Kapitel 16
Der Kreis zieht sich zu
Alleine in meiner Wohnung angekommen streifte ich den Duster ab und legte ihn vorsichtig �ber der Stuhllehne ab.
Das Fenster �ffnend fiel mir ein Zettel auf, den der Wind vom Tisch blies.
'Are you with us?' stand darauf, mehr nicht. Doch ich wusste von wem dieser Zettel stammte, diese Handschrift war unverkennbar.
F�r den Rest dieser Nacht verkroch ich mich in meine Medizinh�tte, eine Art kleines schamanistisches Zelt das ich mir in einer Ecke aufgebaut hatte.
Ich f�hlte wie Katze sich zu mir legte, w�hrend ich meditierte, und folgte dem Traumpfad meines Totems bis zum n�chsten Morgen.
Eine genauere Untersuchung des Dusters ergab das dieser aus Basiliskenhaut gefertigt und ein extrem guter Schutz gegen Kugeln war.
Noch nie hatte ich ein vergleichbar geniales Kleidungsst�ck gesehen.
Ich bat Melt mich dar�ber auf dem Laufenden zu halten was mit KC geschah und die Deckerin brachte mir auch ziemlich schnell ausf�hrliche Informationen.
KC hatte einen erstaunlich guten Pflichtverteidiger bekommen, der es schaffte ihre Strafe auf drei Jahre Gef�ngnis herunter zu handeln. Zweifelsohne war sie einen Deal eingegangen und hatte alles verraten was sie nur von uns wusste. Gl�cklicherweise konnte das nicht wirklich viel sein.
Die kommenden Tage stand schlie�lich mein Geburtstag an und ich arrangierte eine kleine, gem�tliche Feier in meiner Wohnung.
Es kamen erstaunlich viele Leute. Darell, Nastassja, Martina, Melt, Pike, Will aus dem Kampfclub und Franky unser Schieber. Die Party war recht ausgelassen und machte allen Spa�, auch wenn wir einmal zwischendurch kurz den n�chsten Stuffer Shack pl�ndern mussten, da Will es darauf anzulegen schien alles alleine weg zu essen.
Will gab mir sp�ter auch die Vidphone Nummer eines Stra�ensams, von dem er wusste das dieser Anschluss zu einer Gruppe suchte.
Der Mann nannte sich 'Marlboro Man' und hatte, als ehemaliges Doc-Wagon Mitglied (Bereitschafts�rzte, die Vertr�ge mit Kunden abschlie�en und diese sogar aus Gefahrengebieten heraus holen.) die besten Voraussetzungen f�r Bloody Circle.
Die kommende Nacht erwachte ich von einem seltsamen Gef�hl.
Alarmiert sah ich mich um, konnte jedoch nichts entdecken.
Mein Weg f�hrte mich ins Badezimmer und ich erstarrte.
Auf dem Badezimmerspiegel stand in feinen Buchstaben der Satz geschrieben: 'Are you with us, or against us?'
Mit zittrigen Fingern nahm ich den Lippenstift, den ich ab und an schwach benutzte, auf und schrieb in rot darunter: 'With you'
Der n�chste Morgen begann mit Training im Kampfclub, dem sp�ter ein Schusswaffentraining mit Martina folgte.
Die ehemalige Bowlingbahn eignete sich hervorragend zum �ben, auch wenn sich die Zielweite nicht variieren lie�.
Martina, aber auch ich selbst, hatten hier bereits viel gelernt.
Doch an diesem Nachmittag brachte mich jemand v�llig aus dem Konzept.
Die Person, die die Bowlingbahn betrat, war seltsam durch und durch.
In Kalifornien war es stets warm, gerade auch jetzt, aber der Mann kleidete sich wie ein Arktisurlauber.
Kein Millimeter an Haut war zu sehen und so erkannte ich Lyn erst als er mich leise anfl�sterte.
F�r einen Moment glaubte ich mich tr�fe buchst�blich der Schlag.
Lyn, ein Vampir, oder weil er ein Elf war, besser gesagt ein Banshee, tauchte hier, eingepackt wie ein Eskimo, mitten am Tag auf und sprach mich direkt vor Martina an.
Das Grinsen auf seinem Gesicht sp�rte ich selbst durch den dicken Stoff hindurch, das sein Gesicht bedeckte.
�Was zum Teufel tust du hier Lyn?� Raunte ich ihm zu. �Ich wollte dich sehen.�
Mehr brauchte er nicht zu sagen, denn mein Herz schien vor innerer Freude zerspringen zu wollen.
Dieser Verr�ckte, dieser ewig Verr�ckte ...
Lyn nahm sogar die verfeindete Sonne in Kauf nur um mich sehen zu k�nnen.
Mir fehlten die Worte.
�Halte dich bereit Venka. Heute Nacht hole ich dich ab und wir gehen uns mal etwas am�sieren. Fast so wie fr�her.�
�Damals waren wir Kinder ..� Bemerkte ich.
�Welch Gl�ck keines mehr zu sein.� Erneut grinste er, wandte sich um und verlie� die umfunktionierte Bowlingbahn.
Ich sah ihn noch in eine sehr teure Limousine mit verdunkelten Scheiben steigen.
Martina blickte mich an. Wer immer das gerade war, sie mochte ihn nicht.
Alle ihre Instinkte schlugen Alarm und meine untypisch verwirrte Reaktion gefiel ihr nicht.
Mit Fragen versuchte sie in mich zu gehen.
Eigentlich wollte ich keinem etwas verraten, aber manchmal hat man das Gef�hl platzen zu m�ssen, wenn man sich nicht wem anvertraut und mein Vertrauen besa� sie durch und durch.
So erz�hlte ich ihr von meiner Kindheit in Tir Taingire. Von meinen Eltern, die sicherlich denken mussten das ich tot sei.
Ich erz�hlte ihr von Lyn, was wir alles angestellt hatten und das er mich schon immer in die verr�cktesten Situationen brachte.
Aber ich erz�hlte ihr auch von Miles und was dieser aus Lyn. Und zu guter letzt wusste sie es bereits aus meinen Erz�hlungen zu deuten. Ich liebte Lyn �ber alles.
Anf�nglich war Martina schier sprachlos. Nie zuvor hatte ich Dinge aus meiner Vergangenheit erz�hlt, oder sie so tief Einblick in meine Gedanken- und Gef�hlswelt nehmen lassen.
Aus meinen Erfahrungen bildete sich ein nahezu undurchdringlicher Schutzkokon um mich herum,
der nur wirklich wenigen ein Hindurchblicken gestattete.
Noch vor Beginn der Abendd�mmerung schickte ich Martina nach Hause und begann mich auf die Nacht vor zu bereiten.
Ein Blick in den Spiegel zeigte mir das ich sch�n war. Sch�ner und faszinierender denn je musste ich auf die Menschen in meiner Umgebung wirken.
Mein Selbstbewusstsein und k�hle Berechnung lie�en mich geheimnisvoll und fremdartig wirken.
Ich wusste sehr genau welche Wirkung ich bei anderen ausl�ste.
Martina hingegen begann sich Gedanken zu machen. Ihre ganz eigenen Gedanken.
Angst mich zu verlieren. Angst Lyn w�rde mich ebenfalls zu einem Vampir machen. Und die Angst vor dem Unbekannten an sich.
Eigentlich h�tte ich schon fr�her erkennen m�ssen das viel zu viel Angst in ihr war um mich auch nur ann�hernd verstehen zu k�nnen...