Part 4


Neue Freunde

Fast sechs Tage k�mpften Elrond, Aragorn und Galadriel um das Leben von Mani. Und schlie�lich fiel er in einen ruhigen und erholsamen Schlaf. Es war geschafft. Er w�rde �berleben, seine Wunde w�rde verheilen. Elrond betrachtete ihn. So jemanden hatte er noch nie gesehen. Der Oberk�rper des Mannes war mit seltsamen Zeichnungen �bers�ht. Sie waren gleichgro� und zogen sich gro�teils �ber die rechte Seite des Brustkorbs. Es schien eine Art Schrift zu sein. Aber er konnte keines der Zeichen identifizieren. Mani murmelte leicht im Schlaf und Elrond ging n�her an ihn heran. Aber trotzdem konnte er die Sprache nicht erkennen.

�Er ruft nach den Geistern seines Volkes!�

Elrond fuhr herum. Gr�ne Augen betrachteten ihn einen Augenblick und wendeten sich dann der Gestalt auf dem Bett zu. Er hatte sie nicht kommen geh�rt. Sie sah m�de aus und ein G�hnen ihrerseits best�tigte diese Vermutung. Er besah sich Ewian. Sie hatte erst vor wenigen Stunden ihren Namen preisgegeben und das auch nur, weil ihre Br�der sie mit Blicken fast erdolcht hatten, weil sie sich immer noch so zur�ckhaltend gegen�ber den meisten verhielt. Sie hatte zwar in den letzten Tagen alle Feindseligkeiten abgelegt. Von Thranduil und seiner Familie hielt sie sich dennoch fern. Der einzige mit dem sie sich regelm��ig unterhielt, war Gimli. Und der versuchte nat�rlich alles um die Meinung der jungen Frau �ber Legolas und seinen Vater zu �ndern. Allerdings war er bisher nicht sehr erfolgreich.

Die ersten Tage waren alle f�nf sehr zur�ckhaltend gewesen und man hatte sie kaum von Mani fernhalten k�nnen, aber seitdem es mit dem jungen Mann bergauf ging wurden sie offener und zug�nglicher. Vor allem die Drillinge waren kaum zu b�ndigen. Sie machten Samuel und Sileen Konkurrenz. Um von vornherein zu vermeiden das noch weitere Zwischenf�lle passierten hatte man Ewian angeboten ins Schloss zu ziehen. Und nach einigem Hickhack mit ihren Geschwistern hatte sie zugestimmt.

Ihre drei Br�der waren begeistert gewesen. Sie waren begierig alles zu erfahren, von Geschichten �ber D�sterwald bis hin zu den Abenteuern des Ringkrieges. Sie waren ihrer Schwester �berhaupt nicht �hnlich. Die drei erinnerten Elrond an seine Kinder. In ihrem Alter waren sie genauso ungest�m gewesen. Die Schwester des jungen Mannes, Lili, war die einzige die von der ersten Sekunde an offen zu allen gewesen war. Sie war neugierig, interessierte sich vor allem f�r Tiere, aber auch die Heilkunst hatte es ihr angetan. Und Arwen hatte sie sofort unter ihre Fittiche bekommen.

Die f�nf hatten den Ablauf in diesen Mauern ganz sch�n durcheinander gebracht. Nach den ersten sch�chternen Ann�herungen hatten sich Samuel und Sileen, gemeinsam mit seinen beiden S�hnen und Thranduils Zwillingen, der Drillinge angenommen. Das war eine Zusammenstellung, die noch Probleme machen w�rde. Zwei Zwillingspaare und einmal Drillinge. Und dazu noch die beiden Kinder von Aragorn, die so schon nur Unfug im Kopf hatten.

Das bedeutete vier Elben und f�nf Halbelben an einem Ort. Es war schon schwer genug die normalen Zusammentreffen aller in geregelten Bahnen ablaufen zu lassen, aber mit der Ankunft der Drillinge w�rde das wohl unm�glich werden. Elrond fragte sich wie lange es wohl dauern w�rde bis Legolas oder Eldarion wieder ein unfreiwilliges Bad nehmen, oder sonst etwas passieren w�rde. Immerhin waren die Br�der, zusammen mit den beiden Frauen, in den Palast gezogen, und das Samuel und Sileen noch lange durchhalten w�rde war sehr zweifelhaft. Aragorn und die anderen sahen das genauso und versuchten daher seit heute morgen die jungen Leute so zu besch�ftigen das sie wenigstens einen Teil der Gruppe immer im Blickfeld hatten. Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Problemkind zu, wie Galadriel und Celeborn es ausgedr�ckt hatten. Sie schien, ihrem Blick nach zu urteilen, mit ihren Gedanken v�llig woanders.

�Wo sind Eure Br�der?� fragte Elrond leise.

Ewian schrak zusammen, als er sie pl�tzlich ansprach. Anscheinend hatte sie mit offenen Augen getr�umt. Und sich auch noch erwischen lassen. Sie wurde unvorsichtig, das musste sie schnellstens �ndern. Bei ihrem Job konnte einen so was schnell ins Grab bringen.

�Bei Aragorn. Sie sehen seinen M�nnern beim Training zu.� Antwortete sie schlie�lich.
�Ist das nichts f�r Euch, Ewian?� Sie sah ihn nicht an, zuckte nur mit den Schultern und g�hnte wieder.
�Ihr solltet etwas schlafen. Es ist sp�t!�
�Ja, wenn er aufgewacht ist und ich wei� das alles o.k. ist!�
�Es geht ihm gut. Er wird noch eine Weile schlafen. Wenn Ihr wollt, lasse ich Euch Bescheid sagen, sobald Mani aufwacht.�

Sie antwortete nicht sondern massierte sich die Augen. Elrond brauchte nur einen Blick auf sie zu werfen, um zu erkennen das innerhalb der n�chsten Stunde einschlafen w�rde, egal wo sie sich gerade aufhielt. Aber sie war zu stur um das einzusehen. In der Beziehung �hnelte sie Thranduil sehr. Und er sp�rte das sie das, tief in ihrem Inneren, auch wusste.

�Konntet Ihr einen der Angreifer ausfindig machen?� wollte sie auf einmal wissen.
�Habt Ihr noch nicht mit Aragorn gesprochen?� Elrond war verwirrt. Er hatte geglaubt das sie schon l�ngst Bescheid w�sste, das man keinen der vermummten Angreifer hatte erwischen k�nnen. Sie waren in allen dunklen Ecken verschwunden, die es in diesen Seitengassen gab und durch die sp�te Uhrzeit hatte es auch kaum Zeugen gegeben. Und die, die man ausfindig gemacht hatte, hatten alle nur etwas von dunklen Schatten gemurmelt und sich bekreuzigt. Etwas sehr seltsames schien in dieser Stadt vorzugehen.
�Nein!� antwortete sie nach einer Weile und riss ihn aus seinen Gedanken. �Ich hatte andere ........ Verpflichtungen!�

Sie log, das wusste er ohne sie anzusehen. Aber er hatte nicht vor sie zu ver�rgern indem er ihr das jetzt vorwarf. Ihre Sorgen lagen in diesen Tagen bei ihrem Freund. Alles andere konnte warten.

�Hauptmann Navarre konnte niemanden festnehmen!� erkl�rte er stattdessen und sie nickte kurz zum Zeichen das sie verstanden hatte. Dann herrschte erst mal Schweigen. Beide achteten minutenlang nur auf das gleichm��ige Atmen des Mannes in dem Bett.
�Lord Elrond aus Bruchtal?�
Er zuckte zusammen als sie ihn pl�tzlich leise mit seinem Titel ansprach. Das hatte er nicht erwartet.
�Ja?� fragte er daher genauso leise.
�Es tut mir leid!�
�Was meint Ihr?� wollte er verbl�fft wissen. Er wusste in dem Moment wirklich nicht wof�r sie sich entschuldigte. Als sie nichts erwiderte drehte er seinen Kopf in ihre Richtung und sah sie an. Ihre Augen waren direkt auf ihn gerichtet, und doch dauerte es noch einige Sekunden bevor sie weitersprach.
�Das ich Euch beleidigt habe!�

Bevor er antworten konnte hatte sie das Zimmer bereits verlassen. Er sah ihr schweigend nach. Sie hatte auf ihre erste Begegnung im Thronsaal angespielt. Ja er war ver�rgert gewesen, sehr sogar. Niemals w�re er auf die Idee gekommen, das jemand der so jung war, derart respektlos sein k�nnte. Galadriel hatte recht. Die Zeiten �nderten sich. Die Jugend �nderte sich. Die Elben selbst ver�nderten sich.

Er sah wieder zum Bett. Diese Gruppe von sechs jungen Leuten war etwas besonderes. Er beschloss, wenn es irgend m�glich war, mehr Zeit mit den anderen aber vor allem mit Ewian zu verbringen. Er hatte die Verbitterung und die Trauer in ihren Worten geh�rt. Was war nur der Grund daf�r das so junge Leute schon so vom Leben entt�uscht waren. Er w�rde versuchen es heraus zufinden.

***

Als Ewian die T�r von dem Zimmer schloss, das man ihr zugeteilt hatte, war ihr klar das Elrond sie durchschaut hatte. Ihr Vater hatte es schon immer gewusst. Sie war wie Thranduil. Sie h�tte vom Wesen her genauso gut sein eigen Fleisch und Blut sein k�nnen. Und genau deshalb hatte ihr Vater sie so abg�ttisch geliebt. Denn sie hatte ihn tagt�glich an D�sterwald erinnert. Sie hingegen hatte nie verstehen k�nnen, wie ihr Vater Thranduil so einfach vergeben konnte.

�Verdammter Mist!� fluchte sie leise.

Ewian warf ihren Umhang �ber einen Stuhl und sprang, so wie sie war, auf das Bett. Nach ein paar Minuten richtete sie sich auf, um wenigstens die Stiefel auszuziehen, und starrte direkt in ein paar blauer Augen, die sie vom Kamin her anblickten. Mit einem Schlag war sie wieder hellwach.

�Gr�nblatt, was wollt Ihr hier?�
�Mir den Grund ansehen, warum mein Vater in den letzten Tagen kaum noch spricht oder sein Zimmer verl�sst.�
�Was hat das mit mir zu tun?� brummte sie unwillig.
�Das wisst Ihr ganz genau. Er will um jeden Preis vermeiden Euch �ber den Weg zu laufen, weil er bef�rchtet das Ihr dann eure Freunde und Br�der nehmt und f�r immer verschwindet. Und weil er Pray, Etienne und Riddick sehr mag, h�lt er sich von Euch fern um wenigstens Eure Br�der n�her kennen zulernen.�
Er machte eine Pause um sie zu betrachten und sprach dann weiter. �F�llt es Euch wirklich so schwer ihm wenigstens die Chance einer Entschuldigung einzur�umen. Hasst Ihr meinen Vater so sehr?�

Legolas konnte sich nicht erkl�ren was ihn hier her getrieben hatte. Aber das Bed�rfnis sich mit Ewian zu unterhalten war von Tag zu Tag gr��er geworden. Er verstand die Beweggr�nde der jungen Frau nicht und das bereitete ihm Kopfzerbrechen. Noch nie war ihm jemand begegnet, der seine Freunde mit einem L�cheln bedachte und gleichzeitig mit seinen Blicken t�ten konnte. Die Augen. Es mussten diese gr�nen Augen sein, die ihn anzogen, wie die Motte das Licht. Und egal was er auch versuchte, er konnte sich nicht wehren. Sie brauchte ihn nur anzusehen und jedes Mal bekam er daraufhin das gleiche Gef�hl von Hilflosigkeit.

Was h�tte Legolas wohl getan, h�tte er in diesem Moment gewusst, das es seinem Gegen�ber genauso ging. Sie sah ihn an, und es kam ihm vor wie eine kleine Ewigkeit. Dann senkte sie den Blick und sch�ttelte den Kopf.

�Nein, ich hasse Euren Vater nicht, ......... jedenfalls nicht mehr, ........ denke ich!� Sie runzelte die Stirn, als w�rde sie angestrengt nachdenken �ber das was sie eben zu ihm gesagt hatte. Dann rieb sie sich �ber die Schl�fen, die seit einer Weile unangenehm pochten.
�W�rdet Ihr jetzt bitte gehen?� Er sah sie kurz an und sch�ttelte dann den Kopf. Sie zog ver�rgert die Stirn in Falten und er wartete auf einen Wutausbruch. Der kam nicht. Stattdessen murmelte sie etwas das verd�chtig nach �sturer Elb� klang und lie� sich wieder in die Kissen fallen.

Ihre M�digkeit war voll zur�ckgekehrt. Sie hatte auf einmal keine Lust und auch keine Kraft mehr sich jetzt mit dem Prinzen auseinander zusetzen. Alles was sie wollte war schlafen. Sollte er doch da sitzen bleiben, wenn es ihm gefiel.

�Macht doch was Ihr wollt, Legolas! Ich bin m�de und will einfach nur schlafen. Geht oder bleibt da sitzen. Mir ist es gleich!�

Sie schloss die Augen, w�hrend sie sich gleichzeitig die Stirn massierte. Sie musste unbedingt schlafen, mittlerweile hatte sie sogar schon Kopfschmerzen von dem tagelangen Mangel an Schlaf und Erholung. Sie sp�rte wie sich die Matratze unter seinem Gewicht senkte, als er sich neben sie auf das Bett setzte. Ewian �berlegte einige Sekunden was sie davon halten sollte, beschloss dann aber sein Eindringen in ihre Privatsph�re einfach zu ignorieren. Er w�rde schon wieder gehen. Ein paar Minuten geschah nichts und schlie�lich driftete sie leicht weg. Mechanisch fuhr sie fort sich die Schl�fen zu massieren. Sie zuckte geh�rig zusammen als seine H�nde die ihren pl�tzlich zur Seite schoben und er begann mit sanften Bewegungen ihre Stirn entlang zufahren.

�Was .......?� begann sie, wurde aber unterbrochen als er einfach einen Finger auf ihre Lippen legte.

Sie konnte am n�chsten Morgen nicht sagen wie lange er noch bei ihr gewesen war, aber eines wusste Ewian ganz sicher. Es war keine Einbildung gewesen als sein Finger auf ihrem Mund durch seine Lippen ersetzt wurde. Und es war auch kein Traum gewesen, das sie ihn schlie�lich n�her an sich gezogen hatte um seinen Kuss zu erwidern.

***

�Wenn du so weiter machst, muss Aragorn den Fu�boden ausbessern lassen, weil du eine Schneise hinein gelaufen hast, Ewian!�
Lili sah ihre beste Freundin fragend an. Seit sie vor etwa einer halben Stunde deren Zimmer betreten hatte, lief Ewian auf und ab, und sie schien auch keine Pause zu brauchen.
�Was ist denn los?�
Ewian schnaubte nur, lief dann jedoch zum Fenster um auf den kleinen Balkon zu treten und dort ihre Wanderung fortzusetzen. Das wurde Lili jetzt zu bunt. Sie stand auf, zerrte Ewian am Arm wieder ins Zimmer und dr�ckte sie auf das Bett.
�WAS IST LOS?� wollte sie wissen.
�Ich hab ihn gek�sst. Gek�sst, stell dir das mal vor! Ich muss v�llig �bergeschnappt sein. Tz, ich kann ihn doch nicht k�ssen. Ich meine, das geht doch nicht. Er ist schlie�lich ........� sprudelten die Worte nur so aus Ewians Mund hervor. So schnell das Lili gar nicht alles verstand.
�Halt, Stop, Pause!� forderte sie daher und Ewian sah sie fragend an. �Wen hast du gek�sst? Und was soll daran falsch sein?�
�Gr�nblatt. Ich habe Gr�nblatt gek�sst!�
�Den K�nig?????� Jetzt sah Lili sie an, als sei sie wirklich verr�ckt geworden und Ewian konnte sich daraufhin ein Grinsen nicht verkneifen. Dann sch�ttelte sie den Kopf.
�Nein, doch nicht den K�nig. Seinen Sohn. Legolas Gr�nblatt habe ich gek�sst!�
Lili sah sie schweigend an. Sie schien zu �berlegen. Aber auf einmal brach sie schallendes Gel�chter aus. Das wiederum brachte ihr w�tende Blicke von Ewian ein.
�Ich fass es nicht, und deswegen l�ufst du L�cher in den Boden? Das ist doch klasse!�
�Klasse? Lili, bist du betrunken?

Der Blick mit dem Ewian sie bedachte, brachte Lili wieder zum lachen. Das konnte doch nicht wahr sein. Sie und ihr Bruder hatten schon am Tag ihrer Ankunft mitbekommen, das Ewian sich in den Prinzen verkuckt hatte, aber anscheinend hatte die das noch nicht bemerkt. Gab es da nicht so ein Sprichwort. �Liebe auf den ersten Blick!�

Da musste was wahres dran sein , �berlegte Lili im stillen und betrachtete Ewian weiterhin. Und da sagte man von Elben doch immer, das sie Meister w�ren, wenn es um zwischenmenschliche oder zwischenelbische Beziehungen ging. Bei Ewian war diese F�higkeit anscheinend verloren gegangen. Gut, sie war nur zur H�lfte elbisch aber trotzdem. So blind konnte sie doch nicht sein, oder?

�Ewian, das du dich f�r ihn interessierst wissen Mani und ich schon seit Tagen. Also was ist daran nun so besonders?�
�Wie meinst du das?� wollte diese von ihr wissen.
�Wie ich das meine? Ewian bist du wirklich so naiv? Du bist verknallt, bis �ber beide Ohren. Und ich muss schon sagen, du hast dir ein h�bsches Exemplar von einem Elben ausgesucht. Ganz ohne Frage!�
�Was ist? Bist du �bergeschnappt? Ich bin NICHT verknallt. Schon gar nicht in Legolas Gr�nblatt. Und wie kommen du und dein Bruder �berhaupt auf so einen Quatsch?�

Ewian sah sie sauer an und Lili musste sich mit Gewalt das Lachen verbei�en. Ewian war noch nie schwer von Begriff gewesen aber in dem Moment sah sie aus wie jemand der wirklich keinen Schimmer von Liebe und allen dazugeh�rigen Dingen zu haben schien. Ein schwerer Fall, entschied Lili.

�Das ist kein Quatsch. Du bist verliebt, ganz einfach. Und das kann ich dir auch beweisen.�
�Ach ja?� kam zur�ck.
�JA!� erkl�rte Lili bestimmt und wartete auf Ewians Reaktion. Die lie� auch nicht lange auf sich warten.
�Na los, ich warte!�
�Du hast ihn gek�sst!�
�Ja, das hab ich doch schon .........�
�Wie fandest du es denn?� Ewian blieb wie angewurzelt stehen und sah Lili an. Diese Frage hatte sie nicht erwartet. Und es war ihr klar, wenn sie die Wahrheit zugeben w�rde, w�re das nur eine Best�tigung f�r Lili.
�Was meinst du?� wollte sie stattdessen von der Frage ablenken.
�Lenk nicht ab. Du wei�t ganz genau was ich meine! Also antworte!�

Ewian hatte auf einmal das Gef�hl das sie sich in den letzten Sekunden in Beute verwandelt hatte. Und sie wusste das der J�ger, in diesem Fall Lili, nicht von der F�hrte ablassen w�rde. Sie rang noch ein paar Minuten mit sich und gab sich dann geschlagen.

�Ich habe ihn zur�ck gek�sst!� murmelte sie schlie�lich und sank auf das Bett.
�Du ......... du hast .........ehrlich?�
�Ja!�
�Und?�
�Was und?�
�W�rdest du es wieder tun?�

Stille. Minutenlang herrschte Stille im Raum. Lili erkannte genau wie sehr Ewian mit sich k�mpfte. Sie hatte die Wahrheit schon l�ngst erkannt, aber Ewian war so was von stur. Lili betete innerlich das Ewian sich nicht durch ihren Dickkopf die Chance auf eine ehrliche und echte Beziehung verbaute. Vorrausgesetzt nat�rlich Legolas Gr�nblatt empfand genauso. Aber das schien ja schon so gut wie sicher.

�Ja.� Erwiderte Ewian nach einer Weile fl�sternd und lie� sich r�cklings aufs Bett fallen. �Aber das hei�t noch lange nicht das ich verknallt bin, wie du es so sch�n formuliert hast.� fuhr sie wenige Sekunden sp�ter wieder hoch.
Lili seufzte laut auf und stellte sich dann ans Fenster. Es w�re ja auch zu sch�n gewesen.
�Was ist, wenn er dich auch mag? Was ist, wenn er dich gek�sst hat, weil du ihm etwas bedeutest? Bist du dann so kalt das du hingehst und sagst: �Es ist sch�n dich zu k�ssen, aber mehr wird da nie sein?� W�rdest du ihm das antun?�

Ewian sah Lili erschrocken an. Aus der Warte hatte sie das ganze noch nicht gesehen. Das machte es ja noch schlimmer. Sie wollte ihn auf keinen Fall verletzen. Aber das bedeutete auch das sie sich ab sofort von ihm fernhalten musste. Wie sollte sie das nur anstellen. Seine blauen Augen kamen ihr in den Sinn. Sie fragte sich wie sie wohl aussahen, wenn er sie k�sste. Letzte Nacht hatte sie die Augen die ganze Zeit geschlossen gehalten. Ob sie wohl leuchteten im Mondlicht? Ewian rief sich zur Ordnung. Sie tr�umte ja schon wieder. Schluss mit dem Unfug, beschloss sie. Und zwar sofort!

�Nein das will ich ihm nicht antun. Also werde ich ab sofort von ihm wegbleiben, ganz einfach!� erkl�rte sie stoisch und verschr�nkte die Arme vor der Brust.
�Ewi, er ist nicht wie die anderen Typen mit denen du dich sonst abgegeben hast. Der l�sst sich nicht so leicht vertreiben!�
�Ich werde ihn schon los werden, das hab ich bis jetzt immer geschafft!� knurrte Ewian sie an.
�Mach dir doch nichts vor, Ewian. Das wirst du nicht durchhalten! Jedenfalls nicht lange. Die Liebe kannst du nicht aufhalten. Du liebst Legolas Gr�nblatt, auch wenn du ........�

***

�Du bist verliebt in den Herrn Elb?�

Ewian und Lili fuhren herum und starrten entsetzt auf die T�r. In der stand, wie sollte es auch anders sein, Gimli Gloinssohn und grinste die beiden Frauen an.

�Tja, ich muss los, Ewi. Wir sehen uns beim Fr�hst�ck!�

Bevor Ewian etwas sagen konnte, war Lili schon aus dem Zimmer gelaufen und hatte hinter Gimli die T�r zugeschlagen. Der musterte sie immer noch und setzte sich dann zu ihr aufs Bett.

�Wei� er es?� wollte der Zwerg wissen.
Ewian sch�ttelte den Kopf und sah aus dem Fenster.
�Wirst du es ihm sagen?�

Ihr entsetzter Ausdruck im Gesicht brachte Gimli zum Lachen. Soviel zum Thema Elben und ihre Erfahrung in Liebesdingen. Bei dem Exemplar vor ihm war die Erfahrung anscheinend gleich null. Aragorn hatte recht. Gimli hatte gestern noch die halbe Nacht mit ihm bei Legolas verbracht. Die beiden hatten Legolas erwischt, kurz nachdem er das Zimmer verlassen hatte. Und der vertr�umte Gesichtsausdruck des Elben hatte die beiden neugierig gemacht. Also hatten sie ihn kurzerhand in sein Zimmer geschleift und ausgefragt.

Nach einer Stunde hatte der Thronfolger schlie�lich aufgegeben und ihnen alles erz�hlt. Und die Verwirrung dar�ber das er jemanden gek�sst hatte, den er kaum kannte hatte ihm im Gesicht gestanden. Aber trotz allem. Auf Aragorns Frage hin was er tun w�rde, wenn sie beschloss zu gehen, hatte er sofort geantwortet, das er ihr folgen w�rde. Und da war f�r Aragorn und den Zwerg klar, Legolas hatte sich verliebt. Tja und bei der jungen Frau sah es wohl genauso aus.

�Er ist in seinem Zimmer. Ich kann dich hinbringen!�
�Gimli, ich ........ das geht nicht ........ ich kann nicht ....... ich ............�
�Er liebt dich auch!�

Ewian schloss die Augen. Diese Worte hatte sie erhofft und gleichzeitig gef�rchtet. Was sollte sie nur tun? Sie hatte f�r eine Beziehung �berhaupt keine Zeit. Und au�erdem, sie war noch nie verliebt gewesen. Sie hatte keine Ahnung was jetzt werden sollte.

�Was willst du tun?�
�Ich hab keine Ahnung. Ich war noch nie verliebt, ich meine nicht so. Klar gab es M�nner mit denen man sich eine Weile am�siert hat, aber richtig verliebt, nein ...... ich wei� nicht was ich tun soll. Und au�erdem woher willst du wissen, wie seine Gef�hle sind? Ich meine, es war nur ........�
�Ein Kuss, es bedeutet dir nichts?� Beendete er ihren Satz und sah sie an.
Ewian seufzte und sch�ttelte dann den Kopf. �Es bedeutet mir etwas. Ich wei� aber nicht was. Ich bin ......... bin ........ ich finde kein Wort daf�r.�
�Verwirrt?�
Sie sah den Zwerg eine Weile von der Seite her an und nickte schlussendlich.
�Ja!�
�Dann wei�t du ja genau, wie es ihm geht!�

***
Legolas hatte die Hand noch immer erhoben um an die T�r zu klopfen. Er hatte jedes Wort verstanden, was Gimli gesagt hatte, und auch die Antworten Ewians hatte er geh�rt. �Noch nie richtig verliebt� Aber trotzdem hatte sie zugegeben das sie etwas f�r ihn empfand. Er kannte sie zwar noch nicht lange aber er wusste das dieses Gest�ndnis ihr nicht leicht gefallen sein musste.

Und er f�hlte sich irgendwie befreit. Sie erwiderte seine Gef�hle und er w�rde ihr so viel Zeit lassen, wie sie brauchte. Eine leichte Hoffnung stieg in ihm auf. Vielleicht w�rde sie ihn nach D�sterwald begleiten. Aber so weit waren sie noch lange nicht.

Er stand noch immer vor der T�r, unschl�ssig was er jetzt tun sollte, als diese auch schon aufgerissen wurde und Gimli pl�tzlich vor ihm stand. Der Zwerg sah kurz zu ihm auf und knallte dann die T�r zu, bevor Ewian irgend etwas mitbekam. Dann zerrte er Legolas am Arm um die n�chste Ecke und funkelte ihn an.

�Habt Ihr etwa gelauscht, Herr Elb?�

Legolas nickte nur und sah Gimli abwartend an. Der begann auf einmal zu grinsen und hielt sich die Hand vor den Mund um nicht laut zu lachen. Legolas sah ihn daraufhin verwirrt an.

�Tja, Legolas. Dann wei�t du ja, was du zu tun hast!� erkl�rte der Zwerg und klopfte ihm auf die Schulter.
�Was meinst du?�
�Bring sie dazu das sie bei dir bleibt, oder noch besser, bring sie dazu das sie dich heiratet!�

Mit diesen Worten lie� Gimli seinen Freund allein und machte sich auf den Weg zum Esssaal. Er musste Aragorn finden. Diese Neuigkeiten musste er unbedingt seinem Freund erz�hlen.

***

Die anderen sahen erstaunt auf als Gimli, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, in den Esssaal trat. Aragorn begegnete seinem Blick und Gimli nickte leicht. Das Grinsen das daraufhin Aragorns Gesicht �berzog zeigte dem Zwerg, das der K�nig von Gondor verstanden hatte.

***

Legolas klopfte leise an. Keine Reaktion. Nach wenigen Sekunden trat er einfach ein und schloss die T�r. Er sah Ewian auf dem kleinen Balkon stehen, sie sah ihn direkt an. Er sah die Nervosit�t in ihrem Blick und als sie den Kopf sch�ttelte war ihm klar was sie wollte.

�Wenn du willst das ich wieder gehe, dann sag es. Sag es mir.�

Ewian konnte keinen Laut von sich geben. Sie wollte ihn fernhalten, aber wenn sie es aussprach, was dann? Was, wenn er wirklich ging? Denn das wollte sie auch nicht. Sie wusste �berhaupt nicht was sie wollte. W�hrend sie noch �berlegte was jetzt passieren sollte, kam er langsam auf sie zu. Als sie sich dann endlich zu einer Reaktion durchgerungen hatte stand Legolas schon auf dem Balkon. Er brauchte nur den Arm ausstrecken, um sie zu erreichen. Aber er tat es nicht. Er wartete. Und sie wusste auch worauf.
Legolas stand vor ihr und sah sie an. Er wollte sie nicht �berrumpeln, also wartete er und �berlie� ihr somit die Entscheidung. Im Stillen betete er darum das sie sich nicht abwendete. Er wusste nicht, ob er es w�rde ertragen k�nnen. Minutenlang bewegten sich beide keinen Millimeter von der Stelle.

�Ich will nicht das du gehst, aber ich will auch nicht das du bleibst. ....... Ich habe keine Ahnung was ich will. Und das macht mir Angst, verstehst du?�
�Ich wei�!� erkl�rte Legolas leise und strich ihr eine Str�hne aus der Stirn. Dann zog er sie einfach in seine Arme und hielt sie fest. Und so standen sie minutenlang auf dem Balkon, ohne zu bemerken das Elrond unten im Garten zu ihnen hinaufsah.

***

Als Elrond wenig sp�ter den Esssaal betrat, sahen die anderen, zum zweiten Mal an diesem Morgen, erstaunt auf. Der Lord von Bruchtal hatte ein L�cheln im Gesicht. Und das war eher eine Seltenheit. Aber dieses L�cheln war ehrlich und echt. Elladan und Elrohir sahen ihn fragend an, als er sich zu ihnen setzte. Elrond hingegen sagte nichts. Diese kleine Geheimnis wollte er noch nicht preisgeben. Er wusste das Aragorn und Gimli �ber alles im Bilde waren, aber er wusste auch das die beiden schweigen w�rden. Der Rest aller Anwesenden w�rde es schon noch fr�h genug erfahren.

Das wichtigste war jetzt erst mal dem jungen Mann wieder auf die Beine zu helfen und dann in Erfahrung zu bringen, warum diese Gruppe �berhaupt in der Stadt war. Sie suchten jemanden, das war klar. Aber wen und warum dar�ber schwiegen sich alle aus.

Aragorns Versuche mit den Drillingen zu sprechen waren von Ewian im Keim erstickt worden, als sie die drei mit einem eiskalten Blick und einem Kopfsch�tteln bedacht hatte. Und daran hielten sie sich. Elrond hatte die dumpfe Ahnung das die Br�der eine Menge �rger bekommen w�rden, wenn sie sich in diesem Punkt �ber ihre Schwester hinweg setzten. Was immer die Frau mit ihren Begleitern in die Stadt getrieben hatte, es war nicht die Suche nach Urlaub und Erholung gewesen.

***

Zwei Wochen sp�ter war Mani auf den Beinen. Er konnte seinen Arm schon wieder bewegen und auch leicht einsetzen. Es w�rde noch eine Weile dauern bis er hundertprozentig wieder hergestellt war, aber er konnte ein Schwert halten und sich im Notfall auch verteidigen.
Die Hochzeitsvorbereitungen liefen auf vollen Touren, alles lief seinen geregelten Gang. Es war ruhig in der Stadt. Viel zu ruhig. Das hatten auch Elrond, Aragorn und die anderen bemerkt. Ewian und ihre Leute waren seit fast drei Tagen st�ndig unterwegs. Nur zum schlafen tauchten sie im Schloss auf. Selbst ihre Treffen verlegten sie entweder nach drau�en, oder wenn es nicht anders ging, tauschten sie ihre gesammelten Informationen in ihrer eigenen Sprache aus.
Mani und Ewian hatten einstimmig beschlossen, weder ihre Herkunft noch den Grund ihres hier seins preiszugeben. Zumindest f�r die n�chste Zeit. Und alle hielten sich daran. Mani hatte mit Aragorn gesprochen und der K�nig hatte sich einverstanden erkl�rt, vorl�ufig auf Einzelheiten ihres Lebens zu verzichten. Aber er bestand darauf, das sie, was immer sie hier auch taten, ihre Zimmer im Schloss behielten. Er wollte auf einen weiteren Zwischenfall verzichten, vor allem wegen der anstehenden Hochzeit. Seine M�nner waren so schon nerv�s genug. Es waren zu viele Fremde in der Stadt.

�Er wird nerv�s!�
�Wer?� Ewian stoppte ihren Angriff und sah Mani an. Sie hatten sich zu einem leichten Training auf dem Hof zusammen gefunden, um Manis Arm wieder etwas zu belasten.
�Aragorn!�
�Wie kommst du darauf?� wollte jetzt Lili wissen.
�Ich brauche ihn nur anzusehen. Sein Sohn heiratet in ein paar Wochen. Und wir stellen die ganze Stadt auf den Kopf auf der Suche nach jemandem. Und er kennt weder den Namen noch den Grund daf�r, weil wir ihm nichts sagen.�
�Er war einverstanden!� warf Pray ein und schob sein Schwert in die Scheide zur�ck.
�Nat�rlich war er das. Aber nicht aus den Gr�nden wie ihr vielleicht denkt!�
�Mani!� fl�sterte Ewian drohend, aber die Br�der hatten bereits Lunte gerochen. Sie warfen ihrer Schwester einen fragenden Blick zu und dann richtete sich Etienne direkt an Mani.
�Was willst du uns sagen, Mani?�
�Ich finde es wird die Zeit die Karten auf den Tisch zu legen.�
�Wozu? Das �ndert nichts!� versuchte Ewian dazwischen zu gehen, aber Mani wischte ihre Einw�nde mit einer Hand beiseite.
�Das �ndert alles. Arian ist uns gef�hrlich nahe gekommen. Zu nahe, f�r meinen Geschmack. Er ist nicht einer der Verbrecher mit denen wir sonst zu tun haben. Er ist uns �berlegen. Uns f�nf zumindest. Du bist die einzige die stark genug ist, im Zweikampf gegen ihn zu bestehen, Ewian. Denn du hast es schon mal geschafft!�

�Das wissen wir doch. Wo liegt das Problem?� fragte Riddick dazwischen.
�Das Problem ist, das unsere Anf�hrerin teilweise mit ihren Gedanken v�llig woanders weilt. Und das kann gef�hrlich werden! Sehr gef�hrlich, sogar!�
Mani sah Ewian an und diese verzog w�tend ihr Gesicht.

�Ich werde mich nicht davon ablenken lassen. Nicht wegen IHM!� donnerte sie und rammte ihr Schwert in den Boden.
�Ihm? Welchem Ihm?� fragte Etienne wurde jedoch ignoriert.
�Nat�rlich l�sst du dich ablenken. Das ist doch v�llig normal. Es w�re bedenklich, wenn es nicht so w�re!� warf Lili leise dazwischen und l�chelte Ewian an. Die st�hnte und fuhr sich nerv�s mit der Hand durch ihr Haar.
�Lili, es ist nicht wie du denkst.� Murmelte sie schlie�lich.
�Und ob es das ist.� Gab Lili lachend zur�ck.
�Pah, ist es gar nicht!� erkl�rte Ewian schmollend und schnappte sich ihr Schwert um ins Schloss zu verschwinden. Sie konnte noch das Lachen von Lili und Mani h�ren, dann fiel die T�r hinter ihr zu.
Riddick sah seine Br�der fragend an, doch die zuckten nur ratlos mit den Schultern. Irgendwas hatten sie gerade nicht mitbekommen, oder? Ihre Schwester teilte ein Geheimnis mit Mani und Lili, und anscheinend schien sie dar�ber nicht sehr gl�cklich.

�Haben wir was verpasst?� wollte Pray schlie�lich wissen.
�Eure Schwester ist verliebt!� erkl�rte Mani n�chtern und brach in lautes Gel�chter aus als er die Gesichter der drei Br�der sah. Eine halbe Stunde sp�ter waren die Jungs �ber alles in Kenntnis gesetzt.
�Das �ndert nat�rlich einiges.� Meinte Riddick schlie�lich und die anderen sahen ihn an. �Ich meine nicht, das ich dagegen w�re. Ganz im Gegenteil. Ich finde es gut das sie endlich jemanden gefunden hat, der ihr das Wasser reichen kann.�

�Wurde auch langsam Zeit.� Erwiderte Lili und alle lachten.
�Ich meine eigentlich, das es gef�hrlich f�r sie werden kann. Wenn Arian das rausfindet, wird er es gegen sie verwenden. Und das hei�t, das der Prinz in Gefahr geraten k�nnte. Und da der K�nig und er sehr gut befreundet sind, k�nnte es auch sein das der K�nig und seine Familie in Gefahr geraten k�nnten. Genau wie alle anderen Elben hier.�

�Und das hei�t, noch mehr potentielle Ziele f�r Arian. Und wir sind zu wenige um auf alle aufzupassen. Vor allem weil wir sowieso kaum hier sind!� beendete Etienne die Ausf�hrungen und alle nickten.

�Dann bleibt nur noch ein Problem. ......... Wie bringen wir Ewian dazu, das genauso zu sehen?�

***

Es war leichter gewesen als sie angenommen hatten. Nach einigen langen Gespr�chen mit Mani hatte Ewian schlie�lich zugestimmt, und so waren sie jetzt, zwei Tage sp�ter, kurz nach Sonnenaufgang im Thronsaal. Aragorn hatte Elrond und seine S�hne, Thranduil und Kinder, sowie Galadriel und Celeborn dazugebeten. Die Hobbits sa�en wie immer mit Gandalf und Gimli am Kamin. Arwen und ihre Kinder sa�en mit den Drillingen am Fenster. Die einzigen die jetzt noch fehlten waren Mani, Lili und Ewian.
Alle wandten den Kopf als sie vom Flur her laute Stimmen vernahmen. Kurz darauf traten Mani und Lili durch die T�r, beide in ein Wortgefecht vertieft. Und zwar in ihrer eigenen Sprache und das bedeutete, so viel wusste mittlerweile jeder hier, meistens �rger. Ein paar Sekunden h�rten alle schweigend zu, dann klinkten sich die Drillinge in das Gespr�ch ein.
�Bitte, bitte.� Versuchte Aragorn das Gespr�ch zu unterbrechen. Lili war es schlie�lich die, die M�nner zum Schweigen brachte.
�Was ist denn los?� wollte Legolas wissen, der auf einmal ein ungutes Gef�hl hatte. Das Ewian nicht da war, machte ihn nerv�s. Er wusste zwar nicht so recht, wie weit er und Ewian jetzt waren, aber ihre Abwesenheit konnte nichts gutes bedeuten.
Lili sah erst ihn und dann ihren Bruder an, der schlie�lich nickte.
�Ewian, ...... sie ist weg!� erkl�rte Lili dann und sah Legolas an. Der nickte nur und wandte den Blick ab.

Aragorn sah zu dem Elben hin�ber. Der abweisende Gesichtsausdruck t�uschte zwar die anderen aber nicht ihn. Er wusste das es ihm nahe ging, auch wenn der Prinz aus D�sterwald das nicht offen zeigte. Zumindest noch nicht. Aragorn wusste inzwischen das neben ihm und Gimli auch Elrond zwei und zwei zusammen gez�hlt hatte. Und das die Drillinge auch im Bilde waren vermutete er, wusste es aber nicht mit Sicherheit. Aber sonst erkannte noch niemand was sich gerade zwischen Legolas und der Halbelbin entwickelte.

�Wie meint Ihr das?� wollte Thandruil wissen.
�Sie ist gestern Abend in die Stadt um sich mit einem Informanten zu treffen und seither hat sie keiner gesehen. Wir waren vor einer Stunde bei diesem Kerl, aber er hat gesagt sie w�re am vereinbarten Treffpunkt gar nicht aufgetaucht.�
�Wenn ihr etwas geschehen ist, m�ssen wir sie suchen!� meinte Eldarion und sah zu Lili hin�ber.
�Nein!� sagte Mani nur.
�Wieso Nein, was soll das bedeuten?� wollte jetzt Elrond wissen.
�Das bedeutet ihr ist nichts geschehen. Deshalb brauchen wir sie auch nicht suchen!�
�Woher wollt ihr das wissen?� fragte jetzt Daymon.
�Weil die Sachen aus ihrem Zimmer noch da sind, deshalb. Das macht sie jedes Mal, wenn sie irgend einer Spur folgt und nicht will das wir ihr folgen.� Leierte Mani herunter und seine Stimme klang als ob er das schon mehr als einmal gesagt hatte.
�Und was tun wir jetzt? Warten?� wollte Arwen wissen.
�Nun ja, ich denke das wir trotz allem die Fragen kl�ren sollten, die jeder hier im Raum wahrscheinlich hat. Dazu muss Ewian nicht unbedingt anwesend sein, oder?� brachte Mani die Sache auf den Punkt.

***

Und so berichteten abwechselnd Mani und Lili alles was es zu sagen gab. �ber ihre Heimat, den Grund ihres hier seins, Arian, einfach alles. Die Mehrheit h�rte schweigend zu. Aragorn und Elrond hatten es �bernommen die Fragen zustellen.

Orbania, ihre Heimatwelt. Hinter dem gro�en Meer, weit weg von Mittelerde. Ein Land das von W�sten und Bergen durchzogen war. Es gab einige wenige gr�ne Gebiete, aber der Gro�teil des Landes war eine gro�e W�ste. Orbania wurde von K�nig Stillgrey regiert. Und der hatte sie engagiert und auf die Suche nach Arian geschickt, nachdem seine schwangere Frau von diesem M�rder get�tet worden war. Sie sollten diesen Mann finden und wenn m�glich lebend zur�ck bringen. Allerdings war das keine Bedingung.
Die sechs waren Kopfgeldj�ger und ihre eigene Sicherheit stand �ber der Frage ob man die gesuchte Person lebend oder tot zur�ck brachte.
Sie berichteten auch von ihrem eigenen Leben. Bei Mani und Lili gab es nicht viel. Sie waren noch jung, ganz normal aufgewachsen und ihre Familie lebte in einem W�stenteil von Orbania. Es gab dort nicht viel zu sehen, deshalb hatten sich die Geschwister auch entschlossen Ewian und ihre Br�der zu begleiten um einfach einmal eine andere Welt kennen zulernen.

�ber das Leben von Ewian und den Jungs berichteten die Br�der selbst. So erfuhr Thranduil von Thennas Tod kurz nach der Geburt der Drillinge. Ihre Mutter hatten sie nie kennen gelernt, sie war im Kindbett gestorben. Sie kannten nur die Geschichten �ber sie, die Ewian ihnen erz�hlt hatte, als sie noch kleine Kinder gewesen waren. An ihren Vater konnten sie auch kaum erinnern. Dazu war viel zu viel Zeit vergangen. Sie waren zwar erst knapp 400 Jahre alt, aber wenn man jemanden nur wenige Monate nach der Geburt verlor, blieben nicht viele Erinnerungen an die man sich halten konnte.

�ber Ewians Mutter hatte die Elbin nie etwas preisgegeben. Die Drillinge wussten nur das sie ein Mensch gewesen und aus Mittelerde gestammt hatte. Rein von der Geburt her gesehen, war Ewian nur ihre Halbschwester. Aber die drei hatte das nie interessiert. Ewian war fast 600 Jahre �lter als sie. Das war noch sehr jung f�r einen Elben, aber die Erziehung von drei kleinen Kindern und der Job als Kopfgeldj�ger hatte sie sehr schnell erwachsen werden lassen. Auch war das Leben in einer W�stenwelt nicht gerade leicht, wenn man B�ume und Wasser so sehr liebte, wie sein eigenes Leben. Aber sie hatte es geschafft. Und sie liebte ihre Br�der genauso sehr wie Mani und Lili. Deren Vorfahren hatten sie vor langer Zeit aufgenommen, ihr bei der Erziehung der Jungs geholfen und ihr auch geholfen selbst erwachsen zu werden.

Alle lachten als die Drillinge von den vielen Streichen berichteten die sie ihrer Schwester gespielt hatten. Der beste war der mit der Falle am Sumpfloch gewesen. Ewian hatte tagelang gerochen wie ein Schwein und das Haus nicht betreten k�nnen. Die drei hatten daraufhin monatelang nicht ausreiten d�rfen, aber das war es wert gewesen.

***

�Aber wieso ist sie weg, ohne einen Hinweis? Es kann sehr gef�hrlich f�r sie sein. Euren Ausf�hrungen nach zu urteilen ist dieser Arian ein eiskalter M�rder und ein Magier noch dazu. Allein ist sie gef�hrdeter als in der Gruppe!� stellte Gandalf abschlie�end fest.
�Nein, Ewi kann auf sich selbst aufpassen. Sie ist die einzige von uns die Arian �berhaupt gewachsen ist. Deshalb hat er ja auch ........�
Ein Tritt gegen das Schienbein brachte Pray zum verstummen.
�Hey .... !� beschwerte er sich aber ein Blick in Manis Gesicht und dann in die der Anwesenden lie� ihn in seinem Stuhl zusammen sinken.
�Danke Pray, vielen Dank!� Mani funkelte ihn w�tend an. Pray hatte soeben das letzte gro�e Geheimnis angedeutet das Ewian seit fast 300 Jahren mit sich herumtrug.
�Tschuldigung!� murmelte er.
�Wie meint Ihr das, Pray?� fragte Elrond, der den Blickwechsel verfolgt hatte, und jetzt ziemlich neugierig geworden war.
�Also das ist ........� begann Lili stockend, wurde aber von ihrem Bruder unterbrochen.
�Lili! ..... Wir haben kein Recht dazu!� erkl�rte er leise und drohend und s�mtliche Anwesenden zuckten beim Klang seiner Stimme zusammen.

�Mani, was bedeutet das?�
Es war das erste Mal in dieser Versammlung das Legolas sich zu Wort meldete. Er und Mani tauschten einen kurzen Blick dann sch�ttelte der Kopfgeldj�ger den Kopf.

�Wir haben Euch alles berichtet, was ihr wissen sollt und k�nnt. Aber diesen Punkt k�nnen wir nicht erl�utern. Es handelt sich um etwas sehr pers�nliches aus Ewians Vergangenheit. Sie allein hat das Recht dar�ber zu berichten oder auch nicht. Akzeptiert das bitte!�

�Ihr seid anderer Meinung, als Ewian, nicht wahr?� Die leise gesprochenen Worte Galadriels lie�en Mani zu ihr hin�bersehen. Er betrachtete die Frau einen Moment lang und fuhr sich dann mit der Hand durchs Haar. Ein Zucken in seinem Mundwinkel verriet Elrond das er immer noch Schmerzen zu haben schien. Mani hatte den fragenden Blick des Lords von Bruchtal bemerkt und sch�ttelte leicht den Kopf, zum Zeichen das alles in Ordnung war. Dann sah er wieder zu Galadriel.

�Ja, ich bin anderer Meinung als sie. Und ich habe auch eine dumpfe Ahnung wo sie hin will.� Er seufzte kurz auf und fuhr dann, sich den Arm massierend, fort. �Aber es ist ihr Leben, ihre Vergangenheit. Egal wie ich dar�ber denke, ich habe trotzdem kein Recht ihre Entscheidung zu unterwandern indem ich an Euch Dinge preisgebe, die ........... sagen wir mal .............. sehr schockierend sind!�

�Aber eines solltet Ihr noch wissen!� bemerkte Lili auf einmal und Mani sah sie an.
�Arian, er ist Saurons Sohn!�
Schweigen, eisernes Schweigen herrschte im Saal. Minutenlang. Dann sah Gandalf auf. Diese Offenbarung war ein Schock. �Seid Ihr sicher?� wandte er sich an Lili. Die nickte nur.
�Aber wie ist das m�glich? Es wurde nie etwas berichtet.� Stotterte Elladan schockiert und sah seinen Vater an. Elrond hatte die Stirn in Falten gelegt und tauschte unruhige Blicke mit Gandalf, Thranduil und Galadriel aus.
�Was wisst ihr, das wir nicht wissen?� wollte Aragorn wissen, denn ihm und den anderen waren diese Blicke keineswegs entgangen. Gandalf strich sich einige Male �ber seinen Bart bevor er antwortete.

�Es gab Ger�chte, das Sauron ein Kind gezeugt haben soll. Allerdings hat man von diesem angeblichen Kind nie etwas geh�rt oder gesehen. Und nach einer Weile hielt man diese Geschichte einfach nur f�r eine Geschichte. Man glaubte nicht mehr daran. Das war wohl ein Fehler!�
�Gibt es Beweise das dieser Arian wirklich der ist, der er behauptet zu sein?� wollte Celeborn wissen aber Mani winkte ab.
�Nein, und ehrlich gesagt interessiert es uns wenig. Wir wissen was er getan hat und daf�r muss er gerichtet werden. Wir werden ihn schnappen, denn das ist unser Job.�
�Wie wollt Ihr ihn besiegen oder gefangen nehmen?� fragte Galadriel.
�Was meint Ihr?� Verwundert sahen die f�nf sie an.
�Ihr habt berichtet Ewian w�re die einzige die ihm gewachsen ist. Wie immer ihr das gemeint habt, es w�rde bedeuten das jeder von euch genauso gef�hrdet ist, wie die die er get�tet hat!� erl�uterte Galadriel. Die f�nf tauschten Blicke aus und dann zuckte Pray mit den Schultern.

�Wir haben bis jetzt noch jeden erwischt!�
�Was ist Eure Methode?� fragte Aragorn irritiert.
�Wir haben keine!� kl�rte Etienne ihn auf. �Das entscheiden wir von Fall zu Fall ganz spontan. Je nach Lust und Laune!�
Aragorn sah die Gruppe baff an. So etwas war ihm noch nie unter gekommen. Sie hatten keine Methode, keine Sicherheit, keinen R�ckhalt. Es war ein Wunder das noch keiner von ihnen get�tet worden war.

�Aber das ist lebensgef�hrlich!� fuhr er auf und sah sich um. Einige der Anwesenden nickten ihm zu. Sie waren der gleichen Meinung.
�Das ist unser Leben auch!� erkl�rte Mani gleichg�ltig. �Und au�erdem haben wir schon viel l�nger �berlebt als die meisten in diesem Gesch�ft. Und wenn wir wirklich eines Tages sterben, dann sterben wir. Das ist doch v�llig normal. Jeder stirbt doch irgendwann.�
Gimli fiel die Kinnlade herunter. �Bedeutet euch euer Leben so wenig oder das eurer Freunde?�
�Nat�rlich ist uns unser Leben wichtig. Aber das ist nur mal das Risiko, wenn man Kopfgeldj�ger ist. Entweder man lernt damit zu leben, oder man l�sst es. Ganz einfach!� sprach Riddick n�chtern und die anderen nickten zustimmend.

***

Elrond hielt Mani auf, als er, nachdem Aragorn die Versammlung f�r beendet erkl�rt hatte, den Raum verlassen wollte. Er sah kurz zu Lili die ihm zunickte.
�Kommt!� forderte Elrond ihn auf ihm zu folgen.
�Was habt Ihr vor, Lord Elrond?�
�Mich um eure Schulter k�mmern!�
�Es geht mir gut!� erkl�rte Mani n�chtern bekam als Antwort nur ein Kopfsch�tteln. Er st�hnte theatralisch auf. Diese Elben hatten ein Gesp�r, wenn es um Verletzungen ging, es war unglaublich.

�Genau wie Ewian!� brummte der Kopfgeldj�ger und zuckte vor Schmerzen zusammen als er, mit der verletzten Schulter voran, in Elrond hineinlief, der stehen geblieben war und ihn musterte.

�Was ........?�
�Wie meint Ihr das, ich w�re wie Ewian?� unterbrach ihn der Elb und warf einen kritischen Blick auf Manis Schulter.
�Ihr macht aus einer M�cke einen Elefanten, genau wie Ewian. Es war nur ein Pfeil und ich bin nicht daran gestorben. Das heilt schon wieder!�
�Es hat aber nicht viel gefehlt, und Ihr w�hret gestorben!�
Mani verzog das Gesicht als er begann seine Schulter zu massieren. Es tat noch ziemlich weh. Nicht st�ndig, aber an manchen Tagen war es noch ganz sch�n schmerzhaft, den Arm zu benutzen.

�Ich dachte Ewian w�rde sich nicht sehr gut mit der Heilkunst auskennen.� Sagte Elrond nach einer Weile und nahm Manis Hand von seiner Schulter um sie durch seine eigene zu ersetzen. Ein leichtes Prickeln ging von Elronds Hand aus und Mani war einen Moment abgelenkt. Schlie�lich erinnerte er sich aber, das er Elrond noch eine Antwort schuldete und sah den Elben wieder an.

�Tut sie auch nicht, aber weil wir ja nur Menschen sind ist sie um uns immer besorgter als um ihre Br�der. Wir sind halt leichter zu, wie hat sie es mal ausgedr�ckt, zerbrechen, als ihr Elben.�

Elrond sah ihn lange an, und nahm seine Hand von Manis Schulter. Dann sch�ttelte er den Kopf. �Ihr seid f�r Ewian viel mehr, als nur Menschen!� erkl�rte er dann bestimmt.

�Ich wei�! Allerdings hat sie eine komische Art das zu zeigen!� grinste Mani schlie�lich und folgte Elrond weiter, der die Richtung zu den H�usern der Heilung eingeschlagen hatte. 1
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