Part 37
Endlich frei?
Ein unsanftes R�tteln an meiner Schulter riss mich aus dem Schlaf. Rasende Kopfschmerzen wollten meinen Sch�del von innen heraus zertr�mmern. Das Sonnenlicht blendete mich durch das Fenster und ich zog mir die Decke �ber den Kopf.
�Steh schon auf, Muff! Oder soll ich dich unter die Dusche stecken?�, fragte eine bekannte und am�siert klingende Stimme.
Ich schob die Decke zur�ck, versuchte nicht ins Fenster zu blicken und meinen Gespr�chspartner anzusehen.
�Was ist denn mit dir los? Hattest du eine wilde Nacht oder hast du endlich mal meinen Rat befolgt, in den Spiegel gesehen und festgestellt, dass du mehr Sch�nheitsschlaf brauchst?�
Meine Augen hatten sich an das Licht gew�hnt. Ich st�tzte mich auf meine Knie und verbarg mein Gesicht zwischen den H�nden.
�Tim, bitte... Ich habe h�llische Kopfschmerzen und f�hle mich miserabel�, sagte ich und rieb mir die Augen.
�Kopfschmerzen? Sag blo�, du hast einen Kater?�
�Dazu m�sste ich getrunken haben.� Ich sah ihn m�de an und versuchte aufzustehen. Rechtzeitig bemerkte ich, dass ich unter der Decke nackt war und bat Tim, mir ein Shirt aus dem Schrank zu geben. Umst�ndlich schl�pfte ich in dieses hinein und anschlie�end versuchte ich erneut, mich aus dem Bett zu hieven. Es gelang mir erst beim dritten Anlauf und unsicher torkelte ich durch mein Zimmer. Was f�r einen bescheuerten Traum hatte ich gehabt... Und ich musste verdammt schlecht geschlafen haben. Erneut rieb ich mir die Augen, st�tzte mich am Schreibtischstuhl ab und atmete tief ein und aus. Es half so gut wie gar nicht. Die M�digkeit fiel zwar von mir ab, aber die Benommenheit, der Wirrwarr blieb.
�Was machst du eigentlich hier?�, fragte ich.
�Da ich heute nichts zu tun habe, dachte ich mir, ich begleite dich zur Uni und gebe dir mentalen Beistand�, sagte er. �Okay, einen Kater hast du also nicht. Was dann? Pr�fungsangst?�
�Nein. Gar nicht. Ich wei� nicht, was los ist.�
W�hrend ich mich auf den Stuhl setzte, beobachtete Tim mich aus den Augenwinkeln. Dann sah er sich in meinem Zimmer um und machte diesen Gesichtsausdruck, der besagen sollte, dass er die Unordnung besorgniserregend fand, aber im Moment nicht darauf eingehen wollte. Sein Blick fiel auf mein zerw�hltes Bett und die Klamotten, die �ber den Boden verteilt lagen � und pl�tzlich bestand sein Gesicht nur noch aus einem einzigen Grinsen.
�Oha! Verstehe... Du hattest also doch eine wilde Nacht. Demnach konntest du Ben letztendlich doch nicht mehr wiederstehen...� Tim brach ab und blickte auf ein Kleidungsst�ck am Boden und erkannte darin eines von Davids Hemden.
Auch ich sah es und die Erinnerung kehrte zur�ck. David... David und ich. Es war kein Traum gewesen.
�Bist du wahnsinnig?� Tim sprang vom Bett auf und starrte mich entsetzt an. �Du kannst dich doch nicht einfach an David ranmachen! Ich fass es nicht! Sag, dass das nicht passiert ist!�
�Tim, reg dich nicht auf. Ich wei� doch selbst nicht, wie es dazu kommen konnte�, erkl�rte ich. Und ich wusste es wirklich nicht. Wie? Wir hatten uns doch nur unterhalten. Er hatte gemeint, ich sollte mich fallen lassen und nicht zu viel denken. Und genau das hatte ich getan.
Er war da gewesen und hatte mich aufgefangen.
�Bitte?! Muffy, hast du vergessen, dass David eine Freundin hat? Zudem bist du noch beziehungsgesch�digt...�
�Eben. Sagtet ihr nicht alle, ich solle mir einfach nur einen Kerl schnappen?�
�Aber doch nicht David! Das f�hrt nur zu Problemen. Gott, Rachel wird dich umbringen!�
Ich st�tzte f�r einen Moment mein Gesicht in meine Hand. Die Erinnerung kehrte zur�ck. Ich konnte uns beide deutlich sehen, David und mich. Erinnerte mich daran, wie wir uns auf dem Flur k�ssten und zun�chst nicht wussten, in welches Zimmer wir gehen sollten. Dann hatte ich nach seiner Hand gegriffen und ihn mit zu mir genommen. Und er war mir gefolgt. Ich hatte ihn nicht gezwungen. Wir wollten es beide.
�Tim, das ging von uns beiden aus.�
�Nein, ich glaub das nicht. Was hast du jetzt wieder angestellt?� Tim lief wie eine aufgescheuchte Glucke auf und ab. �Von euch beiden aus... Nein! David w�rde so etwas nie tun. Du bist die Freundin seiner Schwester, seine Mitbewohnerin. Nein, soviel Verstand hat er in seinem Kopf.�
�Verstand? Vielleicht hat sein Kopf �Nein� gesagt, aber glaube mir, der Rest seines K�rpers schrie geradezu �Ja!��
�Himmel, das wird �rger geben... Das kann nicht gut gehen!�
Es klopfte an der T�r und Simon kam herein. �Sieh an. Du hast sie wachbekommen?�
Tim reagierte nicht, sondern sah mich noch immer fassungslos an.
�Ja, hat er. Musst du heute nicht arbeiten?�, antwortete ich an seiner Stelle.
�Nein, ich habe heute frei, da ich mit Chiar�n nach Windsor gehen werde�, erkl�rte er und rollte mit den Augen. �Was ist denn mit euch los?�
Tim sah mich auffordernd an, aber ich lie� ihn mit einem b�sen Blick wissen, dass ich Simon nichts von der vergangenen Nacht erz�hlen wollte. Tim sch�ttelte ungl�ubig den Kopf und murmelte �rgerlich vor sich hin. Simon musterte uns mit einem misstrauischen Blick.
�Hier ist doch irgendwas im Busch?�, sagte er.
��hm, nein�, brachte ich hervor. �Wie war es gestern Abend?�
�Lustig.� Simons Gesicht hellte sich wieder auf. �Chiar�n hat mit zwei Gogo-Girls getanzt.�
�Tats�chlich?� Ich konnte selber eine Spur Eifersucht aus meiner Stimme entnehmen.
Verflucht Yvonne! Rei� dich zusammen! Du hast die letzte Nacht mit deinem Mitbewohner verbracht. Wie kannst du jetzt nur an Chiar�n denken?
�Ja, er hatte sichtlich Spa� daran. Und was habt ihr gemacht?�
�Wir?�, wiederfragte ich.
�Na, David und du.�
Ach, wir haben nur miteinander geschlafen... �Nichts. Ich habe gelernt und er vor sich hingegammelt.�
�Ist in letzter Zeit nichts Neues�, lachte Simon. �Sagt, habt ihr noch Zeit, mit mir und Chiar�n zu fr�hst�cken?�
Ich sah ihn einen Moment an. Mit ihm und Chiar�n. Wo war David? Wann hatte er mein Zimmer verlassen? Hatte er �berhaupt die ganze Nacht bei mir verbracht? Oder war er gegangen, als ich eingeschlafen war?
�Was ist nun?�, fragte Simon erneut.
�Ja klar. Ich gehe nur mal eben unter die Dusche.�
Simon nickte und ging, vom grummelnden und mir b�se Blicke zuwerfenden Tim gefolgt, aus dem Zimmer. Ich holte W�sche aus meinem Schrank und verschwand im Bad.
W�hrend das kalte Wasser �ber meinen K�rper rann, dachte ich an David und die letzte Nacht. Es war... Ach, es erschien mir so verr�ckt. Aber weshalb regte sich Tim derart dar�ber auf? Nein, er hatte Recht.
Oh Gott Yvonne, was hast du getan? Es stimmt: David ist mit Monique zusammen.
Ich hatte Amber versprochen, ihr zu helfen an ihn ranzukommen und nun? Nun hatte ich mich selber an ihn rangemacht. Aber hatte ich das?
Nein! Wie oft noch: Er ist f�r mich da gewesen, weil ich ihn gebraucht habe, weil ich innerlich nach ihm gesucht habe. Ich sehnte mich nach jemanden, der mich aus meiner Einsamkeit holen w�rde und ich habe David gefunden!
Ich fluchte vor mich hin.
Yvonne, du darfst dich nicht in David verlieben!
Aber vielleicht liebte er mich? Vielleicht war es deshalb zu dem gekommen, was wir getan hatten?
Wir kennen uns doch schon so lange... Da h�pft man nicht einfach spontan miteinander ins Bett. Und Tim hat auch in diesem Bereich Recht. David hat Verstand! Nat�rlich hat auch er manchmal belanglose, spontane Liebeleien, aber er ist klug genug, sich hierf�r M�dchen zu suchen, welchen er - wenn er will - nie wieder begegnet. Nein, es muss einfach mehr bedeuten. Es muss sich still und heimlich etwas angebahnt haben.
Doch, das musste die Erkl�rung sein.
Ich f�nte mir die Haare, wuselte in mein Zimmer zur�ck und zog mich pr�fungsgerecht an. Dann sammelte ich die Klamotten vom Boden auf und brachte sie ins Bad zum W�schekorb. Zuvor schnupperte ich allerdings noch an dem Hemd. Es roch fantastisch nach David. Ich bemerkte, wie vertraut mir dieser Geruch war, doch hatte er nun eine v�llig neue Bedeutung. David war nicht mehr David f�r mich. Er hatte sich letzte Nacht zu jemand ganz anderen entwickelt.
Oh Gott, wie soll es jetzt weitergehen? Er hat eine Freundin! Und wir sind doch Freunde, er und ich? Oh Schei�e, was haben wir nur getan?
Ich stand noch da, das Hemd in meinen H�nden und tief in Gedanken, als ich die Wohnungst�re und Davids Stimme h�rte. Jetzt w�rde ich wohl Antworten bekommen.
Ich warf das Hemd in den Korb und h�ngte mich am T�rrahmen hinaus. Er war nicht allein. Monique war bei ihm. Lachend kamen die beiden den Flur entlang. Hand in Hand.
�Morgen Muffel, hast du heute nicht Pr�fung?�, fragte David im Vorbeigehen.
Ich sah ihm wie gebannt hinterher. Das graue Sweatshirt, dessen Kapuze im Nacken auf der Jeansjacke auflag und diese ausgebleichten Jeans, die seine langen Beine und die schmalen H�ften betonten.
�Salut Yvonne�, begr��te mich Monique kurz und w�hrend als sie weiterliefen, blickte David noch einmal �ber seine Schulter und sah mich kurz an, ehe er seinen Blick wieder nach vorn richtete. Es war eine unbewusste Bewegung, aber in solch umwerfender Grazie und Nat�rlichkeit, dass ich schlucken musste. Ich versuchte, das Atmen nicht zu vergessen.
Dann verschwanden die beiden in der K�che. Ich h�rte weitere Begr��ungen, aber meine Beine waren wie gel�hmt.
Hatte ich das eben richtig mitbekommen? Er hatte mich nur nach meinen Pr�fungen gefragt und mich nicht mal richtig angesehen? Ich wollte pl�tzlich nicht mehr zu den anderen in die K�che gehen. Stattdessen fl�chtete ich in mein Zimmer. Dort lief ich nerv�s auf und ab.
Was soll das nun? Was macht Monique hier? Vor allem: Was macht sie bei ihm? Hat er ihr es nicht gesagt? Hallo!? Ich meine, die letzte Nacht ist David bei mir gewesen! Das ist nicht gerade etwas Allt�gliches.
Ich ging wieder zur T�r und �ffnete diese. Simon kam gerade aus der K�che und blieb stehen, als er mich sah.
�Zu dir wollte ich eben. Komm, das Fr�hst�ck ist fertig�, verk�ndete er.
�Ja, ich komme gleich...�
Er wandte sich zum Gehen, drehte sich aber erneut um. �Ist alles okay?�
�Klar. Gib mir zwei Minuten� antwortete ich und verschwand in meinem Zimmer.
Als ob ich mich nun an den Tisch setze. Ich werde beim Anblick von David und Monique keinen Bissen runterkriegen.
Ich verstand das alles nicht und hatte so viele Fragen. Wir hatten doch dieses gute Gespr�ch gef�hrt und dann waren wir uns nahe gekommen. Wieso war er nun mit Monique hier? Nach einer Nacht, wie die gestrige gewesen war, sollte man miteinander reden!
�Muffin!�, rief Tim aus der K�che.
Ich �ffnete die T�r und war daran hin�ber zugehen, doch mir war, als w�rde man mich w�rgen. Mir war kalt und warm zugleich.
�Keinen Hunger. Mir ist schlecht und ich habe Kopfschmerzen.� Und damit knallte ich meine T�r ins Schloss.
Super! In etwas mehr als einer Stunde werde ich gepr�ft und kann an nichts anderes mehr denken als David. Er ist einfach an mir vorbeigelaufen. Hat sich verhalten wie immer. Als ob nichts geschehen w�re...
Ich raufte mir w�tend die Haare.
Ja, Mr Cole, es ist aber etwas geschehen und das kannst du nicht leugnen! Und genau das gilt es jetzt zu kl�ren!
Energisch ging ich zur T�r und trat auf den Flur, �berquerte diesen und sah in die K�che. Sie sa�en alle am Tisch, a�en und unterhielten sich.
�Guten Morgen�, sagte Chiar�n, der mich zuerst bemerkte. Er l�chelte mich an. Als einziger wohlbemerkt.
�Ja wie? Doch Hunger?�, fragte Simon.
�Nein... Ich m�chte nichts essen�, stammelte ich nerv�s vor mich hin.
Gott, warum war mir schlecht bei dem Ganzen? Ich wagte einen kurzen Blick zu David, der konzentriert auf seinen Teller starrte.
Ach, du weichst mir also aus?, dachte ich.
�Jetzt komm, iss etwas�, meinte Chiar�n. �Du bist doch bestens auf die Pr�fung vorbereitet. Es besteht also kein Grund nerv�s zu sein.�
�Ja, ich bin gut vorbereitet�, brachte ich hervor. �Schlie�lich hatte ich gestern Abend noch eine sehr spontane Nachhilfe.� Mein Blick ruhte noch immer auf David. Er jedoch schien sich mehr f�r den Toast auf dem Teller zu interessieren.
�Dann fehlt nur noch ein gutes Fr�hst�ck.� Simon grinste zufrieden. �Liebevoll von mir zubereitet.�
�Setz dich doch�, meinte Tim schlie�lich und deutete mit fiesen Blick auf den Stuhl neben ihn, auf dessen anderen Seite David sa�. So ein Mistkerl! Nat�rlich genoss er die Situation und meine un�bersehbare Niederlage.
��hm, nein danke�, sagte ich knapp. �David, k�nnte ich mal eben mit dir reden?�
David sah auf und unsere Blicke trafen sich. Doch seine Augen waren nicht mehr von dem erf�llt, was gestern in ihnen gelegen hatte. Nun sah ich dort nur noch K�hle und �berhaupt keine Begeisterung.
�Ich h�re.�
�W�rde es dir was ausmachen kurz mitzukommen?�, fragte ich gereizt. Was er konnte, konnte ich schon lange.
David seufzte �bertrieben laut, stand auf und ging an mir vorbei in den Salon. Ich folgte ihm und schloss die T�r hinter uns. Dann fiel mein Blick auf die Couch. Dort hatte gestern alles angefangen. David war zum Balkon gegangen und drehte mir den R�cken zu, w�hrend er nachdenklich aus dem Fenster blickte. Ich trat langsam auf ihn zu und hoffte, er w�rde den Anfang machen. Aber er tat es nicht.
�Wir m�ssen reden�, sagte ich leise und n�herte mich ihm zaghaft. Am liebsten h�tte ich meine Arme um ihn gelegt, an seinem Haar geschnuppert und dort weitergemacht, wo wir gestern irgendwann aufgeh�rt hatten. �Was gestern passiert ist, ist...�
��berhaupt nicht von Bedeutung�, schnitt er mir das Wort ab und drehte sich ruckartig um. Die Arme vor der Brust verschr�nkt hatte er wieder die Haltung des Unnahbaren eingenommen.
Ich sah ihn verwirrt an. �David, ich verstehe nicht...�
�Da gibt es auch nicht viel zu verstehen. Ich bin ein Mann, du eine Frau. Ich hatte Lust, du warst da. Punkt.�
�Das glaube ich nicht!�, schrie ich ihn an.
�Yvonne, das Ganze hatte f�r mich nur einen Zweck: Deine verbl�deten Gedanken endlich von Bloom zu befreien. Und da du letzte Nacht ziemlich aktiv gewesen bist, wage ich zu behaupten, dass es mir gelungen ist. Zumindest zweifle ich daran, dass du an ihn gedacht hast, w�hrend du mit mir...�
�Nein!�, wehrte ich mich und begann zu zittern. �Das kann nicht sein! L�g mich nicht an!�
�Wieso sollte ich dich anl�gen?� David distanzierte sich einen Schritt von mir und strich meinen K�rper mit einem k�hlen Blick, der mich noch mehr zittern lie�. �Was glaubst du, hat mir die Nacht bedeutet? Komm mir jetzt nur nicht mit Liebe.�
Ich zuckte bei seinen Worten zusammen und schluckte schwer. Das alles durfte nicht war sein. Dieses Gespr�ch musste ein b�ser Traum sein. Wach auf, Yvonne, wach auf...
Davids Mimik wurde noch h�rter. �Verflucht! Hast du etwa schon wieder in das Geschehene etwas hineininterpretiert? Ich habe dir doch gestern erkl�rt, dass du nicht immer allem sofort eine Bedeutung geben sollst.�
�Wie kannst du nur...?�, fragte ich nahezu tonlos und lie� die Schultern h�ngen, da ich kaum noch Kraft in mir versp�rte. Es war, als h�tte er mich nicht mit Worten geschlagen, sondern mit seinen F�usten. �Wir kennen uns schon so lange und nun tust du so etwas. Das kann ich nicht einfach in die Schublade der Ausrutscher packen.�
�Eben weil wir uns schon so lange kennen, solltest du es k�nnen�, widersprach er mir und umkreiste mich feindlich. �Eben weil wir wissen, wer wir sind, was wir f�reinander sind.�
�Genau das wei� ich jetzt aber nicht mehr.� Meine K�rperhaltung sank immer mehr in sich zusammen. �Ich dachte, du w�rst mein Freund. Freunde tun so etwas aber nicht.�
David stand direkt vor mir. Ich m�sste nur meine Hand ausstrecken und ich k�nnte ihn ber�hren. So, wie ich ihn gestern ber�hrt hatte. Ich konnte nicht atmen und ihn gleichzeitig anschauen.
�Ich wei� gar nichts mehr.�
�Das tut mir leid�, sagte er knapp und ging an mir vorbei zur T�r.
�David...�
�Yvonne, denk einfach, es w�re ein Abschiedsgeschenk von mir gewesen�, meinte er arrogant und sah mich am�siert und sp�ttisch zugleich an. �Ein sehr pers�nliches Geschenk bevor ich nach Frankreich gehe.�
�Wirklich sehr gro�z�gig�, brachte ich gekr�nkt �ber die Lippen. �Doch wenn das hier das Resultat deines Einsatzes ist, h�tte ich liebend gerne darauf verzichtet.�
�Das n�chste Mal schenke ich dir Blumen.� David zuckte mit den Schultern und ich sah ihm hinterher, wie er den Salon verlie�.
Kurze Zeit sp�ter sa� ich neben Tim in der U-Bahn. Ich f�hlte mich hundsmiserabel und verw�nschte alle m�nnlichen Wesen der Erde. Dachten die eigentlich je �ber ihr Handeln nach? �ber das, was sie Frauen antun? Ich kam mir vor wie ein Pr�sentkorb, aus dem sich jeder nahm, was er gerade wollte oder brauchte.
Tim sprach mich die ganze Zeit �ber nicht an, aber ich vermutete, dass er ahnte, was ich mit David besprochen hatte und was dabei herausgekommen war. Dass er wusste, dass er mich abblitzen lie�. Ich glaube, wenn er hierzu einen Kommentar abgelassen h�tte, h�tte ich ihm eine gescheuert.
In der Uni warteten wir gemeinsam vor dem Pr�fungsraum und gingen meine Gedichtinterpretation durch. Dann �ffnete sich die T�r und ein bleicher Student kam heraus. Gefolgt von Professor Brixton, der auf das Klemmbrett in seiner Hand blickte und einen weiteren Studenten aufrief, welcher dann auch schon hinter der T�r verschwand. Tim und ich blieben allein in dem langen Schulgang zur�ck und ich rutschte entmutigt an der Wand auf den Boden hinunter.
Noch immer kreisten meine Gedanken um David. Ihm hatte die Nacht mit mir nichts bedeutet... Zumindest lie� er sich nichts anmerken und da er noch nie gut l�gen konnte, glaubte ich sogar das, was er gesagt hatte. F�r ihn war es nichts gewesen. F�r mich schon. Und daf�r hasste ich mich und versp�rte noch mehr Zuneigung f�r ihn.
Nein, Yvonne, tu das nicht! Er hat die Situation schamlos ausgenutzt. Meine Schw�che ausgenutzt. Wahrscheinlich ist er sogar noch stolz darauf, da er nach Orlando der erste Mann war, mit dem ich... Elender Mistkerl... Er ist eben doch nichts Besonderes, sondern nicht besser als andere Kerle und eigentlich sollte ich das dieser bl�den Monique sagen.
Der Student erschien und schloss die T�r hinter sich. Nun w�rde ich bald an der Reihe sein. Wann holen die mich endlich?
�Yvonne!�
Ich blickte den Gang hinunter. Ben kam auf uns zu. Mechanisch erhob ich mich und sah ihm entgegen. Genau in diesem Moment �ffnete sich die T�r und Professor Brixton schaute mich durch seine Brille an.
�Welch Freude... die Letzte�, sagte er erleichtert.
�Ja, einen Moment�, antwortete ich und sah zu Ben, der mich eben erreicht hatte.
�Hi�, sagte er schnaufend.
�Hallo.�
�Ich wei�, dass du mich die Woche eigentlich nicht sehen wolltest. Du hast Samstag gar nichts sagen m�ssen, weil ich es in deinen Augen gelesen habe. Aber ich konnte nicht anders�, erkl�rte er mir sein Erscheinen. �Ich wollte dich unbedingt sehen.�
�Aber woher wusstest du, dass ich hier bin?�
�Ich habe mit Simon telefoniert.� Er l�chelte mich an.
�Miss Marx, w�ren Sie soweit?� Brixton gab ein genervtes St�hnen von sich.
�Na los! Zeig es denen!�, munterte Ben mich auf und dr�ckte mir einen Kuss auf die Lippen.
Verdattert sah ich ihn an. Womit hatte ich das verdient? Ich war doch nichts als eine elende Heuchlerin. Ich hatte ihn zur�ckgewiesen, weil er nicht Orlando war. Ich hatte ihn gedem�tigt, als ich ihn bat mir Zeit zu geben. Ich hatte Chiar�n gek�sst und dessen Kuss hatte eine andere, angenehmere Wirkung gehabt als seine. Und nun hatte ich ihn auch noch mit David betrogen. Und was noch schlimmer als dieser Betrug war, waren meine Gef�hle, die Achterbahn fuhren und mir nicht sagten, dass ich ihn liebte.
�Bei so einem Gl�cksbringer kann ja nichts schief gehen�, sagte Brixton am�siert. �Kommen Sie, Miss Marx.�
Ein letzter Blickwechsel zwischen Ben und mir, Tim machte mit zwei Fingern das Siegeszeichen und ich folgte Brixton wie ein Gefangener, der zur Hinrichtung gef�hrt wurde.
Noch mehr Fragen jagten durch meinen Sch�del und die hatten gewiss nichts mit Poetik zu tun. Brixton f�hrte mich vor das Pr�fungskomitee, lief dann um dessen Tisch herum und nahm Platz.
�So, hier haben wir Yvonne Marx�, sagte er dann zu seinen Kollegen. �Sie hat sich f�r ein St�ck von Byron entschieden.� Er blickte zu mir. �Sch�n, Yvonne, dann fangen wir mit dem Vortrag an und anschlie�end die Interpretation mit eigener Stellungnahme.�
Ich nickte zitternd, holte meine Notizen aus der Tasche, sah einen Moment zur Decke und sammelte mein Englisch beisammen. Als ich wieder zu Brixton sah, l�chelte dieser mir aufmunternd zu.
Ich begann mit dem Gedichtvortrag und bem�hte mich so zu sprechen, wie David es mir geraten hatte. Anschlie�end gab ich die Inhaltsangabe und die Eigeninterpretation zum Besten. Das Komitee stellte abwechselnd Fragen und nickte nach meinen Antworten. Die meisten Fragen stellte jedoch Brixton. Allerdings erinnerte er mich w�hrend der Pr�fung nicht an den Professor, mit welchem ich nahezu jeden Tag zu k�mpfen hatte. Dies irritierte mich ein wenig. Brixton hatte n�mlich seine spezielle Art, Studenten auszuquetschen und dabei jede noch so kleine Wissensl�cke aufzusp�ren. Wenn er mit einem fertig war, konnte man sich nicht einmal an seinen Namen erinnern. Scheu�liches Gef�hl. Doch er ging nicht derart mit mir ins Gericht, wie er es �blicherweise in den Vorlesungen tat. Schlie�lich erhob er sich und reichte mir ein Papier. Nun kam der Pflichtteil. Ich hatte Gl�ck. Es handelte sich um ein Gedicht von Thomas Moore, das wir zu Beginn des Semesters besprochen hatten. Und schneller als erwartet, war es vorbei und Professor Brixton brachte mich zur T�r. Ich zitterte noch immer, als er mich entlie�. Doch er folgte mir auf den Gang. Ben und Timothy warteten dort in einem gewissen Abstand. Sie sahen auf, als sie mich erkannten, warteten aber, da Brixton bei mir war und gingen nerv�s auf und ab, ohne den Blick von uns zu wenden.
�So Miss Marx��
�Ich war schlecht, oder?�, fragte ich meinen Professor deprimiert.
�Sie haben eine sehr betr�bte Einstellung zur Liebe�, meinte er und erinnerte mich an meine Stellungnahme, in welcher ich all mein Gef�hl f�r Orlando dargelegt hatte. �Aber zu diesem Gedicht passte sie hervorragend. Was soll ich sagen?� Er l�chelte herzlich. Das erste Mal, dass ich Brixton in dieser Art l�cheln sah. �Sie k�nnen im Laufe der n�chsten Woche Ihre Scheine abholen, ich w�nsche Ihnen einen sch�nen Sommer und wir sehen uns dann im Herbst zu Beginn des n�chsten Semesters.� Er legte mir die Hand auf die Schulter und zwinkerte mir zu, ehe er wieder in den Pr�fungsraum zur�ckging.
Ich blieb zur�ck und seine Worte spulten sich durch meinen Kopf. Ben kam nun zu mir.
�Was ist?�, fragte er vorsichtig. �Bist du...�
�Ich habe es geschafft!�, strahlte ich ihn im n�chsten Moment an.
�Ich wusste es!� Ben umfasste meine H�ften und wirbelte mich herum. �Du hast soviel gelernt und... Ach, du konntest gar nicht durchfliegen!�
Lachend setzte er mich ab und wollte mich an sich ziehen, um mich zu k�ssen. Unweigerlich befreite ich mich aus seiner Umarmung und trat einen Schritt zur�ck.
�Ben, bitte...�
Diesmal hinderte mich nicht der Gedanke an Orlando, sondern die an David und Chiar�n. Ben wusste nicht, dass ich Chiar�n gek�sst hatte und was letzte Nacht zwischen David und mir geschehen war. Sollte ich es erz�hlen? Gott nein! Da k�nnte ich ihm gleich ein Messer ins Herz rammen.
�Yvonne, ich...�
�Ich weiߓ, sagt ich und legte ihm einen Finger auf die Lippen. �Aber gedulde dich noch. Im Moment ist alles so verwirrend und au�erdem haben wir doch Zeit.�
Er sah mich an und nickte. �Okay, ich hoffe nur, dass ich nicht umsonst warte. F�r mich ist die Situation n�mlich auch nicht gerade leicht.� Er stockte. �Irgendwie sind wir zusammen und irgendwie auch nicht. Auf Dauer geht das so nicht weiter.�
Oh Ben, wenn du w�sstest. Genau das ist auch das Problem von Orlando und mir gewesen. Wir waren zusammen und doch waren wir kein Paar. F�r das eine waren wir zu viel gewesen, f�r das andere zu wenig. So hatte es Orlando zumindest ausgedr�ckt.
Tim kam zu uns her�ber und ich erz�hlte ihm von meinem Erfolg. Anschlie�end fuhren wir zu uns nach Hause. Als ich dort ankam, erlebte ich eine �berraschung. Sie waren alle da. Simon, Chiar�n, Rachel, Mike, Matt, Bradley, Judy, Charlene, Kate, Richy und Amber. Mit gro�en Augen sahen sie mich an, aber keiner wagte zu fragen. Ich warf meine Tasche zu Boden und grinste.
�Bestanden!�
Sofort brachen sie in Jubel aus und zerrten Gl�ckwunschbanner unter ihren Hintern hervor. Ich wurde gedr�ckt, umarmt und schlie�lich gab es Kuchen. Von wegen Windsor Castle. Simon hatte wegen meiner Pr�fung freigenommen. Es tat einfach gut, mit all diesen Leuten zusammenzusein und zu wissen, dass ich nun den Sommer genie�en konnte. Fast. W�re da nicht Tim gewesen, der mir oft geringsch�tzige Blicke zuwarf und mehr als einmal einen bissigen Kommentar von sich gab. Ich verstand, dass er sauer war. Er erwartete, dass ich mit ihnen �ber die vergangene Nacht sprach. Doch darauf konnte er lange warten. Nach Davids Reaktion wollte ich nicht mehr an den Vorfall zur�ckdenken. Also verdr�ngte ich ihn in den hintersten Winkel meines Gehirns und feierte mit meinen Freunden den ganzen Tag bis in die Nacht hinein. Nur David lie� sich den ganzen Abend nicht blicken.
*
Am n�chsten Tag ging ich ins Diners. Seit meines Zusammenbruchs war ich nicht mehr dort gewesen. Von Dr. Fleming hatte ich eine Arbeitsunf�higkeitsbescheinigung �ber einen Monat erhalten. Er hatte gemeint, ich w�rde diese Zeit ben�tigen, um in meinem Leben wieder zurechtzukommen. Mir blieb zwar noch eine Woche, aber ich wollte mich bei Ed melden. Tiffany war dort und freute sich �ber mein bestandenes Semester. Ed freute sich mehr �ber die Erkenntnis, dass ich in der kommenden Woche wieder arbeiten wollte. Wir einigten uns auf zwei Tage die Woche, um mich nicht zu �berfordern.
Wieder Zuhause wurde ich von einer Unruhe eingeholt und ich sehnte mich danach, dass Chiar�n oder Simon endlich kommen w�rde, die letztendlich doch nach Windsor gefahren waren. Nach David verlangte ich weniger. Was geschehen und gesagt worden war, tat mir unheimlich weh. Zudem glaubte ich, dass unsere Freundschaft verloren war. Gut, ich hatte wirklich nicht mehr an Orlando gedacht, aber zu welchem Preis? Nun lag mir etwas ganz anderes auf der Seele.
Am Abend hatte ich David noch immer nicht wieder gesehen. Chiar�n, Simon und ich waren alleine gewesen und hatten schlie�lich das Londoner Nachtleben aufgesucht.
So auch am n�chsten Abend. Diesmal waren jedoch Amber, Tim, Richy und Matt dabei. Als wir in den Morgenstunden den Club verlie�en und den Heimweg antraten, gingen Chiar�n und ich Hand in Hand. Wir hatten uns nicht noch einmal gek�sst, auch nicht �ber den Kuss der vergangenen Woche gesprochen. Es hatte sich einfach ergeben, dass er, als wir lachend den Piccadilly Circus �berquerten, nach meiner Hand gegriffen und sie nicht mehr losgelassen hatte. Amber be�ugte dies mit gro�em Missfallen. Allerdings ignorierte ich dies.
Sonntagabend tauchte David wieder auf und f�hrte sein Leben wie bisher weiter. Nun ja, zumindest fast. Er machte sich nicht die M�he, mir aus dem Weg zu gehen. Allerdings sprach er weniger mit mir.
Ich hatte an jenem Abend eigentlich mit Chiar�n �ber den Kuss sprechen wollen, doch er sa� die ganze Zeit mit David zusammen. Er hatte sich tats�chlich dazu entschlossen, im n�chsten Fr�hjahr nach London zu kommen. David sicherte ihm sofort das freie Zimmer der Wohnung zu. Ferner einigten sie sich darauf, dass Chiar�n den Sommer �ber hier bleiben sollte. Mir w�rde also noch Zeit bleiben, unser Verh�ltnis zu kl�ren und Zeit w�rde ich brauchen, um meine Gef�hle entscheiden zu lassen. Doch erschien mir die Zeit bis zu Davids Abreise viel zu lang.
Ich ertrug seine N�he kaum. Dieses gek�nstelte, distanzierte Verhalten, das er mir gegen�ber an den Tag legte, war die reinste Folter. In mir regte sich Angst. Hatte diese eine Nacht alles zerst�rt, was zwischen David und mir einst so herrlich gewesen war?
*
Montag war mein Gehen zur Arbeit nahezu eine Flucht. Ich war froh, endlich einen Grund zu haben, mich nicht mehr in der Wohnung aufhalten zu m�ssen. Voller Elan nahm ich meine Kellnert�tigkeit wieder auf und bettelte Ed an, dass ich statt der zwei doch vier Tage zum Arbeiten kommen durfte. Er sah mich etwas entgeistert an, nahm mir aber ab, dass ich nach dem langen Krankheitsausfall geradezu vor Arbeitswut �bersch�umte. Dies tat ich zwar nicht wirklich, aber es versicherte mir Distanz zu David, der sich diese Woche bei Aaron im Laden abgemeldet hatte und sehr viel mit Chiar�n unternehmen wollte.
Als ich die Woche �ber abends nach Hause kam, ging ich bewusst in mein Zimmer, schlich in diesem herum wie ein Raubtier und wurde fast wahnsinnig bei dem Gedanken, dass David sich nur ein paar T�ren weiter aufhielt. Wenn ich an ihn dachte, kamen in mir die unterschiedlichsten Empfindungen auf. An erster Stelle Wut, Zorn und Hass, da er mich gekr�nkt und benutzt hatte. Aber ich empfand auch Schmerz, Sehnsucht und Verlangen. Auf der einen Seite wollte ich einfach nur auf ihn einschlagen, auf der anderen wollte ich den Mittwochabend wiederholen und dann w�nschte ich mir aber auch, dass ich alles ungeschehen machen k�nnte. Doch nichts von all dem war mir m�glich.
*
W�hrend weniger beteiligten Personen wie Amber, Ben, Rachel oder Chiar�n die Situation unbemerkt blieb, fiel Simon nat�rlich auf, dass zwischen David und mir etwas nicht stimmte. Allerdings kam er erst eine Woche nach dem Ungl�ck - wie ich es inzwischen nannte - auf
mich zu.
Ich hatte mich nach der Arbeit mal wieder in mein Zimmer zur�ckgezogen und lauschte dem Lachen der anderen aus dem Salon. Ich w�re gerne bei Chiar�n gewesen, doch m�sste ich dann auch David in Kauf nehmen. Und das wollte ich nicht. Auch schien mich keiner zu vermissen. Dies dachte ich �rgerlich, als es an der Zimmert�r klopfte und Simon hereinkam.
Er sah mich einen Moment an, wie ich mit angezogenen Knien auf meinem Bett sa� und setzte sich schlie�lich neben mich.
�K�nntest du mir bitte erkl�ren, was hier l�uft?�
�Ich wei� nicht, was du meinst�, sah ich ihn an.
�Muff, komm schon! Du wei�t genau, was ich meine�, sagte er. �Du igelst dich nur noch in deinem Zimmer ein.�
�Ich bin eben ersch�pft�, erkl�rte ich rasch. �Die Arbeit ist doch ein bisschen viel.�
�Lenk nicht vom Thema ab.�
�Tu ich nicht. Ich erkl�re dir lediglich, weshalb ich mich in meinem Zimmer aufhalte.�
�Ich muss zugeben, dass dein Job ein gutes Alibi ist, aber ich wei�, dass das nicht das Problem ist.� Er sah mich pr�fend an.
�Welches Problem?�
�Warum redet ihr nicht mehr miteinander, David und du?�
�Das tun wir doch.�
�Ja, aber wie. Was ist los?�
�Wieso fragst du mich das?�, fragte ich und sprang vom Bett auf. �Frag doch deinen Bruder. Vielleicht bekommst du Antworten von ihm, die ich nicht erhalten habe.�
Simon winkte ab und h�rte mir gar nicht zu. �David �ndert sein Verhalten Menschen gegen�ber nicht grundlos von heute auf morgen. Ich finde nur keine L�sung f�r euer Getue. Du hast die Pr�fungen bestanden, gehst wieder arbeiten, bist dem Anschein nach letztendlich �ber Bloom hinweg...�, sprach er mehr zu sich als zu mir, sah mich dann aber direkt an. �Oder etwa doch nicht? Hast du David wieder damit genervt?�
�Warum muss es immer an mir liegen?�, sagte ich ruppig. Ich wollte die Unterhaltung beenden. Ich wollte nicht, dass Simon davon wusste. Ich wollte, dass niemand davon erfuhr. Ich selber wollte es auch nur vergessen. Doch Simon dr�ngte mich in eine Ecke und ich musste mir etwas einfallen lassen um ihn loszuwerden. Nerv�s begann ich auf und ab zu laufen.
�Weil es meistens an dir liegt. Aber ich denke, diesmal liegt es an euch beiden.� Er lie� mich nicht aus den Augen.
�So? Denkst du?�, �berspielte ich meine Nervosit�t mit einer bl�den Gegenfrage.
�Eigentlich habe ich nur eine Erkl�rung f�r das Ganze�, missachtete er mich. �Ihr beide hattet Sex.�
Ich blieb stehen und sah ihn an. �Simon! Wie kommst du darauf?�, fragte ich und sp�rte, wie mir das Blut in den Kopf schoss.
�Deiner Reaktion nach zu urteilen habe ich also Recht?� Ein am�siertes Grinsen umspielte seine Mundwinkel. �Es war lediglich eine Frage der Zeit. Was wir alle schon immer bef�rchtet haben, ist also eingetroffen.�
Ich begann zu zittern, antwortete ihm jedoch nicht. Was wusste er, was ich nicht wusste? Was wussten meine Freunde, von dem ich keine Ahnung hatte? Hatte David dies etwa geplant? Oder hatten meine Freunde damit gerechnet, dass ich irgendwann seinem Charme verfallen w�rde? Hatten sie mich von Beginn an so eingestuft? Ich fuhr mir nerv�s durch die Haare und lief wieder umher. Simon stand auf und stoppte mich in meinem sinnlosen Tun.
�Hey, Muff. Komm, es ist alles in Ordnung�, sagte er und nahm mich in die Arme, in welchen ich endlich in Tr�nen ausbrach und rauslie�, was mich seit letzter Woche qu�lte. �Es ist alles okay. Das wird schon wieder.�
Ich ignorierte seine Worte, dachte noch immer daran, was er zuvor gesagt hatte.
�Was habt ihr bef�rchtet?�, schluchzte ich.
�Na, dass genau das passiert�, sagte er sachlich. �Wir waren uns alle einig, dass es nicht umg�nglich ist. Zwei M�nner und ein s��es M�del in einer Wohnung... Da kommt irgendwann der Sex dazwischen. Schade allerdings, dass David mir zuvorgekommen ist.� Er lachte vergn�gt auf.
�Das ist nicht komisch!�, fuhr ich ihn an und l�ste mich von ihm. �Zwischen David und mir stimmt gar nichts mehr! Er redet nicht einmal mit mir dar�ber.�
�Warum sollte man sich auch �ber eine einmalige Sache gro� auslassen?�
Eine einmalige Sache... Die W�rter brannten sich in mich hinein. Simon sah mir in die Augen und er verstand.
�Heilige Schei�e! Muffin, du hast dich doch nicht etwa in David verguckt?�
�Ich wei� es nicht, Simon.� Ich lie� mich auf das Bett sinken und vergrub das Gesicht hinter den H�nden. �Im Moment wei� ich wirklich gar nichts mehr. Ich hasse ihn. Doch er fehlt mir so sehr.�
Simon setzte sich zu mir und legte seine Hand auf meine Schulter. So sa�en wir stumm nebeneinander und irgendwann begann ich zu reden. Auch wenn ich mich daf�r sch�mte, ich konnte es nicht l�nger mit mir herumtragen. Ich erz�hlte Simon, was an jenem Abend geschehen war.
�Ich kann dir keinen Rat geben�, sagte er anschlie�end. �Ihr habt euch beide darauf eingelassen, also m�sst ihr es wieder ausb�geln.�
�F�r ihn ist das Thema erledigt, Simon. Das hat er mich deutlich sp�ren lassen. Aber ich kann nicht so tun, als w�re nichts geschehen.�
�Doch das kannst du. Er kann es schlie�lich auch.�
�Er ist auch ein arroganter, bescheuerter...�
�Vorsicht�, unterbrach er mich grinsend. �Du redest von meinem Bruder. Das bedeutet zwar nicht, dass er Sonderrechte hat, aber euer kleines Techtelmechtel ging von euch beiden aus. Au�erdem hat er zu erkennen gegeben, dass er nur pr�fen m�chte, ob du vor dem letzten Schritt vor lauter Bloom-Gedanken Haltmachen w�rdest. Und das hast du nicht. Ich an seiner Stelle h�tte das Angebot auch nicht ausgeschlagen.�
�Danke. Nun ist also wieder meine Schuld.� Mit einem erzwungenem L�cheln im Gesicht rieb ich mir die verheulten Augen. �Ewig lockt das Weib. Ich habe von dir nichts anderes erwartet.�
�Was soll das jetzt wieder hei�en?�, fragte er.
�Du hast doch jeden Tag ne andere�, lachte ich ihn an.
�Jeden Tag ist �bertrieben. Jedes Wochenende trifft es eher.�
�Ach du!�, sagte ich und schubste ihn.
�Wobei ich gestehen muss, dass sich das auch ge�ndert hat.�
Ich unterlie� das Tr�nenwegwischen und sah ihn an. �Wie darf ich das verstehen?�
�Seit einem Monat treffe ich mich mit lediglich einem M�dchen�, erkl�rte er.
�Du verarschst mich! Wie kommt es dazu?�
Er zuckte mit den Schultern. �Dinge �ndern sich eben mit der Zeit.�
�Das kann man wohl sagen.�
�Mach dir nicht so viele Gedanken wegen David. Bald ist er weg und wenn er dann in einigen Jahrhunderten wiederkommt, lacht ihr dar�ber.� Simon stand auf und grinste mich an. �Es werden sich sowieso einige Dinge �ndern, wenn er weg ist. Und wer wei�, vielleicht finde ich auch einmal des nachts zu dir ins Bettchen.�
�Ach, verschwinde!�, knurrte ich ihn gespielt an und bewaffnete mich mit dem Kissen. �Auf einen weiteren Akt der Cole-N�chstenliebe falle ich bestimmt nicht rein!�
Simon ging kurz darauf. Er wollte sich mit dem M�dchen treffen, welches ihn seit einem Monat zu fesseln schien. Chiar�n verbrachte den Abend mit Raffael und Kate, die sich dar�ber beklagt hatten, dass wir die Verwandtschaft f�r uns vereinnahmen w�rden.
Ich bef�rchtete bereits, dass ich mit David zur�ckbleiben w�rde, doch da t�uschte ich mich. Ich sa� gerade an meinem Schreibtisch und ordnete meine Aufzeichnungen f�r das morgige Treffen mit der Redakteurin, als es erneut an der T�r klopfte. David hielt sich mit keiner langen Rede auf. Knapp erkl�rte er, dass er zu Monique gehen und ich somit alleine sein w�rde. Das war alles. W�hrend dieser Auskunft zeigte er keine Gef�hlsregung. Ich bem�hte mich, ebenso k�hl zu reagieren, doch wirklich gelingen wollte es mir nicht.
Nachdem ich alleine war, wanderte ich ziellos durch die Wohnung und landete im Salon. Dort setzte ich mich auf die Couch. London tauchte langsam in die Nacht. Nur ein kleines bisschen des Stra�enl�rms drang zu mir nach oben. Die letzten Schatten an der Wand verschwanden still im Raum. Voller Wut dachte ich David.
Ich wei�, du bist jetzt bei ihr, sprach ich in Gedanken zu ihm. Ich wei�, dass sie nichts von mir, von uns wei�, aber ich kann nahezu f�hlen, was du gerade mit ihr machst. Verflucht! Es sollte mir egal sein, aber das ist es nicht. Und warum nicht? Weil du nicht nur unsere Freundschaft, sondern sozusagen auch meine Tr�ume zerst�rt hast! Ich denke nun nicht mehr an Orlando, sondern an dich! Gratuliere, du hast es geschafft, dass meine Aufmerksamkeit etwas anderem gilt. Aber es ist nicht fair! Gib mir meine Gedanken zur�ck!
*
Ich schob die gl�serne T�r auf und betrat das Redaktionsgeb�ude des Brits Week. Ich hatte mich gestern noch im Internet �ber die Zeitung informiert. Sie geh�rte zwar nicht zu den Newspapern, die in hoher Druckauflage erschienen, doch z�hlte sie zu den bekannteren Zeitungen der Stadt. An der Anmeldung nahm eine junge Angestellte gerade ein Kuvert von einem Fahrradkurier entgegen. Ich stellte mich seitlich an die Theke und wartete. Schlie�lich l�chelte die Frau mich an. Ich nannte meinen Namen und sagte, dass ich einen Termin bei Alison Rutherford h�tte. Ein kurzes Telefongespr�ch folgte und ich wurde durch das halbe Geb�ude geschickt. Ich eilte durch die G�nge und blickte auf die Nummern und Namensschilder an den T�ren. Endlich hatte ich das gesuchte B�ro gefunden. Ich klopfte an und wartete.
�Ja bitte?�, drang eine weibliche Stimme durch die T�r.
Mit Herzklopfen trat ich ein.
�Hallo�, begann ich. �Mein Name ist Yvonne Marx. Professor Maddox hat mich...�
Ich verstummte und blickte auf die Frau, die hinter einem gro�en Schreibtisch sa�, der �ber und �ber mit Papieren bedeckt war. Sie schob ihre Brille etwas tiefer und sah mich �ber deren Gl�ser hinweg an. Ein fransiger Pony fiel ihr in die Stirn, w�hrend der Rest ihres blonden Haares korrekt auf Kinnl�nge geschnitten war.
�Hoppla! Wir kennen uns doch�, l�chelte sie, kam um den beladenen Tisch herum und reichte mir die Hand. �Die junge Deutsche aus dem Theater, nicht?�
Ich nickte, ergriff ihre Hand und stotterte los. �Ja... �hm, genau... Wir sa�en neben einander...�
�Ich erinnere mich. Sie hatten Probleme mit der Handlung.� Sie faltete die H�nde ineinander und lie� die Arme vor ihrem K�rper sinken. �Daf�r k�nnen Sie schreiben, meine Liebe.� Sie l�chelte erneut. �Ich bin Alison Rutherford, wie Sie sich bestimmt schon denken konnten. Setzen Sie sich doch.�
Ich kam ihrer Anweisung nach und nahm auf dem Stuhl vor dem Tisch Platz, folgte ihr mit Blicken zu ihrem B�rostuhl. Sie mochte Anfang vierzig sein, sah in ihrem Donna Karen Kost�m allerdings perfekt aus.
�Ich hoffe, Sie haben es dem alten Maddox nicht zu �bel genommen, dass er Ihre Aufzeichnungen an mich leitete?�
�Nein�, antwortete ich. �Es hat mich lediglich �berrascht, dass sich wer daf�r interessiert.�
�Ich muss zugeben, dass ich sie verschlungen habe. Leider haben gewisse Teile gefehlt und es mangelte hin und wieder an Zusammenhang, aber was ich gelesen habe, hat mir sehr gefallen.�
�Und was genau erwarten Sie nun von mir?�, fragte ich hilflos.
�Erwarten tu ich eine Menge, aber ob Sie das auch tun wollen?� Wieder l�chelte sie. �Aber um es kurz auszudr�cken: Haben Sie schon einmal Kolumnen geschrieben?�
Ich sch�ttelte den Kopf. �Nein.�
�W�rden Sie es sich zutrauen?�
�Sie meinen, ob ich es gerne einmal ausprobieren w�rde?�
�Nein, Sie sollen es tun.� Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zur�ck und schlug die Beine �bereinander. �Einmal im Monat oder - was mir besser gefallen w�rde - alle zwei Wochen m�chte ich etwas von Ihnen in meiner Zeitung haben.�
�Aha�, sagte ich ratlos. �Und an was denken Sie dabei?�
�Mein sogenanntes Leben.� W�hrend sie dies sagte, lie� sie eine Hand galant durch die Luft sausen. �Sie sollen �ber sich, ihre Freunde, ihre Erlebnisse, Empfinden... einfach �ber ihr Leben schreiben.�
Ich legte die Stirn in Falten und sah sie an. �Ich bezweifle, dass mein Leben interessant ist. Vielleicht sollten Sie besser...�
�Nein�, wiedersprach sie sofort. �Das ist es ja gerade. Man glaubt immer, dass das eigene Leben langweilig ist. Doch f�r andere ist es interessant. Und gerade Ihres...� Sie unterbrach und �berlegte einen Augenblick. �Ich kenne Ihre Freunde nicht, aber wie Sie sie und ihre Probleme beschreiben... Es ist einfach etwas, das jeder nachempfinden kann.�
�Ich soll also mein Privatleben ganz London zum Lesen geben?�
�Dann w�re es keine Kolumne. Nat�rlich d�rfen Sie auch Ihre Fantasie einbringen. Das muss ein guter Kolumnist sogar.� Sie rutschte mit dem Stuhl an ihren Tisch und legte die Ellenbogen auf. �Schreiben Sie mir einfach alle zwei Wochen �ber ein Erlebnis, einen Vorfall. Bringen Sie Ihren Sarkasmus, Humor und einige Fakten mit hinein und das war es schon.�
�Ich verstehe trotzdem nicht, wie ich...�
�Passen Sie auf, M�dchen. Machen wir einen Testlauf, ja?� Sie schnappte sich ein Papier, einen Kugelschreiber und begann zu notieren. �Bis in zwei Wochen schreiben Sie mir �ber... Na, was nehmen wir denn... Was ganz einfaches: Shopping in London.� Der Kugelschreiber flog �ber das Papier. �Schreiben Sie einfach �ber das Chaos, das es bereitet, die hinderlichen Touristen, die genervten M�nner... Humorvoll, sarkastisch und f�r jeden nachempfindbar.� L�chelnd reichte sie mir das Papier, auf welchem das von ihr eben Gesagte stand.
Z�gernd nahm ich es entgegen. �Bis wann sagten Sie...�
�Heute haben wir Freitag, nicht? Gut, dann Freitag in zwei Wochen?� Sie lehnte sich wieder in ihrem Stuhl zur�ck. �Wenn ihnen ein besseres Thema einf�llt, lassen Sie es mich wissen. Sie werden nicht festangestellt, sondern freiberuflich f�r mich t�tig sein. F�r jede Kolumne erhalten Sie ein Honorar von... Ja, sagen wir 80 Pfund?�
Meine Augen weiteten sich. 80 Pfund. Zwei Kolumnen im Monat w�ren 160 Pfund! Dann noch das Geld, das ich im Diners verdiente... Ich sah mich wieder schwarze Zahlen schreiben.
�Mehr kann ich Ihnen leider nicht geben�, sagte sie im entschuldigendem Ton. �Sie sind schlie�lich noch Studentin und - was das Schreiben angeht - eine Anf�ngerin.�
�Nein... Nein, das ist hervorragend�, stammelte ich aufgeregt.
�Dann sind wir uns ja einig.� Sie erhob sich von ihrem Platz und kam wieder auf mich zu.
Ich erhob mich ebenfalls und steckte das Papier in meine Tasche.
�Bis �bern�chsten Freitag werde ich einen Vertrag anfertigen lassen. Reine Formsache. Sie verpflichten sich nur dazu, Ihr Geschriebenes ausschlie�lich in unserem Blatt zu ver�ffentlichen. Das bezieht sich nur auf die f�r uns geschriebenen Kolumnen. Wenn Sie nebenher noch f�r andere Zeitschriften oder Verlage t�tig sind, ist das kein Problem. Solange ich nicht ein und dieselbe Kolumne in meiner Ausgabe und einem Konkurrenzblatt finde.�
Wir l�chelten einander an und sie brachte mich zur T�r.
�Miss Rutherford?�, fragte ich, als ich schon beinahe das B�ro verlassen hatte. �Eine Frage h�tte ich noch.�
�Und die lautet?�
�Wieso ich? Ich meine, ich lese selber die Kolumne von Helen Fielding...�
�Wer kennt nicht Bridget Jones?�, lachte sie. �Aber ich wei�, worauf Sie hinauswollen. Sie fragen sich, weshalb ich eine junge Studentin Anfang Zwanzig und keine Single-Karriere-Frau in den Drei�igern m�chte?�
�Genau.�
�Ich m�chte ein neues Zielpublikum finden. Und nicht nur Frauen um die Drei�ig haben Probleme. Keine Bridget, keine Ally McBeal. Nein, wir werden Yvonne Marx von ihrem sogenannten Leben erz�hlen lassen. Au�erdem hat die Brits Weekly bereits zwei Kolumnen: Eine f�r die verheiratete Frau ab drei�ig und eine f�r die M�nner.�
�Danke, dass sie mir diese Chance geben�, klang es sch�chtern aus meinem Hals. �Wenn Sie wollen, ich habe hier noch weitere Arbeiten...� Ich kramte einen Schnellhefter aus meiner Tasche und hielt ihn ihr entgegen.
�Perfekt. Ich werde sie mir heute Abend noch ansehen.� Sie nahm mir den Ordner ab und schenkte mir einen freundlichen Blick. �Aber ich denke, dass Sie mich nicht entt�uschen werden.�
Wir l�chelten einander noch einmal zu und dann schwebte ich geradezu den Gang entlang.
Mein sogenanntes Leben... Das passte irgendwie. Zumindest kam mir mein Leben ziemlich seifenoperm��ig vor, wenn ich an die vergangenen Monate dachte.
Tja London, hier kommt Yvonne Marx vom Brits Weekly und ich bin auf der Suche nach Wahrheiten, L�gen, Fakten, Intrigen, Skandalen... Ach, einfach nach allem, was das Leben zu bieten hat. Fangen wir doch am besten bei mir Zuhause an...
*
Ich war Amber seit meiner Pr�fungsabschlussparty ausgewichen. Nicht weil sie mich mit ihrem Ben-Gefasel nervte oder ich von der Arbeit zu ersch�pft gewesen w�re, sondern weil ich mir ihr gegen�ber wie eine Verr�terin vorkam. Sie war in David verliebt. Wie k�nnte ich ihr gegen�bertreten in dem Wissen, dass ich mit ihm getan hatte, wovon sie tr�umte? Zumal sie mich mit ihren Schw�rmereien f�r David in den Wahnsinn treiben w�rde. Hallo? David ist wie jeder andere Kerl. Wenn nicht noch schlimmer...
Ich hatte mich mit fahlen Ausreden vor Treffen mit ihr gedr�ckt und sie hatte keinen Verdacht gesch�pft. Auch Ben tappte v�llig im Dunklen und nahm an, dass meine Niedergeschlagenheit Ersch�pfung war. Nachdem wir eine Wochelang nur telefonischen Kontakt gehabt hatten, war er Freitag vor meinem Termin bei Alison Rutherford im Diners gewesen und hatte sich daf�r entschuldigt, dass er nicht mit mir geschlafen hat. Wie verbl�fft ich �ber diese Entschuldigung war, kann sich bestimmt jeder denken. Er war vor mir gestanden, hatte geplappert und wirres Zeug geredet und mich schlie�lich f�r den n�chsten Tag um ein Date gebeten. Ich hatte gemeint, ich w�rde ihn am n�chsten Tag anrufen.
Und das hatte ich nicht getan. Stattdessen hatte ich mich bei Rachel zum Tee eingeladen und erz�hlte ihr von meinem neuen Nebenjob. �ber diese Neuigkeit war sie ganz aus dem H�uschen. F�r einen kurzen Moment dachte ich sogar daran, ihr von David zu erz�hlen, unterlie� es aber doch.
Am Abend war ich Zuhause und verbrachte beantwortete eine E-Mail von Andr�. Seit seiner Abreise hatten wir uns zweimal die Woche geschrieben und ich hatte ihn �ber die Geschehnisse auf der Insel auf dem Laufenden gehalten. Doch auch ihm hatte ich nicht von David erz�hlt. Wahrscheinlich w�rde ich dies aber n�chste Woche tun. Freitag w�rde er nach London kommen.
Anschlie�end befasste ich mich mit mir selbst. Ich hatte �ber vieles nachzudenken und das Ergebnis dieser Aktion war: Ich w�rde mich von David nicht unterkriegen lassen! Ich w�rde ihn zwar nicht behandeln wie bisher, aber ich konnte ebenso stark und egoistisch sein wie er. Im Prinzip hatte er mich nicht benutzt, sondern ich ihn. Oder doch eher wir beide einander? Ach, auch egal.
Von meiner Wut mal abgesehen, f�hlte ich keine negativen Empfindungen mehr in mir. Nicht einmal wenn ich an Orlando dachte. Es war okay, in Ordnung. Wegen ihm w�rde ich keine schlaflosen N�chte mehr verbringen. Und wegen David ganz bestimmt auch nicht. Ich hatte meine Lektion gelernt und war mit ihr gewachsen. Es war Zeit f�r Ver�nderungen.
Diese Gedanken hatte ich, als ich Samstagnachmittag bei Tim anrief. Auch zu ihm hatte ich die ganze Woche �ber keinen Kontakt gehabt und er begr��te mich weniger freundlich und fragte, ob ich mich bei ihm ausheulen wollte. Als ich ihn jedoch in meine Pl�ne einweihte, verga� er meinen �Ausrutscher� mit David und kurz darauf waren er und Richy bei mir. Wir hatten sturmfreie Bude. Ideal, um meine Ziele zu verwirklichen...
�Und du bist dir ganz sicher?� Richy stand vor mir und blickte zweifelnd auf mich herunter.
Ich nickte. �Ja, nun mach schon!�
Er seufzte und trat hinter mich. Ich rutschte unruhig auf dem Stuhl herum.
�Ganz sicher?�, fragte er erneut. �Sie reichen inzwischen...�
�Ganz sicher.�
Er sagte nichts mehr. Kurz darauf fielen die ersten Haare zu Boden. Ich sah ihnen nach. Da mein Haar noch feucht war, konnte ich von der neuen Farbe noch nichts erkennen. Der erste Schritt war getan. Richy umkreiste mich, schnitt hier, k�rzte dort und l�chelte mich bei Blickkontakt an. Tim w�hlte sich derweil durch meinen Kleiderschrank. Auf meinem Bett t�rmte bereits ein Berg aus Klamotten, welche wir ausgemustert hatten und in der kommenden Woche entweder in der Altkleidersammlung oder einem Secondhand-Shop landen w�rden.
�Wage es nicht, meine Doc Martens anzur�hren�, grinste ich Tim zu.
�Muffy, die passen aber nicht zu einer zuk�nftigen Pressemaus. Du brauchst Stil!�
�Mag sein, aber die Docs bleiben!�
�Fein, aber nur in der Freizeit, okay?�
�Tim, reich mir mal den F�n�, sprach Richy dazwischen. �Ich bin gleich fertig.�
In den n�chsten Minuten senkte mir Richy nahezu die Ohren an und besprach mit Tim daraufhin mein zuk�nftiges Make Up. Dann setzte er sich auf eine freie Kante des Bettes, zog mich samt Stuhl zu sich und �ffnete den Koffer mit den Schminkutensilien. Ich besah mich derweil im Spiegel. Meine Haare reichten nur noch bis zum Kinn. Das Blond war einmal. Ich sah eine junge Br�nette, deren gr�ne Augen mich eindringlich musterten. Es war jemand anderes, jemand neues. Ich war bereit, die niedergeschlagene Yvonne hinter mir zu lassen. Ich war bereit f�r mein Leben. Mit einem letzten Seufzen nahm ich meinen Blick von dem Spiegelbild.
Richy sah mich einen Moment an, den Schminkpinsel wie einen Revolver auf mich gerichtet, dann l�chelte er sanft. �Magst du erst noch mal ein bisschen heulen, bevor ich dir die Augen schminke?�
�Nein, es gibt nichts, das Tr�nen wert w�re.�
�Auch nicht Bloom?�, fragte Tim.
�Nicht einmal Orlando. Ich bin endlich erwacht. Aber nicht nur aus dem Traum mit Orlando, sondern aus allem.�
Tim blickte forsch zu mir, verzog seine Lippen zu einem erfreuten Grinsen und ging zu meinem CD-Player. �Wir lassen uns niemals unterkriegen, nicht?�
�Niemals!�, antworteten Richy und ich im Chor.
�Vielleicht weinen wir manchmal, aber wir geben nie auf!�
�Nie!�
Tim h�pfte vor Richy und mich in Pose. Inzwischen hatte eine Melodie begonnen und mit einem letzten Grinsen begann Tim zu singen:
�At first I was afraid, I was petrified,
Kept thinking I could never live without you by my side
But then I spent so many nights thinking how you did me wrong
And I grew strong, and I learnt how to get along�
Richy setzte ebenfalls mit ein:
�And so you�re back from out of space
I just walked in to find you here with that sad look upon your face
I should have changed that stupid lock, I should have made you leave your key
If I had known for just one second you�d be back to bother me��
Tim schnappte nach Luft. �Los Muffin!�
Mehr lachend als singend machte ich mit. Timothy heulte bezaubernd die zweite Stimme.
�Go on now go, walk out the door, just turn around now
Cos you're not welcome anymore
Weren�t you the one who tried to hurt me with goodbye
You think I�d crumble, you think I'd lay down and die?
Oh no, not I, I will survive
For as long as I know how to love I know I'll stay alive;
I've got my life to live and I�ve got all my love to give and I'll survive,
I will survive! Hey, hey!�
Oh ja, ich w�rde �berleben. Es gab so viel auf der Welt, das mein Leben lohnenswert machte. Auch wenn M�nner hierbei nicht den ersten Platz hatten. Wenn ich einst glaubte, nicht Orlando leben zu k�nnen, so wusste ich nun, dass ich es konnte, da ich es schon seit geraumer Zeit tat. Es hatte mich zwar all meiner Kraft und St�rke bed�rft, nicht komplett den Halt zu verlieren. Es war harte Arbeit gewesen, die einzelnen Teile meines Herzens wieder zusammenzukitten, aber ich w�rde mich nicht mehr selbst bemitleiden, oh nein.
�And you see me, somebody new�Genau das war ich! Jemand neues!
�I�m not that chained up little person still in love with you� Ganz bestimmt nicht mehr! Ich war nicht mehr naiv und blind aus Liebe zu ihm!
Und w�hrend Timothy und Richy den Rest des Liedes durchhechelten, nahm die neue Yvonne Gestalt an...
*
Sonntagmorgen n�tigte ich Chiar�n und Simon dazu, mit mir zum Brunchen zu gehen. David war zwar nicht Zuhause, weshalb wir h�tten dort bleiben k�nnen, aber ich wollte mein neues Ich pr�sentieren. Was soll ich sagen? Als mich die beiden am Morgen gesehen hatten, trauten sie wohl ihren Augen nicht. Es war kein in Jeans gekleidetes M�dchen mit zottelig hochgesteckten blonden Haaren in die K�che getreten, sondern eine br�nette, adrett in einen Rock eingeh�llte junge Frau. Zudem hatte ich Puder, Lidschatten und Kajal aufgetragen, was bei mir sonst eher eine Seltenheit war. Bei Simon und Chiar�n hatte mein �u�eres jedenfalls Wirkung gezeigt und mir somit mehr Selbstsicherheit gebracht. Auch wenn ich die Sicherheit im Gehen in Schuhen mit h�heren Abs�tzen noch erlernen musste.
Als wir nach Hause kamen, h�rte ich Davids Stimme im Salon. Jedoch entschied ich mich diesmal f�r eine Offensive. Nachdem ich durchgeatmet hatte, schritt ich auf die T�r zu und betrat den Salon. Dort stoppte ich abrupt. David und Monique sa�en k�ssend auf der Couch. Ich stand einfach da und sah ihn an. �berrascht von meinem Erscheinen sahen beide auf. Monique schien mich zun�chst nicht zu erkennen und auch Davids blaue Augen fixierten mich ungew�hnlich lang.
�Salut Yvonne�, l�chelte Monique schlie�lich und umklammerte als Zeichen der Reviermarkierung Davids Hand fest. Mich interessierte dies nicht sonderlich. Das hatte sie mir gegen�ber schon immer getan.
M�dchen, dachte ich mir, du brauchst keine Angst haben. So toll ist er nun auch wieder nicht.
Ich gr��te nicht zur�ck, sondern konzentrierte meinen Blick ganz auf David. Etwas, dass ich in den vergangenen Tagen nicht hatte tun k�nnen. Er erwiderte meinen Blick fest und ich hoffte, dass wir telepathischen F�higkeiten besa�en, damit er meine Gedanken lesen konnte. Damit er wusste, dass er mich mal kreuzweise konnte...
�Ischt allesch in Ordnung?�, fragte Monique und sah misstrauisch von mir zu David und zur�ck.
Sie ahnt etwas. Sie wei� es.
Ich sah David weiter an, doch dieser unterbrach den Blickkontakt und sah ungewiss zu Boden. Eine Tat, welche Monique ein St�ck von ihn wegr�cken und ihn fragend anblicken lie�.
Sag es ihr, David!
David schluckte, sagte aber nichts. Mir war mit einemmal klar, dass ich eben einen Kampf gegen ihn f�hrte. Einen Kampf, den ich gewinnen w�rde. Ich wollte ihn gewinnen.
Du hast mir wehgetan. Nun bin ich dran...
�Okay David, h�r mal...� Weiter kam ich nicht. Simon war hinter mich gest�rmt, hielt mir eine Hand vor den Mund, packte mit der anderen meinen Ellenbogen und zog mich an einem verbl�fften Chiar�n vorbei in mein Zimmer.
�Spinnst du?�, fuhr er mich an. �Was sollte das eben?�
�Glaubst du nicht, dass sie es wissen sollte? Sie ahnt immerhin schon etwas.�
�Mach keinen Schei�, h�rst du?� Simons Augen funkelten zornig. �Ich wei�, dass du gekr�nkt und verletzt bist, aber ich werde nicht zulassen, dass du alles kaputt machst!�
�Du bist auf seiner Seite!�, keifte ich ihn an. �War ja klar, dass M�nner...�
�Herrje, er ist mein Bruder! Und ich werde ihn bestimmt nicht f�r eine Sache bestrafen oder verurteilen, bei welcher ihr beide nicht bei Verstand wart!�
Ich verschr�nkte die Arme vor der Brust und wich trotzig seinem Blick aus.
�Okay Muff, sag mir, was du davon h�ttest, wenn du es ihr sagen w�rdest?� Er klang wieder ruhiger. �Du w�rdest f�r einen Moment gro�e Genugtuung empfinden, aber was dann? Du w�rdest das letzte bisschen Vertrauen, das noch zwischen euch besteht, zerst�ren.�
�Welches Vertrauen?�, fragte ich h�hnisch.
�Er vertraut darauf, dass du die richtigen Entscheidungen triffst.� Simon sah mich einen Moment an und wandte sich zur T�r. �Wenn du ihn auflaufen l�sst, wird alles verloren sein. Und das m�chtest du genauso wenig wie er. Lass ihn einfach in Frieden. Meiner Meinung nach ist er schon genug gestraft.�
Gestraft? Was war mit David? Ich erinnerte mich an meine Gedanken, die ich nach seiner R�ckkehr aus Irland gehabt hatte. Ich hatte mir Sorgen um ihn gemacht. Diese waren mir aber aufgrund der letzten Ereignisse abhanden gekommen.
�Simon!�, hielt ich ihn zur�ck. �Was wei�t du?�
Er sah mich einen Augenblick an. �Mehr als du.�
*
Ich hatte keine Antworten von Simon erhalten, mir allerdings selber das Versprechen gegeben, David in Ruhe zu lassen. Ich hatte mir sogar vorgenommen �ber die Tatsache, dass wir uns zu nahe gekommen waren, hinwegzusehen.
Amber rief mich am ersten Tag der neuen Woche an und verk�ndete euphorisch, dass am n�chsten Abend eine Achtziger-Jahre-Party im Los Locos stattfinden und wir doch alle gemeinsam dorthin gehen sollten. Ihr Enthusiasmus ging auf mich �ber und ich stimmte sofort zu. Leider konnten sich weder Chiar�n noch Simon f�r dieses Ereignis begeistern. David fragte ich erst gar nicht.
Unsere Gruppe schrumpfte nach weiteren Telefonaten mit Rachel, die mir meinen neuen Look nicht glaubte, Charly, Kate, Judy, Matt und Brad schlie�lich auf f�nf Personen. Und diese waren Timothy, Richy, Amber, Ben und ich. Ich freute mich trotzdem auf den Abend mit ihnen. Amber hatte ich schlie�lich lang genug nicht mehr gesehen. Und wie w�rde Ben wohl reagieren, wenn er mich sah? Ob ich ihm gefallen w�rde? Au�erdem hoffte ich, dass ich auf diese Art Tims Argwohn gegen mich abbauen k�nnte. Er wusste n�mlich noch immer nicht, was er von dem David-Muffin-Dilemma halten sollte. Da ich nicht wollte, dass er zu Rachel rannte und ihr alles erz�hlte, gaukelte ich ihm vor, dass alles in bester Ordnung war.
Nach Ambers letzten Best�tigungsanruf meldete ich mich bei Ben und bat ihn darum, mich abzuholen. Da Chiar�n keine weiteren Ann�herungsversuche unternommen hatte, wollte ich mich nicht wieder in einer Illusion verlieren und hatte beschlossen, Ben eine Chance zu geben. Mehr noch. Ich dachte sogar, dass Amber Recht gehabt hatte und wir eigentlich schon zusammen waren.
*
Lachend sa�en wir um einen Tisch, l�sterten �ber andere Besucher des Locos und nippten an unseren Cocktails. Ich sa� nun schon eine ganze Stunde lang neben Ben, der seinen Arm um mich gelegt hatte und mir bei Gelegenheit neckische Bemerkungen ins Ohr fl�sterte. Meine Hand lag auf seinem Oberschenkel und er hatte seine sch�tzend �ber sie gelegt.
Es war ganz leicht gewesen. Mein Herz schien wirklich wieder frei zu sein. Ben hatte mich abgeholt und schon auf dem Weg zur U-Bahn hatten wir einander ge�rgert und uns an den H�nden gehalten. Gut, zun�chst hatte er mich nur angestarrt, als ich durch die T�r kam. Keine Jeans, nein, ein Kleid und hochhakige Sandaletten. So kannte mich eben niemand.
Am Covent Garden trafen wir uns mit den anderen und Amber hatte mehr als zufrieden gewirkt, als Ben w�hrend unserer Begr��ungsunterhaltung besitzergreifend den Arm um mich gelegt hatte. Tim und Richy sahen sich mit hochgezogenen Augenbrauen an und grinsten. Dies war eigentlich ein Zeichen f�r eine beschlossene Sache: Yvonne ist mit Ben zusammen. Wir schlenderten �ber den Platz zu dem kleinen Club und ich erz�hlte Amber und Ben von meinem Treffen mit Alison Rutherford. Beide zeigten sich unheimlich stolz. In Ambers Augen flackerte nur etwas Betr�btheit auf, als Richy fragte, weshalb David, Simon und Chiar�n nicht gekommen waren. Sie hatte in den vergangenen Wochen nicht mehr �ber David geredet, aber ich sah ihr an, dass sie noch immer in ihn verliebt war.
Tja, und dann waren wir auch schon im Los Locos gewesen und Ben und ich sa�en neben einander, als w�rden wir nichts anderes kennen. Tim, Richy und Amber verschwanden hin und wieder auf die Tanzfl�che. Ben und ich blieben am Tisch. Wir k�ssten uns nicht, aber ich lehnte mich an ihn und �berblickte die anwesenden Menschen. Als die anderen einmal vom Tanzen zur�ckkamen, tuschelten sie nerv�s miteinander, doch antworteten sie nicht auf meine Fragen, sondern grinsten d�mlich. Irgendetwas wollten sie verheimlichen. Vielleicht hatte Amber ja ein m�nnliches Objekt gesehen, das ihr gefiel? Sie fl�sterte lediglich Ben etwas zu, woraufhin er die Stirn kraus zog und beunruhigt wirkte, mir jedoch gleich wieder ein L�cheln schenkte.
Mein neues Ich mochte Tanzen. Es machte mir ungemein Spa�, mit Amber auf der Tanzfl�che herumzuhopsen. Wir tanzten zu �I ran�, �Keep me hanging on� und anderen Klassikern. Der DJ legte gerade ein Hitmedley von Cyndi Lauper auf, als ich Trisha am Rande der Tanzfl�che sah. Neben ihr standen Eric und Nancy. Sie sahen mich nicht und wandten sich zum Gehen.
�Amber�, schrie ich meiner Freundin vor Freude ins Ohr. �Dort dr�ben sind Trish, Nancy und Eric!�
Sie sah kurz auf die von mir angedeutete Stelle, blickte jedoch gleich wieder zu mir. �Wo denn? Ich sehe sie nicht.�
�Gleich dort!� Ich zeigte erneut zu ihnen.
�Ich sehe niemanden.� In Ambers Augen lag Unruhe.
Als ich nun hin�ber sah, waren sie weg. Amber schnappte meinen Arm und hie� mich an weiterzutanzen. �Du hast dich geirrt.�
Ich war mir sicher, dass ich mich nicht geirrt hatte. Amber vollf�hrte eine Drehung. Ich wollte nicht mehr tanzen. Ich wollte zu Trisha, Nancy und Eric. Ich hatte sie seit Juni nicht mehr gesehen. Es �berraschte mich, wie sehr ich mich �ber sie freute. Entschlossen machte ich mich auf den Weg.
�Yvonne, wo willst du hin?�, h�rte ich Amber, doch ich achtete nicht auf sie.
Rasch hatte ich mich durch die Menge von der Tanzfl�che begeben und sah mich suchend um. Dann schlug ich den Weg Richtung Bar ein und dort sah ich sie wieder. L�chelnd ging ich auf sie zu.
�Hallo!�, rief ich gegen die Musik.
Trisha hatte mit dem R�cken zu mir gestanden und drehte sich um. Sie sah mich einen Moment verwirrt an, ehe sich ein breites L�cheln auf ihrem Gesicht bildete.
�Yvonne!? Hey, ich fasse es nicht!�
Eric und Nancy strahlten mich ebenso an.
�Mensch, wie geht es dir denn?�, fragte Eric. �Du siehst anders aus.�
�Wie freundlich, du Idiot�, stie� Nancy ihm in die Seite und grinste mir zu. �Yvonne, du siehst gut aus.�
�Dem kann ich mich nur anschlie�en�, drang eine Stimme hinter mir und jemand kniff mir in die Seite.
Als ich mich umdrehte, fand ich mich Christopher gegen�ber. Doch er war nicht allein. Das L�cheln glitt aus meinem Gesicht. Brian stand neben ihm. Und neben diesem Orlando. An seiner Seite stand eine junge blonde Frau. Orlando und ich sahen uns an. Mein Hals schn�rte sich zu und ein Sauerstoffmangel machte sich in mir breit. Stumm verweilten unsere Blicke, w�hrend Cyndi �She-Bop� tr�llerte. Es mussten lediglich Sekunden vergangen sein, aber mir kam es vor, als w�ren es Minuten gewesen. Pl�tzlich dr�ngte sich Amber zwischen uns. Tim und Ben folgten ihr und schenkten der Runde feindliche Blicke.
�Hallo zusammen�, sagte sie in einem �beraus gereizten Ton. �Fein, war nett, euch mal wiederzusehen, aber wir m�ssen nun gehen.� Und damit zog sie mich unsanft am Arm mit sich. Ich versuchte mich in ihrem Griff zu drehen und blickte zu Orlando. Er sah mir nach. Noch ehe es mir gelang, mich von Amber loszurei�en, dr�ngte mich Tim von hinten weiter. Ich hatte keine Chance.
�Yvonne!�, fuhr Amber mich an, als sie und Tim mich zur�ck an den Tisch gezerrt hatten.
�Setz dich sofort hin und wage es nicht, dich von der Stelle zu r�hren!�
Ben sah mich best�rzt an. �Was ist? Hat er dich beleidigt?�
�Was meinst du?�, fragte ich verwirrt und suchte �ber die K�pfe der Besucher hinweg nach Orlando.
�Hat er was zu dir gesagt? Hat er dich wieder angegriffen?�
Ich sah ihn an. �Nein. Woher wusstest du, dass...?�
�Von mir nat�rlich.� Amber setzte sich. �Ich habe dieses Pack vorhin schon gesehen, aber ich dachte, sie w�rden gehen.�
�Und du hast mir nichts gesagt?� Nun wurde ich zornig. �Du wolltest nicht, dass ich ihm begegne?�
�Muffin�, sagte Tim im schlichtenden Ton. �Wir hielten es nicht f�r angebracht, zumal er in Begleitung zu sein scheint. Au�erdem hat er nicht einmal mit dir geredet.�
�Vielleicht kennt er dich nicht mehr�, meinte Richy d�mlich, der aus unserer Unterhaltung zu erschlie�en versuchte, was geschehen war. Er schien lediglich zu wissen, dass ich Orlando gesehen hatte. Amber musste nach meinem Abgang sofort an den Tisch gest�rzt sein und Alarm geschlagen haben.
�So sind die eben�, fuhr Tim fort. �Kaum bist du nicht mehr in ihrem Bett, vergessen sie deinen Namen.�
�Wieso zur H�lle habt ihr mir nichts gesagt? Das ist nicht fair!� Ich sah sie w�tend an. �Ihr wisst genau, was zwischen uns gewesen ist! Ihr wisst, dass ich noch so viele Fragen an ihn habe. Ihr h�ttet es mir sagen m�ssen und nicht versuchen, mich vor ihm zu verstecken. Dass habe ich schon lange genug selber getan.�
Reum�tig wichen sie meinen Blicken und Anschuldigungen aus. Sie sagten nicht. Der Zorn in mir ging in Nervosit�t �ber.
�Ich muss mal eben raus�, sagte ich. �Ich kann hier nicht denken.�
Amber stand mit mir auf. �Ich gehe mit dir.�
Ich hatte eigentlich raus auf die Stra�e gewollt, doch Amber hatte dies missverstanden und schob mich durch die hinteren Schwingt�ren des Clubs zu den Toiletten. Ich trat an einen der Waschtische und lie� kaltes Wasser �ber meine H�nde flie�en. Amber beobachtete mich beunruhigt, verschwand aber nach kurzer Zeit in einer der Toiletten.
�Yvonne�, sprach sie, um sicherzugehen, dass ich nicht weglief. �Andr� hat auch gesagt, dass du von ihm fernbleiben sollst, das wei�t du doch. Du bist noch nicht soweit.�
Ich fuhr mir nerv�s durch die Haare, w�hrend Amber durch die geschlossene Kabinent�r weiter dummes Zeug von sich gab: Sie h�tten es nur gutgemeint und an Orlandos Reaktion h�tte ich doch gesehen, was er von mir h�lt. Ich wollte das alles nicht h�ren. Jedes einzelne Wort von ihr ging mir auf die Nerven. Ich begann zu zittern und ein Schauer �berkam mich.
Er ist drau�en vor der T�r, ich wei� es. Ich sp�re ihn geradezu.
Orlando. Heute Abend sah ich ihn endlich wieder und er war nicht alleine. Wer war diese Blondine gewesen? Die Frau aus Australien? Andr� hatte doch gesagt, dass es niemanden gab. Mein Herz schmerzte, als w�rde es von zehntausend Nadeln durchbohrt werden. Ich musste wieder einmal erkennen, dass ich nicht so schnell vergessen konnte, wie ich mir gegen�ber selber vorgab. Zumindest verga� ich nicht so schnell wie er, wie es mit uns beiden gewesen war.
Meine Arme st�tzten sich an den Beckenrand und ich blickte mich im Spiegel an. Dort sah ich nicht die Yvonne, die er auf dem Gr�ngel�nde vor der Universit�t zur�ckgelassen hatte. Ich sah die neue, andere Yvonne. Eine Yvonne, die stark genug war, es mit ihm aufzunehmen. Eine Yvonne, die endlich Antworten auf ihre damals unerkl�rten Fragen wollte. Und davon hatte sie eine ganze Menge. Ich lie� Amber weiterreden und ging aus der Toilette.
Er wartete an der T�r, die in den Club f�hrte und sah auf, als er das Klappen der Toilettent�r h�rte. Ich blieb stehen und es fiel mir schwer, wenn gar unm�glich, ihn anzuschauen und weiterzuatmen. Aber in mir regte sich das Gef�hl, dass es ihm genauso erging wie mir. Soviel zum Thema innere St�rke und Kraft... Nein, das Ganze fing von vorn an und ich begehrte ihn sogar noch mehr.
Langsam kam er auf mich zu und seine Augen glitten an meiner Gestalt herab. Eine Tat, die mich nahezu verr�ckt machte. Ich schluckte und warf ihn telepatische Beschw�rungen zu:
Verdammt! Zieh mich nicht mit den Augen aus. Davon habe ich nichts! Du wei�t genau, wie es unter den Klamotten aussieht. Und wenn du noch n�her kommst, wei� ich nicht, was ich tun werde... Aber wahrscheinlich schlie�e ich dann meine Augen und sage: K�ss mich endlich! Vergiss was war und dass es mit uns schief ging. Egal was passierte, ich vermisse dich noch immer und ich habe die ganze Zeit nur an dich gedacht.
Ich kam nicht dazu etwas zu sagen. Stattdessen trat ich ihm entgegen und dann, ganz ohne Worte, wussten wir es beide und k�ssten uns. Ich sp�rte die weiche Haut seiner Hand an meinem Kinn. Seine Hand! Gott, wie hatte ich das vermisst! Er hielt mein Gesicht mit beiden H�nden und k�sste mich weiter. So, wie er mich immer gek�sst hatte und wie ich gek�sst werden wollte. Und seine Lippen schmeckten so sehr nach ihm. Nach Orlando eben. Es war wie Leben, Energie, Sonnenw�rme. Meine Arme legten sich um seinen Hals und ich zog mich dichter an ihn heran. Um mich herum drehte sich alles und ich ging in einem Schleier aus seinem Geruch unter.
�Tiger-Lily�, murmelte er zwischen unseren K�ssen. �Meine kleine, s��e Tiger-Lily... Wo warst du nur?�
�Ich war die ganze Zeit hier. Immer war ich hier.�
Meine Finger fuhren durch sein Haar zu seinem Nacken und hielten ihn fest. Ich ber�hrte ihn wieder, sp�rte wieder seine warme Haut an meiner. Er war wieder hier, hier bei mir. Er war zur�ckgekommen.
Pl�tzlich lie� er mich los und wich einen Schritt zur�ck. �berrascht blickte ich zu ihm auf, aber er sah �ber mich hinweg zu Amber, die aus der Toilette kam. Ich sah sie ebenfalls kurz an, senkte meinen Kopf dann schuldbewusst zu Boden. Doch ihre k�hle Art lie� mich wissen, dass sie wusste, was hier eben geschehen war. Orlando und ich traten beide nerv�s von einem Fu� auf den anderen.
�Orlando�, sagte Amber eisig und nickte ihm zu.
�Amber.� Orlando nahm eine versteifte K�rperhaltung ein und bedachte sie mit der gleichen K�lte. �Also, es war sch�n, dich wiederzusehen�, sprach er dann zu mir, drehte sich um und ging in den Club zur�ck.
Ich sah ihm nach, ehe ich mich an Amber wandte. �Amber, h�r zu...�
�Ich will nichts h�ren, okay?�
�Amber, ich wei� nicht...�
�Nein, ich will nichts davon wissen�, unterbrach sie mich. �Wie kannst du nur? Du bist mit Ben hergekommen. Und nun? Nun finde ich dich wieder in den Armen dieses... Herrje!� Sie fluchte und zog mich mit sich. �Lass uns gehen. Ich halte es hier keine Sekunde l�nger aus.�
Ich stolperte hinter ihr her in den Club zu Richy, Tim und Ben. W�hrend Amber ihnen sagte, dass wir gehen wollten, sah ich mich nach Orlando um. Wo war er nur? Ich hatte ihn doch eben erst wieder gefunden. Sollte ich ihn bereits wieder verloren haben?
Als mich die anderen zum Ausgang bugsiert hatten und wir auf der Stra�e nach einem Taxi Ausschau hielten, sah ich ihn. Er stand nur einige Meter von uns entfernt mit Trisha, Nancy, Eric, Chris und der Blondine und verabschiedete sich von diesen. Schlie�lich kam Brians BMW an den Stra�enrand gefahren und Orlando machte sich daran einzusteigen. Er hatte die Hand noch an der T�r, als er zu mir her�bersah. Ich erwiderte seinen Blick und wagte ein zaghaftes L�cheln, welchem Sekunden der Hoffnung und Angst folgten. Und dann kam von ihm dieser Blick zur�ck, ehe er ganz im Wagen verschwand. Mit einemmal war mir klar, dass es wieder so sein k�nnte, wie es mal war, wenn ich nur wollte. Wollte ich es? Ich hatte mich doch von ihm befreit. Das hatte ich doch, oder? War das etwa nur Einbildung gewesen? Nein, ich kannte die Antwort.
Ich sah dem Auto nach und dann wieder zu Eric und den anderen. Orlando war nicht mit der Blondine gegangen. Er hatte ihr zum Abschied lediglich die Hand gegeben. Sie geh�rte nicht zu ihm. Er verbrachte die Nacht also allein. Allein in Notting Hill und ich wusste, wo genau ich in antreffen k�nnte...
�Yvonne? Alles okay?� Ben stupste mich in die Seite und l�chelte mir zu.
Ich nickte und folgte ihm zu dem Taxi, welches bei Tim gehalten hatte.
In der Camden Hill stieg Ben mit mir aus, wor�ber ich mich ziemlich unbehaglich f�hlte. Amber warf mir einen mahnenden Blick zu, ehe das Taxi mit ihr und den anderen weiterfuhr. Kaum war das Auto au�er Sicht, nahm Ben meine Hand, zog mich an sich und versuchte mich zu k�ssen. Er wollte dort weitermachen, wo wir einst aufgeh�rt hatten. Und ich hatte ihn den Abend �ber auch noch dazu animiert.
�Ben, nicht�, sagte ich und schob ihn von mir.
�Was hast du?�, fragte er verwirrt.
�Nichts. Ich m�chte nur nicht.�
�Du m�chtest nicht was?� Er sah mich abwartend an und ich wich seinem Blick aus.
�Ich m�chte das hier nicht...�
�Wir k�nnen auch zu dir raufgehen�, unterbrach er mich l�chelnd und zog mich wieder an sich.
�Nein, du verstehst nicht. Ich m�chte das hier nicht!�, wiederholte ich und befreite mich aus seinen Armen. Dann lief ich unruhig um ihn herum.
�Yvonne? Was ist los?�
�Ich wei� es nicht�, antwortete ich, aber ich wusste es. Ich wusste, dass ich zu Orlando wollte.
Ben sah mich an und schien meine Gedanken zu lesen. �Sch�n. Was habe ich heute Abend verpasst? Ich wei�, dass dein toller Ex wieder hier ist. Schlie�lich habe ich ihn selbst gesehen. Aber ich dachte, dass das kein Problem mehr w�re.�
�Das dachte ich auch�, sagte ich leise zu mir, aber er h�rte es trotzdem.
�Moment�, begann er und sah mich ungl�ubig an. �Du hast ihn heute doch nur gesehen. Ich meine, du hast ihn zuvor auch im Fernsehen und auf Titelbl�ttern vor der Nase gehabt.�
�Das kann man nicht vergleichen�, versuchte ich zu erkl�ren. �Er war hier. Er war so nah bei mir.�
�Er war auf der anderen Seite des Raumes! Gut, du hast f�r etwa eine Minute vor ihm gestanden, aber da hat er nicht mal �Hallo� zu dir gesagt. Ich glaube nicht, dass man da von N�he sprechen kann.� Ben sch�ttelte den Kopf und dachte weiter nach. Pl�tzlich sah er mich finster an und ich wusste, dass er das Puzzle zusammengef�gt hatte. �Was ist geschehen, als du mit Amber auf der Toilette warst?�
Ich senkte den Blick zu Boden.
�Du hast ihn dort gesehen?�
Ich nickte, noch immer zu Boden blickend.
�Yvonne, schau mich an! Was war?�
Als ich aufsah, hatte ich Tr�nen in den Augen. Wieder geriet mein Leben au�er Kontrolle; und wieder war Orlando der Grund daf�r.
�Oh Gott! Was habt ihr gemacht? Habt ihr es etwa auf der Toilette getrieben?� Ben wurde lauter und aggressiv.
�Nein, das haben wir nicht�, brachte ich hervor, aber sagte nicht, dass ich das wohlm�glich gerne getan h�tte.
�Wie nett, dass ihr das nicht getan habt, aber f�r wie bl�d h�ltst du mich? Was glaubst du...�
�Wir haben uns gek�sst.�
Bens Redeschwall verstummte und er sah auf mich hinunter. �Wo ist das �nur�?�
�Bitte?�
�Du hast das �nur� vergessen.�
�Welches �nur�?�, fragte ich unverstanden.
�Du wei�t schon. Du sagtest nicht: Wir haben uns nur gek�sst.� Ben entfernte sich einen Schritt, sah mich aber weiterhin an.
�Ich sagte es nicht, weil es nicht der Wahrheit entspr�che.�
�Das hei�t?�
Ich atmete tief durch, sammelte meinen ganzen Mut und sah ihn an. Es war Zeit f�r die Wahrheit, �ber welche ich mir eben selbst im Klaren wurde. �Du musst mir verzeihen, dass ich ihn noch liebe.�
�Ach tats�chlich?�, fuhr Ben mich an. �Ja, dann eilst du besser zu ihm, bevor er wieder wegen irgendeinem Job ins Ausland abzischt!�
�Ben, bitte.� Ich griff nach seinem Arm und hielt ihn fest. �Versteh doch! Ich bin total durcheinander.�
�Das scheint bei dir ja geradezu ein Dauerzustand zu sein.�
�Himmel! Ich kann doch nichts daf�r!�
�Doch! Du musst dich nur endlich entscheiden!�, herrschte er.
�Und eben das kann ich nicht! Ich glaubte, dass ich mich bereits entschieden h�tte, aber die Begegnung mit ihm hat mich eines Besseren belehrt.� Ich lie� seinen Arm los, strich nochmals sanft mit der Hand dar�ber und suchte seinen Blick. �Ben, vielleicht sollten wir uns vorerst nicht mehr sehen.�
Er riss die Augen auf und sah mich an, aber ich sprach in ruhigem Ton weiter.
�Ich m�chte dir gegen�ber fair sein, verstehst du? Ich brauche doch mehr Zeit, als ich annahm. Au�erdem werde ich mit Orlando sprechen m�ssen, um zu einer Entscheidung zu kommen.�
�Du willst also tats�chlich zu ihm?�
�Ich muss. Sonst werde ich immer auf ein und derselben Stelle treten.�
�Und wenn er dich liebt? Wirst du bei ihm bleiben?� Es hatte ihn �berwindung gekostet, diese Fragen zu stellen.
Ich antwortete nicht, sah ihn nur an.
�Ich gebe dich nicht auf�, sagte Ben mit leicht verzweifeltem Unterton.
�Ich wei� nicht, ob ich das wert bin. Du wei�t nicht, was ich alles getan habe. Dinge, die dich sehr verletzen werden, wenn du sie je erf�hrst.� Wieder f�llten sich meine Augen mit Tr�nen und ich dachte an die Nacht mit David.
�Das ist mir egal. Ich werde nicht kampflos zur Seite treten und warten, bis du dich entschieden hast, wen du willst.�
�Es hat nichts mit wollen zu tun, Ben. Im Leben will man so viele Dinge. Die Frage ist nur, was man bekommt. Au�erdem entscheidet nicht nur der Kopf, sondern auch die Gef�hle, das Herz. Und auf letztere beide habe ich keinen Einfluss.�
�Ich verstehe�, nickte er. �Dann setz dich bitte mit deinem Verstand und Herz zusammen und sprecht euch ab. Ich kann nur wiederholen, dass ich warten werde.�
Er l�chelte nun und ich streckte mich und fuhr ihm mit der Hand �ber die Wange. �Danke.�
�Beeil dich nur ein bisschen, ja?�
Wir l�chelten uns an und dann b�ckte er sich herunter und k�sste mich fl�chtig, ehe er ging. Schweratmend sah ich ihm hinterher. Armer Ben, aber er hatte keine Chance. Daf�r konnte er nichts. Das war allein Orlandos Schuld.
�rgerlich trat ich gegen das Treppengel�nder und ging nach oben in die Wohnung. Es war besser, nicht zu Orlando zu gehen. Nicht mit all dem Wirrwarr in meinem Herzen und dem Verlangen und der Begierde s�mtlicher K�rperteile. Nein, ich w�rde den Zeitpunkt bestimmen und dieser war nicht heute Nacht. Aber um eine Konfrontation mit ihm w�rde ich nicht kommen. Die war schon lange �berf�llig � und ich wollte sie mehr als andere.