besagt, dass Freunde und Geschwister der Freunde unantastbar sind? Nein, wir tauschen die drei Worte zwar h�chst selten, aber wir wissen auch, dass wenn sie gesagt werden, sie von Herzen kommen und sie sich nicht um irgendwelche Floskeln handeln. Antworten sind dann belanglos.
Allerdings �nderten sich gewisse Verhaltensz�ge. Wenn David nach Hause kommt, l�chelt er mich nicht nur an, nein, nun erhalte ich eine Begr��ung in Form eines Kusses auf die Schl�fe, ehe er mir von seinem Tag erz�hlt und ich ihm von meinem, w�hrend wir uns gemeinsam um das Abendessen k�mmern und auf Simon warten.
Ich wohne noch immer in meinem Zimmer. David dr�ngt mich nicht, �berl�sst es mir zu entscheiden, ob ich Zeit mit ihm verbringen oder alleine in meinem Zimmer sein m�chte. Manchmal kommt es auch vor, dass ich mitten in der Nacht solch eine Sehnsucht nach ihm versp�re und zu ihm gehe. Oftmals begegne ich dabei Simon auf dem Flur, der irgendwelche Leckereien f�r sich und Samantha aus der K�che holt. Wir grinsen uns dann lediglich an und gehen mit Kommentaren wie �Seid diesmal nicht so laut� oder ��lt mal bitte den Lattenrost� unseres Weges.
�berhaupt ist die Beziehung mit David nicht mit der, welche ich mit Orlando gef�hrt hatte, zu vergleichen. Ich sage nicht, dass sie besser ist. Sie ist einfach anders. David und ich kennen uns besser, als Orlando und ich es getan hatten. Wir sind Partner und Freunde, haben unser Verhalten gegen�ber einander kaum ver�ndert. Wir neigen dazu, uns gegenseitig zu verspotten und billige Argumente und Beleidigungen abzulassen. Wortgefechte sind wie ein Vorspiel f�r uns. Und danach f�hlen wir jedes Mal mehr, dass wir zusammengeh�ren. Je n�her wir uns kommen, umso geheimnisvoller werden wir einander. Es ist faszinierend. Ich liebe David nicht nur, weil er ist, wie er ist, sondern weil ich bin, wie ich bin, wenn er bei mir ist. Mir kommt es vor, als bin ich erst wirklich ich, seit ich ihn gefunden habe. Ich hatte mir David nicht ausgesucht. Ich war ihm begegnet und er mir. Kein h�bscher Schauspieler. Kein junger Mann wie Orlando. Ein h�bscher Mann, ja. Einfach David.
Leider sind nicht alle Freunde mit unserer neuen Verbindung einverstanden. Besonders Rachel zeigt wenig Begeisterung. Einen Tag, nachdem ich David am Flughafen meine Liebe gestanden hatte, war sie zu uns gekommen, hatte nicht verstanden, weshalb ich mich von Orlando getrennt und David von seiner Abreise abgehalten hatte. Als wir ihr sagten, was wir f�r einander empfinden, fiel sie nahezu aus allen Wolken, erkl�rte uns f�r verr�ckt und meinte, dass wir eine sehrgute Freundschaft aufs Spiel setzen w�rden, wenn wir auf irgendwelche dummen Gef�hle h�ren, die mit Sicherheit schnell wieder vergingen. Ich w�rde David nicht wirklich lieben, wollte lediglich nicht auf ihn verzichten und mein Gehirn w�rde mir einreden, dass ich ihn liebe. Auch Davids Gef�hle w�ren nur Trug, da er einfach nur haben wollte, was nicht f�r ihn bestimmt ist und er mir Gl�ck mit Orlando nicht g�nnte. Ich war dagesessen und unsicher geworden. David hatte stumm am Fenster gelehnt und den Worten seiner Schwester zugeh�rt.
Was w�rde sein, wenn es schief geht? K�nnten wir weiterhin zusammenwohnen? K�nnte es gar zu einer Trennung im Streit kommen? Und k�nnte dieser Streit den ganzen Freundeskreis spalten?
David und ich hatten w�hrend dieser Fragen Blicke getauscht. Ich hatte Angst gehabt, er w�rde Rachel zustimmen, doch er tat es nicht. Knapp und deutlich machte er ihr klar, dass wir beide dieses Risiko eingehen w�rden. Wir konnten sowieso nicht mehr zur�ck und wir wollten es auch nicht. Er erz�hlte ihr auch, wie es damals zu dieser Nacht gekommen war, dass wir nicht aufgrund von Alkohol zueinandergefunden hatten. Man konnte ihr die Entt�uschung dar�ber im Gesicht ablesen. Rachel ging daraufhin, betonte jedoch abermals, dass wir einen Fehler machen w�rden und appellierte an unsere Vernunft. Wir sollten zu einer Freundschaft zur�ckkehren, ehe es zu sp�t ist.
Das Verh�ltnis zwischen David, Rachel und mir ist seither geknickt. Rachel ben�tigt noch Zeit, die neuen Umst�nde zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass nun nicht mehr sie, sondern David mein pers�nlicher Favorit aus der Familie Cole ist. Es war ein schwerer Tausch gewesen. Ich hatte Davids Liebe gewonnen, doch Rachels Freundschaft in gewisser Weise verloren. Ich werde mir diese wieder erarbeiten und erk�mpfen m�ssen, doch genau dies werde ich tun. Ich werde doch sehr wohl ihre Freundin als auch die Partnerin ihres Bruders sein k�nnen!
Auch Amber zeigte eine untr�gliche Traurigkeit. Doch meinte sie, dass sie ihn mir eher g�nnen w�rde als Monique. Sie h�tte schon immer gewusst, dass sie keine Chance bei David hatte, da sie sp�rte, dass ihn und mich etwas verband. Auch Andr� hatte dies angeblich bemerkt gehabt und mit ihr dar�ber gesprochen.
Ja, der gute alte Andr�. Als ich ihn anrief und erz�hlte, dass ich seine R�tsel gel�st hatte, jubelte und sang er in das Telefon. Auch meinte er, dass ich die beste Entscheidung meines Lebens getroffen h�tte. Inzwischen denke ich das auch.
Jedenfalls verhalten David und ich uns Amber gegen�ber besonders r�cksichtsvoll und es scheint, als w�rde Amber von Tag zu Tag mehr daran gewohnt werden, dass wir zusammengeh�ren.
Was ist noch passiert? Die Semesterferien sind vor�ber und ich studiere wieder. Noch immer arbeite ich im Diners und schreibe nebenbei meine Kolumne. Auch verblasst die �neue Yvonne� allm�hlich. Ich versuche nicht mehr, jemand anderes zu sein. Nein, ich trage wieder Doc Martens, Jeans und binde meine Haare zottelig nach oben. Ich werde wieder zu Muffin. Etwas, �ber das David nicht gerade ungl�cklich ist, da er sich schlie�lich in diese Person verliebt hat.
Simons Medizinstudium begann ebenfalls und er trifft sich noch immer mit Samantha, die zwar wieder in Berlin zur Schule geht, aber in den Ferien und an manchen Wochenende zu uns nach London kommt. Samantha verh�lt sich mir gegen�ber ein wenig eigenartig, schaut mich nachdenklich an. Doch wenn ich sie dann ansehe, l�chelt sie nur sch�chtern. Trotzdem mag ich das M�dchen, auch wenn sie nicht gerne �ber ihre Vergangenheit spricht. Ich wei� nicht viel von ihr. Nur dass sie wegen eines Kerls nach London gekommen war. David sprach sie einmal auf diesen Mann an, doch wollte Samantha nicht dar�ber reden. Sie l�chelte wie so oft verlegen und meinte, dass sie ein andermal von ihm erz�hlen w�rde. W�hrend sie dies sagte, hatte sie mich angesehen. Unheimlich, das M�dchen. Unheimlich, aber nett. Was mich an ihr ebenfalls verwunderte war, dass sie Andr� pers�nlich kannte. Doch fragte ich dar�ber nicht weiter nach. Vielleicht hatte sie ihn schon einmal frisiert oder geschminkt. Richy hatte dies schlie�lich auch zuvor einmal getan.
Ja, Andr� und ich schreiben uns noch immer. Manchmal erz�hlt er mir von Orlando. Die beiden haben gelegentlich noch Kontakt und Andr� l�sst mich auch wissen, dass Orlando ihn jedes Mal nach mir fragt.
David hat eine Stelle in einer Londoner Galerie angenommen. Zwar schwingt er dort nicht selber den Pinsel, doch wird er gut bezahlt und Geld k�nnen wir aufgrund der Tatsache, dass Simon und ich studieren, sehr gut gebrauchen. Ich wei�, dass David in seinem Job nicht gerade gl�cklich ist. Ich h�tte aus Liebe zu ihm auf mein Studium verzichtet, h�tte aber nie gedacht, dass er dasselbe f�r mich tun w�rde. Wegen mir hat er einen guten Arbeitsplatz sausen lassen. Wenn ich mich f�r dieses bei ihm bedanke, zuckt er lediglich mit den Schultern und meint, dass er in seinem derzeitigen Job schlie�lich nur vorr�bergehend t�tig sein wird. Eines Tages wird er etwas Besseres finden und f�r das kommende Fr�hjahr steht seine Ausstellung an.
Nach Weihnachten wird Chiar�n zu uns ziehen und in London studieren. Ich unter einem Dach mit drei M�nnern. Das wird sicher heiter werden...
Auch Urlaub hatte ich seit langem mal wieder gemacht. David und ich waren nach Irland gegangen. Wir hatten einige Tage in Dublin und anschlie�end auf der Farm seines Gro�vaters verbracht, welcher mich gleich dazu n�tigte, ihm beim Schafscheren zu helfen. David hatte derweil am Zaun gestanden und vor sich hingegrinst. Es war ein wunderbarer Aufenthalt gewesen, wenn auch Gro�vater O�Ryan uns in getrennten Schlafzimmern unterbrachte, da David und ich schlie�lich nicht verheiratet sind. Wir widersetzten uns seinem Wunsch nicht direkt, doch schafften wir es trotzdem immer, die N�chte zusammen zu verbringen.
�David? Wir hatten diesen ganzen Stress also nur, weil wir ineinander verliebt sind. Wieso meinte Simon aber, dass du gestraft w�rst?�, hatte ich ihn eines Nachts gefragt, als er mal wieder zu meinem Zimmer geschlichen war. Wir lagen nebeneinander und Davids offenes Haar fiel auf meine Schulter, w�hrend ich eine blonde Str�hne um meinen Finger wickelte. Ich l�chelte bei seinem Anblick im Mondlicht. Sechs Jahre hatte ich ihn nur mit zusammengebundenen Haaren gesehen und nun lag er wie ein junger, h�bscher Gott an meiner Seite.
�In dich verliebt zu sein ist eine Strafe�, hatte er lachend geantwortet. �Es ist das Schlimmste, das einem Mann passieren kann.�
�Ach wirklich? Und ist das hier auch eine Strafe?� Ich wickelte die Haarstr�hne um mein Handgelenk, zog ihn an mich und k�sste ihn mit einer Mischung aus Leidenschaft und Z�rtlichkeit.
�Das ist schon eine S�nde�, murmelte er daraufhin. �Wir sind immerhin unverheiratet, ich bin katholisch und wir befinden uns in Irlands tiefster Provinz. Deinetwegen werde ich in die H�lle kommen.�
�Kein Problem. Ich werde dich dort nicht alleine lassen. Es sei denn, du brichst mir vorher das Herz.�
David sah mich durch die Dunkelheit an. �Du und ich sind eins, Seanchai. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen.�
Seanchai � die alten irischen Geschichtenerz�hler. Aufgrund meiner bl�henden Phantasie nennt David mich so. Mir gef�llt es, wenn er g�lisch zu mir spricht. Zwar verstehe ich es nicht, aber ich f�hle mich dann immer wie etwas Besonderes.
Es hatte sich nicht wirklich viel ge�ndert und doch war so vieles irgendwie neu. Und das alles nur wegen Orlando Bloom. H�tte ich ihn nicht kennen gelernt, h�tten David und ich wohl weiterhin geschwiegen, bis es irgendwann zu sp�t gewesen w�re.
Orlando Bloom...
Ich bin Orlando in diesen vier Monaten einmal wiederbegegnet. Es war nach unserer R�ckkehr aus Irland gewesen. David hatte eine Einladung zu einer Vernissage eines ber�hmten Malers bekommen. Eigentlich hatte er nicht gehen wollen, doch ich hatte mich an ihn geschmiegt und gejammert, dass ich so gerne dort hingehen und mit meinem tollen Freund angeben w�rde. M�rrisch hatte er schlie�lich zugestimmt.
Zugegeben, die Ausstellung war langweilig. Einige Bilder sahen zwar nett aus, aber Kunst ist einfach nicht mein Ding. Ich fand es viel interessanter, die anderen G�ste zu betrachten. David wurde mehrmals von Galeristen in Beschlag genommen und warf mir bei Gelegenheit ein L�cheln zu. Ich erwiderte dieses und schlenderte durch die Ausstellungsr�ume. Vor einem Bild, das einen sehr h�sslichen Vogel zeigte, war ich Orlando begegnet. Er hatte mich ebenso �berrascht angesehen wie ich ihn.
�Hallo�, stammelte ich.
�Hallo�, murmelte er ebenfalls. �Wie geht es dir?�
�Gut. Und dir?�
�Soweit ganz gut. Ich habe ziemlich viel um die Ohren.�
Ich nickte. �Ja, ich habe von deinen Filmpl�nen gelesen.�
�Tats�chlich?�
�Nun ja, da du nie anrufst, bleiben mir nur diverse Klatschbl�tter und das Internet, um zu erfahren, was du so treibst. Eine weitere Quelle ist Andr�.�
Wir l�chelten einander an.
�Tut mir leid. Ich wollte dich wirklich anrufen�, begann er zu erkl�ren. Sein Blick glitt an mir vorbei und blieb an etwas haften.
Ich drehte mich und besah die gleiche Person wie er. Es handelte sich um David, der abseits mit einem Herren stand und sich unterhielt.
�Andr� hat mir gesagt, du w�rst nun mit ihm zusammen.� Orlando schaute mich fragend an.
Ich nickte wieder.
�Verstehe... Macht er dich gl�cklich?�
�Er versteht mich. Und ja, ich denke, ich bin gl�cklich.�
Diesmal nickte er. �Ich habe auch jemanden kennen gelernt. Sie ist ebenfalls Schauspielerin.�
�Oh, etwa ein glamour�ses Hollywood-Girl? Julia Stiles oder Kirsten Dunst?�
�Nein, sie ist nicht gar so bekannt.� Er l�chelte verschmitzt. �Wir werden sicher nicht den Status von Brad Pitt und Jennifer Aniston erreichen.�
Das L�cheln auf seinem Gesicht schwand, seine Haltung versteifte sich ein wenig und ich bemerkte, dass David neben mich getreten war. Er nickte Orlando freundlich, aber auf dennoch bestimmende Weise zu und baute sich zur Reviermarkierung neben mir auf. Orlando erwiderte sein Nicken und trat einen Schritt zur�ck um zu demonstrieren, dass er Davids Besitzanspruch auf mich respektierte.
�Yvonne, ich w�rde dich gerne mit einigen Leuten bekannt machen�, sagte David zu mir.
�Eine Minute, okay?�
�Kein Problem. Ich warte dort dr�ben auf dich.�
David und Orlando nickten einander nochmals zu und tauschten neutrale Blicke. Vers�hnung auf M�nnerart. An Knappheit nicht zu �berbieten. Und wir Frauen f�hren stundenlange Gespr�che...
�Tja, tat gut, dich mal wiederzusehen�, sagte Orlando, nachdem David gegangen war.
�Orlando...�
Wir sahen uns an. Ich wollte ihm sagen, dass ich ihn noch immer auf eine gewisse Art liebte und dies vielleicht immer tun w�rde. Dass die Zeit mit ihm nicht nur Kummer gewesen war, sondern auch etwas Besonderes, da ich mit ihm gef�hlt hatte. Dass ich nichts von dem, was geschehen war, bereute. Dass ich ihm f�r alles dankbar war. Doch ich konnte es ihm nicht sagen. Ich hoffte jedoch, dass er meine Gedanken in meinen Augen lesen oder erahnen konnte, denn die einzigen Worte, die ich zu sagen vermochte, waren: �Mach�s gut.�
Er l�chelte noch einmal und verschwand zwischen den G�sten.
Mit Erleichterung stellte ich fest, dass die Trennung von ihm das Richtige gewesen war. Auf diese Weise w�rde ich Orlando immer lieben. Wir hatten einander keine Gelegenheit gegeben, irgendwelche Hassgef�hle aufkommen zu lassen, hatten den anderen in gutem Licht zur�ckgelassen.
Ich geh�re jetzt zu David. Ob wir zusammenbleiben werden, kann keiner sagen. Doch ich m�chte auch keine Garantie. Ich wei�, dass David mich in n�chster Zeit begleiten wird und ich mich auf ihn verlassen kann. Was sein wird, gilt nun nicht zu entscheiden.
�Jingle bell, jingle bell, jingle bell rock
Jingle bells swing and jingle bells ring
Snowing and blowing up bushels of fun
Now the jingle hop has begun�, klingt es aus der Stereoanlage.
Mit verschr�nkten Armen lehne ich am T�rrahmen zum Salon und beobachte meine Freunde beim Auspacken ihrer Weihnachtsgeschenke. Ben hilft Amber beim Anlegen einer Kette, welche er ihr schenkte. Sie l�chelt ihn verlegen an und bedankt sich anschlie�end mit einem raschen Kuss. Nach dem Streit auf dem Dach waren Ben, Amber und ich zwar auf eine gewisse Distanz gegangen, doch die beiden waren sich durch die Umst�nde n�hergekommen. Was zun�chst wie eine Selbsthilfegruppe f�r gebrochene Herzen ausgesehen hatte, entwickelte sich zu Verliebtheit und vor etwa einem Monat hatte Ben Amber von seiner Zuneigung f�r sie in Kenntnis gesetzt. Ich bin nicht w�tend, dass Ben sich in eine andere verliebt hat. Ich bin lediglich froh dar�ber, dass sie einander gefunden haben.
Simon und Samantha sitzen auf der Couch. Sam h�lt ein �bergro�es Footballshirt in den H�nden, welches Simon ihr von seinem New York Urlaub als Nachthemd mitgebracht hat. Sie betrachtet es skeptisch. Ich h�re sie fragen, weshalb es mit lauter kleinen L�chern best�ckt und nahezu durchsichtig ist und Simon antwortet irgendwas mit Air Conditioning und dass sie es sowieso nie lange tragen wird, wenn er bei ihr ist.
Timothy, Richy und Andr� stehen am Klavier und unterhalten sich. Andr� ist erst heute Morgen aus Deutschland angereist. Den 24. Dezember hatte er mit seiner Familie verbracht, doch nutzt er den Boxing Day, um mit seinen Freunden in London zu feiern, wobei nat�rlich auch ein Abstecher bei uns drin ist.
Mike und Matt sitzen am anderen Ende der Couch und bewerfen sich mit Knallbonbons, w�hrend im Fernsehen tonlos eine Showbiz-Sendung l�uft.
Ich l�chle unwillk�rlich bei dem Anblick, welchen meine Freunde bieten. Mein Leben ist nicht perfekt, kein M�rchen. Dennoch genie�e ich es. Manchmal tr�ume ich mich weg, doch kehre ich immer gerne zur�ck. Denn wo es Schatten gibt, scheint auch die Sonne. Diese kann manchmal hinter Wolken versteckt sein, doch selbst der Monsunregen ist nur von gewisser Dauer. Wieso soll es in meinem Leben anders sein?
Ich begegne Ambers Blick. Sie l�chelt mich an, fasst sich mit der Hand an den Anh�nger der Kette und strahlt mit diesem um die Wette. Sie nimmt ihren Blick von mir und schaut an mir vorbei, l�chelt noch immer. Gerade will ich mich umdrehen und sehen, was der Grund ihres L�chelns ist, als ich eine warme Ber�hrung auf meiner Haut sp�re. Ich schaue an meinem K�rper herab. Eine Hand, an deren Ringfinger ein Claddagh-Ring steckt, schiebt sich �ber meine und zieht mich ein St�ck nach hinten in den dunklen Flur.
�Wei�t du, dass du unter einem Mistelzweig stehst?�, fragt David l�chelnd und deutet auf das Gr�nzeug, das �ber dem T�rrahmen h�ngt.
Ich l�chle ebenso zur�ck. �Ja, das wei� ich. Ich warte hier schlie�lich schon die ganze Zeit auf dich.�
Die linke Augenbraue hebt sich ein St�ck und er schaut mich zweiflerisch an. Ich gebe ein glucksendes Lachen von mir, welches schlie�lich in einem Kuss erstickt.
�What a bright time, it's the right time
To rock the night away
Jingle bell time is a swell time
To go gliding in a one-horse sleigh�
�Es schneit!�, hallt Ambers begeisterte Stimme im n�chsten Moment durch die Wohnung.
�Tats�chlich�, beginnt auch Tim euphorisch. �Kommt Leute, schnappen wir uns den Sekt und sto�en auf dieses Weihnachten auf dem Balkon an!�
Sein Vorschlag findet rasch Anklang bei den anderen, welche aufspringen und zum Balkon gehen. Tim, Ben und Amber besorgen derweil schon die Gl�ser und die Sektflasche.
David h�lt mich noch immer in seinen Armen und schaut dem Szenario mit gekrauster Stirn zu.
�David! Muffin! Kommt schon!�, dr�ngelt Tim.
David gibt ein leises Seufzen von sich und l�sst mich los. Er gibt mir einen fl�chtigen Kuss auf die Wange und begibt sich zu den anderen. Nach und nach treten sie durch die Balkont�r.
�Muffin! Nun komm endlich!�
�Boah! Es ist arschkalt hier drau�en!�, meckert Mike.
�Es fehlen noch zwei Gl�ser�, bemerkt Richy. �Yvonne, k�nntest du...�
�Kommt sofort�, antworte ich und laufe zur Vitrine. Ich halte bereits zwei Gl�ser in der Hand, als mein Blick auf den Fernseher f�llt. In der Sendung l�uft eine Reportage �ber den zweiten Teil von Der Herr der Ringe. Ich schaue mir die Bilder an, wenngleich ich den Film erst eine Woche zuvor mit meinen Freunden im Kino gesehen habe. Es folgt ein Wechsel von den Filmausschnitten zur Premiere in New York und dann ist er zu sehen. Orlando l�chelt in die Kamera und beantwortet die Frage eines Reporters. Was genau er sagt, dringt nicht zu mir durch, doch ist das auch nicht wichtig. Ich schaue auf den Bildschirm und l�chle zufrieden.
Es gibt N�chte, da erwachen in mir diese Gedanken an dich, diese Erinnerungen... Und ich wei�, dass viele Kilometer und Zeitzonen voneinander getrennt, aber bestimmt im gleichen Moment, auch du von diesen Gedanken eingeholt wirst. Und in jenen Momenten sind wir miteinander verbunden, ohne davon zu wissen...
Danke, fl�stere ich in Gedanken und blicke auf sein Gesicht. Danke f�r alles. Denn nun wei� ich, dass die Erde sich noch immer dreht, die Sterne noch immer scheinen. So wie sie schienen, als du bei mir warst. Mein gebrochenes Herz ist eine weitere Lebenslektion und ich habe sie bestanden und �berlebt. Da war diese Zeit, als du und ich alles waren. Niemals wirst du von den Tagen und N�chten wissen, die ich von uns tr�umend und phantasierend verbrachte. Doch im kleinen Buch meines Herzens wirst du immer sein und mich daran erinnern, dass es nicht nur ein Traum war. Auch wenn wir nun durch Welten getrennt sind, wenn unsere Leben neue Wege gehen und auf diesen von anderen Menschen begleitet werden, so bist du noch immer in meinem Herzen und dort wirst du immer sein. Du wirst immer Teil von mir sein. Egal wer mein Herz besitzt, ein kleiner Teil von diesem wird immer dir geh�ren.
�Yvonne? M�ssen wir wirklich mit denen da drau�en Weihnachten verbringen?� David steht an der Balkont�r und macht einen bek�mmerten Gesichtsausdruck. Dann bemerkt er die beiden Gl�ser in meiner Hand. �Wir k�nnen uns eine eigene Flasche aus dem K�hlschrank schnappen, die Balkont�r einfach absperren und alleine feiern.�
Ehe ich antworten kann, schlie�t er die Balkont�r. Von drau�en ert�nen Proteste und jemand klopft gegen die Scheibe. David ignoriert dies und kommt auf mich zu.
Ich sehe ihn an und eine Welle der Zuneigung �berkommt mich, w�hrend mein Herz einen gewaltigen Hopser macht. Mein Partner. Mein Freund. Mein Geliebter. Mein Seelenverwandter.
�Mein Herz�, sage ich zu mir selber, wechsle einen Blick zwischen David und Orlando auf dem Bildschirm. �Allerdings nur ein klitzekleiner Teil.�
Ende
DANKE
Es ist fertig! Der mit viel Liebe und gro�em Zeitaufwand geschriebene Roman, der mir vielleicht einmal Reichtum verschafft, mich vielleicht ins Verderben st�rzt, mich eventuell dem Gr��enwahn verfallen l�sst oder mich einfach nur verr�ckt macht und denen, die es lesen m�ssen, Verdruss oder Freude beschert.
Im vorliegenden Fall hoffe ich, dass es sich �berwiegend um Freude handelt, die den Leser bewegt, da es nicht mir alleine zu verdanken ist, dass all dies zu Papier bzw. zu Datei gebracht wurde. Und glaubt mir, ohne sie, w�rde es �Falling� ganz sicher nicht geben.
Da w�ren zum Beispiel:
Papa
Meine selbsternannte Muse. Wie oft bist du in mein Zimmer gekommen, hast auf den Monitor gesehen und gefragt, wann ich endlich fertig w�re. Ich habe deine Stromrechnung in utopische H�hen getrieben. Danke aber f�r dein Verst�ndnis. Und du wei�t ja, dass du einen Anteil des Gewinn bekommst, damit wir dir einen Platz im Altersheim sichern k�nnen.
Mama
Tja, nun ist es fertig und du kommst nicht mehr drum herum: Du musst es lesen! Versprochen ist versprochen. Ich lese daf�r auch mal eines von deinen qualitativen B�chern.
Stefan
Ich habe zwar nur dich als Bruder, weshalb mir die Vergleichsm�glichkeiten fehlen, aber ich behaupte trotzdem, dass du der beste Bruder der Welt bist. Wann immer ich dich brauche, bist du f�r mich da. Und es tut mir leid, dass du immer Opfer meiner J�hzornsanf�lle wirst. Ich wei�, dass ich dich mit Worten oft verletze. Doch ich meine dies nie so. Ich habe dich n�mlich unheimlich lieb, auch wenn du mich manchmal nervst mit deinen Vorschl�gen und Tipps f�r unseren Weg zum Ruhm.
Diva
Ich habe dich nicht vergessen.
David
Es sind Menschen wie du, die mich weitermachen und hoffen lassen.
Eileen
Du hast den Lektorendienst der letzten Kapitel �bernommen und was musstest du nicht alles ertragen? Wenn ich nur an all die Telefonate denke... Ich hoffe, du kannst mir dies eines Tages verzeihen. Au�erdem bete ich f�r dich, dass all deine W�nsche wahr werden. Verdient h�ttest du es auf jeden Fall, kleine Seelenschwester.
Simon
Noch nie habe ich dich so gerne in Gedanken vor mir gesehen wie in der Szene, wo du Bloom gekloppt hast. Danke f�r all die �m�nnlichen Anregungen�.
Rachel
Auch wenn du momentan so launisch bist: ich habe dich trotzdem gern! Ich schiebe dein Gemecker einfach mal auf die Schwangerschaft.
Orlando Bloom
Danke, dass du f�r diese Geschichte hergehalten hast. Ich hoffe, du nimmst es nicht zu pers�nlich. Ruf mal wieder an!
Nita
Ohne dich w�re ich nie auf die Idee gekommen, die Story zu schreiben.
Verena
Und ohne dich w�re sie nie ins Net geraten. Nochmals Danke.
Das waren die Hauptpersonen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die anderen von weniger Wert sind. Allerdings w�rde es den Rahmen sprengen, wenn ich jeden einzeln aufliste und zugegeben, im Moment fallen mir auch nicht alle ein, da es schon ziemlich sp�t ist und ich dies hier total unvorbereitet schreibe. Wenn also jemand fehlen sollte, nehmt es mir bitte nicht �bel.
Besonderer Dank gilt n�mlich meinen Lesern:
Meiner kleinen Miggi, meinem Schatzzzzz Johanna, der d�rren Jule, meinen kleinen Schweizerinnen Rhea und Nadine, Nicole, Merry von Bloomin, Merle, Susann, Kaah, LaVida, Lemenua, Laura, nieni, Irina, Larwenia, Diana, Doerte, Safira...
Ach, einfach allen, die sich die Zeit nahmen, diesen Mist zu lesen.
Au�erdem:
Baileys, Dooleys, Lipton Yellow Label Tea, M&Ms, Trolli Gums, Katjes Joghurt Gums, Prinzen Cookies, Vanilla Coke, Kr�ger Cappucchino, Wagner Pizza, Smirnoff, Volvic, Ritter Sport�
Und vielen weiteren Genussmitteln, die mich vor dem sicheren Tod bewahrten.
T-Online, Targa Computers, Denon Sound Systems, Deutsche Telekom, ICQ, Hotmail, Web... Kommunikation, die begeistert!
Der Papierindustrie und Druckpatronenherstellung, die ich finanziell unterst�tzte.
Danke dem United Kingdom. Speziell London und seiner Faszination.
Ich danke vielen Musikern, die mich mit ihrer Musik begeistern und inspirieren und vielen Autoren, die mich durch ihre Werke zum Schreiben anregen.
Gerhard Schr�der, Tony Blair und George Bush... �h... wieso eigentlich?...
J.R.R. Tolkien und Peter Jackson f�r �Der Herr der Ringe�
Meiner Cousine Claudi und Frank, Kai, Zeljko, Sandra, meinem Fiesta, Doc Martens, Burberry, John Hanley, Mitch, Steffie, Maria, Kate, Raffy, Seba, Corinna, Mona, Isabell, Judith, Herr Valentin, Herr M�ller, Herr Birkhold, Frau Bizco, Ines, Frau Schwarzw�lder, Bridget Jones, Andr� Schneider, Matt Salinger, Mike O�Flynn, Cece, meiner G�ttin Elleth, Gwil, Harry Potter, Draco Malfoy, Legolas, Aragorn, Gandalf, ...
aber ach, ich schweife ab, ich bin ger�hrt, die Verwirrung greift um sich, ich schlie�e.
Yvonne Soriano Mercedes
26. Dezember 2003