Part 32


Road to nowhere

Der Regen prasselte gegen die Fensterscheibe, Blitze durchzuckten die Dunkelheit und Donner polterte in der Luft. Ich sa� in eine Decke gewickelt gegen die Wand gelehnt auf dem Boden und starrte zum Fenster.
Wieder war langsam eine weitere Nacht eingebrochen und erf�llte mich mit Einsamkeit. Vorsichtig zog ich die Decke straffer um meinen K�rper und belog mich wie so oft in letzter Zeit selber, sp�rte die angenehme W�rme und machte mir vor, dass Orlando mich in seinen Armen hielte. F�nf Wochen waren vergangen. F�nf Wochen war es nun her, dass ich ihn zum letzten Mal gesehen hatte. Real gesehen hatte. Nat�rlich erblickte ich sein Gesicht auf diversen Zeitschriften und auch sah ich die Aufzeichnung einer Preisverleihung auf MTV, bei welcher Orlando eine Auszeichnung gewonnen hatte. Er war nicht pers�nlich anwesend gewesen, da er noch immer in Australien drehte, aber MTV hatte ein Video mit seiner Dankesrede eingespielt. Ich war damals auf der Couch gelegen und hatte geweint. So, wie ich es zu oft tat, seit er fort war. Ich glaubte selber, dass ich allm�hlich verr�ckt wurde, schlief sehr schlecht und hatte das Gef�hl immer tiefer zu sinken. Ich konnte nicht glauben, dass er fort war...
F�nf Wochen... So viel Zeit war vergangen und doch war nichts geschehen. Mein Leben stand nahezu still. Trauer und Schmerz um die verlorene Beziehung erf�llten mein Herz. Tr�stend waren meine Freunde in all der Zeit bei mir und ich dankte es ihnen im Stillen. Ohne sie w�re ich ganz allein, obwohl ich mich sowieso von allem Guten verlassen f�hlte.
Mein Denken galt allein Orlando. Wo immer ich auch war, ging er in Gedanken mit mir. Was immer ich auch tat, er wich nicht von meiner Seite. In mir wuchs sehnlichst der Wunsch, wieder mit ihm vereint zu sein, ihm das zu geben, was er wollte, die zu sein, die er brauchte.
Ich sah den Schatten nach, die �ber die W�nde krochen. Sie wirkten be�ngstigend, als wollten sie nach mir greifen und mich mit in die Dunkelheit rei�en. Ich wollte aufstehen und weglaufen, zu Orlando gehen, aber die grellen Blitze schlugen meinen Willen und ich blieb in Gedanken verloren sitzen. Zu lange schon konnte ich mich nicht aufraffen und wusste nicht, wie ich verhindern k�nnte, noch tiefer zu fallen. Die einfachste L�sung w�re wohl mit meinen Freunden �ber meine Pein zu sprechen, aber ich konnte, wollte und traute mich nicht. F�nf Wochen waren vergangen und ich sp�rte, wie die anderen langsam ungeduldig wurden.
F�nf Wochen... Ihrer Meinung nach hatte ich gen�gend Zeit in Selbstmitleid und Orlando-Trauer verbracht. In jener Zeit war ich an den Abenden nie fort gewesen, hatte keinen Club, keinen Pub besucht, keinen Film im Kino gesehen. Mein Zimmer war meine Fluchtst�tte, dort verharrte ich und versank in Gedanken und Erinnerungen. Doch so mehr mich meine Freunde dr�ngten mein Leben wieder in die Hand zu nehmen, desto mehr zog ich mich zur�ck.
F�nf Wochen lang hatten Amber, Rachel, Timothy, Simon und David mir zugeh�rt. F�nf Wochen lang war ich vor jedem in Tr�nen ausgebrochen und hatte gesagt, wie sehr ich unter der Trennung litt. Zu Beginn hatten sie versucht mich zu beruhigen, waren zu jeder Tageszeit f�r mich da gewesen. Nun, f�nf Wochen sp�ter, neigte ich sie mit meinem Gejammer und Selbstmitleid zu nerven. W�rde ich nicht bald wieder auf die Beine kommen, w�rde ich wohl nicht nur meinen Freund, sondern auch meine Freunde verlieren. Aber wie k�nnte ich diesem Sog entrinnen?
Ich zog die Knie enger an meinen K�rper, legte den Kopf auf diese und lie� den Tr�nen freien Lauf. Wie kann die Liebe zu einem Menschen nur so hell scheinen und solch einen Schatten auf meinem Leben hinterlassen? Ich war so von ihm geblendet, obwohl er schon so lange nicht mehr hier war...
F�nf Wochen... Nie w�rde ich bei einer Ber�hrung so viel empfinden, wie ich bei seinen Ber�hrungen empfunden hatte. Nie w�rde ein Kuss nach so viel schmecken, wie seine es getan hatten. Orlando hatte eine T�r zu meinem Inneren ge�ffnet. Eine T�r, welche ich nie h�tte �ffnen k�nnen. Doch au�er Gl�ck und Liebe hatten sich auch andere Dinge durch diese T�r geschlichen. Ich fasste in mein Haar und schluchzte lauter. Was soll ich nur mit dieser Vision von dir tun, Orlando?
F�nf Wochen und kein Ende in Sicht. F�nf Wochen lang schleppte ich mich nun durch mein Leben und versuchte, diesem eine neue Richtung zu geben. Eine Richtung ohne Orlando. Alles, was mich an ihn erinnerte, hatte ich in einen alten Schuhkarton gepackt und diesen unter mein Bett geschoben. Dies zu tun war einfach gewesen. Aber leider konnte ich meine Gedanken nicht auch so locker aus meinem Hirn nehmen und au�er Reichweite unter mein Bett schieben. Ich dr�ckte mein Gesicht in die Decke, welche willig meine Tr�nen aufnahm. Der tr�be Rauch, der mein Denken seit f�nf Wochen einnebelte, verzog sich ein wenig und lie� ein neues Bild vor meinen Augen zu. Ein Bild aus vergangenen Tagen. Ein verblasstes �Gestern�...

....Ich schlich �ber den Flur, eine blaue Decke wie ein alter Indianerh�uptling um mich geschlungen. Pl�tzlich kam Orlando aus dem Bad gesprungen, umklammerte mich von hinten mit einem Arm und wirbelte mich herum. Erschrocken quiekte ich los und zappelte in seiner Umarmung. Als ich wieder Boden unter den F��en hatte, l�ste ich mich von ihm und taktierte ihn mit dem Zipfel der Decke. Orlando entriss mir diesen, packte das andere Ende der Decke ebenfalls und zog mich wieder an sich. �Wo willst du hin?�, fragte er zwischen unseren K�ssen. �Zu dir. Wo sollte ich sonst hinwollen?�, hatte ich geantwortet. Seine Lippen unterbrachen ihre T�tigkeit und er l�chelte mich an. Dann schob er seine H�nde zwischen die Decke und meine Schultern und streifte den l�stigen Stoff von diesen, ehe wir uns k�ssend und kichernd zur�ck in das Schlafzimmer begaben...

Ein greller Blitz zerschlug die Dunkelheit und meine Erinnerung an einen Abend bei Orlando. Wieder fuhr ich mir durch das Haar und schaute gedankenverloren durch das Zimmer. Jener Abend, an welchen ich eben gedacht hatte, lag l�nger zur�ck als f�nf Wochen. Da war er noch hier gewesen, bei mir gewesen.
F�nf Wochen... F�nf Wochen sind im Vergleich zur Ewigkeit ein Nichts. Dennoch kann in f�nf Wochen sehr viel geschehen. Vor allem wenn das Leben um dich herum weitergeht, w�hrend du auf ein und derselben Stelle trittst.
F�nf Wochen... Was war noch geschehen, au�er dass er fort war und meine Freunde allm�hlich die Geduld mit mir verloren?
Das Fr�hlingswetter wich immer mehr den warmen Tagen des bald zu erwartenden Sommers. Mein Semester neigte sich dem Ende zu und die Pr�fungen r�ckten n�her. Ich arbeitete noch immer f�r ein l�cherliches Gehalt im �Diners� und versuchte damit meine Schulden abzubezahlen. Elvis regierte die Charts, obwohl er seit Jahren tot war.
Die englische Mannschaft war sehr zu Simons Frust aus dem Viertelfinale der Fu�ballweltmeisterschaft geflogen. Er, Mike und David gaben hierf�r Beckham die Schuld, der ihrer Meinung nach sicher die meiste Zeit �ber von seinem Posh Spice abgelenkt und deshalb nicht bei der Sache gewesen war. Mir pers�nlich war das Ganze ziemlich egal. Fu�ball interessierte mich nicht sonderlich. Aber was interessierte mich �berhaupt?
Was war noch geschehen? Rachel hatte damit begonnen, den F�hrerschein zu machen. Dave hatte ihr gedroht, das Auto zu verkaufen und das war Ansporn f�r sie, die Sache zum dritten Mal in Angriff zu nehmen.
Timothy und Richy liebten sich mehr als zuvor und planten nun ernsthaft zusammenzuziehen. Da sie sich nicht entscheiden konnten, welcher der beiden seine Wohnung aufgeben sollte, wollten sie nach einer neuen Wohngelegenheit Ausschau halten.
Simon hatte eine Zusage �ber einen Studienplatz f�r den Fachbereich Allgemein Medizin an der St. Bartholomew�s Medical School bekommen und w�rde ab Herbst seine Karriere als Mediziner antreten. Hocherfreut war er durch die Wohnung geh�pft und hatte mir erz�hlt, als was er sich selber sehen k�nnte: Chirurg oder Psychologe oder An�sthesist. Trotz des positiven Bescheides und seiner Freude bat er mich, noch nichts zu David und den anderen zu sagen. Dies war kein Problem f�r mich, da ich momentan alles andere als gespr�chig war.
David war nun bereits �ber drei Monate mit dieser Franz�sin zusammen und kaum in der WG anwesend, da er sich ganz auf seine Ausstellung konzentrierte. Doch da war noch etwas anderes, �ber das er sich Gedanken machte. Ihn zu fragen wagte ich nicht. Wenn David nicht von selbst �ber eine Sache sprach, war nichts aus ihm herauszubekommen. Seine Freundin verbrachte nun nahezu jedes Wochenende in der WG. Ich gew�hnte mich daran, dass Monique bei uns war, aber sie gew�hnte sich nicht an mich. Wieso auch immer... W�hrend ich ihre Anwesenheit mit Gleichg�ltigkeit hinnahm, bedachte sie mich mit Blicken, bei denen sich wohl jeder Verbrennungen dritten Grades zuziehen w�rde.
Amber war noch immer in David verliebt und mit jedem Tag verst�rkte sich dieses Gef�hl. Aber aufgrund meiner momentanen Situation war ich nicht in der Lage, irgendetwas f�r sie zu tun, um sie und David zusammenzubringen. Sie redete nicht viel �ber ihre Zuneigung f�r ihn, aber man konnte es ihr langsam ansehen. Mit sehns�chtigen Blicken beobachtete sie jede seiner Bewegungen und ich wusste, was sich durchmachte. Sie litt ebenso wie ich, wenn auch etwas anders. Aber. dies f�hrte uns mehr zusammen. Sie litt, weil sie jemanden liebte, der sie nicht einmal wahrnahm und nicht wusste, wie sie es ihm sagen sollte, da er zu allem �bel auch noch eine nahezu perfekte Freundin hatte. Ich litt, da ich jemanden liebte, der mich nicht wollte. So etwas verbindet einfach. Wir sprachen zwar kaum dar�ber, aber wir konnten nachempfinden, wie sich die andere f�hlte.
Zwei negative Ereignisse waren meiner Trennung mit Orlando gefolgt.
Zu einem br�ckelte die Freundschaft zu Eric, Trisha, Nancy und Christopher. Am Wochenende nach meinem Geburtstag hatten wir uns getroffen. Nat�rlich wussten sie von Orlando und mir. Peinliches Schweigen hatte zwischen uns geherrscht und dann hatte Chris gemeint, dass wir uns vielleicht in n�chster Zeit nicht mehr treffen sollten. Auch Eric sagte dies. Sie seien immerhin Orlandos Freunde und w�ssten nicht, ob es ihm gegen�ber fair w�re. Auf der einen Seite verstand ich sie, auf der anderen Seite war diese Offenbarung ein Tritt unter die G�rtellinie. So hatte ich die vier ebenfalls lange nicht mehr gesehen. Dass ich nicht mehr fortging war f�r David und Simon nichts Neues, doch erkundigten sie sich neugierig, weshalb Eric, Chris, Trisha und Nancy nie bei mir vorbeikamen, so wie Amber und Andr� es taten. Ich erkl�rte ihnen die Situation und das es f�r die anderen eben auch nicht einfach w�re, da sie mit Orlando schon l�nger befreundet waren.
�Na, mit solchen Leuten bist du ja total gesegnet�, lachte Simon sarkastisch. �Vielleicht solltest du dir ein paar mehr Freunde suchen. Dann hast du eine gr��ere Auswahl.�
�Ich habe mehr Freunde als du!�, widersprach ich zornig.
�Zu schade, dass unter diesen Freunden keine menschlichen Wesen sind.�
�Danke Simon, und was sind dann wir?� David war damals dazu gekommen und unterbrach meine und Simons Diskussion.
�Wir? Wir sind einfach nur zu gutm�tig�, hatte Simon ihm geantwortet.
Es hatte noch weitere Scherereien wegen dieser Sache gegeben, aber die Tage verstrichen und da man von den Vieren nichts h�rte, waren sie sehr bald uninteressant geworden. Und unter diesen Umst�nden fragte ich mich, ob sie je meine Freunde gewesen waren, oder ob sie mich lediglich als Orlandos Freundin oder Aff�re geduldet hatten.
Was war eigentlich echt gewesen in den vergangenen Monaten? Orlando? Manchmal glaubte ich, dass alles mit ihm nur getr�umt zu haben, aber dann sah ich Amber und wusste, dass dies nicht so war. Sie war mir gebleiben. Orlando hatte zu mir geh�rt und ich zu ihm. Und tief in mir tat ich das noch immer. Das andere traurige Ereignis war Andr�s Abreise gewesen. Letzte Woche hatten Amber und ich ihn zum Flughafen gebracht. Es war ein grausamer Abschied gewesen. Zwar w�rden wir telefonieren und Andr� versprach, wenn m�glich jedes zweite Wochenende nach London zu kommen, aber mit ihm ging meine einzige Verbindung zu Orlando. Durch Andr� erfuhr ich Neues �ber ihn. Orlando hatte ihn seit der Trennung sechsmal angerufen und mein Herz klopfte stark als Andr� mir erz�hlte, dass Orlando jedes Mal nach mir gefragt hatte. Er hatte sich erkundigt, wie es mir gehen w�rde und ob ich bereits jemand anderen kennen gelernt hatte. Als ob dies in meinen vier W�nden m�glich w�re. Anders gesagt: ich wollte gar keinen anderen kennen lernen, ich wollte ihn.
Andr� konnte diese Gedanken bereits aus meinen Gesicht lesen und jedes Mal, wenn mein Blick ihn fragte, ob Orlando und ich noch eine Chance h�tten, antwortete er:
�Habe noch etwas Geduld und gib ihm Zeit. Der Junge f�ngt langsam an nachzudenken. Lass ihm Zeit!�
Und genau das war das Einzige, das ich zu tun gedachte. Das, und nicht vergessen zu atmen, um Orlandos R�ckkehr nicht zu verpassen...
�Muffin?�
Ich sah in die Richtung, in welcher ich die T�r wusste. Simons Stimme drang durch die Dunkelheit.
�Ja�, kr�chzte ich zur Best�tigung meiner Anwesenheit.
Es polterte, Simon fluchte und ich nahm an, dass er �ber einen meiner Schuhe gestolpert sein musste. �Fuck! Wo bist du denn?�
�Hier�, antwortete ich lahm und mir war klar, dass ihm das nicht gerade weiterhalf. Also schob ich mich an der Wand nach oben und machte die Schreibtischlampe an.
�Ach, dort versteckst du dich.� Mit durch das Licht zur�ckgewonnener Sicherheit kam er zu mir her�ber, w�hrend ich wieder zu Boden sank.
�Ich verstecke mich nicht. Ich vegetiere nur vor mich hin.�
�Oder so.� Simon grinste und setzte sich vor mich auf den Boden. �Hier, ich habe dir was zum Essen mitgebracht.� Er hielt mir eine braune Papiert�te vor das Gesicht.
�Danke Simon, aber ich bin nicht hungrig.� Demonstrativ ablehnend zog ich mir die Decke wieder um den K�rper.
Simon achtete nicht auf meine Worte und begann stattdessen damit, die Burger vor uns auszupacken.
�Es wird nicht besser, oder?, fragte er, nachdem er zwei Bissen von seinem Cheeseburger genommen und einen anderen Burger vor meine F��e geschoben hatte.
�Wie kommst du darauf?�
�Ich kann es sehen. Langsam solltest du echt dar�ber hinwegkommen.�
��ber was hinwegkommen?� Herausfordernd sah ich ihn an.
�Na, �ber Bloom. Ist schon ne Weile her...�
�Daran brauchst du mich nicht erinnern.�
�Das ist auch nicht n�tig. Du erinnerst dich selbst st�ndig daran.� Er widmete sich wieder seinem Essen.
�Ich kann eben noch nicht...� Weiter kam ich nicht. Schon schluchzte ich wieder in die Decke.
�Muffin, bitte h�r auf�, bat mich Simon mit sanfter Stimme. �Das bringt doch nichts au�er roten und verheulten Augen. Und damit siehst du alles andere als anschaulich aus.�
�St�r Muffel nicht beim Aufbau ihres Zweiteinkommens�, h�rten wir eine Stimme. Lautlos wie immer hatte David den Raum betreten.
�Zweiteinkommen?� Simon blickte seinen Bruder irritiert an, welcher vor uns trat und zu uns nach unten sah.
�Salzgewinnung�, antwortete er knapp. Nicht nur Simon, auch ich sah David nun mehr als d�mlich an.
�Was ist denn daran so schwer zu verstehen?�, wollte er von uns wissen. �So viel, wie sie in diese arme Decke reinheult... Und Tr�nen beinhalten nun einmal Salz. Die Decke kannst du auswringen und zur Salzproduktion verwenden.�
�Kann man damit reich werden?� Simon sah erst David an und grinste dann zu mir. �Wenn ja, dann weine noch ein bisschen weiter, okay?�
Dies entr�ckte mir ein L�cheln und ich wischte mir �ber die verquollenen Augen. Simon erwiderte mein L�cheln und wandte sich dann an David.
�Wann gehst du?�
�In etwa zehn Minuten.� David sah ihn bei seiner Antwort nicht an, sondern blickte �ber das Chaos auf meinem Schreibtisch � B�cher, Papiere, Pullover... . �Und es macht dir wirklich nichts aus?�
�Nein, ich passe gerne auf Muffin auf.�
�Aber auch wirklich aufpassen. Es ist nicht damit getan, dass du sie vor den Fernseher setzt�, ermahnte David ihn.
�Hey, mach dir mal keine Sorgen. Ich wei�, was ich zu tun habe.� Simon kn�llte das Papier seines Burgers zusammen und griff nach dem, der unangetastet vor mir auf dem Teppich lag.
�Gut, und wenn sie einen starken Durchh�nger hat, dann gib ihr zwei von dem pflanzliche Zeug. Du gibst ihr nichts von den anderen Sachen, klar?�
�Davey, ich weiߓ, maulte Simon. �Ich bin nicht zum ersten Mal mit ihr alleine und wir haben oft genug besprochen, wie wir vorzugehen haben.�
�Und du wei�t, wo das Zeug ist?�
�Ja, im Medizinschrank im Bad, unterstes Fach.�
�Sch�n, dass ihr so tun k�nnt, als ob ich nicht da w�re, obwohl ich kaum einen Meter von euch entfernt sitze. Aber fein, ignoriert mich nur weiter.�, klagte ich.
�Als ob es m�glich w�re, dich zu ignorieren. Die letzten N�chte hast du ziemlich oft geweint.� Simon vergrub seine Z�hne in dem zweiten Burger.
Ich seufzte und mein K�rper zitterte. Ich hatte mich in meine Hoffnung und Tr�ume verfl�chtet wie in eine Festung mit einem enorm gro�en Schutzwall. Krachend hatte ich die Zugbr�cke hinter mir hochgezogen. Durch oder gar Eindringen fast unm�glich, ohne gro�e Verluste hinzunehmen... Und dies hatten meine beiden Mitbewohner die letzten Tage zu sp�ren bekommen. Die letzten N�chte hatte ich mehr geweint als geschlafen. Eine Tat die dazu gef�hrt hatte, dass auch David und Simon nicht gerade viel Schlaf bekommen hatten. Vergangene Woche war es besonders schlimm gewesen. Ich hatte nicht nur wegen Orlando, sondern wegen vieler Dinge, die in meinem Leben schiefgegangen waren, geweint. Zusammengekr�mmt war ich im Bett gelegen und irgendwann war ein schmaler Lichtstreifen unter der T�r durchgedrungen. Ich hatte den Atem angehalten und versucht, den Tr�nen Einhalt zu gebieten.
�Mensch David, tu endlich was. Das geht jetzt schon so die ganze Nacht�, hatte Simon geklagt. Er und David waren beide durch mein Weinen erwacht.
�Was soll ich denn tun?�, fragte David. �Soll ich sie knebeln?�
�Wenn sie dann endlich aufh�rt � ja!�
Schluchzend hatte ich mich umgedreht und die Decke �ber meinen Kopf gezogen. So hatte mich David schlie�lich gefunden, mir einen Tee gebracht und sich auf die Bettkante gesetzt. Lange hatten wir uns unterhalten und er hatte am n�chsten Morgen Aaron gebeten, seine Schicht im Laden zu �bernehmen. Auch Simon und ich waren zu Hause geblieben, um etwas Schlaf nachzuholen. In jener Nacht waren wir zu dem Entschluss gekommen, dass ich wieder mit der Einnahme von Antidepressiva beginnen sollte. Zun�chst mit welchen auf pflanzlicher Basis, die Simon ohne Rezept in der Apotheke bekommen hatte. Sollte es nicht besser werden, w�rden wir zu anderen Seelenmedikamenten �bergehen m�ssen...
Ich lie� die Decke los und streckte die Beine aus. Simon hatte zwischenzeitlich den zweiten Burger verdr�ckt.
�Wo gehst du eigentlich hin?�, fragte Simon und sah David an.
�Ich treffe mich mit jemanden�, antwortete er knapp.
�Kennen wir sie?�
�Es ist beruflich.�
�Wie langweilig.� Simon sammelte das Papier zusammen und stopfte es in die T�te.
�Handelt es sich um einen Auftrag?�, brachte ich mich in die Unterhaltung ein.
�Nein, eher nicht.� David sah mich etwas unsicher an und ich sp�rte, dass er nicht dar�ber sprechen wollte, aber Simon lie� nicht locker.
�Um was geht es dann?�, fragte er.
�Um eine Stelle.� David strebte die T�r an.
�Wieso Stelle? Du bist K�nstler. Du arbeitest f�r niemanden.� Simon wechselte ebenfalls seine Sitzposition in eine bequemere Lage.
�Manchmal muss man eben doch ein St�ck seiner Freiheit aufgeben�, antwortete David und ergriff die T�r. �Au�erdem handelt es sich um etwas, das ich schon lange tun wollte. Etwas, mit dem ich mich w�hrend des Studiums besch�ftigt habe.�
�Was k�nnte das wohl sein?�
�Restaurierungen, Simon. Alte Bilder wieder auffrischen.� David war schon halb aus dem Zimmer drau�en.
�Ach, dass reiche Snobs dir ihre Familienportraits bringen und du diese wieder aufp�ppelst?�
�Nein, hierbei handelt es sich um wirklich kostbare St�cke.�
�Und wo willst du das machen?�
David zuckte geheimnisvoll mit den Achseln und zog die T�r hinter sich zu.
�Mir w�re wohler, ich w�sste, was er vorhat.� Simon l�chelte mich schief an.
�David ist alt genug. Er wird schon keine Dummheiten machen�, beruhigte ich ihn.
�Nein, so etwas tut er wirklich nicht. Aber er neigt dazu, Unerwartetes zu tun. Du wei�t schon, was ich meine. Wenn ich nur daran denke, dass er ausziehen m�chte...�
�Simon...�
�Nein, Muff, du verstehst das nicht. Du siehst nur, wie ich David �rgere, mich �ber ihn lustig mache und mit ihm streite, aber das ist nur, was ihr anderen zu sehen bekommt.� Simon sah mich ernsthaft an. �Ich habe ihm so viel zu verdanken. Nachdem ich die Schule beendet, den Krach mit meinem Vater gehabt hatte und ausgezogen war, hatte ich nichts. Kein Plan, was ich machen sollte. David und ich hatten kein intensives, br�derliches Verh�ltnis. Zu lange hatte er bei meinen Gro�eltern gewohnt. Schon mit achtzehn war er mit Freunden in eine WG gezogen und der Kontakt zu ihm brach bis auf einige Begegnungen an famili�ren Geburtstagen ab.� Wieder setzte sich Simon anders hin. Eigentlich war ich m�de und wollte schlafen, aber es kam so selten vor, dass Simon von sich erz�hlte, dass ich nicht wagte, diesen Moment zu zerst�ren.
�Jedenfalls bin ich nach dem Streit mit meinem Vater von Zuhause abgehauen und habe in der darauffolgenden Zeit bei Freunden �bernachtet. Manchmal suchte ich mir auch irgendein M�dchen, um einfach nur ein Bett f�r die Nacht zu bekommen.� Seine Stimme lie� deuten, dass er auf dieses Gest�ndnis nicht gerade stolz war. �Eines Abends lungerte ich mit Freunden in der U-Bahnstation am Piccadilly Circus herum, als David pl�tzlich vor mir stand. Er sah meinen Rucksack, wusste sofort, was Sache war und nahm mich mit. Von da an sorgte er f�r mich, half mir bei der Jobsuche und gab mir einfach ein Zuhause. Keine Ahnung, wo ich jetzt ohne ihn w�re.� Simon sah nachdenklich auf den Teppichboden.
�Wir haben wirklich Gl�ck�, sagte ich und er blickte zu mir her�ber. �Er ist ein Engel.�
�Das bist du auch. Der Sch�nste von allen.�
�Klar�, lachte ich halbherzig. �Wenn ich ein Engel w�re, dann w�re ich schon l�ngst fortgeflogen, das kannst du mir glauben.�
�Eben deshalb.� Simon sprang auf die Beine, ergriff die T�te und ging dann doch wieder vor mir in die Knie. �Gott wusste, dass du wegfliegen w�rdest, deshalb nahm er dir die Fl�gel, damit du bei uns bleibst.� Und damit k�sste er meinen Haaransatz, stand auf und verlie� ebenfalls das Zimmer.
Ich sah ihm erstaunt nach.

Die Strahlen der Julisonne schienen durch die gr�nen Bl�tter der B�ume auf das Gr�n des Hyde Park. Neben mir in der Sonne lag Tim, den Oberk�rper frei, die Augen hinter einer Sonnenbrille verborgen. Simon und Richy besch�ftigten sich etwas entfernt mit einer Frisbeescheibe, Demelza und Joey immer zwischen ihnen hin und her rennend, um das St�ck Plastik zu ergattern. Rachel, Charlene und Dave sa�en unter einem Baum und diskutierten oder besahen die anderen Parkbesucher.
Es war Samstag und eigentlich hatte ich Zuhause bleiben und in meinem Selbstmitleid ertrinken wollen, aber dann waren Rachel und Co auf die bl�de Idee gekommen, den Nachmittag im Gr�nen zu verbringen. Leider waren sie nicht die Einzigen gewesen, die auf diesen Gedanken gekommen waren und so tummelte unsere Gruppe unter anderen Menschenansammlungen im Schatten einiger B�ume. Zuvor hatten wir Rachels mitgebrachte Lunchpakete verdr�ckt und nach diesem kleinen Imbiss lagen wir nun alle faul im Gras und beobachteten die vorbeiziehenden Touristen, Jogger, Hunde und Familien. Tja, alle bis auf Simon und Richy, welche seit einigen Tagen einem Fitnesswahn verfallen waren und sich gegenseitig mit der Frisbee �ber den Rasen jagten.
Kopfsch�ttelnd sah ich den beiden einen Moment zu und blickte dann auf ein Liebespaar, das unweit von mir im Gras lag. Sie lag r�cklings, l�chelte verliebt zu ihm auf, w�hrend er seitlich neben ihr ruhte und mit ihren langen Haaren spielte. In mir schauderte es. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich dieses Gl�ck auch in mir zu sp�ren geglaubt. Ich beobachtete die beiden weiter. Er sagte etwas und brachte sie damit zum Lachen. Er sprach weiter und sie lachte herzlich und offen �ber seine Worte. Dann unterbrach er seine Rede und beugte sich zu ihr hinunter, um sie zu k�ssen. Es handelte sich um einen Kuss der Sorte Dauerbrenner und sie fuhr ihm sanft mit den H�nden durch sein verstrubbeltes Haar. Wo mir fr�her eine solche Szene mehr oder weniger egal gewesen war, desto mehr fand ich sie in diesem Augenblick einfach nur zum Kotzen! Zu sehr erinnerte mich das Ganze an Orlando, an die Zeit mit ihm, an die Zeit, in welcher mir solche Momente widerfahren waren. Zwar nicht �ffentlich in einem Park oder auf der Stra�e, aber wenn wir bei ihm gewesen waren... Und nun? Nun sah ich dieses Paar, das nicht genug von einander bekommen konnte und vor Verliebtheit so beduselt war und wurde daran erinnert, dass ich Orlando wohl nie wieder k�ssen und umarmen w�rde. Lediglich in meinen Tr�umen. In dummen, unrealistischen Tr�umen. Doch an genau diesen peinlichen Tr�umen hielt ich mich fest, klammerte mich an den Gedanken und die Hoffnung, dass er zur�ckkommen und alles wieder wie fr�her sein w�rde. Doch so viel Zeit war verstrichen und mit ihr so viele Momente meines sinnlosen Lebens, die anders genutzt h�tten werden k�nnen, als nur von ihm zu tr�umen. Und es war einfach nicht fair! Nicht fair, dass er fort war. Nicht fair, dass ich dieses Leben ohne ihn leben musste. Nicht fair, dass alles einfach so weiterging. Dieses ungerechte Leben! Dieses beschissene Leben! Ich l�ste meinen Blick von dem noch immer knutschenden Paar und konzentrierte mich auf meine Umwelt. Warum hatte sich nichts, aber auch rein gar nichts ge�ndert? Ich meine, er war immerhin fort, aber warum war alles wie bisher? Ich beschattete die Augen mit meiner Hand und sah in den Himmel. Warum schien die Sonne wie immer? Ich lauschte in den Fr�hlingswind. Wieso sangen die bescheuerten V�gel? Wusste eigentlich niemand au�er mir, dass es das Ende der Welt war? Zumindest erwartete ich dieses, da Orlando mich nicht mehr liebte. Wieso gab es keine Sonnenfinsternis oder ein pl�tzliches, unerkl�rliches Aussterben der Singv�gel? Ich wendete meinen Blick vom Blau des Himmels und sah auf meine F��e. Gestern, erinnerte ich mich zur�ck, gestern bin ich wieder einmal mitten in der Nacht aufgewacht und konnte nur noch an ihn denken, an das, was er wohl t�te und wo er sein k�nnte. Ich war aufgestanden und hatte aus dem Fenster gesehen. Dabei war mir aufgefallen, dass die Sterne am dunklen Nachthimmel ebenfalls noch in all ihrer Pracht schienen. Unsere verfluchten Sterne! Wieso taten sie das? Sie sollten nicht mehr scheinen, zumindest nicht solange wie er nicht bei mir war. Himmel, die Welt hatte doch mit seinem Fortgang geendet, oder nicht? Meine Finger fuhren durch das Gras und ich lauschte in mich hinein. Mein Herz schlug. Wieso eigentlich? Und warum hatten meine Augen nach all der Zeit noch immer Tr�nen f�r ihn? Morgens erwache ich und wundere mich, warum alles so ist wie zuvor. Ich kann es einfach nicht verstehen, nein, ich will es nicht verstehen, wie das Leben einfach so weitergehen konnte. So, als w�re nichts, aber auch rein gar nichts gewesen. Als h�tte es Orlando nicht gegeben...
�Muffin! Pass auf!�
Ich schaffte es gerade noch, meinen Oberk�rper nach hinten zu werfen und so einem Mordanschlag seitens von Simon zu entgehen. Die Frisbeescheibe schoss �ber mich hinweg und knallte gegen einen Baum.
�Himmel, willst du mich umbringen?�, funkelte ich Simon b�se an.
�Ich dachte, ich probiere es mal. W�rde ich dir damit nicht einen Gefallen tun?� Er zwinkerte mir zu und lief dann der Scheibe hinterher, um diese vor Demelza zu ergattern. Neben mir ging Richy in die Knie und griff nach seinem Rucksack.
�Hast du nicht Lust mitzumachen?�, fragte er und zog eine Evian-Flasche aus der Tasche. Ich sch�ttelte den Kopf und sah zu, wie er in gierigen Schl�cken trank, dann Timothy am Knie anstupste und ihm die Flasche entgegenhielt.
Tim setzte sich auf, schob die Sonnenbrille auf die Stirn und nahm seinem Freund die Flasche ab.
�Wie sp�t ist es?�, wollte er verschlafen wissen.
�Kurz nach drei�, antwortete Richy nach einem Blick auf seine Uhr. �Wie schaut�s ? Ziehen wir die Nacht mal wieder um die H�user? Es ist schlie�lich Wochenende.� Erwartungsvoll blickte er uns an.
�Ich wei� nicht...�
�Muff, was soll das nun schon wieder?� Timothy blickte mich etwas genervt an, w�hrend er die Flasche zuschraubte. �Ich will ja nicht unh�flich klingen, aber wie lange ist das mit Bloom nun her?� Ich antwortete nicht, biss mir stattdessen auf die Unterlippe.
Tim zog die Augenbrauen hoch. �Du solltest allm�hlich wieder anfangen zu leben.�
�Tim...�
�Er hat Recht�, unterbrach mich Richy. �Wann bist du zuletzt aus gegangen? Das ist doch sicher ewig her, oder?�
Ich musste nicht lange dar�ber nachdenken. Die Antwort war einfach. Das letzte Mal aus gewesen war ich mit Tom. Kurz nach der Trennung von... Ich sch�ttelte den Kopf und verbannte den Gedanken wieder in mein Innerstes. �Wir haben doch so viel zu tun. Leute, ich muss noch jede Menge f�r die Pr�fungen lernen.�
�Willst du mir jetzt ernsthaft weismachen, dass du heute Abend lernen w�rdest?� Tim sah mich belustigt an. Nat�rlich glaubte er mir diese schwache Ausrede nicht. �Nee, meine Liebe, du w�rdest dich nur wieder in dein Loch verkriechen und Tr�bsal blasen.�
�Ich blase kein Tr�bsal�, knurrte ich.
�Nein, aber du wei�t, was ich meine.� Sein Blick nahm nun wieder die Z�ge eines strengen Lehrers an. �Muffy, wir machen uns doch nur Sorgen um dich.�
�Das braucht ihr nicht. Es geht mir gut.�
Tim seufzte und sah mich noch einen Augenblick an, dann sagte er: �Gut, dann zockeln wir heute Abend mal wieder los. Nur wir vier. Du, Amber, Richy und ich.�
Zwar versp�rte ich in mir nicht die geringste Lust dazu, aber ich zwang mich zu einem schwachen L�cheln. Meine Freunde hatten ja Recht. Es m�sste langsam wieder weitergehen, ob ich wollte oder nicht. Es w�rde sich ja nichts �ndern. Ich w�rde weiterhin auf Orlando warten, w�rde die Zeit bis zu seiner R�ckkehr lediglich mit meinen Freunden und nicht mehr allein in meinem Zimmer verbringen. Ich sp�rte einen dumpfen Schlag in meinem R�cken und zuckte zusammen, ehe ich mich umschaute und Simon erblickte, der sich grinsend die H�nde vors Gesicht hielt. Als ich hinter mir nach unten blickte, lag dort die Frisbeescheibe.
�Simon, du bist so ein Depp�, motzte ich und rieb mir den R�cken.
�Mein pers�nliches Animationsprogramm. Ich m�chte, dass du mitspielst.� L�chelnd kniete er hinter mir nieder und trommelte mit den Fingern gegen die Stelle meines R�ckens, an welche zuvor die Scheibe geprallt war.
�Und wieso sagst du es nicht einfach anstatt mich zu erschlagen?�, fragte ich in einem gespielt gereizten Ton.
�Oh ja! Spielen wir zwei gegen zwei. Simon und ich gegen euch beide.� Richy war aufgesprungen und sah Tim und mich herausfordernd an.
�Schatz, ich renne keinem St�ck Plastik hinterher�, erkl�rte Tim und legte sich wieder zur�ck.
�Tim, komm schon!�, grinste Simon, der sich k�mpferisch neben Richy gestellt hatte. �Oder habt ihr etwa Angst, dass wir euch plattmachen und ihr ins Schwitzen geraten k�nntet, und das wiederum eure Haut und eurem Teint schaden k�nnte?�
Tim setzte sich abrupt wieder auf. �Wir werden sehen. Muff, komm in Bewegung, wir werden den beiden Jungen mal zeigen, wer hier ins Schwitzen ger�t!� Galant sprang er auf die Beine und schob sich die Brille wieder auf die Nase.
Richy und Simon klatschten einander an den H�nden ab und liefen zu einem St�ck Rasen, wo weniger Betrieb herrschte. Timothy und ich folgten ihnen in einem geringen Abstand und ich erkl�rte Tim f�r verr�ckt. Nie h�tten wir eine Chance gegen die beiden. Doch Tim w�rgte meinen Vortrag ab und meinte lediglich, dass ich immer alles so negativ sehen w�rde.
Wir stellten uns auf, Simon mir gegen�ber und Richy Tim gegen�ber. Simon zeigte sich w�hrend des Spiels sehr angriffslustig und ich musste ein paar Mal bei seinen W�rfen in Deckung hechten, um keinen Volltreffer abzubekommen. Seine Aktionen wurden von Richy belacht und auch Tim bel�chelte meine Rettungsversuche.
�H�r auf zu lachen!�, beschwerte ich mich bei ihm. �Tu lieber was! Wir verlieren n�mlich gerade.�
Tim zuckte mit den Schultern und l�chelte seinem Freund auf der anderen Seite entz�ckt zu, da dieser gerade aus seinem Shirt schl�pfte und es zu den Rucks�cken warf. Einer Tat, welcher Simon sofort nachkam, zumal unser Spiel in einer Gruppe weiblicher Touristinnen Zuschauer gefunden hatte. Dies spornte Simon noch mehr an und er lie� mir kaum Chancen, die Scheibe aus der Luft zu holen. Tim war mir kein sonderlich guter Teamkollege. Er spielte zwar nicht einmal schlecht, er rannte nur einfach keinem Wurf hinterher, was bedeutete, dass Richy und Simon unentwegt punkteten. Wenn die Scheibe mehr als einen Meter von Tim durch die Luft sauste, zuckte dieser lediglich mit den Achseln und schaute ihr gelassen nach. Dann bedachte er mich mit einem Blick, der fragte, warum ich die Scheibe nicht gefangen h�tte. Auch wenn Tim wenig Interesse an einem Sieg zeigte, versuchte ich dennoch, eine nicht allzu gro�e Niederlage zu erleiden.
Die Scheibe flog gerade auf mich zu und ich ging r�ckw�rts, um sie aus der Luft zu holen, als mir diese Arbeit pl�tzlich jemand abnahm. Eine Hand �ber mir fing die Frisbee und ich drehte mich �berrascht um. Ich fand mich Mike gegen�ber wieder. Anders als sonst war er heute sportlich gekleidet, trug Skater-Hosen und ein Basecap bedeckte sein dunkles Haar.
�Du solltest schon nach dem Teil springen. Wenn du ihr nur nachguckst, bringt das nicht gerade viel.� Mike hielt mir die Scheibe unter die Nase, grinste mich an und erkundigte sich dann bei Simon nach dem Spielstand.
Das Spiel kam zu einer Unterbrechung und Richy, Simon und Tim protzen vor Mike mit ihren angeblichen sportlichen Leistungen. Dies f�hrte dazu, dass Mike sich ebenfalls am Spiel beteiligen wollte.
�Gut, dann kann ich ja aussteigen�, unterrichtete ich die vier M�nner und wollte mich bereits vom Acker machen als Mike mich an der Schulter zur�ckhielt.
�Nichts da!�, sagte er. �Umso mehr Spieler, desto chaotischer und witziger wird es.�
�Mag sein, aber f�nf ist eine ungerade Zahl und ich bezweifle, dass Rachel oder Charlene mitmachen werden�, widersprach ich und sah zu den anderen hin�ber. �Au�erdem scheint es, als wollen die gerade aufbrechen.�
Tats�chlich suchten Charlene, Rachel und Dave ihre Habseligkeiten und die Kinder zusammen. Erst jetzt bemerkte ich David, der bei seiner Schwester stand und mit ihr sprach. Ich verzog das Gesicht zu einem Grinsen. Eigentlich h�tte ich selber darauf kommen k�nnen, dass Mike niemals alleine hier auftauchen w�rde. Nachdem die anderen ihre Sachen eingesammelt hatten, kamen sie langsam zu uns her�ber.
�So, wir machen uns jetzt auf die Socken�, strahlte Rachel. �Und ihr?�
�Wir werden uns wohl noch ein wenig sportlich bet�tigen.� Simon grinste in meine Richtung. �Oder k�nnt ihr nicht mehr?�
Ich gab als Antwort lediglich ein Knurren von mir.
�Ihr seid doch verr�ckt.� Dave sah uns kopfsch�ttelnd an. �Ihr hechelt der Scheibe nun schon lang genug hinterher.�
�Lass sie doch. Du k�nntest auch etwas Sport treiben.� Rachel blickte ihren Mann von der Seite an.
�Wozu? Ich habe dich und die drei Kiddos. Das ersetzt wohl an die zehn Sportarten�, lachte er auf und legte einen Arm um Rachels Schultern. Rachel rollte theatralisch mit den Augen und raunte etwas gegen die m�nnliche Spezies in Charlenes Richtung. Diese gluckste und stimmte nickend zu. Anschlie�end wandte sich Rachel an mich. �Morgen Lunch bei uns?�
Rachel und ich besprachen noch, wann wir am n�chsten Tag bei ihr zum Essen antreten sollten, dann verabschiedeten wir uns und wir �Sportler� waren allein. Kaum war dies geschehen, da kam Tim schon auf mich zu und fragte, wie die neue Teameinteilung sei. Aus seiner Stimme konnte ich h�ren, dass er nicht darauf erpicht war, erneut zu verlieren und mich nicht gerne in seinem Team h�tte. Nat�rlich sagte ich ihm ehrlich, dass auch ich eine andere Spielerkombination bevorzugen w�rde. So waren wir gerade am Diskutieren als ein greller Pfiff durch die Luft klang.
�H-e-y M�dels, hier m�chte jemand gewinnen�, sagte Mike mit gespielt weiblicher Stimme und tippte �bertrieben demonstrativ auf seine Uhr. �Wir haben doch keine Zeit.�,.
Tim und ich unterbrachen unsere Diskussion und sahen ihn feindselig an. �Ach, glaubst du ernsthaft, dass du uns schlagen kannst?�, fragte Tim ihn.
Mit einem schnippischen Grinsen auf den Lippen antwortete Mike ein lustvolles: �Jepp, Ladies!�
Tim verzog unverst�ndlich das Gesicht und sah mich fragend an: �Welche Ladies?�
�Na du, du Bl�dmann!�, keifte ich ihn an und drehte mich dann zu Mike. �Und wie kommst du auf die Idee, dass du gegen uns gewinnen wirst? Noch haben wir keine Teams gebildet?�
�Ich wei� es, weil mein Team ein Gewinnerteam ist!�, sagte Mike und lachte h�misch. �Und darin ist kein Platz f�r M�dchen.�
�Na dann, Mike, bist du aber auch nicht im Team.� David trat neben seinen Freund und besah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen von oben bis unten.
Ehe Mike eine passende Antwort geben konnte, n�rgelte Timothy los: �Wer spielt nun mit wem?�
�Ich spiele auch allein gegen euch!�, antwortete Mike mit �berheblicher Stimme.
�Pssst, hey Mike�, fl�sterte Simon und stupste den Gemeinten an die Schulter, �Die Seniorengruppe spielt dort hinten, w�rst du da nicht besser aufgehoben?�
�Nein, selbst die sind ihm zu schnell. Aber er kann es im Kindergarten probieren�, lachte David.

�Denen ist er immerhin was die Gr��e angeht �berlegen.�
�Wie jetzt?�, rettete sich Mike aus der Situation. �Aber spielen tun wir heute schon noch, ihr Schw�tzer?�
�Mit dir sicher nicht�, sagte ich bestimmend.
�Schnauze Muff�, schnitt mir Simon das Wort ab und klatschte dann in die H�nde. �Also ihr Jammerlappen, Teamaufstellung?�
Nach l�ngerer Diskussion hatte ich mal wieder das Nachsehen und bekam die Mitspieler, die ich nicht wollte. Mike, David und Richy gegen Simon, Tim und mich. Wie unfair. Eigentlich h�tten es Mike und David zu zweit mit uns aufnehmen k�nnen, so ein eingespieltes Team waren die beiden. Richy diente als Statist oder Cheerleader in der Mitte. Mehr als nur einmal musste er sich derbe Spr�che von den beiden anh�ren. Als Richy die Scheibe zum dritten Mal verfehlte, sah er mit entschuldigendem Blick zu Mike. Dieser sch�ttelte lediglich den Kopf und meinte: �Hey Ballerina, spielst du Frisbee oder tanzt du den sterbenden Schwan?�
Von da an machte es sich Timothy zur Aufgabe, die Ehre seines Freundes zu retten und �nderte das Spiel in �Schie�en wir Mike ab� um. Eine neue Regelung, die von allen Seiten Begeisterung fand. Ich h�pfte verzweifelt zwischen Simon und Tim hin und her und versuchte sie an den eigentlichen Sinn des Spiels zu erinnern. Zwecklos...
�Ihr seid sooo doof!�, st�hnte ich genervt hervor und wich im n�chsten Moment schon einer Attacke von Mike aus.
�Fangen � nicht ducken!�, belehrte mich dieser.
�Glaubst du, ich lass mir von dir den Kopf abschie�en?� Ich sah ihn w�tend an und machte keine Anstalten der Scheibe hinterher zu laufen.
��h Muff, das ist kein Bumerang�, erkl�rte Mike am�siert. �Der kommt nicht zu dir zur�ck.�
�Und der andere wird auch nicht zur�ckkommen�, sagte Simon spitz.
Ich fuhr zu ihm herum. �Was soll das jetzt schon wieder?� Hatte ich eben nicht richtig geh�rt? War Simons Kommentar nicht eine Anspielung auf Orlando gewesen?
�Was soll was?� Simon sah mich nach seiner d�mlichen Frage dumm an.
�Das wei�t du ganz genau! Ich habe sehr wohl verstanden, dass das eine Andeutung auf Orlando sein sollte.�
�Geht das schon wieder los...�, jammerte Mike und schob sein Basecap zur�ck, um sich den Schwei� von der Stirn zu wischen.
�Was hei�t hier schon wieder? Immer noch beschreibt es eher!� David gab Mike einen freundschaftlichen Schups und sah ihn vielsagend an, dann zog er mit beiden H�nden seinen Haarzopf fester. Geheime M�nnerkommunikation. Zu toll aber auch!
Doch ich wagte mich nun einen Schritt vor. Ich wusste, dass meine Freunde inzwischen kaum mehr etwas �ber Orlando h�ren konnten und mochten, aber wieso sagten sie es mir nicht? Da gab es nur eines: direkt fragen!
�Wenn dich diese Sache so nervt, wieso sagst du es dann nicht einfach?� Ich konzentrierte mich nun ganz auf David.
�Muss man bei dir eigentlich immer was sagen?�
�Soll ich etwa Gedanken lesen?�, wiederfragte ich gereizt.
�Das w�re bei dir zuviel verlangt. Du kommst ja nicht mal mit deinen eigenen Gedanken klar. Und nun schau dich an: einsam und verlassen. Armes Ding.�
�Ach, h�r auf! Ich brauch dein Mitleid nicht!� Die Situation zwischen David und mir spannte sich immer mehr an. Woher das auf einmal kam, konnte ich nicht erkl�ren. Hatte er die letzten Wochen �ber so viel in sich hineingefressen? Wahrscheinlich schon. Allerdings h�tte ich diese Diskussion hier beenden m�ssen. Ich h�tte wissen m�ssen, dass meine Freunde in einer solchen Ansammlung, die nur aus M�nnern bestand, anders reagierten.
�Okay, dann bemitleide ich dich eben nicht. Welches Objekt schl�gst du mir dann vor? Ich bin darin sehr ausbauf�hig�, lachte David gespielt auf.
Simon und Richy kicherten leise im Hintergrund und murmelten etwas von Robbenbabies und Kindern in Not. Timothy brachte sie mit einem Blick zum Schweigen. Ich wollte gerade zu einer Antwort ausholen, als Mike David ein St�ck zur�ck schob und mit verstellt verzweifelter Stimme sagte: �Hallo, ich m�chte ein Spiel gewinnen!�
�Ja, aber ich bezweifle, dass Muffin schon wieder in etwas verlieren m�chte.� Simon warf mir einen sarkastischen Blick zu.
�Schei�e!�, stie� David aus und lief ver�rgert hin und her. �Man kann nichts verlieren, was man nie hatte.�
Das hatte gesessen! Ich schluckte, sah ihn an und bem�hte mich, nicht vor den anderen in Tr�nen auszubrechen.
�Du bist so fies!�, zischte ich hervor und verlie� meinen Platz. Eigentlich h�tte ich filmreif einfach wegrennen wollen, aber ich musste erst meine Sachen einsammeln. So ging ich wortlos hin�ber und packte meinen Kram zusammen.
�Mensch Muffin, nun sei doch nicht gleich eingeschnappt!�, schallte Tims Stimme zu mir her�ber, aber ich ignorierte ihn.
�Lass sie doch�, lachte Simon und als ich an ihnen vorbei den Weg nach Hause anstrebte, grinste er mich dreckig an: �Muffy, vergiss aber nicht, dass du dich nicht wie sonst beleidigt nach Notting Hill verziehen kannst. Dort bist du nicht gerade erw�nscht und k�nntest Bloom eventuell bei einem Sch�ferst�ndchen mit ner geilen Blondine st�ren.�
Ich sah ihn ausdruckslos an und ging dann stumm weiter, w�hrend die anderen hinter mir her lachten. Mikes Spruch gab mir den Rest:
Belustigt sagte er zu den anderen: �Wenn es nicht Muffin w�re, w�rde ich sagen: typisch Frau!� Ich rannte los, einfach nur weg, nach Hause, wo immer das sein mochte und h�rte Tim lediglich rufen, dass wir uns am Abend sehen w�rden.

Da es wesentlich k�rzer war, zu Fu� direkt nach Hause zu gehen, als erst zur�ck zu eine der vielen U-Bahnstationen zu latschen, lief ich quer durch den Park. Aufgrund des guten Wetters war dies sogar sehr angenehm und ich konnte meine Wut und Verletztheit von mir dr�ngen. Diese Idioten! Als ich Kensington Palace passierte, drifteten meine Gedanken mal wieder ab. Ich blieb stehen und besah das Geschehen im Park. Die Sonnenstrahlen hatten etwas nachgelassen und ein frischer Fr�hlingswind zog �ber die Gr�nanlage. Ich drehte mich einmal um die eigene Achse und gab mich meinen Gedanken hin. Der Wind fuhr durch mein Haar, strich mir �ber das Gesicht und mir war, als w�re er direkt vor mir und w�rde seine Hand �ber meine Wange gleiten lassen, wie er es oft getan hatte. Ich schloss die Augen und dann konnte ich sein Gesicht vor mir sehen. Orlando... War es so eine Trag�die mit uns beiden gewesen? Solch eine Trag�die, dass er er war und ich ich? War ich durch das Leben gelaufen, w�hrend er gerannt war? Wie h�tte ich ihn lieben sollen, wenn nicht so, wie mein Herz es mir gesagt hatte? War alles falsch gewesen? Waren wir beide falsch gewesen? Hatten wir wirklich zu unterschiedliche Ansichten �ber uns gehabt? �ber unsere Beziehung? Das war doch nicht m�glich? Immerhin hatte uns eines doch miteinander verbunden. N�mlich die Gef�hle, die wir f�reinander empfunden hatten und welche mit Sicherheit noch vorhanden waren. Zumindest hoffte ich, dass er noch genauso oft an mich dachte, wie ich an ihn und nat�rlich, dass er f�hlte wie ich. Ich �ffnete die Augen und fuhr meinen Heimweg fort. Der Rauch in meinen Gedanken verzog sich und lie� das Bild, welches ich von Orlando in mir bewahrt hatte, klarer werden. Egal wie viele Tage bereits verstrichen waren, ich blieb im �Gestern�, blieb bei Orlando.

Amber, Richy und Timothy kamen tats�chlich am Abend vorbei, um mich zum Nachtschw�rmen abzuholen. Ich hatte Tims letzten Zuruf l�ngst wieder aus meinem Ged�chtnis gestrichen, nachdem ich Zuhause angekommen war und versucht hatte, meinen Zorn und die Verletztheit mit einer langen Dusch-Session von mir abzuwaschen. Es war mir sogar einigerma�en gelungen. David und Simon waren noch nicht vom Park zur�ckgekehrt und so konnte hatte ich endlich mal wieder Zeit und die Wohnung f�r mich gehabt. Ich gab mir M�he, nicht �ber das Gesagte im Park nachzudenken. Es w�rde mich nur wieder w�tend machen. In ein Handtuch gewickelt hatte ich also von Bad zum Salon gewechselt, eine von Davids irischen CDs eingelegt und durch die Wohnung getanzt.
Als David und Simon schlie�lich nach Hause kamen, hatte ich mich in mein Zimmer verzogen und war ihnen aus dem Weg gegangen. Irgendwann war David zu mir gekommen und hatte sich entschuldigt, sagte, dass er einfach ziemlich viel im Kopf h�tte und die Beherrschung verloren h�tte. Simon war einfach dem Gruppenzwang gefolgt und hatte ebenfalls gemeine Kommentare abgegeben. Ich nahm seine Entschuldigung an, aber ich wusste, dass er seine Aussagen auch so gemeint hatte. David war nicht der Typ, der seine Worte von Zorn leiten lie�. Doch genauso wusste ich auch, dass es nicht viel brachte, in dieser Sache nachtragend zu sein. Allerdings w�rde ich mit Simon und ihm besser nicht mehr �ber Orlando sprechen.
So hatte ich den Abend bis zu dem Zeitpunkt in meinem Zimmer verbracht und �ber mein Leben philosophiert, als pl�tzlich Tim, Amber und Richy hereinkamen und mich antrieben, mich endlich umzuziehen. Irgendwie war ich sogar froh gewesen, unter Leute zu gehen, meine Isolation einfach f�r einen Moment von mir zu schieben.
Die drei hatten beschlossen ins Los Locos zu gehen. Zun�chst hatte ich mich gestr�ubt, w�re mir doch ein Abend in einem Pub lieber gewesen, aber die anderen wollten nichts davon h�ren, hatten mich in ein Taxi verfrachtet und waren mit mir zu dem kleinen Club am Covent Garden gefahren.
�Mach am besten da weiter, wo du vor Bloom aufgeh�rt hast�, hatte Richy gemeint und sofort Best�tigung von Amber und Tim erhalten.
Wenn das doch nur so einfach gehen w�rde. Wie soll man einen Menschen und die Zeit, die man mit ihm erlebt hat, arglos verschwinden lassen? Man kann so etwas nicht einfach aus seiner Erinnerung streichen. Und wenn ich ehrlich zu mir war, dann wollte ich das auch gar nicht. Ich wollte mein Leben nicht einfach wie eine Kassette zur�ck an den Punkt spulen, an welchen Orlando in mein Leben getreten war. Nein, ich konnte es nicht. Ich wollte nicht verdr�ngen, was zwischen Orlando und mir gewesen war. Nein, ich wollte es wieder haben, wieder f�hlen, wieder sp�ren. So sehr mich meine jetzige Situation qu�lte, so sehr wusste ich auch, was ich mit ihm gehabt hatte und was ich wiederbekommen k�nnte. Wenn die Hoffnung in mir schwand, dachte ich an die Worte, die Andr� mir mehr als einmal gesagt hatte: Hab Geduld und gib ihm Zeit! Selbst als er abgeflogen war, hatte er dies zu mir gesagt und ich hielt daran fest.
Doch in diesem Moment hielt ich mich eher verkrampft an meinem Glas fest und durchblickte unsicher den Raum. Nach Ankunft im Los Locos hatten wir einen Tisch ergattert und mit dem L�stern �ber die anderen Anwesenden begonnen. Doch nun sa� ich allein am Tisch und wusste nicht, was ich hier eigentlich tat. Wie jeden Samstag war der Club gutbesucht und Menschenk�rper dr�ngten aneinander vorbei, um das Lokal zu durchqueren, die Bar anzusteuern oder auf die Tanzfl�che zu gehen. Auf letzterer bewegten sich Amber, Tim und Richy gerade zu Christina Milians �When you look at me�. Nat�rlich hatten sie mich ebenfalls zum Tanzen animieren wollen, aber meinem energischen �nein� konnten sie nichts entgegensetzen. So war ich also am Tisch zur�ckgeblieben und starrte, nichts wirklich wahrnehmend, in der Gegend herum. Wieso war ich nur mitgegangen? Was wollte ich mir beweisen? Die vielen Menschen und die laute Musik gingen mir m�chtig auf die Nerven. Ich war hier mehr als fehl am Platz. Ich wollte nur alleine sein mit mir und meinen Gedanken, meinen Gedanken an ihn, an uns.
Das Los Locos war einfach nicht mehr wie fr�her. Die Musik erschien mir noch lauter, noch weniger nach meinem Geschmack und es waren viel zu viele Leute anwesend. W�rde es zu einem Brand kommen, w�rde ich niemals lebend den Notausgang erreichen. Nein, eher w�rde ich von der Masse niedergetrampelt werden. Aber war es �berhaupt das Locos, das sich ge�ndert hatte? Die Tische, St�hle und Dekoration waren dieselben. Hatte ich mich ver�ndert?
Ich nahm mein Glas auf und trank einige Schl�cke des inzwischen lauwarmen und nach Eisw�rfeln schmeckenden Seven Up. Nach Alkohol war mir gar nicht gewesen. Eigentlich war mir nach so vielem nicht gewesen.
Amber k�mpfte sich durch die Menschenmenge zu unserem Tisch durch. Ehe sie mich erreichte, prallte sie nahezu mit einem jungen Mann zusammen, blieb stehen und l�chelte ihn an. Als dieser ihr L�cheln erwiderte, erkannte ich Ben in diesem jungen Mann und duckte mich sofort flach �ber den Tisch. Der hatte mir gerade noch gefehlt. In den vergangenen Wochen hatte ich ihn nicht allzu oft gesehen. Zwar hatten wir uns jedes Mal gut unterhalten, aber Ben lie� mich sp�ren, dass er jetzt, wo Orlando nicht mehr in unmittelbarer N�he und au�er Konkurrenz war, seine Chance wahrnehmen w�rde, mich f�r sich zu begeistern. Man kann sich sicherlich vorstellen, wie begeistert ich davon war.
Nach einem kurzen Wortwechsel mit ihm ging Amber weiter, setzte sich neben mich, griff nach ihrem Glas und trank. Ich blieb noch f�r einen Moment in meiner geduckten Haltung und als Ben aus meinem Sichtfeld entschwand, lehnte ich mich wieder in den Stuhl zur�ck.
�Hast du gesehen? Ben ist auch da�, sagte sie, als sie das Glas abgesetzt hatte.
�Toll. Wieso habe ich das Gef�hl, dass er nicht aus Zufall hier ist.�
Amber grinste mich an. �Nun, ich gebe zu, dass ich ihm einen kleinen Wink gegeben habe.�
�Und weshalb?�
�Damit du mal wieder auf andere Gedanken kommst.�
Ich antwortete ihr nicht, sondern starrte wieder durch den Raum. Andere Gedanken. Pah! Ich wollte keine anderen Gedanken. Und genauso wenig wollte ich mich n�her mit Ben befassen. Verdammt, gerade Amber sollte das doch wissen! Wie oft hatten wir mit Andr� zusammengesessen und �ber Orlando und mich gesprochen. Nie hatte einer von beiden gesagt, dass es sich um eine Trennung f�r immer handeln w�rde. Eine kleine Pause w�rde uns sogar gut tun, hatte Andr� gemeint. Und Amber hatte geschworen, dass sie sich sicher war, dass Orlando f�r mich sehr viel empfinden w�rde. Wieso startete sie dann jetzt diese Verkupplungsversuche mit Ben?
�Yvonne, was ist denn mit dir los?�, sagte Amber pl�tzlich und riss mich mit ihrer Frage aus meinen Gedanken. �Den ganzen Abend sitzt du nun schon dumm rum und guckst wie ein hypnotisiertes Karnickel durch die Gegend.�
�Du wei�t, dass ich nicht wirklich hierher wollte. Eigentlich h�tte ich gar nicht weggehen sollen.�
�Das ist nichts Neues.� Amber sah mich strafend an. �So geht das wirklich nicht weiter.�
�Was geht so nicht weiter?�
�Na, das mit dir. Du musst langsam mal weitermachen, wieder in dein gewohntes Leben �bergehen.� Ich wich ihrem Blick aus und sah wieder auf die Tanzfl�che. Amber r�ckte ihren Stuhl dichter an mich heran und stie� mir ihren Ellenbogen in die Seite, damit ich sie ansah.
�Sieh mal�, begann sie dann, �mir geht es auch nicht besser.�
�Ach nein?�, fragte ich genervt, da ich keine weiteren Predigten mehr h�ren wollte, doch Amber ging auf meinen ruppigen Ton gar nicht ein.
�Ich bin auch hoffnungslos verliebt und es schmerzt bestialisch, wenn ich David sehe. Und das tue ich nahezu jeden Tag. Ich wage fast zu behaupten, dass ich beschissener dran bin als du� Sie sah mich noch immer an. �Du musst ihn nicht jeden Tag sehen und dabei wissen, dass du keine Chancen hast, mit ihm zusammenzusein. Ich schon.�
�Ach Amber, das ist doch etwas vollkommen anderes. Das kann man mit meiner Situation �berhaupt nicht vergleichen.� Ich unterlie� f�r einen Moment den Blickkontakt zu ihr und sah zur Tanzfl�che. Dann wandte ich mich ihr wieder zu. � Du kannst nur davon tr�umen, wie es w�re, mit David zusammen zu sein, ihn zu k�ssen, diese K�sse erwidert zu bekommen und einfach nur in seinen Armen zu liegen. Du kannst dir ausmalen, wie es w�re, sch�ne und weniger sch�ne Momente mit ihm zu erleben. Ich hingegen wei�, wie es mit Orlando ist. Es gab so viele Augenblicke zwischen uns...� Ich stockte. �Ich wei� einfach, was ich mit ihm verloren habe.� N�mlich mich selbst, mein Leben, f�gte ich in Gedanken hinzu.
Amber sah mich best�rzt an. �Du tust gerade so, als ob nur Orlando und du Liebe empfinden k�nntet, aber glaube mir, da irrst du dich gewaltig. Diese wunderbare Sache ist n�mlich nicht nur f�r dich bestimmt.�
Beleidigt wollte sie aufspringen, doch es gelang mir, ihren Arm zu packen und sie wieder auf den Stuhl zu ziehen.
�Nein, warte�, sagte ich in einem beschwichtigenden Ton. �So hatte ich das doch gar nicht gemeint.�
�Dann tu nicht so �berheblich.�
��berheblich?�, wiederholte ich das letzte Wort.
�Du wei�t schon... Tu nicht so, als w�re Orlando irgendeine Gottheit und ihr beide etwas Besonderes. Jeder Mensch ist n�mlich etwas besonderes...� Sie unterbrach, sah mich an und sch�ttelte den Kopf. �Yvonne, ich versuche wirklich Geduld und Verst�ndnis f�r dich aufzubringen. Zumal du etwas anstrengend bist.� Nun l�chelte sie mich sanft durch das flackernde Discolicht an. Noch immer wusste sie nicht so recht, wie sie seit meinem Gest�ndnis mit mir umgehen sollte, was sie mir alles ohne Bedenken an den Kopf werfen k�nne, ohne mich gleich in eine erneute Depression zu bef�rdern. �Aber irgendwann ist genug�, fuhr sie dann weiter. �Und du machst dir das Leben selber schwer. Blicke nach vorn und komm aus dir heraus. Du wirst schon merken, dass du auch andere lieben und von ihnen Liebe zur�ckbekommen kannst. Orlando ist nicht die Welt.�
Ich riss die Augen auf und wollte etwas erwidern, aber Amber war schneller.
�Du sollst ihn nicht vergessen. Oh Gott, nein, das verlangt doch niemand von dir. Du kannst all das Sch�ne, das du mit ihm erlebt hast, als Erinnerung in dir bewahren, aber du darfst es nicht zu deinem Lebensinhalt machen.� Sie ergriff meine Hand und sah mich ernst an. �Tage, Wochen, Monate vergehen. Und die Zeit hat es so an sich, Dinge zu ver�ndern. Orlando wird sein Leben weiterleben, sich weiter entwickeln. Du stehst an einer Stelle und gehst nicht weiter. Vielleicht begegnet ihr einander wieder, Orlando und du. Vielleicht bekommt ihr nochmals eine Chance, aber vielleicht vergeht auch zu viel Zeit und er begegnet jemand anderem.� Amber seufzte. �Was ich dir sagen m�chte ist, dass du einfach nicht darauf bauen sollst, dass er zur�ckkommt und ihr beide wieder...� Sie stand auf, noch immer meine Hand haltend, und sah auf mich herunter. �Lebe einfach. Wenn es mit euch beiden sein soll, dann wird es fr�her oder sp�ter passieren, aber warte nicht darauf. Lass es einfach geschehen.�
Daraufhin l�chelte sie und machte sich wieder auf den Weg zur Tanzfl�che. Ich blieb zur�ck und sah ihr nach. Verflucht! Warum hatten immer alle Recht au�er mir? Und wieso fiel es mir so schwer, diese Erkenntnis zu akzeptieren? Nat�rlich w�rde Orlando weiterleben. Seine Karriere hatte schlie�lich erst begonnen und nahm so viel seiner Zeit in Anspruch, dass es ihm sicherlich leichter viel, mit der Trennung umzugehen. Er lernt neue Menschen kennen und was, wenn unter diesen tats�chlich eine Frau ist, die sein Herz erobern kann? Er k�nnte mit ihr gl�cklich werden und die dumme Yvonne s��e in London und w�rde auf ihn warten. Aber das zu verhindern, lag an mir. Auch ich k�nnte mein Leben weiterleben, mein Studium meistern und neue Menschen treffen. Ja, das kann ich auch. Und vielleicht, wenn Gott es will, finden wir einander irgendwann wieder. Oder aber auch nicht... Eine Antwort suchend blickte ich in mein Glas. Es war leer, so wie ich. Gut, die Sache mit dem Glas w�rde ich alleine in den Griff bekommen, aber das andere? Ich blickte hinter mich in eine der Spiegeldekorationen an den W�nden des Lokals. Ich sah mehr als j�mmerlich aus. Kein einziges m�nnliches Wesen hatte heute Abend Notiz von mir genommen. Zwar hegte ich nicht irgendeinen Gedanken an eine unsinnige Liebelei mit einem dahergelaufenen Typen, aber war es doch gut f�r das Selbstvertrauen, wenn man Interesse in M�nnern wecken konnte. Tja, dies war bei mir weniger der Fall. Ich dachte zur�ck an Ambers Worte. Orlando wird ohne Zweifel von keiner Frau �bersehen. Vielleicht begegnete er einer anderen... Moment! Er war doch schon einer begegnet, oder? Diese eingebildete Schauspielerin. Ich richtete meinen Blick wieder auf das Glas - so leer, wie ich es war. Nein, das w�rde ich �ndern. Ich w�rde weiterleben und lernen, nicht mehr leer sein. Ich w�rde zu einer liebenswerten, intelligenten Person werden. Genau das w�rde ich. Aber nun fangen wir erst einmal mit dem Glas an. Entschlossen schnappte ich mein Glas und erhob mich von meinem Stuhl. Meine drei Freunde sahen mich �berrascht und fragend von der Tanzfl�che aus an und ich deutete mit dem leeren Glas zur Bar. Sie nickten und ich l�chelte vor mich hin. Die hatten wohl geglaubt, dass ich abhauen w�rde. Richy kam in meine Richtung, um den Tisch gegen Fremdeinnahme zu verteidigen. Als er sich durch die Menge gepresst hatte, grinste er mich an und machte eine verbeugende Geste als Zeichen, dass ich gehen durfte. Kopfsch�ttelnd und grinsend zw�ngte ich mich durch die Menschen zur Bar. Dort angekommen suchte ich nach einer Stelle, an welcher ich vom Thekenpersonal nicht �bersehen werden konnte. Ich fand eine und schob mich zu ihr durch. Ich erfasste die Theke, zog mich an sie heran und entdeckte mich neben Simon, Bradley, Ben und einigen anderen Freunden Simons wieder. In der Hoffnung, von ihnen nicht gesehen geworden zu sein, drehte ich mich in die entgegengesetzte Richtung. Zu sp�t...
�Hey Muffin! Das ich dich mal woanders wiedersehe, als wie an der Uni, welch Wunder.� Bradley grinste gutgelaunt zu mir her�ber und als ich gr��end in die Runde nickte, bemerkte ich schon wieder Bens Blick auf mir. Himmel, was sollte ich nur tun?
Simon und Brad lie�en es sich nicht nehmen, mir ein Getr�nk auszugeben. Ich akzeptierte dies, erhielt schlie�lich ein weiteres Glas Zitronenlimonade und machte mich auf zu unserem Tisch. Amber und Timothy waren inzwischen auch von der Tanzfl�che zur�ckgekehrt und f�chelten sich mit der Getr�nkekarte Luft zu, so ausgiebig hatten die beiden getanzt. Als Simon und die anderen an unserem Tisch vorbeikamen, forderte Amber sie auf, sich zu uns zu setzen. Einer Einladung welcher zumindest Simon, Brad und Ben sofort folgten. Ihre anderen Begleiter machten sich auf, den Rest des Clubs zu erkunden.
Ben sa� mir gegen�ber, unterhielt sich aber die meiste Zeit �ber mit Amber, die neben mir sa�. Trotzdem strich sein Blick mehr als einmal zu mir her�ber. Simon, Richy, Brad und Timothy verzogen sich irgendwann, um sich neue Getr�nke zu organisieren und � wie sie meinten � die Lage zu checken. Zwischen Amber, Ben und mir entstand eine unangenehme Stille. Ich drehte nerv�s das Glas mit meinen Fingern, Amber tat, als begeistere sie die Musik und Ben sah fraglich zur Tanzfl�che. Hin und wieder versuchte Amber ein Gespr�ch zu beginnen, doch scheiterte dies meist an Ben oder mir. Die Situation war einfach komisch. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte, da ich wusste, dass Ben mich sehr mag. Ihm ging es wahrscheinlich �hnlich. Er wusste immerhin, dass ich wusste, dass er mich sehr mag. Dumme Situation.
Der DJ wechselte wieder die Musikrichtung. Die ersten Takte des neuen Songs von Liberty X erf�llten den Raum und Amber sprang begeistert auf.
�Hey, lasst uns tanzen gehen!�, rief sie und packte Ben schon am Arm. Ich blieb sitzen und sah zu, wie Amber Ben auf die Tanzfl�che zog. Immer wieder versuchte er ihr zu entkommen, doch Amber war jedes Mal schneller und hielt ihn an seinem Arm zur�ck. So tanzten sie mehr oder weniger den Song durch, w�hrend ich am Tisch sa� und das ganze Spektakel lachend beobachtete. Das Lied ging in ein anderes �ber und auch meine Gedanken flohen zu Orlando zur�ck. Auch er hatte manchmal so gehemmt getanzt, wie Ben es im Augenblick tat. Verdammt Yvonne!, ermahnte ich mich selbst, rei� dich endlich zusammen. Es kann so wirklich nicht weitergehen. Du kannst nicht alles mit einer Situation mit Orlando verbinden. Aus Reflex strich ich meine Haare hinter die Ohren, hob meinen Hintern ein paar Zentimeter vom Stuhl an und suchte nach meinen Freunden. Tim, Richy und Simon konnte ich nicht ausfindig machen, aber Amber und Ben waren noch immer an derselben Stelle wie zuvor. Hilflos und ungeschickt versuchte Ben, sich zu Nellys �Hot in herre� zu bewegen. Irgendwie empfand ich Mitleid mit ihm. Ich dachte gerade noch daran, wie oft ich schon zum Tanzen gezwungen wurde, als Ben zu mir her�bersah und mich anl�chelte, so, dass ich sogar von meinem Platz aus seine Gr�bchen sehen konnte. Oder war das nur Einbildung? Ich w�sste nicht, wie ich es h�tte verhindern k�nnen. Die ganze Szene spielte sich wie ein Film vor mir ab. Die Musik trat samt der anderen Discobesucher pl�tzlich in den Hintergrund und mir war, als w�rde Ben sich in Zeitlupe bewegen. Wie in so einem billigen Teenager-Film. Meine Mundwinkel zogen sich automatisch nach oben und erwiderten sein L�cheln. Allerdings etwas l�nger als gew�hnlich. Was war denn nun wieder mit mir los? Bens L�cheln wurde noch strahlender und dann wandte er sich wieder Amber zu. Ich lie� meinen Blick noch einen Moment auf ihm ruhen und r�tselte �ber meine innere Verwirrtheit. Jemand ergriff meinen Arm und zog mich vom Stuhl.
�Komm, beweg die H�ften ein wenig, du unsportliches Wesen.� Simon zerrte mich mit sich auf die Tanzfl�che. Eminem wurde gespielt und er begeisterte sich f�r dessen neues Lied total. Ich schob wie gew�hnlich die F��e �ber den Boden und suchte nach einer Fluchtm�glichkeit, doch ich sollte keine finden.
Eigentlich war es ganz lustig gewesen. Tim und Richy hatten sich ebenfalls zu uns gesellt und als die Musik der Siebziger gespielt wurde, hatten wir nur noch dumm herumgehampelt. Das Eis zwischen Ben und mir begann abzutauen und wir redeten und alberten miteinander herum. Ich musste mir sogar eingestehen, dass er mir ziemlich sympathisch war. So hatte ich auch nichts dagegen, als er sich neben mich setzte.
Wir blieben bis zur Sperrstunde im Club und waren mehr als ausgelassen, als wir schlie�lich den Jubilee Marktplatz �berschritten und f�r Amber, Tim und Richy nach einem Taxi Ausschau hielten. Ich w�rde mit Brad, Ben und Simon bis zum Trafalgar Square zu Fu� gehen und dort per Bus nach Hause gehen. Als ich mich von Tim verabschiedete, bemerkte ich Amber, die sich gerade von Ben verabschiedet hatte. Sie fl�sterte ihm etwas zu und boxte ihm in die Seite. Er sah von ihr auf und zu mir her�ber, l�ste seinen Blick allerdings sofort wieder und konzentrierte sich auf Simon, der sich nun von Amber verabschiedete. Die drei steckten die K�pfe zusammen und planten irgendetwas, doch ehe ich mich zu ihnen begeben konnten, hatten sie ihre Getuschel beendet. Dann stiegen die drei in ihr Taxi und wir anderen machten uns auf den Weg zur Strand. Ich lief dabei zwischen Simon und Ben und wir unterhielten uns �ber die vielen Obdachlosen, die in London zu �berleben versuchten. Ben und ich gerieten dabei in eine hitzige Debatte und als ich w�hrend dieser aufblickte, fiel mir auf, dass Simon und Bradley verschwunden waren.
�Sag mal, wo sind denn die anderen beiden?�, unterbrach ich Ben in seiner Erkl�rung. Er sah ebenfalls auf und suchte die Stra�e ab.
�Keine Ahnung.�
Wir sahen einander verwirrt an.
�Komm, vielleicht warten sie ja an der Haltestelle.� Ben lief weiter und ich folgte ihm ratlos.
Wir trafen Brad und Simon nicht an der Bushaltestelle und da Ben mich nicht alleine nach Hause fahren lassen wollte, stieg er mit mir in den Bus nach Kensington. High Street stiegen wir aus und bew�ltigten den Rest des Weges zu Fu�. Im Bus hatten wir begonnen, uns �ber meine Depressionen zu unterhalten und Ben belehrte mich die ganze Zeit �ber, was man dagegen tun k�nne. Verwundert stellte ich fest, dass er sich mit diesem Thema ziemlich auseinandergesetzt haben musste. Und dies imponierte mir sehr.
So erz�hlte er mir von der Schlafentzugbehandlung oder dass ich es doch mit einer Lichttherapie versuchen k�nnte. Ich h�rte kaum auf das, was er sagte, viel mehr fragte ich mich, ob Orlando sich auch in einem solchen Ma� mit meiner Krankheit befassen w�rde. Ich lief langsamer und Ben �berholte mich. Dann lief er r�ckw�rts vor mir her, damit ich ihn ansehen musste.
�Und, was meinst du?�, fragte er am Ende seines Berichts.
�Ben, solche Therapien braucht man erst, wenn man in einer starken Depressionsphase steckt. Noch schaffe ich es ohne�, l�chelte ich zur Antwort. �Aber danke, dass du dich f�r mich informiert hast.�
�Bl�d, ich wei�. Nat�rlich kennst du dich mit dem Ganzen besser aus als ich.�
Wir hatten das Backsteinhaus erreicht.
�Du h�ttest diesen Umweg wirklich nicht machen m�ssen. Jetzt musst du zur�ckgehen und mit einem anderen Bus nach Hause fahren.�
Ben stopfte die H�nde in die Jackentaschen. �Ist kein Problem. Ich wollte nur sicher sein, dass du in einem St�ck nach Hause kommst und...� Er brach ab.
�Und was?�, fragte ich. Ben sah kurz in den Nachthimmel. Er war bew�lkt, keine Sterne zu sehen. �Es war ein sch�ner Abend, nicht?�
�Ja, er war sehr unterhaltsam.�
�Du hast sogar ein paar Mal gelacht.�
�Das kommt manchmal vor.� Ich warf einen Blick zur Haust�r. Eine gewisse Unruhe stieg in mir auf.
�Bei dir aber zu selten.� Er sah mir direkt in die Augen. �Woran merke ich eigentlich, ob du ein Lachen vort�uscht oder nicht?�
Perplex sah ich ihn an. �Wieso m�chtest du das wissen?�
�Weil ich noch viel mehr von dir wissen m�chte.�
Ich wich seinem Blick aus. �Ich denke es braucht Zeit, mich wirklich zu kennen...�
�Hat er dich gekannt?�
�Wer?�
�Der Schauspieler?�
�Ben, ich wei� nicht...�
�Ist ja auch egal. Er ist schlie�lich nicht mehr hier und das ist das Einzige, das z�hlt.�
�Was soll der Unsinn?�, fragte ich mehr verwirrt als ver�rgert. Irgendwie missfiel mir dieser Teil des Abends. Wo war der Ben, von welchem ich vorhin kaum meine Augen hatte nehmen k�nnen?
�Welcher Unsinn? Das alles hier macht doch Sinn. Und wenn wir m�chten, kann es noch viel sinnlicher werden.� Mit diesen Worten zog er seine H�nde aus den Taschen, mich an sich heran und k�sste mich. Ich lie� es geschehen, genoss es wohl sogar irgendwo in mir, bis sich die eigentliche Tat in mein Bewusstsein dr�ngte. Ich schob Ben von mir und l�ste mich aus seinen Armen.
�Hey, nun mal langsam!�, platze es aus mir heraus.
�Was hast du denn?�
�So geht das nicht. Ich wei� nicht, was du dir denkst, aber ich habe kein Interesse an dir.�
�Ach nein?� Er lachte w�hrend er die Frage stellte. �Und warum hast du mich dann gek�sst?�
�Du hast mich gek�sst.�
�Sag mir jetzt nicht wieder, du h�ttest in Notwehr gehandelt.�
�Nein, aber du hast meine Situation ausgenutzt!�, fuhr ich ihn an.
�Ich habe was?�
�Verdammt, tu nicht so scheinheilig! Du wei�t ganz genau, wie es mir im Moment geht�, verteidigte ich mich.
�Na, immerhin geht es dir gut genug, mich zu k�ssen.�
�Ich habe dich nicht gek�sst! Auch habe ich dir nicht erlaubt, dass du mich k�sst! Ich habe nicht die kleinste Andeutung gemacht, dass ich das m�chte. �
�Reg dich nicht auf. Es ist doch nichts passiert.�
�Aber nicht wegen dir! Wenn es nach dir ginge, t�ten wir sicher nun etwas ganz anderes.�
�Wir w�rden uns auf jeden Fall nicht streiten.�
Seine Worte machten mich noch w�tender und ich dachte an den Abschied von den anderen zur�ck, an das Getuschel zwischen Amber, Simon und ihm. �Nun d�mmert es mir! Simon ist uns nicht verloren gegangen, ihr habt das ausgemacht, damit du mit mir alleine bist! Was zum Teufel...�
Ben lachte h�hnisch auf. �H�r mal, ich wollte dich lediglich k�ssen, nicht vergewaltigen. Ich w�re nie weiter gegangen, es sei denn, du h�ttest es gewollt.�
Wir sahen uns �ber die kleine Distanz, die ich von ihm genommen hatte, hinweg an. Mir war klar, dass ich mal wieder �berreagiert hatte, doch ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
Ben zog zum Ausdruck des Bedauerns die Mundwinkel nach unten. �Es tut mir Leid. Ich dachte, du w�rst schon so weit.�
�Da hast du dich geirrt. Und das tut mir Leid.�
�Es braucht dir nicht Leid tun. Sag es mir beim n�chsten Mal nur vorher, damit ich mir nicht vergebens Hoffnungen mache. So wie du dich heute Abend verhalten hast dachte ich, du w�rdest endlich so empfinden wie ich.�
�Ben...�
�Schon gut. Gute Nacht.�
Er drehte sich auf dem Absatz um und lief die Stra�e hinunter. Ich blieb mit h�ngenden Schultern stehen und sah ihm nach.

Montagabend. Ich lie� die T�r ins Schloss gleiten und tappte lustlos und m�de durch den Flur. Es war ein anstrengender Tag gewesen. Die Professoren hatten verk�ndet, dass sie keinen neuen Stoff mehr beginnen, sondern die restlichen Wochen bis zu den Pr�fungen nur noch wiederholen w�rden. Dies bedeutete viel Arbeit, und das hatte ich auch im �Diners� gehabt. Meine Beine schmerzten vom Stehen und Hin- und Herspringen. Lange w�rde ich das nicht mehr aushalten und ich hatte mir vorgenommen, am n�chsten Tag die Zeitungen nach Jobangeboten zu w�lzen. Nur nicht mehr kellnern... Ich ging direkt auf mein Zimmer zu, verharrte allerdings, als ich etwas lautere Musik als gew�hnlich aus der K�che vernahm. So setzte ich meine Tasche vor der Zimmert�r ab und ging der Musik nach.
�When I come home, oh I know I'm gonna be I'm gonna be the man who comes back home to you And if I grow old well I know I'm gonna be I'm gonna be the man who's growing old with you�, h�rte ich ein Lied der Proclaimers. Im T�rrahmen blieb ich stehen und sah auf ein entsetzliches Chaos aus Schrankteilen, Kisten mit Lebensmitteln und Geschirr und Farbeimern. Mittendrin in dem Ganzen entdeckte ich Simon, der weitere Lebensmittelpackungen aus dem bereits ohne T�r dastehenden Vorratsschrank holte und sie in eine der Kisten warf. David hielt sich etwas im Hintergrund auf und mischte mit einem Pinsel in einem Eimer herum. Ein paar Beine zappelten unter der Sp�le und kurz darauf verriet mir eine schiefklingende Gesangsstimme, welche das ganze Lied versaute, dass diese Beine zu Mike geh�rten.
�When I go out, yeah I know I'm gonna be I'm gonna be the man who goes along with you�
Keiner der drei bemerkte mich. Zu sehr waren sie mit ihrer Arbeit besch�ftigt. Ich lehnte mich l�chelnd an den T�rrahmen und sah ihnen zu. Simon hatte eine T�te aus dem Schrank hervorgezogen und warf einen argw�hnischen Blick in sie hinein. Schlie�lich war er sogar so mutig und langte mit einer Hand in ihr Inneres und fischte ein runzliges, mit wei�en Flaum �berzogenes Etwas aus ihr heraus.
�Boah! Was ist das denn? Der Muffin stinkt und schimmelt ja schon!�, stie� Simon aus und wedelte mit dem Geb�ck herum. �Wie lange gammelt der denn hier schon vor sich rum?�
David sah auf und zu seinem Bruder hin�ber. Dabei registrierte er, dass ich im T�rrahmen stand. Er verzog angewidert das Gesicht und sah mich verwirrt an.
�Nicht Yvonne! Der Muffin hier!� Simon hatte mich nun ebenfalls bemerkt und begriffen, welchen Muffin David verd�chtigte. �Hallo. Wann hast du dich denn hier hereingeschlichen?�, fragte er mich dann.
�Gerade eben. Und was tut ihr hier, wenn man fragen darf?�, antwortete ich und trat einige Schritte in das, was zuvor unsere K�che gewesen war.
�Wir bringen etwas mehr Farbe in unseren Speisesaal�, lachte Simon.
Ein dumpfer Aufschlag, gefolgt von einem Fluchen, verk�ndete, dass Mike sich an der Sp�le den Kopf gesto�en hatte. Er robbte unter dieser hervor und rieb sich �rgerlich den Kopf, dann erblickte er mich und verfiel in ein breites Grinsen.
�Na, mein Aborigine, dass mit dem Bumerang �ben wir aber noch mal, ja?�, erinnerte er mich an das Frisbeespiel im Park.
Ich schnappte mir einen Teller aus einer der Kisten und hielt ihn in die H�he. �Ich kann auch den hier an deinen Kopf werfen. Mal sehen, ob er zur�ckkommt.�
Er antwortete mir nicht, grinste lediglich, befasste sich wieder mit der Sp�le und sang weiter. Diesmal mit Unterst�tzung der beiden anderen.
�But I would walk 500 miles and I would walk 500 more Just to be the man who walked 1,000 miles to fall down at your door�
Den Teil des Refrains, welcher nur aus unsinnigen Silben bestand, sangen sie lauter und bl�delten dabei rum. Ich horchte noch einen Moment zu und verlie� dann die K�che. Zun�chst hatte ich in mein Zimmer gehen wollen, ging schlie�lich aber doch in den Salon. Ich lie� mich auf die Couch fallen, angelte nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher an. Das abendliche Programm war mal wieder zum Davonlaufen, weshalb ich MTV einschaltete und die farbenfrohe Welt der Videoclips an mir vorbeiziehen lie�. Ich starrte den Bildschirm an, ohne das Geschehen darauf richtig wahrzunehmen. Ich hatte niemanden von dem Vorfall mit Ben erz�hlt. Ich wusste selber nicht, was ich davon halten sollte. Nat�rlich fand ich ihn nett, aber ich liebte ihn nicht. Ich liebte doch Orlando. Wie kann man auf einen Menschen eingehen, wenn man einen anderen liebt? Aber wieso lie� mich diese Sache mit Ben nicht los? Es k�nnte mir doch egal sein. Aber er war mir nicht egal und das verunsicherte mich zunehmend.
Irgendwann raffte ich mich auf und holte meine Tasche, die ich vor der T�r meines Zimmers hatte stehen lassen. Im Vorbeigehen bemerkte ich, dass David und Mike bereits mit dem Anstreichen der K�chenw�nde begonnen hatten. Gelb � na toll. Im Salon warf ich mich wieder auf die Couch, kramte mein Englischbuch hervor und versuchte, mich auf die Grammatikregeln zu konzentrieren. Wieso brachte ich diese dummen Grunds�tze nicht in meinen Sch�del? Orlando forderte einfach zu viel meines Verstandes ein. Entmutigt klappte ich das Buch zu und sah auf den Fernseher. Ein neuer Videoclip begann gerade. Es handelte sich um den neuen Song von Gareth Gates. Wie hypnotisiert sah ich auf den Bildschirm und h�rte interessiert zu. Der Schnucki mit der L�cke zwischen den Schneidez�hnen befand sich in Venedig und sang dar�ber, was f�r ein Narr er doch war. Ich sah mir das ganze Video an und jede Strophe des Liedes brannte sich in mein Gehirn ein. Ich w�nschte mir, dass es an der Wohnungst�r klingeln, Orlando vor der T�r stehen und er dasselbe sagen w�rde, das Gareth eben gesungen hatte. N�mlich dass es jedem passieren kann, dass jeder den Menschen, den er liebt, verletzten kann und Herzen brechen, weil man einen dummen Fehler begangen hat. Vielleicht war diese Schauspieler wirklich nichts Ernsthaftes. Lediglich ein Ausrutscher, ein unbedeutsames Abenteuer, eine aus der Situation hervorgegangene Eselei, die er h�tte sehen m�ssen. Ich w�nschte mir, Orlando w�rde mir dies sagen und mich bitten, dass ich es verstehen w�rde. W�rde ich es verstehen? Nun, wenn er a la Gareth Gates sagen w�rde, dass er es nicht ertr�ge, dass sein Herz wegen seines bl�den Fehlers brach, dann w�rde ich es wohl. Auch wenn Orlando meines unl�ngst gebrochen hatte. Ja, das hatte er und dabei hatte er mir versprochen, es nicht zu tun.
David kam in den Salon. Er hatte eine Flasche Mineralwasser und zwei Gl�ser bei sich. Er goss in beide etwas Wasser hinein und schob mir dann eines der Gl�ser zu, w�hrend er sich mir gegen�ber im Sessel niederlie�.
�Was ist mir eigentlich zu Ohren gekommen?�, fragte er mich, nachdem er mich einen Moment betrachtet hatte. �Ben und du wart zusammen weg?�
Ich sah ihn �berrascht an. �So kann man das nicht sagen. Ich war mit Amber, Tim und Richy im Locos gewesen und er war auch dort. Es hat sich dann halt so ergeben, dass er mich nach Hause gebracht hat.�
�Aha.� David sah mich an und sein Blick lie� mich wissen, dass er den Rest auch wissen wollte.
�Er hat mich gek�sst�, knurrte ich die Antwort. �Es war so ganz nett gewesen, aber auf einmal hat er versucht... Es ging alles so schnell und � ach � wie kann er es �berhaupt wagen...� Ich brach ab.
David grinste mich am�siert an. �Muss ein Kerl etwa erst so ne Art Antragsformular mit mehreren Durchschl�gen ausf�llen, wenn er dich k�ssen m�chte?�
�Du verstehst das nicht. Du bist ein Mann.�
�Schlaue Erkenntnis.�
�Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn�, erwiderte ich feixend.
�Trotzdem verstehe ich dich in dieser Sache nicht so ganz�, meinte er. �Das mit Bloom...�
�David, bitte.� Ich sah ihn mit flehenden Augen an.
�Schon gut.�
�Ich brauche einfach noch Zeit. Irgendwann wird es schon wieder gehen und dann werde ich einen Mann finden, der mich bis ans Ende meiner Tage gl�cklich macht�, erkl�rte ich sarkastisch und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. �Das Ganze ist doch nur etwas Sch�nes, das wir uns vor Augen halten um die Hoffnung und den Verstand nicht zu verlieren. Und seien wir ehrlich: alles Sch�ne ist eine L�ge.�
�Sieh nicht immer alles so negativ.�
�Was soll ich denn dann tun?�
�Du k�nntest dir zu Abwechslung mal einen vertrauensw�rdigeren Freund suchen.� David begann anhand seiner Finger die Namen der bisher ausprobierten m�nnlichen Wesen aufzuz�hlen, von welchen er, seit wir uns kannten, etwas mitbekommen hatten. Darunter war nicht nur Orlando, sondern auch diverse Studenten, mit welchen ich ein- zweimal ausgegangen war.
Lachend unterbrach ich ihn. �Ja, ich wei�, h�r auf! Bewirbst du dich um den Job?�
�Ich? Muffy, allein dich zu kennen, ist f�r mich schon Grund, mir den Eintritt in ein Kloster zu �berlegen. Wenn alle Frauen so sind wie du...� Er schwieg.
�Wie was? Was meinst du? So kompliziert? So anspruchsvoll?�
Wir begannen nun beide zu lachen.
�Mit Ben hast du einen hartn�ckigen Verehrer abbekommen. Der Junge wei�, was er will�, sagte David ernst, als unser Lachen verklungen war.
�Mag sein.� Ich zuckte mit den Achseln. �Aber wie hast du einst so sch�n gesagt: dazu geh�ren immer zwei. Und Ben ist allein. Er ist nur Einer.�
�Du doch auch, Muff. Manchmal k�nnen die unterschiedlichsten Gr�nde zwei Menschen zusammenf�hren. Mir ist nur wichtig, dass du dein Leben wieder lebst.�
�Welches Leben?�, lachte ich zynisch. �Au�erdem kann das dir doch egal sein. Im Park neulich hast du mit einem Satz ziemlich deutlich ausgedr�ckt, wie sehr ich dich nerve und wie sehr dich meine Belange interessieren.�
Er sah mich eindringlich an und wie immer hatte ich das Gef�hl, dass er bis in mein Innersten blicken konnte.
�Muffin, jetzt bringst du da einiges durcheinander. Ich gebe zu, dass mir alles, was Bloom betrifft, m�chtig auf den Senkel geht. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass dies auch auf dich zutrifft. Vielmehr mache ich mir Gedanken um dich.� Er unterbrach und lauschte Richtung K�che, aus welcher eine neckische Streiterei zwischen Simon und Mike bez�glich eines Flecken auf Mikes Hose drang. David seufzte und sah mich dann wieder an. �Die meiste Zeit �ber tust du, als ginge es dir gut. Du sitzt in deinem Zimmer und wunderst dich, was dir der n�chste Tag bringen wird. Ob er endlich zur�ckbringen wird, was du dir erhoffst.� Sein Blick lag auf mir wie ein Eisberg, nach Antworten suchend. Ich schluckte und wagte kaum, ihn anzusehen. �Du z�gerst. Alles schiebst du in die Ferne, falls er wiederkommt. Ich meine das Studium, deine Freunde, dich selbst... Du wagst es nicht, einen neuen Weg einzuschlagen, aus Angst, dass du dann nicht mehr zur�ck kannst. Du tust, als w�re diese Liebe alles, aber glaube mir, es gibt so viel mehr im Leben als das.�
�Ja, zum Beispiel das Alleinsein.� Ich sp�rte, wie David mich in eine Ecke dr�ngte und versuchte dieser zu entkommen, indem ich trotzig wurde.
�Mag sein, dass du allein bist und dich einsam f�hlst, aber du vergisst dabei einen entscheidenden Punkt: du lebst. Du kannst so viel erleben und tun... Und jeder Tag ist ein Tag, der dir geh�rt und keine Strafe, die dir auferlegt wurde, damit du auf die R�ckkehr von jemanden wartest. Es ist nicht seine Zeit, sondern deine.�
Ich nahm das Englischbuch wieder zur Hand, einfach nur, um mich an etwas festhalten zu k�nnen. �Und was soll ich nun tun?�, fragte ich kleinlaut.
�Das kann dir keiner sagen.�
Ich atmete laut auf und sah ihn an. Tr�nen regten sich hinter meinen Augen. �Ich f�hle mich wie in einer Sackgasse. Zur�ck geht nicht...�
David l�chelte mich an. �Du befindest dich weder in einer Sackgasse, noch in einer Einbahnstra�e. Du stehst alleine an einer Kreuzung.�
Ich neigte den Kopf zur Seite und sah ihn unverst�ndlich an.
�Eine Kreuzung. Dir �ffnen sich mehrere Richtungen. Zum einen kannst du versuchen zur�ckzugehen, aber das ist noch niemanden gelungen. Doch es gibt noch drei andere Wege. Was diese dir bringen werden, wei� keiner, aber du kannst dir sicher sein, dass du immer wieder alleine an einer Kreuzung ankommen wirst und wieder neue Entscheidungen treffen musst. Mal wird dich eine Stra�e des Gl�cks leiten, dann wird Schmerz dein Begleiter sein.�
�Nette Aussicht.�
�Ich wei�. Aber ich wei� auch, dass ein solcher Zustand nicht von Dauer ist und die n�chste Weggabelung schneller kommt als man denkt.�
Ein Ruf drang zu uns her�ber. Mike und Simon schienen vor einem Problem zu stehen. David st�hnte genervt und grinste mich an. Dann hievte er sich aus dem Sessel und ging zur T�r. Dort drehte er sich noch einmal zu mir um.
�Muff?�
�Ja?�
�Versuche das Leben einfach so wie das Londoner Verkehrssystem zu sehen. Es geht immer irgendwo weiter.�
Er schloss die T�r hinter sich und lie� mich allein. Gedanken tanzten wild in meinem Kopf. Was sollte ich nun tun? Hinter mir lag also das Stra�enchaos, das ich mit Orlando bestritten hatte und vor mir lag... Ja, was lag vor mir? Doch war das �berhaupt wichtig? Mir w�rden sich immer neue M�glichkeiten bieten.
�Ich kann das. Ich habe zwar Angst davor, aber ich wei�, dass ich es schaffen kann�, sagte ich leise zu mir selber.�


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