Grundkenntnisse zur Geschichte des Pferdesports

Ó by Tamara De Caro, Nutzung ohne schriftliches Einverständiss der Autorin verboten!!

Die Entwicklung vom „Eohippus“ zum „Przewalski-Pferd“

 

Die Stammesgeschichte des Pferdes ist anhand fossiler Funde vor rund 60 Mio. Jahren anzusetzen. Der „Eohippus“ war ein 25 bis 45 cm katzen- bis fuchsgrosses Tier, das an den Vordergliedmassen vier, an den Hintergliedmassen drei behufte Zehen aufwies. Als frühester Vertreter der Pferde im engeren Sinne wird das bei Mosbach gefundene „Mosbach-Pferd“ bezeichnet, das vor rund 50.000 Jahren gelebt hat.

Das „Przewalski-Pferd“ wurde 1879 in der Mongolei entdeckt und gilt als eine der Ursprungsformen unserer heutigen Hauspferde.

 

Das Pferd in der Frühzeit menschlicher Kulturen

 

Die Domestizierung der Pferde setzte um 4.00 bis 3.500 v. Chr. ein.

Vom 3. bis 2. Jahrtausend v. Chr. beschränkte sich die Nutzung des Pferdes auf die Anspannung vor den Kulturwagen.

Um 2.000 v. Chr. setzte mit der Verbesserung der Wagen das Zeitalter der Streitwagenkrieger ein. Die erste Völkerwanderung im Zeitraum 1.900 – 1.600 v. Chr.  wurde durch den Einsatz der Streitwagen möglich, da sich diese als unschlagbare Waffe erwiesen.

Der Durchbruch vom Fahren zum Reiten zeichnete sich im militärischen Einsatz um 1000 v. Chr. ab. Das eigentliche Reiterkriegertum begann um 800 v. Chr. und vollzog sich gleichzeitig mit der Ausbreitung und Entwicklung des Vollnomadismus.

 

Die Ausbildung des Pferdes in der griechischen Antike

 

Xenophon ( um 430 – 354 v. Chr. )

„Peri hippikes“ (Über die Reitkunst); „Hipparchikos“ (Der Reitoberst)

Die Reitvorschrift Xenonphons ist der Grundstein der europäischen Hippologie geworden, da die von Xenophon entwickelten, ethischen Leitlinien noch heute Gültigkeit haben:

 

-         Anweisungen an den jungen griechischen Adligen zum Reiten eines ausgebildeten Kriegs- und Paradepferdes.

-         Angaben zum Sitz, zur Hilfengebung und zur Ausführung einzelner Lektionen

-         „Verliere beim Umgang mit Pferden nie die Beherrschung, dies ist die wichtigste Regel für jeden Reiter.“

 

Die Germanen und der Übergang zur Ritterzeit

 

Die Reiterei der Germanen

-         Mythologien und Heldensagen bekundeten die wichtige Rolle, die das Pferd im Leben der Germanen spielte.

 

Die Reittechnik der Ritter und der Ausbildungsstand des Pferdes im Mittelalter

(vom Untergang des Weströmischen Reiches 476 n. Chr. bis zur Wende vom 15. bis zum 16. Jh.)

Das ritterliche Turnierwesen:

-         Buhurt, ein ganztägiger Gruppenkampf

-         Tjost, ein Zweikampf

 

Die Wiederentdeckung der methodischen Reitkunst von der Renaissance bis zur Aufklärung ( 15.-17.Jh)

 

Grisone ( 16.Jh)

„Ordini da cavalcade“; 1550

-         Reiten als Selbstzweck und höfischer Zeitvertrieb

-         Gefügigkeit und Unterwerfung des Pferdes als Leitmotiv der Ausbildungsarbeit

-         Peitsche und Sporen als wesentliche Hilfe

-         Zunehmende Bedeutung der Trabarbeit bei der Ausbildung des Pferde

 

Pluvinel ( 1555-1620)

„Manège Royal“; 1632 postum erschienen

-         Bricht mit der gewaltsamen Unterwerfung des Pferdes : „Lob, statt Strafe“

-         Akzeptiert die unterschiedlichen Veranlagungen des Pferdes

 

Newcastle (1592-1676)

„Méthode et invention nouvelle de dresser les chevaux“ ; 1658

-         Erfinder der Lektion „ Kopf in die Volte“

-         Fordert das enge Aneinandervorbeifussen der Hinterbeine im Trab

-         Führt zur Schonung des empfindlichen Pferdemauls den leichten Kappzaum und den Schlaufzügel ein.

 

Pinter von der Aue

„Ecole de Cavalerie“, 1733

-         Fordert den mitatmenden, haarfühlenden Schenkel

 

Jean-Francois Robichon de la Guérinière (1688-1751)

Reformer des gesamten Reitsystems

-         Begründer der modernen Dressurreiterei ( allgemeine Ausbildungsprinzipien )

-         Einführung des Balance-/Gleichgewicht-/Dreipunktsitzes (möglich durch Vereinfachung der bis dahin üblichen Sättel, ähnlich den heutigen Sätteln)

-         Dominanz der Gewichts- und Schenkelhilfen vor den Zügelhilfen

-         Erkennt die Wichtigkeit der äusseren verwahrenden Hilfen

-         Erfinder des Schulterherein

 

Die Reitkunst im 19. Jahrhundert

 

Zunehmende Bedeutung der Kavallerieschulen.

 

Steinbrecht ( 1808-1885)

-         „Das Gymnasium des Pferdes“ ; 1886 posthum erschienen

-         Begründer der modernen Ausbildungsmethode des Reitpferdes

-         Fordert das Reiten der Pferde von hinten nach vorne. „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“

 

 

Heydebreck (1886 – 1935)

„Die deutsche Dressurprüfung“ überarbeitet 1935

„Das Gymnasium des Pferdes“ mit Fussnoten kommentiert

-         Legt endgültig fest, dass die Hergabe des Genicks niemals über die Hand, sondern nur durch den von Hinterbeinen erzeugten Schwung erfolgen darf

-         Festelegung der Ausbildungsskala*

-         *: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Versammlung

 

Der Reitsport zu Beginn des 20. Jahrhunderts

 

1912

-         Auf Initiative des schwedischen Grafen Clarens von Rosen, Stallmeister des Königs Gustav V, wird das Reiten wieder olympische Disziplin.

-         Neufassung der Reitinstruktion von 1882 zur Heeresdienstvorschrift (HDV 12); Überarbeitung 1926 und 1937. HDV ist der Vorläufer der Richtlinien der FN

 

1928

-         Einrichtung der Ausbildungsställe für die Spezialdisziplinen an der Kavallerieschule Hannover

-         Zivilstallmeister: Oskar Maria Stensbeck – Otto Lörke

 

1939

Verfasser der „Reitvorschrift für die Schweizer Armee“ im Auftrag durch die Armeeführung, durch Oskar Frank, Reitlehrer an der EPRA Thun und EMPFA Bern

 

Die Einführung des italienischen Springstils durch Friderico Caprilli (1868 – 1907)

 

-         Caprilli führte einen neuen Sattel ein, bei dem der Reiter mit kurzen Bügeln und festem Knieschluss das Gesäss aus dem Sattel nehmen konnte und so den Pferderücken entlastete

 

Die gebräuchlichen Reitweisen vor 1900:

 

· In Frankreich:

-         „ Wenig Hand und viel Schenkel“

-         Dabei sass der Reiter beim Reiten geschmeidig im Sattel- allerdings in Rücklage, ohne das Pferd vorne festzuhalten

 

· In Deutschland

-         Das Pferd musste „am Zügel springen“. Dabei sass der Reiter mit deutlicher Handwirkung schwer im Sattel, die Stirnlinie des Pferdes musste dabei an der Senkrechten bleiben.

 

Der italienische Springstil wurde in der Schweiz und Deutschland zunächst nur von Zivilreitern übernommen. Die Reiter des Militärs mussten bis zur Mitte der 20er Jahre am militärischen „Dressur-Springsitz“ festhalten. Der moderne Springsitz setzte sich endgültig erst mit der Einrichtung des Springstalls der Kavallerieschule Hannover durch.

 

Gustav Rau (1882 – 1954)

 

-         Initiator der ländlichen Reiterei und Gründer der ländlichen Reitvereine

-         Initiator für die Gründung des DOKR 1913

 

 

 

 

 

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