Namaste!
Und Herzlich Willkommen auf unserer Indienseite!
Hier geht es also weiter mit den Erlebnissen unserer einjaehrigen Auszeit.
Nachdem wir den kaeltesten Sommer Skandinaviens seit 1928 erlebt, ueberlebt, und groesstenteils - aller Widrigkeiten zum Trotz - sogar genossen haben, geht es nun weiter nach Indien. (Schliesslich muessen wir uns ja irgendwo aufwaermen :-)
Unser Flugzeug startet am 19. September 2004 von Frankfurt ueber Kuwait nach Delhi, wo sich der Monsun gerade verabschiedet hat. Den Rueckflug haben wir fuer den 15. Maerz 2005 ab Trivandrum (Kerala, Suedindien) vorgesehen. Wir haben also 6 Monate Zeit dieses riesige Land von Norden nach Sueden zu durchreisen. Die Fahrraeder und das Boot werden wir zuhause lassen, und uns stattdessen mit Bus, Bahn, und Rikschah durch das Land bewegen. Inlandsfluege sind bislang nicht vorgesehen. Ihr seht, unser Reisestil aendert sich nun drastisch. Was bleibt, ist die Tatsache dass wir auch weiterhin "unterwegszuhause" sein werden...
Euch allen, die Ihr uns auf unserer Reise begleitet, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschoen, und viel Spass beim Lesen! Bitte hab't ein wenig Geduld wenn neue Eintraege im Tagebuch manchmal ein wenig auf sich warten lassen... Wenn Ihr wollt, benachrichtige ich Euch sobald es einen neuen Eintrag von uns gibt! Zu diesem Zweck schreibt bitte eine kurze email an eine unserer privaten Emailadressen, oder an: [email protected]
Und natuerlich freuen wir uns immer ueber Anregungen, Lob und Kritik, Eintraege im Gaestebuch, Emails von Daheimgebliebenen oder Unterwegsgetroffenen...
Seid herzlich gegruesst und gedrueckt von
Michael und Regina
"Eine Reise die dem Pfad solcher Sehnsucht folgt,
beginnt nicht mit dem Aufbrechen in der Heimat,
gipfelt nicht im Ankommen am vermeintlichen Ziel
und endet nicht mit dem Heimkehren.
Sie beginnt tief im inneren des Herzens und fuehrt immer wieder dorthin zurueck."
aus dem Buch "Kailash" von Franz Binder
Sonntag der 19. September 2004
Liegt Frankfurt eigentlich in Indien?
Zur Mittagszeit verlassen wir Hanau. Mit unseren vollgepackten Rucksaecken sitzen wir in Zug Richtung Flughafen. Ich ueberpruefe alle paar Minuten ob ich auch den Pass habe, die Tickets, das Bargeld... Unsere Rucksaecke sind viel zu voll. War es denn tatsaechlich richtig das alte Zelt mitzuschleppen? Egal, jetzt ist es dabei. Sollten wir es nicht brauchen, dann koennen wir es jederzeit verschenken. Wenn wir ein Trekking machen wollen, dann brauchen wir ein Zelt. Und das alte Teil ist sicherlich immer noch besser als ein Zelt in Indien zu leihen. Mit den Schlafsaecken ist es aehnlich... Trotzdem werde ich das Gefuehl nicht los viel zu viel dabei zu haben... Verflixt, meine Fleecehose habe ich vergessen einzupacken, und im Norden wird es jetzt im Herbst sicherlich frisch sein. Aber fahren wir ueberhaupt in den Norden? Andernfalls werden wir die ganzen warmen Sachen gar nicht brauchen.Wir haben noch immer keine Planung gemacht. Michael hat sich vor einigen Tagen das Knie verdreht, und bisher hatte es noch keine Chance zu heilen, an ein Trekking ist deshalb sowieso erstmal nicht zu denken... Also besser erstmal nach Rajasthan? Meine Gedanken drehen sich im Kreis, ausserdem bin ich uebermuedet, habe ich doch die vergangene Nacht mit Packen zugebracht.
Wieder einmal nehme ich mir vor dass ich meine naechste Reise deutlich stressfreier beginnen werde...
Das einchecken am Flughafen geht zuegig. Sobald wir unsere Bordkarten haben und das Gepaeck los sind, machen wir uns auf den Weg zur Reisebank, denn wir brauchen noch Travellerschecks. Am Schalter bedient uns ein aelterer Mann, der sehr leise und undeutlich spricht, und einen schusseligen Eindruck macht. Mir ist unbehaglich zumute, ich merke dass ich ihm nicht traue, vor allem weil er sich mehrmals verschreibt, und jedesmal ein neues Formular benutzen muss. Wir bekommen unsere Schecks mit dem Hinweis sie baldmoeglichst zu unterschreiben. Eigentlich koennten wir das ja bequem im Flugzeug erledigen, aber zum Glueck beschliessen wir uns im Flughafen eine ruhige Ecke zu suchen und das gleich zu erledigen. Dabei stellen wir entsetzt fest dass er uns die falschen Schecks gegeben hat! Wir wollten Euro-Travellerschecks im Wert von 2.000 Euro haben, und er hat uns dafuer 2.000 US-Dollar-Schecks gegeben! Also sofort im Laufschritt durch das Flughafengebaeude gehetzt, zurueck zum Schalter, und wie sollte es anders sein, der tatteriche Herr macht gerade Mittagspause... Die koennen wir natuerlich nicht abwarten, ein Kollege kuemmert sich mit den Worten "kein Problem" um unser Anliegen, und kurze Zeit spaeter bekommen wir die richtigen Schecks. "No problem" das hoert man doch in Indien staendig...? Nun aber fix, denn waehrend wir noch an der Zollkontrolle anstehen muessen, beginnt schon das Einsteigen an unserem Gate... Und ich dachte wir haetten noch mindestens 12 Stunden Zeit bevor wir uns mit indischen Verhaeltnissen auseinandersetzen muessen...
Montag, der 20. September 2004 - Delhi
Delhi begruesst uns gg. 5.00 Uhr am Morgen mit 30 Grad Celsius, und schwueler, feuchtwarmer Luft. Kurz vor der Landung entschliessen wir uns nicht lange in Delhi zu verweilen, sondern gleich weiter nach Dharamsala, hoch im Norden zu fahren...
Mittwoch, der 13. Oktober 2004 - Dharamsala, Amritsar, Rishikesh
Nach 12 Stunden Busfahrt in einem ungefederten "Local Bus" kamen wir also spaet am Abend, und ziemlich geraedert in Dharamsala, bzw. im Ortsteil Mc Leod Ganj, an.
Da Michael sich einige Tage vor unserem Abflug am Knie verletzt hatte, schien mir dieser Ort wie geschaffen um sich einige Tage zu erholen, und um unseren Koerpern erstmal Zeit zu geben, sich an das ungewohnte Klima, das Essen und die fremden Keime, langsam zu gewoehnen. Ausserdem liegt in diesem kleinen Ort alles so nah beieinander dass Michael nicht so viel laufen musste.
Wir verbrachten 2 Wochen in Dharamsala, im selben Guesthouse in dem ich schon im vergangenen Jahr abgestiegen war. Die ersten Tage verbrachten wir vor allem mit Ausruhen, Lesen, und Essen gehen, den Sitz des Dalai Lamas zu besuchen und in den zahlreichen Buechereien und Shops zu stoebern... Ausserdem mussten wir uns erst einmal an den Linksverkehr gewoehnen, an die zahlreichen heililgen Kuehe die einem irgendwie dauernd im Weg stehen, an riesige Schlagloecher in denen man muehlos komplett verschwinden kann, und an agressive Affen, vor deren scharfen Zaehnen man wirklich auf der Hut sein muss. Wir staunten ueber blanke Starkstromkabel an einer lebensgefaehrlichen Trafostation, und ueber ein Stueck Kabelisolierung in Michaels Abendessen. Ausserdem uebten wir uns in Gelassenheit was die haeufigen Stromausfaelle und das naechtliches Hundegebell betraf. Ansonsten taten wir nicht sehr viel. Hauptsaechlich genossen wir es auf der Terasse vor unserer Zimmertuere im Gruenen zu sitzen, selbstgekochten Ginger-Chai zu geniessen, und uns aus unserer mitgebrachten Reiseliteratur gegenseitig vorzulesen.
Erst in der zweiten Woche wurden wir etwas lebendiger und belegten einen tibetischen Kochkurs, in dem wir lernten wie man "Momos", eines meiner Lieblingsgerichte, selbst herstellt. (kurz gesagt sind "Momos" das tibetische Pendant zu unseren Maultaschen, allerdings in vielen unterschiedlichen Formen, und mit verschiedensten Fuellungen)
Ausserdem besuchten wir einen sehr speziellen Ort, naemlich ein Kinderheim fuer behinderte, tibetische Fluechtlingskinder. Eine engagierte Tibeterin hat das Heim innerhalb von 5 Jahren mit Hilfe von Spendengeldern, vor allem aus Deutschland und der Schweiz, aufgebaut. Insgesamt 12 Betreuer und Betreuerinnen kuemmern sich dort um 42 koerperlich und/oder geistig behinderte Kinder. Natuerlich sind die Betreuungspersonen allesamt Laien, und es fehlt an ausgebildeten Kraeften wie Physio- oder Ergotherapeuten, die als freiwillige Helfer sehr willkommen sind. (Sollte jemand von Euch Interesse haben dort mitzuarbeiten, geben wir natuerlich gerne noch mehr Info's und auch die Adresse an Euch weiter!) Michael spielte selbst kurzzeitig mit dem Gedanken dort fuer einige Zeit mitzuarbeiten, und vielleicht wird er spaeter noch einmal darauf zurueck kommen.
Skandinavisches Wetter in Dharamsala
Auch nach zwei Wochen hatte sich Michaels Knie nur wenig gebessert. Trotzdem verliessen wir Dharamsala fluchtartig. "Fluchtartig" deshalb weil sich dort der Monsun zurueckgemeldet hatte - es schuettete wie aus Eimern, und das fast 3 Tage lang. Die Temperaturen sanken ploetzlich rapide und die Schneegrenze sank auf 3.000m. Von den Einheimischen hoerten wir staendig den Satz: "This weather is totaly unusal, at this time of the year" Das haben wir doch in Skandinavien dauernd zu hoeren bekommen.
Wir verliessen Dharamsala, und ich musste dort dann auch schweren Herzens "Zorro" zuruecklassen, den Strassenkoeter mit dem wir uns angefreundet hatten, und der uns manchmal auf unserer Terasse besuchen kam. Michael hatte ihm diesen Namen gegeben, weil seine Fellzeichnung im Gesicht tatsaechlich sehr stark an Zorro erinnerte... (Ich muss ja zugeben dass ich schon mit dem Gedanken gespielt hatte ihn mitzunehmen, aber damit haetten wir sicherlich, weder dem Hund, noch uns einen Gefallen getan.)
Der goldene Tempel in Amritsar
Nach 11 Stunden Busfahrt erreichten wir Amritsar, ganz im Nordwesten von Indien, an der Grenze zu Pakistan.
Ich taumelte mal wieder aus dem Bus, die Fahrerei war mir nicht gut bekommen, aber immerhin war es schoen warm und sonnig, so etwa 35 Grad...
Nachdem wir erstmal den Horden von geschaeftewitternden Rikschahfahrern entgangen sind, steuern wir direkt den goldenen Tempel an, und bekommen dort auch gleich ein Zimmer zugewiesen.
Amritsar ist die Hochburg der Sikhs, und der goldene Tempel ist fuer die Sikhs das, was fuer die Moslems Mekka bedeutet.
Der Sikhismus ist eine monotheistische Religion die urpruenglich aus dem Hinduismus entstanden ist, die aber das Kastensystem rigoros ablehnt, und die ihren Frauen sehr viel mehr gesellschaftliche Freiheit einraeumt als die der Hindus oder Moslems. "Menschlichkeit" ist die oberste goldene Regel fuer jeden Sikh, und im Tempel ist jeder willkommen, ganz gleich welcher Relilgion oder Kaste er angehoert. Die Uebernachtung im Tempelkomplex ist kostenlos, genauso wie die Verpflegung in den riesigen Speisesaelen, in denen am Tag bis zu 50.000 Mahlzeiten, rund um die Uhr ausgegeben werden! Dort sitzt man dann gemeinsam mit reichen Sued-Indern, mit Moslems, Hindus und Christen, genauso wie mit Bettlern und "Unberuehrbaren" in endlos scheinenden, langen Reihen auf dem Boden, und nimmt schweigend seine Mahlzeit ein. Eine einzigartige Atmosphaere die man sich nicht entgehen lassen sollte, auch wenn viele Westler bedenken haben was die Hygiene angeht. Wir haben mehrmals dort gegessen, und es ist uns immer sehr gut bekommen!
Beeindruckend war auch ein Blick in den Kuechenbereich, wo Chapatis (Fladenbrot) fast wie am Fliessband gebacken wurden, und in der Dal (ein Linsengericht) in so riesigen Toepfen gekocht wurde, dass 5 Personen bequem darin baden koennten...
Die Tradition der Sikhs blickt auf eine Reihe von 10 Gurus zurueck, und wir hatten das Glueck ausgerechnet zur Geburtstagsfeier des 4. Gurus angereist zu sein. Das heisst, ueberall im Tempel wurde gefeiert, es gab Vorfuehrungen von Schwertkaempfern und Musikanten, an zahlreichen Staenden wurde man mit Tee oder indischen Koestlichkeiten verwoehnt. Dazu die Sikhs mit ihren kunstvoll geschlungenen Turbanen, und die Frauen in bunten Saris - wie ein Traum aus tausendundeiner Nacht! (Einzig der Klingelton eines Handy's reisst einen bisweilen aus diesem Traum :-))
Eine freudige Begegnung war fuer uns das Kennenlernen von zwei jungen Sikhs, Shera und Tinku. Beide so um 20 Jahre alt, sehr weltoffen und zu unserer Freude ein sehr gutes Englisch sprechend, was man leider nicht von allen Indern behaupten kann.
Die beiden beantworteten geduldig, und voller Freude an unserem Interesse, unsere vielen neugierigen Fragen, und machten am folgenden Tag mit uns noch einen Ausflug zu einer aehnlichen Tempelanlage, etwas ausserhalb von Amritsar.
Was am Anfang fuer uns etwas gewoehnungsbeduerftig war, war das dauernde Angestarrtwerden. Die wenigen Westler die nach Amritsar kommen, verlieren sich zwischen den vielen indischen Touristen, von denen viele offensichtlich noch nie ein weisses Gesicht gesehen haben. So kam es also dass wir fast staendig von neugierigen Indern umgeben waren, und das Essen ausserhalb des Speisesaales, in dem beim Essen nicht geredet wurde, fast gar nicht moeglich war, weil wir sofort von einer neugierigen Menschentraube umringt wurden. Unzaehlige Male wurden wir fotografiert, und Michael beantwortete geduldig die vielen neugierigen Fragen. Jetzt wo wir gemeinsam unterwegs sind, wird Michael aus Hoeflichkeit natuerlich zuerst angesprochen, und bis ich dann in das Gespraech einbezogen werde, hat er schonmal die ersten Standardfragen beantwortet. So ist das Reisen fuer mich deutlich stressfreier, als bei meiner ersten Indienreise im vergangenen Jahr, bei der ich ja dauernd alleine im Mittelpunkt stand.
Michaels Knie hatte sich inzwischen soweit regeneriert dass ein Trekking wieder in greifbarere Naehe rueckte, und so verliessen wir Amritsar am 9. Oktober mit dem Nachtzug in Richtung Rishikesh. Wir konnten nur ein Wartelisten-Ticket ergattern, hatten also keine Schlafplaetze im Zug reservieren koennen, und unserer Erwartung zum Trotz war der Zug ziemlich ueberfuellt. Trotzdem hatten wir mal wieder Glueck. Ein junger Inder stellte mir kurzerhand seinen Platz zur Verfuegung, und sagte, es sei kein Problem fuer ihn sich mit seinem Freund eine Liege zu teilen. Michael fand auf dem Boden vor mir einen guten Platz und rollte seine Isomatte aus, so dass wir beide, 12 Stunden spaeter dann ziemlich ausgeruht in Rishikesh ankamen.
Wir hatten genau den richtigen Zeitpunkt erwischt, denn das skandinavische Tief war ebenfalls gerade eingetroffen.
D.h. es regnete (und regnet seitdem immer wieder) in Stroemen, und wieder hoeren wir dass das Wetter voellig unueblich sei zu dieser Jahreszeit... Ich wusste ja dass man sich selbst ueberall mithin nimmt, aber dass das auch auf das Wetter zutrifft war mir neu... Unsere Koerper, die sich nun gerade an die Hitze in Amritsar gewoehnt hatten, muessen sich nun schon wieder umstellen. Aber die Wettervorhersage sieht eine Besserung fuer das kommende Wochende vor, und wir haben eine kleine Trekkingtour mit leichtem Gepaeck zur Gangesquelle geplant.
Inzwischen haben wir zwei junge Russen kennengelernt die ebenfalls zur Gangesquelle wollen, und morgen frueh werden wir zu viert mit dem Bus in die Berge nach Uttarkarshi fahren (etwa 7 Stunden Serpentinen), und dort einen Tag bleiben um uns etwas an die Hoehe zu gewoehnen. 3 bis 4 Tage wollen wir dann gemeinsam unterwegs sein, je nach Wetterlage und Kniebeschaffenheit...
Bis wir uns wieder melden koennt ihr Euch mit diesem Link ja schonmal unsere ersten Indien-Fotos anschauen:
Zu den INDIEN-Fotos
Und wer sich fuer Fotos von unserem Skandinavien-Abenteuer interessiert, der wird hier fuendig:
Zu den SKANDINAVIEN-Fotos!
Wir wuenschen Euch viel Spass beim Anschauen!
Hallo Ihr Lieben!
Sorry, sorry fuer die lange Funkstille!
Nein, wir sind nicht im Himalaya verschollen, und auch krank geworden sind wir nicht - na jedenfalls nicht richtig�
Aber alles der Reihe nach:
Donnerstag, der 14. Oktober 2004 - Rishikesh, Uttarkashi
Bevor wir Rishikesh verlassen konnten, bastelten wir uns Regenumhaenge fuer unsere Rucksaecke, denn sonst waere in wenigen Minuten alles nass gewesen. Nach einer 5 stuendigen Fahrt im Jeep erreichten wir gemeinsam mit Alex und Costia den Ort Uttarkashi, der sich nach Alex' Meinung sehr gut eignen wuerde um sich an die Hoehe anzupassen. Erst am Abend stellte Michael fest dass Uttarkashi gerade mal auf 1800 Metern liegt, und damit fuer eine Hoehenanpassung absolut ungeeignet ist. Ein miserables Abendessen in einem Restaurant welches uns von zwei anderen Travellern waermstes empfohlen wurde, rundete diesen "verlorenen" Tag entsprechend ab�
Am naechsten Tag, nach weiteren 7 Stunden Jeepfahrt erreichten wir Gangotri, den Ausgangspunkt unserer Trekkingtour. Gangotri ist ein kleines Dorf auf etwa 3000m Hoehe, und schon am Nachmittag war es so kalt dass wir uns alle mit zusaetzlichen Socken, Muetzen, Handschuhen und langen Unterhosen eindeckten, die die Einheimischen dort selbst herstellen.
Dank unserer Aluminium-Trinkflaschen, die sich mit heissem Wasser gefuellt hervorragend als Waermeflaschen eignen, verbrachten wir eine recht angenehme Nacht. Einzig die Maeusefamilie die in meiner Matratze wohnte, raschelte mich mehrmals aus dem Schlaf�
16./17. Oktober 2004 - Bhojbasa, Gaumukh, Gangesquelle
Gut gelaunt bei klarem, sonnigem Himmel, und von einem sauberen, hellblauen Ganges begleitet, machten wir uns auf den 14km langen Weg nach Bhojbasa..
Da es fuer einen glaeubigen Hindu ein Muss ist, mindestens einmal im Leben die Quelle des heiligen Ganges zu besuchen, trafen wir auch auf viele indische Touristen, die sich nicht gerade aus Freude am Wandern auf den Weg gemacht hatten, und fuer die dieser sanft ansteigende Pfad eine echte Herausforderung darstellte. Dies weiss natuerlich der geschaeftstuechtige Inder, und so begegneten wir dauernd hageren Maennern die uns ihre Dienste als Traeger anboten, oder uns gar ein Pony aufschwatzen wollten.
Bhojbasa liegt auf etwa 4000m Hoehe, und besteht nur aus einer Zeltstadt von etwa 10 Chai-Staenden in denen man uebernachten kann, und einem "Ashram" der uns empfohlen worden war. Der Ashram bestand eigentlich nur aus einigen kargen, feuchten Betonkaesten, ohne Fenster, und mit schmutzigen Matten zum Schlafen auf dem Boden. Das Abendessen wurde gemeinsam in der "Dining Hall" eingenommen, die zu unserer Erheiterung noch nicht mal ein Dach hatte. Vor dem Betreten musste man die Schuhe ausziehen, obwohl auf dieser Hoehe selbst am Nachmittag schon Minusgrade herrschten. Danach suchte man sich einen Platz auf dem Boden. Wer sich nicht selbst ein Kissen oder eine Isomatte mitgebracht hatte, der musste eben auf dem blanken Beton sitzen. Nachdem eine sehr zweifelhafte Mahlzeit ausgeteilt worden war, musste erst noch eine Art hinduistisches Tischgebet gesprochen werden. Danach war das Essen dann restlos erkaltet. Die Stimmung war entsprechend. Alle froren fuerchterlich, und jeder hoffte nur darauf sobald als moeglich in den Schlafsack kriechen zu koennen.
Auch wir vier zogen uns baldmoeglichst in unser Verlies zurueck. Dick angezogen und mit "Waermflasche" steckten wir in unseren Schlafsaecken. Ich konnte mich vor lauter Pullovern kaum noch bewegen. Beim Einschlafen spuerte ich die Ratten ueber meine Beine rennen, und am Morgen fand ich ein Duzend Flohstiche auf meinem Bauch...
Michael hatte keine gute Nacht. Mehrmals musste er brechen und hatte Durchfall. Der Wassereimer in der Toilette war zugefroren, und so musster er in der Nacht eine mehrere zentimeterdicke Eisschicht aufhacken.
Es war klar, Michael konnte die restlichen 5 km nach Gaumukh, wie die Gangesquelle genannt wird, nicht mehr zuruecklegen, und so entschloss er sich am Morgen abzusteigen. Die beiden russischen Jungs waren schon gleich nach Sonnenaufgang losgelaufen, denn sie wollten den Gletscher ueberqueren und hatten vor noch weiter zu trekken.
Ich kam mit einer Dreiergruppe von ebenfalls kranken Bergsteigern in Kontakt, und Michael trat mit ihnen gemeinsam den Rueckweg an, waehrend ich noch die letzten 5 km nach Gaumukh alleine zuruecklegte. Die letzten beiden Kilometer stapfte ich durch knoecheltiefen Schnee, und wunderte mich ueber eine Gruppe Traeger die in Badeschlappen (!) dort hinauf lief...
Der Ganges entspringt dem Schmelzwasser eines riesigen Gletschers, und ausser einem grossen Loch am unteren Ende des Gletschers aus der ein Bach fliesst, gibt es dort nichts spektakulaeres zu sehen. Am eindrucksvollsten waren fuer mich einige Inder die direkt unterhalb der Abbruchstelle des Gletschers standen, und begeistert zwischen den bereits abgebrochenen Eisbloecken herumkletterten, und in das Loch starrten, aus der der junge Ganges hervorfloss... Davon, dass ein Gletscher "kalbt" schienen sie noch nie etwas gehoert zu haben. Als ich sie sah, waren sie bereits auf dem Rueckweg. Ich hielt jedenfalls gehoerigen Abstand vom Gletschermaul, und nachdem ich zwei Schluck Gangeswasser getrunken hatte, (einen fuer mich, und einen fuer Michael :-) machte auch ich mich im Laufschritt auf den Rueckweg, und erreichte Gangotri am spaeten Abend, nachdem ich eine Stunde im Schein der Taschenlampe gelaufen war.
Michael hatte auf seinem Rueckweg mehrmals brechen muessen, aber als ich ihn in Gangotri vorfand, ging es ihm schon wieder deutlich besser.
19. -21. Oktober - Gangani, Rishikesh
Auf dem Rueckweg von Gangotri nach Rishikesh machten wir etwa auf halbem Weg bei den heissen Quellen in Gangani halt. Ein anderer Traveller hatte uns diesen Tip gegeben, und nach der Kaelte im Hochgebirge kamen uns die heissen Schwefelquellen gerade recht. Es war schon eigenartig einen Bach zu sehen der dampfend heisses Wasser fuehrt! Ein Teil des Wassers wurde in zwei grosse Badebecken geleitet, und das restliche Wasser nutzten die Einheimischen zum Geschirr- und Waeschewaschen.
Allerdings begannen bei mir dann die Magenprobleme, so dass ich die Quellen nicht so richtig geniessen konnte. In der folgenden Nacht war ich dann auch diejenige die sich mehrmals uebergeben musste.
Einmal unternahmen wir dort auch eine kleine Wanderung in ein nahe gelegenes Bergdorf. Michael war am Tag zuvor, als es mir noch schlecht ging, schon einmal alleine dorthinaufgewandert, und ein aelterer Dorfbewohner hatte ihn zum Chai eingeladen, und ihm den kleinen Dorftempel gezeigt.
Durch wildwachsende Cannabispflanzen ging es steil bergauf. Enige Hirten mit ihren Kuehen und Ziegen begegneten uns, und am Wegesrand versuchten einheimische Kinder uns immer wieder "Charras" (Haschisch) zu verkaufen, und waren sehr verwundert darueber dass wir keinerlei Interesse daran zeigten. (Die Dorfbewohner leben vom Verkauf der Droge, und viele Traveller finanzieren sich ihren Urlaub mit dem Weiterverkauf, obwohl das natuerlich illegal ist.)
Bei unserer Rueckkehr hatte Michael noch eine Begegnung der besonderen Art. An einer Boeschung, direkt neben dem Weg, sah er ein grosses Stueck Schlangenhaut herabhaengen. Arglos zog er solange daran, bis sich ploetzlich ein Schlangenkopf zeigte! Sicherlich wollte die Schlange mal nachsehen wer es wagte an ihrem Kleid zu zerren, denn das Tier hatte die Haut noch nicht ganz abgestreift. Die herbeigerufenen Dorfbewohner bestaetigten dass es sich um eine Kobra handelte...
("Jonas, musst Du denn immer ueberall hinfassen?" ;-)
21. - 28. Oktober - Rishikesh, Delhi,
Wir verbrachten noch zwei Tage in Rishikesh, verkauften unser Zelt an eine Trekkingagentur, und wollten dann weiter nach Bikaner in Rajasthan fahren. Aber wir hatten die Rechnung ohne "Indian Railways" gemacht, das heisst es war nicht moeglich in Rishikesh ein Zugticket mit Reservierung zu bekommen, und so waren wir gezwungen erstmal nach Delhi zu fahren. Da wir ja bei unserer Ankunft in Indien Delhi sofort fluchtartig verlassen hatten, nahmen wir die Situation nun zum Anlass uns ein wenig mehr mit dieser 14-Millionen Stadt zu befassen...
Gegen Mitternacht kamen wir in Delhi an, und zum ersten Mal hatten wir wirklich Probleme ein Hotelzimmer zu finden, so dass wir etwa 2 Stunden unterwegs waren bis wir endlich eine Bleibe gefunden hatten. (laut, schmutzig, ueberteuert, mit defekter Klospuelung und einem lebensgefaehrlichen Elektroboiler. Das einzige was in diesem Zimmer einwandfrei funktionierte war der Fernseher! Aber der ist aus der Sicht eines Inders auch wichtiger als alles andere...)
Delhi ist schon sehr speziell. Auf der Strasse tummeln sich viel mehr Autos, Rikshaws, Fahrraeder, Menschen, Hunde, Kuehe, und was sonst noch Beine hat, als Anderswo. Bei unserer Ankunft, mitten in der Nacht begegnete uns sogar ein ausgewachsener Elefant!
Die Luftverschmutzung ist so stark dass es haufig ratsam ist einen Schal oder ein Tuch vor den Mund zu pressen. 1 Tag in Delhi ist fuer die Lunge sicher genau so schlimm wie 3 Schachteln Zigaretten.
Wir verbrachten fast 5 Tage dort, absolvierten das "Pflichtprogramm" (Rotes Fort, u.ae.) in Kurzfassung, und stoeberten in den vielen Shops. Ich bekam endlich eine ausreichend grosse Edelstahlschuessel um in Zukunft meinen Brotteig ansetzen zu koennen, ohne dass er sich beim Gehen in der Kueche ausbreitet, und Michael kaufte einen original indischen Benzinkocher und 2 Petroleum-Lampen. Die Sachen schickten wir dann per Post nach Hause.
Wenn Ihr diesen Link anklickt, kommt Ihr zu den dazugehoerigen Fotos: (Michael hat sich diesmal die Muehe gemacht die Fotos zu kommentieren!)
Rishikesh-Gangesquelle-Delhi
29. Oktober - 2. November - Rajasthan, Bikaner, Rattentempel
Nach einer 12-stuendigen Zugfahrt ueber Nacht erreichten wir am Morgen Bikaner. Dass wir uns nun in einer Wuestengegend befanden, merkten wir schon daran dass am Morgen das ganze Abteil voller Sandstaub war. Der Sand war ab sofort unser staendiger Begleiter, wir fanden ihn in den folgenden Tagen ueberall: In den Schuhen, im Rucksack, in der Mechanik der Kamera, in Nase und Ohren. Ganz Rajasthan eine einzige Staubwolke.
Auf den Strassen sah es nun richtig orientalisch aus: zahlreiche von Kamelen gezogene Karren praegten das Stadtbild, und zum ersten Mal wurde mir bewusst wie gross diese Tiere tatsaechlich sind.
Wir waren hierher gekommen um eine Kamelsafari zu buchen, und unser Guidebook versprach uns dass die hier angebotenen Safaris um einiges preisguenstiger, und vor allem weniger ueberlaufen sein sollen als im, fuer seine Kameltrips beruehmten, Jaisalmer.
Dies bestaetigte sich allerdings nicht. Wir sprachen mit einigen Travellern die gerade von einem Trip zurueck gekommen waren, und was sie erzaehlten roch schon sehr nach primitivster "Touriabzocke". Ausserdem wimmelte es in den Strassen von aeusserst laestigen Vermittlern die noch nichtmal davor halt machten uns beim Abendessen im Restaurant anzusprechen, um uns ihre Safaris aufschwatzen zu wollen. Deshalb aenderten wir kurzerhand unsere ohnehin sehr duerftigen Reiseplaene, und nach einem Besuch im Rattentempel machten wir uns auf den Weg nach Jaisalmer.
Im Rattentempel
Bevor wir Bikaner verliessen besuchten wir noch den beruehmten Rattentempel. Kaum zu glauben, aber in, und um diesen Tempel lebt eine Rattenpopulation von 6000 Tieren, die dort als heilig verrehrt werden. Die Menschen glauben dass diese Ratten wiedergeborene Brahmanen sind. (Brahmanen sind Priester und stellen damit die hoechste Kaste in Indien) Diese Ratten und die Brahmanen in dieser Gegend gehoeren zu derselben Familie. Stirbt eine dieser Ratten, wird sie als Brahmane wiedergeboren, und stirbt ein Brahmane, kommt er als eine dieser Ratten wieder auf die Erde... (Der Mann der uns das in vollem Ernst erklaerte, ist uebrigens ein wohlhabender Ingenier, und seine Frau Architektin. Wir waren bei den beiden zum Tee eingeladen, und ich staunte wiedereinmal wie sehr der Alltag, selbst bei gebildeten Indern von Dingen gepraegt ist, ueber die wir nur den Kopf schuetteln koennen.)
Wie in allen Tempeln in Indien ueblich, muss man vor dem Betreten die Schuhe ausziehen, und hier laeuft man dann barfuss zwischen all den heiligen Tierchen, und natuerlich auf deren Exkrementen umher. (Da musste ich meine innere Krankenschwester aber ganz weit wegpacken, und beim Verlassen des Tempels wuenschte ich mir nichts sehnlicher als ein grosses Desinfektionsbecken, das es natuerlich nicht gab...)
Da es Mittagszeit war, waren die Ratten nicht sehr aktiv. Nur einige wenige schluepften zwischen unseren Fuessen umher, oder labten sich an den dargebrachten Opfergaben.
(Verruecktes Indien. Da gibt es auch in der direkten Umgebung des Tempels Menschen die hungern, und hier wird das Ungeziefer fett gefuettert!)
Die meisten Ratten lagen irgendwo herum und schliefen. Ein Mann erzaehlte uns dass es besonders am Morgen sehr schwierig sei ueber den Tempelhof zu laufen, weil dann so viele Ratten unterwegs sind, dass man immer in Gefahr ist eines der Tiere versehentlich zu treten. Wenn einem das passiert, dann laedt man jede Menge schlechtes Karma fuer sein naechstes Leben auf sich! Dann gibt es nur eine Rettung: Man muss dem Tempel das Gewicht einer Ratte in Gold spenden...
Wenn man dagegen das Glueck hat, dass einem eine Ratte ueber den Fuss laeuft, dann ist man besonders gesegnet. Michael hatte dieses "Glueck", was ich ihm ueberhaupt nicht neide.
Doch noch nicht genug der Ekeligkeiten. Von den Ratten angknabberte Lebensmittel werden als "Prasad" (gesegnete Speise) gehandhabt. Isst man davon, kommt einem besonderer Segen und Heilung zugute. Glaeubige Hindus, die selbst nicht zum Tempel gehen koennen bitten haeufig jemanden aus der Familie ihnen von dieser "Speise" etwas mitzubringen. Na, dann, guten Appetit!
3. - 7. November - Jaisalmer, Kamelsafari
Nach einer unbequemen Nacht im Bus erreichten wir Jaisalmer am fruehen Morgen. Jaisalmer liegt wirklich mitten in der Wueste, und das hoch ueber dem Ort aufragende Fort leuchtet bei Sonnenuntergang tatsaechlich in goldenem Licht, weshalb diese Stadt auch gerne "goldene Stadt" genannt wird.
Schon zwei Tage spaeter starteten wir zu unserer lang ersehnten Kamelsafari. Nach 2 Stunden Jeepfahrt wurden wir mitten in der Wueste bei Dalpath, unserem "Camelman", und seinen beiden Helfern abgeladen, die schon mit den fertig bepackten Kamelen auf uns warteten. Jedem wurde ein Kamel zugeteilt, und da diese Tiere so trainiert sind dass sie sich hinknien koennen, ist das Aufsteigen kein Problem. Ich bekam die Zuegel in die Hand, und die Anweisung mich nur gut festzuhalten wenn das Kamel aufsteht. Leider hatte ich die Anweisung - sie kam halb in hindi und halb in englisch - nicht gleich verstanden, und so waere ich beim ersten Mal beinahe runtergefallen.
In den folgenden 3 Tagen durchstreiften wir die karge, meist steppenaehnliche Landschaft, in der es schon seit 4 Jahren nicht mehr geregnet hat... In der heissen Mittagszeit rasteten wir im Schatten eines Busches, waehrend Dalpath und sein Team Reis, Chapati, Dal (Linsenbrei) und Gemuese fuer uns zubereiteten. Die beiden Naechte verbrachten wir jewails auf grossen Sandduenen, und genossen, dick eingepackt in unsere Schlafsaecke und mit zusaetzlichen Decken, das Lagerfeuer und den klaren Sternenhimmel.
In den Naechten wurden die Kamele mit Fussfesseln versehen, die sicher stellen sollen dass die Tiere sich nicht zu weit vom Lager wegbewegten. Einmal kam eines der Kamele in der Nacht zurueck und legte sich direkt neben uns zum Schlafen nieder. Geruchstechnisch war das eine echte Zumutung! Ich kann mich an kein Tier erinnern das mehr stinkt als ein Kamel!
Unvergesslich ist fuer mich die kuehle Morgenstimmung, als sich die Sonne langsam ueber den Duehnen zeigte, waehrend Dalpath schon dabei war Chai zu kochen und Toast zu roesten. Dalpath war tatsaechlich ein echter Gluecksgriff. Er kuemmerte sich nicht nur ruehrend (und manchmal ein bischen zuviel ;-)) um uns, sondern er erzaehlte uns auch alles was wir wissen wollten ueber Kamele, ueber das Leben in der Wueste, und ueber die Gebraeuche seines Wuestenvolkes. Mit Verwunderung und Freude nahm er zur Kenntnis dass wir uns nicht nur bedienen lassen wollten, sondern dass wir beim Satteln, Holz sammeln, Lager herichten, u.s.w. auch kraeftig mitanpackten. Sowas hatte er noch nicht erlebt, und Michael der es ja liebt Knoten zu machen und Dinge festzubinden, erwarb sich besonderes Ansehen beim Beladen der Kamele. Unser Guide gab ihm dann den Namen "Desertman", und liess ihn auf dem Rueckweg sogar ein Kamel reiten, dass er sonst niemals einem Touristen gibt, weil es als wild und schwierig galt. Aber unter Michael trottete das Tier dann lammfromm und eher gelangweilt als wild vor sich hin, was natuerlich noch mehr Lorbeeren fuer Michael bedeutete...
Und zum Schluss sei noch gesagt, dass das Reiten auf einem Kamel nicht nur Freude macht, sondern auch ganz schoen anstrengend ist und ziemlichen Muskelkater verursacht! (Bei unserer Rueckkehr sah mich eine fremde Travellerin im John-Wayne-Gang die Treppen hochsteigen, und begruesste mich mit den Worten: "Aha, Du hast Deinen Kameltrip also schon hinter Dir...")
Und hier gibts die Fotos dazu:
Rajastan-Wuestentrip
8. - 11. November - Jaipur
Nach wiedereinmal 12 Stunden naechtlicher Zugfahrt erreichten wir Jaipur, die sogenannte "rosarote Stadt" Mag sein dass Jaipur architektonisch einiges zu bieten hat, aber wir konnten keinen Gefallen an ihr finden, denn in Jaipur treffen sich auch die professioniellen Einkaeufer aus aller Welt. Silberschmuck und Edelsteine kauft man hier zum Kilopreis, und die Shopkeeper gehoeren zu den aggressivsten die wir bisher erlebt haben. Einige machen nichtmal davor Halt unwillige Touristen am Arm anzufassen und in ihr Geschaeft zerren zu wollen! Mein sonst so gelassener Michael ist deshalb ein paar Mal so ausgeflippt, dass ich dachte es gibt gleich eine Pruegelei...
Offensichtlich neigten nicht nur die Shopkeeper zur Handgreiflichkeit wie ich feststellen musste, als ich einmal alleine die Strasse entlang lief. Zwei halbwuechsige Jungs kamen mir auf einem Fahrrad entgegen, und im Vorbeifahren grapschte mir einer an die Brust, was nicht nur unangenehm war, sondern auch noch ziemlich schmerzhaft. Die beiden amuesierten sich koestlich ueber diesen geglueckten Coup. Schade dass sie auf ihrem Rad zu schnell waren - zu gerne haette ich dem Bengel die Ohren langgezogen!
So bleibt mir also nur der Gedanke an das schlechte Karma welches die beiden nach indischem Glauben mit solchen "Spaessen" ansammeln. Aber dieser Gedanke troestet ungemein...
Kein Wunder also, dass wir diese Atmosphaere schnell wieder verlassen wollten. Aber zuvor suchten wir noch ein Labor auf und gaben beide unsere Stuhlproben ab, denn seit dieser zweifelhaften Mahlzeit in dem Ashram bei der Gangesquelle, hatten wir immer wieder abwechselnd leichte Darmprobleme. Nicht wirklich schlimm, aber eben auch nicht wirklich in Ordnung. Die Untersuchung ergab allerdings dass wir beide voellig gesund sind, und witzigerweise haben wir seitdem keinerlei Probleme mehr...
Ein angenehmes Ereignis gibt es aber doch noch aus Jaipur zu berichten:
Wir wurden zu einer moslemischen Familie zum Abendessen eingeladen, und zu unserem Erstaunen bei unserem Eintreffen voneinander getrennt. Michael ass im Erdgeschoss geimeinsam mit den maennlichen Familienmitgliedern, waehrend ich bei den Frauen im Obergeschoss verkoestigt wurde. Wir assen in dem Raum der der ganzen Familie als Schlafzimmer dient, und sie erklaerten mir dass die Ehefrau, ihre beiden Toechter, und eine Tante in dem Doppelbett schlafen, waehrend der Grossvater und der Ehemann mit seinen 3 Soehnen vor dem Bett auf dem Boden schlaeft. (Wie unter diesen Bedingungen soviele Kinder entstehen konnten, ist mir ein Raetsel)
Die beiden jungen Schwestern und die Mutter zeigten mir nach dem Essen voller Stolz ihre ganzen handgemachten Stickereien und Toepfereien, und ich war mir zuerst nicht ganz sicher ob es nicht doch darauf hinaus lief, dass ich etwas kaufen sollte. Aber nach einer Weile begriff ich, dass es nur darum ging dass die Frauen mir ihren Wert demonstrieren wollten, denn sie beobachteten meine Reaktionen ganz genau. Ich bemuehte mich meine Anerkennung deutlich zum Ausdruck zu bringen, aber nach der 8. handgetoepferten Vase, und dem 15. bestickten Tischtuch, war ich dieses Spiels dann doch ein wenig ueberdruessig. Ich versuchte das Thema zu wechseln, und ermunterte die Frauen mir fragen zu stellen ueber alles was sie gerne ueber das Leben einer Frau in Europa wissen wollten. Die erste Frage die kam war: "Zu welcher Kaste gehoerst Du?" Das ist kein Witz! Das Kastensystem ist in Indien so verwurzelt dass die Menschen sich gar nicht vorstellen koennen wie eine Gesellschaft ohne Kasten funktionieren kann. Unglaeubig hoerten sie meinen Erklaerungen zu. Die zweite Frage hatte ich schon erwartet: "Wieviele Soehne hast Du?" Auf diese Frage die Wahrheit zu antworten habe ich mir in Indien schnell abgewoehnt. Die Diskussionen waeren endlos. Eine Frau in meinem Alter die keine Kinder hat, ist entweder krank, geistesgestoert, oder sie ist verhext worden. Auch das ist kein Witz, Inder sind sehr aberglaeubisch.
Also meine Standardluege: 2 Soehne. "Wie alt?" 10 und 13. "Wie heissen sie?" Daniel und Jonas. "Wie lange bist Du verheiratet?" Oh weia, jetzt wurde es brenzlig, diese Frage hatte man mir noch nicht gestellt. Ich tat erst so als haette ich die Frage nicht verstanden um etwas Zeit zu gewinnen, und antwortete dann: 15 Jahre. Gleichzeitig hoffte ich dass sie Michael im Untergeschoss nicht dieselbe Frage stellen wuerden...
Ansonsten wollten sie noch von mir wissen welche Handarbeiten ich mache. Hier wollte ich nicht luegen, und ich versuchte zu erklaeren dass Handarbeiten nicht gerade meine Staerke sind, ausserdem habe ich ja einen Beruf dem ich nachgehe, da bleibt nicht so viel Zeit fuer Hobbies uebrig, versuchte ich mich aus der Situation zu stehlen. Aber damit waren sie nicht zufrieden, und auch mit "Lesen" und "Meditieren" konnte ich nicht bei Ihnen landen. Eine Frau MUSS doch irgendetwas handarbeiten! Schliesslich sagte ich dass ich sehr gut Brot und Kuchen backen kann, damit waren sie dann zufrieden, und meine Ehre gerettet, uff!
13. - 23. November - Varanasi
Jaipur zu verlassen war gar nicht einfach gewesen. Wir wollten ein Ticket fuer den 11. November kaufen - keine Chance, Warteliste Nr. 330. (d.h. wir wuerden nur einen Platz bekommen wenn vorher 330 Leute absagen) Also fuhren wir am 12. und wunderten uns dass es da kein Problem war ein Ticket zu bekommen. Erst im halbleeren Zug merkten wir dann weshalb: Der 12. war "Diwali" - das wichtigste Fest in Indien, und von der Wichtigkeit in etwa mit unserem Weihnachtsfest zu vergleichen. (Und wer wuerde denn bei uns schon gerne Heiligabend im Zug verbringen...) Wir genossen also den angenehm leeren Zug, hoerten in der Nacht immer wieder das Knallen der Feuerwerkskoerper, und kamen mit 3 Stunden Verspaetung dann nach 25 Stunden Zugfahrt in Varanasi an.
In Varanasi gehoert es zum Pflichtprogramm morgens gg. 5.30 Uhr aufzustehen und hinunter an die Ghats zu gehen, um dem bunten Treiben zuzusehen. Stundenlang kann man dort sitzen, schauen, plaudern und Chai trinken ohne sich zu langweilen. Nach ein paar Tagen, meist hat man dann schon seinen Stammplatz und wird freundschaftlich begruesst, lassen einem dann auch die Haendler und Bootsvermieter allmaehlich in Ruhe.
Und nach dem Mittagessen, wenn es dann draussen ohnehin unangenehm heiss wird, ist noch immer genug Zeit ein paar Stunden schlaf nachzuholen, bevor es dann am Abend wieder hinunter an die Ghats geht...
Michael war uebrigens in Varanasi beim Schneider und hat sich eine "Kurta" schneidern lassen! (Das ist das typische Gewand der indischen Maenner, und besteht aus einem etwa knielangen, seitlich geschlitzten Oberteil, und einer dazu passenden Hose.) Er sieht jetzt aus wie ein stilechter Inder ;-)
Unser Zug sollte Varanasi am fruehen Morgen um 5.30 Uhr verlassen. Also standen wir um 4.00 Uhr auf, und schlaftrunken, im Schein der Taschenlampe schlichen wir durch die engen, unbeleuchteten Gassen, immer darauf bedacht, nicht ueber einen schlafenden Hund zu stolpern, oder in ein Loch zu fallen. Nachdem wir das Gassengewirr hinter uns gelassen hatten, fanden wir dann auch einen schlafenden Rikshawfahrer der auf seiner Fahradrikshaw noch selig und suess traeumte. Wir waren spaet dran, und so mussten wir den armen Mann dann auch mehrmals antreiben, um auch ja nicht unseren Zug zu verpassen. Als wir am Bahnhof ankamen erfuhren wir dass der Zug Verspaetung hat, und erst um 7.30 Uhr fahren wuerde. Also suchten wir die Warteraeume auf, und nachdem der Warteraum fuer Maenner ziemlich voll war, und fuer mich ohnehin nicht angenehm gewesen waere, gingen wir gemeinsam in die "Only for Ladies-Waitinghall". Dort fand sich ein halbes Dutzend schnatternder, junger Inderinnen, die an Michaels Anwesenheit keinen Anstoss zu nehmen schienen, und die diesen Umstand eher amuesiert und tuschelnd zur Kenntnis nahmen.
Ich rollte meine Isomatte aus, und Michael doeste in einem der Stuehle vor sich hin. Wach wurde ich erst, als Michael anfing mit den kleinen Einweg-Chai-Tassen aus Ton, nach einer Ratte zu werfen, die im Begriff war mich zu belaestigen.
Die Ankunftszeit unseres Zuges war inwischen auf 8.30 Uhr verschoben worden, und von da an in regelmaessigen Abstaenden immer wieder um eine weitere Stunde.
Am Ende kam unser "Superfast Express" wie der Zug tatsaechlich hiess, mit 6 1/4 Stunden Verspaetung um 11.45 Uhr in Varanasi an.
Gelobt sei die Deutsche Bahn!
Hier geht es zu den Bildern aus:
Varanasi
23.- 28. November - Gaya, Bodhgaya
Schon als wir das Bahnhofsgebaeude in Gaya verliessen, war deutlich zu spueren dass wir nun in Bihar angekommen waren, dem aermsten Bundestaat Indiens, der nicht nur bekannt ist fuer seine agressiven Bettler, Raeuber und Banditen, sondern unter weiblichen Reisenden auch gefuerchtet ist wegen seiner aufdringlichen Maenner. Viele Maenner starrten mich auch unverbluemt mit eindeutigen Blicken an, und das obwohl Michael an meiner Seite ging. Ich benutzte also fortan einen Schal um meine Haare, und ein wenig mein Gesicht verbergen zu koennen, damit man mich nicht gleich auf den ersten Blick als Westlerin erkannte.
Auch die Suche nach dem richtigen Bus der uns ins 20km entfernte Bodhgaya bringen sollte, gestaltete sich sehr schwierig. Es starrten uns zwar alle an, aber fast niemand sprach englisch, Schilder gab es nur in Hindi, und keiner schien wirklich gewillt zu sein uns zu helfen. So gingen wir also einem Rikshawfahrer auf den Leim, der uns zu einer Art "privaten" Bushaltestelle brachte, dort ploetzlich behauptete der ausgehandelte Fahrpreis wuerde sich pro Person verstehen, und der vermutlich vom Busfahrer auch noch Komission einstrich...
In dem ueberfuellten Bus wurde die Anstarrerei dann besonders unangenehm, und Michael rief mehrmals lautstark: "He, das ist meine Frau, schau' gefaelligst woanders hin!" Natuerlich verstanden sie nur schwer was er meinte, und so nahm Michael ein paar Mal einen indischen Maennerkopf in die Haende und drehte ihn in eine andere Richtung. Das war dann verstaendlich - und ich musste mich bemuehen mein amuesiertes Grinsen hinter meinem Schal zu verstecken...
In Bodhgaya selbst herrschte dann wieder an eine voellig andere Atmosphaere. Dort steht naemlich der beruehmte Bodhi-Baum unter dem Buddha die Erleuchtung erfahren haben soll, und der Ort ist eindeutig in buddhistischer Hand. So hat jede erdenklliche buddhistische Richtung einen eigenen Tempel hier errichtet, und es gibt schaetzungsweise 25-30 verschiedene Tempel die man besuchen, und deren Eigenheiten man studieren kann. (Z.B. den japanischen Tempel, den thailaendischen Tempel, den tibetischen Tempel, den burmesischen Tempel, einen Tempel aus Darjeeling, aus Kambodscha, aus Bhutan, und viele, viele mehr...)
Kein Wunder also dass der Ort touristisch sehr erschlossen ist, aber wir hatten das Glueck ein kleines tibetisches Kloster zu finden, dass auch einige Zimmer an westliche Gaeste vermietete, und dass nur selten von Besuchern aufgesucht wurde. Nur 4 Moenche und zwei Nonnen leben dort, und schon der Blick von unserem Balkon auf den gruenen, schattigen Garten war Balsam fuer die Seele. Den hauseigenen kleinen Tempel konnte man jederzeit zum Meditieren aufsuchen, und die Ruhe des Gelaendes tat einfach gut.
Im Eye-Camp
In Bodhgaya wird jedes Jahr im November eine Augenklinik, die nur aus einer Zeltstadt besteht, errichtet. Ein reicher Juwelenhaendler finanziert das Unternehmen, und sorgt somit dafuer, dass sich in diesen 4 Wochen, 20.000 Menschen am "Grauen Star" operieren lassen koennen. Durch Mangelernaehrung in der Kindheit ist diese Krankheit weit verbreitet, und nur die Wenigsten waeren in der Lage eine solche Operation selbst zu finanzieren.
Da wir die einzigen Westler waren die das Eyecamp besuchten, noch dazu mit medizinischen Berufen ausgestattet, war es dem Personal dort eine Freude uns durch das Camp zu fuehren und uns alles zu zeigen und zu erklaeren. Nur fuer das OP-Zelt bekamen wir keine Zutrittserlaubnis, was mich erleichtert aufatmen liess. An haarstraeubenden hygienischen Bedingungen gab es auch so genug zu sehen...
Die Operationen fanden uebrigens nicht unter Vollnarkose statt, sondern nur unter lokaler Betaeubung, d.h. die Patienten sind waehrend der ganzen Prozedur bei vollem Bewusstsein!
Am eindrucksvollsten fand ich das Post-OP-Zelt. Da lagen etwa 50 Patienten dicht nebeneinander auf einem Podest, mit dem Kopf zum Gang hin. Und Volunteers, ohne jede medizinische Ausbildung, traeufelten Augentropfen in die frisch operierten Augen, und legten unter Anleitung des Krankenpflegepersonals Verbaende an...
Das Aerzteteam besteht uebrigens aus 15 Homoeopathen, und nur 6 Schulmedizinern! Zumindest in diesem Punkt hat das Eye-Camp unseren westlichen Krankenhaeusern einiges vorraus!
In der Schule
Am naechsten Tag besuchten wir noch ein Schulprojekt, etwas ausserhalb von Bodhgaya, in einem kleinen Dorf gelegen. Ein ehemaliger Hindu, der zum Buddhismus uebergewechselt ist um dem Kastensystem zu entgehen, hat es sich zur Aufgabe gemacht den Kindern der Armen die kostenlose Moeglichkeit einer Schulausbildung zu geben.
In seinem kleinen Backsteinhaus werden 150 Kinder aller Alterklassen, und ungeachtet ihrer Kaste unterrichtet, und in einem kleinen Anbau sollen demnaechst Uebernachtungsmoeglichkeiten fuer Kinder geschaffen werden, die eine weite Anreise haben.
Michael war begeistert von dem Projekt, und haette dort gerne fuer einige Zeit mitgearbeitet, aber das liess sich nicht wirklich gut mit seinem Wunsch verbinden, ueber Weihnachten bei seinen Jungs in Spanien zu sein, und so verwarf er diesen Gedanken wieder.
Hier geht es zu den Bildern aus:
Bodhgaya
28. + 29. November - Patna, Sonepur-Mela
Gefaehrliches Bihar hin oder her - ich hatte mir in den Kopf gesetzt die "Sonepur-Mela" zu besuchen, eine Art riesiger Jahrmarkt, und ausserdem der angeblich groesste Viehmarkt Asiens! Jim, ein Luxenburger den wir in Varanasi getroffen hatten, hatte mir diesen Floh ins Ohr gesetzt, und per email hatten wir verabredet uns dort zu treffen.
Wir standen also wieder einmal in aller Herrgottsfruehe auf, und verliessen unser Kloster auf Zehenspitzen, um den 7.00-Uhr-Bus nach Patna zu erwischen.
"Sorry, today no bus" war die lapidare Antwort die wir erhielten als wir an der Bushaltestelle ankamen. (Und dabei hatten wir uns extra am Vorabend vergewissert dass der Bus auch tatsaechlich faehrt!) That's India...
Also fuhren wir mit einer Sammelrikshaw zurueck nach Gaya, in der Hoffnung moeglichst bald einen Zug nach Patna zu bekommen.
Am Fahrkartenschalter war es, wie meistens, mein Job unsere Fahrkarten zu besorgen, denn wenn es schon keine extra "Ladies Que" gibt, dann findet sich meist sehr schnell ein aelterer indischer gentleman der mich fuersorglich am Arm nimmt, und dafuer sorgt dass ich schnell drankomme. Bei der Laenge die Warteschlangen in Indien aufweisen koennen, ist das ein echtes Geschenk! Aber ich hatte wohl vergessen dass ich mich in Bihar befand. Hier ging es richtig ruede zu, und Gewinner war offensichtlich der, der die kraeftigsten Ellenbogen hat. (Ich vermute dass dieses Verhalten ganz einfach mit der hier herrschenden Armut zu erklaeren ist. Wer zuerst kommt wird satt, und wer sich vornehm zurueckhaelt fuer den bleibt nichts mehr uebrig am Ende...)
Immerhin hatte ich es schon geschafft bis auf etwa einen halben Meter an den Schalter heranzukommen, als sich ein Mann, den ich schon einmal auf seinen Platz hinter mir verwiesen hatte, schon wieder versuchte sich an mir vorbei zu quetschen. Diesmal packte ich ihn an der Schulter und schubste ihn nach hinten, worauf er mich verdutzt ansah. Gleichzeitig schob sich schon wieder eine andere Hand voller Muenzen und Scheine links von mir vorbei, in Richtung Schalter. Ich schubste auch diese Hand energisch zur Seite worauf die Muenzen klirrend zu Boden fielen - I'm so sorry... Nun, ich konnte es mir leisten mutig zu sein, wusste ich doch dass Michael in der Naehe war. Schliesslich wurde mir die Sache zu bunt, ich griff zur letzten Waffe und wurde laut - eine schreiende Westlerin zieht meist schnell einen Wachmann, oder zumindest einen indischen Helden an. Gleichzeitig kam Michael von der Seite, stimmte in mein Geschimpfe mit ein, und zerrte 2 andere Draengler zur Seite. Durch den Tumult wurde zumindest der Fahrkartenverkaeufer auf mich aufmerksam, das Meer der Draengler teilte sich vor mir, und ich konnte endlich zwei Fahrkarten kaufen, uff!
Am Bahnsteig sitzend las ich in der Zeitung: "Geschaeftsmann im Zug nach Patna am hellichten Tage von Raeberbande erschossen und ausgeraubt" Und weiter: "...dies ist der 27. Mord in einem Zug in Bihar, seit Minister XY im Amt ist" Ich ueberlegte mir wie lange wohl dieser Minister im Amt sein mochte, denn das ging aus dem Artikel nicht hervor - 10 Jahre? oder nur 3 Monate ??? Ich begann Zweifel zu hegen ob es denn wirklich so eine gute Idee gewesen war hierher zu kommen...
Der Zug war voellig ueberfuellt, und nur mit Glueck hatten wir zwei Sitzplaetze ergattern koennen. Aber beim Aussteigen wurde das erst so richtig "lustig", denn anstatt die Leute die rauswollten erstmal austeigen zu lassen, stuermten die Massen in ausgesprochen aggressiver Manier schon vorher das Abteil.
Danach noch eine 30-minuetige Busfahrt, und 20 Minuten mit der Fahrradrikshaw... Zum ersten Mal fragte ich mich warum ich nicht einer von diesen Pauschaltouristen sein kann, die in Luxusbussen mit Aircondition sitzen, und deren Reiseleiter alles fuer sie regelt...
Auf der Sonepur-Mela
Als wir am Nachmitttag auf diesem riesigen Gelaende ankamen, hatten wir noch keine Ahnung wo wir uebernachten wuerden. Wir hatten zwar gehoert dass es fuer Touristen eine Unterkunft geben sollte, aber naeheres war vorher nicht zu erfahren. Hier wurden wir nun noch viel mehr angestarrt als bisher, und in vielen erstaunten Gesichtern konnte man lesen, dass sie wohl noch nie zuvor einen Menschen mit weisser Haut, oder gar hellen Augen gesehen hatten. Niemand sprach Englisch, und uns wurde zunehmend mulmig zumute, denn auch auf unserem Weg hierher hatten wir nirgends ein Hotel oder ein Guesthouse ausmachen koennen...
Schliesslich sprachen wir einen Wachmann an, und der brachte uns zu einem eigens fuer Touristen abgesperrten, und bewachten Areal, wo wir freudig begruesst wurden. Dies war erst das zweite Jahr dass es diese Moeglichkeit hier gab, und es sollte damit versucht werden den Tourismus in Bihar ein wenig anzukurbeln. Der Chef fuerhte uns herum und zeigte uns stolz seine recht exklusiv aussehenden Cottages (kleine Huetten aus Stroh). Die waren wirklich huebsch gemacht, und jede Huette hatte ihr eigenes Bad, Moskitonetze, und einen kleinen Bereich zum draussensitzen. Stolz war allerdings auch der Preis: 2000 Rupies sollte eine Nacht in einer diesen Huetten kosten - etwa 20x soviel wie der sonst uebliche Zimmerpreis. Das Entsetzen war uns wohl ins Gesicht geschrieben, aber keine Sorge, beruhigte uns der Chef, es gibt auch einen Schlafsaal, da kostet eine Nacht nur 100 Rs pro Person. Und in dem Schlafsaal fanden wir zu unserer Freude dann auch Jim und einen jungen Spanier vor, den wir auch in Varanasi schon gesehen hatten.
Aber ploetzlich druckste der Chef ganz eigenartig herum, irgendwas schien nicht zu stimmen. Bis er mich dann zur Seite winkte, und mir mitteilte dass er sich mit seinem Team beraten habe, und man zu der Ueberzeugung gekommen sei, dass es mir als Frau nicht zuzumuten waere, 2 fremde Maenner mit im Zimmer zu haben. Ich solle doch bitte mit meinem Ehemann in Cottage Nr.3 einziehen, selbstverstaendlich zum Schlafsaalpreis! Spaetestens daran konnte man merken dass er mit westlichen Touristen offensichtlich wenig Erfahrung hatte. Unglaeubig vergewisserte ich mich ob er nicht doch am naechsten Morgen 2000 Rs kassieren wuerde, aber er schien fast ein weinig gekraenkt ueber diese Frage.
Als Michael sah dass ich unsere Sachen wieder aus dem Schlafsaal raeumte, fragte er mich verdutzt: "He, was machst Du da?"
"Wir ziehen in Huette Nr. 3, denn diese furchtbaren Zustaende hier, die sind mir ja nicht zuzumuten!"
Auf dem Markt gab es allerhand zu sehen und zu entdecken:
Kuehe und Bueffel: Sicherlich tausende von diesen Tieren. 2000 bis 4000 Rs (ca. 32 - 64 Euro) zahlt man fuer solch eine Heiligkeit.
Pferde: 10.000 - 50.000 Rs (160 - 800 Euro) zahlt man fuer ein Pferd, je nach Alter, Rasse und Verwendungszweck. Da die Kaeufer von weit her kommen, wunderten wir uns wie sie die gekauften Tiere denn nachhause bringen, und uns wurde erklaert dass es in Indien kein Problem sei ein Pferd per Zug zu transportieren. Aehnlich wie beim Versand eines Motorrades kauft man ein Ticket, gibt das Pferd ab, und kann es dann am Zielbahnhof wieder in Empfang nehmen. (Ob waehrend der stunden- bzw. tagelangen Fahrt jemand nach dem Tier sieht, wage ich allerdings stark zu bezweifeln...)
Zu meinem Erstaunen erfuhren wir dass maennliche Pferde in Indien niemals kastriert werden, und um so verwunderlicher war es zu sehen, wie die Hengste zwar mit Abstand, aber ganz ohne Theater relativ dicht nebeneinander angebunden waren.
Auf einer breiten langen Sandbahn hatten die potientiellen Kaeufer die Moeglichkeit die Tiere "probezureiten". Was wir dabei zu sehen bekamen, ist fuer Pferdefreunde allerdings starker Tobak. Die Pferde wurden mit einer scharfen Zaeumung versehen, und in einer ungewoehnlichen Gangart, (einer Art Passgang) auf dieser Sandbahn hinauf und hinunter gehetzt. An den Zuegeln wurde gezerrt und gezogen - und wenn das Tier dann noch immer nicht funktionierte, dann wurde eben die Peitsche benutzt, und das nicht zu knapp. Wir sahen etliche Pferde die schliesslich schweissgebadet, zitternd und voller Striemen vom Platz gefuerht wurden. Mag sein dass ich von der indischen Art zu Reiten keine Ahnung habe, aber pferdefreundlich sah dass jedenfalls nicht aus, und so hatte ich auch keine Lust mir das laengere Zeit anzusehen.
Aber immerhin war es das erste Mal seit wir in Indien sind, dass ich wohlgenaehrte Tiere mit richtig runden Kruppen zu Gesicht bekam! Bei den abgemagerten Pferden (und Kuehen!) die wir sonst so auf den Strassen sehen, wundere ich mich haeufig wie diese Tiere, in ihrem fast immer erbaermlichen Zustand, ueberhaupt noch in der Lage sind ihre schwere Arbeit zu verrichten. Es ist leider kein Witz, aber die Inder behandeln ihre Zugtiere genau wie ihre Maschienen. D.h. wenn der abgemagerte Ochse vor dem Karren zusammenbricht, dann wundern sie sich noch weshalb... (Kuehe gelten zwar als heilig - aber das heisst nicht automatisch dass sie auch so behandelt werden wuerden!)
Elefanten: Mit einem Kaufpreis von 300.000 - 400.000 Rs (4.800-6.400 Euro) ist ein Elefant das teuerste Tier das man dort erstehen kann. Natuerlich koennen sich das nur sehr reiche Leute und Maharadjas leisten, fuer die ein Elefant eine Art Statussymbol darstellt. Eindrucksvoll war es den Mahouts (Elefantenfuehrern) bei der Bemalung der Tiere zuzusehen.
Kleintiermarkt: Ein trauriges Kapitel. Hundewelpen (meist Deutsche Schaefer!) Katzen, Meerschweinchen, Hasen, Voegel, Papageien - viele zu viele Tiere in viel zu kleinen Kaefigen, fast alle krank, mit verkrusteten Augen und voller Parasiten sahen wir. Hundewelpen, die viel zu frueh von ihren Muettern getrennt wurden, und die mit ihren kleinen Pfoten gar nicht in der Lage waren auf den Gitterstaeben in ihren Kaefigen zu laufen, boten einen erbaermlichen Anblick. Haeufig waren so viele Tiere in einen Kaefig gepfercht dass sie uebereinander liegen mussten, und viele Kaefige standen voellig ungeschuetzt in der prallen Sonne... Gleich um die Ecke fanden wir dann auch einen ganzen Haufen voller verendeter Tiere die diese Tortur nicht ueberlebt hatten. So ist das in Indien, nur die Staerksten ueberleben.
Wie ich damit umgehe wenn ich sowas sehe? Mir blutet das Herz! Aber gleichzeitig weiss ich auch dass dieses Land ganz andere Probleme hat, als die Gefuehlsduselei einer vielleicht sehr verwoehnten Westlerin...
Motorrad-Show: Zwei sehr ernst dreinblickende Maenner fuhren auf ihren Motorraedern in einer Art Arena mit steil aufgestellten Waenden immer im Kreis herum und vollfuerhrten langweilige Kunststuecke. Die ganze Show war mit westlichen Masstaeben gemessen, einfach nur laecherlich, aber die ernsten Mienen der beiden "Helden" sorgten dafuer dass wir uns koestlich amuesierten. Diese 5 Rupees war die Show auf jeden Fall wert!
Vergnuegungspark: Wollte man sich selbst in wagemutige Abenteuer stuertzen, und war man lebensmuede genug, so gab es auch dafuer Gelegenheiten. Ein Riesenrad stand zur Verfuegung, sowie ein Kettenkarussel und aehnliche, voellig veraltete Geraetschaften, die man bei uns hoechstens im Museum findet. Ich fuer meinen Teil, empfinde schon beim ganz normalen indischen Strassenverkehr genug Nervenkitzel, so dass ich darauf gerne verzichtete.
Erotikshow: Sobald es dunkel wurde, warben drei gleichartige, in direkter Nachbarschaft liegende Etablissements mit Lautsprechern, und stuemperhafter Neonbeleuchtung um maennliche Kundschaft. Vor den grossen, hohen Toren draengten sich hordenweise indische Maenner, um vielleicht doch einen kurzen Blick ins Innere erhaschen zu koennen. Aber nur wer den, fuer indische Verhaeltnisse, stattlichen Eintrittspreis von 50-70 Rupees bezahlte, kam in den vollen Genuss dieser Show. Leider war Frauen der Zutritt verwehrt, und Michael hatte wirklich keine Lust sich alleine in die lange Schlange gaffender Maenner einzureihen um sich um eine Eintrittskarte zu streiten, was ich sehr gut verstehen konnte. Trotzdem waren wir natuerlich neugierig zu erfahren was man sich denn im prueden Indien, in dem Frauen nur im Sari schwimmen gehen, unter einer "Erotik-Show" vorzustellen hat. Jim befriedigte schliesslich unsere Neugier und bestaetigte uns was wir schon so in etwa geahnt hatten: Auf einer Buehne tanzen 10-15 junge Maedchen vor sich hin, bekleidet mit einem Bikini und einem Minirock, waehrend sie von hunderten gieriger Maenneraugen angestarrt werden. Das ganze dauert 20 Minuten, und dann muessen die Gaffer schon wieder den Saal raeumen um Platz zu machen fuer die naechste Horde...
Ja, angestarrt wurden wir ebenfalls, dauernd und ueberall. Und kaum hatte man uns entdeckt, wurden wir regelrecht belagert. Egal wo im Markt wir uns auch befanden, meist folgte uns eine ganze Gruppe neugieriger Inder die stetig wuchs. Einige versuchten uns auch anzusprechen, aber fast immer war deren Vokabular nach "Which country?" und "What's your name?" schon vollkommen erschoepft.
Erst nach Einbruch der Dunkelheit war es dann einfacher fuer uns sich zu bewegen, denn dann wurden wir nicht sofort als Touristen erkannt. Allerdings beschwor uns der Chef des Camps regelrecht, nach 19.00 Uhr nicht mehr auf dem Markt unterwegs zu sein, da es dann fuer uns zu gefaehrlich werden wuerde. Wenn wir unbedingt noch zu spaeterer Stunde unterwegs sein wollten, dann sollten wir doch bitte um 19.00 Uhr im Camp vorbeikommen, um uns eine Eskorte von bewaffneten Wachmaennern dort abzuholen, die uns dann begleiten wuerde. Wir nahmen dieses Angebot aber nicht an, denn mit Bodyguards durch den Markt zu laufen, da waeren wir uns noch komischer vorgekommen als wir uns ohnehin schon fuehlten. Statt dessen kamen wir um 20.00 Uhr zurueck, und fanden einen schon leicht nervoesen Campchef vor, der dann aber sehr erfreut war zu hoeren, dass seine Schaefchen nicht mehr vorhatten sich ins Nachtgetuemmel der Mela zu stuerzen...
Ich kann seine Sorgen schon verstehen, schliesslich hoffte er darauf bald schon ganze Busladungen von Pauschaltouristen in seinem Camp begruessen zu duerfen. Und sollte uns irgendetwas zustossen, dann waere das natuerlich ganz ganz schlecht fuer das makellose Image um dessen Aufbau man dort so sehr bemueht war...
Am naechsten Abend machten wir uns wieder auf den Rueckweg nach Patna, nahmen dort unsere am Bahnhof deponierten Rucksaecke wieder in Empfang, und waren froh, Bihar unversehrt wieder verlassen zu koennen. Der Nachtzug brachte uns in weiter in Richtung Osten, und am naechsten Morgen erreichten wir Kalkutta...
1. - 8. Dezember - Kalkutta
Eine Stadt, laut und schmutzig wie viele indische Grosstaedte, und doch irgendwie ganz anders. Immerhin die einzige Stadt in der es keine Kuehe auf der Strasse gab, und die Erste in der wir Ampeln sahen, die von den Verkehrsteilnehmern beachtet wurden! (In Delhi gibt es natuerlich auch Ampeln, aber dort dienen sie ausschliesslich der Dekoration...)
Ebenfalls einmalig in Kalkutta sind die hageren Rikshaw-Maenner, die ihre Rikshaws per Hand ziehen, und die ihr mageres Einkommen von Zeit zu Zeit im Rotlichtbezirk der Stadt aufbessern muessen. Sie fuehren ein kurzes, hartes Leben, und wer sich scheut ihre Dienste in Anspruch zu nehmen, hilft ihnen damit nicht.
In Kalkutta sind sehr viele Hilfsorganisationen ansaessig, und wie wir gehoert haben sind diese eine der besten Einnahmequellen fuer koruppte Staatsbedienstete, denn nicht selten muss ein hoher Anteil der Spenden als Schmiergeld gezahlt werden, um auslaendische Spendengelder ueberhaupt ins Land holen zu koennen. Das nennt man dann ganz elegant "Komission" Diese Praxis ist in ganz Indien absolut gaengig. Das faengt beim Busfahrer an der nicht seine ganzen Einnahmen beim Unternehmer abliefert, und hoert auch in den hohen Regierungsreihen noch lange nicht auf.
Ebenfalls sehr umstritten ist die Arbeit von Mutter Theresa und ihr Umgang mit Spendengeldern, aber um die Geruechtekueche nicht weiter zu schueren enthalte ich mich hier eines jeden Urteils. Ausserdem war unser Besuch in zwei ihrer Einrichtungen auch viel zu kurz gewesen um ein tiefergehendes Statement abgeben zu koennen. Wer sich dafuer interessiert, der findet im www jede Menge Info's und Artikel darueber...
Im Waisenhaus von Mutter Theresa
Eine indische Schwester im typisch weissen Sari zeigte uns das Haus, in dem etwa 300 Kinder im Alter bis zu 6 Jahren leben. Ich war angenehm ueberrascht, alles in sauberem und gepflegtem Zustand anzutreffen. (Und das sogar richtig sauber, und nicht nur "indisch-sauber"... )
Im Obergeschoss war die Abteilung der behinderten Kinder, und man konnte westliche Frauen sehen die dabei halfen die Kinder zu fuettern, oder mit ihnen zu spielen. Jede Frau ist willkommen dort mitzuhelfen - ob nur fuer eine halbe Stunde oder mehrere Wochen spielt dabei keine Rolle. (Um die Kinder vor paedophil veranlagten Maennern zu schuetzen, sind dort nur Frauen zugelassen)
Die Helferinnen koennen dort kommen und gehen wie sie wollen, und diese Praxis wundert mich schon, denn Kinder in diesem Alter sind doch auf eine stabile Bindung zu einer verlaesslichen Person angewiesen, denke ich mir. Andrerseits - bevor sich niemand um die Kinder kuemmert, bzw. Zeit hat mit ihnen zu spielen... Wie auch immer, am meisten berruehrt hat mich ein Besuch in der Adoptionsabteilung der Zweijaehrigen. Etwa 40 Kinder warteten dort darauf dass kinderlose Paare kommen um sich eines der Waisenkinder auszusuchen, es zu adoptieren, und es schliesslich in ihr Heimatland mitzunehmen. Mir war es, als wuerden diese Zweijaehrigen ahnen, wie sehr ein Besucherpaar ihr kuenftiges Leben beeinflussen koennte. Neugierig versuchten sie direkten Kontakt aufzunehmen, oder winkten uns von Weitem zu.
Mich erinnerte das an die Atmosphaere in einem Tierheim, und ich wurde diesen Gedanken den ganzen Tag ueber nicht mehr los...
Im Hospiz von Mutter Theresa
Am Kali-Ghat, dem Ort an dem Mutter Theresa vor vielen Jahren ihre Arbeit in Kalkutta begann, gibt es Platz fuer etwa 100 Menschen die in zwei grossen Saelen, nach Geschlechtern getrennt, hier medizinische Hilfe und Versorgung bekommen.
Auch hier ist es freiwillgen Helfern aus dem Westen jederzeit gestattet mitzuarbeiten, ganz ohne Voranmeldung und ohne irgendwelche Verpflichtungen. Wir hatten das Glueck zwei Deutsche zu treffen die dort schon seit ein paar Tagen arbeiteten, und die uns einiges ueber ihre Arbeit und das Haus berichten konnten. Wir fragten, ob es denn niemanden gibt der die zahlreichen Hilfskraefte irgenwie einteilt und koordiniert, und die Antwort war: "Jeder sucht sich seine Arbeit selber, und macht das was er am Besten kann. Und wenn grad' jemand da ist der gut organisieren kann, dann organisiert derjenige eben."
Im Moment fehlte es offensichtlich an einem solchen Talent, denn die meisten Mitglieder einer 20-koepfigen Hilfsgruppe aus Korea, die an diesem Morgen angereist waren, standen hilflos, und ziemlich ueberfluessig in der Gegend herum...
Auch die Entscheidung ob und wann Handschuhe und Mundschutz getragen werden sollten, blieb jedem selbst ueberlassen. Die medizinisch voellig unerfahrenen Helfer, (und das waren die meisten!) wurden noch nicht einmal ueber Ansteckungswege und Gefahren fuer ihre eigene Gesundheit informiert, obwohl diese Leute hier permanent mit TBC, HIV, Lepra u.ae. in Kontakt kommen...
Direkt am Eingang der Maennerseite lag eine junger, abgemagerter Mann auf einer Pritsche. An beiden Hueftknochen waren riesige offene Wunden zu sehen, die von zwei Freiwilligen gerade fachmaennisch versorgt wurden. Noch nie zuvor hatte ich dermassen grosse Dekubiti gesehen, noch dazu bei einer so jungen Person.
Wir wurden Albert vorgestellt, einem Schweizer, der seit vielen Jahren als Streetworker an den Bahnhoefen und in den Slums Kalkuttas unterwegs ist, und dessen erfahrener Spuersinn entscheidet, wer tatsaechlich Hilfe braucht. Den nimmt er dann mit, wobei er fast immer Schwierigkeiten hat einen Taxifahrer zu finden der bereit ist, solch einen kranken, stinkenden, und vielleicht noch blutenden Menschen in sein Taxi zu lassen.
Obwohl dieses Haus als Hospiz bekannt ist, sterben laengst nicht alle die hierher gebracht wurden, erklaerte uns Albert. Etliche werden nur ein wenig aufgepaeppelt, um dann wieder auf die Strasse entlassen zu werden. "Wir haben hier nicht den Anspruch das Elend Kalkuttas abzuschaffen, denn sonst wuerden wir verzweifeln." sagt er. "Unsere Aufgabe kann es nur sein das groesste Leid zu lindern, auch wenn dieselben Leute im naechsten Monat vielleicht wieder hier landen"
Waehrend wir mitten in dem Raum standen und redeten, war ein gar nicht so alter Mann gestorben, ohne dass wir es bemerkt hatten. Albert schloss ihm noch die Augen als seine Leiche an uns vorbei getragen wurde.
Das taegliche Sterben gehoert hier zum Alltag wie Essen und Schlafen, und es wird auch genauso natuerlich gehandhabt. Die sterbende Person wird nicht abgeschottet und versteckt wie bei uns ueblich, sondern macht ihren letzten Atemzug im Beisein aller gerade im Raum anwesenden.
Spaeter hat mir allerdings ein Helfer, ein ausgebildeter Rettungsassistent der fuer mehrere Wochen dort gearbeitet hatte erzaehlt: "Weisst Du, manchmal ist das ganz schoen hart. Da es so wenig Fachpersonal gibt, werden viele Dinge einfach nicht erkannt. So werden beispielsweise nicht selten Patienten als praefinal eingestuft und sterben, die noch jung waren, und eigentlich nur ein Antibiotikum gebraucht haetten."
Soweit meine Eindruecke von zwei der 8? verschiedenen Haeuser Mutter Theresas im Herzen von Kalkutta.
Ja, was taten wir sonst noch, ueber eine Woche lang in dieser Stadt? Ich hatte ein wenig Heimweh nach westlicher Musik und Milchkaffe, und verbrachte viele Stunden lesend und tagebuchschreibend im "Barista", einer Filiale einer ziemlich teuren indischen Kaffeehauskette, die auf Touristen und die reichere Oberschicht abzielt. Normalerweise meiden wir ja solche Lokale, aber dort bekommt man den einzigen ordentlichen Milchkaffee in ganz Indien, und kann noch dazu Klaengen von Cat Steven, Brian Adams, Eric Clapton, u.s.w. lauschen� Nach nun schon 6 Monaten ohne Stereoanlage war ich was Musik angeht schon etwas auf Entzug.
Ausserdem kauften wir uns zwei Westerngitarren, und seitdem uebe ich mich mehr oder weniger fleissig darin meine Finger zu trainieren. Aber es gibt Akkorde, fuer die ich wohl die Hilfe eines Handchirurgen in Anspruch nehmen muss. Na, mal sehen was das wird�
Viel Zeit verbrachte Michael mit der Recherche nach einem guenstigen Flug ueber Weihnachten nach Europa, was sich anfangs als gar nicht so einfach darstellte. Aber er fand schliesslich doch noch ein zeitlich und preislich guenstiges Ticket, und sobald der Kauf unter Dach und Fach war, buchten wir auch unser Zugticket, um endlich in den Sueden Indiens zu kommen, von dem wir nun schon soviel gehoert hatten.
Es lag also unsere bisher laengste Zugfahrt vor uns: 32 Stunden bis Chennai...
Hier geht es zu den Bildern aus
Sonepur Mela und Kalkutta
10. - 17. Dezember - Chennai, Mamalapuram
Gluecklicherweise hatte ich mir in Kalkutta noch ein paar neue Sandalen gekauft, denn meine schoenen bequemen, wenn auch schon sehr mitgenommenen "Jack Wolfskin"- Sandalen wurden mir im Zug geklaut. Und dabei hatte ich den Dieb sogar gesehen als er auf meine Schuhe, die unter dem Sitz standen zeigte, und einen anderen Reisenden gefragt hatte ob er wisse wem denn diese Sandalen dort gehoerten. Ich wollte mich gerade darum kuemmern und sie wegstellen, als Michael, beladen mit 2 grossen Portionen dampfender Chapatis hereinkam, und ich dadurch kurz abgelenkt war. Und im naechsten Moment waren meine Sandalen, und die eines anderen Mitreisenden verschwunden...
In Chennai angekommen, konnten wir sofort in einen Bus steigen, und erreichten 2 Stunden spaeter den fuer seine Steinmetze beruehmten Ort Mamalapuram, der direkt am Meer liegt.
Wir quartierten uns etwas abseits der Touristenmeile, im "Handwerkerdorf " ein, und erholten uns ersteinmal von den Strapazen der Grosstadt. Wir sassen in unserem gemuetlichen Hof unter Palmen, beobachteten die flinken Streifenhoernchen auf den Huettendaechern, und ich versuchte mich bei dem sehr misstrauischen Hund des Hauses mit Keksen einzuschmeicheln. Michael kochte Chai, und wir uebten gemeinsam Gitarre, oder verliehen eine Gitarre, um den Klaengen eines Koenners zu lauschen.
Nachdem wir in einem der Touristenlokale fuer teures Geld verdorbene Garnelen serviert bekamen, schworen wir diesen Restaurants dann endgueltig ab, und assen nur noch in den kleinen, schmutzigen Lokalen der Einheimischen, in denen das Essen fast immer frisch zubereitet wird, und in denen es keine englischsprachige Menuekarte gibt. Einige Male kauften wir uns an den Strassenstaenden Samosas (mit scharfem Gemuese gefuellte Teigtaschen), Pakoras (frittiertes Gemuese im Teigmantel), und eine Flasche Bier dazu, und speisten dann bei Sonnenuntergang am Strand, auf einem alten Fischerboot sitzend, und den warmen Wind geniessend...
Und hier die Fotos dazu:
Mamalapuram
Und am Morgen des 17. Dezembers machten wir uns dann auf um Mamalapuram in getrennten Richtungen zu verlassen. Michael fuhr mit dem Bus zurueck nach Chennai (2 Stunden), stieg dort in den Nachtzug nach Bombay (24 Stunden), und flog dann einen Tag spaeter weiter nach Frankfurt (10 Stunden). Wiederum 3 Tage spaeter startete dann sein Flugzeug nach Barcelona, und inzwischen habe ich erfahren dass er gut bei seinen Jungs in den Bergen Nordspaniens angekommen ist! (Hey Ihr 3, wenn Ihr das lest, dann fuehlt Euch herzlich gedrueckt! Ich habe schon 3 SMS mit meinen Weihnachtsgruessen an Euch geschickt, aber ich glaube nicht dass die angekommen sind, oder?)
Und seitdem bin ich also alleine in dem "grossen boesen Indien" wie Michael zu sagen pflegt ;-) Ich bin dann mit dem Bus, und einem Gepaeckstueck mehr (meiner Gitarre) 5 Stunden in Richtung Sueden gefahren...
17. Dez - 25. Dezember - Thiruvannamalai
Dieser Ort liegt direkt am Fusse des angeblichen aeltesten Berges der Welt, und der Ashram von Ramana Maharishi ist ein grosser Anziehungspunkt, aber laengst nicht so komerziell ausgeschlachtet wie z.b. der Osho-Ashram in Poona.
Als ich hier ankam, so ganz ohne Stadtplan, mit meinem vielen Gepaeck, (fast haette ich die Gitarre beim Umsteigen im Bus liegen lassen) da pruegelten sich schon die Rikschaw-Wallahs um meine Zuwendung... Ploetzlich sprach mich ein sehr netter Inder (Computerspezialist aus Bangalore) der im Bus hinter mir gesessen hatte, an.
Kurzum, er wollte auch zum Ashram, bot sich als Traetger fuer meine Gitarre an, und handelte erstaunlich schnell den Fahrpreis runter. (Da kann man echt neidisch werden, was bei uns Westlern aeusserst harte, aufreibende Verhandlungen erfordert, geht bei Indern innerhalb von 2 Saetzen..)
Im Ashram kann man jedoch nur nach Voranmeldung, und selbst dann nur fuer hoechstens 3 Tage wohnen. Aber wenigstens konnte ich dort mein Gepaeck sicher deponieren um unbehelligt auf Zimmersuche gehen zu koennen. Es war gar nicht so einfach etwas zu finden. Alles voll, und fast ueberall doppelte Preise. Aber nach einigem Suchen fand ich doch noch ein schoenes grosses, sauberes Zimmer mit eigenem Bad. Zwar hat es nur wenig Tageslicht, aber da ich die grosse, schattige Dachterasse mitbenutzen kann, ist das zu verschmerzen.
Inzwischen habe ich auch Laxman getroffen, einen Hollaender der schon seit 12 Jahren jeden Winter hier in Thiru. Verbringt, und den wir an der Gangesquelle getroffen hatten. Er hat mir dann den Ashram gezeigt, ist mit mir auf einen kleinen Berg gewandert und in einer Art Hoehle, in der Ramana Maharishi fuer Jahre gelebt und meditiert hat, haben wir zusammen gesessen und ebenfalls meditiert. Nachmittags hat er mir dann sein Haus gezeigt. Es liegt schoen ruhig, etwas ausserhalb. ( Fuer 2 einfache Raeume mit kleiner Kueche und Bad zahlt er nur 1800 Rs im Monat!)
Vor einigen Tagen sind wir dann noch gemeinsam um den heiligen Berg gewandert, in etwa 4 Stunden. Eine schoene Wanderung, aber meine neuen Sandalen sind dafuer nicht geeignet. Ausserdem ist es schon wegen der Schlangen sicher besser geschossene Schuhe zu tragen, beim Wandern in der Natur. (Kaum war ich froh die Kobra-Gegend Mamalapuram verlassen zu haben, erzaehlte mir hier jemand dass es hier sehr viele Vipern gibt, die viel angriffslustiger sind als Kobras. Aber ich will mir mal nicht allzuviele Sorgen um meine Huelle machen ;-)
Ansonsten zeigt mir Laxman die ganzen Indider-tips, die ich alleine nur schwer, wenn ueberhaupt finden wuerde. Als erstes hat er mich um die Mittagszeit in einen Hinterhof geschleppt, da sassen in einer Art Kueche etwa 20 Westler und auch einige Inder in Reihen auf dem Boden. Und eine runde, indische Mamma vom Typ "Hart aber herzlich" verteilte Riesenberge leckeres Gemuese und Reis auf den Tellern. (Auf Nachfrage bekommen ungeuebte Bleichgesichter sogar einen Loeffel -und einen veraechtlichen Blick ;-) Fuer 25 Rupees� und sein Geschirr spuelt man anschliessend selber. Aber man muss puenktlich um 12.00 da sein, sonst gibt's einen Anschiss ;-)
Der Ort an sich hat eigenltich nichts Besonderers zu bieten, aber die Atmosphaere ist sehr schoen. Die Leute die hier haengen bleiben sind wirklich an Spiritualitaet und Meditation interessiert � nicht an Drogen und Alkohol. Ich glaube es gibt hier mehr Ashrams als in Rishikesh, aber kaum Israelis. (Und die paar die ich bisjetzt hier getroffen habe sind nicht von der unangenehmen Sorte)
Vor einigen Tagen war ich am Abend noch im "Manna-Caf�". Ein blonder Mann (Amerikaner?) der Musik studiert, hat dort heilige Gesaenge in Sanskrit vorgetragen. Das war wirklich schoen anzuhoeren, toll wie er mit seiner Stimme jonglieren kann. Und das alles noch in dieser schwierigen Sprache� Da muss man schon sehr "verrueckt" sein um sich so intensiv damit zu befassen.
Ansonsten schleppt mich Laxmann mit wachsender Begeisterung von einem Satsang zum naechsten.
Am besten hat mir bisher ein Schweizer gefallen der sich fuer 12 Jahre seines Lebens in eine Hoehle in Kerala zurueckgezogen hatte, und der sein profundes Wissen zum Thema Meditation in unaufdringlicher Weise und ohne Dogmas zur Verfuegung stellt.
Um beweglicher zu sein, hab' ich mir uebrigens ein Fahrrad ausgeliehen und uebe mich nun im Dauerklingeln (mein Daumenmuskel hypertophiert schon) und im Linksverkehr� ich sag' Euch das ist aufregender als jeder Krimi!
(Komisch, seit ich unterwegs bin lassen sie die heiligen Kuehe nicht mehr auf die Strasse ;-)
So, die Berichte sind nun also wieder mal mit heisser Nadel gestrickt worden, und ich hoffe Ihr hattet ein wenig Spass mit den Fotos und beim Lesen, sofern das jemand bis hierher durchgehalten hat...
Als Bonbon gibt es hier noch eine Studie von Michael ueber die Ernaehrung heiliger Kuehe, die bestimmt noch erweiterbar waere:
Ueber die Ernaehrung heiliger Kuehe
Ich wuensche Euch wunderschoene Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins naechste Jahr!!!!
28. Dezember - Gott sei Dank noch immer in Thiruvannamalai...
Hallo Ihr!
Sicher habt Ihr in den Nachrichten von dem Erdbeben in Indonesien, und den nachfolgenden Flutwellen gehoert, die die gesamte Ostkueste Suedindiens am zweiten Weihnachtsfeiertag geflutet haben. Einige von Euch haben mir ja auch sofort besorgte emails gesendet.
Also keine Sorge, ich bin hier in Sicherheit - Thiruvannamalai liegt ca. 100km von der Kueste entfernt. Aber es haette auch anders sein koennen...
Laxmann und ich hatten eigentlich geplant gemeinsam Pondycherry zu besuchen um Auroville zu sehen, und bei der Gelegenheit ein paar Badetage einzulegen. Erst wollten wir noch vor Weihnachten fahren, dann direkt nach den Feiertagen, aber gluecklicherweise haben wir es immer wieder verschoben.
In Pondycherry gab es nun 400 Tote, und noch immer werden viele vermisst. Die Zeitungen sind voll von Bildern die Ueberlebende zeigen, die nun zwischen den Leichenbergen entlanglaufen um ihre Familienangehoerigen zu finden. Der reinste Horror!
In Mamalapuram, wo Michael und ich noch vor wenigen Tagen am Strand sassen, gab es 115 Tote, und der kleine Ort, der fast auf Meereshoehe liegt, ist schwer beschaedigt worden. Wir hatten uns dort mit Rajan, einem jungen Steinmetz angefreundet, der sein Geschaeft in direkter Naehe des Strandes hatte. Ich hoffe dass mit ihm und seiner Familie alles in Ordnung ist. Bisher hat er noch nicht auf meine Email geantwortet.
Ich bin noch immer geschockt, und es faellt mir schwer zu begreifen was da passiert ist. Die Zahlen der Todesopfer in ganz Asien liegt zur Zeit bei 24.000. Davon allein 3000 auf den Andamanen und Nicobaren, dieser winzigen Inselgruppe im Indischen Ozean. Schaetzungsweise 5000 starben an der Ostkueste Indiens, davon etwa 1/3 Kinder, die meistens gerade die kuehlen Morgenstunden nutzen um am Strand Kricket zu spielen. Ausserdem viele Fischer die mit ihren Familien meist in kleinen Huetten in Strandnaehe wohnen, und natuerlich auch Urlauber aus aller Welt, denn hier ist gerade Hochsaison. Diese Zahlen werden sicherlich noch steigen, ausserdem werden noch immer starke Nachbeben erwartet.
Gestern war hier in Thiruvannamalai auch einiges los. Alle Zeitungsstaende waren ausverkauft, und man musste lange anstehen um einen Platz am PC zu bekommen, denn hier gibt es nur eine Handvoll Internetcafes die alle hoffnungslos ueberfuellt waren. Ausserdem brachen dauernd die Leitungen zusammen weil soviele telefonierten.
Ja, das Leben kann sehr kurz sein, das wird mir wiedereinmal klar. Wir alle muessen uns irgendwann von dieser Welt verabschieden, und niemand kann sich darauf verlassen 80 oder 90 Jahre alt zu werden um seine Traeume zu verwirklichen. D.h. die richtige Zeit um die Dinge zu tun die einem wirklich wichtig sind ist JETZT! JETZT! JETZT! Wann sonst?
Waere das nicht ein guter Vorsatz fuer's neue Jahr?
In diesem Sinne wuensche ich uns allen einen bewussten Jahresanfang, und ein gesundes, glueckliches 2005!
2 0 0 5
Sonntag, den 16. Januar 2005 - noch immer Thiruvannamlai
Die letzten Wochen waren sehr ereignisreich fuer mich - innerlich wie aeusserlich. Wie Ihr wisst hatte ich hier Judith kennengelernt, eine Deutsche, die seit September in Indien lebt und die sich mit viel Engagement um Strassenkinder hier in Tiru kuemmert. Zu diesem Zweck gruendete sie einen eigenen Verein, und rief mehrere kleine Projekte ins Leben. Als sich dann die Flutkatastrophe ereignete, war es ihre Idee Hilfstransporte zu organisieren, und innerhalb weniger Tage bildete sich hier eine Gruppe "zufaellig" zusammengewuerfelter Touristen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte die Menschen in den am schwersten betroffenen Kuestenregionen mit dem Notwendigsten zu versorgen. (Ein dickes Dankeschoen, an alle die diese Aktion mit Geld- Sachspenden, guten Ideen, Kontakten, oder wie auch immer unterstuetzt haben!!!) Von dem gesammelten Geld kauften wir vor allem Decken und Kleidung, Seife, Kochgeschirr und Bastmatten als Schlafunterlage.
Eigentlich hatte ich mich ja zu einem Meditationsworkshop angemeldet, aber es war mir - und so ging es allen von uns - einfach nicht moeglich still dazusitzen, waehrend soviele Menschen leiden, und solange es reelle Moeglichkeiten gab etwas dagegen tun zu koennen.
Natuerlich gab es auch von Anfang an Hilfslieferungen von staatlicher Seite. Das sah dann vielerorts allerdings so aus dass z.B. in einige Camps soviel fertiggekochter Reis geliefert wurde, dass die Leute ihn gar nicht aufessen konnten, und er verdarb. Dafuer bekamen sie keine Decken und froren, waehrend im Nachbarort jeder schon 2 Decken hatte, aber seit Tagen einen leeren Bauch. In mehrere Camps wurde saeckeweise Reis geliefert, aber die Leute hatten kein Kochgeschirr, und konnten also erstmal nichts damit anfangen... So verschafften wir uns an jedem Ort auf's Neue erstmal einen Ueberblick was denn nun tatsaechlich gebraucht wurde, und gaben dann nur die Sachen heraus die tatsaechlich Sinn machten. (Seit ich dieses Chaos erlebt habe verstehe ich besser weshalb die grossen Hilfsunternehmen soviel Geld fuer eine (hoffentlich) gute Organisation ausgeben muessen.)
Wenn ich jetzt versuche meine Eindruecke aus dieser Zeit zusammenzufassen, merke ich schnell dass das gar nicht so einfach ist, vor allem deshalb weil es so viele widerspruechliche Dinge geschehen sind. Aber in einem Land wie Indien kann es ja auch gar nicht anders sein...
Zum Einen ist da die Not der Menschen an der Kueste. Wir sahen zerstoerte Doerfer, und Menschen die, ausser dem was sie am Leibe trugen, nichts mehr besitzen, und vor allem hoerten wir immer wieder ihre grausigen Geschichten von dem Tag als das Wasser kam. Wir sprachen mit Kindern, die zuschauen mussten wie Eltern und Geschwister ertranken und mit Frauen, die den Ehemann verloren haben und nun nicht wissen wie sie sich und die ueberlebenden Kinder ernaehren sollen. Die Leute sind schwer traumatisiert und was ich zu sehen und zu hoeren bekam ging mir tief unter die Haut.
Dennoch, dieses Leid hinderte andere nicht daran daraus Profit zu schlagen. So wollte z.B. die Polizei verhindern, dass wir unsere mitgebrachten Dinge selbst verteilen und drang bei einem Transport darauf, dass wir unsere Ladung ihnen zur Verteilung ueberlassen sollten, was wir natuerlich ablehnten. (Ansonsten waeren unsere Sachen wahrscheinlich eher zum Wiederverkauf im Shop irgendeines Polizeichef-Verwandten gelandet, als bei den Beduerftigen...) Daraufhin konnten wir allerdings auch nicht mehr mit Polizeischutz rechnen und das Verteilen der Sachen erwies sich als nicht einfach. Waehrend es mit den Kindern noch recht entspannt ablief, mussten wir die Erwachsenen immer wieder zur Ordnung rufen, und daran hindern sich noch ein zweites Mal in die Schlange einzureihen, oder gar uns die Sachen vom Autodach zu zerren.
Es gab sogar Berichte dass Hilfstransporte ueberfallen, und Helfer verpruegelt worden sind. Bei uns war das gluecklicherweise nicht der Fall, aber es gab genuegend brenzlige Situationen. Einmal mussten wir sogar eine Verteilung abbrechen und Hals ueber Kopf fluechten, weil die Situation sonst wahscheinlich eskaliert waere.
Inzwischen gibt es hier in den Zeitungen immer wieder Berichte von Kinderhaendlern die sich als "Volunteers" in die Hilfscamps einschleichen, um Waisenkinder zu entfuehren und ins Ausland zu verkaufen - diesen Wahnsinn muss man sich mal vorstellen!
Dann trafen wir auch einige Male auf Bettlergruppen die uns aergerlich entgegenhielten, warum nun die, die vorher wohlhabend waren und vor der Katastrophe eine Huette hatten Hilfe bekommen, waehrend die, die schon immer ohne Schutz am Strand schlafen mussten nichts bekommen, und sogar weggejagt werden von den Hilfscamps. Diesen Menschen ging es SCHON IMMER so schlecht wie nun den Tsunami-Opfern. Was soll man darauf antworten?!! Nachdem dann einige dieser Bettler von uns Decken bekommen hatten, wurden wir prompt von Angehoerigen der naechtshoeheren Kaste uebel beschimpft. In Indien zu helfen ohne die soziale Ordnung durcheinanderzubringen - ich glaube das ist ein Ding der Unmoeglichkeit.
Dann war da andererseits die Mithilfe der hier in Thiru lebenden Inder. Da wurden uns Fahrer und Autos teilweise kostenlos zur Verfuegung gestellt, ein Shopkeeper handelte seinen Grosshaendler gnadenlos herunter und gab den Einkaufspreis fuer Nahrung, Seife, Haushaltsgegenstaende direkt an uns weiter, obwohl das fuer ihn bestimmt das Geschaeft des Jahres gewesen waere. Jeder stand uns zur Seite wo es nur ging, und wir alle haben eine Zeit mit vielen Eindruecken und wenig Schlaf hinter uns.
Das war fuer mich sicher eine der schoensten Erfahrungen: Inder und Westler rueckten naeher zusammen, und das gemeinsame Vorhaben liess uns gegenseiteig so manches Mal ueber die Unterschiede der Kulturen hinwegsehen. (Wer schonmal dabei war wie 5 Inder mit dem ueblichen Chaos-system einen Jeep beladen, der weiss was ich meine ;-)
Soweit erstmal meine noch unsortierten Eindruecke. Inzwischen hat Indien die Situation am Festland weitestgehend selbst im Griff (auf den Andamanen sieht das noch anders aus!) und weitere Transporte von unserer Seite scheinen nun nicht mehr sinnvoll zu sein. Ausserdem sollen die Leute ja nicht von Hilfslieferungen abhaengig gemacht werden, sondern vielmehr beim Wiederaufbau und Neuanfang unterstuezt werden. Jetzt wird also darueber nachgedacht wie das restliche gespendete Geld dafuer genutzt werden kann, und es gibt schon einige Ideen. So soll mit Mal- und Spielgruppen den traumatisierten Kindern die Moeglichkeit gegeben werden das Erlebte zu verarbeiten, ausserdem werden neue Waisenhaeuser entstehen muessen, die dann auf dauerhafte Unterstuetzung angewiesen sein werden. Auch die "Adoption" und Aufbauhilfe fuer ein kleines Dorf ist im Gespraech.
Ich habe mich nun entschlossen wieder meinem Leben zu folgen und an dieser Stelle meine Arbeit hier zu beenden. Michael ist seit dieser Woche wieder gut hier gelandet, und wir ueberlegen was wir nun weiterhin hier in Indien unternehmen wollen. Auch ueber eine fruehere Rueckkehr nach Deutschland denken wir nach, aber es ist noch nichts entschieden. Kurzentschlossen haben wir uns nun zu einem 7-taegigen Yoga-Retreat angemeldet, das heute abend beginnen wird, und nach dieser turbulenten Zeit freue ich mich schon sehr auf die Ruhe und Stille. Danach sehen wir dann weiter...
Donnerstag, der 27.Januar 2005 - Retreat und Abschied von Thiruvannamalai...
Das Yoga-Retreat hat uns beiden sehr gut getan. 7 Tage lang waren wir auf einer Permakultur-Farm untergebracht, etwa 4 km ausserhalb von Thiruvannamalai. Diese Farm ist eine Oase der Natur und Stille, und wir beschaeftigten uns intensiv mit Yoga und Meditation. Schweigen war verpflichtend fuer alle Teilnehmer, und es wurde in nach Geschlechtern getrennten Schlafraeumen uebernachtet. Nachfolgend unser Tagesplan, damit ihr eine Vorstellung habt wie so ein Tag aussah:
6.15 - Aufstehen
6.45 - Meditation
7.30 - Pranayama (Atemuebungen)
8.30 - Obst und Tee
9.00 - Asanas (Yogastellungen)
10.30 - Pranayama in der Natur, jeder fuer sich allein
11.00 - Arbeitsmeditation
11.30 - Mittagessen (indisch und superlecker)
Mittagspause
14.30 - Tee
15.00 - Meditation
16.00 - Zeit fuer Fragen
16.15 - Pranayama in der Natur
16.45 - Asanas (Yogastellungen)
18.00 - Abendessen
19.00 - Meditation
20.00 - Vortrag
20.40 - Chanten (Mantrasingen)
ca. 21.15 Meditation open end
Nach diesen 7 Tagen kehrten wir erstmal nach Thiruvannamalai zurueck und brauchten ein wenig Zeit um uns wieder an die normale, laute indische Welt zu gewoehnen.
Michael, der seit Wochen immer wieder in Intervallen an Magen-Darm-Beschwerden leidet, war nochmal zur Stuhlanalyse im Labor. Und siehe da - einen Darmparasiten "Giardia Lambliasis" hat er sich eingefangen, womit sich auch Michaels Gewichtsabnahme der letzten Wochen erklaeren laesst. Gluecklicherweise gehoeren diese Tierchen zu den harmloseren Uebeln die man sich in Indien einfangen kann, d.h. sie wandern nicht durch die Darmwand und richten auch sonst keinen weiteren Schaden an, allerdings sind sie angeblich nicht so einfach wieder loszuwerden. Michael nimmt nun also taeglich eine kleine Chemiebombe zu sich, und in 7-10 Tagen ist er seine "Untermieter" hoffentlich wieder los...
Unsere weitere Planung:
Eigentlich wollten wir noch Auroville und Pondycherry besuchen, aber uns beiden steht nicht mehr der Sinn nach so viel Neuem, deshalb haben wir uns entschlossen uns der Westkueste, und damit langsam unserem Abflughafen zu naehern. (Ob wir dann jedoch frueher nach Deutschland fliegen werden, ist noch immer unklar)
Der Nachtzug heute abend wird uns also nach Cochin, an die Westkueste Keralas bringen. Dort wollen wir uns mit dem Boot geruhsam durch die Backwaters treiben lassen, vielleicht noch den ein- oder anderen Yoga, bzw. Ayurvedakurs besuchen, und uns ansonsten mit dem Gedanken an unsere weitere Zukunft in Europa beschaeftigen...
Bis wir uns wieder melden, koennt Ihr Euch hier ein paar Fotos von Bodhgaya und Varanasi ansehen, die Michael gerade ins Netz gestellt hat!:
Hier geht es zu den Bildern aus:
Varanasi
Hier geht es zu den Bildern aus:
Bodhgaya
Montag, den 31. Januar 2005 - Kochi
Als wir vor 3 Tagen hier ankamen, hat uns erstmal das Klima umgehauen. Es ist hier viel heisser als in Tamil Nadu, und vor allem sehr schwuel. (Bei 30 Grad etwa 60 - 70% Luftfeuchtigkeit.) Trotz Deckenventilator staut sich die warme Luft unter unserem Moskitonetz, und pro Nacht stehen wir ein bis zwei Mal auf um kalt zu duschen, und um danach hoffentlich wieder einschlafen zu koennen...
Michael hat sich zu seiner Darmgeschichte nun auch noch eine Erkaeltung mit Halsschmerzen zugezogen, und so haben wir bisher ausser ein paar Spaziergaengen, und dem Besuch einer Vorfuehrung von verschiedenen klassischen indischen Tanzstilen noch nicht viel unternommen.
Das Gesicht der Landschaft hat sich sehr veraendert. Alles ist sehr ueppig gruen, und Cocospalmen finden sich an jeder Ecke. Gewaechse die wir in Europa als empfindliche Zimmerpflanzen kennen wachsen hier wie Unkraut, und werden teilweise sogar zu riesigen Baeumen!
Sehr ungewoehnlich ist fuer uns auch die christliche Kultur die durch die Hollaender und Portugiesen hierher gebracht wurde. Kirchtuerme neben Kokospalmen an denen teilweise noch die Weihnachtdekoration haengt, sehen schon sehr eigenartig aus fuer unsere Augen.
Sonntag, den 6. Februar 2005 � Kochi, und Weiterfahrt nach Kumily
Eine gute Woche verbrachten wir also in Kochi. Michael kurierte seine Erkaeltung aus, und wir bewegten uns recht wenig. Einmal fuhren wir mit der Faehre hinueber nach Ernakulam wo sich das Einkaufsviertel befindet, und erstanden ein paar schoene Stoffe, die ich spaeter zum Schneider brachte um mir etwas daraus naehen zu lassen. Fuer Michael fanden wir einen schicken Lunghi, das alltaeglichste Kleidungsstueck indischer Maenner, welches im Grunde nur ein zwei Meter langes Stueck Stoff ist, welches Mann sich um die Huefte wickelt. Diese Lunghis sahen wir bisher nur einfarbig, aber in Kerala scheinen die Maenner modemutiger zu sein, denn hier gibt es diese Teile in den schoensten und ausgefallendsten Farben und Mustern.
Am Morgen gingen wir meist hinunter zum Hafen um an einer dieser kleinen, "schmutzigen" Garkuechen unser Fruehstueck einzunehmen. (Meist Parotta (blaetterteigartige Pfannkuchen) mit wuerziger Sosse und Omelett.) Danach gingen wir dann in eines der Touri-cafes, um den sagenhaften Kaffee zu geniessen, der mit ca. 60Cent pro Portion, etwa doppelt soviel kostete wie unser ganzes Fruehstueck zuvor�
Am Abend kauften wir meistens bei den Fischhaendlern frischen Fisch, und liessen ihn uns in einem der kleinen Strandrestaurants zubereiten � fuer indische Verhaeltnisse kein billiger Spass, aber eine sichere Moeglichkeit wirklich frischen Fisch geniessen zu koennen. Witzig fanden wir den Umstand dass die meisten Restaurants keine Lizenz haben die ihnen den Ausschank von Alkohol erlaubt. Und so bestellte man dann eben kein Bier, sondern ganz diskret einen "special Tea". Serviert bekam man daraufhin eine Teetasse, und eine mit kuehlem Bier gefuellte Teekanne ;-) That's India!
Und hier gibts die Fotos:
Kerala-Kochi
Am Samstag verliessen wir Kochi mit dem Bus, und mit einem Busfahrer der bei Michael Schuhmacher in die Lehre gegangen sein muss. Die serpentinenreiche 6-stuendige Fahrt hinauf in die Berge brachte mich mehrmals an den Rand des Erbrechens, und ich war froh als wir den Bus ohne Zwischenfaelle verlassen konnten.
Kumily liegt in den Kardamom-Hills und befindet sich auf ca. 1500m Hoehe. (D.h. anstatt kalter Duschen in der Nacht sind nun wieder Wollsocken angesagt - zumindest fuer mich)
Die naechsten Tage werden wir also in Teegaerten und auf Gewuerzplantagen verbringen, und ich bin schon sehr gespannt was es hier alles zu entdecken gibt!
Michael hat inzwischen auch noch ein paar Fotos von unserer Zeit auf dem Viehmarkt (Sonepur Mela) und in Kalkutta hochgeladen, mit denen ihr Euch die Zeit vertreiben koennt, und die ihr hier findet:
Sonepur Mela und Kalkutta
6.-11. Februar 2005 - Kumily
Wir besuchten gleich 2 Gewuerzgaerten in Kumily,und konnten nicht genug bekommen die exotischen Gewaechse der uns in Europa so vertrauten Gewuerze zu bestaunen, die hier in Permakultur angebaut werden, und voellig ohne Spritzmittel auskommen. Wir lernten dabei dass der Pfeffer eine Kletterpflanze ist, und dass es sich bei weissem, schwarzem oder meiner Lieblingssorte dem gruenen Pfeffer, lediglich um unterschiedliche Erntezeitpunkte handelt. Die bei uns so wertvollen Vanilleschoten stammen von einer Orchidee, und wir lernten dass die Qualitaet dieser Schoten vor allem von einem komplizierten Fermentationsprozess abhaengt, der nach der Ernte durchgefuehrt wird, und der mehr als alles andere den Marktwert dieser Schoten bestimmt. Wir sahen ausserdem Nelkenbaeume, und kabberten an der Rinde eines Zimtbaumes. Wir staunten ueber riesige Muskatnussbaeume, und waren betoert von dem Duft der Kaffeeblueten. Ein Spaziergang durch solch einen Garten ist ein wahres Fest fuer die Sinne!
Einmal besuchten wir auch eine Teeplantage und eine Teefabrik, was allerdings ein ernuechterndes Erlebnis war. Vor allem die Tatsache dass es voellig normal und ueblich ist dass die Teepflanze ("dank" Monokultur) alle 7 Tage mit Pestiziden gespritzt werden muss. Genauso oft werden auch die oberen Blaetter jeder Teepflanze geerntet. Wenn man sich dann vergegenwaertigt dass es hier um diese Jahreszeit nicht regnet, und dass auch die Teeblaetter vor der Weiterverarbeitung nicht gewaschen werden, dann kann man sich ausmalen wie gesund dieser Tee dann noch sein kann... Also ich werde in Zukunft noch viel mehr darauf achten unseren Tee aus biologischem Anbau zu beziehen!
Und hier gibts die Fotos:
Gewuerzgaerten in KumilyUnd hier reiche ich noch einige Bilder nach, von Kerala, bzw. Mamalapuram die ich inzwischen auch im Text an der entsprechenden Stelle eingebaut habe:
Kerala-Kochi
Mamalapuram
Am 11. Februar verliessen wir die Berge Kumilys und fuhren mit dem Bus, und einem gluecklicherweise etwas entspannteren Busfahrer hinunter nach Kottayam. Unterwegs machten wir noch einen Abstecher zu einer Ayurveda-Klinik die auch Massagekurse, sowie Kurse in Ayurvedischer Medizin im Angebot hatte, und die uns empfohlen worden war. Als wir dort dann ausschliesslich westliche, und vor allem deutsche Kurgaeste vorfanden machte uns das schon ziemlich stutzig, und es roch schon sehr nach Touri-Abzocke. Eine Woche Uebernachtung und Vollpension, inkl. Massagekurs sollte dann auch stolze 850 Euro kosten. Auf unsere Frage an den Arzt welche Behandlung er bei "Guardia Lambliasis" (dem Darmparasiten den Michael inzwischen schon mit Hilfe der Schulmedizin losgeworden war) empfehlen wuerde, stellte sich heraus dass er dieses Wort wohl zum ersten Mal gehoert haben musste, denn er wusste absolut nichts damit anzufangen. Und das obwohl 30% aller Inder damit infiziert sein sollen...
11./12.Februar 2005 - Kottayam
Sehr m�de und K.O. erreichten wir am Abend den F�hrhafen in Kottayam, und so waren wir recht froh als ein Rikshawfahrer uns ein Zimmer in seinem Haus anbot, und wir uns nicht erst noch nach einem Hotel umsehen mussten. Ein eigenes Zimmer h�tte er f�r uns, und eine Dusche w�re nat�rlich auch kein Problem versprach er... Ich war zwar etwas skeptisch, aber ich freute mich auch dar�ber etwas mehr Familienanschluss an eine indische Familie zu haben, als sonst �blich. "Familienanschluss" hatten wir dort dann reichlich - unser Zimmer war ein Durchgangsraum ohne T�ren, und sozusagen der Mittelpunkt in der Wohnung durch den alle anderen Zimmer sowie das Bad, zug�nglich waren. Musste in der Nacht also jemand der Familie zur Toilette, die nur mit einem Vorhang abgetrennt war, oder in die K�che, so f�hrte der Weg also durch unser Zimmer... Aber O.K. diese Situation war zwar ungewohnt, aber wir wollen ja nur eine Nacht bleiben. Ich fragte nach der Dusche, und er erkl�rte uns dass er und seine Familie sich immer im Fluss waschen, und er versuchte mich dazu �berreden das auch zu tun. Ich lehnte dankend ab. Der Gedanke mich in der �belriechenden Br�he der Backwaters, in die s�mtliche Abw�sser ungekl�rt eingeleitet werden, zu waschen, war dann doch nicht so ganz mein Ding. Mal ganz davon abgesehen dass ich wahrscheinlich einen Menschenauflauf verursacht h�tte, denn eine Wei�e, die sich mitten in dieser untouristischen Gegend am Bach w�scht, w�re sicher die Attraktion gewesen. (In Indien ist man nirgendwo im Freien alleine und ungest�rt, dazu leben einfach zu viele Menschen in diesem Land.) Ich bestand also auf der versprochenen Dusche, und er erkl�rte mir dass sie aber nur Wasser aus Eimern zur Verf�gung h�tten. Mit einem kleinen Gef�� sch�pft man das Wasser aus dem Eimer und �bergiesst sich dann selbst - diese Art des Duschens ist in vielen indischen Hotels �blich, und f�r mich war das absolut O.K. Erst als ich ins Bad kam und dort 2 grosse Eimer mit gr�nlichem, stinkendem Flusswasser vorfand, kapierte ich dass die Leute gar keinen Wasseranschluss im Haus haben, sondern extra f�r mich das Wasser aus dem Fluss geholt hatten. Anblick und Geruch dieser Br�he f�hrten dann dazu, da� ich mir sicher war sauberer zu bleiben, wenn ich f�r diesen Tag auf die K�rperpflege verzichte... Auf meine Frage woher sie denn ihr Trinkwasser bekommen, erfuhr ich dass sie es aus einem Gemeinschaftsbrunnen in der Siedlung entnehmen, es aber vor dem Genuss abkochen m�ssen. (Also wenn Inder ihr Trinkwasser freiwillig abkochen, dann muss es schon sehr schlecht sein...)
Diese Stadt kannte offensichtlich kaum Touristen, und erst recht keine westlichen. Das merkten wir dann auch daran dass die wenigen Internetcafes sehr schlecht ausger�stet waren. Wir hatten kaum noch Kapazit�t f�r neue Fotos auf unserer Digitalkamera, und wollten dringend die Bilder herunterladen und auf CD brennen, bevor es am n�chsten Tag in die Backwaters gehen sollte. Bisher war das - gerade in den St�dten, auch niemals ein grosses Problem gewesen. Aber hier am�sierte ich mich k�stlich dabei Michael zuzusehen, wie er in mehreren Internetshops versuchte zu erkl�ren was ein "Card-reader" und ein "CD-burner" ist. In einem Internet-Laden begutachtete der Besitzer stirnrunzelnd die ihm in die Hand gedr�ckte Speicherkarte und fragte schlie�lich: "What is this?" :-) Wir gaben auf, und schafften durch das L�schen einiger Fotos wieder etwas Platz f�r neue Bilder... Als wir dann recht sp�t wieder zu unserer Familie zur�ck kamen, empfing uns der Rikshawfahrer freudestrahlend mit der Nachricht dass er unsere Matratze gegen eine bessere ausgetauscht hatte. Diese sei viel angenehmer und stabiler, falls wir vorhaben sollten, so w�rtlich: "in der Nacht noch "Programm" zu machen"... Das konnten wir uns aber aufgrund des zu erwartenden Durchgangsverkehrs durch unser Zimmer gerade noch verkneifen...
Am n�chsten Morgen brachte uns unser Vermieter wie versprochen p�nktlich um 6.00 Uhr zur Anlegestelle, und die 2 1/2 Stunden dauernde Fahrt durch die Backwaters nach Allepey geh�rt auf jeden Fall zu den H�hepunkten dieser Reise! Ganz bewusst w�hlten wir daf�r nicht eines der Touristenboote, sondern nahmen die F�hre die auch die Einheimischen benutzten um in dieser verwirrenden Vielzahl von Kan�len von einer "Insel" zur n�chsten zu gelangen. Unterwegs staunten wir nicht schlecht was alles auf dem Wasser transportiert wird, und der Tiefgang der kleinen �berladenen Transportboote die wir gesehen haben, versetzte uns immer wieder in Staunen - die Fotos sind wirklich sehenswert!
12.-15.Februar 2005 - Allepey
Eigentlich wollten wir nur einen Tag hier verbringen, aber die Atmosph�re dort gefiel uns so gut dass wir 3 N�chte blieben. Obwohl sehr viele Touristen nach Allepey kommen - die meisten um ein Hausboot samt Crew zu mieten - ist das touristische Zentrum an diesem Ort recht klein und �berschaubar geblieben, und man braucht nur eine der Seitengassen zu w�hlen, und schon ist man nach wenigen Metern wieder mitten im "echten" Leben der Backwaters. Auch am Strand gibt es absolut keinen Badetourismus, und so trafen wir dort nur auf einige Fischer die vom Strand aus ihre Handnetze auswarfen.
Bei einem Ausflug besuchten wir einen Bootsbauer der uns stolz ein gerade fertiggestelltes Hausboot zeigte. Er sprach zwar fast kein Englisch, aber mit Hilfe von H�nden und F�ssen konnten wir doch einige technische Details erfahren, woran vor allem Michael seine Freude hatte. Der Anschaffungspreis eines solchen Luxus-Bootes mit Suit, Edel-western-toilet, E�zimmer, Terasse und K�che liegt bei 400.000 Rupies (ca. 6.000 Euro). Der t�gliche Mietpreis in der Hauptsaison liegt bei 2.500 bis 4.000 Rupies (ca.40-65 Euro) pro Tag, inkl. Vollpension und Crew. Diese Angebote werden zwar haupts�chlich von westlichen Touristen genutzt, sind aber auch bei reichen indischen Flitterw�chlern sehr beliebt, und so sind auch entsprechend viele dieser Boote dort unterwegs. Da nach dem Tsunami viele Touristen ihren Urlaub abgesagt hatten �bertrafen die Bootsvermieter sich gegenseitig mit ihren Preisnachl�ssen. Wir haben dann auch mal dar�ber diskutiert ob das nicht was f�r uns w�re, aber wir waren uns bald einig dass uns das wohl schnell zu langweilig werden w�rde, und wir statt dessen lieber mit unserem "kleinen" Kanu selbstst�ndig hier unterwegs w�ren. Statt dessen unternahmen wir an einem Tag nochmals einen Ausflug mit den lokalen F�hren und "h�pften" sozusagen von Insel zu Insel. "Zuf�llig" gerieten wir dabei in die 200.Geburtstagsfeier eines Missionars der einst dieser Gegend das Christentum gebracht hatte. Wir waren die einzigen westlichen G�ste und wurden herzlich eingeladen an der Feier und dem anschliessenden Mittagessen teilzunehmen. Von allen Seiten wurden wir nat�rlich neugierig be�ugt, und die Menschen waren sehr freundlich und herzlich, aber auch viel zur�ckhaltender als wir das schon an anderen Orten in Indien erlebt hatten.
Wir sahen dort viele indische Familien im Sonntagsgewand, die Kirche war geschm�ckt, draussen gab es Trommelwirbel und t�nzerische Darstellungen, und �berall herrschte eine feierliche Atmosph�re. Vor allem die Frauen die sich zu diesem Ehrentag besonders herausgeputzt hatten und ihre edelsten Saris trugen waren eine Augenweide - einfach sch�n, diese leuchtenden Farben zu den schwarzen, in der Sonne gl�nzenden Haaren, den dunklen Augen und der dunklen Haut! (Wegen letzterer sich so viele Frauen sch�men, und vergeblich versuchen sie heller zu bleichen...)
Hier in Allepey lernten wir auch Renjid kennen, einen Ayurveda-Guru der sein Wissen nur an ernsthaft interessierte Sch�ler weitergibt, und das beinahe kostenlos. Er ist nicht nur Ayurveda-Arzt, wie auch schon seine Vorv�ter, sondern er lebte auch einige Jahre als Sadhu im Himalaya und befasste sich intensiv mit Meditation und Yoga. Er wusste auch auf Anhieb was "Giardia Lambliasis" ist, und eine Zeit lang �berlegten wir tats�chlich bei ihm eine Ayurveda-Ausbildung zu machen. Die w�rde allerdings 6 Monate dauern, und er verlangt von seinen Sch�lern dass sie Sanskrit lernen und sich intensiv mit den alten Schriften auseinander setzen. Da muss ich passen, denn ich finde zwar Ayurveda sehr interessant, aber bevor ich mich sooo tief in diese Materie einarbeite gibt es f�r mich andere Dinge die mich viel mehr interessieren. Ausserdem habe ich grosse Zweifel ob sich das traditionelle Ayurveda bei uns in Europa anwenden liesse. Zum einen sind viele frische Kr�uter n�tig die man bei uns nicht anbauen kann, und vor allem ist Ayurveda keine 0815-L�sung. Der Patient braucht vor allem Zeit und Geduld - beides wird ein Europ�er nur in den wenigsten F�llen aufbringen wollen...
15.-22.Februar 05 - Amritapuri, Amma's Ashram
Amma's Ashram war unser n�chstes Ziel, und nach einer weiteren 7-st�ndigen Fahrt durch die Backwaters konnten wir von weitem schon die hohen rosafarbenen Betonblocks sehen die ich von den Fotos auf Amma's website (www.amma.de oder www.amritapuri.org) schon kannte. Michael, der diese Fotos nicht gesehen hatte, fragte mich beim Anblick der Hochh�user ganz entgeistert: "Oh nein, bitte sag' mir nicht dass diese h��lichen Dinger zum Ashram geh�ren?" "��hhm...also..nein..., die geh�ren nicht zum Ashram, die SIND der Ashram" antwortete ich, und Michael war sichtlich entsetzt. Recht hatte er ja, diese Betonkl�tze sahen wirklich nicht sehr sch�n aus, wie sie da aufragten, mitten in der Natur, zwischen den von Palmen ges�umten Wasserwegen. Allerdings, wenn man deren Entstehungsgeschichte ein wenig kennt, und vor allem wenn man weiss, dass diese Hochh�user vielen, vielen Menschen das Leben gerettet haben, w�hrend im Dorf 70 Menschen in den Tsunami-Wellen den Tod fanden, dann werden einem diese Geb�ude richtig sympatisch... Nach den 7 Tagen die wir dort verbrachten hatte ich diese "Unget�me" sogar richtig lieb gewonnen! Wir wohnten nat�rlich auch darin, hatten unser Zimmer im 10. Stock (von 14)und kamen auch in den Genuss eines weiteren Vorteils: man hat n�mlich einen gigantischen Ausblick von dort oben! Am Morgen kann man den Sonnenaufgang �ber den Backwaters bewundern, und am Abend den Sonnenuntergang �ber dem Meer!
Alle Bewohner des Ashrams werden dazu aufgefordert f�r mindestens 2 Stunden pro Tag "Seva" (selbstlosen Dienst) zu tun. Wir entschieden uns also am Morgen von 7.00 bis 9.00 Uhr Gem�se zu schneiden, unter den wachsamen Augen unserer "Gem�se-Chefin" die mit akribischer Genauigkeit darauf achtete dass wir das Gem�se weder in zu gro�e, noch in zu kleine St�cke schnitten. So durfte ich schon vom ersten Tag an �ben, sie mitsamt ihrer Pingeligkeit liebevoll anzunehmen... ;-)
Amma selbst wirkte auf mich absolut bodenst�ndig, und ihr Engagement f�r Tsunami-Opfer in Tamil Nadu, Kerala und Sri Lanka war, bzw. ist noch immer beispiellos. Wir konnten in einem Film sehen wie am Morgen der verh�ngnisvollen Tsunami-Wellen das Wasser auch in das Ashram-Gel�nde eindrang und etwa h�fthoch im Hof stand, w�hrend viele Bewohner sich auf die Hochh�user retteten. Amma, aufgrund der fr�hen Uhrzeit nur mit einem umgebundenen Tuch bekleidet, stapfte durch das Wasser, koordinierte die Rettungsma�nahmen und beruhigte die Leute. Da sie nicht nur Inderin ist, sondern auch noch als Heilige verehrt wird, hat sie einen Zugang zu den Betroffenen wie wohl niemand sonst. So sorgte sie nicht nur f�r tausende von Mahlzeiten die ausgegeben wurden und den Wiederaufbau von ganzen D�rfern, sondern k�mmerte sich tage- und n�chtelang um Waisenkinder, hielt eins nach dem anderen im Arm, tr�stete sie und weinte mit ihnen. Auch was ich von ihren sonstigen sozialen Projekten geh�rt und gelesen hatte �berzeugte mich. So baute sie nicht nur einige tausend H�user f�r Slum-Bewohner, sondern sie betreibt auch einige Non-Profit-Gesellschaften wie z.B. moderne Krankenh�user in denen Mittellose kostenlos behandelt werden, und eine angesehene Computerschule an der die Studenten unabh�ngig von ihrer Kaste oder ihren finanziellen M�glichkeiten studieren k�nnen, und vieles mehr.
Nur der Kult, der um ihre Person getrieben, und von ihr zwar nicht gewollt, aber immerhin geduldet wird, befremdet mich. So kann ich �ber originalgetreue Amma-Puppen die fuer rund 200$ im Ashram-Shop gekauft werden k�nnen nur den Kopf sch�tteln. Genauso wie �ber die vielen, in weissen Saris gekleideten Westlerinnen die st�ndig um Ammas Wohl bem�ht sind, und dauernd um sie herum schwirren wie eine Bienenhorde um ihre K�nigin. Wieder einmal stelle ich fest, dass ich mich wohl niemals einem Lehrer so sehr hingeben werde. Wahrscheinlich ist mein b�ses Ego noch viel zu stark... ;-)
Und hier die Fotos:
Ammas Ashram
23.Februar - 15. M�rz 05 - Varkala
Das viele Reisen hatte uns langsam m�de gemacht, und wir suchten einen sch�nen, ruhigen Ort am Meer um unsere vielen Eindr�cke zu verdauen. Ein angenehmes sauberes Zimmer, Schwimmen, Sonnenbaden und Yoga, ein bischen am Strand entlang wandern, morgens Chai kochen auf der Veranda, abends ausgehen zum Seafood-essen (um sich wieder an die Benutzung von Messer und Gabel zu gew�hnen ;-) ), ein Internetcafe um sich langsam auf Europa einzustimmen - mehr wollten wir nicht mehr. All das, und sogar ein bischen mehr fanden wir hier in Varkala, das nur 1 1/2 Zugstunden von unserem Abflughafen in Trivandrum entfernt liegt. Wir profitierten ganz offensichtlich von einem Ger�cht dass nicht nur in Tamil Nadu grassierte, und weswegen viele Urlauber Varkala, sogar lange nach der Tsunami-Katastrophe, mieden. Demzufolge sollte der ganze Strand Varkalas von den Tsunami-Wellen v�llig zerst�rt worden sein, was aber �berhaupt nicht stimmt, und so teilten wir den 1km langen wei�en Sandstrand, vor der imposanten Kulisse der aufragenden roten Klippen, mit nur einer Hand voll Sonnenanbetern. So sehr ich auch die typisch touristischen Gegenden ablehne, hier war es sehr angenehm eine sogenannte "Baywatch-Einheit" vorzufinden, die nicht nur darauf achtete dass kein Badender in den mehrere Meter hohen Wellen verloren ging, sondern die auch Horden von indischen M�nner davon abhielt am Strand entlang zu spazieren und westliche Frauen in Badekleidung zu begaffen. (Indische Frauen tragen einen Sari zum Baden, oder ein kn�chellanges Kleid. Eine Westlerin im Badeanzug oder Bikini ist f�r einen indischen Mann schon fast Pornographie)
Mehrere Sch�rfwunden zeugten �brigens davon, dass wir in den Wellen manches mal recht bald an unsere Grenzen kamen. Wir wurden ein paar mal so herumgewirbelt, dass es sich anf�hlte wie im Schleudergang einer Waschmaschine. War man erst mal so richtig drin im Sog einer gro�en Welle, hatte man kaum die Chance sich davon zu erholen bevor schon die n�chste hoch �ber dem Kopf zusammenbrach. Jetzt wundert es mich nicht mehr, dass jedes Jahr einige Urlauber die Wucht des Wassers untersch�tzen und ertrinken!
Einmal unternahmen wir eine kleine Wanderung entlang des Strandes und stiessen dabei auf eine Gruppe von etwa 20 Fischern die gerade dabei waren riesige, lange Netze aus dem Wasser direkt auf den Strand zu ziehen, und die sich mit Sprechges�ngen immer wieder gegenseitig anfeuerten. Als wir vorbei liefen winkten sie uns heran dass wir ihnen helfen sollen, und gemeinsam mit einigen anderen Touristen dauerte es immer noch fast eine dreiviertel Stunde bis wir den - im Vergleich zum Aufwand mikrigen Fang - endlich an Land gezogen hatten. Unter einem grossen Berg kleiner Fische fand sich zu unserem Entsetzen eine grosse Meeresschildkr�te im Netz, und wir �berlegten schon gemeinsam mit einem englischen P�rchen, ob wir das Tier nicht freikaufen sollten bevor es im Kochtopf landet. Aber einer der Fischer hatte sie schon herausgeholt, und mit Freude sahen wir dabei zu wie das Tier etwas unbeholfen zur�ck ins Meer watschelte :-) :-) :-)
Dieses Exemplar hatte also noch mal Gl�ck gehabt, denn der Fischer erz�hlte uns dass manche Fischer ganz gerne Schildkr�ten essen, aber von den hier anwesenden, unter denen der Fang aufgeteilt wurde, hatte niemand Interesse an diesem Meeresbewohner bekundet...
Michael g�nnte sich den Spa� und lieh sich f�r zwei Tage eine Enfield aus - DAS indische Motorrad von dem er schon so lange schw�rmte. Nun bin ich ja ein richtiger Angsthase was Motorradfahren angeht, und die Tatsache dass Michael bei einer seiner ersten Ausfahrten eine Rikshaw gestreift hatte, trug nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. Gl�cklicherweise konnte er den Schaden mit einer 10-Dollar-Note "beheben" und niemand kam auf die Idee die Polizei zu holen, die ihn wom�glich nach dem nichtvorhandenen internationalen F�hrerschein gefragt h�tte...
Zwei kurze Fahrten unternahmen wir gemeinsam, aber nachdem es Michael nicht m�glich war Kurven in einer mir angemessen erscheinenden Geschwindigkeit zu "fahren" bzw. zu "stehen" wie er sagte, und ich mich so sehr an seinem Bauch festgeklammert hatte dass er Angst hatte ich w�rde ihm die letzte Mahlzeit wieder rausquetschen, verzichteten wir auf weitere gemeinsame Ausfl�ge. Ich war wirklich so angespannt dass es f�r mich alles andere als ein Vergn�gen war... Motorradfahren ist einfach nicht mein Ding, vor allem dann nicht, wenn ich wei�, dass an indischen Motorr�dern alles genau spiegelverkehrt montiert ist, und man im indischen Linksverkehr sowieso mit allem rechnen muss, nicht nur mit riesigen L�chern, rasenden Busfahrern, Kindern, Hunden und K�hen auf der Strasse. Selbst in Deutschland bin ich bislang noch nicht ein einziges mal mit ihm mitgefahren! Ganz abgesehen davon, dass der technische Zustand des Motorrades einfach nur mit �indisch� schlecht zu bezeichnen war .... Au�erdem war ich froh und dankbar dass wir die letzten 6 Monate auch ohne vorherige Impfungen und ohne Malariaprophylaxe unbeschadet �berstanden hatten, und es schien mir wie eine Herausforderung des Schicksals, mich gerade jetzt in den letzten Tagen auf ein Motorrad zu setzen.
Hier also die letzten Fotos aus Indien:
Varkala
Alles hat ein Ende, und auch sechs Monate Indien gehen vor�ber.
Fazit: Jede Beschreibung dieses liebenswert-verrueckten Landes kann nur unzureichend sein... Also am besten selbst hinfliegen und erleben!
Wir sind dann planm��ig am Morgen des 15. M�rz 2005 wieder in Deutschland gelandet, und von einem fr�hlingshaften, sonnenbeschienenen Frankfurt begr��t worden. Schon drei Tage sp�ter ist Michael dann mit dem Bus nach Spanien gefahren, um mit seinen beiden Jungs die Osterferien zu verbringen. Unterdessen nutzte ich die Zeit und radelte von Donauw�rth aus ins Allg�u um wieder ein bischen Kondition aufzubauen, und um ein paar liebe Menschen zu besuchen.
Und Jetzt? Sicher brennt Euch schon die Frage auf den N�geln was wir nun als naechstes aushecken. Hier findet ihr die Antwort:
Mit dem Fahrrad auf der Via de la Plata
.[Die allerletzte Aktualisierung Montag, den 18.04.2005]