Part 38
Foolish Games
Ich lag auf meinem Bett, starrte an die Decke und lie� in Gedanken meine Kette zwischen meiner Haut und der oberen Kante der Krone meines Ringes gleiten.
Gestern habe ich Orlando gegen�ber gestanden. Mehr noch. Gestern habe ich ihn wieder gek�sst. Etwas, das ich mir seit Wochen gew�nscht habe. Etwas, das ich herbeigesehnt habe.
Ich habe doch so sehr darauf gewartet, ihn wiederzusehen. Nichts anderes habe ich gewollt. Das habe ich doch, oder?
Jedes einzelne Kettenglied rasselte �ber die Ringkante w�hrend ich nach einer Antwort zu dieser Frage suchte.
Ja, ich hatte es mir gew�nscht, doch die Zeit hat so manches ver�ndert. Mein Herz ist wieder frei gewesen. Zu sp�t habe ich es bemerkt. Ich habe mich in Chiar�n verguckt und mein Herz schl�gt immer noch schneller, wenn ich ihn sehe. Ihm jedoch scheine ich komplett egal zu sein. Nicht einmal hat er versucht, mit mir �ber den Kuss zu sprechen. Genauso wenig wie ich mit David �ber unsere gemeinsame Nacht gesprochen habe. Das Einzige, das mir geblieben ist, ist Ben, der mir wie ein verliebter Dackel hinterher trottet. Nicht gerade viel.
Musik und ein Poltern gegen die Wand riss mich aus meinen Gedanken. Ich setzte mich auf und blickte auf die Zimmert�r. Was ging denn da drau�en ab? Die anderen waren doch alle noch unterwegs. Es konnte sich lediglich um Simon handeln, der mich mal wieder �rgern wollte. Ich lie� ein Seufzen aus meiner Kehle erklingen und legte mich wieder in die Kissen.
Orlando hatte gut ausgesehen. Das Haar gek�rzt und keinen Bart mehr. Er war wieder der Orlando gewesen, den ich kennen gelernt hatte. Und er hatte mich nicht vergessen. Er hatte mich sogar vermisst, auch wenn er das nicht gesagt hatte, ich wusste es.
Verflucht! Wieso ist Amber nur mit mir gegangen? W�re sie nicht gewesen, w�rde ich jetzt nicht wie ein kompletter Idiot allein auf meinem Bett rumliegen. Nein, ich w�re bei Orlando oder bei Ben oder... Was soll diese verdammte Musik?
Ich setzte mich wieder auf.
�Do you really love me? Do you still love me? Do you care?
Do you really need me? Do you still need me? Need me there?
Do you really want me? Do you still want me? Do you dare?
Do you still love me? Do you still love me? Do you care?�
East 17. Eigentlich habe ich nichts gegen diese Gruppe, aber sollte dieses Lied, dieser Text ein schlechter Witz sein? Drangen meine Gedanken etwa �ber irgendwelche Schallwellen nach au�en? Den ganzen Morgen �ber hatte ich mich schon gefragt, weshalb Orlando mich gek�sst hatte. Weshalb er �berhaupt derart reagiert hatte. Liebte er mich? Brauchte er mich? Oder wollte er mich lediglich, wie M�nner Frauen eben manchmal wollen. Ich warf mich erneut zur�ck, schnappte mir ein Kissen und bedeckte mein Gesicht.
Diese verfluchte Liebe. Wieso zum Teufel tun wir uns das �berhaupt an? In Filmen wird uns unersch�pfliche Liebe gezeigt. In B�chern lesen wir von ihr. Ich h�re viele Geschichten �ber die Liebe und zu was sie f�hig ist und denke, sie k�nnen wahr sein. Sie birgt das h�chste Verletzungsrisiko in sich und trotzdem sind wir Menschen so bl�d und versuchen uns immer wieder erneut an ihr. Ich wei� schon so vieles �ber sie und dennoch gibt es so viel mehr f�r mich dar�ber zu lernen. Da mache ich mir nichts vor. Das wei� ich, denn ich denke die ganze Zeit dar�ber nach. Liebe ist wie ein Preis, den man gewinnen kann. Und ich m�chte Liebe gewinnen, die wahre, die anhaltende Liebe. Doch hierf�r muss ich erst mal ein ehrliches Herz finden und jemanden, der mit meinem sorgsam umgeht. Das meine Erwartungen derart hoch sind, liegt wohl daran, dass ich sehr fr�h der schmerzenden Realit�t begegnete. Meiner Realit�t. Meiner Wahrheit, die mein Leben mit Zweifel einschr�nkt. Doch ich begegne ihr als K�mpferin und werde nicht aufgeben. Egal wie viel Schmerzen mir wegen der beschissenen Liebe noch wiederfahren werden, alles ist ertr�glicher als allein zu sein. Das lerne ich jeden Tag. Meine Vorstellungen �ber die Liebe waren so naiv, so filmreif. Wenn ich sie weiterverfolge, werde ich bald allein sein.
Nun ja, in diesem Moment war ich es zumindest nicht. Im Moment kratzte irgendwer an der Wand und ein weiteres Lied sang sich in mein Unterbewusstsein.
�Because tonight I know you�re gonna beg to stay
But tomorrow you will simply walk away
And tonight I know exactly what you�ll do
But comes tomorrow I will still be just your fool�
Auch dieses Lied mochte ich gew�hnlich, aber nun machte mich der Text wahnsinnig. Auch ich hatte es nicht verdient unter der Liebe zu leiden. Was w�re ohne Amber passiert? W�re ich mit Orlando gegangen? Wir h�tten dort weitergemacht, wo wir im Club angefangen hatten. Aber was dann? Wie w�re es weitergegangen?
�I saw you as the future, baby
You see me as a one night stand
But I�m sick of being part time, baby
You gotta be a full time man�
Okay, das war genug. Ich qu�lte mich schon selber mit diesen Gedanken, da brauchte man mir sie nicht noch musikalisch reindr�cken. Ich warf das Kissen zur Seite und stand auf. H�chste Zeit mal nachzusehen, was da drau�en vorging. Ich packte den T�rknauf und drehte diesen.
�Vorsicht!�, h�rte ich Chiar�ns Stimme durch die T�r. Ich hielt in meiner Bewegung inne und wartete ab.
�Du kannst rauskommen, aber pass auf, wo du hintrittst.�
Etwas verwirrt blickte ich auf die T�r und schob sie schlie�lich einen St�ck auf. Durch den schmalen Spalt l�chelte mich Chiar�n an.
�Du lebst also doch noch�, grinste er und entschwand aus meinem Blickfeld.
Ich �ffnete die T�r und trat im Flur erst einmal nahezu in einen Eimer. Tapete lag verteilt auf dem Boden, zwei St�hle und eine Trittleiter blockierten meinen Zimmereingang.
�Was tust du hier?�, fragte ich.
�Ich wollte dich f�r immer in dein Zimmer sperren. Nach was sieht das aus? David und ich tapezieren euren Flur.�
�Interessant. Und wieso ausgerechnet heute? Und weshalb sagt mir das keiner?�
�Warum? H�ttest du helfen wollen?� Er grinste mich erneut an, schob die Leiter mit dem Fu� an die Wand, stieg drei Trittbretter nach oben und begann mit einer Spachtel die Tapete zu entfernen . �David und ich haben das vor einigen Tagen ausgemacht und wir schaffen das gut ohne dich. Au�erdem hast du dich heute noch gar nicht aus deinem Zimmer bewegt und David meinte, wir sollten dich nicht unn�tig st�ren.�
�Das habt ihr aber. Ich dachte, irgendwer m�chte die Wand einrei�en. Ich war schon nahe dran, von der anderen Seite aus zu helfen�, sagte ich ver�rgert. �Und dann noch diese nervige Musik.�
�Was hast du gegen Atomic Kitten?�
�Ach, gar nichts. Ist nicht wichtig�, winkte ich ab und wollte zur�ck in mein Zimmer gehen und mich weiteren sinnlosen Gedankenwasserf�llen hingeben.
�Deine Verabredung gestern ist anscheinend nicht gutgelaufen�, hielt er mich zur�ck.
�Wie kommst du darauf?�
�Blo�e Vermutung.� Er sah kurz zu mir, daraufhin wieder zur Wand. �Nein, es ist nicht zu �bersehen, dass du ver�rgert bist.�
�Schlaue Erkenntnis. Immerhin klopfst du nervig gegen meine Wand.�
�Du hast leider keinen Balkon, den ich erklimmen k�nnte um anschlie�end deine Laune mit ein paar netten Worten aufzuheitern.�
�Sehr witzig. Ich ben�tige aber keine Aufheiterung, sondern eine komplette Anleitung f�r den Umgang mit M�nnern.�
Chiar�n zuckte mit den Schultern. �Sorry, aber ich kann nicht nachvollziehen, was daran so schwer sein soll.�
�Ihr seid so verdammt kompliziert. Ich gebe ja zu, dass wir Frauen nicht immer wissen, was wir wollen, aber ihr seid auch nicht besser. Ihr unternehmt die unsinnigsten Dinge und tut danach, als w�re nichts gewesen�, klagte ich.
�Mag sein, dass es einige Exemplare dieser Art gibt, aber...�
�Ach, h�r doch auf!�, unterbrach ich ihn. �Du bist genauso.�
�Ich verstehe nicht, was du meinst.�
�Wieso hast du mich gek�sst?�
Chiar�n blickte auf die Spachtel und s�uberte sie gelassen von Tapetenresten. �Es hat dir wohl gefallen?�
Seine Antwort �berraschte und ver�rgerte mich zugleich. Schlagfertig war sie gewesen, aber eigentlich keine Antwort, sondern eine Gegenfrage.
�Nun ja, ich habe schon bessere...�, verfing ich mich in Worten. �Ach, es war eigentlich kein richtiger Kuss.�
�M�chtest du einen richtigen Kuss?� Mit einem selbstgef�lligen L�cheln sah er auf mich hinunter.
�Nein danke. Der von gestern h�lt noch immer an.�
Er hob die Augenbrauen an, wirkte etwas gekr�nkt. �Aus welchem Grund bist du dann jetzt so kratzb�rstig? Mit Ben scheint demnach alles in Ordnung zu sein.�
�Negativ. Orlando ist wieder da und dr�cken wir es so aus: Wir haben nicht sonderlich viel geredet.�
Chiar�n sah �ber mich hinweg und zog die Stirn kraus. Ich folgte seinem Blick. David war aus der K�che gekommen. Er hatte meine letzte Aussage wohl mitbekommen, denn er blickte mich mit schmalen Lippen ver�chtlich an, bem�ht, jeglichen Kommentar zu unterlassen. So verschwand er in seinem Zimmer.
�Autsch�, brachte ich hervor. �Ich wusste nicht, dass er hier ist.�
�Wie auch, wenn du den ganzen Tag in deinem Zimmer herumsitzt? Er reagiert auf dieses Thema �u�erst sensibel. Anscheinend war es ein ziemliches Drama mit dir und diesem Typen. Komm mit.� Chiar�n kam von der Leiter, nahm meine Hand und zog mich in den Salon. Leise schloss er die T�r hinter sich. �Dann leg mal los.�
�Was soll ich dazu sagen?� Ich lie� mich seufzend in den Sessel fallen. �Er stand pl�tzlich vor mir und mir fegte es nahezu den Boden unter den Beinen weg. Kurz darauf haben wir uns vor den Toiletten wieder gesehen und...�
�Ihr habt euch also wieder vers�hnt?�
�Das bezweifle ich. K�ssen ist keine Entschuldigung oder Erkl�rung. Ich zu meinem Teil war �berw�ltigt ihn wiederzusehen, das war wohl alles.�
�Was passierte dann?� Chiar�n setzte sich vor mir auf den Couchtisch und sah mich an. Mir fuhr eine schmerzvolle Erinnerung bei dieser Tat durch den Kopf. F�r gew�hnlich war es David gewesen, der dies machte und mit mir sprach. Doch das war einmal. Wahrscheinlich w�rden wir in Zukunft nur noch �ber den Haushalt und Lebensmitteleink�ufe miteinander reden. Und selbst das w�rde enden, da er weggehen w�rde.
�Amber kam dazwischen. Ich glaube, wenn sie nicht gewesen w�re, h�tte ich ihn zu Boden geworfen und...� Ich err�tete. �Entschuldigung, du willst das sicher nicht h�ren.�
�Zugegeben, es ist nicht sehr reizvoll zu h�ren, was du mit anderen Kerlen machen m�chtest, aber wenn es dir hilft.� Er zuckte mit den Schultern. �Was hast du nun vor?�
�Ich muss mit ihm reden. Egal was dabei herauskommt, es geht so nicht weiter. Entweder soll er mich zur�cknehmen oder endlich freilassen.�
�Willst du wieder mit ihm zusammensein?�
�Teils ja, teils nein. Es ist so viel passiert und es macht mich w�tend, dass er aus dem Nichts pl�tzlich wieder hier ist und dort weitermacht, wo wir aufgeh�rt haben.�
�Ignorier ihn doch einfach.�
�Das geht nicht. Nicht jetzt, wo das passiert ist, wo so vieles wegen ihm geschehen ist. Du hast ja keine Ahnung�, sagte ich und meine Stimme nahm einen weinerlichen Ton an. Es stimmte. Ich hatte aufgrund meines Kummers wegen Orlando mit David geschlafen, hatte wegen ihm einen Zusammenbruch erlitten, konnte wegen ihm Ben nicht lieben. Ich schluckte, atmete tief durch und sah Chiar�n an. �Du hast �brigens meine Frage nicht beantwortet.�
�Welche Frage?�
�Wieso hast du mich gek�sst?�
�Weil ich es wollte�, antwortete er.
�Aber wieso?�
�Es geht jetzt nicht darum, was ich will, sondern was du m�chtest.�
�Aber wie soll ich eine Entscheidung treffen, wenn ich nicht wei�, was du erwartest?�
�Ich erwarte gar nichts. Ich mag dich lediglich sehr, aber wir kennen uns zu wenig, als dass ich schon irgendwelche Pl�ne schmieden w�rde.�
�Ben meinte, er w�rde um mich k�mpfen.�
�Erwartest du das auch von mir? Dann muss ich dich entt�uschen. Ich werde lediglich hier sein. Getreu dem Motto: Wenn zwei sich streiten... � Sein L�cheln war Antwort genug.
Ich erwiderte sein L�cheln. �Okay, ich werde mit Orlando reden und ihm sagen, was Sache ist. N�mlich dass es zwei wunderbare M�nner gibt, mit welchen ich mir gerne eine Chance geben w�rde.� Zaghaft l�chelte ich ihn an.
�Nur zwei?�, fragte er und hob die Augenbrauen.
�Orlandos Absichten kenne ich noch nicht, aber ich werde sie herausbekommen.�
�Tu das.� Chiar�n l�chelte mich aufmunternd an. �Tu das. Und ich werde mich nun zusammen mit David auf die Tapete st�rzen. Wir haben uns n�mlich vorgenommen, das Ganze an einem Tag zu erledigen.�
*
Ich sa� auf einem Treppenabsatz des Brunnens am Piccadilly Circus und lie� den Eingang zur U-Bahn nicht aus den Augen. Mein Herz klopfte vor Aufregung wild gegen meinen Brustkorb. Endlich w�rde ich wieder mit einer normalen Person sprechen k�nnen. Zwar kam ich direkt von meiner Sitzung bei Dr. Fleming, doch hatte ich mit ihm nicht �ber die neusten Ereignisse gesprochen. Nat�rlich hatte er bemerkt, dass mich irgendetwas bedr�ckte, doch wie Psychologen nun mal sind, zwang er mich nicht, dar�ber zu reden, weshalb wir uns ganz meiner Schulzeit widmeten. Lediglich am Ende erw�hnte ich, dass ich dem Mann, wegen dem ich die Praxis aufsuchte, wieder begegnet w�re. Wie zuvor Chiar�n erz�hlte ich Dr. Fleming von meinem Vorhaben. Er befand es f�r richtig, meinte auch, dass er f�r Notf�lle rund um die Uhr ansprechbar w�re. Ich jedoch hoffte, dass ich es alleine schaffen w�rde. Ich musste meinen Plan nur noch ausbauen und der Angriff auf Mr. B konnte beginnen.
Endlich sah ich ihn die Treppen hochkommen. Erst vor wenigen Stunden war Andr� in London angekommen, hatte mich aber dennoch angerufen und gefragt, ob wir uns sehen k�nnten. Dass ich erst noch einen Termin hatte, war ihm nicht unrecht gewesen. Ich sprang auf und zw�ngte mich durch die Menschen, die wohl mit derselben U-Bahn angekommen waren wie er.
�Atti!�, klang meine Stimme quietschend. �Ich bin hier.�
�Hey!�, gr��te er, ergriff meine Hand und zog mich ein St�ck durch die Passanten, am Eingang des Tower Records Gesch�ftes vorbei. Dann drehte er sich um und sah mich direkt an. �Hoppla. Was ist denn mit dir passiert? Warst du nicht mal blond?�
��fter mal was Neues�, grinste ich.
�Ach, in etwa so: neuer Freund, neues Outfit?�
�Outfit ja, Freund nein.�
�Haben Ben und du es immer noch nicht auf die Reihe gekriegt?�
Ich sch�ttelte den Kopf. �Nein. Es ist so einiges dazwischen gekommen.�
�Das h�rt sich nach einer l�ngeren Geschichte an. Komm, wir suchen uns ein ruhiges Pl�tzchen.�
Kurz darauf sa�en wir in einer Starbuck�s Filiale. Doch tranken wir weder Milchkaffee noch Cappuccino, sondern unseren gewohnten Tee. Die Worte sprudelten nur so aus mir heraus und Andr� h�rte aufmerksam zu. Ich erz�hlte ihm alles. Von Ben und mir, von meinem neuen Job, von Chiar�n, von meinen Pr�fungen, von der Nacht mit David und von Orlando. Als ich meinen Bericht beendet und Halt an meinem Tee suchte, sah er mich �ber den Tisch hinweg an.
�Was du in wenigen Wochen durchmachst, erleben manche nicht mal ihr ganzes Leben lang�, sch�ttelte er den Kopf.
�Bin eben ein Naturtalent.�
�Nun ja, was soll ich nun sagen? Gehen wir Punkt f�r Punkt durch.� Er r�ckte seinen Stuhl zurecht. �Pr�fungen und Job: sehr gut.�
Ich strahlte ihn vor Freude an.
�Ben und du�, fuhr er fort, �so schwer es ist, aber wenn du dir sicher bist, dass deine Gef�hlen nicht ausreichen, dann musst du es ihm sagen. Es ist sch�n, wenn er dich liebt, aber wenn es nicht von beiden Seiten kommt, bringt es nicht viel. Und du kannst nicht mit ihm zusammen sein, nur damit er gl�cklich ist. Du musst in erster Linie nach dir schauen.�
Ich nickte.
�Der Ire. Ich denke, da kann man noch nicht viel zu sagen. Du musst einfach abwarten, was passiert. Aber da er dir zu gefallen scheint und er wohl auch Interesse an dir hat, w�re es sicher einen Versuch wert.�
Erneut nickte ich und nahm einen Schluck aus meiner Tasse.
�Cole und du... Wei� Amber davon?�
�Um Gotteswillen. Nein, ich kann ihr das nicht sagen. Sie ist meine Freundin und in ihn verliebt.�
�Vielleicht solltest du sie es aus genau diesen Gr�nden wissen lassen.�
�Andr�, ich m�chte die Nacht selber vergessen. Wozu sollen dann noch mehr Personen davon wissen? Es ist nicht von Bedeutung.�
�Wenn es da nicht w�re, w�rdest du es nicht vergessen wollen, dann h�ttest du es schon.�
�Ich habe durch eine Dummheit einen guten Freund verloren. Das geht nicht spurlos an mir vorbei. Aber ich kann es nicht �ndern.�
�Was ich nicht verstehe, ist folgendes: er hat mit dir geschlafen, damit du Orlando vergisst. Es war also nichts Pers�nliches?�
�Genau. Aus diesem Grund und weil er angeblich Lust hatte.�
�Wieso verh�lt er sich aber dir gegen�ber dann nicht wie zuvor? Ich meine, wenn es nichts mit ihm selber zu tun hatte, m�sste er dich doch ganz normal weiterbehandeln.�
�Ich wei� nicht, was mit ihm los ist. Von Simon wei� ich, dass etwas nicht stimmt, aber keiner sagt mir, was es ist. Ich verstehe es auch nicht.�
�Er war also vorher schon komisch?�
�David war schon immer eigenartig�, l�chelte ich. �Simon meint, dass alles wieder in Ordnung kommt, wenn er erst mal in Frankreich ist und wir Abstand haben.�
�Da k�nnte er Recht haben. Und er hat kein Interesse an Amber?�
�Sicher nicht.�
�Die Arme.� Andr� r�hrte in seinem Tee herum. �Und nun zu Orlando. Du wirst also mit ihm sprechen?�
�Oh ja. Er ist mir noch einige Antworten schuldig.�
�Geht es dir darum oder m�chtest du es wieder mit ihm versuchen?�
Ich seufzte. �Es liegt an ihm. Er besitzt noch einen gro�en Teil meines Herzens. Doch wenn er keine Beziehung, sondern wieder nur irgendwelche Spielchen m�chte, dann verlange ich es zur�ck und werde nicht z�gern, es einem anderem zu geben.�
Wir tranken einen weiteren Tee, besprachen noch einmal detaillierten, was alles geschehen war und brachen anschlie�end auf. Andr� hatte noch einiges zu erledigen, doch ich bat ihn, am Abend zu uns zukommen. Meine Freunde hatten mal wieder einen Abend im gem�tlichem Beisammensein auf dem Dach geplant. Es w�rden nicht zu viele kommen, lediglich die �bliche Runde. Sogar auf Alkohol w�rde verzichtet werden. Man wollte nur mal wieder Zeit miteinander verbringen. Andr� z�gerte zun�chst, gab meinem Bitten allerdings nach. Schlie�lich hatte ich ihm auch erz�hlt, wie seltsam ich mich neuerdings unter meinen Freunden f�hlte.
Die Lampions strahlten bunte Lichterf�cher auf den Boden. Ich sa� von Amber, Tim und Richy umgeben an einem Tisch und starrte vor mich hin. Rachel, Charlene, Kate, Judy, Chiar�n, Mike, David, Monique, Dave, Raffy und Tom sa�en bei uns und unterhielten sich. Ja, Tom Moore war mal wieder aufgetaucht. Nachdem ich ewig nichts mehr von ihm geh�rt hatte, stand er heute pl�tzlich vor mir, hatte mich �berschw�nglich umarmt und einen Kuss aufgedr�ckt, der bewusst nicht meine Wange, sondern meinen Mundwinkel getroffen hatte. Er entschuldigte sich daf�r, dass er sich lange nicht gemeldet hatte, aber die Arbeit h�tte ihm keine Zeit gelassen. Allerdings w�rde er gerne mal wieder mit mir ausgehen und den Abend von damals fortsetzen. Ich wusste, was er meinte. Er meinte den Abend, nachdem Orlando und ich uns getrennt hatten. Den Abend, an welchen ich beinahe etwas Dummes getan h�tte. Den Abend, an welchem ich mit Tom hatte schlafen wollen. Und er wusste es. Auf den Job, welchen er mir einst angeboten hatte, kam er gar nicht mehr zu sprechen. Dies ver�rgerte mich ein wenig. Doch statt einer Erkl�rung bez�glich dieser Sache abzugeben, versuchte er heftigst mit mir zu flirten. Irgendwann ging er mir derma�en auf den Senkel, dass ich mich zu Simon, Brad und Matt gefl�chtet hatte und mir deren Weibergeschichten anh�rte. Simon erz�hlte begeistert von dem M�dchen, welchem seit geraumer Zeit seine Aufmerksamkeit galt. Viel preisgeben wollte er jedoch nicht �ber sie. Angeblich kannte ich sie, war ihr schon einmal begegnet. Ich konnte mich jedoch nicht erinnern und setzte bald darauf wieder an den Haupttisch. Als Ben erschien, begr��te er mich neutral und gesellte sich zu Simon, warf mir jedoch mehr als einen Blick zu. Ich versuchte gelassen zu reagieren und es gelang mir sogar. Allerdings f�hlte mich zu keiner der Tischgesellschaften zugeh�rig. An dem einen Tisch sa� Ben, zu dem ich etwas Abstand wollte, an einem anderen David, zu dem ich gar kein Verh�ltnis mehr hatte, was komischerweise niemandem auffiel, Und zwischen Amber, Tim und Richy war seit dem Abend im Locos eine gewisse Entfremdung eingetreten. Eine Entfremdung weil sie mir gegen�ber nicht ehrlich gewesen waren. Jedenfalls wurde das Thema gemieden. Ich sa� mit ihnen am Tisch, h�rte ihnen aber bei ihrer Unterhaltung nicht wirklich zu. Viel mehr stellte ich erschrocken fest, dass ich mich unter einer Vielzahl von Leuten befand und doch allein war. Was ich vor zwei Tagen noch dachte, war schon nahezu eingetroffen. Ich hatte zu viel gewagt und alles verloren. Anders konnte man es nicht beschreiben. Es gab nur noch zwei Personen, mit denen ich zu reden mich traute. N�mlich Simon und Andr�. Beide z�hlten als Au�enstehende und urteilten nicht �ber mich. Mir war, als s��e ich unter Fremden. Doch f�hlten meine Freunde wohl genauso f�r mich. Irgendwann hatten wir uns verloren und es war verdammt schnell gegangen. Diese tristen Gedanken gingen mir durch den Kopf und verflogen sich erst, als ich meinen pers�nlichen Gast durch die T�r treten sah. Andr� hatte Wort gehalten. Z�gernd blieb er stehen und sah sich um. Niemand au�er mir hatte ihn bemerkt. Ich blickte zu den anderen, die sich unterhielten und entfernte mich leise vom Tisch. Lediglich David sah kurz auf, als ich aufstand, richtete seine Aufmerksamkeit aber wieder auf Tom, der den anderen irgendeinen Klatsch aus der Promiszene erz�hlte. Ich stahl mich bewusst aus den Lichtf�chern der Lampions und lief im Dunkeln auf die Dachterrassent�r zu. Ich hatte Andr� schon nahezu erreicht, als er mich erkannte.
�Hey, das Begr��ungskomitee�, l�chelte er und trat mir einen Schritt entgegen.
�Andr�, begr��te ich ihn. �Zum Gl�ck bist du gekommen. Ich f�hle mich so allein.�
�Ach Gottchen, jetzt verstehe ich.� Er sah wieder zu den Tischen hin�ber und registrierte die Personen. �Das muss ja die reinste Folter f�r dich sein.� Er runzelte die Stirn und breitete die Arme aus. Dankbar begab ich mich in seine Umarmung.
�Wem sagst du das?�, seufzte ich dort. �Meine Freunde scheinen gleichzeitig meine gr��ten Feinde zu sein.�
�Und ich bin der n�chste, der dir ein Messer in den R�cken rammt.�
�Wieso solltest du das tun?�
Noch in seiner Umarmung stehend, fiel mein Blick �ber seine Schulter. Andr� war nicht allein gekommen. Eine Person wartete in einem gewissen Abstand und sah uns an. Ich l�ste mich von ihm und sah ihn fragend an.
�Es tut mir leid�, sagte er entschuldigend. �Ich habe ihm gesagt, dass er nicht mitkommen soll, aber er wollte es unbedingt. Dass er sich praktisch in die H�hle des L�wen begibt, ist ihm egal.�
�Ist in Ordnung�, versicherte ich ihm. �Ich mach das schon.�
Ich l�chelte Andr� noch einmal an und ging auf seinen Begleiter zu. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, dass Andr� sich nicht von der Stelle r�hrte.
�Hallo Orlando.�
�Hi Yvonne�, l�chelte er etwas unsicher und vergrub die H�nde in den Taschen seiner Jeans.
Ich fragte mich, ob er dies tat, damit er nicht in Versuchung geriet, mich wie im Los Locos anzufallen. Sein L�cheln erwiderte ich nicht, sah ihn lediglich abwartend an. Allerdings verunsicherte ihn mein Blick nicht zunehmend. Stattdessen entspannte sich seine Haltung und seine Lippen verschm�lerten sich, w�hrend seine Augen wieder �ber meinen K�rper glitten. Etwas, das mich verwirrte. Ich wollte, dass er mit mir redete. Nat�rlich sollte er mich auch begehren, aber das k�nnte er nach einer Entschuldigung oder Erkl�rung immer noch tun.
�Was ist?�, fragte ich schlie�lich, als er mich mit seiner Tat nahezu w�tend machte.
�Ich wundere mich nur.� Er trat einen Schritt auf mich zu und musterte mich weiterhin eingehend. �Vor mir steht dieses M�dchen, dass ich auf Distanz gehalten habe, damit ich es nicht zu sehr vermisse, wenn es eines Tages nicht mehr bei mir ist.� Er atmete ruhig durch und l�chelte. �Doch die letzten Wochen stellte ich fest, dass es mir nicht gelungen ist, dass zu tun. Dass es mir nicht gelungen ist, dich nicht zu vermissen.�
�Tats�chlich? Das f�llt dir aber fr�h ein.� Es sollte sarkastisch klingen, aber meine Stimme zitterte und lie� erkennen, wie sehr mich seine Worte aufw�hlten, wie sehr sie mich ver�ngstigten.
�Yvonne, wir haben damals einfach zu viel falsch gemacht. Wir wollten zu viel auf einmal und hatten dabei nicht dasselbe Ziel�, sprach er. �Ich war am Ende so genervt und hatte einfach alles satt. Am meisten �rgerte es mich, dass du nicht ehrlich zu mir warst. Ich meine, wir h�tten dar�ber reden k�nnen.�
Ich neigte den Kopf und biss mir auf die Lippe. Schuldgef�hle �berkamen mich, da er Recht hatte. Ich h�tte es ihm erz�hlen k�nnen, aber ich hatte es nicht getan. Andererseits �rgerte es mich, dass er nicht ausgesprochen hatte, wor�ber wir h�tten reden k�nnen.
�Nat�rlich h�tte ich es hierbei belassen k�nnen�, fuhr er fort. �Aber ich kriege dich nicht aus meinem Kopf, so sehr ich es auch versuche. Mir gelingt es, die Gedanken an dich zu verdr�ngen, aber ich krieg sie nicht weg. Das zwischen uns muss wirklich etwas gewesen sein. Ich meine, ich kann nicht mal irgendwelche Phantasien genie�en ohne dein Gesicht zu sehen.� Er l�chelte wieder.
Ich err�tete leicht und trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen. �Ich wusste, dass es nicht leicht werden w�rde, dich aus meinem Herzen zu bekommen, aber nun muss ich mir eingestehen, dass es erst der Anfang ist.�
�Willst du das �berhaupt? Willst du mich aus deinem Herzen bekommen?� Seine Augen waren auf meine gerichtet. �Ich denke, wir k�nnten es schaffen, dass wir beide dasselbe wollen.�
�Was m�chtest du denn?�
�Mit dir zusammensein.� Er l�chelte charmant.
Ich schluckte und trat einen Schritt zur�ck. �Das ist nett, wirklich�, sagte ich d�mlich. �Aber ich wei� nicht...� Er hatte mich �berrumpelt. Ich hatte damit gerechnet, dass er sich entschuldigen und gehen w�rde. Ich hatte nicht mit einer solchen Situation gerechnet. Ich hatte davon getr�umt, aber Tr�ume sind doch nur Tr�ume, oder?
Orlando griff nach meinem Arm und hielt mich zur�ck. �Yvonne, ich wei�, dass du auch mit mir zusammensein m�chtest.�
Noch ehe ich antworten konnte, stie� Simon zu uns, woraufhin Orlando mich loslie�. Er begr��te Simon mit einem schwachen Hallo und sah wieder zu mir. Mit einem kurzen Blick sch�tzte Simon die Situation ab und wandte sich dann an Orlando.
�Ach wie schade�, sagte er in einem gespielt traurigen Ton. �Du gehst schon wieder? Bye Bloom. War sch�n dich mal wiederzusehen. Besonders von hinten!�
Orlando sah Simon perplex an. Dieser baute sich neben mir auf und verschr�nkte die Arme vor der Brust.
�Danke Simon, aber ich bekomme das alleine geregelt�, zischte ich ihm zu.
�Klar�, antwortete Simon ohne seinen Blick von Orlando zu nehmen.
�H�r mal, wir reden lediglich miteinander�, sagte dieser.
�Fein, und nun habt ihr genug besprochen. Du kannst gehen.�
�Ich denke, dass Yvonne selber entscheiden kann, ob sie sich mit mir unterhalten m�chte oder nicht.�
Ich nickte zur Best�tigung von Orlandos Aussage, doch Simon missachtete dies.
�Im Moment pl�diere ich bei ihr auf Unzurechnungsf�higkeit. Au�erdem m�chte ich dich daran erinnern, dass dich niemand hierher eingeladen hat.�
�Ich bin auch nicht an eurer Versammlung interessiert, sondern wollte nur mit Yvonne sprechen�, antwortete Orlando und sah darauf mich an. �M�chtest du mitkommen? Ich denke, wir sollten wirklich reden.�
�M�chte sie nicht.� Simon ergriff meine Schulter und zog mich unsanft an dieser zur�ck als Zeichen, dass er mich nicht gehen lassen w�rde.
�W�rdest du sie bitte selber antworten lassen?� Orlandos Stimme klang gereizt.
Simons Augen wurden daraufhin schmaler und mit weiteren, raschen Blicken sch�tzten die beiden einander ab. Nerv�s sah ich von einem zum anderen. Ich wollte ganz sicher keine Pr�gelei zwischen den beiden.
�Sie wird dich nicht begleiten�, beharrte Simon. �Sie f�hlt sich in deiner Gesellschaft n�mlich nicht gerade wohl.�
�Lass sie los.� Orlandos Haltung streckte sich nun ebenfalls. Er nahm sozusagen das Gefecht mit Simon auf.
Ich schob Simons Hand von meiner Schulter und trat zur Seite. �H�rt doch auf. Das ist l�cherlich.�
Die beiden beachteten mich gar nicht. Ihre Blicke waren ineinander verflochten und beobachteten jede Muskelbewegung.
�Gibt es hier irgendwelche Probleme oder spielt ihr nur miteinander?�, fragte eine monotone Stimme. David war herangetreten, begleitet von Mike, Chiar�n und Tom, welche Orlando geringsch�tzige Blicke zuwarfen. Auch der Rest meiner Freunde hatte sich gen�hert und bildete einen Halbkreis, um das Geschehen zu beobachten. Amber stand neben Andr� und redete wild auf ihn ein.
�Was soll das nun?�, fragte Orlando und lachte heiser auf. �Seid ihr das Vollstreckungskommando?�
�Nein, David, es ist alles in Ordnung�, erkl�rte Simon auf die Frage seines Bruders und missachtete Orlandos Kommentar. �Bloom wollte gerade gehen.�
�Einen Dreck werde ich tun�, schoss Orlando hervor. �Ich bin gekommen, weil ich mit Yvonne reden m�chte und genau das werde ich auch tun.�
David und Simon tauschten einen kurzen Blick und auf ihren Gesichtern bildete sich ein h�misches L�cheln. Dann sah Simon wieder zu Orlando, sagte jedoch nichts. Ich kannte dieses Spiel zwischen den beiden Br�dern. Simon hatte die Kriegsf�hrung an David �bergeben. Orlando tat mir jetzt schon laut.
Lauf!, sagte ich in Gedanken zu ihm. Lauf so weit und schnell du kannst!
�An deiner Stelle w�re ich vorsichtig�, sagte David schlie�lich. �Du hast hier nicht gerade den g�nstigsten Standpunkt um irgendwelche Forderungen zu stellen. Und wenn du dich nicht im Zaum h�ltst, k�nnest du mit meiner weniger netten Seite Bekanntschaft schlie�en.�
Orlando betrachtete David aus schmalen Augen. �Ist das eine Drohung, Cole?�
�Das ist ein Versprechen.�
�Wahnsinn. Ich f�rchte mich jetzt schon. Was willst du tun? Mich anschweigen? Oder wirst du ganz brutal und bewirfst mich mit Pinseln bis ich blute?�
�Wenn man nicht vorsichtig ist, kann man so einen Pinsel ziemlich tief in den Arsch geschoben bekommen�, mischte sich Mike ein.
�Leute, wir wollen hier sicher keinen �rger machen.� Andr� schob sich durch die anderen hindurch und ging zu Orlando, bedachte diesen mit einem kurzen Blick und sprach entschuldigend weiter. �Es tut mir leid. Wir gehen nun besser.�
�Du kannst bleiben�, widersprach Simon. �Lediglich Bloom ist unerw�nscht.�
Orlando sch�ttelte den Kopf und sah zornig in die Runde. �Passt auf, ich verstehe, dass ihr sauer seid, aber was passierte, ist eine Sache zwischen Yvonne und mir und geht nur uns etwas an.�
�Das bezweifle ich�, knurrte David geradezu hervor. �Es waren n�mlich wir, die sie sozusagen vom Boden aufsammelten.�
�Im wahrsten Sinne des Wortes�, pflichtete Simon ihm bei. �Du warst weit und breit nicht zu sehen, als sie mit der �berdosis am Boden lag.�
�An der du �brigens schuld bist!�, keifte Ben hervor.
�H�r auf, Ben!�, ging ich dazwischen. �Es ist nicht seine Schuld. Ich habe die Tabletten genommen, er hat sie mir nicht eingefl��t! Er war der Grund, aber er ist nicht Schuld!�
�Und wo besteht da der Unterschied?�, fragte Matt d�mlich. �W�re der Kerl nicht gewesen, h�ttest du nicht beinahe den L�ffel abgegeben.�
�Es bestand zu keinem Zeitpunkt Lebensgefahr, du Dumpfbacke�, erwiderte ich.
�Ist doch schei�egal.� Matt zeigte keine Einsicht. �Ohne ihn h�ttest du das Zeug nie geschluckt.�
�Dann vielleicht wegen einem anderen!� Ich war �ber mich selbst verbl�fft, weil ich Orlando verteidigte. �Ich hatte die Wahl, Matt. Und ich hatte mich entschieden die Tabletten zu nehmen!�
�Ich finde es trotzdem dreist, dass du hier auftauchst!� Amber war bisher still gewesen, sah Orlando aber nun mit Todesblicken an. �Wie lange hattest du dich nicht mehr gemeldet? Und wo warst du, als sie dich gebraucht hat?�
�Hey�, wehrte sich Orlando, �komm mir nicht so. Ich wollte zu ihr. Ich wollte mit ihr reden, aber gewisse Personen rieten mir ab.� Sein Augen suchten Andr�, der neben ihm stand.
�Eines wollen wir doch mal klarstellen. Sie hat nicht ihn gebraucht, sondern Freunde. Und die waren da.� Simon schnaubte �rgerlich.
�Tolle Freunde. H�rt auf mir Vorwurfe zu machen.� Orlando besah besonders David und Simon. �Ich war nicht hier. Ich konnte gar nichts machen. Aber wenn ihr angeblich so gut mit ihr befreundet seid, weshalb habt ihr es erst bemerkt, als es beinahe zu sp�t war?�
Simon und David zuckten kaum merklich zusammen. Orlando hatte einen wunden Punkt getroffen. Schon Rachel hatte derartiges gesagt, hatte ihnen vorgehalten, dass sie nicht achtsam genug gewesen w�ren.
�Es war aber nicht zu sp�t und sie waren da!� Bens Stimme �berschlug sich fast vor Aufregung.
�Wie lange wollt ihr das noch diskutieren?�, fragte Orlando und rollte genervt mit den Augen.
�Ich behaupte nicht, das ich nichts falsch gemacht habe. Deshalb bin ich hier. Doch ich muss mich nur gegen�ber einer Person rechtfertigen. K�mmert euch um eure eigenen Angelegenheiten.�
�Yvonne ist meine Angelegenheit�, antwortete David.
�berrascht sah ich ihn an. Auch er blickte mich einen Moment an. Ungl�ubig sch�ttelte ich den Kopf. Was sollte das? Seit Tagen beachtete er mich nicht, interessierte sich �berhaupt nicht f�r das, was in meinem Leben geschah und jetzt tat er auf einmal, als w�re er f�r mich verantwortlich.
�Pass auf, Cole�, sprach Orlando ihn an. �Mir ist schon aufgefallen, das du ihr gegen�ber eine gewisse Hierarchie an den Tag legst und ihr nie sehr viele Entscheidungsfreiheiten gibst. Vielleicht solltest du mal dar�ber nachdenken, ob der Druck, den du auf sie aus�bst, vielleicht auch zu den vergangenen Geschehnissen beigetragen hat?�
Erneuter Treffer. Davids Mimik versteinerte sich.
�Sie ist wohl so etwas wie ein Experiment f�r dich?�, machte Orlando weiter. �Ihr eigener Wille z�hlt nicht. Du machst sie so, wie du sie haben willst.�
�Freundchen, an deiner Stelle w�rde ich jetzt vorsichtig sein�, warnte Mike und sah von Orlando zu David.
�Das tut er nicht!� Amber hatte einen Satz nach vorne gemacht. �Du hast das doch getan! Du hast ihr nie eine Wahl gelassen. Sie konnte deine Entschl�sse akzeptieren oder gehen.�
�Ich habe Regeln erstellt, ja, aber ich habe nicht ihre Person ge�ndert!�
�David �ndert nicht ihre Pers�nlichkeit�, kam Simon wieder zu Wort. �Er fordert sie. Er spornt sie an, aus sich herauszukommen, endlich sie selbst zu sein. Es kommt einem zwar wie ein Tritt in den Hintern vor, aber es wirkt. Ich wei�, wovon ich rede.�
�Dann sollte er an deinem Charakter allerdings nochmals arbeiten. Es sei denn, er m�chte, dass du ein Abbild seiner selbst wirst und ebenfalls Menschen herumkommandierst.�
�Machst du mich etwa bl�d an?� Simons Haltung, welche sich ein wenig gelockert hatte, spannte sich wieder an.
�H�rt auf�, sagte ich. �Ich bin die einzige Person hier, die mit Recht w�tend auf ihn sein darf.�
�Du wolltest sie nicht mehr.� Ben wurde aggressiv. �Du hast sie fallen lassen. Aber glaub mir, ihr Leben ging weiter und du kannst jetzt nicht wieder auftauchen und Anspr�che auf sie stellen.�
�Wegen dir?� Orlando zog die Stirn kraus und sah ihn an.
�Wegen mir. Vielleicht ist es neulich im Club nicht richtig r�bergekommen, aber sie geh�rt jetzt zu mir.�
Ich riss die Augen auf. �Bitte!? Ben, wir haben das gekl�rt. Ich geh�re zu niemandem!�
�Wenn sie mit dir zusammen ist, wieso k�sst sie dann mich?� Orlando hatte ein selbstgef�lliges L�cheln aufgesetzt.
�Wieso k�nnt ihr das M�dchen nicht einfach in Ruhe lassen�, kam Chiar�n zur Hilfe.
Amber lie� ihm einen wirschen Blick zukommen. �Was l�uft eigentlich zwischen dir und ihr? Ich erinnere mich noch gut an einen Abend, an dem ihr H�ndchen haltend umhergezogen seid.�
Die Blicke flogen zwischen Chiar�n und mir hin und her. Chiar�n blickte ungewiss zu Boden, ben�tigte etwas Zeit, ehe er antwortete.
�Ich w�rde l�gen, wenn ich sagte, dass sie mir nicht gef�llt.�
�Muffy, vielleicht solltest du langsam wirklich eine gewisse Ordnung in dein Liebesleben bringen�, meinte Tim, der wie die anderen bisher ruhig gewesen war.
�Fein, du hast anscheinend keine Zeit verschwendet.� Orlando klang entt�uscht.
�Oh doch�, fuhr es aus mir heraus. �Ich habe sehr viel Zeit vergeudet auf dich zu warten, mir die Schuld zu geben. Und jetzt bist du wieder hier!�
�Nicht nur ich.� Er machte eine Kopfbewegung und deutete auf Ben und Chiar�n.
�Sie blieb anderen M�nnern leider nicht unbemerkt�, meinte David sp�ttisch. �Hoffentlich kannst du mit Konkurrenz umgehen.�
�Verdammt! Lasst diesen Schei� endlich!� In was f�r einem schlechten Film befinde ich mich eigentlich?
�Welche Konkurrenz?� Orlando besah wieder die anderen.
�Sei dir deiner Sache nicht so sicher.� Davids Augen verschmolzen mit Orlandos.
�Wieso? M�chtest du dein Gl�ck auch versuchen? Oder ertr�gst du einfach den Gedanken nicht, dass jemand anderes f�r sie wichtiger werden k�nnte als du? Ich denke, du stehst einfach unheimlich drauf, dass sie von dir abh�ngig ist.�
Orlando dachte �ber sein Reden nicht nach. Wahrscheinlich meinte er es nicht ernst, machte sich lediglich �ber David lustig. Allerdings bemerkte er nicht, dass seine Worte Wirkung zeigten. David presste die Lippen aufeinander und atmete durch. Ich hatte noch nie erlebt, dass er die Beherrschung verloren hatte und handgreiflich geworden war. Doch f�rchtete ich, dass dies nun geschehen k�nnte.
�Aber wenn es Abh�ngigkeit nicht geben w�rde, w�re so mancher Mensch allein. Nicht wahr, Cole?�
Es war nicht David, sondern Simon, der zuschlug. Er traf Orlando auf dessen rechter Gesichtsh�lfte, woraufhin dieser zur�ck torkelte, sich kr�mmte und beide H�nde ins Gesicht warf. Meine Freundinnen stie�en panische Schreie aus, die M�nner pfiffen. Andr� stellte sich sch�tzend vor Orlando, w�hrend David Simon am Kragen seines Shirts packte und ihn von einer weiteren Attacke abhielt. Orlando ben�tigte einige Sekunden bis er begriff, was eben geschehen war, richtete sich dann wieder zu seiner vollen Gr��e auf und sah Simon feindlich an. Seine Wange war ger�tet und ein schmaler Blutstreifen zu sehen.
�Du verdammtes Arschloch�, fluchte er und wurde nun seinerseits von Andr� zur�ckgehalten.
�Was?�, fragte Simon gro�spurig. �Komm doch her! Ich werde dir so derma�en den Arsch aufrei�en...�
�H�rt auf!�, schrie ich laut auf und sprang zwischen die beiden Fronten. �Schluss jetzt!�
�Nimmst du den Dreckskerl jetzt auch noch in Schutz?�, fragte Ben in schockierenden Ton.
�Es reicht! Ich habe so die Schnauze voll. Und zwar von euch allen.� Ich warf einen Blick durch die Runde und meine Freunde l�sten ihre aggressive Haltung und blickten einander unsicher an, die weiblichen Anwesenden begannen zu tuscheln. �Was glaubt ihr eigentlich? Ich mach das nicht mehr mit! Das ist mein Leben und ich lasse mir von niemandem etwas aufzwingen, noch darf irgendwer meine Entscheidungen treffen!�
Ich h�rte Orlando hinter mir ein siegessicheres Schnauben aussto�en und fuhr herum, er zuckte bei meinem Angriff zusammen.
�Was zum Teufel tust du hier? Wie kannst du es wagen, hier einfach aufzutauchen und zu erwarten, dass ich sofort wieder springe? Verflucht, du wolltest Abstand, eine Pause! Nicht ich! Das hier ist kein Footballmatch, wo man eben mal ein Time out nehmen kann! Und du�, wandte ich mich an Simon, �du kannst ihn nicht einfach verpr�geln. Wenn das jemand darf, dann bin ich das! Ich brauche dich nicht, um meine Angelegenheiten zu kl�ren.�
Simon runzelte die Stirn, sah mich unverstanden an und trat einen Schritt zur�ck. Ich nahm derweil Ben ins Visier.
�Ben, es tut mir leid. So hart es jetzt f�r dich klingt, aber ich liebe dich nicht. Ich mag dich, aber du bist nicht, was ich will. Du bist ein anst�ndiger Kerl. Zu anst�ndig. Ich k�nnte mit dir machen was ich will und du w�rdest mir alles verzeihen. Du w�rdest mir alles geben und trotzdem w�rde es mir nicht reichen. Ich will keinen Mann, der versucht mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen und mich zu besch�tzen. Auch brauche ich keinen, der mich aufgrund meines Seins mit Samthandschuhen anpackt. Nein, ich will einen Mann, der mich in meine Schranken weist. Und du kannst das nicht!�
�Yvonne...�, setzte Ben an, aber ich lie� ihn nicht weiter zu Wort kommen.
�Nein. Ich werde uns beiden nicht mehr weiter etwas vormachen. Wir bewegen uns in verschiedenen Dimensionen. Punkt. Tom�, machte ich weiter und schenkte dem angesprochenen ein L�cheln der Sorte Zuckers��, w�hrend Ben mit ersch�ttertem Gesicht dastand und versuchte zu verstehen, was ich eben gesagt hatte.
Tom l�chelte, wirkte allerdings unsicher. Eine Reaktion, die mich erfreute.
�Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen?�, fragte ich ihn. �Ich hatte dich eigentlich schon vergessen. Genauso wie den Job, den du mir geben wolltest. Das wolltest du doch? Oder wolltest du mich lediglich ins Bett bekommen und hast deshalb versucht, mich mit deinem Geschwafel zu beeindrucken? Hat bestimmt bei einigen M�dchen gezogen. Wie vielen hast du eine Karriere angeboten, wenn sie im Gegenzug nur ein bisschen lieb zu dir sind?�
Tom schluckte und sah zu David, welcher ihm ebenfalls einen weniger erfreuten Blick zukommen lie�. Doch ich setzte noch etwas hinzu.
�Du hast dich bei mir �ber die Falschheit der Schauspieler ausgelassen, bist aber selber keinen Deut besser. Ich denke, in diesem Gesch�ft sind alle notorische L�gner.�
Diesmal wanderten meine Augen nicht nur zu Tom, sondern auch zu Orlando. Beide tauschten einen Blick und sahen anschlie�end zu Boden.
�Chiar�n, wieso bist du eigentlich hergekommen?�, wandte ich mich an einen weiteren Mann, der mein Leben nicht gerade vereinfachte. Dieser sah �berrascht zu mir, wurde von meinen folgenden Worten jedoch ebenfalls angegriffen. �H�ttest du nicht einfach wegbleiben k�nnen? Ich habe gen�gend Kerle um mich herum, da w�re dein Besuch nicht n�tig gewesen. Und wenn du Frauen ohne irgendwelche Hintergedanken k�sst so wie mich, sollte deine Mutter mehr als drei Kreuze f�r dich schlagen! Oder sind alle irischen M�nner derart...�
�Yvonne, es reicht�, fiel eine herbe Stimme in meine Anklage. �Halte dich zur�ck.�
Mein Kopf schoss zu der Person, die mich angesprochen hatte. David.
�Ich lasse mir von dir keine Vorschriften mehr machen�, entgegnete ich ihm. �Was denkst du eigentlich? Glaubst du, nur weil wir miteinander geschlafen haben, du nun irgendwelche Anspr�che auf mich hast? Dass eine Nacht dir das Recht gibt, dich in mein Leben einzumischen?�
S�mtliche Blicke richteten sich auf David, der erblasste und mich mit erschreckten Augen ansah, ehe er zu Monique blickte, in deren Gesicht Fassungslosigkeit stand. Verdammter Mist! Ich hatte das nicht sagen wollen. Ich hatte nicht alle wissen lassen wollen, was zwischen David und mir geschehen war. Vor Wut war es mir rausgerutscht.
Die anderen murmelten und sahen David und mich an. Ungl�ubigkeit lag in ihren Augen, aber auch Entt�uschung. Entt�uschung dar�ber weil wir miteinander geschlafen oder weil wir es ihnen nicht gesagt hatten. Auch Orlandos Blick war gezeichnet von meiner Aussage, allerdings konnte ich nicht deuten mit was. Wahrscheinlich hatte er gedacht, dass ich seit dem Ende unserer Beziehung keusch und enthaltsam gelebt hatte. Okay, das hatte ich �berwiegend auch, aber ich w�rde mich f�r die Nacht mit David nicht reum�tig zeigen. Wer wei�, was er alles in der Zwischenzeit gemacht hatte? Doch es war weder Orlandos Blick noch der von Monique noch der von Ben, der mein Gewissen r�gte. Es war Ambers. Mit zitternden Unterkiefer sah sie zu mir und zu David. David hatte Monique arglistig get�uscht und ich Amber.
Es herrschte Schweigen. Nachdem ich es geschafft hatte, David den Wind aus den Segeln zu nehmen, wagte keiner, etwas zu sagen. Lediglich Blicke wurden getauscht. Blicke, die mich noch w�tender machten. Ich hatte mich als Opfer gef�hlt und zur Wehr gesetzt, doch meine Freunde sahen das anders. Meine Wut hatte verletzende Wahrheiten hervorgebracht. Nicht unbedingt verletzend f�r mich, nein, mir hatte die Wut eine gewisse Befreiung gebracht. Doch die anschuldigenden Blicke lie�en mich wissen, dass ich falsch gehandelt hatte. Auch wenn ich in der letzten Zeit von den anwesenden M�nnern gekr�nkt worden war, hatte ich noch lange nicht das Recht, ebenso zu handeln. Ich h�tte mehr Vernunft zeigen sollen, mehr St�rke, aber nun war es zu sp�t. Nun konnte ich zu meiner Meinung weiterhin stehen, brauchte sie nicht mehr vor anderen zu verstecken oder zu versch�nern.
�Ich habe euch so satt�, sagte ich. �Jeden von euch. Bevor ich mich nochmals mit einem von euch einlasse, trete ich eher einem Kloster bei! Keine eurer Handlungen hatte mit Liebe zu tun. Das war reiner Eigennutz. Nicht mehr. Orlando wollte sein Gewissen beruhigen, Simon hat nicht zugeschlagen weil er mich sch�tzen, sondern einfach mal wieder irgendwo seinen Zorn ablassen wollte, Ben geht es nur um sein eigenes Gl�ck und er glaubt, dass seine Liebe f�r uns beide ausreicht. Lediglich David war ehrlich, wenn auch erst am n�chsten Morgen.� Ich presste einen Moment die Lippen aufeinander, um die Wuttr�nen zur�ckzuhalten. �Nennt mich nie wieder als Grund, wenn es nur um euch selbst geht.�
Ich lie� einen letzten Blick �ber die Anwesenden schweifen und verlie� dann mit erhobenem Haupt das Dach.
Im Treppenhaus begann ich zu rennen. Ich rannte ohne zu wissen wohin. Ich knallte die T�r hinter mir zu und rannte weiter die Stra�e entlang. Meine Beine trugen mich die Stufen zur U-Bahnstation hinunter. Wenn ich depressiv bin und allein sein will, fahr ich U-Bahn. Ich steige irgendwo ein, fahre bis zu Endstation, wechsele den Zug und durchquere auf diese Art hin und wieder ganz London. Ich hatte das seit Monaten nicht mehr getan. Dies jedoch war der Moment, es mal wieder zu tun. Ich lief die Rolltreppen hinunter, lauschte an deren Enden auf welcher Seite der Gleise eventuell eine Bahn einfuhr und entschied mich f�r eine Abfahrtshalle. Kurz darauf sa� ich in einem Zug Richtung Innenstadt. Allerdings stieg ich am Piccadilly Circus aus und wanderte ziellos durch die Stra�en. Es war egal, wo ich hinging. Ich wollte lediglich alleine sein. Alleine mit meiner Wut. Doch nicht nur mit meiner Wut, sondern mit all meinen Gedanken. Das eben war einfach zuviel gewesen. Orlando war pl�tzlich da gewesen und hatte gesagt, dass er mit mir zusammensein m�chte.
Was zum Teufel denkt sich dieser Idiot �berhaupt? Und Ben? Mein Besch�tzer. Pah! Ich kann sehr gut alleine auf mich aufpassen und er hat nicht die geringste Ahnung, wie es mit Orlando und mir gewesen war. Doch ich wei� es! Es war zwar katastrophal, doch Orlando weckte so viel Leben in mir, w�hrend ich mir bei Ben wie eine Marionette vorkomme. Zu keiner Emotion f�hig. Tom Moore... Der Schn�sel kommt sich auch supertoll vor, nur weil er Produzent ist, aber mich beeindruckt das nicht. Macht sich wichtig, erz�hlt mir von einem Job und dabei steckt nichts dahinter. Chiar�n kann ich wirklich keinen Vorwurf machen. Das war falsch gewesen. Er war schlie�lich nicht wegen mir nach London gekommen. Wir kennen uns kaum und was erwarte ich von ihm? Dass er vor mir niederkniet und sagt, wie sehr er mich liebt? W�rde ich das wirklich wollen? Und David kann mir sowieso gestohlen bleiben.
Was f�r peinliche M�nner umgaben mich eigentlich? Nat�rlich w�nschte ich mir einen liebevollen Freund, der mich zum Lachen, Weinen, Tr�umen, Nachdenken, Schw�rmen und Fluchen bringt. Genau das hatte ich vor einigen Tagen erst in meinen Gedanken zu Gott gesagt. Welchen Punkt davon hatte er nicht verstanden? War mein Wunsch derart kompliziert? Ich trat ver�rgert nach einer zerdr�ckten Getr�nkedose, die am Boden lag. Scheppernd h�pfte sie �ber den Asphalt. Fluchend sah ich ihr nach und blickte dann gen Himmel.
�Hey du da oben! Ich habe um einen gebeten, nicht um eine ganze Kompanie!�, rief ich in den Nachthimmel. �Ich will keine Brigade, die mich umschw�rmt und um mich k�mpft, sondern einen, der mich so will, wie ich bin. F�r den ich keine Beute bin, die seinen Jagdinstinkt weckt. Ist das zu viel verlangt?�
Wie gew�hnlich antwortete Gott nicht.
�War ja klar! Du kannst nur ein Kerl sein! Wieso bist du keine Frau? Dann w�rdest du mich nicht im Regen stehen lassen, aber wahrscheinlich sitzt du dort oben gem�tlich mit all deinen Engeln auf ner Wolke, ihr esst Popcorn und schaut mir bei meinem beschissenen Leben zu. Wirklich sehr unterhaltsam. Tu mir doch den Gefallen und schubs einen deiner Engel zu mir runter! Wieso g�nnst du mir kein Gl�ck?�
Ich blickte noch eine Weile in den Himmel. Doch es kam kein Engel heruntergefallen. Stattdessen f�hlte ich, wie ich vor lauter Gef�hl zu fallen drohte, wie ich den Verstand zu verlieren schien. Mein Leben kam mir vor wie ein zerbrechliches Kartenhaus, welches den von allen Seiten kommenden, tobenden Winden nicht standhalten konnte. Ich glaubte einen Weg gefunden zu haben und dann �berst�rzten sich die Ereignisse. Ich geriet zu schnell in eine Art Beziehung mit Ben, ein fast vergessener Schwarm stand pl�tzlich in der K�che, ich erlag meinem Mitbewohner und verlor mit ihm einen Freund, Orlando kam zur�ck... So viel kann kein Herz aushalten. Kein Verstand kann bei all dem klar bleiben. Wieder machte sich Wut in mir breit.
�Und das ist alles aufgrund von dir passiert!�, sprach erneut heraus, meinte diesmal allerdings Orlando und nicht Gott. �Du und dein bekloppter Beruf. W�rst du nicht gegangen, w�rst du hier geblieben, dann h�tte ich keinen Anlass gehabt, mich n�her mit Ben oder Chiar�n oder sonst wem zu befassen. Ich w�re nicht in einer Traurigkeit und Verzweiflung gefangen gewesen, welche mich zu David getrieben hat. David und ich k�nnten einander noch in die Augen sehen, wenn du nur bei mir geblieben w�rst! Verdammt! Liebe ist doch angeblich ein tolles Empfinden, wieso habe ich das Gef�hl, dass sie mich total bekloppt macht?�
Gemurmel ert�nte hinter mir. Ich drehte mich um. Eine �ltere Dame hatte mit ihrem Hund die Stra�e entlang kommen wollen, wendete bei meinem Anblich allerdings rasch und ging in die Richtung, aus welcher sie vermutlich gekommen war. Wahrscheinlich glaubte sie, ich w�re eine total Geisteskranke.
�Halt!�, rief ich ihr nach. �Sie brauchen keine Angst haben. Ich bin nicht verr�ckt. Es geht mir im Moment nur nicht so gut. In ein paar Minuten bin ich wieder okay.�
Sie reagierte nicht, sondern eilte davon. Ich sah ihr nach, wie sie um die H�userecke bog, den Hund hinter sich herziehend.
Toll. Jetzt fl�chten die Leute schon vor mir, weil ich wegen dir wieder mit mir selber spreche. Doch ich habe wirklich keine Lust erneut durchzudrehen. Oh nein! Not because of you!
Ich stand da, dachte nach. Meine Hand glitt in die Tasche meiner Jeans und ich rammte mir die scharfen Kanten der Schl�ssel in die Handfl�che. Ich zog den Schl�sselbund aus meiner Tasche und betrachtete ihn. Dann hob ich meinen Arm, schob den �rmel der Strickjacke zur�ck und sah auf das Zifferblatt meiner Uhr. Ich war schon �ber eine Stunde unterwegs. Er k�nnte bereits Zuhause sein. Zweifellos war er nicht bei meinen Freunden geblieben. Ich lie� meinen Arm sinken und sah mich um, orientierte mich, wo ich mich befand und schlug letztendlich den Weg ein, der zur n�chsten U-Bahnstation f�hrte.
Mein ganzer K�rper zitterte, als ich das Apartmenthaus betrat. Der Concierge sa� hinter den Empfangstresen. Ich konnte lediglich seinen Kopf sehen. Ich h�rte Sch�sse und Geschrei. Wahrscheinlich ein Fernseher, der versteckt hinter dem Tresen stand. Doch mich interessierte dies nicht. Ich hatte lediglich ein Ziel. Das Knarren eines Stuhles, der �ber den Boden geschoben wurde und eine Stimme hielten mich zur�ck.
�Miss Marx?� Der Concierge hatte sich von seinem Platz erhoben und kam hinter dem Tresen hervor. Es handelte sich um den �lteren der beiden Angestellten, welcher mir schon immer sympathisch gewesen war. Ich l�chelte freundlich zur Begr��ung und hoffte, er w�rde mir keinen Strich durch die Rechnung machen.
�Wie sch�n Sie mal wiederzusehen�, fuhr er fort. �Sie m�chten zu Mr. Bloom?�
�Ich hatte es vor. Sagen Sie, ist er etwa nicht hier?�, fragte ich zaghaft.
�Er kam vor einigen Minuten zur�ck. Sicherlich freut er sich �ber ihr Erscheinen�, l�chelte er.
�Bitte setzen Sie ihn nicht von meinem Kommen in Kenntnis�, sagte ich schnell. Ich wollte nicht, dass Orlando sich auf mich vorbereiten konnte. Ich wollte ihn �berrumpeln, kalt erwischen. Er sollte keine Ahnung haben, was auf ihn zukam. So wie ich damals, als er beim College auftauchte. Ich setzte ein sch�chternes L�cheln auf. �Ich will ihn n�mlich �berraschen.�
�Verstehe. Sie haben sich immerhin lang genug nicht mehr gesehen. Ich w�nsche Ihnen einen sch�nen Abend.�
Ich nickte, sp�rte eine gewisse Unruhe in mir und trat den Weg nach oben an. W�hrend der Fahrt im Lift sammelte ich meine Gedanken, plante, was ich ihm alles sagen w�rde. Und das war nicht gerade wenig. Ich w�rde mich endlich von all den Emotionen, welche sich in den vergangenen Monaten wegen ihm angesammelt hatten, befreien. Ich w�rde ihm endlich meine Meinung sagen. Es war perfekt. Ich war n�mlich noch immer w�tend.
Die Fahrstuhlt�ren �ffneten sich und mit energischen Schritten durchquerte ich den Flur. Vor der Apartmentt�r blieb ich stehen und lauschte. Ich konnte Musik h�ren. Ich vermutete, dass es sich um R.E.M. handelte. Er war tats�chlich Zuhause.
Leise steckte ich den Schl�ssel in das Schloss und drehte ihn vorsichtig, schob sodann die T�r auf und betrat nahezu ger�uschlos das Apartment. Orlando bemerkte mich nicht sofort. Er sa� auf der Couch. Mit einer Hand bef�hlte er seine Wange. Vermutlich die Stelle, welche Simon mit seinem Faustschlag getroffen hatte. Seine Knie waren angezogen und die F��e gegen die Glasplatte des Tisches gestemmt. Auf dem Tisch lagen ein Haufen Papiere verstreut. Ich trat n�her an ihn heran und er sah auf.
�Ich wusste, dass du kommen w�rdest�, sagte er matt, die Augen noch immer auf mich gerichtet. �Und ich bin froh, dass du hier bist.�
Hat der sie noch alle? Er bringt mein ganzes Leben durcheinander und dann sagt er so einen Schwachsinn! Hallo!? Ich erwarte Erkl�rungen, Entschuldigungen. Es ist mir schei�egal, ob er sich �ber mein Kommen freut oder nicht. Es geht verdammt noch mal nicht um ihn, sondern um mich!
Ich schaute ihn an, wie er mich mit Hundeblick ansah. An seinem rechten Wangenknochen hatte sich eine Blutkruste gebildet. Demnach hatte einer von Simons Ringen dort �ber seine Haut geschabt. Ich musste mir eingestehen, dass er mit dieser kleinen Verletzung sehr sexy wirkte. Und dieses Gest�ndnis machte mich w�tend. Ich war nicht hergekommen, um ihn zu bewundern. Nein, ich wollte etwas anderes. Orlando blieb nicht unbemerkt, wie ich ihn ansah und er fasste sich erneut an die Wange.
�Es geht schon�, sagte er rasch. �Es tut nicht sonderlich weh.�
�Du kannst dich gl�cklich sch�tzen, dass es Simon war, der dich geschlagen hat und nicht ich. Sonst k�nntest du nun im Knabenchor mitsingen oder bei einem Harem als Eunuch arbeiten�, bemerkte ich aggressiv. �Ich w�re nicht so zimperlich mit dir umgegangen.�
�Du h�ttest auch allen Grund dazu�, versuchte er in vers�hnlichem Ton und l�chelte schief, wobei er zusammenzuckte. Demnach schmerzte die Wange wohl doch mehr als er zugeben wollte. Gut so.
Ich nahm meinen Blick einen Moment von ihm, sch�ttelte �rgerlich den Kopf und sah ihn wieder an. �Wieso hast du das getan?�
�Was?�
�Wieso bist du einfach wieder in mein Leben geplatzt?�
�Das sagte ich dir doch bereits.� Er erhob sich und kam auf mich zu, blieb wenige Zentimeter vor mir stehen. �Ich krieg dich einfach nicht aus meinem Kopf.�
�Ist das alles?�, fragte ich weiter nach. �Ich glaube mich erinnern zu k�nnen, dass du mehr sagtest.�
�Setz dich doch�, missachtete er mich und deutete auf die Couch.
�Nein danke, was ich zu sagen habe, wird nicht lange dauern.�
�Du k�nntest dich trotzdem setzen, damit wir uns wie zivilisierte Menschen unterhalten k�nnen. Dein Ton gef�llt mir n�mlich nicht.�
�F�r mich ist es einfacher, wenn ich sauer bin. Dann komme ich nicht in Versuchung.�
�Versuchung?�, fragte er und ein L�cheln zuckte um seine Mundwinkel. �F�rchtest du, dass die Leidenschaft mit dir durchgehen k�nnte?� Er trat einen weiteren Schritt auf mich zu, fixierte mich mit seinen Augen. �F�rchtest du, dass du wieder die Kontrolle verlieren k�nntest wie bei unserer letzten Begegnung? F�rchtest du das, was zwischen uns passieren k�nnte?�
�Es wird nichts passieren. Du bist nicht der einzige Mann auf diesem Planeten, der mir gef�llt. Pech f�r dich.�
�Ja, ich habe die anderen heute gesehen.� Es klang ver�chtlich. �Hast du mit allen geschlafen oder nur mit Cole?�
�Das geht dich �berhaupt nichts an�, fauchte ich.
�Hoffentlich hat er seinen Job gut gemacht.� Er sah mich kurz an und lief dann zu dem CD-Regal, tat, als w�re dies hochinteressant.
Ich folgte ihm mit meinem Blick. �Eifers�chtig? Es geht dich wie gesagt eigentlich gar nichts an, aber du brauchst dir um meine sexuelle Befriedigung keine Sorgen machen. David hat mir keine Zeit gelassen, irgendeinen Gedanken an dich zu verschwenden.�
Die Bissigkeit meiner Stimme traf. Orlando lie� beinahe die CD fallen, welche er eben in der Hand hatte. Es dauerte, bis er zu einer Antwort kam.
�Wenn du dich damit zufrieden gibst�, sagte er in gelangweiltem Ton. �Wei�t du, ich w�rde...�
�Gott, Orlando, h�r auf!�, platzte mir der Kragen. �Du bist nicht das A und O der Welt. Du hast mich so oft mit deinem Gelaber gelangweilt. Glaubtest du wirklich, dass es mich interessierte, mit wem du eventuell in n�chster Zeit arbeiten und was f�r idiotische Rollen du annehmen w�rdest? Diese Selbstverliebtheit und wie wichtig du dich nimmst, gingen mir total auf die Nerven. Du der ber�hmte Schauspieler und ich lediglich die kleine naive Studentin. Ich kann gar nicht fassen, dass ich es solange mit dir ausgehalten habe!�
Orlando sah mich aus verbl�fften Augen an, aber ich war noch lange nicht fertig.
�Ich bin derma�en gl�cklich, dass es vorbei ist! Das Einzige, dass ich bereue, ja, wof�r ich mir selber in den Arsch treten k�nnte, ist, dass ich dir nicht zuvorgekommen bin. Dass nicht ich es war, die dich abserviert hat.�
�Ich habe dich nicht abserviert�, versuchte er einzur�umen, aber ich ging nicht darauf ein.
�Eigentlich sollte ich eine riesige Danksagung in allen m�glichen Zeitungen abdrucken lassen. Und auch sollte ich dieser Blondine aus Australien danken, dass ich mich nicht mehr weiter mit dir rum�rgern muss. Ach, wer ist sie nun �berhaupt?� Die Wut in meiner Stimme nahm mit jeder Sekunde zu.
�Yvonne, ich habe nichts mit diesem M�dchen. Sie ist...�
�Wer glaubst du, wer du bist? Romeo? Casanova? Valentino? Das bezweifle ich. Du bist lediglich ein kleiner Schauspieler, der aufgrund seines Aussehens derart viel Aufmerksamkeit abbekommt. Ohne deine kleinen Fans w�rst du ein Nichts! Und glaub mir, sicher wei� jeder Regisseur und Produzent, dass man mit dir Geld machen kann. Denen geht es wohl kaum um deine schauspielerische Leistung. Es reicht, wenn du bl�dgrinsend auf der Leinwand zu sehen bist und die Frauen ins Kino lockst.�
�Nett, zu was sich Liebe entwickeln kann�, brachte er schwach hervor.
�Liebe?� Ich stie� ein heiseres Lachen aus um zu vertuschen, dass er einen wunden Punkt getroffen hatte. �Ich habe dich nie geliebt. Und selbst jetzt liebe ich dich nicht.�
�Ach nein? Weshalb bist du dann hier?�
�Um dir genau das zu sagen.� Jetzt nur keine Schw�che zeigen! Bleib w�tend!
�Und wieso hast du es dann mir gegen�ber behauptet?�
�Weil ich f�r eine Weile einfach nur total bl�d war und wirklich glaubte, dass ich es tun w�rde... Weil ich einfach von dir mitgezogen wurde und alle Warnzeichen �bersehen habe!�
�Warnzeichen?�
�Ich habe nicht gesehen, dass du einfach unerreichbar bist. Ich dachte, dass du und ich einander etwas bedeuten k�nnten. Aber es handelte sich eben doch nur um eine Szene, ein Kapitel... Mehr war es nicht. � Verdammt! Werd nicht schwach!
�Du hast selten so d�mliches Zeug geredet.�
�Wenn es das nicht war, was dann? Wenn es Liebe war, sag es doch einfach�, fuhr ich ihn an.
Doch er sagte nichts, wich meinem Blick sogar aus. Wir kamen an diesem Punkt einfach nicht weiter und ich war nicht bereit, dort weiterzumachen, wo wir die Sache einst beendet hatten. Ich wollte nicht wieder eine Aff�re haben, in welcher ich das Nachsehen haben w�rde. Ich wollte nicht wieder diejenige sein, die wartet. Auch konnte ich nicht in die Rolle einer gew�hnlichen Freundin schl�pfen, mit der er hin und wieder schlafen konnte.
�Was genau willst du von mir? Du musst doch zu irgendeiner Erkenntnis gekommen sein?�
Er sah auf. �Ich will dich einfach wieder bei mir haben.�
�Aber wieso?�
Er blickte wieder zu Boden. Entweder konnte er die Frage wirklich nicht beantworten oder er wollte mir nicht die Wahrheit sagen. Diese konnte sein, dass er mich liebte oder dass er sich einfach an mich gew�hnt hatte und aus Bequemlichkeit nicht auf mich verzichten wollte.
�Sag mir doch einfach nur warum. Das bist du mir schuldig.�
Wieder blieb er stumm.
Ich habe genug von diesen dummen Spielen, die mein Innerstes nahezu zerrei�en. Genug davon, wie du gedankenlos Worte zu mir sprichst und mir mit ihnen das Herz brichst. Mir sagst, dass du mit mir zusammensein m�chtest und jedoch ganz anders handelst. Deine dunklen Augen und dein wirres Haar, durch welches ich so gerne meine Finger gleiten lassen, sind keine Entschuldigungen mehr. Wieso merkst du es nicht? Wieso siehst du es nicht? Mir tut es nur leid, dass ich dich f�r jemand anderen hielt. Dass ich dachte, ich w�rde dir etwas bedeuten, es w�rde dich k�mmern.
�Wei�t du was�, sagte ich kraftlos, �wenn das ganze Gespr�ch hier zu nichts f�hrt und du nicht wei�t, um was es mir eigentlich geht, ist es auch egal.�
Ich sah ihn noch einmal an und lief los. Gerade als ich nach dem T�rknauf greifen wollte, schob sich Orlando zwischen mich und die T�r. Er stand dicht vor mir. Zu dicht. Sein Atem strich �ber meine Wange und seine N�he lie� meine Wut vergehen.
�Geh aus dem Weg�, sagte ich leise, da ich wusste, dass ich verlieren w�rde.
�Ich halte dich nicht zur�ck. Du kannst jederzeit gehen.� Und mit diesen Worten ging er einen Schritt zur�ck. �Allerdings glaube ich nicht, dass du gehen m�chtest.�
�Es gibt keinen Grund f�r mich zu bleiben.�
Wir sahen uns in die Augen und das Verlangen nach ihm fra� mich geradezu auf. Ich musste gehen. Ich konnte nicht bleiben. Ich sollte vor ihm fliehen, solange es mir noch m�glich war. Ich sp�rte, wie ich zu zittern begann. Auch Orlando war unruhig. In seinen Augen lagen Panik, Angst und Unsicherheit. Doch er sagte nichts. Er nannte mir keinen Grund. Er bat mich nicht zu bleiben. Er sah mich nur an. Doch das war mir zu wenig. Ich wollte mehr. Hatte er nicht vor wenigen Stunden gemeint, dass er mit mir zusammensein m�chte? Wieso sagte er es nicht noch einmal? Wenn er sich dieser Sache so sicher war, wieso sprach er sie nicht einfach aus? Hatte er mich auf dem Dach lediglich mit seinen Worten bezaubern, wieder einfangen wollen? Meine Augen suchten in seinen nach einer Erkl�rung f�r sein Handeln. Doch konnte ich nur lesen, dass ich keine Antworten erhalten w�rde. Wahrscheinlich war an seinen Worten wirklich nichts dran gewesen. Er wollte mich nur aus Bequemlichkeit zur�ck. Wozu nach einer anderen suchen, wenn ich ganz in seiner N�he war? Noch immer hatten wir nicht dieselben Ziele.
�Ich wusste, dass du dich nicht ge�ndert hast�, lie� ich die Entt�uschung aus mir sprechen.
Ich hielt meine Augen noch einen Moment auf ihn gerichtet, sah wie er schluckte. Dann richtete ich meinen Blick auf die T�r und lief los. Allerdings nur einen Schritt. Orlando hatte meinen Arm ergriffen und zog mich zu sich herum. Mein K�rper prallte gegen seinen. Seine Lippen suchten meine. Er zog mich n�her an sich. Von seiner Aktion �berrumpelt, versuchte ich etwas Abstand zu gewinnen. Doch er lie� nicht von mir ab und dr�ngte mich schlie�lich gegen die T�r. Der T�rknauf dr�ckte mir in die Seite und Orlando warf sich geradezu auf mich. Seine Arme pressten sich ausgebreitet rechts und links von mir gegen die T�r, seine Beine gespreizt, dass sein K�rper so eng wie m�glich an meinem lag. Der leidenschaftliche Kick war grandios, aber wo sollte das Ganze hinf�hren? Er nahm seine H�nde von der T�r und umfasste mein Gesicht, w�hrend er mich weiterk�sste. Was er nicht in Worte hatte fassen k�nnen, �berlie� er seinen Lippen und H�nden.
�Geh nicht�, fl�sterte er heiser und diesmal lag die Verzweiflung nicht nur in seinen Augen, sondern auch in seiner Stimme. Er unterbrach unsere K�sserei und sah mich an. �Bitte geh nicht.�
Tr�nen f�llten meine Augen. Wieso tat er mir das an? Wieso konnte er mich nicht gehen lassen? Wieso nannte er mir nicht einen Grund? Wieso sagte er mir nicht einfach, dass er mich nicht liebte? Dies w�rde mir die Sache erleichtern. Die erste Tr�ne floss �ber meine Wange. Ich legte meine Hand in seinen Nacken und zog ihn zu mir herunter. Wieder k�ssten wir uns.
�Orlando, sag es�, bat ich und klammerte mich hoffnungslos an ihn.
�Was?�
�L�g mich an, aber bitte sag es. Lass mich nicht wieder im Ungewissen.�
�Ich kann nicht�, keuchte er zwischen unseren K�ssen, die immer mehr von einander forderten. Wir beide verloren den Kampf.
�Du bist solch ein Feigling, ein Schw�chling, ein elender Wurm, ein verdammter Schauspieler... Wieso sagst du mir nicht einfach...�
�Halt endlich die Klappe!�, herrschte er mich an und zog mich von der T�r weg.
Seine H�nde ertasteten meinen K�rper und setzten ihn unter Hochspannung. K�ssend n�herten wir uns der Couch. Entweder dirigierte er mich dorthin oder meine F��e f�hrten ein Eigenleben.
�Nein. Orlando, Stopp!� Ich l�ste mich aus seinen Armen und trat von ihm zur�ck. �Wir k�nnen nicht... Wir d�rfen nicht...�
Orlando sah mich sehns�chtig an, seine Atmung ging rasch. �Yvonne, es ist nichts Falsches daran.�
�Aber was wird morgen sein?�, sagte ich, was ich f�rchtete. �Ich sehe, wie du mich ansiehst und es f�hlt sich an, als w�re das alles hier bestimmt. Und als ich dich eben so nahe sp�rte, gab es nichts au�er dir und mir. Das Gef�hl, das deine Ber�hrungen auf meiner Haut hinterlassen, habe ich so sehr vermisst. Ebenso deine K�sse. Ich habe solange darauf gewartet.�
�Ich wei�. Und jetzt bin ich da. Jetzt brauchst du nicht mehr zu warten.� Er machte eine Bewegung in meine Richtung und wollte nach meiner Hand greifen.
�Jetzt�, wiederholte ich und wich zur�ck. �Und morgen? Wirst du dich morgen an deine heutigen Worte erinnern? Wirst du dich erinnern, dass du mit mir zusammensein m�chtest? Wenn dieser Abend hier verblasst und dem Morgen weicht, wenn ich gegangen bin, wirst du zu mir zur�ckkommen?�
�Wenn es mir nur um die eine Sache gehen w�rde, k�nnte ich einfachere Wege gehen und das wei�t du.�
�Das ist nicht die Antwort, die ich h�ren wollte.�
Orlando seufzte und drehte sich um. �Und du wirfst mir vor, dass ich mich nicht ge�ndert h�tte. Von dir kann man auch nicht gerade das Gegenteil behaupten.�
�Ich bin lediglich fair. Vielleicht sollten wir erst einmal kl�ren, was wir voneinander erwarten, ehe wir erneut miteinander schlafen.�
�Wenn du meinst�, sagte er und zuckte mit den Schultern. �Also ich erwarte eine phantastische Nacht, hoffe deine N�gel in meinen R�cken zu sp�ren und dass du vor lauter Lust meinen Namen schreist.� �rger und Gereiztheit lagen in seiner Stimme.
�Wirklich sehr anspruchsvoll.�
�Yvonne, ich habe nach dir gesucht und nicht nach irgendeinem M�dchen, das ich f�r eine Nacht mitnehmen kann. Ich bin bewusst zu dir gekommen. Was glaubst du, was ich erwarte?�
�Versteh doch, dass ich an deinen Absichten zweifle. Du hast auf eine Trennung bestanden. Du sagtest es w�rde nicht funktionieren. Und nun bist du wieder hier und verlangst, dass ich all deine Worte vergesse?�
�Zweifle an der Sonne Klarheit, zweifle an der Sterne Licht. Zweifle, ob l�gen kann die Wahrheit, nur an meiner Liebe zweifle nicht�, zitierte er Shakespeare versonnen und lief an mir vorbei. �Es ist deine Entscheidung.�
Wir sahen einander stumm an. In mir drehte sich alles. Ich sah in seine Augen und meine Gedanken kreisten um seine Worte.
Jemanden wie dich hat es bisher nur in meinen Vorstellungen und Tr�umen gegeben. Alles was ich mir w�nschte, existierte nicht. Und nun stelle ich fest, dass ich mich geirrt habe. Dieser Zauber f�r mich, der in deinen Augen liegt, �berrascht und verwirrt mich. Ich hatte dich fast vergessen. Und jetzt sagst du praktisch, dass du mich liebst. Was soll ich nun tun? Ich dachte, es w�re verr�ckt, auf jemanden wie dich zu warten. Darauf zu warten, dass so etwas Au�ergew�hnliches wahr wird. Wie kann sich die Welt in einen Traum verwandeln?
Ich sagte ihm dies nicht, sondern: �Ich gehe dann mal besser.�
Orlando sagte nichts und ich trat an die T�r. Dort drehte ich mich noch einmal zu ihm um. Er stand mitten im Raum und sah zu Boden. Mein Herz lag wie Blei in meiner Brust und ich verlie� das Apartment. Drau�en lehnte ich mich mit dem R�cken gegen die T�r und versuchte den Verstand zu wahren. Es gelang mir nicht. Wir erhielten eine zweite Chance und es lag an mir, ob wir sie nutzen w�rden. Was konnte schon geschehen? Wir k�nnten scheitern oder es schaffen. War letzteres nicht ein Versuch wert?
�Alles ist besser als alleine zu sein�, sagte ich zu mir und sp�rte wieder die Tr�nen.
Dann stie� ich mich von der T�r ab und �ffnete sie zum zweiten Mal an diesem Abend.
Orlando hatte sich nicht von der Stelle ger�hrt, sah aber auf, als ich die T�r hinter mir in das Schloss schob. Ich betrachtete ihn f�r einen Moment, ehe ich auf ihn zuging und meine Hand �ber seine Wange, �ber die Verletzung, die Simon ihm zugef�gt hatte, streifen lie�. Noch immer klang R.E.M. aus der Anlage.
�Maybe I ride, maybe you walk.
Maybe I drive to get off, baby�
�Lass uns nicht an morgen denken�, sagte ich leise. �Wir haben jede Menge Zeit.�
Orlando nahm meine Hand von seiner Wange und hauchte mir einen Kuss auf die Innenfl�che. �Ich wei�. �berleg nur mal, wie viele f�nf Minuten uns gegeben sind.�
�Du Idiot. Denk blo� nicht, dass ich mich mit F�nf-Minuten-Nummern zufrieden gebe.�
Er l�chelte mich an und der n�chste Schatten, der �ber mich kam, war nicht etwa Traurigkeit, sondern Orlandos Gesicht. Und ich sp�rte keinen Kummer, nein, es waren seine K�sse. Hoffentlich hatte ich die richtige Entscheidung getroffen...