w

Artur Menzler, unser Urgestein ist schon viele Jahre dem Triathlon verbunden.   Artur ist Abteilungsleiter der Triathleten im MTV und jederzeit  ansprechbar. Am liebsten spricht  Artur aber über Triathlon: Tel.: 02104/71484 (priv.) oder tagsüber 02104/970314

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
  Artur Menzler  
  1988 Roth Ironman 1999 Hawaii Ironman  
       
  
Artur Menzler im Kampf gegen sich selber
         RP 3.Aug. 1988
 
Eindrücke eines "Ultra-Triathlon"

 
Viele Zeitgenossen stehen dem Sport, der sich hierzulande in den letzten Jahren wie eine Seuche ausbreitete, nicht nur reserviert, sondern zum Teil auch ablehnend gegenüber. Vor allem der Ultra-Triathlon, bei dem 3,8 km geschwommen, 180 km im (Rad-)Rennsattel zurückgelegt und ein Marathon von 42,195 km Länge absolviert werden müssen, rufen Widerstand und Kritik auf den Plan.

Für Anhänger dieser Vielseitigkeitsprüfung, bei der jeder Athlet an seine Grenzen stößt, ist solche Skepsis kaum nachvollziehbar. Sie trainieren für "ihren" Kampf gegen sich selbst tagein, tagaus, stellen ihre Ernährung und Lebensrhythmus um und haben nur ein Ziel vor Augen: Den "Ultra" zu schaffen und damit "Ironman" zu werden.

Auch den Mettmanner Artur Menzler, der in Wettkämpfen für den TSV Solingen an den Start geht, reizte der Kampf gegen sich selbst seit längerem und er nutzte die inoffiziellen Europameisterschaften, die am vergangenen Wochenende im fränkischen Roth ausgetragen wurden, zur Aufnahme des Dreikampfs. Seine Eindrücke schildert er in dem nachfolgenden Bericht, der aber unvollständig bliebe ohne die Antwort auf die sicherlich oft gestellte Frage: "Warum unterzieht sich jemand einer solchen Strapaze?" Artur Menzlers Antwort ist denkbar einfach: "Das war ein wunderbares Gefühl, als die Ziellinie in Sicht kam und die Zuschauer begeistert mitjubelten. Diesen  Moment werde Ich in  mein Leben lang vor Augen haben, den kann mir niemand mehr nehmen!"

Der "l. Ironman-Europe" beginnt für mich am Wettkampftag bereits um vier Uhr in der Früh. Nach knapp vier Stunden Schlaf -mehr waren vor Aufregung nicht zu schaffen - reißt mich der Wecker jäh aus meinem Träumen. Um halb sechs haben sich die Teilnehmer der Hawaii-Qualifikation am Main- Donau-Kanal (Nähe Roth/Nürnberg) einzufinden zwecks Registrierung und Armbeschriftung. Auch diese Aktionen ziehen vorbei, nicht aber die Zweifel, die seit längerem im Kopf herumschwirren: "War die Vorbereitung ausreichend, um diese Ultra-Distanz Überhaupt anzugehen? Waren Trainingsaufbau und Dosierung richtig? Reichen die allein in diesem Jahr absolvierten 120 Schwimm-Kilometer, die 5400 Kilometer im Sattel und das Laufpensum von knapp 1 800 Kilometer, um nicht auf der Strecke zu bleiben ?!"

Ungewißheit und Zweifel

Ich vermeide bewußt, den Wendepunkt der Schwimmstrecke abzuschätzen; vom Startplatz aus ist von einer Wendemarke nichts zu sehen. "Die liegt hinter der nächsten Kurve und einer Brücke in etwa zwei Kilometern Entfernung", hilft ein Kontrolleur des Organisations-Teams allen ratlosen Athleten weiter. Besser nicht weiterbohren! Stattdessen überprüfe ich zum x-ten Mal alle Funktionen meiner Rennmaschine, kontrolliere Rennrad- und Laufutensilien und ertappe mich mehrfach dabei, den Ablauf an den Wechselstationen in Gedanken durchzuspielen. Also dann: Neoprene, Schwimmanzug und Chlorbrille sowie Schwimmkappe und Startnummer überstreifen -und ab in die 23 Grad warmen Fluten des Main- Donau-Kanals. Die Außentemperaturen betragen an diesem Morgen übrigens mal gerade 14 Grad, so daß dicke Nebelschwaden aus der "Kanal-Badewanne" emporsteigen.

Das Wasser liegt noch keine 20 Schritte hinter ihm, da beginnt Artur Menzler bereits mit dem "Kleidertausch". Die Reißverschlüsse des Neoprenanzuges befinden sich schon auf halber Höhe, ein kräftiger Zug am Wechselplatz genügt, um blitzschnell aus der zweiten Haut zu schlüpfen. Foto privat

Ein einziger, langgezogener Riesenschrei füllt plötzlich die Luft -700 Starter begeben sich von der Vertikalen in die Horizontale und nehmen den Kampf gegen die Strecke und vor allem gegen sich selbst auf. Doch zunächst ist es eher ein Kampf gegen die Konkurrenz, denn 1 400 Arme wühlen plötzlich das bis Punkt sieben Uhr ruhig dahinfließende Naß auf. Ich habe Mühe, mich ungeschoren fortzubewegen; ständig ernte ich Schläge und Tritte und finde nur langsam zum gewohnten Rhythmus. "Nur die Ruhe bewahren", rede ich mir immer wieder ein, "finde deinen Schwimmstil!" Doch wo ist der nur abgeblieben?..

Dennoch geht die Zeit relativschnell vorbei; da ist schon die Brücke und mit einer gehörigen Portion Mut geht es rum um die Wendeboje. Den wild um sich schlagenden Kraul-Nachbarn lasse ich vorbeiziehen, mit diesem Stil ist der sowieso gleich wieder hinter mir. Die Schwimmbrille sitzt noch, das Feld ist mittlerweile auseinandergezogen und auf dem Rückweg dürfte es noch schneller gehen.

Nacheiner Stunde und fünf Minuten flitze ich aus dem Wasser , krabbel' in die Wechselzone, nehme den Kleiderbeutel auf und verdrücke mich ins Zelt. Organisation und Unterstützung der Helfer sind vorbildlich; der Veranstalter, Detlef Kühnel, hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet! Ich lasse mir Zeit, Neoprenanzug und Badekappe gegen Trikot und Helm zu tauschen - viel zu viel Zeit, wie sich später herausstellen wird. Aber mit dem Gedanken "nur die Ruhe kann es bringen" besteige ich meine Rennmaschine und schon nach wenigen Umdrehungen zeigt der Tacho 40 km/h an.

180 km Auf und Ab

Die Strecke, gespickt mit kurzen, aber kräftigen Anstiegen zwischen acht und 12 Prozent, ist nicht leicht zu fahren, aber dank der guten Asphaltierung rollt das Rad ohne Probleme. Dank reichlich vorhandener Verpflegungsstellen tritt auch kein Nährstoffmangel auf; nur  kurzzeitig erwischt mich der "tote  Punkt" - ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als mich Andreas Rudolph bei Kilometer 110 überholt. "Wieso kommst Du erst jetzt?" rufe ich meinem zehn Jahre jüngeren Vereinskameraden zu. "Ich will ja noch Marathon laufen", lautet die ebenso hastig zurückgeworfene Antwort. Da sind sie wieder, meine Zweifel: Fahre ich zu schnell?

Auf diesem "Flitzer" absolvierte  Menzler die 180 km lange Radstrecke. Auf mindestens 10 Minuten bezifferte Mettmanns erster "Ironman" den zeitgewinn, den ein derartiges Garbon-Hinterrad ermöglicht. .   Foto privat

 

Und schon sitze ich im Loch, werde müde und habe Schwierigkeiten, den runden Tritt zu halten. "Nur nicht nervös werden", motiviere ich mich selber und lasse mich vom Spalier der jubelnden und begeistert mitgehenden Menge vorantreiben. Die Anfeuerungsrufe, die überfällige Mineralstoffzufuhr sowie ein kleiner Sperling, der vor meiner Maschine kreist und simultan zu meinem Wiegetritt –Rhythmus den Berg heraufschwingt helfen mir über die Durststrecke und nur die plötzlich aufzuckende Sorge "Mensch, Du hast Dich verfahren - an dieser Stelle war ich doch schon dreimal" stiftet noch einmal kurzfristig Verwirrung.

Trugschluß

Nach fünf Stunden und 14 Minuten sind die 181 km endlich abgehakt, das Rad in der Wechselzone abgestellt und die Gedanken beim Marathon. Eine Zeit unter zehn Stunden sollte jetzt eigentlich zu schaffen sein, mache ich mir selbst Hoffnung und gebe der Sonne, die mich auf dem Rad beflügelt hat, einige Bonuspunkte. Doch die Hoffnung sollte sich auf der 42 km langen Strecke als Trugschluß erweisen, die Sonne nun zur Qual werden. Schon beim lockeren Antraben macht sich die nicht auskurierte Verletzung in der Kniekehle bemerkbar; "das schaffst Du nie!" schießt es mir sofort durch den Kopf! Und das nach wenigen Metern auftauchende Hinweisschild - noch 41 km -trägt auch nicht gerade zur Stimulation bei. Jetzt nur einfach weitermachen, nicht an die Distanz denken. ..

Nach fünf Kilometer kommt plötzlich Freude auf: Vor mir tippelt Hans-Jörg Herzog, mein Altersklassen-Rivale aus Konstanz. Schon bin ich vorbei, ohne daß der souveräne Sieger des diesjährigen Deutschland-Cups (M 40) dies Überhaupt richtig aufnimmt. Nach 46 Minuten ist das erste Viertel erledigt, doch plötzlich bekomme ich die Quittung für mein zu hohes Anfangstempo. Durst und Müdigkeit bemächtigen sich meiner, "stehen bleiben" ist mein einziger Gedanke. Das fälschlischerweise bereits am Vortag zubereitete Mineralgetränk schmeckt einfach scheußlich, die an den Verpflegungsstationen im Abstand von 2 000 Metern gereichten Getränke sind zu süß und das stattdessen gebotene Wasser ist gerade gut genug, um dem Kopf eine Abkühlung zu gönnen.

"Durststrecke"

 Da kommen mir auch schon der Holländer Axel Koenders und Dirk Aschmoneit entgegen, die bereits den ersten Wendepunkt passiert haben. Die haben ja einen "Affenzahn drauf'! Und kurz darauf folgen meine Teamgefährten vom TSV Solingen; auch wenn die Grüße nur mit gezwungenem Lächeln abgegeben werden, die Zurufe helfen. Noch 24 Kilometer! Diese Schilder machen mich fast wahnsinnig! Bloß nicht anhalten! Und dann bleibe ich doch an einer Verpflegungsstation stehen und versuche, über gymnastische Übungen neue

Kräfte zu  sammeln. Die Andren ziehen vorbei, unter Ihnen auch Hans-Jörg Herzog, der mir einen aufmunternden Klaps auf den Hintern gibt. Dabei ist er selber offensichtlich "platt"...

Langsam trabe ich wieder an, habe meinen Tiefpunkt aber immer noch nicht überwunden. Endlich taucht ein Gasthaus vor mir auf und auf die Frage "wer stiftet einem Verdurstenden ein Bier" werden mir spontan vier bis zum Rande gefüllte Gläser entgegengestreckt. Ich schlürfe das kühle Nass genüßlich herunter und mache mich trotz der Muskel- und Sehnenschmerzen weiter auf den Weg. Aber erst nach Aufnahme weiterer Flüssigkeit, vor allem eines Mineralgetränks, fasse ich wieder Tritt. Bald habe ich Herzog erneut erreicht und biete ihm an, den Rest der Strecke gemeinsam zu bewältigen. Doch der Konstanzer muß passen, schon nach wenigen Schritten kann ich mich absetzen.

Neuer Schwung

Allmählich wird mir klar, daß ich den "Ultra" schaffen kann! Nur noch zwölf Kilometer - kämpfen, beißen, die Schmerzen vergessen und an den persönlichen Sieg glauben. Kurz hinter der letzten Wendemarke zieht zwar Rita Keitmann, Siegerin des Damen-Wettbewerbs und erste "Ironwoman", locker an mir vorbei, doch das kann mich jetzt auch nicht mehr aus der Fassung bringen. Die Zuschauer am Wegesrand treiben einen förmlich voran..:. plötzlich geht alles viel leichter und schwungvoller!

Ein Kilometer noch, 500 Meter, die Aufschrift "Finish Line" -und dann bin ich endlich im Ziel, umgeben von einer tobenden, begeisterten Menge. Durch den Lautsprechertönen mein Name und meine Anschrift -ein Gefühl größten Glücks überzieht mich. Die Neun-Stunden-Zeit ist zwar passe -10:10 Stunden wurden es insgesamt, aber das alles zählt jetzt nicht mehr: die Qualifikation für den Hawaii:.."Ironman" ist geschafft!

   
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         
 

 

 

 
   

 

1

     
   

   

 

     
     
 
 
Hosted by www.Geocities.ws

1