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Kapitel 9
The Road to Atzlan


 

Der Februar brachte eine neue K�ltewelle, aber keinen Schnee mehr. Das bedauerte ich. Sylvan war jetzt �fters in Besprechungen mit seinem Team. Soweit ich mitbekam planten sie an einem gr��eren Run.
Ich zwang mich intensiv nicht daran zu denken. Nerv�s machte es mich trotzdem.
Ramrod rief mich schlie�lich von zuhause aus an. Ich solle sofort den Fernseher anschalten. Was ich sah machte mich sprachlos.
In den Nachrichten wurden die Bilder unserer Zielperson und unseres Johnsons, vom letzten Run in Deutschland, eingeblendet. Anscheinend hatte man die Beiden tot aus irgendeinem Gew�sser gefischt. Der Run in Deutschland sollte mir mit seinen merkw�rdigen Umst�nden wohl ein ewiges R�tsel bleiben...
Sylvan sehr nachdenklich Ich war gerade mit der W�sche fertig geworden, als Sylvan von einer weiteren Besprechung nach Hause kam. Er setzte sich auf das Sofa und wirkte nachdenklich.
Ich lie� ihm Zeit, spannte derweil die Nylonschnur quer durch unseren Wohnraum und begann Kleidungsst�cke daran aufzuh�ngen und glatt zu streichen. Durch die K�che zog es kalt herein, denn ich hatte das Fenster zum L�ften ge�ffnet.
Sylvan r�hrte sich noch immer nicht. Ich begann Essen zuzubereiten.
Schlie�lich kam er in die K�che, schloss das Fenster und sah z�rtlich zu mir herab. Ungekannter Ernst lag in diesem Blick und eine tiefe Nachdenklichkeit.
Sein Team habe einen Auftrag erhalten, der ihnen allen so viel Geld einbr�chte das sie sich danach aus dem aktiven Shadowrunnerleben zur�ckziehen k�nnten. Der Auftrag sei sehr gef�hrlich und sie br�uchten noch eine zweite Gruppe, da es um zwei Aktionen ging, die gleichzeitig laufen sollten.
Mir stockte der Atem. Sylvan wollte mich und mein Team als zweite Gruppe. Er glaubte tats�chlich wir seien bereits gut genug um an der Seite seiner Leute zu agieren...
Ich nickte und gleichzeitig schn�rte sich mir der Hals zu. Mit Sylvan auf einen Run zu gehen hie� ihn vielleicht sterben zu sehen. Waren wir wirklich gut genug um sein Team zu begleiten? Gab es keine Besseren?
Aus Sicherheitsgr�nden konnte er mir erst einmal nicht mehr sagen. Appetitlos a� ich meine Lasagne. Wenn der Run so viel Geld einbrachte musste das Risiko entsprechend sein. Ich hatte Angst, weniger um mich, als um alle anderen und betete inst�ndig das alles gut gehen m�ge....
Einige Zeit sp�ter war die Besprechung mit unserem Johnson.
Beide Teams sa�en an einem Tisch, was mir seltsam vorkam. Aber irgendwie war ich stolz darauf. Sylvan, wie ich sprachen als Anf�hrer f�r unsere jeweiligen Teams und das erste Mal erlebte er mich professionell ernsthaft in meiner Anf�hrerrolle.
Unser Johnson, ein Japaner, erkl�rte was er von uns erwartete. Innerhalb eines Monats sollten wir aus einer Testreihe von Viren einen speziellen Virus und den dazugeh�rigen Antivirus stehlen.
Das Labor, in dem beide Viren getrennt voneinander aufbewahrt wurden, lag mitten im tiefsten Dschungel Atzlans und war nur m�hsam zu erreichen. Alleine die Grenz�berquerung nach Atzlan hatte t�dliche Ausma�e. Kein anderes Land war so streng gesichert und ein derma�en Shadowrunnerfeindliches Gebiet wie dieses! Kein Wunder das unser Johnson daf�r viel Geld springen lie�.
Sp�ter am Abend, noch w�hrend die Anderen dar�ber diskutierten wie genau man nun �ber die Grenze k�me, nahm Sylvan mich beiseite und fragte mich ob ich ganz sicher sei, das ich da mitmachen wolle. Ich bejahte, denn innerlich war mir eines klar... Ich w�rde nicht zulassen das ihm dort etwas passierte!
Ich w�rde die Welt aus den Angeln heben, wenn es sein m�sste, nur damit Sylvan lebendig da wieder heraus k�me!
Das schwor ich mir selbst...
Unsere Teams verbrachten einige Zeit mit der Vorbereitung, immerhin mussten wir uns koordinieren.
Privat trafen Sylvan und ich uns wieder mit Darell und Leonie.
Das Eis war gebrochen und unsere Abende wurden zusehends erotischer. Kleine d�mliche Spielchen, wie 'Flaschendrehen', lockerten die Stimmung auf.
Sylvan und Darell bemerkten schnell das ich k�rperlich ziemlich auf Leonie abfuhr und wurden nicht m�de mich damit ein bisschen in die Ecke zu dr�ngen, denn nat�rlich kam es f�r mich nicht in Frage Leonie in dieser Hinsicht zu ber�hren. Sie war Darells Freundin und ich wusste nicht wie humorvoll er diese Sache dann noch sehen w�rde. Au�erdem wollte ich auf keinen Fall Sylvan's Gef�hle verletzen.
Carasy's Flugzeug Gegen Ende Februar war die Vorbereitungsphase schlie�lich abgeschlossen und Carasy, der Rigger aus Sylvan's Team, charterte ein kleines Flugzeug, mit gro�em Spezialtank, das uns nach Kalifornien brachte, wo wir erst einmal in einem kleinen Mittelklassehotel unterkamen.
Los Angeles war herrlich warm, sonnig und voller Leben. Nachdem ich mich ausgeschlafen hatte genoss ich jede Menge Strandleben, Eis und Marshmallows, bis mir schlecht wurde.
F�r den Abend des zweiten Tages mietete Sylvan schlicht eines dieser kleinen Strandcafes komplett und arrangierte eine �berraschende Geburtstagsfeier f�r mich.
Cocktails im Überschuss Bei Zahlreichen Cocktails und kleinen H�ppchen wurde mir zum 24. Lebensjahr gratuliert.
Ramrod schenkte mir ein High Tech-Katana. Das brachte mich v�llig aus dem H�uschen und ich freute mich riesig!
Von Leonie gab es einen voll animierten Kamasutrachip und scherzhaft noch einen Lernchip f�r reines Oxford-Englisch dazu. Sie war n�mlich der Meinung meine Art mich auszudr�cken sei etwas zu primitiv.
Myxin �berraschte mal wieder durch seine verquere Denkweise, indem er mir einen Chip der katholischen Kirche, mit dem Titel 'Unzucht ist unk�hl' �berreichte.
Sylvan r�mpfte dar�ber nur die Nase. Er und Myxin redeten, seit der Sache im Fight Club, nicht miteinander. Aber da mir eh klar war das unser Rigger eine Vollmeise hatte, tat ich zumindest so als freue ich mich �ber den katholischen Mist.
Ich sah mir das Teil sp�ter sogar tats�chlich mal 10 Minuten lang an und hatte was zum Lachen.
Darin wurde Sex allgemein verteufelt, aber ganz besonders homoerotische Beziehungen. War ja klar das so etwas von Myxin kommen musste.
Sonnenuntergang An diesem Abend brannte der Himmel rot wie Feuer und wir feierten mit ganzer Kraft, denn jeder war sich bewusst das dies die letzte Feier seines Lebens sein konnte.
Phantom flirtete sogar Widow an, so das ich einschreiten und sie an ihre Liaison mit Darell erinnern musste.
Carasy war am Ende stockbesoffen und schmetterte einen Song zusammen mit Myxin, in dem es um ihre Liebe zu Blech und Motoren ging. Ignite unterhielt sich mit Ramrod und verschwand, glaube ich, auch sp�ter mit ihm gemeinsam in ein Hotelzimmer.
Diese Nacht liebten Sylvan und ich uns, als w�re es das letzte Mal. Es machte nichts das er mir in seiner Liebe sogar ein wenig weh tat, ich wollte es so. Der Schmerz gab mir das Gef�hl am Leben zu sein und lie� mich aus der Welt um mich herum die Kraft sammeln, die ich f�r die kommenden Tage brauchen w�rde....
Mit zwei Wagen n�herten wir uns am n�chsten Tag der Atzlanischen Grenze.
Ich sa� hinten neben Sylvan. Mein Bed�rfnis ihm nahe zu sein war endlos. Wir alberten w�hrend der Fahrt herum, um so Stress abzubauen.
Manchmal sah ich aber auch einfach nur zu wie die Landschaft an mir vorbeiraste. Lange Zeit konnte ich das Meer sehen. Seine endlose Weite wirkte berauschend auf mich.
Grenzübergang Im Dunkeln �berquerten wir zu Fu� die Atzlanische Grenze. Schlichen uns Schritt f�r Schritt vorw�rts, mit unserer Ausr�stung und bewegten uns schlie�lich im gehobenen Tempo auf die n�chste Ortschaft zu.
Mit zwei gestohlenen Autos fuhren wir schlie�lich weiter, in Richtung des Dschungels, der uns zu Beginn des n�chsten Tages in seine feuchthei�e Umarmung empfing. Ab hier mussten wir laufen.
Dschungel Das Klima war m�rderisch. Die Luft so feucht das ich das Gef�hl hatte sie trinken zu m�ssen.
Einzelne Str�hnen schwarzer Haare l�sten sich aus meinem langen, geflochtenen Zopf und klebten mir seitlich an Hals und Gesicht.
Jeder Schritt musste vorsichtig gesetzt werden, denn dieser Lebensraum war ganz anderen Wesen als uns vorbehalten. Je l�nger wir liefen, desto mehr an Kraft schien diese gr�ne H�lle aus uns heraus zu saugen.
Ab einem bestimmten Punkt trennten sich die Wege unserer Gruppen, denn mein Team musste den Zugang zum Abwassersystem finden und beschreiten, da wir den Antivirus aus dem Keller holen sollten. Sylvan's Team war f�r den Virus, in der Hauptanlage oberhalb, zust�ndig.
Ein letzter Blick, ein Nicken, aber kein gro�er Abschied, denn jetzt waren wir nicht das P�rchen vom Abend zuvor, jetzt waren wir zwei Teamleader, die ihre Leute zu f�hren hatten.
Drei Kilometer k�mpften Widow, Ramrod, Myxin und ich uns weiter durch den lebensfeindlichen Dschungel, bis wir endlich an den Abschnitt des Abwassersystems gerieten, durch den wir einsteigen konnten.
Innerhalb seiner Eingeweide ging es nun zielstrebig zur Anlage vor. Bis Myxin pl�tzlich abrupt stoppte und die Hand hob. Wir verharrten.
Ein Monofilamentdraht hatte sich vorne fast unmerklich in seine gepanzerte Tarnkleidung geschnitten. W�re er auch nur einen Schritt weitergegangen h�tte sich der Draht v�llig m�helos durch seine Brust gefressen und ihn das Leben gekostet. So kostete es Myxin nur einen L�ngsstreifen seiner Kleidung.
Anhand von �sten testete er aus wie viele Dr�hte, wo gespannt waren und kletterte �u�erst vorsichtig hindurch. Widow weigerte sich zuerst, aber sie folgte schlie�lich, nachdem ich sie w�tend anherrschte.
So gelangten wir letztendlich an eine T�r, die in den Kellertrakt f�hren sollte, zu dem wir mussten. Gesichert war sie mit einem Magschlo� der Stufe zehn. Unser Magschlo�knacker war einer der besten die man auf dem Schwarzmarkt bekommen konnte, trotzdem biss er sich an diesem Schlo� zuerst die Z�hne aus. Erst nach mehrmaligem Probierens gelang es uns die T�r zu �ffnen.
Mir war klar das unser Versuch durch die T�r zu kommen nun eventuell von den Sicherheitsdeckern bemerkt worden war, doch wir hatten keine andere Wahl.
Ich hackte mich in das System und versuchte die Kameras zu �bernehmen, doch Alarm schrillte grell durch die Matrix. Das Magschlo� hatte tats�chlich welchen ausgel�st!
Nun hie� es schnell zu sein. R�cksicht auf Kameras brauchten wir jetzt nicht mehr zu nehmen, denn man wusste bereits das wer da war und von wo er kam.
Energisch scheuchte ich mein Team hinein und wir liefen hoch zum ersten Kelleruntergeschoss. Widow entdeckte sogleich den Antivirus, den sie in einen speziellen Beh�lter daf�r steckte, und gerade als wir uns unbehelligt auf den R�ckweg machen wollten, h�rten wir von weiter oben, dem Erdgeschoss, Sch�sse und wilde Rufe. Sylvan's Team! Wahrscheinlich hatte unser Alarm ihnen nun m�chtig Probleme eingebracht....
An eine einfache R�ckkehr war nun nicht mehr zu denken, jetzt hie� es ihnen zu Hilfe zu kommen.
Ramrod Beim Hochst�rmen gerieten wir in einem Flur unter Beschu�. Ramrod wurde neben mir schwer getroffen. Ebenso ich am linken Arm.
In einem Sekundengefecht schafften wir es unsere Gegner niederzustrecken und vorw�rtszust�rmen.
Ramrod hinterlie� eine deutliche Blutspur, woraufhin Widow ihn sich griff und ihm erst einmal notd�rftig ein Traumapatch verpasste. Seine Lippen waren schon ganz blau und er murmelte ihm werde kalt. F�r eine weitere Behandlung blieb jedoch keine Zeit.
Geduckt gelangten wir durch eine T�r in eine gro�e Halle. Ramrod und ich hockten uns hinter die Barriere zu Sylvan und Carasy. Widow und Myxin verschwanden hinter dem Tisch zu Phantom und Ignite.
Ich h�rte Ignite aufschreien, als sie getroffen wurde.
Sylvan, Carasy und Ramrod feuerten schon auf die Gegner, da zuckte Ramrod pl�tzlich neben mir zur�ck und blieb auf dem R�cken liegen. Weitere Salven hatten ihn getroffen und ganz unspektakul�r jedes Leben aus ihm gerissen. Mit offenen Augen starrte Ramrod erschrockenen Ausdrucks zur Decke hoch, w�hrend die Lache warmen Blutes sich unter ihm ausbreitete.
Ich sch�ttelte ihn. Befahl ihm aufzustehen, doch Ramrod w�rde niemals wieder aufstehen. Er war tot.
Carasy Sylvan riss mich schlie�lich auf die Beine und in die Wirklichkeit zur�ck.
In Sekundenbruchteilen realisierte ich das Carasy sich die bewusstlos blutende Ignite �ber die Schulter warf und dann rannten wir auch schon.
Zusammen schafften wir es hinaus und st�rzten auf den Dschungel zu, als pl�tzlich zwei Kampfdrohnen auf uns zuflogen. Eine holte Sylvan mit Waffengewalt aus der Luft, die zweite gab ein gr�ssliches Knirschen von sich, schob sich pl�tzlich in sich selbst zusammen, so als w�re sie von links und rechts gleichzeitig mit einem Laster gerammt worden, und st�rzte krachend aus der Luft.
Ich realisierte Phantom schwankend, blass und mit erhobenen H�nden. Dann tauchte an seiner Seite ein schwarzer Schemen auf und verbiss sich fest in seinen Arm. Der Magier schrie auf, Kleidung zerfetzte, Blut spritzte, Phantom fiel.
Phantom Carasy lie� derweil Ignite schlichtweg fallen und rammte seine Sporne tief in den ihn anspringenden Hundeleib.
Der zweite Hund hatte es geschafft Phantom den ganzen Arm abzurei�en und schleuderte seine Beute nun sch�ttelnd durch die Gegend, um sich dann ebenfalls auf Carasy zu st�rzen, der das Tier voll uns�glicher Wut schier zerfetzte.
Das alles realisierte ich nur nebenher, denn ich st�rzte immer noch auf den Dschungel zu, bis pl�tzlich Schmerz an mein Bewusstsein drang und ich das Gras auf mich zurasen sah. Weitere Sch�sse hatten meinen linken Arm zerfetzt. Ich sp�rte den Geschmack von Eisen auf der Zunge.
Sylvan war kurz vor mir und stoppte abrupt. Etwas abscheulich, rot flimmerndes tauchte wie eine Wand vor ihm auf. Ein gr�nes Leuchten und der Blutgeist schleuderte Sylvan einen toxischen S�ureball entgegen, der den Elfen zu Boden warf.
Ich h�rte mich selber schreien, realisierte das ich aufsprang, meinen linken Arm nicht mehr bewegen konnte, aber ungeachtet aller Sch�sse, des Blutgeistes und was gerade metallisch stampfen auf uns zukam, auf Sylvan zulief, der schmerzerf�llt zuckend auf dem Rasen lag.
Der Geist entmaterialisierte und tauchte schlie�lich vor Carasy auf, der in seinem Blutrausch auch sogleich angriff und es tats�chlich schaffte ihn zu zerst�ren, wobei die Blutwolke �ber uns alle hinwegspritzte.
Das metallische Stampfen war nun n�hergekommen. Ich drehte den Kopf, um zu sehen was es war und mir stockte der Atem.
Cybermonster Ein Monster halb Mensch, halb Maschine bewegte sich mit ungeheurer Geschwindigkeit auf Carasy zu und zog am�siert sein Katana.
Ein St�ck weiter dahinter Wachmannschaften mit Maschinenpistolen, die nur wenige Sekunden l�nger zu uns brauchen w�rden.
Ich sah Widow bei Phantom knien und wie in Trance Heilzauber auf den Magier sprechen. Ich sah Myxin ebenfalls auf das Metallmonster zust�rzen. Sylvan, der sich m�hsamst erhob. Kleidung und Haut von giftiger S�ure ver�tzt. Ich schrie nach Widow, doch sie reagierte nicht. Irgendwo knallte Metall auf Metall. Jemand schrie, ich wirbelte herum. Carasy blickte an sich herab, bevor er realisierte das es vorbei war und sein Oberk�rper sich in einer diagonalen Linie von seinem Unterk�rper l�ste und in einem Strom von Blut einfach zu Boden fiel.
Hier w�rde niemand herauskommen, wenn wir nicht schnell handelten, dachte ich, und br�llte Sylvan an. 'Wer hat das Virus?' Ohne das Virus w�rden wir nicht bezahlt werden. Ohne das Virus w�rden alle umsonst gestorben sein...
'Carasy.'
Ignite Ich suchte den Boden ab, wo der Rigger seine Sachen abgeworfen hatte. Die Spezialtasche lag direkt neben Ignite, die nun auch mit gebrochenen Augen tot in den weiten Himmel blickte. Ich h�ngte sie mir um und riss bei der n�chsten Bewegung Widow gewaltsam auf die F��e, die noch immer wie hypnotisiert an Phantom herumzauberte. Gleichzeitig h�rte ich Myxin wild schreiend auf das Cybermonster treffen.
Die ersten Wachen waren heran. Sch�sse krachten und meine Welt versank in einem Nebel aus blutigem Horror, als ich sah wie Sylvan, im R�cken getroffen, zu Boden ging.
Nicht Sylvan!
Ich war bereit alles, einschlie�lich mir selber, zu verlieren, aber bitte Gott, nicht Sylvan....!
Ein weiterer, lauter Schu� krachte und Myxin schaffte es das Cybermonster zu bezwingen.
Widow zerrte an Phantom herum, der trotz aller Bem�hungen mehr tot als lebendig aussah und ich erzwang meine allerletzten Reserven, indem ich Sylvan gewaltsam auf die F��e zog. Er spuckte Blut, konnte kaum alleine stehen, aber ich zwang ihn zu gehen.
Nicht aufgeben, ich w�rde nicht aufgeben.
Myxin Ich drehte mich zu Myxin um, denn eine merkw�rdige Stille hatte sich hinter mir breit gemacht. Da stand er, aufgebaut vor einem Dutzend Wachen mit Maschinenpistolen, zu F��en eines gest�rzten Cybergiganten, im Blut Carasy's, drehte sich kurz herum und formte mit den Lippen ein 'Lauft!'.
Ich sah nicht mehr, gleichwohl h�rte ich es, wie die Wachen auf ihn anlegten, ich befahl Widow an meine Seite, und gleichzeitig feuerten...
Zu dritt tauchten wir in den Urwald ein, w�hrend Myxin's K�rper unter den zahlreichen Kugeln zusammenbrach.
Ich zwang Sylvan und mich dazu zu laufen. Ich f�hlte wie ein endloser warmer Strom aus Blut an meinem linken Arm herablief. F�hlte die K�lte und wie sie auch zusehends von Sylvan Besitz ergriff, der immer mehr Gewicht auf meine Schulter ablud und mir schlie�lich unter dem Arm hinweg zusammenklappte.
Ich erinnere mich wie ich Widow anschrie ihn zu retten und sie alles versuchte was in ihrer Macht stand.
Sylvan der aus seiner Bewusstlosigkeit wieder in die schmerzhafte Wirklichkeit gerissen wurde.
Pure Verzweiflung Genau wei� ich nicht mehr wie ich es schaffte ihn und mich vorw�rtszuzwingen. Die aufkommende K�lte immer wieder niederzuk�mpfen. Ich wei� auch nicht mehr wie wir den Weg zu den Autos fanden, oder wie ich noch in der Lage sein konnte zu fahren.
Ich hatte Sylvan insgeheim versprochen das ich die Welt aus den Angeln heben w�rde damit ihm nichts passierte und nun war ich dabei dieses Versprechen auch irgendwie zu erf�llen, indem ich meinen K�rper zwang immer weiter zu funktionieren. Meinen Verstand dazu zwang M�glichkeiten zu finden und Widow dazu zwang mit ihrem Leben f�r Sylvan's zu einzustehen.
So raste ich in die n�chste, kleine Ortschaft, erst�rmte eine Arztpraxis, riss als erstes das Telephon aus der Wand, um einen Hilferuf zu unterbinden, und befahl den Leuten dort sofort Sylvan zu behandeln.
Der Arzt schaffte es ihn vorerst zu stabilisieren, erkl�rte mir aber das er gegen die Kugeln an der Wirbels�ule nichts machen k�nne und Sylvan in eine Spezialklinik m�sse.
Widow hatte unterdessen meinen Arm notd�rftig versorgt. Ich zitterte am ganzen K�rper vor Blutverlust, K�lte und innerer Anspannung. Ich hatte keine Wahl, wir mussten weiter.
Den Arzt mit einer Narcoject bet�ubt schafften Widow und ich Sylvan, auf einer Trage fixiert, in das Auto und ich fuhr los.
Jetzt musste ich alles auf eine Karte setzen. Es half kein Z�gern, denn jede verlorene Minute lie� die Kugeln in seinem R�cken weiterwandern und noch mehr Gewebe sch�digen. Es konnte kein Ausruhen geben bevor er nicht sicher war. Kein Aufgeben solange man noch dem Tod davonfahren konnte.
Ich fuhr stundenlang. Immer auf die Grenze zu. Widow getraute sich nicht mich auch nur einmal anzusprechen. Ich war entschlossen. Entweder schafften wir es jetzt alle, oder wir gingen zusammen dabei drauf!
Da wo wir zwei Teams schon zuvor schleichend die Grenze �berquert hatten, raste ich nun mit dem Auto r�ber. Alles was sich mir in den Weg stellen w�rde war ich bereit bis aufs Blut zu bek�mpfen...
Doch wir hatten Gl�ck. Einmal flog �ber uns ein Hubschrauber hinweg, hatte aber scheinbar etwas Wichtigeres zu tun, als uns aufzuhalten.
In Kalifornien erst schaffte ich es meine Sinne wieder soweit zusammenzubekommen das ich Darell anrief und um seine Hilfe bat. Er stammte urspr�nglich von hier und ich wusste das er erst k�rzlich 5% Aktienanteil einer gro�en Firma hier erworben hatte.
Darell versprach mir etwas zu regeln. Danach blieb nur noch hilfloses Warten.
Sylvan sah nicht gut aus und die Zeit trieb nach und nach das Leben aus seinem K�rper.
Endlich rief Darell an und orderte uns an einen bestimmten Ort, wo wir eine Kontaktperson treffen und in die Deltaklinik Lifecors gebracht w�rden.
Meine Kraftreserven hielten lange genug um zu sehen wie sie Sylvan in den Operationssaal brachten, danach war Schluss.
Als ich wieder zu mir kam lag ich in einem wei�en, sauberen Bett. Mehrere Schl�uche f�hrten von meinem K�rper weg zu einigen Maschinen und einem Tropf. Ich f�hlte mich schwach und elend. Mein Sch�del h�mmerte schmerzhaft und ich schloss die Augen. H�rte das leise Piepsen und Surren der Ger�te neben mir.
Sylvan im Krankenbett Zwei Tage sp�ter verlegten sie Sylvan, aus der Intensivstation, zu mir in das Zimmer.
Das k�nstliche Koma sollte ihm helfen gesund zu werden. Mehrere Operationen hatten Kugeln entfernt, Teile seiner Wirbels�ule ausgetauscht, einen Lungenfl�gel erneuert und ver�tzte Haut regeneriert.
Mir hatte man in der Zwischenzeit den linken Arm abgenommen und durch das gleiche Modell wie meinen Rechten ersetzt. Auf meinen Wunsch hin hatte man au�erdem meinen rechten Arm mit einer versteckten Smartverbindung ausgestattet und meine Reflexe mit Bioware aufgestockt.
Das war notwendig, denn an ein Zur�ckziehen meinerseits, aus den Schatten, war noch lange nicht zu denken...
Widow hatte Virus und Antivirus �bergeben und �ber eine Million Nuyen daf�r erhalten, jedoch verschlang der Krankenhausaufenthalt gute 60-70% davon und was �brig blieb musste immerhin noch durch drei geteilt werden. Das war nicht genug f�r ein dauerhaftes Leben im Licht, aber es w�rde reichen um zumindest Sylvan aus den Schatten zu ziehen.
Stundenlang sa� ich an seinem Bett, wachte �ber seine Atemz�ge und dachte an unsere Freunde die es nicht hierher geschafft hatten.
Myxin, der uns durch sein Opfer die Zeit gab in den Dschungel einzutauchen und zu verschwinden.
Ramrod, der einfach v�llig unspektakul�r nach hinten kippte und mit �berraschtem Ausdruck liegen blieb.
Ignite, die irgendwo zwischen Schu�wechsel und Flucht in Richtung Dschungel, lautlos ihr Leben verlor.
Carasy, der zuletzt einfach hilflos auseinander fiel, und Phantom, den Widow stabilisieren konnte, wir aber auf unserer Flucht zur�cklassen mussten.
Ich erinnerte mich an meine Geburtstagsfeier und wie gl�cklich wir alle zusammen waren. An Carasy's und Myxin's d�mlichen Spr�che wegen Sylvan und mir.
Ich erinnerte mich an die gemeinsame Weihnachtsfeier, an Sylvester und Darell's Geburtstag. An die Geschenke, die ich in der Strandbar von Ramrod und Myxin erhielt. An die gesamte vergangene Zeit....
Zumindest hatte ich noch Widow und Sylvan, der mir das Wichtigste in meinem Leben war. Stundenlang hielt ich seine warme Hand und lie� mich von niemandem �berzeugen von seiner Seite zu weichen.
Oft �berlegte ich was wohl passiert w�re, wenn er mir unter den H�nden weggestorben w�re.
Er w�re nicht alleine gegangen, da war ich mir ganz sicher. Ich w�re dann mit ihm mitgegangen, da h�tte ich gar nicht erst �berlegt.
Ob ich Widow dann einfach aus w�tender Verzweiflung miterschossen, oder ihr schlicht das Virus in die Hand gedr�ckt h�tte, damit zumindest sie ein neues Leben au�erhalb der Schatten beginnen konnte, wei� ich nicht.
Auf jeden Fall h�tte ich sie erschossen wenn sie mich daran gehindert h�tte Sylvan ins Jenseits zu begleiten. Gedanken von denen ich ihr besser nichts erz�hlte...
Mein Herz machte einen Sprung als Sylvan nach Tagen endlich erwachte und den Griff meiner Hand erwiderte. Ich wollte nicht weinen, aber ich hatte das Gef�hl nie wieder aufh�ren zu k�nnen...
Widow flog bereits wenige Tage sp�ter nach England zur�ck, sie wollte Darell wiedersehen. Helfen konnte sie uns momentan eh nicht mehr.
Einen ganzen Monat verbrachte ich an Sylvan's Seite, in der Klinik, bevor wir die Heimreise nach London antraten.
Er hatte Gl�ck gehabt nicht querschnittgel�hmt zu werden, aber einige Nervenverbindungen hatte es gekostet und Sylvan musste starke Medikamente einnehmen.
In London angekommen schien sich das Leichentuch, das sich �ber unsere Gem�ter gelegt hatte, nicht verfl�chtigen zu wollen. Ich sah Sylvan nicht mehr lachen, oder am Leben freuen. 6 Jahre lang war er der Freund und Leader von Carasy, Phantom und Ignite gewesen und ihr Fehlen riss ein tiefes Loch in sein Befinden.
Mir ging es jedoch nur wenig besser, als ich mich in Myxin's und Ramrod's Wohnungen umsah und entscheiden musste was davon ich mitnahm und was ich zur�cklie�.
In beiden Wohnungen sp�rte ich noch den Geist ihrer Besitzer, ihre Pers�nlichkeit. Alles wartete auf ihre R�ckkehr, die niemals stattfinden w�rde.
Das gesamte Geld der beiden verlagerte ich auf das Teamkonto. Widow erhielt Myxin's Auto, an dem er so gehangen hatte und ich nahm mir Ramrod's Harley Scorpion.
Child W�sste ich etwas �ber die Familie der beiden w�rde ich denen alles irgendwie zukommen lassen, aber ich wusste noch nicht einmal Ramrod's richtigen Namen. Die ganze Situation machte mich irgendwie v�llig fertig!
Wenigstens in einem bekam ich was ich wollte. Sylvan zog sich aus dem aktiven Leben als Shadowrunner zur�ck.
Ich brachte ihn auf die Idee im Fight Club als Trainer f�r Thai Boxen anzufangen, etwas das er auch verwirklichte. So hatte ich ihn sicher und musste nicht mehr bef�rchten das Sylvan von irgendeinem Run nicht mehr nach Hause kommen w�rde.
Die Person die ich am meisten liebte hatte ich lebendig aus der H�lle zur�ckgebracht und nun war die Zeit gekommen an der ich mich aus seiner sch�tzenden Umarmung befreit und ihn stattdessen in meine Arme genommen hatte.
Innerlich hatte sich etwas bei mir ver�ndert, auch wenn man es mir �u�erlich nicht ansah.
Ich war erwachsen geworden!


 


 

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