Trianderthaler beim größten Ironman der Welt

 
 
          

 

 

 

 
 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12.Juli 1998

Erste Frau Mettmanns im Ziel der Triathlon Langdistanz

Abenteuer Triathlon - Faszination Ironman ! In Deutschland steht dafür ein Name : Roth ! Am 12. Juli 1998 stellten sich 2700 Athleten aus aller Welt im fränkischen Triathlon-Mekka der Herausforderung : 3,8 km Schwimmen - 180 km Rad - 42,2 km (Marathon-)Lauf.

Auch zwei Sportler aus Mettmann wollten ihre individuellen Grenzen austesten, wollten nach monatelangem Training die Früchte ihrer Arbeit pflücken.

Die Bedingungen waren nicht ideal : Kühles Wasser im Main-Donau-Kanal, heftiger Wind und teils Regen auf der Radstrecke forderten die Kämpferherzen aller Starter, auch die der beiden Mitglieder vom RV Edelweiss.

Gisela Reuschenbach war eine von 233 Frauen, die um 6.10 Uhr den Sprung ins kühle Nass wagten. Von Anfang an war ihre Taktik darauf ausgelegt, nicht zu "überzocken", sich die Kräfte gut einzuteilen, wohl wissend, dass ein langer Wettkampf vor ihr lag. So zog sie ruhig und fast locker ihre Schwimmzüge durch den Kanal und hatte nach 1:13 Stunden die erste Disziplin hinter sich. Die längste sollte folgen. Angesichts des kühlen Nieselregens nahm sie sich die Zeit, sich wettergerecht mit Regenjacke zu kleiden. Eine richtige Entscheidung, wie sich bald herausstellte : Ohne zu frieren spulte sie Kilometer um Kilometer ab. Zehntausende Zuschauer an der Strecke taten das ihre, um die Motivation auf der Radstrecke zu garantieren. Der Solarer Berg in Hilpoltstein braucht den Vergleich mit Tour-de-France Athmosphäre nicht zu scheuen : Durch ein Spalier von tausenden Fans unter tosendem Applaus, Anfeuerungsrufen in Riesenstimmung wurde auch Gisela Reuschenbach diesen Anstieg förmlich hinaufgepeitscht. Und auch auf vielen anderen Teilstücken der zwei Mal zu durchfahrenden 90 km Runde stand das fachkundige Publikum den Triathleten zur Seite. Als sie nach 6:36 Stunden die zweite Wechselzone erreichte, hatte Reuschenbach die kurzweiligsten 180 Radkilometer ihres Lebens hinter sich.

Mit 8 Wettkampfstunden in den Beinen nahm die 40jährige Triathletin nun die Marathonstrecke von 42,2 Kilometern in Angriff. Nachdem sie auf dem Rad ausreichend gegessen und getrunken hatte, fühlte sie sich noch immer stark und ging voller Elan ins Rennen. Im Gegensatz zur Radstrecke gab es nun keine großen Anstiege mehr zu bewältigen. Die ersten 20 Kilometer lief sie recht flüssig und war fast verwundert, wie locker sie vorwärts kam. Dann aber begannen die Muskeln langsam zu signalisieren, dass sie müde waren. Der Schritt wurde kürzer, die Anstrengung mit jedem Kilometer größer. Zum Glück stand ihr auch jetzt das phantastische Publikum zur Seite und insbesondere persönliche Freunde und Vereinskameraden aus Mettmann sorgen dafür, dass sie nie ans Aufgeben dachte. Nach 30 Kilometern musste sie einige kleine Gehpausen einlegen, schaffte es aber immer wieder, loszutraben. Auf dem letzten Streckenabschnitt fühlte sie sich dann wieder frischer und die immer näherrückende Ziellinie zog sie magisch an.

Überglücklich erreichte sie den Festplatz in Roth, wo ihr tausende von Zuschauern mit ihrem tosenden Applaus einen grandiosen Empfang bereiteten. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag hatte sie Freudentränen in den Augen und fiel nach einer Gesamtzeit von 13 Stunden 21 Minuten erschöpft aber happy ihrem Partner Artur Menzler in die Arme.

Dieser war zwar eine Stunde nach ihr gestartet, war aber erwartungsgemäß schneller unterwegs : Beim Schwimmen ließ auch er es recht locker angehen und erreichte ebenfalls nach 1:13 Stunden das erste Wechselzelt. Menzler, der bereits 1988 und 1995 hier zu den Finishern gehörte, kannte die Radstrecke genau, wußte die Berge "wegzudrücken", die Abfahrten mit rundem Tritt zu nehmen. Mit einer Duchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h schloss er nach 5:41 Stunden die Radstrecke ab. Und nun sollte die letzte Disziplin für den 54jährigen Trianderthaler des RV Edelweiss zeigen, was das monatelange Trainieren und Hinarbeiten auf diesen Tag gebracht hatte. In konstantem Tempo zog er seine Kilometer entlang des Kanals, zeigte etlichen Konkurrenten die Hacken und ließ auch auf dem gefürchteten Marathonstück jenseits der 35-km-Marke kaum nach. Er mobilisierte hier die letzten Kräfte, passierte auch die zahlreichen Verpflegungsstellen im Laufschritt. Auch er sog die unermüdliche Unterstützung des Publikums und die individuelle Anfeuerung der Freunde förmlich in sich auf und wandelte sie in Energie um. Nach einer Laufzeit von 3:47 Stunden und einer Gesamtzeit von 10 Stunden 47 Minuten ließ auch er sich gebührend und hochzufrieden vom phantastischen Rother Publikum feiern.

Für Artur Menzler und Gisela Reuschenbach ging damit ein Traum in Erfüllung. Nur wenigen Paaren ist es vergönnt, gemeinsam einen Ironman Triathlon zu finishen. So wird denn das Siegerlächeln noch lange in ihren Gesichtern spielen, und nach diesem Tag wissen sie sicherer denn je : "Triathlet, einmal musst Du nach Roth! "

Vielleicht war es ja für die beiden nicht das letzte Mal.

 
       
 

 

 

 
   

 

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