Part 29


er liebt mich, er liebt mich nicht...

Lachend sah ich Tiffany hinterher, die mit einem vollbeladenen Tablett den Thekenbereich verlie�, um die georderten Getr�nke und Gerichte an die G�ste zu verteilen. Es waren sehr wenige von diesen im �Diners� anwesend und wir schlugen uns geradezu darum, die Leute bedienen zu d�rfen. Daf�r, dass Montag, allgemein bekannt als Start einer langen Woche und der Tag, den ich am meisten verabscheue, war, hatte ich heute mehr als gute Laune. In Gedanken war ich noch immer auf der Hochzeit und tanzte mit Chiar�n. Wie war es m�glich, dass dieses so grausam erwartete Wochenende solch eine Wendung genommen hatte? Summend machte ich mich daran, die Gl�ser aus der Sp�le abzutrocknen, wobei meine F��e sich im Takt der imagin�ren Musik bewegten. Ach, Irischer Volkstanz... War das sch�n gewesen...
�Hallo, junge Frau! Ich w�rde gerne bestellen!�
Als ich mich umdrehte, erblickte ich Andr� und Amber. Beide grinsten mich an und setzten sie auf zwei St�hle am Tresen.
�Ich komme ja schon.�, fl�tete ich, warf das Geschirrtuch zur Seite und ging zu ihnen hin�ber.
�Hey, deiner Laune nach zu urteilen war die Hochzeit doch nicht so �bel.�, begr��te mich Amber mit einem strahlenden L�cheln und legte ihre Jacke auf einen freien Hocker neben sich.
�Nein, war sie auch nicht. Im Gegenteil: sie war traumhaft.�, schw�rmte ich.
�Oh Gott, der arme Orlando... Auf den kommt ja was zu, wenn du in Hochzeitslaune bist.� Andr� machte ein mitleidiges Gesicht.
�Quatsch! Bin ich doch gar nicht.�, erkl�rte ich rasch. �Das mit dem Heiraten h�tte man weglassen k�nnen. Es war einfach nur das Drumherum...�
Andr� und Amber sahen sich kurz an.
�Ach, es war so toll! Ich habe getanzt!�, verk�ndetet ich stolz.
�Nein!�, sagte Andr� und setzte ein gespieltes entsetztes Gesicht auf.
�Doch, ich glaube es selber nicht...�
�Nicht du, Yvonne.�, warf Amber ein. �Dich muss man doch nahezu auf eine Tanzfl�che peitschen.�
�Und mit wem?� Andr� sah mich interessiert an.
�Mit fast allen.�, lachte ich und die beiden be�ugten mich am�siert. �Nein, es war... Ach, ich bekomme schon eine G�nsehaut, wenn ich nur daran denke...� Ich fuhr mir mit den Fingern durch die Haare und schauderte wohlig. �Ihr wisst schon...�
�Nein, wir wissen nicht.�, fragte Andr�.
�Ach, es war... Unbeschreiblich!� Ich umklammerte mit den H�nden die Thekenplatte und hielt mich an ihr fest. �Aber was darf ich euch nun bringen?�
�H�r dir das mal an, Amber! Yvonne m�chte uns freiwillig bedienen... Also, ich h�tte dann gerne einen Milchshake mit Vanillegeschmack, einen Donut und nen Muffin.�, grinste Andr� und als n�chstes bestellte Amber: �Ja, und ich einen Erdbeershake und... Hmmm, wie sind denn bei euch die Chicken Wings?�
�Sehr empfehlenswert.�, grinste ich
�Gut, dann die.�
Ich ging zur Durchreiche der K�che und wies Joey an, eine Portion Chicken Wings zuzubereiten. Dann wandte ich mich an das Ger�t f�r die Milchshakes. Dort summte ich wieder eine Melodie vor mich hin und sah grinsend zu Amber und Andr�.
�Himmel, was denn mit dir los?�, fragte Amber, als ich ihr den Shake vor die Nase stellte.
�Was soll denn mit mir sein?�
�Das frage ich dich. Mir scheint, als w�rdest du noch immer auf Wolken tanzen.�
�Tanzen...�, schw�rmte ich, machte einen Drehung und sang lachend los:
�Ich h�tt� getanzt heut� Nacht, die ganze Nacht, heut� Nacht, so gern und noch viel mehr
Ich h�tt� mir viel erlaubt, wovon ich sonst geglaubt, dass das zu s�ndhaft w�r��
�Jetzt geht�s aber los.� Meine beiden Freunde sahen mich mit gro�en Augen an, aber ich achtete nicht auf Andr�s Kommentar und ihre unverst�ndlichen Blicke. Unbeirrt nahm ich das Geschirrtuch wieder auf und t�nzelte weiter.
�So war mir nie, doch wie er dann auf einmal den ersten Schritt mit mir gemacht
Das war so wunderbar, dass ich im Traum sogar nur immer tanz, tanz, tanz � heut� Nacht!�
Zum Abschluss warf ich das Tuch zur�ck auf die Theke und l�chelte entz�ckt.
�Okay, Yvonne, und wer ist dieser Jemand, der den ersten Schritt mit dir gemacht hat?�
�berrascht sah ich Amber an. �Wie meinst du das nun?�
�Na, weil du auf mich gerade den Eindruck machst, als h�ttest du dich in diesen Jemanden ziemlich verguckt.�
�Bitte?�
�Du hast schon richtig verstanden. Und nun sag schon! Wer ist es!�
�Ich wei� nicht, wovon du sprichst.�, antwortete ich ihr kopfsch�ttelnd. �Ich habe nur getanzt...�
�So kann man es auch nennen...�
�Andr�!� Ich sah erst zu ihm und dann zu Amber. �Amber! Ich � habe � nur � getanzt. Gut, dass ich das mit einem netten, gutaussehenden jungen Mann tat, macht das Ganze interessanter, aber tut nichts zur Sache.�
Amber hob ihre Augenbrauen und wollte etwas sagen, aber ich kam ihr zuvor: �Nein! Denkt nicht mal dran. Er wohnt in Irland! Und ihr scheint vergessen zu haben, dass ich bereits den Mann meiner Tr�ume und schlaflosen N�chte gefunden habe.� Die beiden sahen mich nicht sehr �berzeugt an. �Hallo!? Ihr wisst schon von wem ich rede. Dieser gro�e, h�bsche mit den Knopfaugen, ohne den ich euch gar nicht kennen w�rde.�
�Stimmt... Das einzig Gute, was mir durch ihn widerfahren ist bist du.�, grinste Andr� und Amber nickte gespielt zustimmend.
�Ach ihr!�, lachte ich.
Tiffany kam hinter die Theke und verr�umte das dreckige Geschirr von ihrem Tablett in die Sp�lmaschine. W�hrend sie das tat, pfiff Joey durch die Durchreiche und hielt mir den Teller mit Ambers H�hnchenteilen entgegen. Ich nahm ihm diese ab und �bergab sie an Amber.
�Nun erz�hl schon.�, forderte sie mich erneut auf und begann an einem H�hnerfl�gel zu knabbern. Ich wartete, bis Tiffany sich wieder entfernte, um einige der Tische abzuwischen, dann beugte ich mich an den Tresen und erz�hlte ihnen von der Hochzeit. Zwar nicht viel �ber die Trauung, aber umso mehr von dem irischen Teil der Feier. Wie erwartet zeigte sich Amber erstaunt, als sie erfuhr, dass David sich am Wochenende von seiner gef�hlvollen Seite � wenn man das so nennen kann � gezeigt hatte und nat�rlich verfluchte sie sich selbst, weil sie nicht dabei gewesen war. Auch kam ich nicht herum und musste ihnen von meinen Tanzversuchen mit Chiar�n und David erz�hlen, achtete aber darauf, davon nicht mehr gar so begeistert zu berichten, da sie mir sonst wohlm�glich wieder etwas anh�ngen w�rden. Und das w�re wirklich absurd. Doch w�hrend die Ereignisse der Hochzeit �ber meine Lippen gingen, kehrten meine Gedanken zu Sonntag zur�ck...

Wir hatten alle bis Mittags geschlafen und irgendwann war ich dann doch von David etwas unsanft aus dessen Bett bef�rdert worden. Nachdem wir alle dem Stadium des Wachseins n�herger�ckt waren, fuhren wir allerdings nicht nach London zur�ck, sondern verbrachten den Nachmittag noch mit der irischen Verwandtschaft.
�Dann kommst du also im Sommer?�, hatte ich Chiar�n gefragt, als wir uns verabschiedeten.
�Wenn ich darf und nicht im Weg bin.�, antwortete er und l�chelte dabei so wie am Vorabend, als wir miteinander getanzt hatten. �Aber du musst mir versprechen, mir dann wieder die Ehre zu geben, mit dir �ber die Tanzfl�che zu gleiten.�
Ich hatte zun�chst gelacht und ihm dann gesagt, dass ich keine Einrichtung in London kannte, wo wir zu irischer Musik im Kreis hopsen k�nnten.
�Dann lernst du mir einfach, was du f�r gew�hnlich tanzt.�, hatte er erwidert, noch immer l�chelnd. Und so gab ich ihm das Versprechen, ihm bei seinem Besuch den Hustle beizubringen, weil dies der einzige Tanz war, der mir in jenem Moment eingefallen war. Allerdings m�sste ich zuvor noch mal mit Orlando �ben...

�Das ist so fies! Ich armes Weib suche schon mein halbes Leben nach einem brauchbaren Kerl und du begegnest denen immer so nebenbei!�, emp�rte sich Amber und holte mich zur�ck in den Montag. Der Sonntag war vorbei, Cambridge weit weg, ich in London und � welch ein Jammer � Australien noch weiter.
�So nebenbei... Also bitte, das ist die reinste Schwerarbeit! Was ich so alles auf mich nehme, um solche M�nner zu treffen!�, lachte ich.
Wir witzelten weiter, Amber futterte ihr H�hnchen und Andr� schl�rfte seinen Shake.
�Hat Orlando sich bei dir gemeldet?�, fragte ich Andr� nach einer Weile.
Er sch�ttelte den Kopf. �Wieso sollte er?�
�Warum wohl? Weil ihr Freunde seid!�
Andr� zuckte mit den Schultern und schob mir das leere Glas zu. �Nein, er hat sich nicht bei mir gemeldet. Wieso fragst du eigentlich? Ich denke, dass er dir auch mehr zu sagen h�tte als mir.�
Ich kaute nachdenklich auf meiner Unterlippe herum. H�tte er das? Wohlm�glich war das die Wahrheit, aber er w�rde Andr� mit Sicherheit andere Dinge erz�hlen als mir. Zum Beispiel mit wem er sich dort unten begn�gt, w�hrend ich trostlos und allein vor lauter Herzschmerz seine Kissen voll rotze.
�Du hast also nichts von ihm geh�rt?�, fragte ich erneut im vorsichtigen Ton.
�Nein. Wenn du was wissen willst, dann frag Chris. Falls du es noch nicht wei�t: Orlando telefoniert anscheinend nur mit seiner Familie, Chris und dir.�
�Ach ja?�
�Wie gesagt, frag Chris.�
�Ja, werde ich eventuell mal tun.�, sagte ich gedankenversunken.
�Also, Yvonne, wir gehen dann mal wieder.�, grinste Andr�. �K�nnen dich ja nicht die ganze Zeit von deiner Arbeit abhalten. Wie viel bekommst du denn von uns?�
Ich nannte ihm den Betrag und wechselte das Geld, w�hrend Amber neben ihm vom Hocker rutschte und ihre Jacke ergriff. �Was machst du denn heute noch? Trish, Nancy, Chris und ich wollen zusammen in einen Pub gehen...�
�Wenn ich hier heute rauskomme, muss ich noch f�r Englisch und Literatur einige Seiten durchgehen. Au�erdem hoffe ich, dass...� Seufzend brach ich ab und nahm Gl�ser und Teller von der Theke.
�Au�erdem hoffst du, dass sich eine gewisse Person meldet?�, fragte Amber grinsend. �Hat er denn gesagt, dass er heute anruft?�
�Er sagte, er w�rde es versuchen.�
�Versuchen?� Andr� hob die linke Augenbraue und sah mich bemitleidend an.
�Er wird anrufen.�, sagte ich bestimmend.
�Wenn du meinst. Immerhin ist bei dem heute schon Dienstag. Weshalb hat er sich nicht schon gestern bei dir gemeldet? Bei Chris hat er anscheinend auch schon Sonntag angerufen.�
�Weil ich erst abends von Cambridge zur�ckkam. Er wusste das und deshalb machten wir Montag aus.�
�Dann wird er auch anrufen.� Amber hakte sich bei Andr� ein, nachdem dieser in seine Jacke geschl�pft war. �Sehen wir uns die Woche noch?�
Ich runzelte die Stirn. �Ich wei� nicht genau. Tim, Brad, Matt und ich wollen uns so oft es m�glich ist zum Lernen treffen. Schlie�lich r�cken die Pr�fungen immer n�her.�
�Verst�ndlich.�, meinte Andr�. �Aber am Wochenende gehen wir aus, ja? Wir m�ssen meine wiedergewonnene Freiheit feiern!�
�Du sprichst wohl eher von deinen letzten Tagen in London.�, sagte Amber schr�g l�chelnd.
Ich stellte das Geschirr in die Sp�lmaschine und wurde durch Ambers Aussage ebenfalls daran erinnert, dass Andr� bald nach Deutschland zur�ckgehen w�rde.
�Ja, ich brauche erst mal Urlaub von euch!�, lachte dieser.
�Ach! Schw�tzer!� Amber boxte ihn in die Magengrube. �Also, Yvonne, melde dich einfach, du wei�t ja, wo du mich erreichen kannst.�
�Ja, vielleicht komme ich bei Gelegenheit im Laden vorbei.�
�Und wir sehen uns am Wochenende.� Andr� nickte zum Abschied, Amber warf mir ein Grinsen zu und ich sah den beiden hinterher, wie sie das Lokal verlie�en.
Nach der Arbeit ging ich nach Notting Hill. Orlando rief nicht an...

�Hallo?�
�Hi! Ich bin es.�
�Aha. Ist heute etwa Montag? Du wolltest dich bereits gestern bei mir melden.� Ich lie� mich auf die Couch fallen und wandte den Blick zur Uhr und dann zur Decke, eine Erkl�rung erwartend. Es war bereits sp�t und ich hatte einen langen Tag hinter mir. Erst legten die Professoren an der Universit�t an Tempo zu, dann war im Gegensatz zu gestern heute sehr viel Betrieb im �Diners� gewesen und anschlie�end waren Brad, Matt, Tim und ich zusammen gesessen und hatten bis fast zur Verbl�dung gelernt, indem wir einander Gedichte vorlasen und versuchten, diese zu er�rtern und zu interpretieren.
�Ich wei�, aber es kam was dazwischen. Au�erdem habe ich mal wieder nicht an diese beschissene Zeitverschiebung gedacht.�
Wir schwiegen. Er in Australien, ich in Britannien.
�Und, Tiger-Lily, wie war die Hochzeit?�, fragte er nach einer Weile.
�Gut... �berraschenderweise sehr gut. Und dein Wochenende?�
Orlando lachte leise auf. �Es war ziemlich verr�ckt. Wir waren surfen und dann sind wir alle bis in die fr�hen Morgenstunden durch die Clubs gezogen... Ich habe einen gro�en Schlafnachholbedarf, aber der Drehplan l�sst das leider nicht zu.� Er lachte erneut leise.
�Du Armer...�, sagte ich in gespieltem Mitleid. Was glaubte er eigentlich? Erst mal wieder sein Wort nicht halten und mich versetzen, und nun auch noch erwarten, dass ich ihm mein Mitgef�hl zeigte nur weil er mit irgendwelchen mir Unbekannten auf Sauftour gewesen war? Ich meine, ich hatte gestern hier gesessen und auf seinen Anruf gewartet! Und jetzt kommt nur so eine lahme Entschuldigung und wie toll und anstrengend sein Wochenende gewesen sei...
�Mein n�chstes Wochenende in London werde ich wohl nur verschlafen.�
Ich richtete mich auf. �Das n�chste Wochenende? Hei�t das, dass du diesen Freitag kommst?� Mein Herz klopfte nicht schneller als gew�hnlich. Vielmehr setzte es in Hoffnung f�r einen Moment aus. H�tte ich noch eine Sekunde l�nger auf Orlandos Antwort warten m�ssen, w�re ich wohl aufgrund mangelnder Blutzirkulation gestorben, aber er stellte sich meiner Frage und trieb damit mein Herz wieder zu seiner Arbeit an.
�Nein, mein Sternchen. Dieses Wochenende klappt es nicht.�
�Schon wieder nicht?� Ich lief zum Fenster und sah hinunter auf die Stra�e, w�hrend die Entt�uschung in mir Kontrolle �ber Wort, Sprache und Denken �bernehmen wollte.
�Es tut mir leid... Du fehlst mir doch auch...� Er stockte. �Aber es dauert nicht mehr lange und dann bin ich ja wieder f�r l�ngere Zeit bei dir.�
Wumms! Ein Volltreffer in die Magengegend und die Entt�uschung schwappte �ber. Was sollte das jetzt? Wollte er etwa vor Drehende gar nicht mehr herkommen? Er hatte doch noch eben davon erz�hlt, dass er das n�chste Wochenende hier nur mit Schlafen verbringen wolle... Und nun? Es war doch erst ein Monat vergangen, seit er fort ging. Ein Monat, welchem zwei oder gar drei weitere folgen w�rden.
�Aber... Aber du... du kommst...� Stotternd versuchte ich eine Frage zu verfassen und lief unruhig umher.
�Nat�rlich komme ich wieder. Yvonne, das Thema hatten wir doch schon mal.�
�Ja, aber wann?�, fragte ich und meine Stimme glich einem Quieken.
�Ich wei� es nicht... Du wei�t, dass ich die Kosten f�r die Fl�ge selber tragen muss und dann ist da noch die Tatsache, dass es sich nicht wirklich lohnt, f�r 1 � Tage diesen Stress auf sich zu nehmen.� Ich riss die Augen auf. Stress? Bezeichnete er mich als Stress? Empfand er es als stressig, mich anrufen, mich besuchen zu m�ssen? Mir schn�rte sich die Kehle zu. Dann vernahm ich, wie schon so oft, weitere Stimmen am anderen Ende der Leitung. Auch wieder die der Frau, zumindest glaubte ich, dass es sich um dieselbe handelte wie zuvor. Wer zur H�lle war sie? Die Stimmen wurden dumpfer, da Orlando h�chstwahrscheinlich seine Hand �ber die Sprechmuschel hielt.
�H�r zu, Tiger-Lily, ich muss los... Wir sind sp�t dran und m�ssen zum Set.�, h�rte ich ihn schlie�lich wieder.
�Ja... �hm... Nein!�, brachte ich hervor.
�Ich melde mich Freitag wieder, also f�r dich am Donnerstag. Versprochen.�
Und wie schon so oft hatte er aufgelegt, ehe ich hatte antworten k�nnen. Meine gute Laune war dahin. In dem Teil meines Gehirnes, in welchem sich vor einigen Minuten noch Irische Volksmusik und Tanz abgespielt hatten, brodelten nun Fragen �ber Fragen. Und das schlimme daran war, dass ich wusste, dass ich bis Donnerstag keine Antwort auf sie erhalten w�rde...

Am n�chsten Tag ging ich nach der Uni und der Arbeit nach Hause. David und Simon waren beide nicht da, aber es machte mir nichts aus, mal wieder f�r mich zu sein. Gr�belnd sa� ich am Schreibtisch in meinem Zimmer zwischen Wilde, Shakespeare, anderem Literaturkram und Orlando-Fotos. Immer wieder sah ich von meinen B�chern zu diesen Bildern auf, sah uns in der Gondel in Madame Tussaud�s sitzen und fragte mich, warum mir die ganze Sache mit Orlando aus den H�nden zu gleiten schien... W�re er doch nur nicht nach Australien gegangen... Er h�tte doch auch hier arbeiten k�nnen, am Theater bleiben... Erst einen Monat war er fort und ich sp�rte bereits, dass er sich entfremdete. Er lebte ein anderes Leben. Ein Leben, an dem ich nicht mehr so beteiligt war, wie einst hier in London. Je mehr ich mir Gedanken um ihn machte, desto mehr wusste ich, dass ein Gespr�ch unumg�nglich war. Ich wollte endlich wissen, was damals mit Amber, dann mit Jessica und nun mit dieser Frau in Australien war. Und noch mehr wollte ich wissen, was mit mir war...
Die T�rklingel schellte und ich erhob mich von meinem Arbeitsplatz. Ich vermutete, dass es Tim war, der gemeint hatte, dass er vorbei kommen und mit mir nach Gedichten f�r die Pr�fung schauen w�rde. Langsam schlenderte ich zum T�r�ffner, bet�tigte diesen, �ffnete die Wohnungst�r und ging in die K�che.
�Hallo!?�, h�rte ich eine Stimme, als ich gerade damit besch�ftigt war, zwei Tassen Tee mit Hilfe der Mikrowelle zu erstellen. Verwundert drehte ich mich um und sah auf Tom Moore.
�Hallo.�, sagte er nochmals und l�chelte mich an. �L�sst du immer so einfach jeden zu dir rein? Ich meine nat�rlich zu dir in die Wohnung.�
Ich err�tete leicht und stammelte los: �Oh, nein, eigentlich nicht... Ich dachte, du seist jemand anderes.�
�Entt�uscht?�
�Eigentlich schon. Zwar freut mich dein Besuch, aber das hilft mir leider nicht in Poetik weiter.�, l�chelte ich und stellte beruhigt fest, dass sich mein Gesicht wieder abk�hlte. �M�chtest du?� Fragend hielt ich eine der Tassen hoch.
�Gerne doch.� Tom zog seine Jacke aus und h�ngte sie �ber die Lehne von einem K�chentischstuhl.
�David ist leider nicht da und ich wei� ehrlich gesagt gar nicht, ob er �berhaupt kommt.�
�Nun, eigentlich wollte ich sowieso zu dir.�
�Zu mir?�
Er nickte und setzte sich. �Und, was macht das Berufsleben?�
�Welches meinst du? Das Zuk�nftige oder das Derzeitige?� Ich l�chelte erneut und wandte mich dann wieder der Mikrowelle zu. �Am Zuk�nftigen arbeite ich noch hart und das Derzeitige ist ebenfalls anstrengend. Aber immerhin habe ich die Woche noch kein Tablett fallen lassen.� Ich sah ihn an und zog eine Grimasse.
�Mach dir nichts draus. Wenn du das Studium erst mal abgeschlossen hast, dann bedienst du nicht mehr, sondern l�sst dich wieder bedienen.�
�Das w�re zu sch�n, Tom. Aber ich mache mir da nichts vor. Der Abschluss bringt leider keine Garantie des Erfolgs und eines Jobs mit sich... Zucker und Milch?�
��h... Ja, danke.�
Ich machte die beiden Tee fertig und setzte mich zu ihm an den Tisch.
�Ich kann mein Angebot nur wiederholen: Schreib mir ne nette kleine Geschichte, die ich auf die B�hne bringen kann und dann sehen wir weiter.�, sagte Tom und nahm einen Schluck Tee.
�Ha ha...�, erwiderte ich grinsend. �Aber nun mal ernsthaft: Wei�t was Neues? Ich meine, wei�t du schon, ob ich Ende des Monats bei dir im Theater anfangen kann?�
Er sch�ttelte den Kopf. �Negativ. Die Budgetsitzungen finden erst n�chste Woche statt, aber ich lasse es dich nat�rlich sofort wissen.�
Ich lie� die Schultern h�ngen, senkte den Blick und umklammerte entt�uscht mit den H�nden die warme Tasse vor mir.
�Prinzesschen, ich habe dich nicht vergessen. Wenn ich jemanden einstellen darf, stehst du an erster Stelle.�
Ich sah wieder zu ihm auf und er l�chelte mich an. �Yvonne, mach dir keine Sorgen. Du wirst nicht ewig als Kellnerin arbeiten m�ssen. Eines Tages hast du es geschafft und dann schickst du uns allen Postkarten aus Los Angeles, auf denen du schreibst, dass sich Spielberg und Scott schon wieder darum schlagen, wer dein neustes Buch verfilmen darf.�
Ich lachte auf und sch�ttelte den Kopf. �Ihr seid alle unm�glich und setzt mehr Vertrauen in mich, als ich mir selber zumute.�
�Wozu hat man Freunde?�, fragte er und sah mich herausfordernd an. �Und nun hol mal dein Poetikbuch. Vielleicht kann ich dir doch helfen.�
Tom war mir keine wirkliche Hilfe. Zwar suchten wir zu zweit nach einem Gedicht f�r meine Pr�fung, aber irgendwie hatte er bez�glich des Inhalts des Gedichts andere Vorstellungen als ich gehabt. Auch versuchte er mich immer wieder zu �berzeugen, dass ich einen Kurzzeiler nehmen sollte, weil das weniger Arbeit bedeuten w�rde. Nach einer Weile klappten wir das Buch zu und ich erz�hlte ihm von Kates Hochzeit und er mir von Andr� Schneiders Abschiedsvorstellung und dass er zwar einen Nachfolger f�r diesen h�tte, aber der kein Vergleich zu Andr� sei. Simon war ebenfalls nach Hause gekommen, als ich Tom schlie�lich zur T�r brachte.
�Also, Prinzesschen, gehst du Samstag mit mir essen?�, fragte er und drehte sich in der T�r zu mir um.
�Ich kann nicht... Ich habe den Samstagabend schon Freunden versprochen.�, sagte ich verlegen, da es mir wieder imponierte, dass er, der schon voll erfolgreich im Leben stand, mich, das emotionale, chaotische Katastrophengebiet, fragte, ob ich mit ihm ausgehen wolle.
�Und wie sieht es n�chste Woche so aus?�
�Tom, ich wei� nicht... Aufgrund der nahenden Pr�fungen werden die Vorlesungen immer schwieriger... Wenn ich nicht arbeite, sitze ich da und lerne. Unter der Woche habe ich zu gar nichts mehr Zeit.�
�N�chsten Samstag?� Er sah mich abwartend an und ich ahnte, dass er hartn�ckig bleiben w�rde.
�Tom...�
�Hey, ich m�chte ja nicht den ganzen Abend mit dir verbringen, obwohl das ein interessanter Gedanke ist...� Er brach ab und sah mich forsch an. Als mein Gesichtsausdruck in Emp�rung �bergehen wollte, fuhr er fort: �Nein, nur ein Essen und dann bringe ich dich zur�ck zu deinen toten B�chern. Komm schon... Sag ja.�
Ich wusste, dass ich h�tte �nein� sagen sollen, aber ich lie� mich von ihm und seinen Augen �berreden.
�Ach, das h�tte ich jetzt fast vergessen.�, sagte er und griff in seine Jacke. Dann hielt er mir ein Kuvert entgegen, l�chelte und verabschiedete sich von mir mit einem Kuss auf die Wange. Ich sah ihm nach, wie er die Treppen hinunter ging und �ffnete dann den Umschlag. Im fahlen Licht der Treppenhauslampe erkannte ich die Premierenfeierfotos. Ich ging zur�ck in die Wohnung und dort in mein Zimmer. Die Fotos durchbl�tternd, setzte ich mich auf mein Bett und zog die Beine an. Auf keinem Bild waren Orlando und ich zusammen zu sehen, aber Tom hatte mir auch welche eingepackt, auf denen er war. Nicht ich stand l�chelnd an seiner Seite, sondern irgendwelche Society-Schnepfen. Doch sah ich mich auf Fotos neben David, Tom und sogar mit Andr�. Ich lie� H�nde samt Fotos sinken und flog in Gedanken wieder zu Orlando. Morgen w�rde er mich anrufen. Morgen w�rde ich ihm sagen, dass wir reden m�ssten.

Der Vormittag wie auch der Nachmittag verging grausam langsam. In den Vorlesungen hatte ich begonnen, mir Notizen dar�ber zu machen, was ich mit Orlando alles besprechen wollte. Als ich dann schlie�lich in Notting Hill vor dem Telefon lungerte, hatte ich einiges zu sagen. Er m�sste also nur noch anrufen. Die Zeiger der Uhr gingen unbeirrlicht ihren Weg und ich verfluchte Orlando innerlich. Da er nicht erw�hnte hatte, wann er anrufen w�rde, hatte ich das Treffen mit Matt und Bradley bei Tim abgesagt. Dabei waren diese privaten, freiwilligen Besprechungen sehr wichtig f�r mich, zumal ich in den letzten Tagen mehr als einmal merkte, dass mein Englisch doch nicht so gut war, wie ich immer angenommen hatte. Um den Kopf nicht ganz in den Sand zu stecken, schnappte ich mir meine Vorlagen und arbeitete diese alleine durch.
Das Ringen des Telefon ging durch Mark und Bein und ich zuckte erschrocken zusammen. Um mich und meine Literaturaufgaben hatte Schweigen geherrscht und dieses pl�tzliche, neue Ger�usch katapultierte mich fast von der Couch. Nachdem mein Herzschlag wieder seinen Rhythmus gefunden hatte, wandte ich mich dem Telefon zu, lie� es aber noch zweimal klingeln, damit es nicht gar so wirkte, als ob ich wie besessen auf seinen Anruf gewartet h�tte.
�Ja hallo?�
�Guten Morgen, oder besser gesagt: Guten Abend, Tiger-Lily! H�r mal, ich habe nicht viel Zeit... Wir haben verschlafen und m�ssen gleich los.�, schnaufte er und ich h�rte, dass er in Eile war. Doch ich h�rte nicht nur ihn. Da waren auch wieder diese anderen Stimmen und ihre h�rte ich auch. Ich schob nerv�s mit den Fingern meine Liste �ber die Glasplatte des Tisches. Er war praktisch schon weg und nicht allein. Wie sollte ich da ein ernstes Gespr�ch mit ihm f�hren?
�Nun sag schon! Was gibt es Neues? Was passiert alles in England? Hat sich die Queen inzwischen erbarmt und Charles doch auf den Thron gelassen?� Nicht nur er lachte, sondern auch die anderen im Hintergrund. Besonders sie. Doch ich verdr�ngte das Lachen in den hintersten Winkel meines Gehirns. Vielmehr streckte ich meine Schultern durch und lie� seine Stimme und die Art, wie er mit mir redete, durch meinen Kopf echoen.
�Hallo!? Bist du noch dran?� Und dann sagte er zu seinen Begleitern: �Ich glaube, sie hat aufgelegt.�
Es folgten unverst�ndliche Kommentare und ich zw�ngte mich mit fester Stimme dazwischen.
�Nein, ich habe nicht aufgelegt. Ich wundere mich gerade nur, was f�r eine Show du da abziehst und f�r wen.�
�Bitte?�, fragte er mich und die anderen Stimmen verstummten.
�H�rst du dich etwa nicht selber reden? Du sprichst zu mir, wie zu einer Fremden, der du irgendwo begegnest und mit der du dich verstehst! Hallo!? Orlando, was soll dieser Mist?�
Nun glaubte ich, dass er aufgelegt hatte, aber dem war nicht so.
�Okay, pass auf, Yvonne. Wahrscheinlich hattest du nen harten Tag und bist m�de und gereizt. Ich neige nun mal dazu zu vergessen, dass wir momentan in anderen Zeitzonen leben und ich w�rde dich gerne zu g�nstigeren Zeiten anrufen, aber wir haben schon oft versucht, das geregelt zu bekommen, was dennoch aufgrund deines Studiums und Jobs nicht m�glich ist...�
�Ach, gibst du nun etwa mir die Schuld? Ich bin nicht in eine andere Zeitzone gegangen, sondern du!�, keifte ich ihn an.
�Hey! Ich habe diese Rolle bekommen und mein Job verlangt es nun mal, dass ich auch in anderen L�ndern arbeite.�
�Wirklich? Und sag mal: Verlangt dein Job auch, dass du mit anderen M�dchen rummachst und anscheinend dann auch noch wegen ihnen Arbeitszeit vers�umst?� Das Blut kochte in meinem Hirn.
�Yvonne, was soll das nun wieder hei...�
�Du sagtest doch, dass ihr verschlafen h�ttet. Du sagtest w�rtlich: wir haben verschlafen.�
�Ich meinte... Ach, Schei�e! Yvonne, was ist mit dir los?� Er klang nun ebenfalls gereizt. Ich hatte in der Zwischenzeit immer wieder neue Sitzpositionen eingenommen und sa� nun kerzengerade auf der Couch und dachte nach. Ja, was war eigentlich los...? Ich hatte mit ihm reden, nicht streiten wollen. Ich hatte ihm sagen wollen, wie sehr ich unter den momentanen Umst�nden litt und wie sehr ich bef�rchtete, dass alles, was ich in ihm gefunden hatte, mir durch seine Arbeit wieder genommen werde k�nnte. Und ich bef�rchtete, dass ich mehr und mehr aus seinem Leben gleiten w�rde und am Ende nichts mehr von dem zeugte, was einst zwischen uns war. Dass ihm etwas anderes, jemand anderes wichtiger werden k�nnte.
�Ich wei� es nicht.�, antwortete ich ihm schlie�lich mit matter Stimme. �Ich habe nur Angst, das alles zu verlieren. Dich zu verlieren... Dass du mich nicht...� Ich schluckte und konnte nicht weitersprechen. Zwar weinte ich nicht, aber ich war dem Sprechen nicht mehr f�hig.
Orlando schwieg einen Moment und sagte dann: �Wir besprechen das besser nicht jetzt, okay? Du bist sauer, ich bin gereizt und wenn ich es nicht schaffe, in f�nf Minuten in der Maske zu sitzen, erwartet mich nicht nur �rger mit dir, sondern auch noch mit dem Regisseur. Au�erdem glaube ich, dass wir beide, so wie ich dich kenne, ein l�ngeres Gespr�ch f�hren werden. Ich rufe dich in ein paar Tagen noch mal an...�
�In ein paar Tagen?�, wiederholte ich schwach.
�Eventuell Sonntag... Am Samstag veranstaltet die Produktionsfirma hier eine Party und bei der m�ssen wir alle anwesend sein. Ich werde dich auf dem Handy anrufen und dich wissen lassen, wann du zwecks des Gespr�chs bei mir sein sollst, ja? So musst du nicht jeden Abend in meiner Wohnung sitzen. Ich melde mich auf jeden Fall.� Seine Stimme verlor an dem harten, bestimmenden Ton und wurde etwas sanfter. �Geh nun schlafen, Tiger-Lily.�

�Woran merkt man, ob man geliebt wird?� Ich starrte an die Decke und spielte mit beiden H�nden in meinen Haaren. Niemand antwortete mir, also startete ich einen neuen Versuch: �Ich meine, woher wei� man, ob man wirklich geliebt wird oder der andere nur verliebt ist?� Ich wartete einen Moment und rollte mich dann auf die Seite, um meine Freunde anzusehen, die es sich auf Timothys Couch bequem gemacht hatten und irgendeinen alten Schwarzwei�film im Fernsehen verfolgten. Es war Freitagabend und ich hatte den ganzen langen Tag darauf gewartet, mir diese Qual von der Seele zu fragen.
Amber, Richy und Timothy sahen mich erstaunt an, als h�tte ich eben die 1.000 000 Pfund-Frage aus �Million�r gesucht� gestellt. Dann tauschten sie untereinander ungewisse Blicke, ehe Amber das Wort erfasste:
�Wie kommst du nun darauf? Hast du dich etwa doch in diesen Iren verguckt?�, lachte sie und ich brachte sie mit einem b�sen Blick zum Schweigen.
�Nur so.�, sagte ich dann achselzuckend.
�Muff, du stellst nie irgendwelche Fragen ohne Hintergedanken.�, meinte Tim.
�Tu ich nicht?�
�Nein.�, antworteten alle drei.
Ich rappelte mich vom Teppich auf und lief unschl�ssig im Salon herum, bis ich vor der Vitrine mit der kleinen Porzellansammlung stehen blieb. Timothy sammelte diese Porzellanteekannen, die H�user, Schiffe oder noch andere Dinge darstellten.
�Die einfachste Art, auf deine Frage eine Antwort zu erhalten, w�re wohl, die entsprechende Person direkt darauf anzusprechen.�, �berlegte Richy. �Ihn einfach zu fragen: Hey, was empfindest du f�r mich?�
�Und wenn das nicht so einfach geht?�, fragte ich und drehte mich um, wobei ich Richy wohl in totaler Trauer ansah. Nat�rlich hatte er Recht, aber in meiner momentanen Lage konnte ich seinen Vorschlag nicht ausf�hren, so sehr ich auch wollte.
�Weshalb sollte das nicht gehen?�, warf Tim ein.
�Vielleicht wenn die zu fragende Person nicht da ist, du Schlaumeier?� Richy belegte Tim mit einem vorwurfsvollen Blick. �Am Telefon geht so etwas nicht! Nein, man muss den anderen schon sehen, in seine Augen blicken k�nnen...�
�Um zu sehen, ob er es ernst meint?� Tim rutschte auf der Couch vor und griff nach der Geb�ckschale auf dem Tisch. �Verst�ndlich... Am Telefon kann man jedem Gott-Wei�-Was erz�hlen.�
�Warum so kompliziert? Fr�her oder sp�ter sagt der andere sicher: Ich liebe dich!� Amber zog die Knie an und sah uns der Reihe nach an. �Ich meine, hoffentlich sagt er das irgendwann.�
�Und wenn er einfach nicht der Typ daf�r ist?�, fragte ich und im n�chsten Moment kapierte auch Amber, um wen es eigentlich ging.
�Hat es etwas mit Orlando zu tun?�, fragte sie.
�Es ist so seltsam...�, sprach ich leise. �Diese Schwankungen... Einen Tag l�sst er mich sp�ren, dass etwas Gro�artiges zwischen uns herrscht und am n�chsten Tag behandelt er mich wie eine gew�hnliche Freundin. Wie das Nachbarsm�dchen, das er schon von klein auf zu kennen glaubt...� Ich ging langsam zu den anderen zur�ck und setzte mich auf die Seitenlehne der Couch, meine Schuhe begutachtend. �Ich bin mir einfach nicht mehr so sicher, wie ich es noch die letzte Woche war. Ich habe Zweifel...� Ich sah wieder auf. �Ich zweifle nicht an meinen Gef�hlen f�r ihn, aber an seinen f�r mich. Ich meine, wenn er mich liebt, warum l�sst er es mich nicht sp�ren oder sagt es nicht?�
�Yvonne? Orlando mag dich sehr.�, sagte Amber bestimmend.
�M�gen und lieben ist zweierlei. Mir ist klar, dass man mit dem Satz �Ich liebe dich� vorsichtig umgehen und ihn nur aussprechen sollte, wenn man sich sicher ist. Nicht nur, weil es dem anderen unter Umst�nden wehtun k�nnte, sondern auch, weil man sich schnell selbst bel�gt. Aber ich verlange doch nicht mal von ihm, dass er mir das sagt.� Ich sprang wieder von der Couch auf. �Ich erwarte doch nur, dass er mir eine gewisse Best�tigung gibt... Dass er mich wissen l�sst, ob wir das gleiche Ziel verfolgen... Aber er tut nichts dergleichen. Immer nur Andeutungen und beim n�chsten Anruf sind diese dann vergessen.�
Ich zog meine Kreise vor dem Salontisch und vertiefte mich in Gedanken, aus welchen mich meine Freunde rissen und zwangen, von den letzten Telefonaten mit Orlando zu erz�hlen.
�Tja�, meinte Tim schlie�lich. �Da wird dir nichts anderes �brigbleiben, als euer Gespr�ch abzuwarten. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich das Ganze regeln wird. Der Australiendreh ist in etwa so wie eine Probezeit, die ihr zu bestehen habt. Und das werdet ihr, meine Liebe.�
Amber nickte zustimmend. �Der Meinung bin ich auch. Yvonne, du musst das Ganze auch mal aus Orlandos Sicht sehen. Er ist von dir ebenso getrennt, wie du von ihm. Wahrscheinlich macht er sich auch Gedanken, was passieren kann... Dass du einen anderen kennen lernst und er in diesem Fall nichts zu tun vermag.�
�Ihr f�hrt einen wahren Kampf aus Gef�hlen gegeneinander, den keiner von euch beiden gewinnen kann.� Richy, der neben mir sa�, wandte sich mir zu. �In jedem von euch mischen sich Angst, Eifersucht, Missmut, Misstrauen, Sehnsucht, Verlangen und noch viel mehr... einfach zu viele Empfindungen. All das zusammen ergibt eine gef�hrliche Kombination, die nicht leicht zu handhaben ist. Aber genau diese Kombination kann, wenn ihr sie nicht mehr gegeneinander verwendet, sich in etwas wandeln, nach dem wohl jeder Mensch sucht... Und leider ist es nicht jedem verg�nnt, dies in der Person zu finden, die man sich erw�nscht.�
Ich nickte, da ich verstanden hatte, was Richy mir sagen wollte. Liebe kommt nicht von heute auf morgen. Man muss sie in dem anderen suchen und auf dieser Suche vorsichtig vorgehen... Denn Liebe ist nicht nur die positiven Empfindungen und Gef�hle. Nein, Liebe besteht wohl aus allem, was die Seele und das Herz zu versp�ren m�gen und wie in der Chemie, muss man aus dieser Kombination eine Mischung erstellen... Nimmt man von dem einem zuviel, kann sich alles in Luft aufl�sen oder mit gro�en Knall enden. Ich w�rde lernen und probieren m�ssen und hoffte nur, dass Orlando das gleiche im Sinn hatte.
Die Nacht ging ich nach Hause. Ich war mir sicher, dass Orlando nicht anrufen w�rde und ehe ich zu Bett ging, befestigte ich einige der Fotos an dem Rand des Spiegels hinter meiner Zimmert�r. Diese besah ich dann einen Moment, drehte mich schlie�lich um und setzte mich an meinen Schreibtisch, um wieder einmal tagebuchartig meine Gedanken zu erfassen. In den letzten Wochen hatten sich die beschrifteten Bl�tter geh�uft und ich m�sste mir mal wieder Zeit nehmen, diese abzutippen. Ich wusste nicht, wieso ich das eigentlich tat, dieses Aufschreiben, aber ich glaubte, dass es gut war, solche Momente und Empfindungen festzuhalten. Und vor allem nun wusste ich, dass es nichts Sinnloses war, da es mir eine Hilfe sein k�nnte, meine Gef�hle richtig zu kombinieren und einzusetzen. Zumindest redete ich mir das ein... Ich blickte von meinem Block auf das Madame Tussaud�s Foto an der Schreibtischlampe. Im Leben l�uft einfach so viel falsch. Auch bei uns stimmt es nicht. An getrennten Tischen setzten wir uns nieder, um zu essen. In getrennten Zimmern gehen wir nachts schlafen. Orlando, wenn du doch nur w�sstest, wie viel mir an dir liegt. Ich denke an dich, wenn der Morgen kommt und ich denke noch immer an dich, wenn mein Tag sich seinem Ende neigt. Dann gr�ble ich, was du wohl gerade machst. Ob du auch so einsam bist wie ich... Heute Nacht vermisse ich dich wieder so sehr. W�nsche dich wieder an meine Seite und m�chte dich nie wieder gehen lassen...

Ich sah zu, wie die Corn Flakes j�mmerlich in der Milch ertranken, r�hrte einmal mit dem L�ffel um und klopfte dann wieder nachdenklich mit dem Stift auf den Tisch. Schon seit einer halben Stunde sa� ich an unserem K�chentisch und versuchte mich an einem R�ckzahlungsplan meiner Schulden. Eine nahezu unl�sliche Aufgabe, wenn ich mir die Zahlen ansah. Aber ich musste mich endlich mal um diese bodenlose Grube k�mmern, welche mein Bankkonto darstellte. Simon kam in die K�che und �ffnete den K�hlschrank. Eine Weile suchte er in diesem umher, schnappte sich schlie�lich eine Dose Coke und trat hinter mich.
�Was machst du denn da?� Er blickte mir interessiert �ber die Schulter, wurde aber aus dem Gekritzel auf dem Papier nicht schlau.
�Ich mache so eine Art Haushaltsplan.�, erkl�rte ich ihn. �Besser gesagt: ich verschaffe mir eine �bersicht �ber meine Schulden.�
�Reicht da ein Papier �berhaupt?�, grinste er mich an.
�Sehr witzig.�, entgegnete ich knurrend und blickte wieder auf das Blatt.
Simon zog sich einen Stuhl heran und setzte sich neben mich. �Wie ist die Lage?�
�Aussichtslos.�, antwortete ich matt und lie� den Stift auf das Papier fallen.
�So �bel?�
�Siehst du den Betrag hier?�, fragte ich und er nickte. �Das allein bekommt David von mir.�
�Ach du Schei�e... Was ist das denn alles?�
�Zwei Monatsmieten, Telefon, Strom, Wasser... und nat�rlich die Studiengeb�hren.�
�Und was ist das andere?� Er deutete auf die anderen Betr�ge.
�Das hier schulde ich Timothy und das bekommt Orlando noch von mir.�
�F�r das Frankreichwochenende?�
�Genau. Das Geld von der Versicherung habe ich ihm schon wieder gegeben, aber es fehlt noch der Flug.�
�Ich w�rde ihm das nicht zur�ckzahlen.�, brummte er. �Er wollte dich schlie�lich dabei haben.�
�Simps, ich wollte mit.�
Simon erhob sich, griff nach der Dose und ging zur T�r. �Ich glaube, der hat f�r diesen beschissenen Flug schon gen�gend von dir bekommen.�
Ich wollte etwas erwidern. Etwas wie, dass ich mich nicht verkaufen w�rde, aber Simon war schon weg. So widmete ich mich wieder den Betr�gen auf dem Blatt Papier und stellte fest, dass ich mit dem Geld, das ich im �Diners� verdiente, nicht sehr schnell wieder schwarze Zahlen schreiben w�rde...

�Sag mal, Atti, du wei�t schon, dass du mit dem Zucker in deinem Tee nen Diabetiker t�ten k�nntest?� Chris sah kopfsch�ttelnd zu Andr�, der ihm gegen�ber sa� und in jenem Moment zum dritten Mal nach dem Zuckerstreuer griff. Wir sa�en zu siebt in einem kleinen Cafe in der Neal Street, unterhielten und machten uns �ber dampfenden Tee, Cappuccino und Irish Coffee her.
�Ach, ist das toll! Endlich sitzen wir mal wieder alle zusammen.�, schw�rmte Nancy und strahlte in die Runde.
�Fast alle...�, wiedersprach ihr Trisha. �Was Orlando wohl gerade macht? Sicher springt der wieder von irgendwelchen H�hen herunter; oder aber liegt faul in der Sonne.�
�Das glaube ich weniger. Wie sp�t ist denn nun in Down Under?�, fragte Chris und sah dabei mich an. Ich zuckte mit den Schultern, weil ich selber keine Uhr trug und nicht einmal wusste, wie sp�t es hier in London gerade war. �Ich denke mal, dass es bei denen bereits wieder Morgen ist.�, verk�ndete er dann.
�Super! F�r uns f�ngt die Nacht an und f�r den ist sie schon wieder zu Ende.�, lachte Eric.
�Apropos die Nacht f�ngt an.�, meldete sich Andr� zu Wort. �Wohin zockeln wir denn, wenn die hier schlie�en?� Erwartungsvoll blickte er in die Runde.
�Wie w�re es mit dem �Ministry�?�, schlug Trisha begeistert vor. �Ich glaube gelesen zu haben, dass dort heute ein DJ Battle stattfinden soll.�
�Nee, Trish, darauf habe ich heute wirklich keine Lust.�, sagte Amber, die sich bisher den ganzen Abend �ber auff�llig ruhig verhalten hatten.
�Und wohin gehen wir dann?�, fragte Nancy entt�uscht.
�Also ich pers�nlich w�re ja f�r einen kleinen Club. Solange die Musik nicht zu laut und wir uns noch unterhalten k�nnen, bin ich mit jedem einverstanden.�
�Guter Vorschlag, Andr�.�, stimmte ich ihm zu. �Mir verlangt es auch nicht danach, einen H�rsturz zu erleiden.�
�Im �Ministry� ist es auch so ekelig laut. Als wir das letzte Mal waren, piepten meine Ohren den ganzen Sonntag �ber.�, erinnerte sich Amber.
�Hey, ist nicht Club hier um die Ecke, in welchen du so gerne gehst.�, sprach Eric mich an und ich erkl�rte ihm, dass das �Los Locos� ganz in der N�he w�re.
Und so beschlossen wir, den Rest des Abends dort zu verbringen. Im �Los Locos� stie�en wir auf Richy und Timothy. Amber machte sie sofort mit dem Rest der Truppe bekannt und es freute mich zu sehen, dass besonders Andr� sich sehr oft und ausgiebig mit den beiden unterhielt. Wir organisierten Getr�nke und irgendwann waren wir �ber den ganzen Club verteilt. Nancy und Trisha waren von einer Horde Deutscher angesprochen worden, Eric und Chris versuchten ihr Gl�ck bei den anwesenden M�dchen und Andr�, Timothy, Richy, Amber und ich sa�en in einer Sitzgruppe und unterhielten uns. Die Zeit raste vorbei und dann neigte sich auch die Londoner Nacht ihrem Ende zu. Wir trennten uns vor dem Club von Nancy und Trish und machten uns auf die Suche nach einem Taxi f�r Andr� Amber, Chris und Eric. Ich wollte zusammen mit Richy und Tim den Bus nehmen. Im gem�tlichem Tempo liefen wir �ber den Marktplatz des Covent Garden. Eric und ich bildeten das Schlusslicht und unterhielten uns �ber Filme, als Chris stehen blieb und sich zu uns gesellte. Schon den ganzen Abend hatte ich nach einer M�glichkeit gesucht, ihn wegen Orlando anzusprechen, ohne dass die anderen etwas mitbekamen. Nun war er gut angeheitert und sehr redselig und ich wusste, das dies meine Chance war, ihn auszufragen, ohne dass er sich dabei etwas denken w�rde. Ich h�rte den beiden stumm zu und wartete, bis Eric meinte, er m�sse mal Amber �rgern gehen und nach vorne eilte. Nun liefen Chris und ich alleine und die anderen hatten einen gr��eren Vorsprung.
�Wann hat er sich bei dir zuletzt gemeldet?�, fragte ich.
�Wer? Orlando? Oh weh�� Er legte die Stirn in Falten und dachte nach. �Gestern, glaub ich. Ja, genau gestern. Trisha war n�mlich bei mir und unterhielt sich dann auch mit ihm. Hat ihm erz�hlt, was wir alle hier so treiben... Es war ihm ganz Recht, dass Trisha ebenfalls da war, weil er behauptet ja immer, dass wenn er mich fragt, er grunds�tzlich nur die halbe Wahrheit vom ganzen Geschehen zu h�ren bekommt.�, lachte er. �Immer will er wissen, was hier passiert. Du wei�t schon, ob wir auch brav sind und uns anst�ndig benehmen.�
�Ja, ich wei�.�, erwiderte ich und l�chelte leicht. �Und was hat er dir so erz�hlt?� Ich hoffte, �ber Chris irgendetwas zu erfahren. Immerhin war es mehr als unm�glich, dass Orlando mit ihm �ber dasselbe sprach wie mit mir.
�Tja, was labert der so... Sonntag redete er ewig �ber irgendeinen beschissenen Wellengang. Ansonsten meint er nur immer, wie gut er mit den anderen Schauspielern zurechtk�me und dass sie auch nach Drehschluss noch zusammen rumh�ngen w�rden. Also er, dieser Heath Was-Wei�-Ich, ein anderer Kerl und diese Schnecke, die ebenfalls im Film mitspielt. So wie ich das verstehe, f�hrt er mit der irgendwas im Schilde... Zumindest ist die nahezu jedes Mal bei ihm, wenn wir telefonieren. Scheint ganz nett zu sein...�
Ich sah stur zur Stra�e hinunter. Super Yvonne! Fang jetzt blo� nicht an zu heulen. Du hast es doch wissen wollen, oder? Und wusstest du innerlich nicht schon die ganze Zeit �ber, dass irgendetwas geschehen war? Ahntest du nicht bereits, dass es mit diesem M�dchen irgendetwas auf sich hatte? Du bist solch ein hammelhaftes Schaf...
�Hey, Yvonne? Alles okay?� Ich sah auf und Chris sah mich beunruhigt an. Wahrscheinlich �berlegte er, was er mir eben erz�hlt hatte. N�mlich, dass mein Freund st�ndig mit einer anderen zusammen ist. Doch dann fiel mir ein, dass Orlando und ich f�r Eric und ihn doch Freunde waren, die gelegentlich zusammen schlafen gingen... �Hat er dir schon was von ihr erz�hl?�
Ich sch�ttelte den Kopf. �Nein, gar nichts. Er spricht �ber die Leute dort immer nur als seine Kollegen und die anderen Schauspieler.�
�Siehst du, dann l�uft mit dem M�del wohl doch nichts. Sonst w�rde er dir das mit Sicherheit sagen.�
�Glaubst du?�
�Klar. Du bist doch seine Freundin, oder?� Er zwinkerte mir zu, nahm meine Hand und zog mich hinter sich her zu den anderen.

Sonntag verbrachte ich in Kensington. Auf eine weitere Zeitungsannonce hin, kamen einige interessierte Studenten vorbei, die die WG und das freie Zimmer einsehen wollten. W�hrend David sich mit ihnen unterhielt, sa�en Simon und ich auf der Couch und begr��ten jeden Neuank�mmling mit einem gelangweilten Blick. Wir beide waren n�mlich �berhaupt nicht damit einverstanden, dass sich noch jemand bei uns einnistete. Schlie�lich war die Wohnung unser Revier. Am Abend zeigte sich David mit keinem der Bewerber zufrieden und Simon und mir fiel je ein zentnerschwerer Stein vom Herzen. Doch wir wussten, dass fr�her oder sp�ter jemand Neues hier einziehen w�rde.

Montag feierte die Queen ihr Goldenes Jubil�um. Ich jubilierte auch, denn ich hatte frei und k�mmerte mich um den Haushalt. Als ich dies erledigt hatte, beschloss ich, bei Amber im Laden vorbeizuschauen. Wir hatten Samstag nicht in Ruhe miteinander sprechen k�nnen und irgendetwas nagte an ihr, das wusste ich. Au�erdem hoffte ich, dass wenn ich mich mit Amber besch�ftigen w�rde, ich auf andere Gedanken k�me. Ich wollte nicht denken, dass Orlando mich nach nur einem Monat vergessen und gegen eine andere getauscht hatte. Er w�rde mir das doch sagen? Und nat�rlich erz�hlte er mir nichts von ihr! Seit dieser Jessica-Sache misstraute ich ihm doch. H�tte er mir am Telefon gesagt: Hey, Yvonne, ich habe hier eine Kollegin, die ganz nett ist... Sofort h�tte ich wieder an etwas anderes bei seinen Worten gedacht. Kein Wunder also, dass er sie gar nicht erw�hnte. Ich dachte sogar erst daran, nach Notting Hill zu gehen, das Telefon zu schnappen, auf Wahlwiederholung zu dr�cken und ihn anzurufen, aber erinnerte mich doch an die �gef�hrliche� Kombinations-Geschichte und machte mich auf zum Laden. Ich betrat diesen durch den Verkaufseingang und sah mich als erstes Ben gegen�ber.
�Hallo.�, begr��te ich ihn schwach.
�Hallo. Wie geht es dir?�
�Abgesehen vom Studiumsstress ganz gut. Und dir?�
�Dito. Die Pr�fungen stehen vor der T�r und die Professoren reiben sich vor Schadenfreude die H�nde.� Er l�chelte und mein Blick wanderte unwillk�rlich zu seinen beiden Gr�bchen.
Als ich wieder nach seinen Augen suchte, sahen diese mich noch immer freundlich an und ich sp�rte, wie ich mal wieder zu err�ten drohte und ergriff die Flucht. �Ich gehe dann mal nach hinten zu Amber. Man sieht sich.�
�Nat�rlich. Ach Yvonne!�
An der T�r zum Lager blieb ich stehen und drehte mich um. �Was ist?�
�Du sahst in deinem Kleid einfach sch�n aus.� Er l�chelte wieder. �Ich h�tte auch gerne mit dir getanzt.�
Verwirrt sah ich ihn an, aber er hatte sich schon abgewendet und ging auf einen herangetretenen Kunden ein. Ich dr�ckte die T�r auf und ging ins Lager. Ich sah Amber nicht im B�ro sitzen, sondern mit einem Klemmbrett bei einem Regal stehen.
�Huhu, Miss Collins!�, grinste ich sie an und schritt zu ihr hin�ber.
�Ach, jetzt kommt also die Rache, ja? Nur weil Andr� und ich einmal auf nen Shake zu dir kamen, meinst du gleich, mich ebenfalls bel�stigen zu m�ssen?� Sie l�chelte mich an, aber ich bemerkte sofort, dass es ein erzwungenes, gequ�ltes L�cheln war.
Um nicht gleich mit der T�r ins Haus zu fallen, tastete ich mich �ber Umwege an sie heran und wir sprachen �ber die vergangene Woche und den Samstagabend. Kein Hinweis kam allerdings �ber ihre Lippen und irgendwann gab ich auf.
�Amber, was ist los mit dir? Du hast doch irgendwas, das wei� ich genau.�
�Nein, mach dir keine Gedanken. Es ist alles in Ordnung.�
�Amber.� Ich sah sie noch eindringlicher an und baute mich vor ihr auf. Amber richtete sich ebenfalls in eine gerade Haltung und sah sich vorsichtig um. Dann hakte sie sich bei mir ein: �Gut, aber nicht hier. Komm mit.�
Wir gingen ins B�ro und dort griff sie nach ihrer Tasche und zog eine Thermoskanne heraus. �Tee?�
Ich nickte und setzte mich. Amber ging zum Regal, holte zwei Tassen und setzte sich dann auf den Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches. Ich nahm die Kanne und goss Tee in beide Tassen. Amber bedauerte derweil, dass sie keine Milch hatte, stand aber nochmals auf, um die Dose mit dem Zucker zu holen, die sie auf dem Regal vergessen hatte.
�Also, was ist?�, fragte ich, als sie mir wieder gegen�ber sa�.
�Es ist nichts schlimmes.�, druckste sie herum.
�Na, dann kannst du es mir auch sagen.�
Amber atmete tief durch, sah mich an und wollte gerade die Katze aus dem Sack lassen, als die B�rot�r aufging und David hereinkam. Sofort schnappte sich Amber irgendwelche Papiere und l�chelte mich an. Aha, sie hatte also ein pers�nliches Problem.
�Lasst euch nicht st�ren. Ich bin gleich wieder weg.� David kam an den Schreibtisch und nahm die Papiere aus der obersten Dokumentenablage. Dann setzte er sich halb auf den Tisch und �berflog die Auftragsbl�tter.
Ich schnappte mir die Zuckerdose und widmete mich Amber, um die Stille zu brechen. �Auf jeden Fall meinte Tim heute, dass ihnen der Abend sehr gefallen hat.�, griff ich ein Thema, das wir bereits vorhin im Lager besprochen hatten, noch mal auf.
�Ja, Atti findet die beiden auch sehr nett und meinte, wir f�nf m�ssten noch mal zusammen weggehen.�, sagte Amber.
Wir l�chelten uns an und ich machte mich daran, meinen Tee mit Zucker zu bearbeiten. Beim sechsten L�ffel sp�rte ich, dass David mich ansah und ich blickte zu ihm auf. �Ist was?�
�Nein, eigentlich nicht.� Er stand auf, warf die Papiere zur�ck in die Ablage und sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. �Gies den Tee doch beim n�chsten Mal einfach in die Dose. Das erspart dir das Rumgel�ffel.�
Amber lachte laut los, aber David verzog keine Miene. Stattdessen sch�ttelte er den Kopf und verlie� das B�ro wieder. Ich schimpfte ihm hinterher.
�So, nun ist er weg. Schie� los.�, sagte ich, nachdem die B�rot�r ins Schloss geglitten war und wir wieder unter uns waren.
�Ich wei� nicht, ich komme mir so total doof vor...� Amber sah nachdenklich durch den Raum und schob dann ein Stapel Bl�tter zur Seite. �Hier.�, sagte sie und gab mir einen Kuvert aus einem Fotogesch�ft. Darin fand ich Fotos von der Hochzeit. �Die hat Rachel heute vorbeigebracht und Mike hat sie sich in der Mittagspause auch schon angesehen.�
Mir d�mmerte es. �Ach, aber nicht nur Mike. Kann es sein, dass Ben sie auch gesehen hat?�
Amber nickte grinsend.
Ich sah mir die Bilder an, die Rachel gemacht hatte. Viele der Fotografierten kannte ich nicht, aber es gab auch Fotos, die Mike, David, Chiar�n, Liam, Tim, Richy und mich an einem Tisch zeigten und wir einander erfreut umarmten und in die Kamera grinsten.
�Ist das der Ire?�, fragte Amber und hielt mir ein Foto unter die Nase.
�Ja, das ist Chiar�n. Aber wenn du glaubst, dass du dir wegen ihm irgendwelche...�
�Nein, Yvonne, nein. Ich wei�, dass du nur an einem m�nnlichen Wesen interessiert bist.� Sie l�chelte mich an. �Nein, es hat auch nur indirekt mit dir zu tun.�
�Aha. Dann erkl�r mal bitte.�
Amber lehnte sich vor und schob mit den Fingerspitzen den Fotoberg auseinander, den ich in der Zwischenzeit erbaut hatte. �Es ist so, dass ich...�
�Dass du?�
�Ich...� Sie reckte mir ihr Gesicht entgegen und sah mich aus ihren tiefen, braunen Augen an. �Ich habe mich wohl verliebt.�
�Oh, na so wild ist das auch wieder nicht. Ich meine, dass ist ja wirklich nichts wegen man sich...� Amber senkte wieder den Kopf und ich folgte ihrem Blick nach unten auf ein Foto, das einen Mann zeigte, den ich zu gut kannte. �Mein Gott... Doch nicht etwa...?�
Sie sah zu mir und nickte. �Doch.�
�Nein, doch nicht in David!�, lachte ich los und Amber sah mich mit gro�en Augen an und bat mich, leiser zu sein, w�hrend sie immer wieder �ngstlich zur T�r blickte.
�Amber, sag, dass das ein Witz ist. Nein, das kann unm�glich sein... David ist launisch. Er ist griesgr�mig und korrekt und so verdammt vern�nftig! Er ist...�
�Freundlich, nett, h�flich, zuvorkommend und redet nie zu viel.�
�Hallo?! Er ist dein Chef und er hat eine Freundin, wenn auch eine dumme, aber er hat eine!�
�Ich wei�. Und genau das ist das Problem.� Amber kaute an ihrem Daumennagel und lie� mich nicht aus den Augen. �Yvonne, ich habe dir schon diesen Job hier zu verdanken, aber trotzdem muss ich dich erneut um Hilfe bitten.�
�Wie stellst du dir das vor? Soll ich ihm sagen: Hey David! Mir hast du diese wunderbare Mitarbeiterin zu verdanken. Du bist mir etwas schuldig. Geh mit ihr aus!?�
�Nein, nein... Ich wei� doch auch nicht.� Sie fuhr sich nerv�s durch die Haare.
�Tut mir leid, Amber. Aber ich wei� mir keinen Rat, wie ich dir in dieser Lage helfen k�nnte. Ich bekomme doch nicht mal meine eigene Beziehung auf die Reihe, wie soll ich es dann schaffen, zwei andere einander n�her zu bringen. Zumal er auch seine Franz�sin hat... Versteh doch, ich kann mich nicht in die Beziehung meines Freundes und Mitbewohners einmischen. Ich kann dir die T�r �ffnen, indem ich dich so oft wie m�glich zu uns einlade, aber mehr kann ich nicht f�r dich tun. Nein, das musst du schon alleine hinkriegen.�

Ich dachte noch immer an Ambers Gest�ndnis, als ich am Abend auf unserer Couch sa� und unbeteiligt in den Fernseher blickte. Nat�rlich tat sie mir leid, aber ich konnte nichts f�r sie tun. Ich sah auf das Display meines Handys, doch dort r�hrte sich nichts. Wann w�rde er nur anrufen? Himmel, ich hatte derzeit so viel Stress in meiner Beziehung... Unm�glich k�nnte ich einen Schlachtplan entwerfen, der sie und David zusammenbringen w�rde. Und Amber war doch gar nicht die Sorte Frau, mit der David sich f�r gew�hnlich abgab...
Die Wohnungst�r klappte und kurz darauf sah David in den Salon. Er trug noch sein mit Farbklecksen bedecktes Arbeitshemd, was bedeutete, dass er direkt aus dem Atelier kam. Auch auf der Vorderseite seiner Jeans entdeckte ich Farbe.
�Hey, du hier?�
�Wo sollte ich denn sonst sein?�
�Ich wei� nicht... Vielleicht im angrenzenden Stadtteil in der Wohnung jemandes bestimmten?�
�Nein, ich werde die Woche wohl mehr hier als dort verbringen. Es w�re ein bisschen umst�ndlich, meine ganzen B�cher und den anderen Kram r�berzubringen.�, erkl�rte ich ihm.
�Du meinst wohl eher, dass er das nicht wollen w�rde?�
�Lassen wir dieses Thema, ja?�
�Wie du meinst...� Er wandte sich zum Gehen, blieb dann aber doch. �Ach, hast du morgen Abend schon was vor?�
�Nein, wieso?�
�Rachel kam heute im Laden vorbei...�
�Ich wei�. Amber hat es mir erz�hlt und mir auch die Fotos gezeigt.�, sagte ich vorwurfsvoll.
�Oh ja, hatte ich vergessen... Jedenfalls hat sie uns eingeladen, morgen vorbeizukommen. Sie kocht und hat anscheinend auch das Hochzeitsvideo. Ich glaube, so eine kleine Abwechslung w�rde dir gut tun. Du steckst in letzter Zeit mit der Nase nur noch in deinen B�chern und... Ach, du wei�t, was ich meine.�
�Ja, ich denke ebenfalls, dass ich mal was anderes in mein Hirn lassen sollte.�
Er nickte, verschwand in seinem Zimmer und ging daraufhin ins Bad. Ich blickte wieder auf den Bildschirm, zappte durch die Kan�le und regte mich �ber die Wiederholungen der Spiele der dummen Fu�ballweltmeisterschaft auf. Wenn interessierte so etwas eigentlich? Entweder man sieht sich ein Spiel live an oder man l�sst es. Grummelnd suchte ich nach den Musikkan�len und erg�tzte mich dort an dem neuen Video von Ronan Keating und wechselte erneut den Sender, als das Klappergestell Celine Dion gespielt wurde. Die ist ja so d�rr... Eigentlich schade, was in der Musikindustrie abgeht. Fr�her z�hlte nur die Musik, und heute? Heute hungern sich die Weiber aus dieser Branche um die Wette und stopfen sich mit Silikon aus... Wie geschmacklos.
David kam wieder in den Salon und war noch damit besch�ftigt, sein Hemd zuzukn�pfen.
�Hunger?�, fragte er.
�Ein bisschen.�
�Dann schauen wir halt mal, was wir dahaben.� Und damit machte er kehrt.
Ich schaltete den Fernseher ab, erhob mich �chzend aus meiner bequemen Lage und folgte ihm. In der K�che erforschte er bereits den K�hlschrank und ich setzte mich etwas ratlos an den K�chentisch und schaltete das Radio ein.
�Was h�ttest du denn gerne?�
�Gegenfrage: Was w�rdest du denn machen?�, fragte ich und zog die Knie an.
�Mal sehen...� David wechselte vom K�hlschrank zum Vorratsschrank und sah nachdenklich hinein. �Wir haben Reis, Nudeln...�
�Haben wir noch H�hnchen?�
�Frikassee?�, fragte er l�chelnd und ich nickte begeistert. David schickte mich nach unten in den Keller, wo ich in der Gefriertruhe nach dem H�hnerfleisch schauen sollte. Als ich mit diesem wieder in der Wohnung ankam, hatte David bereits T�pfe aufgestellt und von Radio auf CD gewechselt. Wir stopften die toten, gerupften Teile des Federviehs in die Mikrowelle und besprachen die Zubereitung der So�e. Wir einigten uns rasch und David begann schlie�lich mit dem eigentlichen Kochvorgang, w�hrend ich dem Fleisch zu sah, das in der Mikrowelle seine Runden drehte. Nach einer Weile grinste er mich an und meinte, wir k�nnten, bis das Fleisch aufgetaut war, wieder in den Salon gehen. Dort setzten wir uns auf die Couch und ich �berlie� ihm die Fernbedienung. David zeigte sich vom Fernsehprogramm genauso begeistert wie ich zuvor und schnappte sich lieber Block und Bleistift. Ich sah vom Bildschirm auf das Papier auf seinen Knien. Ein Einhorn...
�Das passt aber nicht ganz zur Geschichte Londons, oder?�, fragte ich ihn.
�Nein, aber es ist auch nur so eine Spielerei von mir.�, meinte er und fuhr vorsichtig eine Linie mit dem Finger nach, um die Kohle sanft zu verwischen.
Ich beobachtete das Ganze fasziniert von der Seite. Dann lie� ich meinen Blick von der Zeichnung zu David wandern. Doch, ich konnte nachempfinden, weshalb Amber sich in ihn verguckt hatte. Mit wachsamen Augen betrachtete er sein Werk, runzelte die Stirn, hob kritisch die Augenbrauen und wirkte bei all dem einfach nur zu h�bsch. David hatte einfach eine wundersch�ne Mimik, was eigentlich so gar nicht zu seiner manchmal ruppigen Art passte. Wie Amber zu Trisha und Nancy gesagt hatte, wechselte seine Augenfarbe wirklich je nach Stimmung, aber das war mir schon vor sechs Jahren an ihm aufgefallen... Ich musste zugeben, dass er einfach etwas Besonderes war. Dass man einem Menschen wie ihm nicht jeden Tag begegnete. Und in diesem Moment, wo er erneut skeptisch seine Zeichnung ansah, wusste ich es: ich w�rde der Menschheit etwas Gutes tun! Ich w�rde Amber und ihn zusammenbringen. Egal wie. Wer war schon diese Monique? Die hatte ihn doch gar nicht verdient. Amber dagegen schon. Zwar w�rde es eine Umstellung sein, meine beste Freundin mit meinem besten Freund zu sehen, aber ich w�rde mich daran gew�hnen.
�Was ist?� David sah mich interessiert an.
�Ach, nichts weiter... Ich war eben nur in Gedanken.�
�Das habe ich gemerkt.� Er sah mich auffordernd von der Seite an.
�Sag mal, bist du eigentlich mit Amber zufrieden?�
�Bitte?�
�Ach, du wei�t schon... Sie ist meine Freundin und ich habe dich und Aaron praktisch gezwungen, sie einzustellen...�
�Muff, die Entscheidung lag ganz alleine bei Aaron und mir.� Er zeichnete weiter.
�Komm schon, du wei�t, wie ich das meine.� Ich drehte mich zur Seite und sah ihn abwartend an. �Also, macht sie ihre Arbeit gut oder bringt ihr es nur nicht fertig, sie rauszuwerfen, weil sie meine Freundin ist?�
David seufzte und lie� den Block in den H�nden sinken. �H�r mal, wenn etwas nicht stimmen w�rde, dann w�rde ich es ihr sagen, glaub es mir.�
�Wirklich? Ich m�chte n�mlich nicht, dass ihr sie anl�gt oder ihr zumindest sagt, dass alles okay ist, obwohl dem nicht so ist.�
�Inzwischen solltest du mich besser kennen. Ich sage immer, was ich denke und versch�nere vor den Leuten nichts... Nein, das kann ich nicht. Du wei�t, dass ich ein beschissener L�gner bin.�
�Aber du bist ein sehr guter Schweiger. Du kannst deinen Freunden manchmal mehr tun, indem du nichts sagst.�
�Man macht auch viel kaputt, wenn man zu viel redet. Schau mal nach dem Vogel.� Er nahm den Block wieder auf und ich hatte verstanden, dass f�r ihn das Thema beendet war.
Ich schl�rfte in die K�che und war mit mir zufrieden. David ignorierte Amber anscheinend genauso wie mich. Das musste nicht unbedingt negativ sein, oder? Schlimmer w�re es, wenn er mir gesagt h�tte, dass sie nervt und bei der Arbeit alles falsch mache. Ich m�sste also lediglich schaffen, dass David Amber als weibliches Wesen ansah und dann... Die Mikrowelle piepste und ich holte den Teller mit dem H�hnerfleisch heraus. David kam ebenfalls in die K�che.
�Sag mal, Muff. Was w�nscht du dir eigentlich zum Geburtstag? Immerhin dauert es nicht mehr lange.�, fragte er aus der Luft heraus.
�berrascht sah ich ihn an und blickte dann durch die K�che. �Ich wei� nicht... Einen Wasserkocher?�
�Einen Wasserkocher?�, wiederholte er.
�Ja... Findest du es nicht auch barbarisch? Simon und du, ihr seid Briten und trotzdem gibt es bei euch nur so nen ekelhaften Mikrowellentee.�
�Okay... Einen Wasserkocher...�
Und als wir mit dem Kochen begannen, �rgerten wir uns wieder gegenseitig und verbannten somit den Ernst des Lebens aus unserer kleinen K�che.

Als ich am n�chsten Tag nach den Vorlesungen mein Handy einschaltete, hatte ich eine neue Sprachmeldung. Es war Orlando, der mich darum bat, morgen Abend auf seinen Anruf zu warten. Seine Stimme klang freundlich, geradezu nett und am Ende sagte er noch, dass er sich freuen w�rde, bald wieder meine Stimme zu h�ren. Ich war trotzdem entt�uscht, dass er angerufen hatte, als ich in der Uni gesessen hatte. Auch wenn es nur kurz gewesen w�re, so h�tte ich doch gerne selber mit ihm gesprochen. Aber wahrscheinlich hatte er bewusst um diese Zeit angerufen, weil er wusste, dass ich das Gespr�ch nicht entgegen nehmen w�rde... Yvonne! H�r auf ihn als derart b�se darzustellen! Er arbeitet da dr�ben auch und kann eben nicht anrufen, wann es ihm gerade passt!
Rachel hatte mal wieder viel zu gro� aufgekocht. Mit all den Kartoffeln, Salaten, Gem�se und Fleisch h�tte sie wahrscheinlich ganz �thiopien f�r f�nf Jahre ern�hren k�nnen. Au�er Simon, David und mir waren noch Richy, Timothy, Judy und Charlene anwesend. Nach dem Essen machten Fotos die Runde und wir lachten und erinnerten uns an die Feier zur�ck. Dann sahen wir uns das Video an, das meine peinlichen ersten Tanzversuche zeigte, aber auch die Paktschlie�ung zwischen David und mir. Gut, man h�rte nicht, was wir sprachen, aber Raffaels Vater hatte gerade in diesem Moment zu uns her�ber gefilmt, als wir einander die H�nde reichten. Als das Video zu Ende war, sa�en wir noch beisammen und unterhielten uns so gut wie lange nicht mehr. Charlene behandelte mich wieder wie einst zuvor und niemand kam auf Orlando zu sprechen.
�Warum tragt ihr im �Diners� eigentlich keine Rollschuhe?� Dave sah mich fragend an und seine Frau Rachel lachte neben ihm auf: �Oh Gott, Muffin w�rde dann jedes Mal an den G�sten vorbeirollen und samt Tablett �ber irgendwelche St�hle fliegen.�
�Ein Anblick w�re es aber wert.�, grinste Tim.
�Glaubt mir, sobald Ed mit so nem Vorschlag kommt, bin ich weg! Da arbeite ich dann doch lieber als Putzfrau.�
�Bist du doch schon.�, griente Simon h�misch, der vor mir auf dem Boden sa� und die Gewalt �ber den Fernseher hatte. Ich holte kurz mit der flachen Hand aus und verpasste ihm einen sanften Schlag gegen den Hinterkopf. Er meckerte und widmete sich wieder dem Fernseher, in welchem irgendein Klatschmagazin lief. Wir unterhielten uns weiter und ich diskutierte gerade mit Dave �ber den Sinn von Rollschuhen in einem Fast Food Restaurant, als Judy �ber unsere K�pfe hinweg Simon lauter ansprach und uns anderen zum Schweigen brachte.
�Lass das ja laufen, Simps! Psst! Seid doch mal leise! Die bringen etwas �ber den neuen Film von Orlando Bloom!�
Wie befohlen blieben wir still und blickten zum Bildschirm, wobei sich ein undefinierbares Gef�hl in meinem Magen ausbreitete. Freude � Freude, ihn zu sehen, aber auch etwas anderes... Er sah ganz anders aus, als wie bei seinem letzten Aufenthalt hier. Das Haar wild lockig und zu allem �bel war es von seinem Kopf zu seinem Gesicht nach unten gewandert. Ungl�ubig sah ich auf das, das Orlando sein sollte. Seit wann hatte er einen Bart? Und warum hatte er mir das nicht gesagt? Und diese Haare... Simon unter mir brach wieder in geh�ssige Kommentare aus und auch David und Tim grinsten mich an. Himmel, wie lange war er schon weg? W�sste ich es nicht besser, w�rde ich annehmen, dass er an einer Expedition zur Besteigung des Mount Everests teilnehmen w�rde. Zum Gl�ck sah Heath Ledger auch nicht besser aus. Im Bericht erfolgte ein Wechsel vom Set zu einer Party, auf welcher die Schauspieler zwar nicht im Cowboylook gekleidet waren, aber trotzdem nicht gerade toll aussahen. Eine Sprecherin erz�hlte von den Dreharbeiten und das es angeblich vor Ort schon zu Liebschaften unter den Schauspielern gekommen sei. Die Kamera schwenkte �ber die Partyg�ste und blieb auf Heath Ledger, Orlando und einer Blondine, die ihren Arm um die H�ften meines angeblichen Freundes geschlungen hatte, haften. Die Reportage war zu Ende und Simon blickte ausdruckslos zu mir nach oben.
�Ich dachte, Bloom w�re mit dir zusammen.�
Meine Augen waren noch immer fassungslos auf den Fernseher gerichtet. �Das dachte ich auch.�
Um mich herum sagte niemand etwas und als ich meine Freunde ansah, wichen diese meinem Blick aus. Schon sp�rte ich die Tr�nen und sprang von der Couch auf. W�hrend ich zur T�r hechtete, nahm ich aus den Augenwinkeln wahr, dass Rachel mir folgen wollte, aber von David aufgehalten wurde. Noch im Flur h�rte ich seine Stimme: �Lasst sie.�
Die Haust�re fiel hinter mir zu und ich stand auf dem Treppenabsatz, nicht wissend wohin ich gehen und was ich tun sollte. In mir drehte sich alles. Vor meinen Augen wiederholte sich das eben Gesehene. Orlando und diese Frau... Ich presste die Augenlider zusammen und sofort schob sich das n�chste Bild davor. Orlando und Jessica... Ruckartig �ffnete ich die Augen wieder und lehnte mich schwankend an das Treppengel�nder, an welchen ich mich dann hinunter lie�, auf eine Stufe sank und das Gesicht in meinen H�nden verbarg. Sogar die Medien wussten schon etwas dar�ber... Was war nur geschehen? Wann war es geschehen?
Ich wei� nicht, wie lange ich so in Gedanken und Tr�nen gesessen hatte, als ich eine Bewegung neben mir bemerkte und jemand seine F��e auf derselben Stufe platzierte wie ich. Wir sprachen nichts. Er war einfach nur da und als sich meine Atmung wieder beruhigt hatte und die Tr�nen weniger geworden waren, sagte er: �Komm Muffin, lass uns nach Hause gehen.�

Mittwoch. Heute w�rde er anrufen. Ich hob den Blick und sah Professor Brixton, der an der Tafel herum werkelte und versuchte, uns die Beschaffenheit des Limericks zu erkl�ren. Meinetwegen h�tte er auch die gesamten Mendelschen Erbgutregeln definieren k�nnen, ich h�tte genauso viel verstanden. Timothy be�ugte mich die ganzen Vorlesungen �ber besorgt von der Seite, wagte aber nicht mich anzusprechen. Ich machte ihm deshalb keine Vorw�rfe. Was k�nnte man in solch einer Situation schon sagen? Auch David hatte gestern kein Wort �ber Orlando verloren, aber nachdem wir zu zweit nach Hause gegangen waren, er mich ins Bett verfrachtet und mir noch eine Tasse Tee gebracht hatte, sagte sein Blick etwas wie �Habe ich es dir nicht von Anfang an gesagt?�.
Bei der Arbeit war ich auch nicht bei der Sache. Sogar Joey aus der K�che, bemerkte meine Psychische Abwesenheit. Ich war in einen Dornr�schenschlaf gesunken und wusste nicht, wie ich aus diesem wieder herauskommen k�nnte.
Und dann war Abend. Wenngleich auch David sich zu Hause sorgen w�rde, wo ich bliebe, ging ich nach Notting Hill. Ich musste mit ihm sprechen. Musste es von ihm selber h�ren. In mir war noch immer die Hoffnung. Die Hoffnung, dass es sich bei allem um einen b�sen Traum handeln w�rde. Und nur er war der Prinz, der mich aus diesem wach k�ssen konnte.
Ich machte kein Licht, sondern setze mich auf die Couch und wartete. W�hrend des Wartens versuchte ich Ruhe in mich kehren zu lassen und den Schmerz zu verdr�ngen. Doch der Schmerz ging in Zorn �ber. Ich sa� auf der Couch und kam mir vor wie der d�mmste Mensch auf Erden. Wie gutgl�ubig war ich gewesen? Eine offene Beziehung... Und er hat sich nat�rlich an deren Regeln gehalten. Keine Versprechen, keine Verpflichtungen... Das Telefon klingelte. Ich erhob mich mechanisch und nahm das Gespr�ch entgegen.
�Hallo?�
�Hi Tiger-Lily.�
Schweigen.
�Wenn du zu m�de bist, dann rufe ich gerne...�
�Nein.�, schnitt ich ihm das Wort ab.
�Oh, ja dann... Wie erging es dir die letzten Tage?�
�K�nnte besser sein. Und dir?�
�Nun, soweit ganz gut. Hier ist nichts weltbewegendes passiert.� Er lachte leise.
Ich schloss die Augen und sammelte meine Gedanken. Ich wollte das nicht, wollte nicht so tun, als ob alles wie immer w�re. �Orlando, wer ist sie?�
�Wer?�
�Na dieses M�dchen, das f�r gew�hnlich immer bei dir ist, wenn du anrufst. Ich vermisse sie sogar schon. Wo ist sie denn jetzt?� Wut und Zorn dr�ngten sich �ber meine Verletztheit. �Sag blo�, ihr macht gerade eine Pause und sie ist unter der Dusche oder holt euch was zu essen.�
�Ich habe keinen blassen Schimmer, von was du redest.�
�Das wei�t du genau. Ich... Wir alle haben euch sogar im Fernsehen gesehen.� Ich lief im Zimmer nerv�s auf und ab.
�Hey, ich wei� nicht, wie du immer auf solch hirnsinnige Gedanken kommst, oder was diese beschissenen Reporter wieder erfunden haben, aber...�
�Wieso ist sie dann die ganze Zeit bei dir?�, fuhr ich ihn an.
�Weil sie meine Kollegin ist!�, wurde seine Stimme lauter.
�Ach, und Kollegen sind praktisch rund um die Uhr bei einem, oder wie?�
�Weshalb sollte sie das sein?�, entgegnete er.
�Du hast bei deinem letzten Anruf gesagt, ihr h�ttet verschlafen.�
�Das ist ja auch die Wahrheit. Yvonne, wir waren am Vorabend alle zusammen aus gewesen und keiner von uns kam an diesem Morgen p�nktlich aus dem Bett.�, antwortete er genervt.
�Und aus wessen Bett ist sie letztendlich gekrochen?�, kam es giftig aus mir heraus.
�Fuck! Ich dachte, wir wollten heute miteinander reden.�
�Tun wir doch.�
�Yvonne, wenn das so weiter geht, habe ich echt keinen Bock mehr.�, schnaubte er. Ich blieb wie angewurzelt stehen und sah panisch durch den Raum. Wie meinte er das? War das etwa der Moment? Machte er nun endg�ltig Schluss?
�Wie meinst du das?�
�So wie ich es sage.�
�Dann m�chtest du also...�
�Nein, aber ich lege gleich auf, wenn du dich nicht sofort wieder einkriegst.�, sagte er bestimmend.
�Orlando, dann erkl�re mir doch bitte, was das alles zu bedeuten hat?� Ich schob mich zur Couch und lie� mich geradezu im Zeitlupentempo auf sie nieder.
�Es bedeutet, dass ich hier einen Film drehe und mich sehr gut mit meinen Kollegen verstehe.�
�Ja, aber wer ist sie?�
�Das sagte ich doch bereits.�
�Eine Schauspielerin, ich wei�. Aber wer oder was...�
�Yvonne, ich werde dazu gar nichts mehr sagen. Am Ende bringst du es fertig, kommst her und verschl�gst auch sie.� Er klang gereizt.
�Ich w�rde es nicht tun, wenn es nicht n�tig w�re.�, lie� ich den Sarkasmus aus mir sprechen. Er antwortete nicht und so ergriff ich erneut das Wort. �Glaubst du, dass wir das schaffen?�
�Das liegt an dir.�
�Wieso an mir? Zu einer Beziehung geh�ren immer zwei und beide m�ssen an ihr arbeiten.�
Orlando seufzte am anderen Ende der Leitung. �Wo wir ja wieder beim alten Thema w�ren...�
Ich sprang von der Couch auf. �Komm mir jetzt nicht wieder mit dieser Aff�re- und Beziehungsgeschichte. Du hast selber gesagt, dass wir �ber eine Aff�re hinaus w�ren.�
�Ja, aber sind wir schon bereit f�r eine Beziehung?�
�Sind wir nicht schon mittendrin?�, stellte ich die Gegenfrage. Es war ruhig und ich h�rte nur leise Orlandos Atmung. Die Stille weitete sich endlos und ich beschloss, gegen meine eigene Regel zu handeln. Woher wei� man es... �Orlando, liebst du mich?� 1
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