Part 30


Denn es kommt sowieso ganz anders...


�Und was genau sagte er nun?� Tim rutschte auf dem Schreibtischstuhl nerv�s hin und her.
Ich schluckte, schloss die Augen und wollte das Gespr�ch mit Orlando aus meiner Erinnerung streichen. Wollte die ganzen letzten Tage verschwinden lassen. Alle... Bis auf die, bevor er von mir ging... Eine Ewigkeit her... Nach dem Telefonat war ich wie in Trance nach Hause gegangen. Ich hatte nicht in Notting Hill bleiben wollen. Nein, ich hatte es nicht k�nnen. Ich musste weg, ich wollte zu ihm... Wollte von Angesicht zu Angesicht mit ihm sprechen... Wollte, dass er mir alles noch mal sagte... Dass er es sagte und mir dabei in die Augen sah... Doch dies war unm�glich. Wie sehr ich auch nach einer L�sung suchte, ich fand keine. Ich war vollkommen hilflos und konnte gar nichts tun. An den Vorlesungen am n�chsten Tag nahm ich mit abwesendem Blick teil und dachte noch immer dar�ber nach, was zu tun w�re und was ich tun k�nnte, kam allerdings hierbei nicht weiter wie in der Nacht zuvor. Und nun war sein Anruf bereits einen Tag her... Vierundzwanzig Stunden waren vergangen und ich f�hlte mich leer und ausgelaugt; und das lag ganz sicher nicht an der Schicht, die ich im �Diners� gehabt hatte...
Eine warme Hand legte sich auf meine Schulter und Amber, die neben mir Platz genommen hatte, bedachte mich mit einem besorgten, intensiven Blick, aber ich brachte es zu keiner Reaktion. Ich sa� auf dem Bett, den Oberk�rper an die Wand gelehnt, die Beine angezogen und ins Nichts starrend.
�Zuerst stellte er mir die Gegenfrage, was �lieben� bei mir hei�en w�rde�, begann ich Timothys Frage mit heiser Stimme zu beantworten. Es kostete mich �berwindung Orlandos Worte wieder hervorzusuchen. �Seiner Meinung nach sei er in mich verliebt, wenn die Erkl�rung daf�r w�re, dass er mich mag, mich gerne ansieht und sehr gro�e Freude daran hat, mich zu k�ssen. Wenn ich das als �lieben� bezeichnen w�rde, dann t�te er es.� Ich sah einen Moment nachdenklich durch den Raum, erinnerte mich an jede Pause, die er w�hrend seiner Erkl�rung gemacht hatte. Auch an die Betonung der einzelnen Silben. �Aber er sei definitiv nicht in mich verliebt, wenn es bedeuten w�rde, dass er ans Heiraten, Zusammenziehen oder gemeinsam Altwerden denken m�sse...�
Timothy und Amber nickten und tauschten verst�ndliche Blicke. �Und was hast du ihm gesagt, was es f�r dich bedeuten w�rde?�
�Amber, ich konnte ihm das nicht erkl�ren... Nicht am Telefon... Ich faselte so wirres Zeug und flehte ihn schlie�lich nahezu an, mir lediglich zu sagen, was er f�r mich empfindet. Nicht nach meiner Auffassung, sondern nach seiner.�
�Und was sagte er dazu? Wich er dir wieder aus?�
�Er sagte... Er sagte, dass das, was er f�r mich empfinden w�rde...� Ich schluckte und wandte den Kopf zur anderen Seite, meinen Freunden ausweichend, ehe ich weitersprach. �Es sei mehr als nur �m�gen�, aber es reiche nicht f�r Liebe...�
Die T�r klackte und ich sah zu ihr hin�ber. David hatte w�hrend meiner Erkl�rung das Zimmer betreten. Schweigend lehnte er sich gegen die T�r und schob diese mit dem Gewicht seines K�rpers ins Schloss. Er wusste bereits schon, was geschehen war. Als ich am Vorabend nach Hause kam, hatte er im Salon gewartet. Er hatte mich nur angesehen und meine Erscheinung sagte ihm gen�gend. Bei einem warmen Tee hatte ich ihm dann von dem Telefonat erz�hlt. Ich wollte keinen Rat von ihm und er gab mir auch keinen. Ich wollte ihn lediglich als Zuh�rer und er h�rte zu.
�Seine Gef�hle gehen also �ber Freundschaft hinaus, aber sind nicht stark genug um...� Timothy suchte nach Worten.
�Nicht stark genug, um mit mir zusammen zu sein... Mich zu lieben...� Ich strich mir das wirre, ungek�mmte Haar hinter die Ohren, entzog Amber lahm meine andere Hand und sank mit dem Kopf zwischen die Knie.
�Yvonne, er ist verwirrt. Nat�rlich liebt er dich! Irgendwie zumindest... Eben auf seine Art... Du darfst daraus keine voreiligen Entschl�sse ziehen.� Amber b�ckte sich zu mir herunter und schielte zwischen meinen Beinen zu mir durch. �Lass den Kopf nicht h�ngen. Orlando hat die Nacht sicher auch nicht geschlafen und denkt bestimmt dar�ber nach, was f�r einen Stuss er von sich gegeben hat.�
�Immerhin hat er nicht Schluss gemacht, oder?�, meinte Timothy tr�stend.
�Wie h�tte er das k�nnen, wenn Muff einfach auflegt?� David trat n�her, schob die Papiere auf dem Schreibtisch beiseite und schob seinen Hintern �ber die Tischkante.
Tim sah neugierig zu ihm auf. �Bitte? Sie hat aufgelegt?� Dann sah er wieder zu mir.
�Ich war so sauer. Seine lahmen Ausreden und diese bl�den Argumente wie �wir wissen noch so wenig von einander� oder �das Vertrauen zwischen uns ist noch nicht tief genug�... So ein Quatsch! Ich meine, zu dem, was wir taten, geh�rt ein gewisses Kennen und Vertrauen, oder?� Ich sprang vom Bett auf und lief zum Fenster. Dort drehte ich mich um. �Ich widersprach seine Theorien und wir stritten weiter. Es folgten mehr b�se Worte und ich wusste, dass wir zu weit gingen. Also sagte ich ihm, dass er sich seine weiteren Worte sparen k�nne und legte auf.�
�Wow... Und nun?�, fragte Tim.
�Ich wei� es nicht�, antwortete ich ehrlich. �Ich wei� nicht, was sein wird oder was im Moment ist. Ich f�rchte mich nur davor, dass es das war. Dass ich nie wieder von ihm h�re... Dass er sich einfach nie wieder bei mir meldet. Doch ich kann den Mut nicht aufbringen, erneut mit ihm zu sprechen � nicht per Telefon.�
�Es w�re auch dumm, wenn du anrufen w�rdest�, sagte Amber. �Du hast ihm gesagt, was dir auf dem Herzen liegt... Nun muss er den n�chsten Schritt tun.�
�Wie soll ich das Ganze nur durchstehen? Die Beziehung mit ihm ist wie die Fahrt in einer Achterbahn. Ein ewiges rauf und runter... Mit zu hohem Tempo jagen wir in die Kurven und fallen beinahe... Und ihr wisst, was ich von H�he und rasender Geschwindigkeit halte�, sagte ich leise.
David schmunzelte und seufzte leise vor sich hin. �Ja, das wissen wir. Und ich kann mir vorstellen, wie schlimm das alles f�r dich ist. Zumal du ganz allein f�hrst.�
Ich sah auf und ihm in die blauen Augen.
�Muff, w�hrend du seit einer Ewigkeit in dieser Achterbahn sitzt und Runde f�r Runde krampfhaft nach Halt in den Loopings sucht, �berlegt Bloom noch, ob er �berhaupt einsteigen soll.�
�Wie meinst du das?�, fragte ich und auch Amber sah ihn unverst�ndlich an.
�Das ist doch ganz einfach: Du hast dich in eine Beziehung hineingesteigert, die es gar nicht gibt, wahrscheinlich nie gab.� David stand auf und wandte sich zur T�r. �W�hrend du schon in die Zukunft mit ihm geblickt hast, hat Bloom sich nicht weiter Gedanken um euch gemacht. Er hat das Ganze viel lockerer gesehen als du. Das wollte ich damit sagen. Deshalb sitzt du allein in deiner Beziehungs-Achterbahn und er steht unten und schaut dir bei dieser Berg -und Talfahrt zu. Ich muss los. Monique wartet sicher schon.� Er zog die T�r zu und lie� Amber, Tim und mich alleine.
�Habe ich mir wirklich nur etwas eingebildet?�, fragte ich leise und setzte mich wieder auf das Bett..
�Nein, Yvonne, hast du nicht.� Amber sah mich eindringlich an. �Du wei�t, wie Orlando aussieht. Wenn es ihm nur um die eine Sache gegangen w�re, h�tte er sich nie solange mit dir abgegeben. Nein, bei dir ging es ihm um etwas anderes.�
Ich dachte zur�ck an den Abend in Timothys Wohnung, an Richys Theorie. �Dann hat er etwas in mir gesucht, aber nicht gefunden.�
�Doch, das hat er und das wei�t du�, widersprach Amber. ��berleg doch mal! Wenn er mit dir zusammen war, war er nicht allein.�
�Orlando ist nie alleine�, antwortete ich sarkastisch und dachte dabei an diese Schauspielerin, die nun in Australien nicht mehr von seiner Seite wich.
�Er hat dauernd Leute um sich, das stimmt. Aber das hei�t nicht, dass es denen um ihn geht. Vielmehr nutzen sie den Rummel um seine Person aus und wollen so auch ein St�ck des Kuchens erhaschen. Die wissen nicht, wie er wirklich ist... Wissen nicht, welche Teile seines Lebens vom Management erfunden oder dramatisch ge�ndert wurden...� Ambers Blick wurde weicher. �Du schon.�
Ihr Blick weilte in meinem und ich musste ihr zustimmen. Orlando und ich waren oft abends bei einander gelegen und ich hatte ihm erz�hlt, was ich �ber ihn gelesen hatte. Meistens hatte er gel�chelt und geschmunzelt und mir anschlie�end erkl�rt, was sein PR-Agent f�r Geschichten �ber ihn erfunden und an die Presse gegeben hatte. Da war Tragisches, aber auch nahezu Skandal�ses dabei gewesen.
�Ich finde diese Art von Vermarktung und die daraus entstehenden Vorspiegelungen falscher Tatsachen nicht schlimm�, hatte Orlando mir gesagt. �Die Fans bekommen den Draufg�nger und Schauspieler Orlando Bloom. Jemanden, den sie nie kennen werden, aber wollen. Nein, sie bekommen ein Bild, eine Vorstellung, eine Illusion... Und was bekomme ich? Mir bleibt mein Privatleben erhalten und ich kann mit dem ruhigem Gewissen einschlafen, ich selbst zu sein und kein Medienobjekt. Nein, das Objekt ist nur der Schauspieler Orlando Bloom.�
Ich sah zu Boden und jammerte vor mich hin. �Mag sein, Amber, aber was n�tzt das Ganze nun? Selbst wenn er sich wieder bei mir meldet, was ich bezweifle, so werde ich immer die von uns sein, die alleine ist. Und er? Er wird einen Film nach dem anderen drehen, noch erfolgreicher werden und...�
�Muff, du wei�t doch, wie das mit Schauspielern ist, die mehr durch ihr Aussehen als wie durch ihr Talent auffallen.� Tim r�usperte sich. �F�r eine Weile sind sie ganz oben und die Frauen drehen geradezu durch ihretwegen... Aber irgendwann schafft sein Film nicht den Weg in die Top Five oder in die Kinos und ein anderer zieht dann an ihm vorbei. Die Presse zeigt kein Interesse mehr und die Fans wenden sich allm�hlich ab.�
�Tim hat recht�, nickte Amber. �Und gerade deshalb ist es wichtig, dass du hinter ihm stehst. Ein H�henflug h�lt leider nicht f�r immer an.�
Amber und Timothy blieben noch eine Weile, dann gingen auch sie. Ich war heilfroh, dass morgen Freitag und somit der letzte Tag der Woche war. Trotzdem konnte ich nicht schlafen.
Ich schl�pfte unter der Decke hervor und tapste aus meinem Zimmer. Der Teppich im Flur schluckte meine Schritte. In der K�che machte ich mir ein Glas Wasser und setzte meine ziellose Reise fort, Richtung Salon. Dort ging ich zum Balkon und schaute durch dessen Fensterscheiben. Der dunkle Nachthimmel war bew�lkt und lediglich der Mond zu sehen. Wo waren die Sterne? Ich setzte mich in den Sessel und rollte mich in aufrechter Haltung wie ein Embryo zusammen. Da ich keine Socken trug, wurden meine F��e langsam kalt und ich zog diese noch enger an meinen K�rper. Was sollte ich nur tun? Was k�nnte ich nur tun? Ich h�tte nicht einfach auflegen sollen. Ich h�tte das Gespr�ch mit ihm wie ein zivilisierter Mensch ausf�hren sollen. Vor lauter Wut und Zorn hatte ich mein Vorhaben aus Frankreich vergessen... Die Liebe ist wie ein Rosengarten... Ich hatte Orlando doch Zeit lassen wollen! Ich hatte ihn nicht dr�ngen wollen! Wie hatte ich nur versuchen k�nnen, ihn auf solch unmenschliche und erniedrigende Weise ein Liebesgest�ndnis zu entlocken? Wieso hatte ich nicht gewartet? Wieso hatte ich ihn nicht gebeten nach London zu kommen? W�re ich nicht sofort hysterisch geworden, h�tte er mir sicher zugestimmt. Aber nein... Ich sank noch mehr in mich zusammen und sp�rte Tr�nen auf meinen Wangen. Es durfte so einfach nicht enden! Leise wimmernd sa� ich noch immer im Sessel gekauert als ich die Wohnungst�r und kurz darauf Davids Stimme h�rte. Ein weibliches Lachen war ebenfalls zu h�ren was bedeutete, dass er diese Monique im Schlepptau hatte. Der Flur wurde erhellt und die Schritte n�herten sich. Ich kr�mmte mich weiter zusammen und hoffte, auf diese Weise unsichtbar zu werden. Das hatte mir gerade noch gefehlt! Ich f�hlte mich miserabel und depressiv und nun kamen die beiden daher. Ein Entkommen war nicht mehr m�glich. Was w�rde Monique wohl denken, wenn sie mich in diesem Zustand sah? David hatte den Salon als erstes erreicht und blieb stehen. Seine Augen waren nicht an die Dunkelheit gew�hnt und nur ein fahler Lichtpegel der Flurlampe erhellte den Salon. Der Sessel befand sich nicht in diesem Pegel, aber David hatte mein gequ�ltes Jammern wohl geh�rt. Er sah Richtung Sessel und ich bemerkte, dass sich eine Sorgenfalte auf seiner Stirn bildete. Monique erschien leise fr�hlich plappernd hinter ihm und wollte sich gerade an ihm vorbei in den Raum begeben, als er ihren Arm ergriff, sie an sich zog und k�ssend zu seinem Zimmer schob. Monique kicherte auf und sprach erst auf Franz�sisch zu ihm, fragte dann, ob er nicht gemeint h�tte, dass er noch hungrig sei. Er verneinte, ich h�rte die Zimmert�r und daraufhin war es wieder ruhig. Ich blieb sitzen, nickte hin und wieder f�r einen Moment ein, erwachte erneut unter Schluchzen, st�rzte mich in Gedanken... Irgendwann erhob ich mich und torkelte zum Fenster. Der Mond war nicht mehr zu sehen. D�mmerung � der neue Tag war fast da.

Und er war die H�lle! Noch nie hatte ich weniger von den Vorlesungen mitbekommen. Ich starrte vor mich auf die Tischplatte und dachte � wie k�nnte es anders sein? � an Orlando. Ich wollte meinen Fehler wieder gutmachen und mich bei ihm entschuldigen. Wollte ihm sagen, dass meine Verhalten auf meine Verletztheit zur�ckzuf�hren war und dass ich ihn liebte. Mein einziger Gedanke war aus diesem H�rsaal zu gelangen und ihn anzurufen. Es kann alles wieder gut werden, sagte ich mir selber immer und immer wieder. Endlich war der Vormittag vorbei. Im Unigeb�ude warf ich einen Blick auf die Uhr. Ich musste mich beeilen, wenn ich ihn vor der Arbeit noch sprechen wollte. Hoffentlich erreichte ich ihn... Immerhin war es in Australien bereits abends.
Von Matt und Tim flankiert, verlie� ich den Altbau und lief die Stufen hinunter. Als wir das Gr�ngel�nde erreichten, fiel mein Blick auf den BMW, der am Stra�enrand stand. Es war das Auto von Brian. Jessica lief etwas hinter uns und ich warf ihr einen fragenden Blick �ber die Schulter zu. Auch sie sah �berrascht zu Brian, der nun aus dem Wagen stieg und suchend zum Geb�ude her�bersah.
�Tja, da will wohl einer ne zweite Chance�, fl�sterte ich Tim grinsend zu, h�pfte die letzten beiden Stufen hinunter und wandte mich den Weg zur U-Bahnstation zu.
�Sieht wohl danach aus�, h�rte ich Tim antworten und drehte mich zu ihm um. Er war stehen geblieben und blickte noch immer zu dem Auto. Ich folgte seinem Blick und bemerkte nun die zweite Person, die aus dem Wagen stieg. Mein Herz stand still, meine Atmung setzte aus: Er ist zur�ckgekommen! Er ist wieder hier... Es wird alles wieder gut. Ohne Tim und Matthew weiter zu beachten, lief ich los. Orlando bewegte sich seinerseits vom Wagen weg und auf dem Rasen trafen wir schlie�lich aufeinander. Er sah verheerend aus. Das Haar zu lang und zu lockig, zu viel Flaum auf der Oberlippe. Doch er war es! Es war mein Orlando. Er zog eine schwarze Wollm�tze aus seiner Jackentasche und zog sie sich �ber den Kopf, w�hrend er sich vorsichtig umsah. Seine Augen fuhren wachsam �ber das Unigel�nde und erst als er sicher war, dass ihn niemand erkannte, sah er mich direkt an. Wir standen uns gegen�ber und meine Mundwinkel zuckten, da ich nicht wusste, ob ich l�cheln, weinen oder sprechen sollte.
�Hi�, sagte er schlie�lich ruhig.
�Hi du.�
Wir schwiegen und mein Herz begann wild pochend seine Arbeit.
�Du bist hergekommen�, brachte ich weinerlich hervor. Wenn das kein Zeichen von wahrer Liebe war... Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und dr�ckte meine Lippen auf seine. Seine Hand fuhr an meiner Wange entlang und hielt mein Kinn. Ich zitterte unter unseren k�ssenden Lippen. Irgendetwas war anders...
�Na ja, es gibt einige Dinge zu erledigen�, antwortete er, nachdem wir uns begr��t hatten und sah mich nachdenklich an. �Nachdem du einfach aufgelegt hattest, dachte ich mir, dass wir per Telefon nicht weiterkommen und das Ganze vielleicht besser pers�nlich miteinander besprechen.�
Ich nickte. �Wann...?�
�Brian hat mich eben vom Flughafen abgeholt.� Er sah zu dem Genannten hin�ber, der an der Autot�r lehnte und l�chelte mich dann kurz an. �Gehen wir ein St�ck?�
Wieder nickte ich und lief neben ihm �ber den Rasen. Ich wollte nach seiner Hand greifen und ihn ganz fest halten, ihn nie wieder loslassen.
�Also, Yvonne, ich glaube nicht, dass wir so weiter machen k�nnen�, sagte er nach ein paar Metern. �Nat�rlich habe ich versucht dem, was wir tun und sind, eine Form zu geben. Aber es gelang mir nicht.� Er legte die Stirn in Falten, sah sich wieder einen Augenblick um und stellte beruhigt fest, dass niemand auf uns achtete. �Auf jeden Fall habe ich nicht nur ein bisschen nachgedacht.�
�Ich verstehe nicht so recht�, sagte ich. ��ber was...?�
�Du wei�t schon, was ich meine... �ber uns... �ber dich... �ber mich... Die letzten Telefonate...�, sprach er und sah mich ernst an. �Ich hasse es, wenn wir streiten.�
�Ich auch...�, seufzte ich.
�Ich habe nicht die Zeit, dich t�glich anzurufen und wenn du dann st�ndig rumzickst...�
�Schon gut, ich wei�.�
Er blieb stehen. �Dann wei�t du auch, was ich wei�?� Es entstand eine Pause. �Ich glaube, wir brauchen eine Auszeit, mehr Freiraum.�
�Freiraum wof�r?�, fragte ich getroffen. �Du bist schon soweit weg, in einem anderen Land. Wie viel Abstand brauchst du denn noch?�
�Yvonne, mach es doch nicht noch schwerer. Es geht momentan einfach nicht mehr, und das wissen wir beide�, sagte er und sah mir direkt in die Augen.
Ich sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. �Das entscheidest du einfach �ber meinen Kopf hinweg? Daf�r bist du hergekommen, um mir das zu sagen?�
�H�tte ich dir ein Telegramm schicken sollen?�, erwiderte er ausdruckslos.
�Orlando, wieso?� Er sah stumm auf seine Schuhe.
�Diese Schauspielerin... Es ist wegen ihr? Habe ich nicht Recht?�
�Oh je...�, klagte er genervt. �Ich finde, wir brauchen das jetzt wirklich nicht zu vertiefen.�
�Wer ist sie? Seit wann hast du was mit ihr?�, fiel ich �ber ihn her.
�Siehst du, genau das meine ich. Genau deshalb kann und will ich einfach nicht mehr. Ich kann nicht einmal mehr mit dir reden, weil du mir in deiner verschrobenen Art gar nicht zuh�rst!�
�Verschrobene Art!?�
�Jetzt mach bitte kein Drama draus, ja?�
�Das kann doch unm�glich wahr sein.� Ich sah ihn an und wagte nicht zu blinzeln, aus Angst, er k�nne sich wie eine Fatahmorgana einfach aufl�sen. �Hast du etwa alles vergessen, was zwischen uns war?�
�Nein, habe ich nicht...�
�Warum tust du dann so was?�
�Was willst du jetzt von mir h�ren?� Seine Stimme hatte einen belustigenden Unterton angenommen.
Ich musste mich beherrschen, um ruhig zu antworten. �Wie w�re es, wenn du zur Abwechslung einmal den Schauspieler in dir vergisst und mir sagst, was ich f�r dich eigentlich bin!�
�Das sagte ich dir doch bereits schon. Ich mag dich. Du bist eine wichtige Vertrauensperson f�r mich, auch wenn ich mich bei meiner Wahl wohl mehr von meinen Gef�hlen als wie von meinem Verstand leiten lie�.�
Nun sah ich ihn perplex an. �Bitte? M�chtest du mir etwa sagen, dass ich nicht vertrauensw�rdig bin? Bef�rchtest du, dass ich mein Wissen �ber dich anderen mitteilen k�nnte?�
�Wieso nicht? M�chtest du sp�ter nicht Drehb�cher oder Filmkritiken schreiben? Ich glaube, es k�nnte hilfreich sein, wenn du dabei erw�hnen w�rdest, dass du mit mir gelegentlich schl�fst. Zumindest w�rde es dir einige T�ren �ffnen.�
�Spinnst du?� Bei meinem Ausruf sahen einige der herumstehenden Studenten zu uns her�ber. Orlando sah sich unruhig um.
�Du bist einfach nicht vorsichtig genug. Dir muss nur ein falsches Wort gegen�ber der falschen Person rausrutschen und wir sind am Arsch! Und mein Management hat Wei�-Gott besseres zu tun als deine Fehltritte auszub�geln.�
�Fehltritte? Das wird ja immer besser.�
�Wie w�rdest du es denn bezeichnen?�
�Ach, meinst du die Auseinandersetzung mit Jessica?�
�Genau. Solange du mit deiner Eifersucht nicht klarkommst, klappt die Sache einfach nicht. Du musst kapieren, dass ich nun mal viel Kontakt zu M�dels habe. Meine Fans sind �berwiegend weiblich.�
�Ich bin nicht eifers�chtig auf deine bekloppten Fans! Verstehst du �berhaupt nicht, um was es mir geht?� Verzweifelte Wut setzte sich in mir frei und ich stampfte mit dem Fu� auf, wodurch ich noch mehr Blicke auf uns zog. �Ich habe dieses heimliche Getue satt! St�ndig verleugne ich mich selbst, kann nicht mal sagen, dass ich einen Freund habe und bin gezwungen, ein Doppelleben zu f�hren. Ein Leben, welches ich gelegentlich mit dir des nachts in deinen vier W�nden f�hre und dann dieses hier.� Ich machte eine ausholende Armbewegung, welche die Universit�t und meine im Hintergrund wartenden Freunde umfasste. �Ich will nicht l�nger nur die Frau im Schatten sein!�
�Ach nein? Und du glaubst, dass du die Frau sein k�nntest, die an meiner Seite �ber den roten Teppich stolziert? Du glaubst, dass du diesen Erwartungen entsprichst?�
Orlando wusste wohl nicht, dass es nicht die gro�en Trag�dien und Katastrophen sind, die am meisten wehtun, sondern vielmehr die kaum wahrnehmbare, beunruhigende Ver�nderung im Tonfall einer �u�erung. Und wie tief sich diese ins Herz schneiden konnte. Und gerade das hatte seine letzte Bemerkung getan. Diese Kombination aus leichtfertiger Witzelei und gezielter Verletzung war grausam.
�Du raffst es einfach nicht, oder?� Er sch�ttelte heftig den Kopf und seine Augen blitzten. �Aber nein, ich kann dir keinen Vorwurf machen. Es ist allein meine Schuld. Atti hatte mich gewarnt...�
�Wovor?�
�Dass du es nicht packst! Erinnerst du dich an unser Wochenende in Frankreich?�, fragte er. �Am ersten Abend hatten Andr� und ich einen kleinen Streit am Kamin.�
Mein Hirn ratterte und ich erinnerte mich zur�ck. Ja, es fiel mir wieder ein. Amber und ich waren in der K�che gewesen und Orlando und Andr� hatten noch zu zweit vor dem Kamin gestanden.
�Schon damals sagte Atti, dass ich die Finger von dir lassen sollte, weil du einfach nicht damit klarkommen w�rdest.�
�Womit?�, fragte ich verzweifelt.
�Mit allem! Mit der Tatsache, dass ich keine Beziehung m�chte... Ich hatte es dir selber gesagt und du meintest, dass du es verstehen w�rdest, aber du tust es nicht. Und nun sind wir an diesem Punkt. Ich sagte dir, dass ich nicht der Freund sein kann, den du dir erhoffst und trotzdem erwartest du etwas von mir.� Er schob die H�nde in die Jackentasche und sah auf mich herunter. �Alles, was ich dir geben kann, hast du schon l�ngst und noch immer reicht es dir nicht.�
�Und was m�chtest du eigentlich von mir?�
Er l�chelte mich an. �Ich kann nicht klagen. Auch ich habe, was ich von dir m�chte. Du h�rst mir zu, bel�chelst meine Tr�ume, lachst �ber meine Witze, bist mir eine gute Freundin und wenn ich will, befasse ich mich mehr mit dir. Aber es l�uft alles ganz zwanglos.�
�So l�uft das aber nicht! Du kannst meinen K�rper nicht in Besitz nehmen und mein Herz au�en vorlassen. Wenn ich mich dir hingebe, dann gebe ich dir alles von mir und ich erwarte, dass du dann auch alles annimmst. Ich bin kein St�ck Kuchen, von dem man nur herauspult, was einem schmeckt.�
�Doch, Yvonne, das sind wir alle irgendwie. Man verschlie�t die Augen und bekommt den Menschen, den man m�chte. Hast du das nicht auch mit mir getan?�
Mein Herzschlag gewann an Tempo. �Vielleicht ein bisschen, ja, aber ich versuchte, mit dir umzugehen, wie du bist. Es geht mir nicht um deinen Job, deinen K�rper... Mir geht es um mehr.�
�Du bist so verdammt kompliziert und machst dir �ber jeden Schei� Gedanken...�
Mein eigener Puls dr�hnte mir in den Ohren. �Es tut mir leid! Es tut mir leid, wenn ich dir zu kompliziert bin... Es tut mir leid, wenn ich nicht stark genug bin... Wenn ich zu schwach bin... Aber ich kann diese Verbindung zwischen meinem Herzen und meinen K�rper nicht einfach l�sen!�
Hinter meiner Stirn tobte ein Chaos aus Gef�hlen. Zorn, Wut, Hoffnung, Verzweiflung, Dem�tigung... Es war einfach alles dabei. Und ich lie� auch nahezu alles raus. Es war mir egal. Orlando seufzte und sah sich um. Inzwischen hatte unsere Unterhaltung mehrere Zuschauer gefunden, die uns aus Entfernung beobachteten. Auch Jess, Tim und Matthew sahen zu uns her�ber.
�Okay, wir h�ren jetzt auf, bevor es noch h�sslicher wird�, sagte er schlie�lich.
�Typisch! Wir stecken in einer Diskussion und du kneifst! Wie oft willst du noch vor mir weglaufen?�
�Wenn ich Gl�ck habe, ist das das letzte Mal. Ich finde, wir sollten das Kapitel abschlie�en. Es hat einfach keinen Sinn.�
�Wieso?�, rief ich zornig. �Weil ich dir zu anstrengend bin?�
�Yvonne, lassen wir es einfach. Wir k�nnen Freunde bleiben, weiterhin telefonieren... Unsere Szene ist abgedreht und im Kasten.�
Meine Stimme wurde lauter. �Ach, so einfach siehst du das? Wie ein Filmprojekt... Nett, dass du unsere Beziehung mit deinem Job vergleichst, aber das kann ich auch.�
Orlando sah mich unsicher, aber auch leicht zornig an.
�F�r mich ist jedes Menschenleben wie ein Buch. Jeder Lebensabschnitt, jedes Ereignis hat sein eigenes Kapitel und wie lange dieses anh�lt, kann man nie so genau sagen. Doch in jedem Kapitel treten neue Menschen auf und man hat die M�glichkeit, deren Charakter auszubauen und weiter erscheinen zu lassen, oder sie mit Ende eines Abschnitts wieder zu entfernen. Ich kann es nicht glauben, dass du einfach die Seite wechseln, zu einem neuen Kapitel �bergehen willst. Du kannst das Kapitel �ndern, aber nicht das Buch! Und wann immer du zur�ckbl�tterst, wirst du auf die Seiten sto�en, die den Zeitraum deines Seins erz�hlen, indem ich bei dir war... Diese Seiten kannst du nicht einfach herausrei�en.�
Er sah auf seine Schuhe und wich meinem Blick aus. Mal wieder entstand eine Pause, die ich mit bittenden, aber dennoch energischen Worten durchbrach.
�Orlando, sag mir, wie viele Seiten deines Lebens gibst du mir? Wie viele Zeilen w�rdest du ben�tigen, um von mir erz�hlen? Wie viele Kapitel w�ren mir gewidmet? Schei�e! Wie viele Seiten in deinem Leben sind f�r mich? Orlando, f�r die Zeit, die wir hatten, m�chte ich nicht nur eine Seite in dem Buch deines Herzens sein. Nein, ich m�chte nicht eine weitere, belanglose Seite in deiner Geschichte sein! Es ist n�mlich nicht nur deine Geschichte. Nein, es ist eine Geschichte, die sich - nur etwas anders erz�hlt - in mir ebenfalls schreibt.�
�Oh Gott...� Er wandte sich ab und wollte gehen. Ich hielt ihn an seiner Jacke zur�ck.
�Was f�r eine Bedeutung gibst du uns? Etwa dieselbe wie du Amber gegeben hast?�
�Schei... woher...� Er zog die H�nde aus den Taschen und l�ste meine Hand von seiner Jacke. �Du hast doch keine Ahnung.�
�Doch, ich wei�, dass du mich belogen hast. Du hast mir gesagt, dass nie etwas zwischen dir und Amber gewesen sei.�
�Verflucht! Es war auch nichts!�
�Das sieht sie aber anders.� Ich lief um ihn herum und sah ihn an. �Sie war in dich verliebt.�
�Herrje, da war sie sicher nicht die erste... Das Ganze ist ewig her, wenn du mir das jetzt vorh�ltst... Wir kannten uns damals noch nicht einmal!�
�Und was war mit Jessica?�
Orlando sah auf und �ber meine Schulter hinweg. Auch ich drehte mich und sah kurz in diese Richtung. Timothy kam langsam und vorsichtig auf uns zu.
�F�ngst du jetzt schon wieder damit an...�
�Du hast sie gek�sst! Sag mal, wie weit w�rst du noch gegangen, wenn wir nicht aufgetaucht w�ren? H�ttest du dich mit ihr in ein ruhiges Pl�tzchen zur�ckgezogen?�
�Yvonne...�
Ich h�rte nicht zu, da ich mich bereits in Rage geredet hatte. �Und was zur H�lle l�uft mit dieser Schauspielerin in Australien?�
�Ich w�sste nicht, warum ich dir das sagen sollte.�
�Super! Also hast du was mit der?�, schrie ich ihn an.
�Na und wenn schon... Du vereinsamst hier ja auch nicht gerade ohne mich.� Seine Augen funkelten b�se.
�Was soll das jetzt wieder hei�en?�
Er sog scharf die Luft ein. �Das wei�t du. Erst machst du in aller �ffentlichkeit mit irgendeinem Typen rum, dann �bernachtest du kurioserweise bei Atti und nun musste ich auch noch h�ren, wie du auf dieser Hochzeit mit so nem Iren rumposiert h�ttest und dann auch noch mit Cole in die Kiste geh�pft bist.�
�Bitte?� Fassungslos riss ich die Augen auf.
�H�ttest nicht gedacht, dass ich das erfahre, oder?�
�Ich wei� nicht, wer dir das erz�hlt hat, aber...�
�Ach, h�r doch auf die Unschuldige zu spielen.�
�Ich habe mit keinem anderen rumgemacht. Ich habe dich nicht betrogen!�, sagte ich wieder in verzweifelter Wut.
�Ach nein? Und warum wissen alle anderen davon?�
�Das mit Ben war etwas total Bl�des... Mit Andr�... Oh, verdammt Orlando! Er ist ein Freund und meine Verbindungsperson zu dir. Und mit David habe ich ganz sicher nicht geschlafen! Ich habe bei ihm geschlafen, da ich sonst in der Nacht erfroren w�re!�
Orlando verdrehte genervt die Augen. �Komm du mir noch einmal damit, dass du mir nicht vertrauen k�nntest...�
�H�rst du mir �berhaupt zu? Ich habe nichts getan, dass irgendein Misstrauen hervorrufen k�nnte.�
�Doch, das hast du. Du hast mir n�mlich nicht vertraut. Schon von Beginn an nicht, sonst h�ttest du mir von dir erz�hlt!�, fauchte er gereizt.
�Ich verstehe nicht...�
�Es ist heutzutage so einfach, etwas �ber einen Menschen zu erfahren. Schweigepflicht hin oder her.�
Mein Herz sank hinunter zu meinen Knien. �Hast du mir nachgeschn�ffelt?�
�Das war nicht n�tig. Nein, ich erw�hnte deinen Namen einmal beil�ufig vor meinem Berater...�
�Und der hat dann sozusagen in meinen Akten gew�hlt?�
�Ohne mein Wissen, wohlbemerkt. Ich habe nicht darum gebeten, aber was er mir dann sagte, war sehr �berraschend.� Er lie� mich nicht aus den Augen. �Wann hattest du vor, es mir zu sagen?�
�Orlando...�
�Vielleicht dann, wenn die ersten Berichte in den Zeitungen erschienen w�ren?�
Meine Schultern verloren ihren Halt. �Ich h�tte es dir gesagt, sobald ich so weit gewesen w�re.�
�Also, wenn es zu sp�t gewesen w�re?�
�Es ist lange her und ich habe mich im Griff. Zumindest bis jetzt noch...�
Er lachte auf. �Das habe ich ja gesehen. Nimmst du noch irgendetwas?�
�Nein, tu ich nicht. Etwa zwei Monate bevor ich nach London kam, habe ich die Medikamente abgesetzt. Dank meiner Freunde brauchte ich sie nicht mehr.�
�Meiner Meinung nach solltest du sie wieder nehmen. Vielleicht w�rdest du dann wieder klar denken k�nnen�, h�hnte er.
�Versteh doch... Es f�llt mir nicht leicht dar�ber zu sprechen...�
�Mir h�ttest du aber davon erz�hlen sollen!�, fuhr er mich an. �Gerade mir! Du wei�t, wie sehr mir die Presse im Nacken sitzt.�
�H�r zu! Das Ganze ist nicht gerade etwas, auf das ich Stolz sein kann. Es kostete mich viel Kraft, mein Leben auf eine normale Ebene zu bringen... Ich wei�, dass ich manchmal schwierig bin, aber das bin ich nicht grundlos. Ich kann nichts daf�r!� Ich weinte nicht, nein, ich war w�tend und schrie. �Du hast keine Ahnung was ich durchgemacht habe! Du wei�t nicht wie es ist, Angst vor sich selbst zu haben! Du kannst das gar nicht wissen... Und dein Verhalten mir gegen�ber erleichtert die Situation nicht gerade.�
�Ist es jetzt also meine Schuld, dass du Probleme hast?�
Ich funkelte ihn b�se an. �Das ist eine verdammt d�mliche Frage.�
�Ich habe dich nie dazu gezwungen, dich mit mir einzulassen. H�tte ich aber gewusst...� Er verstummte und sah mich kopfsch�ttelnd an.
�Und h�tte ich gewusst, was f�r ein Mistkerl du bist...�
�Ich und ein Mistkerl? Jetzt pass mal auf: ja, ich schaue mir gerne noch die anderen M�dels an, aber immerhin habe ich dir gesagt, wer ich bin und was ich erwarte. Ich habe nicht einen wichtigen Teil meines Lebens verschwiegen.�
�Ich frage mich wirklich, was schlimmer ist, mein Geheimnis oder deine L�gen?�, ging ich aus meiner Verteidigung in einen Angriff �ber. Die anderen Studenten murmelte und tuschelten.
�L�gen? Ich fass es nicht...� Wieder sch�ttelte er den Kopf. �Ich habe dich nie angelogen. Vielleicht erz�hlte ich dir nicht alles, aber ich habe nie gelogen.�
�Siehst du? Und ich tat das gleiche. Du hattest deine Geheimnisse vor mir, und ich meine vor dir!�
�Nur mit dem Unterschied, dass wir durch meine nicht in Schwierigkeiten gelangen k�nnen.�
�Oh doch Junge, das tust du...�, fauchte ich. �Du ger�tst gerade in arge Schwierigkeiten mit mir.�
�Wow... Ich zittere schon�, machte er sich �ber mich lustig. �Was wirst du nun tun, Yvonne? Mich schlagen? Mach doch. Du brauchst keine Angst haben, ich schlage mit Sicherheit nicht zur�ck. Oder besser: Fang doch an zu weinen.�
Er traf mich verbal und mit seinem Blick. Ich stand da und sah ihn an. In seinen Augen lag kein warmes Empfinden mehr, sondern nur noch K�lte, Leere und Zorn.
�Hey, jetzt ist aber genug, h�rt ihr?� Timothy stand neben uns und sah mit schneller Atmung von einem zum anderen. Auch Matt und Jessica n�herten sich.
Orlando sch�ttelte stumm lachend den Kopf und sah mich k�hl an. �Himmel, du bist so durch den Wind...�
�Dann �berleg mal, an was oder wem das liegen k�nnte.�, knurrte Jessica, woraufhin Orlando den Kopf in den Nacken warf.
�Sorry, so nen Schei� habe ich nicht n�tig�, zischte er und ging davon.
Ich blieb zur�ck und sah ihm nach. Meine Motorik hatte ausgesetzt, mein K�rper zitterte vor Zorn. Meine Ohren rauschten, die Augen flimmerten und mein Hals w�rgte. Brian kam Orlando entgegen und sprach auf ihn ein, doch dieser machte eine abwehrende Handbewegung und begab sich zum Auto. Ehe er einstieg, sagte er gekonnt laut zu Brian. �Es gibt nichts mehr zu sagen. �berhaupt: Wir hatten uns nie etwas zu sagen... Wir redeten immer, aber h�rten einander nie zu.�
Brian stieg ein und der BMW fuhr los. Ich stand da und sp�rte meine Beine nicht mehr. Matthew war pl�tzlich neben mir und zog mich an seiner Seite hoch.
�Schei�e! Das war gar nicht gut�, sagte Tim. �Muff?� Als ich nicht reagierte nahm er mein Gesicht in seine H�nde und zwang mich ihn anzusehen. �Muffy?�
Ich war des Sprechens nicht mehr f�hig. Meine Gedanken kreisten und in mir regte sich etwas.
�Yvonne? Hey! Hallo!�, drang Matts Stimme von irgendwo.
�Leute, ich habe kein gutes Gef�hl, und ich wei� nicht, was im Notfall zu tun ist.� Tim hielt mich noch immer und sah beunruhigt in meine Augen. Ich erwiderte seinen Blick, nahm ihn aber nicht richtig wahr.
�Wir m�ssen sie wegbringen�, h�rte ich Jessica fl�stern. �Los, besorgen wir ein Taxi und rufen Rachel an.�

Tim, Matt und Jessica schoben mich in die Wohnung und dirigierten mich in die K�che. Dort zwang mich Jessica, Platz zu nehmen, w�hrend Matt und Timothy im Salon das Telefon in Beschlag nahmen. Ich sah ihr aus den Augenwinkeln zu, wie sie eine Tasse aus dem Schrank nahm und mir einen Tee machte, so, wie sie es fr�her schon oft getan hatte. Sie sprach die ganze Zeit �ber nichts, setzte sich schlie�lich schr�g neben mich und schob mir die Tasse zu.
�Geht es wieder?�, fragte sie vorsichtig.
Ich sch�ttelte den Kopf. �Ich fasse es nicht...�, stammelte ich vor mich hin. �Wie kommt er nur dazu, so etwas zu tun? So etwas zu sagen?�
Jessica sah mich an. �Ich wei� es nicht. Ich wei� es wirklich nicht.�
�Jess? Ich schaffe das heute nicht. Ich kann unm�glich zur Arbeit gehen.�
Sie nickte. �Musst du auch nicht. Wie ist die Nummer? Wir rufen an.�
�Oh Gott...� Ich sank auf die Tischplatte. �Ich kann nicht schon wieder fehlen... Ed schmei�t mich mit Sicherheit raus.�
�Auf das kommt es jetzt nicht an�, sagte sie ruhig.
Ich schob ihr mein Handy zu und sagte ihr unter welchen Eintrag sie die Nummer vom �Diners� finden k�nnte.
Die K�chent�r wurde aufgeschoben und Tim kam herein. �Okay, Rachel versucht einen Babysitter f�r die Kleinen zu besorgen. Kann aber noch ein Weilchen dauern. Aber David wei� Bescheid und meinte, dass er sich gleich auf den Weg machen w�rde.�
�Und was nun?�, richtete sich Jess an ihn.
Tim sah kurz zu mir und sprach etwas leiser zu ihr. �Wir sollen sie auf keinen Fall alleine lassen. Er kommt so schnell wie m�glich.�
�Oh Gott, wie oft haben wir eine solche Situation durchgesprochen? Rachel hatte uns doch genaue Anweisungen gegeben...�
�Jess, ich erinnere mich auch nur vage.� Er sah wieder zu mir und verfiel in ein gespieltes L�cheln.
�Und, Muffy, geht es dir einigerma�en gut?� Aus seinem Gesichtsausdruck konnte ich entnehmen, dass er seine dumme Frage bereits bereute.
�Bestens�, knurrte ich.
Jess zupfte Tim am �rmel seines Hemdes. �Wir m�ssen bei ihrer Arbeit anrufen. Bitte mach du das, du hast so eine �berzeugende Stimme.�
Tim nahm das Handy und wandte sich zum Gehen. �Hoffentlich dreht sie nicht durch.�
�Tim?� Jess sah ihn unsicher an. �Schick Matt r�ber. Ich will nicht mit ihr alleine sein.�
Matthew und Jess sa�en mir gegen�ber und sahen mir zu, wie ich innerhalb k�rzester Zeit st�ndig meine Sitzhaltung �nderte. Innerlich war ich total aufgew�hlt. Ich fand keine Ruhe. Als schlie�lich auch Tim wieder in die K�che kam, redeten die drei vorsichtig auf mich ein. Ihre dummen Versuche machten mich noch w�tender. Ich h�rte ihnen nicht zu, sondern dachte zur�ck an Orlando. W�hrend dieser Gedanken �berkam mich wieder ein eisiger Zitteranfall, der damit endete, dass ich einen schrillen Ton von mir gab und die Teetasse in eine Ecke der K�che schleuderte. Meine Freunde sahen mich erschrocken an. Ich stand auf, lief ein paar Schritte, fuhr mir mit den H�nden durchs Haar und dr�ckte dann alle Finger in meine Schl�fen. Mir entfuhr ein zorniges Quicken, gefolgt von einer Reihe von Fl�chen.
�Was zum Teufel bildet der sich eigentlich ein?� Ich hob den Kopf und sah die anderen an. �Habt ihr geh�rt, was er gesagt hat?�
�War nicht zu �berh�ren.� Tim nickte zaghaft, Matt wich meinem Blick aus und Jessica stand langsam auf.
�Ich k�nnte ihn umbringen! Wenn hier jemand an irgendwelchen Problemen leidet, dann er... Total beziehungsunf�hig... Ich h�tte ihn betrogen... Pah!�� Ich plapperte weiter irgendwelches Zeugs, das meine Freunde nicht recht verstanden und bemerkte, wie in mir eine Zerst�rungswut, der Drang zum Schutz und zur Verteidigung aufstieg. W�rde ich Mister �Superstar� Bloom nun in die Finger bekommen... Und genau das wollte ich.
�Okay, ich gehe zu ihm. Der wird was erleben�, setzte ich meine Freunde in Kenntnis und spurtete aus der K�che.
�Haltet sie auf!�, schrie Tim hinter mir und schon sp�rte ich, wie eine Hand nach meinem Arm griff und mich herum wirbelte.
�Yvonne, lass gut sein. Das bringt jetzt nichts.� Jessica riss mir beinahe den Arm raus.
Ich sah sie feindselig an. Jessica... Was machte sie hier eigentlich? Was hatte sie hier zu suchen? Sie war es doch gewesen, die Orlando gek�sst hatte. Sie war es gewesen, die er gek�sst hatte. Ich sah sie weiter an und Gedanken zogen wie ein Musik-Clip an mir vorbei. Sie hatte Orlando von Anfang an gewollt... Das Gespr�ch in der Videothek... Der Abend im �Tiger�... Die Geburtstage von Nancy und Andr�... Mir fiel wieder meine Kurzgeschichte ein. Die Intrige... Was hatte sie nun wieder vor?
�Was tust du hier?�, fragte ich sie kalt. �Wieso sollte ausgerechnet dir daran etwas liegen, mir zu helfen?�
Jess schluckte. �Vielleicht weil du noch immer meine Freundin bist.�
�Komm, Yvonne, setzt dich und beruhige dich.� Matt und Tim n�herten sich.
�Ich will mich nicht beruhigen! Ich will zu ihm! Ich will...�
�Was willst du?�, fragte Tim.
�Ich will...�, begann ich wieder, stoppte und sah dann wieder zu Jessica. �Und du lass mich gef�lligst los! Dir habe ich diesen ganzen Schlamassel doch �berhaupt zu verdanken!� Ich fuhr fort in meiner Wut und beleidigte letztendlich nicht nur Orlando und Jessica, sondern auch Tim und Matt.
�Yvonne�, versuchte es Tim erneut. �Du kannst jetzt unm�glich zu ihm. Wenn er in derselben Laune ist wie du, dann bringt ihr euch gegenseitig um!�
�Ha! Das w�r doch mal was! So bekommt er immerhin mal wieder ein Titelblatt, meint ihr nicht? Und du, lass mich endlich los!� Mit einer kr�ftigen Armbewegung schob ich Jessica zur�ck und sie taumelte gegen Matt und Tim. Ich nutzte die Gelegenheit und st�rmte den Flur hinab zur T�r. Die drei anderen riefen mir hinterher, aber ich h�rte ihnen nicht zu. Ich �ffnete die T�r und st�rmte hinaus. Meine gewonnene Freiheit war allerdings nur von kurzer Dauer, da ich w�rtlich David in die Arme lief. Ich schwankte und ging beinahe zu Boden, w�hrend er mich am Arm packte und in die Wohnung zog. Amber folgte uns.
�Okay, danke, dass ihr hier wart, ihr k�nnt jetzt gehen�, kommandierte David und schob mich vor sich her ins Bad.
Ich fluchte und befahl ihm, mich loszulassen, aber er beachtete mich gar nicht. Im Bad dr�ckte er meinen Kopf unter die Dusche und drehte diese auf �kalt�. Ich prustete und schnaubte, konnte ihm allerdings nicht entkommen.
David drehte den Hahn zu und b�ckte sich zu mir herunter, schob mein nasses Haar beiseite. �So, haben wir uns wieder?�
Keuchend rieb ich das Wasser aus Augen und Nase. Dann begann ich den n�chsten Fehler, da ich nun mit Worten auf ihn losging. David wartete gar nicht ab, packte wieder mein Genick, drehte das Wasser auf und steckte mich erneut in dessen Strahl.
�Glaubst du, dass mir das Spa� macht?�, fragte er durch das Wasser hindurch.
Irgendwann wich die Wut und ich jammerte und weinte.
�Du bringst sie noch um!�, rief Amber neben mir und im n�chsten Moment lie� das Wasser nach.
David lie� mich los und ich sackte vor der Dusche auf die Knie. Amber b�ckte sich neben mich und legte sch�tzend ihre Arme um mich, w�hrend das Wasser von meinem Kopf und aus meinen Haaren auf meinen Pullover lief.
�Das h�tte ich schon l�ngst tun sollen�, sagte David und ging zum Handtuchschrank. �Schon als der ganze Dreck mit Bloom losging, h�tte ich ihr den Kopf waschen sollen.� Er kam zur�ck, warf mir ein Handtuch auf den Kopf, kniete nieder und begann unsanft mein Haar trocken zu rubbeln. Nach einer Weile fiel das Handtuch um meinen Hals und als ich den Kopf hob, sah ich in seine Augen.
�Na, alles klar?�, fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen.
Amber sah entr�stet von ihm zu mir und zur�ck. �Bist du eigentlich noch ganz dicht?�, fuhr sie ihn an.
�Du kannst so was doch nicht einfach machen!�
�Trockne sie noch ein bisschen ab und bring sie dann in den Salon r�ber. Muss ja nicht sein, dass sie den ganzen Boden einweicht�, antwortete er ihr wirsch und ging aus dem Bad.
W�hrend Amber mir aufhalf und wir gemeinsam meine Haare frottierten, h�rten wir, wie Jessica und Matt sich verabschiedeten.
�Was ist eigentlich los?�, fragte Amber mich. �Als ich vorhin aus meiner Mittagspause kam, st�rzte David auf mich zu und meinte, ich solle sofort mitkommen. Er sagte kein Wort und ich dachte erst: wow! Yvonne hat es ihm gesagt! Wenn das mal nicht leidenschaftlich ist? Jetzt nimmt er mich sicher mit in eure Wohnung und da treiben wir es dann wie die Karnickel...� Sie grinste. �Passen w�rde es ja, weil er schlie�lich nie viel redet.�
Ich zwang mir ein L�cheln ab und versagte dabei total.
�Doch statt berauschendem Sex muss ich mir ansehen, wie er dich beinahe ertr�nkt. Also, was ist los?�
�Die H�lle ist los...�
Mehr konnte ich nicht sagen. Ich f�hlte keinen Zorn mehr, sondern gar nichts. Ich wollte auch nichts mehr f�hlen. Zu sehr wusste ich, wie gef�hrlich Gef�hle werden konnten... David kam zur�ck ins Bad, ergriff meine Schultern und drehte mich zu sich. Lange und schweigsam inspizierte er meine tr�ben Augen, ehe er wieder l�chelte. �Mensch Muff! Nen Augenblick hatte ich echt Schiss um dich.�
Wieder zwang ich mich zum L�cheln.
�Wie f�hlst du dich nun?�
�Durchweicht. Und ich bin m�de.�
Er nickte. �Gut, am besten legst du dich ne Weile hin. War heute auch ein bisschen viel auf einmal.�
Ich ging vor Amber und ihm voran aus Zimmer. Auf dem Flur sah ich Timothy, der mich betroffen ansah.
�Mensch M�del, geht es wieder?�
Erneut w�rgte ich mir ein L�cheln ab und schlich in mein Zimmer. Dort legte ich mich auf mein Bett und schlief ein.
Als ich erwachte, h�rte ich Stimmen aus dem Salon. Die T�r zu meinem Zimmer stand offen und jemand hatte mir eine Decke �bergelegt. Wie lange mochte ich geschlafen haben? Ich rieb mir die tr�gen Augen und blickte auf den Wecker. Es war kurz nach sechs. Demnach hatte ich an die vier Stunden in meinem Bett verbracht. Ich rollte mich unter der Decke hervor, stand auf und ging zum Salon hin�ber. Tim war noch immer oder bereits wieder da. Doch nicht nur er: au�er ihm und Amber sa�en Rachel, Charlene, Richy und Simon �ber die Sitzgelegenheiten verteilt und unterhielten sich eindeutig �ber mich. Lauschend stand ich im dunklen Flur und zuckte erschrocken zusammen als mir jemand von hinten seine Hand auf die Schulter legte. Gott, wie sehr ich es hasste, wenn er wie ein Gespenst durch die Wohnung spukte. David l�chelte mich an, schob mich in den Salon und blieb selber am T�rrahmen stehen. Die anderen sahen bei meinem ungewollten Auftreten auf und verstummt zun�chst, ehe sie mich vorsichtig anl�chelten.
�Hey Muffin!�, begr��te mich Rachel. �Komm, setz dich zu uns.� Sie rutsche ein St�ck auf der Couch umher und machte mir somit einen Platz. Ich ging wie eine Marionette hin�ber und lie� mich zwischen ihr und Amber nieder.
�Du siehst �bel aus... Okay, Yvonne�, begann Charlene und sah mich eindringlich an. �Tim hat uns so ungef�hr erz�hlen k�nnen, was geschehen ist. Leider hat er den Inhalt eurer Unterhaltung nicht ganz mitbekommen. Am besten sagst du uns, was passiert ist.�
Stockend erz�hlte ich mit Tims Hilfe, was geschehen war. Es �berraschte mich, wie teilnahmslos ich berichtete. War ich etwa in einem Schockzustand? Keiner der Anwesenden unterbrach mich. Simon fluchte hin und wieder, Charlene nickte verst�ndlich, Amber sah mich mit gro�en Augen an, Rachel hielt meine Hand und David lehnte am T�rrahmen und knabberte an der Nagelhaut seiner linken Hand, wie er es immer tat, wenn ihn etwas beunruhigte.
�Yvonne, du solltest mit allem, was du hast, zur Presse gehen. Fotos, Insiderinformationen... Starte einen Gegenangriff. Wenn der dir so in den Arsch getreten hat, dann tritt zur�ck und treffe ihn dort, wo es wehtut!� Simon sah mich mit ernstem Gesichtsausdruck an und auch die anderen nickten eifrig.
Nur Amber und David tauschten Blicke, die nicht daf�r sprachen.
�Nein, das wird sie nicht tun.� David lehnte noch immer am T�rrahmen.
�Und wieso nicht? David, er hat sie betrogen, einfach fallen lassen und nun nicht mal den Schneid, es ihr zu sagen! Wenn sie jetzt nichts tut...�
�Simon hat doch Recht.�, kam Rachel zu Wort. �Mit dem Geld, dass sie sich durch ein paar Infos und Fotos verdienen kann, k�nnte sie wenigstens einen Teil ihrer Schulden tilgen.� Wieder stimmten Charly, Tim und Richy zu.
�Glaubt ihr ernsthaft, dass Bloom das zulassen w�rde?� David sah fragend in die Runde. �Sobald der oder sein Management Wind davon bekommen, hat Yvonne wahrscheinlich eine Klage am Hals.�
�Ja, aber...�
�Kein �aber�, Simon! Ich bin mir sicher, dass es mit seinem Abgang vom Uni-Rasen nicht vorbei ist. Da wird noch was kommen...�
�Was soll er denn machen?�, widersprach ihm Charlene und kramte eine Schachtel Zigaretten aus ihrer Handtasche, packte diese aber wieder zur�ck, als Simon und David sie mit einem Blick an das Rauchverbot in der Wohnung erinnerten. �Das einzige, das er tun k�nnte, w�re eine Verleumdungsklage, aber aufgrund der Fotos, die Muffin laut Simon hat, h�tte er keine Chance.�
�Ihr stellt euch das so einfach vor.� David lief in Gedanken zum Balkon hin�ber. �Leider w�re nach so einer Aktion die Presse nicht nur an Bloom interessiert, sondern auch an Muff.�
�Stimmt... Das hatte ich gar nicht bedacht�, sagte Rachel und biss sich auf die Unterlippe.
�Oh weh... Und das wollen wir auf keinen Fall�, meinte Tim.
�Die ganze Sache k�nnte ziemlich dreckig werden...�, schmunzelte Simon. �Aber es w�re immerhin ein St�ck Vergeltung.�
�Wozu?� David fuhr herum und funkelte seinen Bruder b�se an. �Zu welchem Preis? Dass alles wieder aufgew�hlt wird?�
�Du willst dieses arrogante St�ck so einfach damit durchkommen lassen?�, ergriff Charlene Partei f�r Simon.
�Unter den gegebenen Umst�nden ja.�
�Sie kann k�mpfen! Wir werden hinter ihr stehen...�
�Charlene, lass es!� Tim versuchte sie mit einem ernsten Blick zu stoppen.
�Der ist die ganze Sache nicht wert�, meldete sich Richy zu Wort. �Bloom sitzt am l�ngeren Hebel.�
�Eben. Selbst wenn Muffy zur Presse geht... Es w�rde eventuell ein Bericht erscheinen und dann? Dann w�rden er und sein Management sich was Feines ausdenken und am Ende w�rde er wieder als der Held, der Supermann dastehen.�
Simon stand gereizt auf. �Nein, Tim. Bloom traue ich eher zu, dass er eine dreckige Geschichte...� David unterbrach seinen Bruder. �Nein, w�rde er nicht. Da w�rde sein Management schon dagegen sein, wegen seines Images. Die w�rden eine Story erfinden, in welcher zum Beispiel stehen w�rde, dass er ungl�cklich verliebt ist. Dass er dieses M�dchen liebt, das leider ihre Probleme hat und eine Beziehung dadurch nicht m�glich ist.�
�Bingo!�, schrie Tim auf. �Und damit w�re wieder Bloom derjenige, mit dem alle Mitleid h�tten.�
Ich sa� inzwischen mit zusammengepressten Lidern auf der Couch und in meinem Sch�del rauschte es. Ich wollte das alles nicht h�ren! Wenn hier jemand Grund hatte sauer zu sein, dann ich. Ich sp�rte eine Hand auf meiner Schulter und wusste, dass es Ambers war. Sie hatte sich bisher noch nicht ge�u�ert.
�Glaubt ihr, der w�rde so etwas tun?�, fragte Rachel. �Ich meine, er ist immerhin ein Mensch.�
�Bloom ist Schauspieler�, spie David ver�chtlich.
��T�rlich w�rde er�, h�rte ich Simon knurren. �Der Typ hat doch kein Talent. Der muss doch irgendwie auf sich aufmerksam machen. Was f�r Filme macht er denn in n�chster Zeit? Ich habe noch von keinem etwas geh�rt. Alles also nur Bullshit. Aussehen ist eben nicht alles...�
�Und wenn man schon Schei�filme dreht, dann sorgt man eben anderweitig f�r Gespr�chsstoff.� Charlene war w�tend.
�Und daf�r kann jedes Mittel recht sein�, sprach Tim. �Und das Management von Bloom wird aus Profis in diesem Gebiet bestehen.�
�Yvonne kann nicht gewinnen. Wie ihr es dreht und wendet, am Ende ist und bleibt sie die Verliererin. Ihr wisst, was ich meine...� David klang wieder ruhig und wie immer vern�nftig.
�Wenn Bloom es wagt, irgendeinen Schei� abzuziehen�, Simons Stimme war nun ganz nah, �Ich schw�r es euch, ich bringe ihn eigenh�ndig um! Der bekommt es mit mir zu tun!�
�H�rt auf! H�rt um Gotteswillen endlich auf!�, gilfte ich und dr�ckte die Handfl�chen gegen meine Schl�fen. Schon sp�rte ich Rachel und Amber an meinen Seiten. Behutsam sprachen sie auf mich ein und ich lie� die Arme sinken und fiel wieder in meine Trance zur�ck. Die Blicke der anderen ruhten auf mir und es herrschte Schweigen, das damit unterbrochen wurde, dass Simon zu mir kam und vor mir in die Hocke ging.
�Tut mir Leid�, fl�sterte er. �Du siehst elendig aus. Hast du heute eigentlich schon etwas gegessen?� Ich sch�ttelte den Kopf.
�Soll ich dir was machen? Sandwiches? Oder soll ich zu McDonalds gehen? Ich hole dir auch ein McFluffy; oder wie dieses beschissene Eis hei�t.�
Meine Augen weiteten sich unter dem Geh�rten. Nach sechs Jahren war dies das erste Mal, dass Simon sich derart f�rsorglich zeigte. Ich hatte ihn anl�cheln wollen, aber mein K�rper hatte in den vergangenen Stunden eine Abneigung gegen alles entwickelt, was mit Fr�hlichkeit oder Gl�cksgef�hl zu tun hatte. Statt dessen sch�ttelte ich erneut den Kopf.
�Ich glaube, ich m�chte jetzt alleine sein�, brachte ich schlie�lich matt hervor. Die anderen nickten und ich zuckte beim schrillen Klang eines Handys zusammen. Amber l�chelte entschuldigend, angelte ihre Jacke von der R�ckenlehne der Couch und suchte ihr Handy hervor. Beim Blick auf das Display bildete sich auf ihrer Stirn eine Sorgenfalte, dann nahm sie das Gespr�ch entgegen.
�Ja? ... Ich wei�...� Sie sah kurz zu mir. �Nein, nein, es geht ihr nicht so doll... Ja, ja, genau...� W�hrend sie murmelnd antwortete, kaute sie auf einer ihrer braunen Haarstr�hnen herum.
Simon richtete sich vor mir auf und sah sie an. �Ist es Bloom?�, fragte er.
Amber sch�ttelte den Kopf. �Nein... Nein... Nein, Atti, ich denke nicht, dass das gut w�re... Ja, verstehe, aber...� Amber sah keinen von uns an. Ihr Blick hatte einen Punkt auf dem Teppich fixiert. �Ach, bei dir?� Ich begann neben ihr zu zittern. Nat�rlich handelte das Telefonat von Orlando und mir. �Aha... Ja, gut,... Ja, bis gleich.� Amber lie� die Hand mit dem Handy sinken und sah unbestimmt durch den Raum. �Das war Andr�. Orlando ist bei ihm und m�chtig sauer.� Sie stockte einen Moment. �Atti hat mich gebeten, zu ihm zu kommen. Er meinte, er schaffe es alleine nicht, ihn zu beruhigen.�
Ich nickte unbeteiligt.
�Moment�, kam Charlene dazwischen. �Du willst jetzt tats�chlich gehen? Ich dachte, du w�rst Yvonnes Freundin?�
Amber atmete tief durch. �Das bin ich auch. Und au�erdem m�chte ich, dass diese Sache hier gekl�rt wird. Ich kann aber nur helfen, wenn ich die Geschichte von beiden Seiten kenne.�
�Amber hat Recht.� David lehnte wieder am T�rrahmen. �Vielleicht kann man ein paar Dinge noch ins Reine bringen.� Er sah nun direkt zu Amber, die sofort etwas err�tete. �Versuch zu retten was geht. Vielleicht sagt Bloom dir ja, was eigentlich los ist.�
Amber nickte und ich dachte mir, dass sie sich bestimmt nun wie James Bond f�hlte, der auf eine geheime Mission geschickt wurde. Allerdings sah sie in David nicht den Chef M, sondern eines der Bondgirls. In diesem Fall nat�rlich einen Bondboy. Trotz dieses am�santen Gedanken konnte ich noch immer nicht l�cheln.
Amber stand auf und ergriff ihre Jacke. Auch ich erhob mich und quetschte mich an Simon vorbei, der noch immer vor mir stand.
�Ich bringe dich zur T�r�, sagte ich.
Als wir an David vorbeiliefen, tauschten Amber und er einen l�ngeren Blick und anschlie�end streichelte er mir v�terlich mit der Hand �ber den Kopf. An der T�r drehte sich Amber zu mir um.
�Yvonne, ich verstehe so vieles nicht. Was ist los mit dir?�
Ich st�tzte mich an der T�r ab und sah ins Treppenhaus. �Ich wei� nicht, wie ich es dir erkl�ren soll, Amber.�
�Dann versuche es!�
Ich sah ihr in ihre braunen Augen. �Nicht jetzt und nicht hier. Ich kann im Moment wirklich nicht dar�ber reden.�
�Ich f�hl mich nicht wohl bei der Sache. Orlando wird mir jetzt gleich wahrscheinlich Dinge �ber dich erz�hlen, die ich mir nicht vorstellen m�chte und ich werde mich �berhaupt nicht dazu �u�ern k�nnen.�
�Es tut mir Leid, Amber.�
Sie hielt unserem Blickkontakt noch einen Moment stand. �Hat er recht mit dem, was er sagen wird?�
�Ja�, sagte ich schwach. �Er wird dir die Wahrheit sagen. Allerdings handelt es sich um eine Wahrheit, die er nicht versteht.�
Sie nickte. �Okay... Kann ich sp�ter noch bei dir anrufen?�
�Ich wollte dich gerade darum bitten. Egal wie sp�t es wird, ruf an und...� Ich verstummte.
�Du kennst mich�, l�chelte sie. �Ich werde versuchen, zu vermitteln.�
�Das brauchst du nicht. Es war so dem�tigend... Selbst wenn er auf Knien angerutscht k�me, die einzige Ber�hrung, die ich f�r ihn �brig h�tte, w�re ein deftige Ber�hrung mit meiner Handfl�che.� Wieder begann der Zorn in mir zu brodeln.
Nachdem Amber gegangen war, ging ich in den Salon, verabschiedete mich von den anderen und verzog mich ins Bad. Ich putzte mir nicht sofort die Z�hne. Wohl eine Viertelstunde lang sa� ich auf dem heruntergeklappten Klodeckel und gr�belte. Gr�belte, wie sehr ich Orlando verabscheute. Irgendwann war es mir zu bl�d, an ihn zu denken und ich widmete mich der K�rperpflege. In meinem Zimmer kam die Wut wieder auf und ich riss die Fotos von der Wand und stopfte sie in eine Schublade des Schreibtisches. Anschlie�end legte ich mich schlafen.

Ich verschlief den halben Samstag oder verbrachte ihn zumindest im Bett. Amber hatte in der vergangenen Nacht noch angerufen und mir mitgeteilt, dass Orlando alles andere als gut auf mich zu sprechen gewesen sei. Es war mir egal, da ich von mir nicht das Gegenteil behaupten konnte. Simon brachte mir irgendwann Tee und Toasts an das Bett und versuchte mich aufzuheitern, indem er mir erz�hlte, dass er heute Abend mit einem M�dchen ausgehen w�rde, das kaum Englisch konnte. Da es sich um eine Deutsche handelte, bat er mich um einige Tipps. Ich glaube nicht, dass ich erw�hnen muss, dass alle deutschen S�tze, welchen Simon m�chtig war, f�r eine normale Unterhaltung v�llig unbrauchbar waren. Ich mampfte appetitlos auf dem Wei�brot herum und warf b�se Blicke um mich. Ich wollte nur alleine sein. Um unerreichbar zu bleiben, schaltete ich sogar mein Handy ab und befahl Simon, allen nervenden Anrufern zu sagen, dass ich noch lebte. Ich hatte keine Lust mit Rachel oder sonst wem zu sprechen.
Gegen acht Uhr abends weckte mich die T�rklingel. Ich zog mir das Kissen �ber den Kopf und versuchte, wieder einzuschlafen, als es an der Zimmert�r klopfte. Erschrocken fuhr ich auf. Orlando? Mit in alle Himmelrichtung abstehenden Haaren sa� ich auf dem Bett und erlaubte dem St�rer einzutreten.
�Muff?� David kam halb in den Raum und sah mich fragend an. �Tom ist hier. Er meinte, ihr w�rt verabredet.�
Ich dachte nach. �Schei�e!�, entfuhr es mir bei meiner Erinnerung. �Oh Mann.�
�Soll ich ihm sagen, dass dir nicht gut ist?�
�Ja... �hm, nein, warte...� Meine Gedanken sausten. Mir war �berhaupt nicht nach Essengehen. Mir war �berhaupt gar nicht nach Gesellschaft eines m�nnlichen Wesens. Mir war nur danach, Orlando in eine Folterkammer zu zerren und dort Hannibal Lector zu spielen. Allerdings w�rde ich nicht ein St�ck von ihm essen. Schlie�lich wollte ich mir von soviel Falschheit nicht den Magen verderben... Aber ich k�nnte den Abend mit Tom verbringen. Ich k�nnte ihn bitten, mit mir dort hinzugehen, wo sich die Society rumtrieb, wo sich eventuell sogar Orlando aufhielt. Und dann w�rde er sehen, dass ich nicht das naive, brave M�dchen bin, dass immer nur auf ihn gewartet hatte. Er hatte sich doch auch am�siert! Nun k�nnte ich doch dasselbe tun! Dass Tom an mir interessiert war, wusste ich inzwischen. Au�erdem sah er gut aus. �lter und reifer als Orlando. Ein richtiger Mann, und nicht so ein heranwachsendes B�rschen! Ich raffte die Decke zur Seite. �Sag ihm, dass ich gleich da bin. Herrje�, fluchte ich und rannte zu meinem Kleiderschrank. �Ich brauche zehn Minuten.�
David musterte mich einen Augenblick und ging dann mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck. In Windeseile hatte ich mich umgezogen und etwas geschminkt. Heute w�rde ich mich selber durchbrechen! Ich w�rde Orlando zeigen, nein, ich w�rde mir zeigen, dass ich ein begehrenswertes und weibliches Wesen bin. Doch als ich mich im Spiegel betrachtete, versp�rte ich wieder dieses Unwohlsein. Wieder versuchte ich zu l�cheln, aber es gelang mir nicht. Seufzend verlie� ich mein Zimmer. Ein kurzer Blick in das unordentlich verw�stete Bad sagte mir, dass Simon bereits zu seinem Date aufgebrochen war.
David und Tom waren in der K�che, wo David sich gerade einen Tee abkochte. Im Gegensatz zu Simon und mir verwendete David hierf�r nie die Mikrowelle. Nein, er erw�rmte das Wasser in einem Topf auf dem Herd. Au�erdem verwendete er selten Teebeutel, sondern meistens geriebene Teebl�tter, die er teuer in einem Spezialgesch�ft erwarb. Da die Zubereitung Zeit erforderte und umst�ndlich war, hatte er nicht zu bef�rchten, dass Simon und ich von seinem Tee nahmen. Als ich eintrat, schwenkte er gerade den Sieb mit den Bl�ttern durch den Topf. Tom erblickte mich und kam sofort l�chelnd zu mir. H�tte er noch eine Verbeugung gebracht, h�tte ich geglaubt, ich sei ins 18.Jahrhundert zur�ckgerutscht.
�Hallo Prinzesschen�, begr��te und umarmte er mich, wobei er mein Gesicht in seine braune Lederjacke dr�ckte. Dann trat er einen Schritt zur�ck und betrachtete mich von Kopf bis Fu� und dann wieder von Fu� bis Kopf. Er l�chelte und ihm schien zu gefallen, was er sah. �Du siehst phantastisch aus. K�nnen wir?�
Ich nickte, obwohl ich mir nicht mal sicher war, ob ich �berhaupt gehen wollte. Ich schielte an Tom vorbei zu David, der in seinen Tee sah. �Bist du heute zu Hause?�
�Monique kommt sp�ter. Ich wei� noch nicht, was wir dann machen werden�, antwortete er.
�Eine h�bsche Frau, die Kinder au�er Haus...� Tom lachte. �Ich kann mir gut vorstellen, was ihr tun werdet.�
David bedachte ihn mit einem sp�ttischen Blick, schaltete die Herdplatte ab und nahm den Topf von dieser. �Tom, ich muss mit dir sprechen�, sagte er dann, sah kurz zu mir und dann wieder zu Tom.
�Allein.�
�Okay.� Tom, l�chelte mich kurz an, folgte David in den Salon und schob die T�r zu, schloss sie allerdings nicht. Ich nutze die Zeit und ging ins Bad, um meine Frisur zu korrigieren. Als ich dies getan hatte, wollte ich mir eigentlich aus der K�che etwas zu trinken holen, als ich die beiden sprechen h�rte. Normalerweise hasste ich es zu lauschen, aber sie sprachen �ber mich.
�Du kennst sie nicht, Tom. Dir ist nicht einmal aufgefallen, dass sie nicht phantastisch aussieht�, h�rte ich David.
�Doch, ist mir, aber ich bin nicht wie du und sage das einem M�dchen direkt ins Gesicht. Was hat sie denn? Ist sie krank? Oder hat sie Stress bei der Arbeit?�
Ich schlich auf die T�r zu und sah durch den schmalen Spalt. David lehnte am Klavier, die H�nde in der Bauchtasche seines grauen GAP-Sweatshirts vergraben.
�Ihr Freund hat sie gestern abserviert�, sagte er sachlich.
Nun kam auch Tom in mein Blickfeld. Er schien vor der Balkont�r gestanden zu haben und trat nun mit einem irritierten Blick vor David. �Ich verstehe nicht... Freund?�
�Wenn man es so nennen kann.� David schl�pfte mit der linken Hand aus der Tasche und knabberte nachdenklich an der Haut an seinen Fingern.
�Was zum Teufel f�r ein Freund?�
�Eigentlich handelte es sich nur um eine kleine Aff�re. Eine belanglose Bettgeschichte�, erkl�rte David, lie� von seinen Fingern ab und machte eine abwehrende Handbewegung.
�Ich verstehe nur Bahnhof. Sie hat mir nie etwas von einem Freund erz�hlt oder erw�hnt, dass es jemanden geben w�rde...�
�Weil es niemand wissen sollte. Du kennst doch das Spiel? Es stammt schlie�lich aus deiner Branche.�
Tom dachte einen Augenblick nach. �Moment - willst du sagen, dass sie mit einem Schauspieler...?�
David seufzte nickend und zog die Augenbrauen hoch. �Bloom�, sagte er dann, bevor er sich wieder in Gedanken auf seine Nagelhaut st�rzte.
�Bloom?!?� Tom spuckte den Namen beinahe aus. �Willst du mich verarschen?�
�Wieso sollte ich?�
�Schei�e! Nee, das glaube ich nicht...� Tom entschwand aus meinem Blickfeld, was bedeutete, dass er wieder zum Balkon ging. �Wann soll das passiert sein? Erst vor kurzem, oder? Ich meine, ich habe auf der Premiere nichts Verd�chtiges gesehen.�
�Vielleicht solltest du Yvonne f�r dein n�chstes St�ck unter Vertrag nehmen. Ihr Schauspielerisches Talent hat sie vor nem Haufen Leuten bewiesen.� David lie� erneut den Arm sinken. �Die beiden hatten sich so abgesprochen, da hat keiner was bemerkt.�
�Und wie lange...?�
�Lass mich �berlegen. Im M�rz war sie mit ihm ein Wochenende in Frankreich... Ja, man kann sagen drei Monate.�
�Drei Monate? Und sie war mit ihm in Frankreich? Aber...�
�Tom, du wei�t, wie das abl�uft. Er hat sie mit seinem ganzen Sein und Schein beeindruckt, die Welt zu F��en gelegt und dann ganz pl�tzlich ihrem Erdball nen Tritt verpasst und ihr er�ffnet, dass er - welch �berraschung - im Moment keine Beziehung eingehen kann, sich aber trotzdem weiterhin mit ihr treffen m�chte.� David schnaubte �rgerlich.
�Also eine Aff�re?�
�Yep, die alte Offene-Beziehungs-Tour. Und Yvonne ist in der Hoffnung darauf eingegangen, dass er sie eines Tages doch als die Frau an seiner Seite nimmt. Pustekuchen. Hingehalten hat sie der Dreckskerl! Und als sie dann doch misstrauisch wurde, hat er ihr wieder das Blaue vom Himmel vorgelogen.�
�Schei�e... Und wie geht es ihr jetzt?�
�Ich glaube, sie hat das Ganze noch nicht richtig realisiert. Deshalb bitte ich dich vorsichtig zu sein, ja? Pass auf, was du tust und sagst.�
�Ich habe schon verstanden�, erwiderte Tom. �Ich werde sie nicht anfassen, wenn sie nicht will.�
�Du wirst sie auch nicht anfassen, wenn sie will, klar?�
�Also, David...�
�Glaub mir, wenn du sie nach Hause bringst, werde ich euch sehen, ich werde euch genau beobachten und wenn du versuchen solltest, sie zu k�ssen, bist du tot.�
Die beiden sprachen nicht und sahen sich nur ernst an. Mir fiel auf, dass Tom Respekt vor David zu haben schien, obwohl dieser j�nger war.
�Bloom...�, sagte Tom wieder nach einer Weile des Denkens.
�Ja, Bloom... Und es ist allein meine Schuld, verstehst du? Ich wollte ihr eine Freude machen und ihr diesen bedepperten Hampelmann zeigen. H�tte ich geahnt, was passieren w�rde, h�tte ich diese Begegnung nie zugelassen.�
�David, glaub mir, dass ich nicht l�ge, wenn ich sage, dass damit wohl keiner gerechnet h�tte.� Tom setzte sich auf den Hocker vor dem Klavier. �Ich meine, Yvonne ist nicht gerade der auff�llige Typ Frau. Ich habe auch mehr als einen Blick gebraucht, aber wenn man sich mit ihr unterh�lt, ist es wie ein Trip nach... Ach, ich wei� nicht.�
�Am liebsten w�rde ich ihn ja zu einem Duell auffordern. So richtig mit Degen oder Schwertern. Allerdings glaube ich, dass dieser Sch�nling besser fechten kann als ich.� David drehte sich um, st�tzte sich mit dem Oberk�rper gegen das Klavier und ballte die F�uste.
�Du bist gr��er als er. Schlag ihm einfach eine rein.�
�Das tue ich wohlm�glich, wenn ich dem je wieder begegne. Man zieht mit Muffin nicht so eine Schei�e ab, ohne �rger mit mir zu bekommen. Vielleicht kann sich das M�dchen nicht alleine wehren, aber daf�r hat sie ja uns.�
�Wir k�nnten ihn vierteilen?�, versuchte Tom ein Grinsen, das gleich darauf wieder verschwand. �Es tut mir so leid, Davey. Ich meine, dass du so nen Schei� noch mal mitmachen musst.�
David antwortete nicht, sondern sah auf die schwarze Oberfl�che des Klaviers, in welchem sich wohl sein Antlitz spiegelte. Pl�tzlich sagte er: �Muff, mach das du von der T�r wegkommst.�
�berrascht wich ich einen Schritt zur�ck. Wieso zum Teufel entging David eigentlich nie etwas? Mir kam es so vor als verf�ge er �ber �bermenschlichekr�fte. Totaler Bl�dsinn, ich wei�. Die Antwort lautet eigentlich, dass er einfach ein gutes Gesp�r und eine noch bessere Menschenkenntnis hat. Doch ich wusste nicht so recht, was ich von dem Gespr�ch halten sollte. Zwar imponierte mir, dass beide Herren auf meiner Seite standen und Orlando die ganze Schuld zuwiesen, aber irgendwie f�hlte ich mich in meinem Privatleben verletzt. Das ging niemanden etwas an! Und au�erdem war ich doch keine der Hilton-Schwestern oder irgendeine andere Prominente, deren Liebesleben man auseinander furchen konnte. Schei�e!, dachte ich im n�chsten Moment. Nun verstand ich mehr denn je, wie sich die armen Promis f�hlen mussten, wenn sie �ber ihr Leben in einem Klatschblatt lesen. Wirklich besch�mend, wie sehr wir uns am Leid und Kummer der anderen erg�tzen. Meine Gedanken wanderten zu Orlando... Er hatte mich vor dem allem sch�tzen wollen... Ach, nochmals Schei�e, nein! Das hatte er nicht! Er hatte sich sch�tzen wollen! Ich spielte nie eine gro�e Rolle.
Ich wartete in der K�che und kurz darauf kamen die beiden und Tom und ich gingen los. Er f�hrte mich in ein Restaurant an den Thames Wharf Studios. Aufgrund der hohen Preise war mir die Restaurant-Welt Londons bisher nie sehr interessant vorgekommen. Auch geh�rte mein Freundeskreis nicht gerade zu der Sorte Feinschmecker, die ein oder mehrmals im Monat Essen geht. Nein, wir kochten lieber selbst oder griffen auf die Nahrungsmittelversorgung eines Take-Aways zur�ck. Heute brauchte ich kein Essen zum Mitnehmen. Tom und ich sa�en an einem Tisch im Freien mit Blick auf die Themse im �River Caf� und sprachen �ber alles bis auf das Thema Schauspieler. Es war komisch. Ich wusste, dass er von Orlando wusste, aber er sprach mich nicht auf ihn an. Nach dem Essen fuhren wir zur�ck in die Innenstadt und schlenderten durch SoHo. Tom redete die meiste Zeit �ber und ich h�rte zu. Zumindest gab ich das vor. So sehr ich mich auch bem�hte, ich konnte mich nicht auf ihn konzentrieren. Und so erz�hlte er mir etwas �ber das beschissene Hollywood und seinen noch beschisseneren Schauspielern w�hrend ich an Orlando dachte. Inst�ndig hoffte ich, wir w�rden ihm begegnen. Sofort w�rde ich mich Tom um den Hals werfen, damit er sehen w�rde, dass ich ihn � den kleinen, erb�rmlichen Schauspieler � nicht brauchte. Nat�rlich trafen wir ihn nicht. Sicher trieb er sich mit den anderen im �Ministry� rum und schleppte anschlie�end irgendein Weib ab. Ich verfluchte ihn nur und w�nschte, er w�rde sich irgendeine Geschlechtskrankheit einfangen. Doch irgendwie w�nschte ich mir noch mehr, dass er alleine in seiner Wohnung in Notting Hill sitzen und an mich denken w�rde. Aber wie ich Orlando kannte, tat er das mit Sicherheit nicht.
�Hey! Du h�rst mir ja gar nicht zu.�
�Hm?�
�M�dchen, wo bist du mit deinen Gedanken?� Tom blieb stehen und l�chelte mich an. Sein L�cheln schwand als er bemerkte, dass ich es nicht erwiderte, sondern lediglich mit den Achseln zuckte und langsam weiter lief.
�Du denkst an ihn, oder?�
�Ja, an ihn und wie ich ihn t�ten kann.� Ich l�chelte nun sehr gek�nstelt.
Es begann zu regnen, doch wir blieben trotzdem stehen. Allein durch die Art wie wir uns ansahen, baute sich etwas zwischen uns auf. Meine Augen fuhren an Tom herab. Angefangen bei dem perfekt sitzenden Haar �ber die braune Lederjacke, den ausgebleichten Jeans und den Doc Martens Stiefeln. Meine Sinne tanzten Samba und mein Hirn sprudelte mit Phantasien...
�Kommst du noch mit zu mir?�, fl�sterte er und mit einemmal f�hlte ich mich total fehl am Platz und fragte mich, was ich hier eigentlich tat. Vor mir stand ein Mann, der Erwartungen hatte, die ich nicht erf�llen konnte. Zumindest nicht jetzt. Nicht nach den letzten Geschehnissen. Ich antwortete nicht sofort und er sah mich weiterhin an. Er dachte doch an das Gleiche wie ich, oder? Tom sah nicht gerade aus als w�re er ein fanatischer Briefmarkensammler der mir in seiner Wohnung lediglich seine liebsten St�cke zeigen wollte. Ich erinnerte mich an mein Vorhaben, mir selbst etwas zu beweisen und stellte mit weiter vor, wie es w�re mit ihm zu schlafen. Doch schon allein bei diesen harmlosen Gedanken bekam ich eine Halluzination von tausend kleinen, als Engel verkleideten Orlandos, die um meinen Kopf schwirrten und riefen, dass ich nicht vertrauensw�rdig und ehrlich sei. Ein einzelner Teufel-Orlando sa� mit flammenden Dreispitz auf meiner Schulter und griente: �Los, tu es schon! Was ist schon dabei? Ich tat es doch auch!� Ich fuchtelte mit den Armen herum, schlug den imagin�ren Orlando in Rot von der Schulter, sch�ttelte den Kopf um das Bild zu verdr�ngen, schielte noch mal zu Toms athletischen K�rper und ging dann an ihm vorbei.
�Lass uns vern�nftig bleiben, ja?�
�Yvonne...� Er packte meinen Arm und zog mich n�her an sich. Sein Atem fuhr durch mein Haar und die Anspannung knisterte geradezu in der Luft. Ich k�nnte nachgeben, ja, ich k�nnte es. Aber was w�rde dann passieren? Eine Beziehung zu Tom? Eine Aff�re mit Tom? Nein, w�rde ich ihn nicht kennen oder er ein Freund Davids sein, dann k�nnte ich es wohlm�glich, aber so... Schei�e, nein Yvonne! Such keine Ausreden! Sieh der Tatsache ins Auge, du kannst es nicht! Es liegt an dir! Du hast Angst, die gr��er ist als alles andere! Und du wei�t auch warum. Tom wei� es nicht.
�Denk daran, dass David dich umbringen wird.�
Er l�chelte bei meinen Worten. �Dann m�chtest du also nicht? Ich meine, wir m�ssten ja nicht...�
�Nein, Tom, und wir wissen beide, dass wir uns nicht daran halten w�rden.�
�Und was ist dann daran falsch?�
�Weil es nicht ehrlich w�re. Und von Verlogenheit und Heuchelei habe ich die letzten Wochen genug gehabt. Es war erst gestern...� Ich seufzte. �W�rde es dir etwas ausmachen mich nach Hause zu bringen?�

Vor dem Haus in Kensington stieg Tom ebenfalls aus dem Wagen und brachte mich zur T�r.
�Bist du nun sauer?�, fragte er.
�Ich f�hle mich f�rchterlich. Nicht wegen dir.�
�Oh. Wegen Bloom?�
�Ich war so dumm�, gestand ich.
�Ich h�tte dir von Anfang an sagen k�nnen, wie er ist: Gro�e Klappe und nichts dahinter.� Tom sah nerv�s an der Hausfassade empor.
�Und wieso warst du dann immer so nett zu ihm? Ich meine, auf der Party... All diese Umarmungen, das Rumgealber... Sag jetzt nicht, du h�ttest dich nicht mit ihm verstanden.�
�Sch�tzchen, in dieser Branche sind wir zu allen nett, solange die Kameras laufen oder die Presse in der N�he ist.� Er seufzte und l�chelte entschuldigend. �Schauspieler sind im Prinzip nur Hilfsarbeiter, die deine ganze Arbeit zu Erfolg oder zum Reinfall f�hren k�nnen. Die ganz Gro�en haben Niveau, aber so kleine Neulinge wie Bloom... Arrogant ohne Ende und stets im Glauben, dass die Branche von ihnen abh�ngig ist. Dabei gibt es von deren Sorte so viele. H�bsch sind sie meistens alle, aber ...� Er sprach nicht weiter und lie� den Rest des Satzes in der Luft h�ngen.
�Ich verstehe�, sagte ich. �Ich glaube, alle Schauspieler haben so ne Art Charakterfehler. Sie sind nur gut darin, so zu tun, als w�ren sie irgendwer. Und dabei vertuschen sie dann ihre eigene Pers�nlichkeit.�
�Was sollen sie auch anderes tun? Schauspieler und Schwindler sind sich nicht un�hnlich. Beide machen einem nur etwas vor.�
�Ich glaube, ich habe mir in der ganzen Sache auch etwas vorgemacht.�
�Vielleicht solltest du nun schlafen gehen. Morgen wird die Welt wieder ganz anders aussehen�, l�chelte er.
Wir verabschiedeten uns mit einer raschen Umarmung, Tom blickte erneut zum Balkon und ich h�tte schw�ren k�nnen, dass David dort stand und Tom kontrollierte. Doch ich wusste, dass er mich kontrollierte...

Tom hatte Unrecht. Am n�chsten Tag sah die Welt nicht anders aus. Da ich gestern nicht zu sprechen gewesen war, versuchten meine Freunde es heute erneut. Rachels Anruf nahm ich entgegen, beendete das Ganze aber nach gut zwei Minuten. Warum glauben Freunde eigentlich immer, dass sie einen in einer solchen Situation bemuttern m�ssen? Diese Besorgnis war einfach nur nervig! Zudem machte ich mir Vorw�rfe der ganz anderen Art: Ich h�tte die Sache mit Tom durchziehen sollen... Ach, Schei� drauf!
Als ich einmal die Toilette aufgesucht hatte und anschlie�end wieder in mein Zimmer zur�ckkehren wollte, sirrte das Telefon erneut. Nicht schon wieder! W�tend rauschte ich in den Salon und keifte David an, der gerade zum Telefon gelaufen war und abnehmen wollte.
�Egal wer es ist, ich habe keine Lust mit ihm zu reden!�
Er war zusammengezuckt und nickte. �Ich werde sagen, dass du nicht da bist.�
�Nein, sag, was ich dir sagte...�
David hatte bereits die Taste am Telefon gedr�ckt und seinen Namen genannt. Nun herrschte Stille und er lauschte dem Anrufer.
�Ja, ist sie, aber...� Er sah kurz zu mir und ich sah ihn mit einem eisernen Blick an, der sagte, dass er nicht l�gen solle. �Aber sie m�chte mit niemanden sprechen.� Braver Junge! Die Leute sollten ruhig merken, dass ich mich nicht in Ausreden verfl�chtete, sondern einfach nur genervt war. �Kann ich was ausrichten?� Davids Haltung streckte sich noch mehr, er zog die Augenbrauen hoch und sah kurz zu mir. �Okay, ich werde es ihr sagen.� Ehe er mehr sagen konnte, hatte der Anrufer aufgelegt. Erwartungsvoll sah ich zu ihm her�ber. �Habe ich jetzt einen weiteren beleidigten Freund?�
�Das war Bloom.�
�Oh...� Ich ging von meiner aggressiven in eine passive Haltung �ber. �Und was wollte er?�
David schob die H�nde in seine Hosentaschen. �Er meinte, dass du die Woche deine restlichen Sachen holen und den Schl�ssel abgeben sollst.�

Orlando hatte angerufen, ich war nicht gesprungen. Wenn er seinen Schei�schl�ssel wieder haben m�chte, soll er ihn gef�lligst abholen! Sonntagabend hatte ich gewartet, bis Simon im Badezimmer und David zu Monique gegangen war, dann hatte ich in Notting Hill angerufen. Ich wollte ihn lediglich fragen, wann ich meine Sachen abholen k�nnte. Bl�d, ich wei�. Wie zu erwarten war Orlando nicht ans Telefon gegangen und ich hatte keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Montagabend wiederholte sich dieses Spiel nach den Vorlesungen und der Arbeit und Dienstag rief ich an die f�nfmal bei ihm an � ohne Erfolg. Ich vermutete, dass er sich schon gar nicht mehr in London aufhielt und beschloss, meine Sachen einfach am Ende der Woche zu holen. Ich wollte nur eine Begegnung mit ihm vermeiden, da ich ihm sonst wahrscheinlich den Kopf abrei�en w�rde, so w�tend war ich noch. Mittwoch kam die Wandlung...

Ich schaffte es nicht aufzustehen, meldete mich krank und schob den Tag vor mich hin. Mein Denken war �ber Nacht in die n�chste Phase �bergegangen. W�hrend ich die letzten Tage nur in Zorn, Wut und Entt�uschung an Orlando gedacht hatte, so waren meine Gef�hle nun etwas anderes. Einsamkeit, Hilflosigkeit, Traurigkeit... Mein Gehirn hatte alle Informationen der vergangenen Tage �berarbeitete und analysiert und das Ergebnis seiner T�tigkeit gefiel mir gar nicht: Es war vorbei, er war weg. Zusammengerollt lag ich auf meinem Bett, h�rte traurige Liebeslieder und dachte an die Zeit, die ich mit ihm verbracht hatte. Was einst so wunderbar war, war gar nichts mehr wert. Tausend Scherben und ich mittendrin. War das denn wirklich wahr, was geschehen war? Handelte es sich nur um einen b�sen Traum? Orlando und ich waren immer so gut miteinander ausgekommen. Es hatte nie belanglose Streitereien gegeben und nie hatte es an Gespr�chsthemen gefehlt. Und selbst wenn wir mal keine ernste Unterhaltung f�hrten, so hatten wir dann eben viel gelacht, uns gegenseitig die Kissen um die Ohren geschlagen und durch seine Wohnung getobt. Wir waren damit doch beide zufrieden gewesen. Beide hatten wir dieses Leben gelebt. Wann hatte es geendet? Doch nicht etwa erst vor zwei Wochen, oder? Wieso hatte ich nie etwas bemerkt? Ich hatte einen Verdacht, nein, eher ein ungutes Gef�hl gehabt, aber wann hatte es mit dem Ende begonnen? Ich dr�ckte mein Gesicht in das Kissen und gab mir die Antwort selber: Nat�rlich hast du nichts bemerkt, du blindes Huhn! Wie denn auch? Du hast dich so an die Hoffnung auf ein Leben mit Orlando geklammert, dass du gar nicht gesehen hast, wie er sich von dir entfernte. Erst als es zu sp�t war, hast du bemerkt, dass sich etwas ver�ndert hatte. Ob es nun er oder eure Liebe gewesen war, was spielte das jetzt noch f�r eine Rolle? Seufzend schob ich meine Hand unter das Kissen und zog ein Foto hervor. Es war das eine Foto, das Madame Tussaud�s Foto. Mein Gesicht war wie gel�hmt als ich es betrachtete. Eigentlich h�tte ich bei dem Anblick von ihm und mir l�cheln m�ssen, aber es gelang mir nicht. Stattdessen hatte ich das Gef�hl, dass das Hochziehen meiner Mundwinkel mein Gesicht in lauter Einzelst�cke zersprengen w�rde. Ich legte das Foto vorsichtig auf den Boden und starrte an die Decke. So viel zum Thema Liebe... Sie kam schnell und sie ging noch viel schneller.... Menschen kommen, Menschen gehen... Ich rollte mich auf die Seite und hob im n�chsten Moment die Hand sch�tzend vor mein Gesicht. Inzwischen war die Sonne durch das Fenster in mein Zimmer gedrungen und schien genau Richtung Bett. Grummelnd drehte ich mich wieder weg und zog mir die Decke �ber den Kopf. Welchen Sinn machte das Leben �berhaupt? Wieso verliebte man sich eigentlich, wenn fr�her oder sp�ter wieder alles vorbei war? Aus die Maus... Schluss... Sense... Finito... Liebe ist im Grunde etwas grausames. Es verletzt am Ende nur und man ist alleine. Und das Schlimme ist, dass man sich nach einer Beziehung noch mehr alleine f�hlt als wie zuvor. War das etwa der Lauf der Welt? Menschen, die man liebt, brechen einem das Herz, hauen ab und trotzdem geht am n�chsten Tag wieder die Sonne auf, geht das Leben weiter und du wirst reifer und lernst dazu? Barbarisch, aber verst�ndlich... Doch da gibt es Dinge im Leben, die ich wohl nie verstehen werde. N�mlich, dass wenn man jemanden liebt, man lernen muss, ihn gehen zu lassen. Wo war denn da die Logik? Was hatte es noch mit Liebe zu tun, wenn man jemanden sehr mag und trotzdem die Kraft aufbringen soll, ohne ihn zu sein. Nee, ich zog da �Romeo & Julia� - Denken vor: besser eine Liebe, die dramatisch, aber vereint endet als wie eine unerf�llte, die zu einem einsamen Leben f�hrt... Meine Liebe und mein Leben sollten, nein, mussten eins sein! Am besten sollte meine Liebe alle anderen Bereiche meines Lebens �berdecken. Was waren schon arbeiten und studieren im Vergleich zu kuscheln und k�ssen? Arbeiten und studieren bedeutete k�rperlich und geistige T�tigkeit und viel zu viele vergeudetet Stunden eines Tages in einem viel zu kurzen Leben. Kuscheln und k�ssen hingegen bedeutete Leben pur! Und ich wusste, dass ich am meisten gelebt hatte als ich mit Orlando zusammen gewesen war. Was sollte ich in Zukunft tun? Ich wusste nichts mehr mit meinem Leben anzufangen au�er bei ihm zu sein. Was war nun der Grund, f�r den ich leben sollte? Ich war nach London gekommen um den Sinn zu finden. Und ich hatte ihn gefunden. Und genauso hatte ich ihn auch wieder verloren. F�r einen Moment schaltete ich mein Hirn ab und lauschte der Spears, die gerade das Lied zum besten brachte, das mir als einzigstes von ihr gefiel.
�I don�t know how to live without your love � I was born to make you happy
Cos you�re the only one within in my heart � I was born to make you happy
Always and forever you and me that�s the way our lives should be
I don�t know how to live without your love � I was born to make you happy�
Ja, hatte mein Leben nicht auch diese Bestimmung? War Orlando nicht f�r mich bestimmt gewesen, oder ich f�r ihn? Mein bl�des Herz lag schwer wie ein Stein in meiner Brust und manch anderes K�rperteil meldete sich und fragte dumm, was nun w�re, wann es wieder zum Einsatz k�me? Als ob ich das w�sste... Ich wusste nur eines: Ich wollte mich mit ihm streiten, ihn mit meinen Schuhen bewerfen und dann bis zur Besinnungslosigkeit mit ihm am Boden tollen.
Super, Yvonne, das hast du ja mal wieder perfekt hinbekommen! Erst Himmel, dann H�lle und das Ganze in nur drei Monaten. Ich z�hlte dies zu meinen pers�nlichen Bestleistungen hinzu. �rgerlich schlug ich auf das Kissen ein. Mir war zum Heulen und ich tat! War es wirklich vorbei? Ich dachte an den Streit und spulte das ganze Geschehen vor bis zu der Begr��ung. Wir hatten uns doch sogar noch gek�sst, und ich hatte dieses Gef�hl gehabt. Nun wusste ich es: Es hatte in meinem Herzen eine Unruhe gegeben. Er war so distanziert vor mir gestanden und so ver�ndert gewesen. Verflucht! Ich hatte gef�hlt, dass er mich anders k�sste. Und ich wusste nicht, was ich tun konnte. Ich sp�rte doch, dass etwas nicht in Ordnung gewesen war! Aber die Wahrheit ist, dass ich nicht sehen und glauben wollte, das dies der letzte Kuss war... Der letzte Kuss... 1
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