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Kapitel 14
Operation Cyberdeck


 

Einiges an Zeit war vergangen und erholt hatte ich mich sehr gut. Auch in der Matrix bekam ich keinerlei Probleme. Scheinbar war tats�chlich alles noch einmal gut gegangen.
Nur eines st�rte mich gewaltig. Ich besa� kein Cyberdeck mehr!
Ohne Cyberdeck ist ein Decker seinem Team so n�tzlich wie die Kakerlake an der Wand...
Ich f�hlte mich nackt ohne mein Deck und 100.000 Nuyen f�r ein Neues auszugeben passte nicht in mein Konzept jeden Cent dreimal umzudrehen bevor ich ihn ausgab. Immerhin wusste ich wof�r ich sparte.
Was ich aber auch wusste war wo sich mein Deck befand....
Ich begann Erkundigungen einzuholen und Pl�ne auszuarbeiten.
In die Asservatenkammer Marseilles einzubrechen w�rde nicht leicht werden. Zudem w�rde ich damit mein Team unbezahlt in Gefahr bringen. Aber ein Deck war ungemein Wichtig und jetzt so viel Geld daf�r auszugeben hie�e es in mehrere auch gef�hrlichen Runs wieder zu verdienen.
Die Rechnung besagte das ein Run auf das Deck die sinnvollste L�sung w�re.
Als ich mir sicher war an alles gedacht zu haben orderte ich meine Leute in das Hinterzimmer des Checkpoints, das ich vorher bei Greg angemietet hatte.
Da sa�en sie nun und warteten auf ihren Johnson... Eine fast skurile Situation.
'Ich habe einen Auftrag f�r euch.' �berraschtes Schweigen, dann Unglauben. Diesmal w�rde ich ihr Johnson sein und sie auf eine haarige Mission mitnehmen....
Im Klartext erkl�rte ich meinen Plan, zeigte diverse Karten und ging alles mit ihnen durch. Niemand war begeistert, aber sie alle verstanden die Notwendigkeit die hinter all dem steckte.
Widow war nat�rlich mal wieder die �ngstlichste und verbreitete Paranoia. Ihr und Bane gefiel es gar nicht das ich die angeblich gefahrlose Seite des Jobs im Internetcafe �bernahm.
Das machte mich extrem w�tend!
Sich innerhalb der Matrix in das System der Polizei einzuhacken war mit Sicherheit nicht leicht. Schwarzes ICE konnte einem jederzeit das Hirn grillen, w�hrend Biofeedbackschleifen das Ausst�pseln verhinderten.
W�rde man mich tracken w�re innerhalb allerk�rzester Zeit die Matrixpolizei vor Ort und die gingen garantiert nicht sanft mit einem um.
Zudem hatte ich mir bisher immer etwas einfallen lassen um meine Leute aus der Schei�e zu holen, oder hatten sie die Sache mit dem Hubschrauber bereits vergessen?
Das brachte sie zum schweigen. Ob ich die Beiden jedoch �berzeugt hatte wusste ich nicht.
Zwei Tage sp�ter sa�en wir wieder bei Jerome im Flugzeug und flogen auf Marseille zu.
Marseille Mit gemischten Gef�hlen sah ich die Landschaft unter uns hinwegbrausen.
Frankreich hatte mir pers�nlich das letzte Mal kein Gl�ck gebracht. Ich betete das es diesmal anders werden w�rde.
Es war der 12.12.64, in 12 Tagen war Weihnachten, bis dahin musste die Sache gekl�rt sein. Ich nahm ungerne unerledigte Dinge mit in die Feiertage und schon gar nicht mit in das neue Jahr.
Wir waren sehr fr�h aufgebrochen. Ob Sylvan noch schlief?
So wie ich ihn kannte sicherlich nicht. Wahrscheinlich starrte er in den Fernseher und versuchte sich selbst abzulenken.
Sylvan war nicht jemand der mich von einem gef�hrlichen Run abhalten w�rde. Er war vielmehr jemand der schlicht nachfragte ob ich mir auch wirklich sicher sei.
Ja, ich war mir sicher bei dem was ich tat. Ich konnte mein Gl�ck erzwingen, wenn ich mir nur wirklich M�he gab!
Die kommende Nacht spazierte ich in ein 24h Internetcafe hinein. Im Koffer das von Malcolm geliehene Cyberdeck f�r diese Aktion. Es ging los.
Polizeirevier Die Asservatenkammer befand sich mitten im Herzen des Polizeirevieres. Im Falle eines Alarms innerhalb wurde ein Stahlschott vor der einzig vorhandenen T�r heruntergefahren, der den Einbrecher entweder daran hinderte herauszukommen, oder �berhaupt erst hineinzugelangen.
Die Schwachstelle des Systems war die Bel�ftung. Ein vergitterter Schacht f�hrte von au�erhalb quer durch die ganze Anlage, ebenso in das Zentrum unserer Begierde.
Meine Aufgabe war es zu verhindern das sich Alarm ausl�ste und das Schott herunterfuhr, denn im Notfall war es immer noch besser sich quer durch die Polizei zu schie�en, als wie das Kaninchen in der Falle zu sitzen.
Die Sicherheit der Polizei innerhalb der Matrix war wie erwartet gro�, aber mit etwas Gl�ck schaffte ich es mich hindurchzuschleichen.
Jetzt stiegen die restlichen Teammitglieder, bis auf Bane, der war zu breit und hielt Wache, in den aufgeschnittenen L�ftungsschacht ein und bewegten sich langsam vor...
Mit einem Mal gab es Alarm. Scheinbar hatte irgendwer von au�erhalb etwas bemerkt.
Routinem��ig wurde auch die Matrixsicherheit hochgefahren und damit das schwarze ICE. Mir blieb keine andere Wahl als mich auszust�pseln.
Polizeiaufgebot Seitlich des Polizeigeb�udes war pl�tzlich die H�lle los. Polizisten richteten ihre Waffen auf den Eingang des L�ftungsschachts und forderten den Eindringling auf da sofort herauszukommen.
Bane hatte sich derweil versteckt und �berlegte sich ein Ablenkungsmaneuver. �ber Vidphone teilte ich meinen Leuten mit das sie trotzdem in die Kammer und nach dem Cyberdeck schauen sollten.
Das Schott war heruntergefahren, was bedeutete das da auch kein Polizist hereinkam, so wie Widow, Trevor und Susanne nicht herauskamen.
Ich selbst klaute ein Auto und warf mich in die Spur zu meinem Team. Innerhalb der Asservatenkammer fand Widow zwar nicht mein Deck, aber daf�r ein Anderes, das sie einsteckte.
Trevor und Susanne warfen sich eine gro�e Waffe �ber die Schultern, die ihnen m�glicherweise den Weg freisprengen k�nnte. Ich wei� nicht mehr was es war, aber ich befahl ihnen damit durch den Schacht zur�ckzukrauchen und zu feuern.
Das Teil hatte einen enormen Rums und sie schafften es eine Bresche in die Reihen der Polizisten zu schlagen, aus dem Schacht zu klettern und die Stra�e hinunterzulaufen.
Derweil hatte ich Bane aufgegabelt, der den Uniformierten von anderer Seite mit Granaten zusetzte und raste nun hinter meinen Leuten her, um sie von der Stra�e zu pfl�cken.
Was zuerst als klammheimliche Aktion geplant war hatte sich in einen explosiven Krieg verwandelt!
Pressehubschrauber Polizeifahrzeuge rasten mir im Dutzend hinterher. Hubschrauber, auch von der Presse, kreisten am Himmel. Sch�sse peitschten durch die aufgew�hlte Nacht, zerschmetterten unsere Autoscheiben und bohrten L�cher in den Kofferraum. Mit den Kameras in den Pressehubschraubern war die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf uns gerichtet.
So konnte das nicht weitergehen. Oft genug hatte ich im Fernsehen mitverfolgen k�nnen wie die Polizisten stets die Sieger solcher Verfolgungsjagden blieben. Die hatten ihre Strategien mit Stra�ensperren und �hnlichem. Ich brauchte eine andere Taktik... Die Metro!
Zugang zur Metro Hubschrauber und alles war oberhalb. Die Treppen der Untergrundbahn lie�en sich gut bewachen und bis die Polizei jemanden Zust�ndiges bei der Bahn erreicht hatte verging wertvolle Zeit in der ein Zug kommen und uns fortbringen k�nnte. Die Polizei w�rde nicht schnell genug sein k�nnen s�mtliche Bahnh�fe abzusperren, bevor wir entkamen!
'Wir steigen gleich aus und rennen in die Metro!' 'Bist du wahnsinnig?' 'Nein, macht was ich sage!'
Durch schnelles Umlenken in kleineren Stra�en hatte ich uns einen kleinen Vorsprung verschafft, der uns nun zugute kam.
Am Eingang einer Metro gabs die Vollbremsung, wir rissen s�mtliche T�ren auf und st�rmten die Stufen hinab in die unterirdische Wartehalle.
Nat�rlich wurden wir dabei von den Hubschraubern gesehen und es kamen sofort entsprechende Funkspr�che. F�r die Presse d�rfte es nur ein weiteres Highlight sein, nur das sie mit ihren Kameras nicht bis zu uns nach unten kamen....
Ich erzwang mein Gl�ck und es lie� mich nicht im Stich.
Noch w�hrend sich die Polizei oberhalb postierte, fuhr unser Zug ein, wir versteckten die Waffen unter unserer Kleidung, stiegen ein und waren fort...
Unser Fluchtzug Nach zwei Stationen verlie�en wir den Zug, rannten aus dem Bahnhof, ich klaute uns ein Auto und fuhr breit grinsend zum Sportflughafen, wo Jerome bereits wartete.
Das Adrenalin pumpte mir noch immer hei� durch die Venen als ich zusah wie sich der Erdboden unter mir entfernte.
Ich versuchte mir vorzustellen wie die Polizei jetzt fluchen musste. Sie hatten unsere Spur verloren und w�rden sich f�r den Kleinkrieg in der Innenstadt und ihre Unf�higkeit, die Verbrecher, die das eigene Revier �berfallen hatten, einzufangen, verantworten m�ssen.
Ich hoffte nur das wir nicht zu viele von ihnen zu schwer verletzt, oder sogar get�tet hatten, denn Menschenleben war mir nicht egal.
Widow allerdings konnte der ganzen Aktion keinerlei Spa� abgewinnen. Sie mochte es gar nicht verfolgt zu werden, oder wild um sich schie�en zu m�ssen. Ihrer Meinung nach h�tte auch die Bahnaktion gr�ndlich schief gehen k�nnen....
Sie schimpfte und zeterte und ich lie� sie gew�hren. Inzwischen kannte ich die liebe Widow gut genug um zu wissen das sie das Schimpfen brauchte um ihre Anspannung abzubauen und uns mitzuteilen das sie gl�cklich war das alle noch lebten.
Als sie damit fertig war mir Vorw�rfe an den Kopf zu knallen packte sie den gefundenen Koffer aus und legte ihn mir auf den Scho�.
Vorsichtig �ffnete ich ihn und meine Augen wurden gro�. Ein Fuchi Cyber 6! Die wurden inzwischen nicht mehr hergestellt, waren aber allerfeinste Technologie.
Pl�tzlich kam es zu einem Kurzschluss und zwar in meinem eigenen neuralen System. Kurz, mir rutschte der Koffer vom Scho�, weil ich mich pl�tzlich in wilden Kr�mpfen wand.
Widow schrie erschreckt auf. Bane musste mich packen und meine Lage auf dem Mittelgang des Fu�bodens stabilisieren, wo ich weiter heftigst zitterte, wie bei einem epileptischen Anfall.
Susanne st�tzte meinen Kopf und Trevor hing �ber seinem Sitz, um meine H�nde festzuhalten.
Widow schaffte es schlie�lich ein krampfl�sendes Mittel in ihrem Injektor aufzuziehen, das sie mir gleich darauf verpasste. Es wirkte. Mein K�rper entspannte zusehends, das Zittern lie� erst nach und h�rte schlie�lich ganz auf und durch den urpl�tzlich gewaltigen Verbrauch an Energien, der gerade stattgefunden hatte, schaltete mein K�rper auf Sparflamme und lie� mich in einen ersch�pften Schlafzustand fallen.
Widow untersuchte mich und spritzte mir Aufbaupr�parate, war ansonsten aber hilflos.
Ihr war klar das dies etwas mit meiner Verletzung innerhalb der Matrix zu tun haben musste.
Doc Greenway hatte von m�glichen Langzeitsch�den gesprochen und nun waren sie eingetreten. F�rs Erste war ich jedoch au�er Gefahr.
In London angekommen brachte mich mein Team nach Hause.
Bane trug mich vorsichtig die Treppen hoch, wo er mich Sylvan �bergab, der telefonisch auf die Sache vorbereitet worden war. Widow reichte ihm den Koffer mit dem Cyberdeck und sie gingen. Von all dem bekam ich gar nichts mit.
Als ich am n�chsten Morgen neben Sylvan aufwachte f�hlte ich mich v�llig unterzuckert und richtiggehend schwach.
In der K�che begann ich S��igkeiten und Mineralwasser in mich reinzustopfen bis mir fast schlecht wurde, aber es half.
Ich h�rte Sylvan ins Bad gehen und Wasser in die Badewanne einlassen. Kurze Zeit sp�ter sa� ich dort an ihn gelehnt, entspannt und lie� mir erkl�ren was mit mir geschehen war und das er mich nachher zum Doc fahren w�rde, um ihn zu fragen was man gegen ein erneutes Auftreten so eines Anfalls tun k�nne.
Sylvan's F�rsorge lie� ich mir gerne gefallen und sp�ter, w�hrend er a�, pr�sentierte ich ihm stolz mein neues Cyberdeck, dessen Funktionen ich auch sogleich austestete, indem ich mich nach den Nachrichten �ber unsere Aktion in Marseille erkundigte.
Gl�cklicherweise war kein Polizist ums Leben gekommen aber wir hatten verdammt viel Staub aufgewirbelt...
Genau das waren auch Doc Greenway's Worte zwei Stunden sp�ter, w�hrend er mir in die Augen leuchtete und anschlie�end irgendwelche Elektroden anbrachte, die meine Gehirnstr�me messen sollten.
Die Untersuchung dauerte eine kleine Weile und Sylvan brachte mich st�ndig zum Lachen, indem er hinter Greenway's R�cken den Doc nachahmte. Wenn dieser das mitbekam, so lie� er sich das zumindest nicht anmerken.
eklige Tabletten Statt dessen �berreichte er mir eine gro�e Schachtel mit Tabletten f�r die ich nur den Begriff 'gruselig' �brig hatte.
Das waren die gr��ten und ekligsten Kapseln die ich je gesehen hatte. Auf der einen H�lfte waren sie rot, die andere H�lfte war durchsichtig und man konnte lauter kleine gelbe Kugeln darin sehen. Anf�hlen taten sie sich wie Gummieb�rchen und der Doc klopfte mir auf die Finger als ich auf einer der Tabletten herumdr�ckte. Stattdessen musste ich sie sofort einnehmen.
Drei Mal t�glich zum Essen, lautete seine Anweisung. Und sehr viel trinken.
Na toll, jetzt wurde ich hier so wie Sylvan zum Medikamentenschlucker, nur das er seine Tabletten h�chstwahrscheinlich nur noch etwas �ber ein Jahr lang nehmen musste, wohingegen es bei mir 'lebenslang' hie�...
Aber noch eine weitere Sache legte mir der Doc nahe.
Foxhound Foxhound war inzwischen zu bekannt und musste verschwinden. Wir sollten uns alle ein neues Aussehen und einen neuen Teamnamen zulegen, denn vor allem unser Aussehen war inzwischen zu weit verbreitet.
Ich willigte ein, wie sp�ter auch der Rest der Truppe.
Weihnachten gab es nat�rlich wieder die obligatorische Party im Checkpoint, wo auch Widows seltsam anmutende Plastiktanne wieder auftauchte. Scheinbar hatte Greg das Teil echt in Ehren gehalten.
Ich f�hlte mich zwischendrin ein wenig schwerm�tig.
Im letzten Jahr sa�en hier noch Ramrod, Myxin, Phantom, Ignite und Carasy mit am Tisch, doch nun fehlten sie. Keine Liebesarien an Motorbl�cke und keine mich �rgernden Spr�che �ber Sylvan's Liebesverh�ltnis zu mir.
Irgendwie war ich froh als die Party irgendwann vorbei war.
Die n�chsten zwei Tage verbrachten wir zusammen mit River, als eine Familie. Es war ruhig, aber sch�n, und auch River lie� sich vom Schnee auf der Stra�e und ein paar Songs aus dem Fernsehen in and�chtige Stimmung bringen.
Zwischen Weihnachten und Sylvester kam Bane beim Doc unters Messer. Das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen. Bane sah danach weniger haarig und irgendwie menschlicher aus.
Sylvester Auch Sylvester verbrachten wir im Checkpoint. Diesmal lie� ich mir keine schwerm�tige Stimmung aufkommen.
Ich war nun �ber ein Jahr lang mit Sylvan zusammen und in unserem Bekanntenkreis galten wir als Traumpaar. Das stimmte mich sehr zufrieden.
Tats�chlich halten Beziehungen in den Schatten selten lange. Sei es das ein Partner stirbt, oder der Druck, der durch die Eins�tze auf Beiden lastet, zu gro� wird.
Nach Sylvester kn�pfte sich der Doc Widow und mich vor.
Mit einem Laser entfernte er das Spinnennetztattoo auf ihrem kahlrasierten Sch�del und gab ihren Ohren wieder jene elfische Form, die sie einst besa�en.
Auch mir verpasste der Doc filigrane Spitzohren und elfische Z�ge.
Es f�hlte sich seltsam an so in den Spiegel zu sehen. Daran musste ich mich erst einmal gew�hnen.
River witzelte sogleich los von wegen ich habe endlich begriffen das die elfische Seite doch die bessere sei und mich richtig entschieden. Ein unverbesserlicher Chaot, der seine Kippen kurz darauf vom B�rgersteig holen durfte...
Codex Eine Dokumentation im Fernsehen brachte mich schlie�lich auf die Idee. Unser neuer Teamname lautete ab sofort 'Codex'.


 


 

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