Part 6


Gest�ndnisse


Ewian sah nicht auf, als die T�r ge�ffnet und kurze Zeit sp�ter wieder geschlossen wurde. Wenige Augenblicke sp�ter setzte sich Legolas zu ihr auf den Fenstersims. Er sah sie an, sagte aber nichts. Die Frage stand in seinen Augen. Klar und deutlich.

�Frag nicht, bitte.� Murmelte Ewian leise und starrte weiter aus dem Fenster. Sie wusste er w�rde die Spuren der Tr�nen in ihrem Gesicht erkennen. Da streckte er auch schon die Hand nach ihrer Wange aus und wischte die verbliebene Feuchtigkeit von ihrem Gesicht.
�Was f�r ein Geheimnis kann so schwerwiegend sein, das man daran zu zerbrechen droht?�
�Jetzt klingst du schon wie Galadriel.�
�Vertrau mir doch, oder wenn nicht mir, dann jemand anderem!�
�Das ist nicht so einfach! Du verstehst nicht .......... was ich .......... wie ich .........! Ich kann es dir nicht sagen. Ich w�sste gar nicht wo ich anfangen soll!�
�Fang einfach an, ganz egal wo.�

Sie sah ihn an, eine einsame Tr�ne lief �ber ihr Gesicht. Sie wischte sie trotzig fort. Gott, wieso war denn das so schwer? Hier war jemand, dem sie wichtig war, der zuh�rte, der da war und doch wies sie ihn st�ndig zur�ck. Sie w�rde ihn irgend wann genauso vertreiben, wie alle anderen die es vor ihm versucht hatten. Damals hatte es ihr nichts bedeutet. Keiner der M�nner die Interesse an ihr gezeigt hatten, war ihr wichtig gewesen. Es war ihr egal gewesen. Sie hatte sie benutzt, sich eine Weile am�siert und sie dann weggeworfen. Aber bei Legolas w�rde sie das nie k�nnen. Er war wichtig f�r sie, sehr sogar.

�Ich will dich nicht verlieren!� erkl�rte sie leise.
�Wieso solltest du mich verlieren?�
�Wenn ich dir die Wahrheit sage, werde ich dich verlieren!�
�Das ist nicht wahr!� erkl�rte er ruhig. Er wusste nicht worauf sie hinaus wollte, aber die Angst hinter der Aussage hatte er sehr wohl vernommen. Was immer in ihrer Vergangenheit wartete schien so schwerwiegend zu sein, das sie annahm er w�rde sich von ihr abwenden, wenn er es w�sste.
�Doch, das ist es!� schrie sie ihn auf einmal an und sprang auf. Er bekam sie zu fassen, da hatte sie noch nicht mal das Bett passiert. Sie wehrte sich gegen seine Umarmung aber Legolas lie� sie nicht los. Er hielt sie einfach fest, w�hrend sie weinte.

***

�Nun komm schon. Sie werden dir nicht den Kopf abrei�en!� murrte Lili und sah fragend zu Ewian. Die stand unschl�ssig neben der offenen T�r und schien zu �berlegen ob sie sich hineintrauen oder doch lieber zu ihrem Zimmer gehen sollte.

Das Verh�ltnis zwischen ihr und vor allem Aragorn war in den letzten Tagen sehr angespannt. Er sagte zwar nichts, keiner tat es, aber Ewian wusste das alle darauf hofften, sie w�rde ihr Schweigen brechen. Sie hatte sich bei Lili entschuldigt, wegen des Kinnhakens und auch Mani war nicht sauer, nicht mehr. Er wusste wie sehr ihr das alles Kopfzerbrechen bereitete. Aber er konnte nichts tun au�er da zu sein, wenn sie es wollte. Sie warf einen kurzen Blick in den Saal und drehte sich dann wieder um. Lili st�hnte hinter ihr auf.

�Ewi, du kannst dich nicht ewig verstecken. Aragorn hat die Sicherheit unauff�llig verst�rken lassen und seine Leute kontrollieren jetzt alle, auf die die Beschreibung zutrifft, die du ihnen �ber Arian gegeben hast. Mehr k�nnten selbst wir nicht tun. Und bisher ist ja auch nichts passiert!�
�Eben, und dieses bisher macht mir Sorgen!� antwortete Ewian und lehnte den Kopf an die Mauer hinter sich. �Wo sind die Jungs, ich hab sie nicht entdeckt?� fragte sie.
�Die schlafen schon, genau wie Aragorns Kinder und Thranduils. Ausgenommen Legolas und Eldarion. Die sitzen mit Gimli zusammen am Kamin. Und unsere Hobbits spielen Karten, glaub ich!� erwiderte Lili und verengte sich den Hals um mehr erkennen zu k�nnen. �Mani ist drau�en bei Haldir. Die beiden haben die Wache am Tor f�r heute Nacht. Elladan und Elrohir passen auf die Kinder auf.�
Ewian lachte kurz auf und Lili sah sie fragend an. �Wei�t du wie sich das anh�rt? Thranduils S�hne sind �ber tausend Jahre alt und Aragorns sind ebenfalls erwachsen. Und du nennst sie Kinder.�
�Ach, du wei�t doch wie ich das meine. Also was ist, kommst du jetzt?�
�Lili, was denkst du wirklich?� fragte Ewian auf einmal und sah zu Lili.
�Die Wahrheit?� wollte diese wissen und Ewian nickte. Lili betrachtete sie eine Weile aufmerksam und sah dann in den Saal.
�Sag es! Erz�hl alles! Mehr als verachten k�nnen sie dich nicht!� erkl�rte sie ruhig und als sie Ewians Gesichtsausdruck bemerkte zuckte sie unwillk�rlich zusammen. �Ewi, hat dich bisher je einer verachtet, wegen dem was damals war?�
�Es wei� doch au�er euch und euren Eltern keiner Bescheid!�
�Eben und du kennst meinen Vater. Wenn er sagt, es ist o.k., dann ist es das auch!� fl�sterte Lili ihr zu, als einige Wachen an ihnen vorbei liefen.
�Ich habe einen Fehler gemacht!�
�Ja, aber du bist ausgestiegen! Du hast dich f�r die richtige Seite entschieden, und das ist alles was z�hlt!�

Ewian starrte noch einige Minuten auf die T�r, und drehte sich dann um. Der Weg zu ihrem Zimmer erschien ihr heute ewig lang zu sein. Es war Vollmond und die G�nge waren von seinem Licht hell erleuchtet. Sie blieb an einem Fenster stehen und starrte hinaus.

***

�Sie kommt nicht, oder?� fragte Thranduil leise als Lili in den Raum trat. Die sch�ttelte nur den Kopf und setzte sich zu Gimli.
�Lili?� begann Aragorn und wartete bis die junge Frau ihn ansah. �Wie schlimm ist es?� wollte der K�nig von Gondor wissen. Lili sah ihn ein paar Minuten nachdenklich an. Was konnte sie sagen? Schlie�lich lehnte sie sich an den Kamin und sah aus dem Fenster.
�Habt Ihr schon mal einen Fehler gemacht? Einen Fehler der Menschenleben gekostet hat?�
�Ja!� antwortete Aragorn. �Ich denke die meisten hier haben schon mal solche Fehler begangen!�
�Ich rede nicht von Soldaten die Ihr in eine Schlacht geschickt habt! Ich rede von Freunden, Menschen die euch viel bedeutet haben!�
�Ich verstehe nicht!� meinte Aragorn verwirrt.
Lili sah ihn einen Moment an und wandte sich dann wieder dem Fenster zu. �Ich wei� nicht wie ich euch das sagen kann, ohne zuviel preis zugeben. Es ist nicht so einfach etwas zu erkl�ren das ..........�

***

�Was Lili euch sagen will ist: Habt Ihr schon einmal einen Menschen bewusst in eine Falle laufen und dann sterben lassen nur um einem M�rder das Leben zu retten?� Alle sahen bei diesen Worten auf. Ewian stand neben dem Fenster, nahe bei der T�r und sah hinaus.
�Nein!� erkl�rte Aragorn nach einer Weile.
�Tja, ich schon!� meinte Ewian und setzte sich auf den Fenstersims um besser hinaus sehen zu k�nnen.
�Was ist geschehen?� wollte Celeborn wissen.

Es dauerte ein paar Minuten bis Ewian auf seine Frage reagierte. Sie erhob sich, ging am Tisch vorbei und setzte sich in einen freien Stuhl neben Legolas.

�Vor etwas �ber dreihundert Jahren habe ich in Orbania, in der Hauptstadt genauer gesagt, Halt gemacht um nach einem Job ein paar Tage Ruhe zu haben. Ausschlafen, mir ein bisschen die Stadt ansehen, wie Urlaub, sozusagen. Am n�chsten Tag bin ich auf dem Marktplatz mit jemandem zusammen gesto�en.� Sie stockte in der Erz�hlung und holte ein paar Mal tief Luft.
�Arian?� fragte Legolas, an ihrer Seite, leise. Ewian sah ihn kurz an und nickte schlussendlich.

�Wir haben uns eine Weile unterhalten und uns dann zum Abendessen verabredet. Er kannte sich in der Stadt gut aus und in der darauffolgenden Woche war ich die meiste Zeit mit ihm unterwegs. Er war so ......... so ........ faszinierend. Ich wei� nicht, wie es sonst nennen sollte. Er hat mich angezogen. Mani hat mal vor einiger Zeit zu mir gesagt, ich h�tte mich aufgef�hrt als w�re ich verhext gewesen. Sein Vater hatte es ihm so erz�hlt. Wahrscheinlich war ich das auch. Wer er war wusste ich damals noch nicht. Nach zwei Wochen nahm ich dann einen neuen Job an und er fragte ob er mitkommen kann. Er h�tte sowieso nichts zu tun und allein wollte er in der Stadt auch nicht bleiben. Wir sind dann los und ich bin kurz zu Hause vorbei um nach den Jungs zu sehen und das Geld wegzubringen das der letzte Job mir eingebracht hatte.

Die Jungs haben nur einen Blick auf Arian geworfen und mich dann gefragt, seit wann ich mich mit solchen Typen einlassen w�rde. Daraufhin hatten wir den sch�nsten Streit der damit endete das ich meine Sachen gepackt und abgezogen bin. Manis Vorfahren haben noch alles versucht mich zu warnen. Sie erkannten alle wie gef�hrlich er war aber ich nicht. Vielleicht wollte ich es auch gar nicht sehen!�

�Wie meint Ihr das?� wollte Celeborn wissen. Ewian sah fragend zu Lili.
�Lili, m�chtest du?� Und so erz�hlte Lili die Geschichte weiter.

�Ewian hatte es damals nicht gerade leicht. Die Jungs machten st�ndig nur Bl�dsinn und gingen ihr geh�rig auf die Nerven. Und st�ndig war sie unterwegs um Verbrecher einzufangen. Und das mit angeschlagener Gesundheit. Alles im allem, Ewian war mit den Nerven fix und fertig. Sie war ausgelaugt und v�llig am Ende. Und das hat es wohl f�r Arian so leicht gemacht.�

�Entschuldigt, das ich schon wieder unterbreche, aber, ihr habt etwas von einer angeschlagenen Gesundheit angedeutet?� fragte Celeborn. Lili sah zu Ewian hin�ber die nickte nur.
�Erz�hl ruhig weiter, Lili. Wenn, dann sollen sie auch alles wissen!�

�O.K.! ��. Also Ewian war von einem ihren fr�heren Auftr�ge mit einer ziemlichen Erk�ltung zur�ck gekehrt. Aber sie hatte weder Lust noch Ausdauer sie richtig auszukurieren. Das zerrte dann noch zus�tzlich an ihrer allgemeinen Verfassung. Und wie gesagt, Arian hatte leichtes Spiel. Er hat sie sozusagen verf�hrt. Mit allen Mitteln der Kunst, kann ich nur sagen. Er nahm ihr in der folgenden Zeit den gr��ten Teil der Arbeit ab, er brachte ihr das K�mpfen bei, und ich meine nicht das K�mpfen mit Waffen, darin war sie schon Meister. Ich meine mit H�nden und F��en, aber ich denke das bekommt ihr bestimmt noch mal zu sehen. Das w�rde jetzt zu sehr abschweifen.�

�Man k�nnte also sagen, er hat Euch v�llig von sich abh�ngig gemacht?� fragte Gandalf stirnrunzelnd. Ewian reagierte nicht sondern sah ihn nur an.
�Verstehe!� nickte der Zauberer.
�Ihr seht aus als h�ttet ihr so etwas schon erlebt?� fragte Ewian ihn und zuckte zusammen als Legolas pl�tzlich ihre Hand fest mit seiner umschloss. Sein sanftes L�cheln beruhigte sie jedoch wieder.
�Ja in der Tat, das habe ich! Allerdings seid Ihr die erste Person, die ich kenne, die es geschafft hat so einer Verf�hrung zu widerstehen und jetzt noch am Leben ist!� Einige Minuten h�rte man nur das Knistern des Feuers im Kamin dann sprach Gandalf wieder.
�Ich habe in meinem Leben nur sehr wenige Lebewesen kennen gelernt die stark genug waren oder stark genug sind um so etwas durchzustehen. Ich bewundere Euren Mut!�
�Was?� fragte Ewian leise und sah den Zauberer ungl�ubig an. Hatte er das ernst gemeint?
�Ihr habt es �berstanden, ihr habt �berlebt, drei Kinder gro�gezogen f�r eine Familie gesorgt. Und Ihr seid nicht daran zerbrochen! Nur wenige h�tten das geschafft. Ja, ich bewundere Euch daf�r!� erkl�rte Gandalf leise und lehnte sich in seinen Stuhl zur�ck um an seiner Pfeife zu ziehen.
�Sagt das noch mal, wenn Ihr die ganze Geschichte kennt!� zischte Ewian zynisch und starrte auf eine Pflanze in der Ecke. Gandalf sah sie an. Diese Worte waren voller Verbitterung gesprochen worden und voller Wut auf sich selbst. Diese junge Frau hatte in ihrem Leben schon mehr durchgemacht als gut f�r sie war. Er hoffte das Legolas endlich ein wenig W�rme und Licht in ihr Herz bringen konnte. Sie hatte es verdient. Mehr als sie ahnte.
�Berichtet bitte weiter!� bat Galadriel nach einigen Minuten und sah von Ewian zu Lili.

�Als sie nach etwa drei Monaten wieder mal vorbeikam hatte sie sich sehr ver�ndert. Sie war kalt, abweisend und brutal. Als w�re ihr ihre Seele gestohlen worden. Sie zog nach ein paar Tagen wieder ab und nach dem Tag glaubten die Jungs sie h�tten sie verloren. Nach etwa sechs Monaten sind sie ihr gefolgt, zusammen mit einigen �lteren Kriegern und Heilern unseres Dorfes. Drei Jahre hat es gedauert, bis sie die beiden aufsp�ren konnten. Es kam zur Konfrontation, aber auf das was da passierte war niemand vorbeireitet!�

Lili machte kurz Pause und trank einen Schluck Wein. Bevor sie weitersprechen konnte ergriff Ewian das Wort.

�Arian setzte nat�rlich seine Magie ein um die Jungs von mir fernzuhalten. Arian hat die F�higkeit die Gedanken von Menschen zu beeinflussen. Er tut es nicht oft, weil es anstrengend ist aber wenn er es tut kann derjenige daran sterben. Es funktioniert nur bei Menschen oder Orks, bei Lebewesen mit schwachem Geist ist es am leichtesten. Aber die Krieger und Heiler waren stur und so konnte er nicht so leicht abwimmeln. Es waren zu viele auf einmal und sie waren verdammt hartn�ckig. Also half ich ihm dabei. Wir waren in einer kleinen Schlucht aufeinander getroffen. Es war also niemand da der zuf�llig st�ren konnte.

Wir trieben sie zur�ck und verletzten sie auch. Es ging stundenlang so aber trotzdem wollten sie nicht aufgeben. Und da kamen mir langsam die ersten Zweifel. Ich begriff einfach nicht, wieso sie so stur darauf beharrten mir helfen zu wollen. Meiner Meinung hatte ich alles was ich brauchte und wollte. Kurz vor Sonnenuntergang hatte einige der M�nner Arian in eine Ecke gedr�ngt und ich reagierte nat�rlich. Ich schnappte mir den �ltesten der Heiler und bedrohte ihn mit einem Messer. Daraufhin lie�en sie von Arian ab. Er rief mir zu ich sollte den Kerl fertig machen als Denkzettel f�r die anderen. Aber ich konnte nicht!�

�Also hat er ein wenig nachgeholfen!� unterbrach Lili sie und fuhr dann fort. �Er konzentrierte sich nur auf einen von ihnen und brachte ihn dazu, das er ihn selbst angriff. Er spekulierte darauf das Ewian ihm helfen w�rde aber das konnte sie erst wenn sie den Heiler aus dem Weg geschafft hatte. Aber wenn sie das getan h�tte, w�ren ihre Br�der auf sie los. Also musste sie sich was einfallen lassen, und das hat sie auch getan.

Sein Plan ging auf. Sie stie� den Heiler in Arians Richtung. Die anderen bemerkten nat�rlich was mit dem Krieger los war aber aufhalten konnten sie ihn nicht mehr. Es war f�r Arian ein leichtes dem Angriff auszuweichen und er stie� ihn gegen zwei andere die daraufhin gegen lockeres Gestein fielen. Der Heiler wurde zusammen mit den zwei anderen von einer Ger�lllawine begraben und get�tet. Aber das hat Ewian endlich wieder zur�ck geholt. Arian wollte die Gunst der Stunde nutzen und abhauen, aber Ewian stand bei den anderen als w�re sie festgewachsen. Er hat sie angeschrieen mitzukommen, aber sie ist dann zu ihren Br�dern und hat ihnen geholfen die Steine wegzur�umen. Aber es war schon zu sp�t.� Schloss Lili schlie�lich und sank m�de in ihren Stuhl zur�ck. Eine zeitlang war das Knistern des Kaminfeuers die einzige Ger�uschquelle im Raum.

�Habt Ihr diese F�higkeit auch?� fragte Arwen und Ewian nickte langsam und vorsichtig.
�Ihr seid keine Magierin, ich k�nnte es sp�ren!� sprach Galadriel in die entstandene Stille hinein. Ewian zuckte mit den Schultern.
�Das habe ich nie behauptet. Ich bin nicht sehr gut darin, das war ich nie. Aber ich kann einen Menschen beeinflussen, wenn ich es will.�
�Beweist es!� forderte die Herrin des Lichts sie auf, doch Ewian sch�ttelte den Kopf. Entsetzen stand kurz in ihren Augen.
�Ich kann das nicht so einfach, nur weil Ihr es wollt. Ihr seid Magierin, Ihr wisst wie schwer und schmerzhaft es sein kann!�
�Versucht es, bitte!� fl�sterte die Elbin leise und geheimnisvoll. Ihre Stimme lullte Ewian langsam aber sicher ein und das machte ihr pl�tzlich Angst. Die anderen sahen zwischen den beiden Frauen hin und her. Die Elben unter ihnen erkannten das Galadriel nur Ewians F�higkeiten testen wollte. Es bestand keine Gefahr. Mit kurzen und leisen Worten erkl�rte Celeborn den anderen was geschah.
Ewians Reaktion kam schnell und heftig. Sie wehrte sich mit aller Macht gegen die leise Stimme in ihren Gedanken und dr�ngte sie pl�tzlich mit einem gewaltigen Sto� ihrer eigenen Gedanken zur�ck. Galadriel st�hnte auf und hielt sich kurz den Kopf. Celeborn griff nach ihrer Hand und nickte nach einem kurzen Blickwechsel zu Ewian hin�ber.
�Seid ohne Sorge, Ewian! Wir wollten Euch keine Angst machen. Ihr seid sehr stark und Ihr habt die F�higkeit eure Gedanken abzuschirmen, wenn es sein muss. Wir k�nnten Euch lehren diese F�higkeit zu nutzen!� erkl�rte Celeborn.
�Danke, ich verzichte!� kam sofort zur�ck und der Elb nickte nach wenigen Sekunden verstehend. Sie wollte es nicht, auf keinen Fall. Die beiden Hoheiten aus Lothl�rien erkannten die versteckte Furcht in ihr. Und sie akzeptierten sie ohne ein weiteres Wort.
�Was geschah danach?� brachte Thranduil das gestoppte Gespr�ch wieder auf den eigentlichen Punkt ihrer Unterhaltung zur�ck.

�Ich bin mit meinen Br�dern nach Hause. Es hat Jahrzehnte gedauert bis ich einigerma�en gelernt hatte damit zu leben. Sie haben mich nicht daf�r verurteilt. Im Gegenteil, die Leute aus dem Dorf haben alles getan um mir zu helfen wieder ein normales Leben zu f�hren. Ich habe mich selbst so sehr gehasst, dass ich ........ dass ich ........�

Ewian konnte kein Wort mehr hervorbringen. Sie riss sich von Legolas los und st�rmte aus dem Saal. Alle sahen ihr erschrocken nach. Lili hielt Legolas zur�ck als er sich anschickte ihr zu folgen.

�Wartet ein paar Minuten. Gebt Ihr ein wenig Zeit f�r sich!�
�Was ist geschehen?� fragte Arwen leise und wiederholte damit die Frage Thranduils.

�Sie hat versucht sich das Leben zu nehmen! Mehrmals! Aber meine Vorfahren haben sie rechtzeitig gefunden. Sie haben sie nach dem dritten Mal fort geschickt. Zu einigen Heilern die abgeschottet in einer H�hle gelebt haben. Die haben ihr geholfen ihre innere Ruhe wieder zufinden. Zumindest einen Teil davon. Wie Ihr alle eben gesehen habt, reagiert sie sehr empfindlich auf dieses Thema. Und sie hat auch noch nie dar�ber gesprochen was in den drei Jahren geschah, die sie mit Arian durch die Gegend zog. Ich wei� nicht ob sie es je tun wird, aber ich hoffe das sie irgendwann vergessen kann was damals war. Oder zumindest es so zu verarbeiten das sie nicht jedes Mal so reagiert wie eben.�

Lili rieb sich �ber ihre Augen und sah dann die Leute an. Die meisten schienen in Gedanken versunken, aber sie konnte auf keinem Gesicht Abscheu oder Ekel erkennen. Sie schienen zu akzeptieren was geschehen war. Und hatten anscheinend auch nicht vor Ewian daf�r zu verurteilen. Das vorherrschende Gef�hl in den Gesichtern war Sorge.

�Das ist in der Tat eine ......... wie sagt Ihr Menschen ......... schlimme Sache!� begann Elrond langsam und vorsichtig. �Aber egal wie wir dar�ber denken m�gen, das Recht zu urteilen oder zu verurteilen steht uns nicht zu. Das haben die Menschen aus eurem Dorf bereits getan. Und ich pers�nlich denke, das sie richtig gehandelt haben. W�re eines meiner Kinder so vom Weg abgekommen, ich h�tte ebenfalls alles getan um es zur�ck zuholen.�

***

Ewian stand an der Mauer des Wachturmes und sah nach unten. Es war nach Mitternacht, Wolken zogen �ber den Himmel und verdeckten den Mond teilweise. Sie atmete ein paar mal tief ein. Die Luft war sauber, klar aber nicht zu kalt. Es war sch�n hier oben. Sie f�hlte sich dem Himmel n�her als sonst, als br�uchte sie nur den Arm zu heben und danach zu greifen.

�Wollt Ihr nicht wieder reinkommen? Es wird kalt heute Nacht!� Aragorn stand einige Schritte hinter ihr und lie� seine wachsamen Augen �ber die Stadt streifen.
�Und, wie hat man geurteilt?� fragte Ewian schlie�lich.
�Gar nicht!�
�Was?� Ewian drehte sich in seine Richtung und sah ihn fragend an.
Aragorn sah sie an, ein leichtes L�cheln umspielte seine Lippen und lie� ihn um einige Jahre j�nger aussehen. Er trat neben sie und lehnte sich mit den Armen auf die Mauer.
�Niemand hat Euch verurteilt. Und das werden wir auch nicht tun. Denn wir haben kein Recht dazu. Ich gebe zu das mich schockiert hat, was Ihr und Lili berichtet habt. Wer w�re da nicht schockiert? Aber trotz allem werden wir nicht Richter oder Henker spielen. Denn ich brauche Euch jetzt nur anzusehen um zu erkennen das ihr das selbst schon getan habt. H�rt auf! Ihr m�sst Euch endlich selbst vergeben!�
Ewian sah ihn kurz an und sch�ttelte dann den Kopf. �Das kann ich nicht. Ich meine seht mich doch an. Seht doch was ich aus meinem Leben gemacht habe. Ich habe es selbst vermasselt und ...........!�
�Nein das habt Ihr nicht!� unterbrach Aragorn sie ernst und richtete sich auf um sie an den Armen zu greifen. �Ihr habt es nicht vermasselt, ganz im Gegenteil. Ihr lebt, habt Familie und jetzt wenn ich richtig sehe auch eine Zukunft. Vielleicht sogar in D�sterwald.�
Er grinste Ewian verschmitzt an und lie� sie dann wieder los.
�Ihr habt damals gegen Ihn gewonnen und Ihr werdet es auch diesmal schaffen. Und wisst Ihr auch warum?� Er sah sie fragend an und wartete bis sie den Kopf sch�ttelte. Erst dann fuhr er fort. �Weil Ihr nicht allein seid. Damals wart Ihr es nicht und heute auch nicht! Fangt endlich an zu leben!�
�Das ist so schwer!� fl�sterte sie m�hsam.
�Ich wei�, aber Ihr k�nnt es. Immerhin wart Ihr bei ihm und seid doch wieder hier.� Sagte Aragorn.
�Woher wisst Ihr das?� fragte Ewian verwundert.
�Ich habe es vermutet. Und Eurer Reaktion nach zu urteilen liege ich mit meiner Vermutung richtig.� Erwiderte er nur.

Mit diesen Worten lie� Aragorn sie allein und kehrte ins Schloss zur�ck. Auf dem Gang standen Legolas und Gimli und sahen ihn wartend an. Er konnte die Sorge in den Gesichtern der beiden erkennen und nickte mit dem Kopf.

�Es geht ihr gut. Ich denke sie wird jetzt erst mal einiges zum Gr�beln haben!� erkl�rte der Waldl�ufer.
�Was hast du ihr gesagt?� fragte Legolas
�Wenn du das wissen willst, musst du sie schon selber fragen, mein Freund! Wo sind die anderen?�
�In ihren Zimmern. Es ist sp�t!� brummte Gimli und versuchte einen Blick in Richtung Balkon zu riskieren. Doch Aragorn stellte sich ihm ins Sichtfeld.
�Wir sollten auch schlafen gehen. Morgen ist auch noch ein Tag.� Damit zog Aragorn seine beiden Freunde von den Balknt�ren fort, in Richtung ihrer jeweiligen Zimmer.

***

Als Ewian am n�chsten Morgen zu sich kam brauchte sie erst mal einige Sekunden um zu realisieren das sie sich nicht in ihrem Zimmer sondern auf der Mauer des Wachturms befand. �Ich muss wohl hier eingeschlafen sein� �berlegte sie im Stillen, w�hrend sie versuchte sich aufzurichten. Alle Knochen taten ihr weh und s�mtliche Muskeln protestierten. Sie schrie erschrocken auf als ihr jemand pl�tzlich eine Tasse mit dampfendem Inhalt unter die Nase hielt.

�Gimli! Bist du noch ganz bei Trost?� fluchte sie ver�rgert und kam endlich auf die F��e.
�Da will man nur nett sein, und was bekommt man daf�r? Einen Anschiss! Verstehe einer diese Elben!� brummte Gimli aber der Schalk in seinen Augen war nicht zu �bersehen.
�Halbelben. Wir wollen doch korrekt bleiben!� verbesserte sie ihn und beide lachten. Dann warf sie einen kritischen Blick auf die Tasse. Der Inhalt roch merkw�rdig.
�Was ist das? Und wieso riecht das so komisch?�
�Ein Geheimrezept meiner Urgro�mutter. Probier mal!� forderte der Zwerg und gab ihr die Tasse. Ewian sog noch einmal den Geruch ein, probierte dann vorsichtig einen Schluck. Das h�tte sie lieber nicht getan. Was immer in dieser Tasse war, es war scharf und zog hoch bis in die Nase. Ihre Kehle begann zu brennen und ihre Augen tr�nten auf einmal. Sie versuchte ein Husten zu unterdr�cken, aber das machte alles nur noch schlimmer.
�Gimli, was zum Teufel ......� keuchte sie aber das Kratzen im Hals lie� sie verstummen. Sie bekam kaum noch Luft und sackte schlie�lich an der Mauer auf den Boden.
�Meine G�te Ewian, was ist denn los?� wollte Gimli erschrocken wissen und hockte sich neben sie.
�Was ist das f�r ein Zeug?� kr�chzte Ewian und hielt sich die Augen zu.
�Nur Tee mit einem Schuss selbstgebranntem Rum von den Zwergen, die etwas au�erhalb der Stadt leben. Ist der Rum zu stark?�
�Rum? RUM? ....... Gimli das Zeug wird mich umbringen!� bekam Ewian noch hervor bevor der Husten sie v�llig �berrollte. Sie hatte das Gef�hl ihr Brustkorb w�rde zerspringen als sie keuchend Luft zu holen versuchte.
�Ewian, Mein Gott. Das konnte ich doch nicht wissen. ......... Bleib hier, ich hole ........... Ich bin gleich wieder da!� Mit diesen Worten st�rmte der Zwerg davon.
Aragorn sah fragend auf als der Zwerg in die Bibliothek st�rmte. �Aragorn schnell, Ewian stirbt!�
�Was?� wollte der K�nig wissen doch Gimli war schon wieder aus der T�r. Ewian war der Bewusstlosigkeit nahe als sie laute Stimmen h�rte. Sie sp�rte noch wie sie hochgehoben wurde aber dann wurde alles dunkel um sie.

***

Wohlige W�rme umfing sie als sie wieder zu sich kam. Sie musste sich zwingen die Augen zu �ffnen, denn die Lider schienen ihr bleischwer. Aber nach dem f�nften Versuch funktionierte es und sie sah direkt in Elronds besorgte Augen. Ein L�cheln �berzog kurz darauf sein Gesicht.

�Da seid Ihr ja wieder!� fl�sterte er leise aber trotzdem hielt sie sich die Ohren zu, so laut hatten seine wenigen Worte geklungen.
�Schon gut.� Murmelte er noch leiser und ging etwas von ihr weg. �Es wird noch etwas dauern bis Ihr wieder auf den Beinen seid!�
�Ja, ich weiߓ murmelte sie und verzog das Gesicht als sie ihre eigene Stimme vernahm. Es klang wie ein Kr�chzen und nicht wie eine Stimme. Sie schluckte ein paar Mal und presste vor Schmerzen die Augen zusammen. Ihr Hals tat h�llisch weh.
�Du hast sehr stark auf den Rum reagiert. Hast du das schon mal erlebt?� fragte Legolas fl�sternd und trat an ihre rechte Seite.
Ewian nickte nur. �Frag Mani!� brachte sie nach einigen Versuchen hervor und hustete wieder mehrmals. Legolas st�tzte sie ab und es dauerte einige Zeit bis sie wieder einiger ma�en normal atmen konnte. Dann legte er sie zur�ck in die Kissen. Er deutete ihr leise an das sie sie jetzt alleine lassen w�rden und Ewian nickte. Dann schloss sie wieder die Augen und war kurz darauf eingeschlafen.

***

�Sie vertr�gt keinen Rum, �berhaupt nicht!� berichtete Mani vor der T�r. �Mit anderem Alkohol hat sie keine Probleme aber Rum ist gef�hrlich!�
�Das hat sie von ihrem Vater!� konterte Thranduil und alles sah ihn erstaunt an.
�Vater, was meinst du?� wollten Daymon und Nyon wissen.
�Thennas hatte das gleiche Problem.� Erl�uterte Thranduil und grinste als er sich erinnerte. �Er konnte trinken ohne Probleme. Auf Feiern ein und zwei Flaschen alleine zu trinken, hat ihn nicht gest�rt. Aber er brauchte nur einen Schluck Rum zu trinken und war dann die n�chsten 3 Tage krank.� Alles lachte. �Selbst unsere Heiler haben nie herausgefunden woran es lag. Sie �u�erten die Vermutung das es eine der Zutaten sei, aber sie konnten sie nicht ausfindig machen.�
�Ist es gef�hrlich?� fragte Elrond. Thranduil zuckte mit den Schultern.
�Da er schon auf die kleinsten Mengen reagierte vermute ich das zu viel Rum ihn get�tet h�tte. Allerdings warnte sein K�rper ihn immer und bei Ewian scheint das ja auch der Fall zu sein. Ich denke sie wird sich bald wieder erholt haben!�

***

Als Ewian das n�chste Mal zu sich kam lag sie in ihrem eigenen Bett. Einige Kerzen brannten und drau�en war es stockdunkel. Es musste also schon ziemlich sp�t sein. Hatte sie etwa den ganzen Tag durchgeschlafen. Sie konnte sich beim besten Willen nicht erinnern wann oder wer sie hierher gebracht hatte. Allerdings tippte sie im Stillen auf Legolas. Sie setzte sich langsam auf und hielt sich dann den Kopf. Es drehte sich alles um sie und ihr war �bel.

�Gott ich hasse das!� brummte sie w�tend und hielt sich gleich darauf die Ohren zu.
�Wie geht�s dir?� fl�sterte jemand vom anderen Ende des Raumes. Die Stimme kam ihr vage bekannt vor aber da es in ihren Ohren summte und brummte, war sie sich nicht sicher ob es wirklich Legolas gewesen war.
�Legolas?� fragte sie leise.
�Ja!� kam von hinten die Antwort und kurz darauf h�rte sie leise Schritte. Er setzte sich neben sie auf das Bett, sagte aber nichts.
�Geht schon, solange du nicht laut redest!� versuchte sie und grinste als ihre Stimme funktionierte. Sie h�rte sich zwar immer noch an wie ein Reibeisen, aber man verstand wenigstens war sie sagte. Er strich ihr l�chelnd eine Str�hne aus der Stirn und schob sie dann wieder in die Kissen.
�Schlaf weiter, es ist schon nach Mitternacht!� antwortete er ihr auf ihren fragenden Blick hin.
�Hm! .......... Bleibst du hier?�
�Ja!"

Sie sp�rte noch wie er sich auf der anderen Seite des Bettes niederlegte und dann wie sie in seine Arme gezogen wurde. Er murmelte etwas auf elbisch in ihr Ohr und langsam aber sicher driftete sie wieder in den Schlaf.

Ende Teil 6 1
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