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Kapitel 17
Leonie's Entscheidung


 

Die Blutabnahme am Nachmittag des kommendes Tages war eine kurze Sache.
Kurz vor allen Dingen weil mich Widow innerhalb weniger Minuten wieder hinaus bef�rderte und meinte ich solle in einer Woche mal anrufen.
Eine Woche f�r eine l�ppische Blutanalyse? Was war denn hier los? Die Sache war mir wichtig verdammt, immerhin h�rte ich Stimmen in meinem Kopf!
Als ich sie zwei Tage sp�ter anrief ging Widow gar nicht erst ans Telefon.
Frustriert loggte ich mich in die Matrix ein und erlebte eine wirklich positive �berraschung. Unser Johnson hatte bezahlt.
Der komplette Betrag, der f�r den Run abgemacht war, befand sich auf meinem Schattenkonto. Rasch veranlasste ich das jeder seinen Teil davon bekam.
Audrey F�r diese Sache gab es eigentlich nur zwei Erkl�rungsm�glichkeiten. Entweder hatte Audrey beschlossen nun doch nach Hause zu kommen, oder sie hatte zumindest mit ihrem Dad telefoniert.
F�r mich war die Sache damit jedenfalls abgehakt und ich wollte niemals wieder etwas mit dieser Audrey zu tun haben, denn dann h�tte ich sie leider an eine Rakete binden und zum Mond schie�en m�ssen!
Auf jeden Fall besserte das meine Laune schlagartig, was sich darin �u�erte das ich Sylvan zum TecWars spielen im Cybergames aufforderte und ihn haushoch verlieren lie�. Auch wenn ich nicht mehr jeden Tag trainierte, so war ich doch immer noch ehemaliger englischer Meister in diesem Game.
Beim anschlie�enden Cocktail trinken revangierte er sich, indem er mich einem wei�lichen Cocktail und dem ganzen Charme seiner ausdrucksstarken gr�nen Augen aussetzte.
Wie schon beim allerersten Mal als wir hier waren schaffte er es mich verlegen zu machen und wilde Schmetterlinge in meinem Bauch tanzen zu lassen.
F�r den n�chsten Abend beschloss ich Darell und Leonie zu uns einzuladen und kontaktierte Leonie in ihrer Praxis.
Erst einmal war es verdammt schwer durchzukommen. Erst nach dem x-ten Klingeln ging sie an ihr Telefon. Das Bild lie� sie dabei aus.
Minuten sp�ter legte ich entt�uscht auf und sah Sylvan an, der mich mit fragendem Blick musterte.
Leonie hatte ein klares 'Nein' formuliert. Noch nie zuvor lehnte sie eine Einladung zu einem gemeinsamen Abend ab und schon gar nicht so ohne Grund.
Seit Tagen benahm sich Leonie �u�erst seltsam, es wurde Zeit der Sache nachzuforschen. Ich rief Darell an!
Darell wirkte niedergeschlagen als ich ihn auf seine Freundin hin ansprach.
Er wisse auch nicht was er zu ihrem seltsamen Benehmen sagen solle. Erkl�rte er mir. Bat mich aber im n�chsten Moment doch mal nachzuforschen und herauszufinden was es sein k�nne.
Ich schluckte. Ich sollte meiner besten Freundin hinterherspionieren?
Normalerweise w�re das undenkbar, aber ich machte mir Sorgen. Was wenn sie Probleme h�tte? Vielleicht schluckte sie Antistresstabletten und war nun in ein tiefes Loch aus Sucht und Heimlichtuerei gefallen?
Es kommen einem die bl�desten Gedanken wenn man sich Sorgen um jemanden macht und im Grunde so absolut keine Ahnung hat was �berhaupt los ist.
Sylvan beschloss mir zu helfen. Mit unseren beiden Motorr�dern fuhren wir zur Praxis. Er postierte sich am Vordereingang und ich hinten.
Nach einer Weile rief ich Leonie an. Es dauerte ewig bis sie dran war. Selbst Doc Greenway hatte niemals so viel zu tun das er nicht ans Telefon konnte, oder das es st�ndig so lange gedauert h�tte.
Wieder ohne Bild.
Leonie klang genervt als ich sie nach meinen Blutwerten fragte aber sie meinte sie h�tte die Ergebnisse jetzt und w�rde mir Tabletten bestellen die gegen die Stimmen helfen sollten. Irgendwie klang das nicht sonderlich �berzeugend.
Ich wartete eine weitere halbe Stunde, aber es tat sich nichts.
�ber mein Vidphone gab ich Sylvan das Signal das ich durch den Hintereingang mal reingehen und nachsehen wolle.
Meinen Magschlossknacker hatte ich dabei und schaffte es rasch das Schloss zu �ffnen.
Lautlos schlich ich mich den Flur entlang, sp�hte in das Behandlungszimmer hinein, schlich weiter und kam schlie�lich zum Krankenzimmer, in dem die Betten standen. Hinter der T�r h�rte ich Stimmen!
Nun das Allerschlimmste bef�rchtend �ffnete ich sie vorsichtig einen Spalt und sp�hte hinein.
Falcon Leonie sa� auf einem der Betten und neben ihr ein Typ den ich von irgendwoher kannte. Nach kurzem �berlegen fiel es mir auch wieder ein.
Ich war hier in der Praxis als er eintraf. Er humpelte schwer wegen einer Schussverletzung am Oberschenkel und einige Talismane mit magischen Symbolen an seiner Brust waren mir aufgefallen.
Aber nicht nur deswegen konnte ich mich so gut an ihn erinnern, es war auch noch etwas Anderes.
Ich w�rde es aristokratische Z�ge nennen. Er hatte sie zweifellos. Ein scharf geschnittenes Gesicht und blonde Haare, eher sehnig als besonders stark.
Und so wie Leonie ihm in die graublauen Augen sah war sie ihm v�llig erlegen.
Schei�e, dachte ich. Ein anderer Kerl. Und was mache ich jetzt?
Die zwei da drinnen laberten irgendeinen Mist von wegen Sartre und dann begann er ihr in franz�sisch ein Liebesgedicht vorzutragen.
F�r einen Moment war ich versucht Darell anzurufen und ihm durch mein Vidphone schlicht zu zeigen was da abging, denn mir fehlten ehrlich gesagt die Worte dazu. Aber ein Hauch von Vernunft hielt mich dann doch davon ab.
Darell w�rde den Typen zu Mu� verarbeiten. Es sei denn der war wirklich eine Zauberkugel, dann h�tte er 'm�glicherweise' eine Chance.... Er m�sste schon sehr gut sein!
Ich verlie� die Praxis und lief drau�en erst einmal unruhig auf und ab. Letztlich traf ich eine Entscheidung von der ich heute noch denke das sie das Sinnvollste war. Ich rief Leonie an.
Ewig klingelte es. War ja klar wenn sie gerade dabei war franz�sisch faselnde Lippen anzuschmachten.
Als sie leicht genervt ranging war meine Botschaft mehr als deutlich.
'Ich stehe direkt vor deiner Hintert�r. Du wirst deinen franz�sischen Sartre Freund mal alleine lassen und direkt zu mir hier raus kommen.'
Das war keine Bitte. Leonie als Freundin war mir ungemein wichtig, aber ebenso Darell als Freund und ich fand hier sollte fair und mit offenen Karten gespielt werden.
Ich kannte Leonie, sie brauchte ab und zu mal einen kr�ftigen Tritt in den Hintern, um sich der Realit�t zu stellen.
Kaum drei�ig Sekunden sp�ter stand sie vor mir und blickte �u�erst nerv�s zu mir herab.
Ich konfrontierte Leonie direkt mit dem was ich gesehen hatte. F�r einen Moment dachte ich sie weint gleich los, aber das blieb mir gl�cklicherweise erspart. Ich h�tte wirklich nicht gewusst wie ich darauf reagieren sollte.
Leonie/Widow Sie begann mir zu erkl�ren in welchem Dilemma sie sich befand. Auf der einen Seite Darell, ein lieber Kerl von der Stra�e, ohne jeglichen Anspruch, mit dem man alles tun konnte, so lange es nicht zu sehr den Geist strapazierte.
Auf der anderen Seite Falcon, der Name passte, Magier wie sie. Franz�sischer Herkunft wie sie. Studiert und hochintelligent wie sie, und der Clou... Er konnte ihr eine Festanstellung in der Biotech-Abteilung bei Soriyama in Aussicht stellen.
Irgendwie sah Darell dagegen so richtig klein und 'normal' aus.
Dagegen sah jeder den ich kannte klein und 'normal' aus.
Ich verstand das ich es da mit einer g�nzlich anderen Liga zu tun hatte. Bei uns hatten die Wenigsten eine Schule besucht. Kaum jemand je eine SIN besessen, geschweige denn je die M�glichkeit zu einem besseren Leben gehabt.
Leonie war in einen Porzellank�fig hineingeboren worden, der irgendwann an einer Stelle ein bisschen kaputt gegangen ist, so das sie da herausfiel, hinein in die b�se gro�e Welt.
Jetzt aber hielt man ihr das goldene Treppchen hin, um die zur�ckzuholen die nicht hier hineingeh�rte.
Leonie w�rde zur�ckkehren in den zerbrechlichen K�fig. Sie w�re dumm n�hme sie Falcon's Angebot nicht an.
Doch blieb nur die Frage was ihr wichtiger war... die Liebe, oder eine Zukunft im Licht?
Drei Tage lie� ich ihr um die Sache mit Darell abzukl�ren und Leonie willigte ein.
Als ich sp�ter mit Sylvan zuhause in der K�che sa� und zusah wie er seine Lasagne a� wurde mir klar das die Insel wohl wirklich der einzige Weg f�r Leute wie uns sein w�rde hier herauszukommen.
In einer Gesellschaftsschicht wie sie Leonie anstrebte w�rde keiner von uns bestehen k�nnen.
'Sylvan.' 'Hm?' 'Wenn du mich je wegen einem Anderen verl�sst werde ich dich umbringen.'
Er l�chelte warm und legte seine Hand auf die Meine, die sich zu einer Faust verkrampft hatte.
Der intensive, f�hlende, verstehende Blick seiner Augen lie� mich jedoch entspannen. 'Einverstanden.'
Leonie lie� sich ganze drei Tage Zeit, dann erst redete sie mit Darell, der bereits etwas ahnte. Es machte mich krank ihm drei Tage lang vorl�gen zu m�ssen keine Ahnung von irgendwas zu haben.
Danach jedenfalls war er v�llig fertig.
Sylvan und ich boten ihm an bei uns zu wohnen bis Leonie ausgezogen war. Dies Angebot nahm er dankend an.
Zu dritt im Bett schlafend nahmen Sylvan und ich Darell in die Mitte.
Inzwischen waren wir alle so vertraut miteinander das es f�r niemanden ein Problem darstellte. Aber vor allem gab es Darell das Gef�hl von Halt. Im Grunde das Einzigste mit dem wir ihm wirklich helfen konnten.
Der eigentliche Abschied von Leonie war kurz. Sie konnte es kaum erwarten in ihre heile Welt zur�ckzukehren, ein neues Leben zu beginnen und, wie ich fest von �berzeugt war, uns alle und die so schreckliche, anstrengende Zeit f�r sie, zu vergessen.
Leute wie sie gaben sich nicht mit dem Abschaum der Stra�e ab, der jeden Tag f�r ein wenig dargebotenes Geld, wie die Kakerlaken um ein paar Kr�mel, unerm�dlich ums �berleben k�mpfte...
Ich w�nschte Leonie alles Gl�ck der Welt, aber ich beneidete sie nicht.
In den Augen unserer Johnsons mag ich, m�gen meine Freunde und Bekannten, nur lausige Insekten sein... Doch ich wusste was ich in dieser Welt hatte. Wusste den Wert wahrer Freundschaft zu sch�tzen. Wusste es mit viel weniger viel intensiver zu leben als jeder von denen es k�nnte.
Mit hoffnungsvollem Blick sah ich in meine eigene Zukunft und verdammt ich hatte bald genug Geld, ich w�rde mir den Silberstreif am Horizont schlichtweg erkaufen!


 


 

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