Linkin Park mag Spargeln!
Quelle: http://www.einslive.de/
Von Marcel Anders
Vier Jahre nach ihrem letzten Album "Meteora" wollen Linkin Park alles sein � nur nicht N� Metal. Weshalb die kalifornischen Platin-Rocker auf ihrer dritten CD "Minutes To Midnight" alles anders und vieles besser machen. Ein Gespr�ch mit S�nger Chester Bennington.
Fluchen ist mittlerweile erlaubt!
1LIVE: Chester, du hast vor kurzem deinen 31. Geburtstag gefeiert. Was hast du an dem Tag gemacht?
Chester Bennington: Ich hatte tags�ber Interview-Termine. Was aber halb so wild war. Schlie�lich ist es lustig, wenn dir ganz viele Leute, die du gar nicht kennst, gratulieren. Und abends war ich mit den Jungs von der Band in einem Comedy Club. Wir haben abgehangen, gegessen und viel gelacht.
1LIVE: Klingt nicht gerade nach wildem Rock'n'Roll ...
Chester: Ist es auch nicht! Schlie�lich bin ich der Methusalem der Band � ich bin das �lteste Mitglied. Und das einzige mit Kindern. Ich habe vier Jungs, und insofern ziemliche Verantwortung. Der j�ngste ist gerade ein Jahr alt geworden.
Fluchen erlaubt
1LIVE: Linkin Park, die netten, sauberen Typen von neben?
Chester (leicht gernevt): Warum nicht? Es muss ja nicht jeder den g�ngigen Klischees entsprechen. Oder so tun, als ob er etwas w�re, was er nicht ist. Das haben wir nie getan. Und darauf sind wir stolz.
1LIVE: Trotzdem z�hlt ihr mit 40 Millionen verkaufter CDs zu den Gro�verdienern des N� Metal � eine Bewegung, von der ihr euch nun distanziert?
Chester: Ich habe keine Ahnung, was N� Metal ist. Ich meine, ich wei� schon, was sich die Leute darunter vorstellen. Und f�r uns war es auch eine tolle Sache, Teil eines komplett neuen Genres zu sein, das wir ma�geblich mitgepr�gt haben. Aber wir hatten nie das Gef�hl, dass wir wie eine der anderen Bands klingen, mit der wir da in eine Schublade gesteckt wurden. Einfach, weil wir noch viele andere Elemente verwendet haben. Deshalb f�hlen wir uns auch viel wohler in der Hard Rock- und selbst in der Pop-Kategorie. Aber mit diesem N� Metal-Kontext haben wir nun wirklich nichts zu tun. Und dieses Album ist die Chance, da auszubrechen. Wir sind ins Studio gegangen und haben ganz bewusst alles aus unserem Sound entfernt, was auch nur ansatzweise mit N� Metal zu tun hatte. Wir haben es regelrecht eliminiert. Eben den Gitarren-Ton, den Drum-Sound und die Art, wie der Gesang angelegt war.
1LIVE: Daf�r wird ab sofort geflucht � was fr�her undenkbar gewesen w�re?
Chester (lacht): Stimmt. Darauf hat die Welt gewartet, oder? Unglaublich, dass so einer Sache so viel Bedeutung zugemessen wird. Obwohl: Es ist ein weiterer Bestandteil dessen, was wir vorhatten. Wir wollten etwas anderes machen � in jeder Hinsicht. Versteh mich nicht falsch: Wir lieben die ersten beidem Alben. Aber noch einmal dasselbe zu machen, w�re doch langweilig gewesen � f�r uns wie f�r die Leute, die sich das sp�ter anh�ren m�ssen. Und es ist toll, etwas Neues zu probieren. Das hat auch mit Freiheit zu tun: Unser Erfolg hat uns die M�glichkeit gegeben, erstmals im Studio zu schreiben, und das 14 oder 15 Monate lang, was schon sehr ungew�hnlich ist.
1LIVE: Auf "Minutes To Midnight" arbeitet ihr mit Rauschebart Rick Rubin � hattet ihr keine Angst, dass er euch in Neil Diamond oder Johnny Cash verwandelt?
Chester: Also ich finde Neil Diamond toll, und kann nichts gegen ihn sagen. Aber was Rick f�r uns getan hat, war uns von unserem alten Sound zu befreien, in dem wir festgesteckt haben. Und zwar ohne, dass wir uns dessen bewusst waren. Das Ganze war ein Experiment. Eine Erfahrung, bei der wir das Gef�hl hatten, dass wir uns musikalisch und stilistisch weiterentwickeln und �ffnen � indem wir Songs schreiben, die die Leute nicht von uns erwarten, und die trotzdem nach Linkin Park klingen.
1LIVE: Wie die akustische Rap-Nummer "Bleed It Out", die komplett aus dem Rahmen f�llt?
Chester: Ganz genau. Ich liebe diesen Track. Denn er hat all die Elemente, die Linkin Park ausmachen, klingt aber ganz anders, als du es von uns erwarten w�rdest. Da singt Mike die Strophe, ich den Refrain, und es hat einen gro�en hymnischen Chorus und eine nette Bridge. Wenn du es aufschreiben w�rdest, w�rde es wie ein Linkin Park-Song aussehen, aber wenn du es h�rst, ist es etwas ganz anderes als das, was wir fr�her gemacht haben. Und allein die Tatsache, dass wir dazu in der Lage sind, ist toll � das ist der Trick.
1LIVE: Ihr seid in diesem Sommer Headliner auf allen wichtigen Festivals, darunter Rock Am Ring/Rock Im Park. Seid ihr nicht nerv�s, euch da im ganz neuen Gewand zu pr�sentieren?
Chester: Nein, denn wir waren da ja schon ein paar Mal. Und es ist schon ziemlich spektakul�r. Es ist definitiv eine gro�e Ehre. Ganz egal, zu welcher Tageszeit du auftrittst, du spielst da vor einer Menge echter Musikfans. Leute, die es lieben, da zu sein, und das Festival zu erleben. Deswegen ist auch jede Position im Programm toll. Und wir selbst haben uns da nach oben gearbeitet, indem wir letztes Mal einen richtig guten Job abgeliefert haben. Da haben wir direkt vor den Toten Hosen gespielt. Von denen hatte ich vorher noch nie geh�rt, aber es war toll, ihre Show zu beobachten. Eine richtig gute Band mit einem tollen Sound, und die Leute haben sie geliebt. Das war ziemlich beeindruckend.
Strapazen und Kritik
1LIVE: Ihr habt zwei Jahre nicht mehr live gespielt. Ist es da nicht ein erschreckender Gedanke, sich auf eine weitere Mammuttour einzulassen?
Chester: Nun, die Shows an sich sind immer ein gro�er Spa�. Und wir lieben es, live aufzutreten, das ist wirklich eine wichtige Sache f�r uns. Aber wenn wir erstmal ein paar Monate unterwegs sind, st�ndig im Bus oder im Flugzeug sitzen und in Hotels leben, ist das schon ziemlich erm�dend. Doch es lohnt sich. Einfach, weil es die Chance ist, eine direkte Beziehung zu den Fans aufzubauen � mit ihnen zu sprechen und direkten, physischen Kontakt zu haben. Wenn du genau vor jemandem stehst, ihm die Hand sch�ttelst, und er dir ins Gesicht sagt, was er von der Musik h�lt, wie sie ihn inspiriert oder ihm �ber bestimmte Dinge hinweghilft, dann ist das das Gr��te. Das entlohnt f�r alle Strapazen.
1LIVE: Was erwartet die Leute diesmal?
Chester: Momentan haben wir vier neue St�cke einstudiert. Sobald das Album drau�en ist, und die Leute sich da ein bisschen reingeh�rt haben, werden wir nach und nach immer mehr neue St�cke hinzuf�gen. Und es ist toll, jetzt drei Alben am Start zu haben, aus denen wir uns bedienen k�nnen. Dadurch k�nnen wir das Set �fter umstellen und Sachen rausschmei�en, die live nicht ganz so gut r�berkommen. Den Luxus hatten wir vorher nicht. Als wir "Hybrid Theory" ver�ffentlichten und die Platte regelrecht explodierte, hatten wir gerade mal 32 Minuten Musik � mussten aber in Arenen spielen. Das war ziemlich tough. Wir haben es gestreckt bis zum Geht nicht mehr, und daf�r ziemlich herbe Kritik eingesteckt.
Der P.Diddy des Rock
Chester kleidet seine Bandkollegen auch ein.
1LIVE: Neben Linkin Park unterh�ltst du ein Solo-Projekt namens Dead By Sunrise. Reicht dir die Band alleine nicht mehr?
Chester: Ich mache einfach gerne noch etwas nebenher, und wenn alles klappt, wird das Album im Laufe des Jahres fertig. Es ist elektronischer Rock mit starken Pop-Elementen. Also ein bisschen wie Depeche Mode, kombiniert mit Grunge, aber auch Classic Rock. Es hat ein elektronisches Flair und ist sehr abwechslungsreich. Die Leute werden merken, dass ich da voll hinter stehe � und dass es etwas ganz anderes als Linkin Park ist. Bislang habe ich jedenfalls nur positive Resonanz bekommen.
1LIVE: Und wie bist du darauf gekommen, eine Kette von Tattoo-Studios zu er�ffnen? Weil du dein eigener beste Kunde bist?
Chester: Das kann man so sagen. (lacht ) Mein Oberk�rper ist mittlerweile zu 80 Prozent t�towiert, und ich habe vor, mir noch ein paar weitere Motive stechen zu lassen. Mittlerweile habe ich vier Studios und er�ffne bald ein f�nftes - in Las Vegas. Das ist ziemlich ehrgeizig, weil es ein zwei Millionen-Dollar-Projekt ist. Es ist Teil dieses neuen Ressort Casinos namens The Cosmopolitan, das gerade am Strip gebaut wird. Und sobald es steht, k�nnen wir aufmachen. Das ist unsere gro�e Sache f�r 2008. Au�erdem habe ich meine eigene Schuhlinie gestartet � die ich heute auch selbst trage (deutet auf ein paar klobige Sneakers mit Drachen-Design). Sie laufen unter dem Namen Club-Tattoo und kommen im Juni in die L�den.
1LIVE: Ist das derselbe Drache, den du auf dem R�cken tr�gst?
Chester: Er ist �hnlich � aber nicht derselbe. Und da wir gerade dabei sind: Im August starte ich noch eine Modelinie unter dem Namen Visal. Das ist dann Visal von Club Tattoo.
1LIVE: Jetzt klingst du wie P. Diddy. Chester Bennington, der Rock & Mode-Mogul?
Chester: Ich w�rde sagen, ich bin so etwas wie der Haus- und Hof-Stylist der Band, also ihr Image - und Modeberater. Und das macht mir Spa� � einfach, weil ich den Jungs gerne helfe, wenn es um visuelle Sachen geht. Ich habe zum Beispiel am Albumcover mitgewirkt, weil ich wollte, dass wir auf dieser Platte auch optisch eigenst�ndig wirken. Also, dass wir einen Stil entwickeln, der hundert-prozentig zu uns passt. Daf�r haben wir in der Vergangenheit jemanden engagiert, mit dem wir aber nie besonders gl�cklich waren. Uns wurden halt immer irgendwelche Sachen �bergest�lpt, die uns diverse Firmen zur Verf�gung gestellt haben, und in denen wir dann eine Show oder auch eine Fotosession bestritten haben � ohne gro� dar�ber nachzudenken. Dabei waren wir nichts anderes als lebende Litfasss�ulen, die ganz schamlos das Produkt einer Firma zur Schau stellten. Alles, woran wir dachten, war: "Nun, die Sachen sind sauber, weich und die Farbe ist auch OK." Peinlich, oder? Ich erinnere mich, dass es sogar Momente gab, in denen wir alle dieselben Hosen, dieselben Shirts und dieselben Schuhe getragen haben. Das sah ziemlich l�cherlich aus.
1LIVE: Und das soll in Zukunft nicht mehr passieren?
Chester: Hoffentlich! Wir sind ein bisschen vorsichtiger und aufmerksamer, was unser �ffentliches Auftreten betrifft. Und ich w�rde sagen, wir waren da vorher viel zu naiv. Uns war es ziemlich egal, was wir anhatten, einfach weil wir so viel unterwegs waren. Da ziehst du an, was du gerade frisch gewaschen hast, auch, wenn die Sachen irgendwann v�llig durch sind. Aber jetzt haben wir jemanden, der unsere Kleidung w�scht � und neue besorgt, falls die alte nicht mehr gut aussieht. Er nimmt uns also diesen Bereich ab, und h�lt uns optisch in Form. Das finde ich wichtig. Es passt zu unserem neuen Anspruch, einfach vieles besser zu machen.