Ewian sah von ihrer Karte auf und schob sich den Hut ein St�ck aus der Stirn. Mani stand mit seinem Pferd neben ihr und studierte mit seinen Augen die Umgebung. Ewians Hengst wieherte leise und scharrte nerv�s mit den Hufen. Nach ein paar leise gemurmelten Worten seiner Herrin stand er wieder ruhig.
�Was denkst du?� wandte sie sich an ihren Freund.
�Wahrscheinlich das gleiche wie du. Wir k�nnen es drehen und wenden wie wir wollen. Ich wette er ist nach Minas Tirith unterwegs.�
�Mist!�
�Das kannst du laut sagen. Und egal wie wir uns anstrengen, bevor er in die Stadt kommt erwischen wir ihn niemals.�
�Das wird �rger geben. Der Sohn des K�nigs heiratet, und hunderte Elben sind in der Stadt. Und wahrscheinlich ist Thranduil einer davon.�
�Du denkst er wird euch erkennen?� fragte Mani und ein Blick in das Gesicht seiner Freundin war ihm Antwort genug.
�Du hast recht. ER wird euch erkennen. Dich vielleicht nicht auf den ersten Blick, aber deine drei Br�der auf jeden Fall. Die erwecken so schon �berall Aufsehen.� Meinte er schmunzelnd.
�Tja Drillinge sind selten! Besonders welche mit schwarzen Haaren, gr�nen Augen und einem Muttermal �ber der rechten Augenbraue.�
�Wo wir gerade davon reden, wo bleiben die eigentlich. Und Lili ist auch noch nicht zu sehen, oder kannst du was erkennen?�
Ewian richtete ihren Blick �ber die Ebene und sch�ttelte den Kopf. Das warf ihre Pl�ne v�llig durcheinander. Minas Tirith war gef�hrliches Terrain f�r die vier Geschwister. Besonders wenn Thranduil in der N�he war. Aber sie hatten keine gro�e Wahl. Arian war das gr��ere Problem. Dieser Verbrecher konnte in der Stadt mehr Schaden anrichten als man sich vorstellen konnte. Ein eiskalter M�rder, der zu allem �berfluss auch noch mit Magie vertraut war. Was gab es schlimmeres. Sie mussten in die Stadt, ob sie wollten oder nicht.
�Vielleicht soll es ja so sein!� murmelte Mani leise. Ewian drehte sich auf ihrem Hengst um und sah ihn fragend an.
�Was soll so sein?� wollte sie verwirrt wissen.
�Schicksal!�
�Schicksal? Mani du sprichst in R�tseln!�
�Ich meine das Schicksal euch vier betreffend. Vielleicht kommt ja was dabei raus. Ich meine Thranduil ist in der N�he und ihr k�nntet ........�
Der eiskalte Blick aus Ewians gr�nen Augen lie� ihn verstummen.
�Fang nicht an, Mani! Wir werden gar nichts. Dieser Mann hat Vater versto�en und ich denke nicht im Traum daran .......�
�Sei nicht so stur. Das ist ewig her. Und du wei�t wie sehr sich die drei nach D�sterwald sehnen. Noch sind sie jung, auf der Suche nach Abenteuern und Action, aber das wird nicht mehr lange so bleiben. Irgendwann werden sie sich einfach auf den Weg machen wollen. Was willst du dann tun? Sie einsperren? Es ihnen verbieten?�
�Wenn ich muss, ........ja!� erkl�rte Ewian trotzig.
�Du redest Unsinn. Du liebst die drei viel zu sehr, als das du ihnen so etwas je antun w�rdest. H�r zu, ich will dir keine Entscheidung aufdr�ngen, aber ich h�tte einen Rat f�r dich. Willst du ihn h�ren?�
Mani sah seine Freundin wartend an. Er konnte aus ihrem Gesichtsausdruck nicht erkennen, was sie dachte. Aber er kannte sie lange genug um zu wissen das die Neugier zu gro� war, um den Rat nicht h�ren zu wollen. Und er wurde nicht entt�uscht.
�Na sag schon, du gro�er Weiser!�
Er schmunzelte �ber ihre Wortwahl, ritt dann n�her an sie heran. Er lenkte sein Pferd an ihre Seite und warf noch kurz einen Blick �ber die Landschaft, bevor er sich ihr zuwandte.
�Lass dir dein Leben nicht zerst�ren durch etwas dass du nicht mehr �ndern kannst!�
�Was soll denn das hei�en?� Ewian sah ihn verwundert an.
�Das soll hei�en, das du die Vergangenheit hinter dir lassen sollst. Dein Vater konnte es auch. Er verg�tterte Thranduil. Nat�rlich war er w�tend, wegen dem was geschehen ist. Wer w�re das nicht. Aber als deine Mutter dich auf die Welt brachte, hat er nur einen Blick auf dich geworfen und gewusst, du wirst heimkehren, nach D�sterwald. Deshalb hat er dich auch so geliebt. Du bist das einzige von euch Kindern das Thranduil und D�sterwald so �hnlich ist. Und seien wir doch mal ehrlich. W�rest du an Thranduils Stelle gewesen. Jung und frisch verliebt. Wie h�ttest du in der Situation gehandelt?�
Ewian sah ihn an als w�re er ein Geist. �Woher wei�t du das alles. �ber meine Vergangenheit, das was Vater gesagt hat?�
�Du hast es selbst erz�hlt. Damals als du zu meinen Vorfahren kamst. Wir haben diese Geschichten weitergegeben. Von Generation zu Generation. Und ich werde sie eines Tages meinen Kindern erz�hlen. Und vielleicht kann ich ihnen auch dar�ber berichten, das vier verlorene Kinder nach D�sterwald zur�ck gekehrt sind!�
Nach diesen Worten sagte Ewian lange Zeit nichts mehr. Zu sehr war sie in Gedanken. Seine Worte besch�ftigten sie, mehr als sie vielleicht zugab. Kurz nach Sonnenuntergang hielt sie ihr Pferd an und sah zu Mani hin�ber.
�In einem Punkt hast du recht!�
�In welchem?�
�Ich werde meinen Br�dern niemals eine Entscheidung aufzwingen, die gegen ihre Natur ist. Ich wei� das sie eines Tages nach D�sterwald gehen werden. Aber ich habe keine Ahnung ob ich das auch kann.�
Er sah sie an und nickte. Er erkannte an ihrem Gesicht das ihr dieses Gest�ndnis nicht leicht gefallen war. Und ein weiteres w�rde er auch nicht von ihr bekommen. Jedenfalls nicht in n�chster Zeit. Er deutete schlie�lich auf eine Baumgruppe, einige hundert Meter entfernt.
�Was h�ltst du davon?�
Ewian drehte sich in ihrem Sattel und erkundete den Platz auf den Mani gedeutet hatte. Nach einigen Minuten nickte sie zustimmend.
�Wir werden dort dr�ben lagern und auf die anderen warten. Bei Sonnenaufgang reiten wir weiter, das wir morgen Abend wenn die meisten in der Stadt schon daheim sind dort ankommen. Wenn mein Informant nicht l�gt, schlie�en sie die Tore genau bei Sonnenuntergang. Dann d�rften wir hoffentlich nicht ganz so stark auffallen.�
�Gut! ......... Ah da kommen sie ja!� rief Mani und deutete auf die Schatten von vier Reitern die, in einiger Entfernung, auf sie zuhielten.
***
Das war ja wieder mal voll schiefgegangen. Kaum in der Stadt waren die sechs auch schon von ein paar Angetrunkenen in eine Pr�gelei verwickelt worden. Und jetzt standen mindestens hundert Gaffer um sie herum und starrten auf die am Boden liegenden Angreifer. Zw�lf waren es gewesen und Ewian und Mani hatten alle innerhalb weniger Minuten mit gezielten Schl�gen und Tritten zu Boden geschickt. Und bevor sie die M�glichkeit hatten zu verschwinden, waren sie von der k�niglichen Garde umzingelt worden
�Soviel zum Thema Unauff�lligkeit!� knurrte Mani w�tend.
�Was ist denn hier los?� wandte sich einer der Gardisten an ihn. Es schien eine Art Hauptmann zu sein und nach einem kurzen Blick zu Ewian, die leicht den Kopf sch�ttelte, was soviel wie �nicht noch mehr �rger� hie�, wandte er sich dem Gardisten zu.
�Das haben Sie doch gesehen. Wir wollten hier nur �bernachten, und schon greifen diese Betrunkenen uns an!�
Hauptmann Navarre besah sich die Gruppe Fremder misstrauisch. Er hatte schon oft gute K�mpfer gesehen, aber das was die beiden hier eben veranstaltet hatten, war mehr als nur gut. Er sah �ber seine Schulter in die Augen seines K�nigs, der gemeinsam mit einigen Freunden auf dem Balkon stand und alles beobachtet hatte. Stumm wartete er auf Anweisungen. Als der K�nig mit dem Kopf sch�ttelte, richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Fremden.
�Na gut, wir werden diese Bande einsperren. Gehen Sie ihres Weges!� forderte er den Fremden auf, der kurz nickte und sich dann an seinen Begleiter wandte um ihm etwas zu zufl�stern. Als dieser daraufhin seinen Hut etwas zur�ck schob um Navarre anzusehen, wich dieser augenblicklich zur�ck.
Stechend gr�ne Augen fixierten ihn, und Navarre hatte pl�tzlich den Wunsch wegzulaufen. Er k�mpfte verzweifelt dagegen an und gerade als er glaubte es nicht mehr aushalten zu k�nnen, verschwanden die Augen wieder unter dem Hut und der Kragen des Mantels wurde hochgeschlagen.
Er stie� den Atem aus, den er die ganze Zeit angehalten hatte und holte tief Luft um sich zu beruhigen. So etwas war ihm noch nie passiert. Nicht mal vor dem Blick der Lady Galadriel war er so zur�ckgewichen. Es lief ihm kalt den R�cken runter als er wieder an diese Augen dachte.
Er schreckte erst aus seinen Gedanken, als einer seiner M�nner ihn anstie�. Er sah hoch zum Balkon und begegnete dem fragenden Blick seines K�nigs. Er sch�ttelte den Kopf und half dann seinen M�nnern die St�renfriede wegzuschaffen.
***
�Was war das denn?� wollte Gimli wissen. �Habt ihr den Blick von Hauptmann Navarre gesehen? Er sah aus, als h�tte er dem Teufel in die Augen geblickt!�
Die anderen sahen den Fremden hinterher, wie diese die Stra�e entlang ritten. Pl�tzlich hielt einer der Fremden und sah zur�ck auf den Balkon. Er schien nach jemandem zu suchen, denn sein Kopf bewegte sich langsam von einer Seite des Balkons zur anderen. Man konnte kein Gesicht sehen, dazu war der Hut zu tief ins Gesicht gezogen, aber trotzdem wichen die Hobbits zur�ck als das Licht einer Laterne die Augen des Fremden zum leuchten brachte. Der Blick mit dem sie fixiert wurden ging allen durch und durch und schlie�lich schrie Rosie leise auf und wich hinter Sam zur�ck.
Die anderen auf dem Balkon tauschten neugierige aber auch besorgte Blicke, als der Fremde auf einmal sein Pferd herumlenkte. Anscheinend hatte er gefunden wonach er suchte. Und sein Interesse galt Thranduil. Er starrte den K�nig von D�sterwald unverhohlen an, und obwohl man nur die Augen leuchten sah, erkannten alle auf dem Balkon die Wut und den �rger in diesem Blick. Die Blicke der Anwesenden wanderten zwischen den Kontrahenten hin und her. Und dann trat Thranduil n�her an die Br�stung heran. Doch bevor jemand etwas sagen konnte wandte Thranduil, K�nig von D�sterwald, den Blick ab und verlie� den Balkon.
***
Sie besah sich die anderen Personen auf dem Balkon. Ein Elb, mit langen blonden Haaren, zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Sie musterte ihn genau und lachte innerlich als sie bemerkte, das er das selbe bei ihr tat. Der Thronfolger D�sterwalds sagte ihre innere Stimme als sie versuchte dem Gesicht einen Namen zuzuordnen. Die Zeichnung die sie von ihm gesehen hatte kam der Wirklichkeit nicht nahe. Aber er war es, ohne Zweifel.
�Ewian?� Dieses leise Wort holte sie zur�ck in die Wirklichkeit. Sie lie� noch einmal einen Blick �ber den Balkon wandern, verweilte kurz bei dem Elben, mit den unglaublich blauen Augen. Legolas Gr�nblatt, formten ihre Lippen lautlos. �ber das Erstaunen in dem Gesicht des Prinzen h�tte sie beinahe aufgelacht. Dann wendete sie ihr Pferd und schloss sich den anderen an.
Mani und Lili tauschten einen kurzen Blick. Sie hatten den Blickwechsel zwischen Ewian und dem Prinzen genau beobachtet und Lili grinste als Mani ihr zunickte. Anscheinend hatte Ewian gerade ihr passendes Gegenst�ck gefunden.
�Musste das sein?� fragten ihre Br�der leise, immer darauf bedacht das niemand etwas h�rte, das nicht f�r seine Ohren bestimmt war?�
�Ich wollte wissen ob er durchh�lt. Und er hat versagt, genau wie damals bei Vater!�
�Jetzt werden die erst recht auf uns aufmerksam werden!�
�Das w�ren sie so oder so. Ob fr�her oder sp�ter macht da keinen Unterschied!� knurrte Lili. �Wir schnappen uns den Kerl und hauen wieder ab. Punkt, Ende!�
�Wie w�r�s mit dem Gasthaus da vorn!� mischte sich Mani ein, bevor ein Streit ausbrechen konnte.
***
Thranduil sa� in einem Stuhl und starrte in die Flammen des Kamins. Das war unm�glich. Er konnte es nicht sein. Thennas war viel gr��er, aber diese Augen. Er konnte sich keinen Reim darauf machen. Er h�rte wie sich die T�r �ffnete und wieder schloss und kurz darauf setzte sich Galadriel zu ihm.
�Egal wie viel Zeit vergeht. Die Vergangenheit holt einen immer ein!� meinte sie leise.
�Ich wei�.� Erwiderte er nur und sah weiter ins Feuer.
�Vielleicht wird es Zeit der Vergangenheit ins Auge zu sehen. Vielleicht wird es Zeit alte Schulden zu begleichen.�
�ER war es nicht. Er ist viel gr��er und breiter. Aber diese Augen ........�
�Er hat Eure Frau geliebt, aber das ist mehr als dreieinhalbtausend Jahre her. Vielleicht hat er jetzt eine eigene Familie. Eigene Kinder!�
�Diese Augen hassen mich und ich kann es ihnen nicht verdenken. Ich habe damals falsch reagiert, aber als ich das erkannte war er fort und ich konnte meinen Fehler nicht wieder gutmachen.�
�Jetzt k�nnt Ihr es!�
Thranduil sah ihr erstaunt nach als sie sein Zimmer verlie�. Wenn Galadriel recht hatte, geh�rten diese Augen zu einem Kind Thennas. Er musste es herausfinden. Egal wie. Er sah auf als die T�r wieder ge�ffnet und geschlossen wurde. Aragorn und Legolas, hinter ihnen Elrond und Gandalf. Ja es war Zeit alte Schulden zu begleichen.
***
�Du hast ihn verbannt, weil er Mutter liebte?� Legolas sah seinen Vater an und fuhr sich dann mit der Hand durch sein Haar.
Sie sa�en alle um den Kamin herum und starrten abwechselnd auf die Sterne oder in die Flammen. Thranduil hatte ihnen in den letzten Stunden alles berichtet. Sein bester Freund Thennas hatte sich vor fast viertausend Jahren in seine Frau verliebt. Die beiden waren dar�ber so sehr in Streit geraten, das Thranduil schlie�lich von ihm verlangt hatte D�sterwald zu verlassen und nie zur�ckzukehren.
Und als er nach einigen Wochen erkannte was er ihm angetan hatte, war es zu sp�t gewesen. Thennas war verschwunden ohne eine Spur zu hinterlassen. Er hatte ihn jahrelang suchen lassen, bis dann sein erster Sohn geboren worden war. Und mit der Zeit hatte er aufgegeben und sich stattdessen seiner Familie zugewandt.
�Was wollt Ihr jetzt tun?� fragte Elrond in die entstandene Stille hinein.
�Die Person suchen, zu der diese Augen geh�ren. Ich muss wissen, ob ich recht habe.�
�Er hat mich erkannt!� meinte Legolas auf einmal und alle wandten ihm ihre Gesichter zu.
�Was meinst du?� fragte Thranduil besorgt.
�Als du gegangen warst, hat der Fremde mich angesehen und mit seinen Lippen �Legolas Gr�nblatt� geformt. Er kennt mich!�
�Das kann nicht sein. Thennas ging lange bevor du geboren wurdest.�
�Vielleicht hat er sich auf dem laufenden gehalten!� warf Aragorn ein.
�Denkt Ihr eure S�hne k�nnten gef�hrdet sein?� wollte Gandalf wissen. Thranduil warf ihm einen entsetzten Blick zu. Dann nickte er mit dem Kopf.
�Es w�re durchaus m�glich!� meinte er schlie�lich.
�Ich finde Thranduil hat Recht,� erhob Elrond die Stimme. �Wir sollten diesen Fremden finden und um ein Gespr�ch ersuchen. Dann werden wir weitersehen.�
Aragorn nickte zustimmend. �Sobald die Sonne aufgeht werde ich Navarre losschicken!�
***
Die Nacht im Gasthaus war erholsam und vor allem ruhig verlaufen. Die Zimmer waren sauber und boten einen guten Blick auf die Hauptstra�e. Gut zu �berwachen. Mani warf einen Blick auf Ewian und Lili. Die beiden schliefen noch. Das war auch n�tig. Ewian hatte das letzte mal vor �ber einer Woche mehr als sechs Stunden durchgeschlafen.
Auch aus dem Zimmer nebenan war noch nichts zu h�ren. Das hie� wohl das die drei Br�der auch noch schliefen. Mani besah sich den Himmel. Die Sonne w�rde in ein paar Minuten aufgehen. Er sah noch einmal zu seiner Schwester als er in seinem Augenwinkel auf eine Bewegung aufmerksam wurde. Der Hauptmann von letzter Nacht kam mit einigen M�nnern die Stra�e hinunter, direkt auf das Gasthaus zu.
�Na das ging ja schnell!� Mit einem Sprung war er neben dem Bett der beiden Frauen und stie� Ewian an.
***
Navarre hatte nicht lang gebraucht um das Gasthaus ausfindig zu machen. Und jetzt war er mit einer Nachricht des K�nigs von Gondor auf der Suche nach ein paar gr�nen Augen. Ihm fr�stelte immer noch leicht, wenn er daran dachte. Er sch�ttelte sein Unbehagen ab und klopfte an die T�r.
Wenige Minuten sp�ter �ffnete ein verschlafener und missgelaunter Wirt die T�r. �Mann, was wollt ihr um diese Zeit?�
�Ihr habt gestern sechs Fremde aufgenommen. Ich habe eine Nachricht vom K�nig f�r einen der Fremden!�
Der Unterkiefer des Wirtes klappte nach unten, dann nickte er. �Einen Moment ich werde Bescheid sagen!� Dann knallte er auch schon die T�r zu.
Die T�r wurde wieder aufgerissen und Navarre fand sich dem Mann gegen�ber, mit dem er bereits gestern gesprochen hatte. Dessen blaue Augen musterten ihn fragend.
�Ich habe eine Nachricht f�r einen eurer Begleiter!�
�Gebt Sie mir!�
�Ich soll sie pers�nlich �bergeben und auf Antwort warten!� Der Hauptmann war auf einen Wutausbruch gefasst als sich die Augen des Fremden verengten. Dieser kam jedoch nicht.
�Ihr gebt sie mir und wartet auf Antwort, oder Ihr k�nnt wieder gehen!� Die Worte waren klar und leise gesprochen aber Navarre erkannte eine Drohung, wenn er sie h�rte. Doch er hatte von Aragorn die klare Order Streit auf jeden Fall zu vermeiden und so nickte er nur und zog den Umschlag aus seinem Mantel.
***
�Was will er?� fragte Pray neugierig und sp�hte seiner �lteren Schwester �ber die Schulter.
�Es ist eine Einladung, in den Palast!� erwiderte Ewian und starrte auf die schwungvolle Handschrift. Damit hatte sie nicht gerechnet. Ein Angriff einer Horde Orks w�re ihr lieber gewesen.
�Und ..... gehst du hin?� wollte Riddick wissen. Alle f�nf sahen sie an, dann nickte Ewian.
�Ist vielleicht eine gute M�glichkeit. W�hrend ich mich mit den Herrschaften auseinander setze, spioniert ihr ein wenig rum. Wir treffen uns Mittags hier wieder!�
Ein paar Minuten sp�ter war sie angezogen, und warf sich ihren Umhang �ber. Er war nicht schwer , doch trotzdem konnte man unter der Kapuze das Gesicht kaum erkennen. Sie schlug noch den Mantelkragen hoch, so dass ihr Mund ebenfalls bedeckt war, und wandte sich dann zur T�r, ihre beiden Kurzschwerter verschwanden unter dem Mantel. Nur f�r alle F�lle.
***
Aragorn sah auf als Hauptmann Navarre den Raum betrat. Er nickte den Anwesenden zu die sich augenblicklich in ihren St�hlen aufrichteten und deutete dann dem Fremden an einzutreten. Er schloss die T�r hinter der unheimlichen Person und nickte seinen beiden Gardisten kurz zu.
Sie kannte jedes Gesicht in diesem Raum. Aragorn auf dem Thron, zu seiner Rechten seine Frau Arwen und ihre drei Kinder, Elrond, mit seinen beiden S�hnen und Gandalf. Der Zwerg Gimli Gloinssohn verschwand fast in dem gro�en Stuhl. Auf der anderen Seite Thranduil mit seinen S�hnen, Haldir der Gardist aus Lorien und Celeborn mit seiner Frau Galadriel. Die Hobbits sa�en neben dem Kamin in einiger Entfernung und be�ugten sie misstrauisch. Ewian deutete eine leichte Verbeugung an und beschloss einfach abzuwarten.
Thranduil musterte die Person mit unverhohlener Neugier. Gr�ne Hosen die in schwarzen Stiefeln steckten. Ein knielanger, ebenfalls schwarzer, Mantel, der durch einen G�rtel gehalten wurde in dem ein Dolch in einer, mit silbernen verschlungenen Schriftzeichen, Scheide steckte. Dar�ber ein dunkelgr�ner Umhang der fast zum Boden reichte und der am Hals von einer kunstvoll gearbeiteten Spange gehalten wurde. Man konnte au�er den leuchtend gr�nen Augen nur die ungef�hren Gesichtsz�ge erkennen. Die Haare waren nicht zu sehen. Das Gesicht schien noch jung, aber die Augen wirkten alt. Als h�tten sie f�r ihr Alter bereits zuviel erlebt und gesehen. Schlie�lich ergriff Aragorn das Wort.
�Danke das Ihr der Einladung gefolgt seit! Ich denke Ihr wisst den Grund aus dem diese Einladung ausgesprochen wurde?�
�Ja!� Hinter dem Mantelkragen klang ihre Stimme tiefer und sie hoffte das man sie noch nicht sofort als Frau identifizieren w�rde.
�Dann kommen wir doch gleich zum Punkt!� fuhr Aragorn fort. �Wer seid Ihr?�
Schweigen, tiefes Schweigen herrschte im Saal als Ewian nicht sofort antwortete sondern zum Fenster ging um den Sonnenaufgang zu betrachten. Sie h�rte das leise Atmen im Saal als alle auf eine Antwort ihrerseits warteten.
�Erinnert Ihr euch noch an euren letzten Sonnenaufgang, Thranduil?� Diese respektlose Antwort brachte Leben in den Saal. Mehrere St�hle wurden zur�ckgeschoben und dann sp�rte sie den Atem einer Person in ihrem R�cken.
�Redet nicht so respektlos mit meinem Vater!�
Die Stimme war ruhig, weich und hatte einen sch�nen Klang. Aber Ewian wusste das hinter dieser ruhigen Art ein gef�hrlicher Mann lauern konnte. Sie verkniff sich ein L�cheln und seufzte stattdessen leise auf.
�Warum sollte ich das nicht tun, Legolas Gr�nblatt?� fragte sie leise. Das laute Aufatmen hinter ihr brachte sie zu dem Schluss, das er erst einmal den Faden verloren hatte. Sie beschloss noch eines draufzulegen. �Er hat es nicht anders verdient!�
***
Legolas blieb vor Erstaunen der Mund offen stehen. So etwas hatte er noch nie erlebt. Er sah zu den anderen und erkannte Erstaunen in allen Gesichtern. Offenbar wusste keiner so recht was er sagen sollte. Gimli brach schlie�lich das entstandene Schweigen.
�Bei Thorins Hammer. Frech ist der Kleine �berhaupt nicht, hm?�
Ewian musste sich mit aller Gewalt das Lachen verkneifen, doch ihre bebenden Schultern entgingen dem Zwerg nat�rlich nicht.
�Jetzt lacht der auch noch. Ist das zu fassen?�
Bei den Worten wirbelte Legolas wieder herum und stellte fest das Gimli recht hatte. Die Schultern des Fremden zuckten verr�terisch. Aragorn ging das schlie�lich zu weit!
�K�nntet Ihr uns vielleicht erkl�ren, was Ihr so lustig findet?�
Ewian hatte sich mittlerweile wieder unter Kontrolle und verschr�nkte die Arme vor der Brust. Dann wandte sie ihre Augen in Aragorns Richtung und sah ihn kurz an. �rger aber auch Neugier lag in seinem Blick. Dann sah sie weiter zu Thranduil der sie offen anstarrte. Sie beschloss ihre Grenzen auszutesten und machte einen Schritt auf ihn zu. Die Reaktion lief wie erwartet ab.
Einige der Elben sprangen auf und sie konnte aus den Augenwinkeln erkennen, wie Legolas nach ihr griff. Sie wirbelte herum, duckte sich unter dem Arm des Elben hinweg um ihn dann zu greifen und seinem Vater in die Arme zu sto�en. Das ganze dauerte nur wenige Sekunden und Thranduil fing Legolas geistesgegenw�rtig auf, bevor dieser auf den Boden schlug. Dann herrschte Stille.
�Wachen!� br�llte Aragorn pl�tzlich.
�Nein!� erwiderte Thranduil und drehte sich zu dem K�nig von Gondor um. �Bitte!� sagte er leise woraufhin Aragorn nickte und die M�nner die gerade dabei waren in den Raum zu st�rmen wieder fortschickte.
�Legolas, geht es Euch gut?� kam die Frage vom Fenster her und Thranduil und die anderen fuhren erstaunt herum. Diese Stimme hatte anders geklungen, weich, m�de und besorgt. Gr�ne Augen fixierten den Thronfolger und wandten sich dann, nach dessen automatischen Nicken, wieder der Sonne zu.
�Eine Frau!� meinte Arwen leise und alle sahen sie an. �Ihr seid eine Frau!�
***
�Ich hatte mich schon gefragt wie lange es dauert, bis Ihr darauf kommt.� Ewian hatte auf einmal ihre Pl�ne ge�ndert. Statt diese Leute zu verwirren, war ihr danach die Karten auf den Tisch zu legen. Und sie folgte diesem Impuls einfach. Eine Erkl�rung hatte sie nicht, doch das L�cheln Galadriels beruhigte sie. Diese Frau schien alles zu wissen. Nach einigen Sekunden drehte sie sich zu den Anwesenden um, und �ffnete die Spange die den Mantel hielt, um ihn abzustreifen.
Alle hielten den Atem an als sie den ersten Blick auf das Gesicht der jungen Frau warfen. Das erste was einem auffiel war die Narbe am Hals. Etwa f�nf Zentimeter lang zog sie sich vom rechten Ohr hinab �ber den Hals. Sie war blassrot und stach auf der leicht gebr�unten Haut hervor. Doch trotzdem war sie sch�n, ganz ohne Frage. Braunes, leicht gelocktes und knapp an die Schultern reichendes, Haar umrahmte ihr Gesicht. Ein ebenm��iges Gesicht, eine gerade Nase, sch�n geschwungene Augenbrauen und wundersch�ne Augen. Stechend gr�n, die jetzt, durch die Sonne die seitlich auf ihr Gesicht fiel, leicht schimmerten. Doch diese Augen blickten kalt, wissend und w�tend auf Thranduil.
�Seid Ihr Thennas Kind?� fragte dieser schlie�lich.
�Als ob Ihr die Antwort auf diese Frage nicht kennen w�rdet!� fuhr Ewian ihn an. �Ihr habt es schon gestern Nacht gewusst, nur darum seid Ihr auf dem Balkon zur�ck gewichen. Ich habe Euch auf die Probe gestellt. Und Ihr habt verloren, als Ihr den Blick gesenkt habt. Seid Ihr immer noch nicht bereit einzugestehen das Ihr einen Fehler begangen habt? Seid Ihr wirklich nur der verzogene kleine Bengel, f�r den ich Euch immer gehalten habe?�
�Das reicht jetzt!� donnerte Elrond auf einmal und fuhr von seinem Stuhl hoch. �Selbst das was geschehen ist, gibt Euch nicht das Recht so zu sprechen! Nicht mit einem K�nig, und vor allem nicht hier!�
Diese Worte zerst�rten die restlichen Manieren, die Ewian noch besa�. Der werte Herr Elb aus D�sterwald hatte also das Geschehen von damals an alle hier im Raum preisgegeben. Aber im Nachhinein ...... Ewian h�tte beinahe gelacht. Eigentlich h�tte ihr das klar sein m�ssen. Nach der Show von letzter Nacht. Aber trotz allem war sie so w�tend das sie nicht klar denken konnte. Ihre Ruhe und Gelassenheit waren dahin. Selbst der elbische Anteil in ihrem Blut konnte ihre Emotionen nicht unterdr�cken. Es hatte schon immer Tage gegeben an denen sie hasste, das sie nur ein Halbblut war. Halbblut, das schlimmste Schimpfwort �berhaupt. Jedenfalls f�r einen Elben
Ewian versuchte alles um ihre Wut zu unterdr�cken, aber an manchen Tagen funktionierte das einfach nicht. Und heute war wieder einmal so ein Tag. Bevor sie es verhindern konnte hatten die n�chsten Worte ihren Mund bereits verlassen und dem Gesicht des Elben, an den sie gerichtet waren, zu urteilen, schien er kurz vor dem �berschnappen. Obwohl das wohl nicht die richtige Wortwahl war, wenn es um zornige Elben ging, aber ihr fiel beim besten Willen nichts anderes ein.
�HALTET Euren Mund!� sagte sie leise und drohend. �Ihr habt kein Recht euch einzumischen, weil es weder Euch noch eure Familie betrifft. Also schweigt!�
Elrond sah aus, als w�rde er der jungen Frau am liebsten den Hals umdrehen. So hatte selbst Aragorn ihn noch nie erlebt. Der Herrscher aus Bruchtal war w�tend, nein fuchsteufelswild war der bessere Ausdruck daf�r. Seine Augen schienen Funken zu spr�hen und Aragorn wusste, wenn nicht bald etwas geschah w�rde hier in den n�chsten Minuten ein Ungl�ck geschehen. Er wollte sich gerade erheben, doch der K�nig D�sterwalds kam ihm zuvor.
�Bitte, keinen Streit!�
Thranduils Stimme klang ruhig und klar. Er nickte Elrond zu und ging dann auf Ewian zu. Wenige Schritte vor ihr blieb er stehen. Er betrachtete sie, und deutete schlie�lich eine Verbeugung an.
�Ihr habt jedes Recht w�tend zu sein. Ja, ich habe einen Fehler gemacht und ich wei� nicht ob es m�glich ist, ihn wieder r�ckg�ngig zu machen, aber ich w�rde gern ...........�
Ewian schnitt ihm mit einer Handbewegung das Wort ab. �Zu sp�t, Hoheit! Vater ist TOT. Er starb und ich stand mit der Erziehung meiner drei Br�der allein da! Das k�nnt Ihr kaum wieder r�ckg�ngig machen!�
Sie machte auf dem Absatz kehrt, griff ihren Mantel und lief zur T�r.
�Bleibt!�
Die leise Stimme Galadriels hielt sie davon ab durch die T�r zu treten. So stand sie dann, mit der Hand am T�rgriff und wartete. Sie konnte leichte Schritte auf dem Boden h�ren und dann legte sich eine Hand auf ihre Schulter.
�Was erwartet Ihr denn, Lady Galadriel? Das ich einfach alles vergesse und ihm die Hand reiche? Tut mir leid, aber das kann ich nicht, weder heute, noch morgen, noch irgendwann!�
�Ihr werdet niemals vergessen was geschehen ist! Und das sollt Ihr auch nicht. Weder Ihr noch eure Br�der! Aber vielleicht k�nnt ihr vergeben! Nicht heute und auch nicht morgen, aber vielleicht irgendwann!�
Ewian drehte sich um und sah Galadriel an. �Ihr erwartet zu viel!�
Die T�r schlug hinter ihr zu und Ewian rannte mehr, als das sie ging. Erst im Zimmer der Herberge kam sie wieder zur Ruhe. Das war gar nicht so gelaufen, wie erwartet. Sie hatte die Kontrolle verloren, das zweite Mal in ihrem Leben war ihr �ber eine Situation die Kontrolle entglitten. Das durfte nicht wieder geschehen. Damals hatte es sie fast das Leben gekostet.
Es war noch etwas Zeit bis Mittag und sie beschloss zu baden um sich zu entspannen. Es war klar das Mani nicht lange brauchen w�rde um die Wahrheit aus ihr heraus zu kitzeln. Aber sie hoffte das sie es vor Lili und ihren Br�dern verheimlichen konnte. Zumindest eine Zeit lang.
***
Im Thronsaal herrschte tiefes Schweigen. Seit Ewian vor wenigen Minuten den Raum verlassen hatte, war kein Wort mehr gefallen. Jeder schien in seine Gedanken versunken.
�Ich kenne nicht mal Ihren Namen!� murmelte Thranduil pl�tzlich und Legolas sah ihn an. Sein Vater schien in diesen wenigen Minuten um hunderte von Jahren gealtert zu sein.
�Was tun wir jetzt?� fragte Aragorn in den Raum.
�Nichts!� meinte Galadriel leise. �Die Zeit wird uns helfen. Sonst k�nnen wir nichts tun!�