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Brett-vor-dem-Kopf?????

 

Irrtümer über Reiten, Zucht, Krankheiten und Haltung halten sich in Ställen noch hartnäckiger als Spinnweben. Auch Reitlehrer und Tierärzte sind gegen solche Legenden nicht gefeit.

Und wie steht’s mit Ihnen???

 

Man muss immer von links aufsteigen.

 

Es ist völlig gleichgültig von welcher Seite man aufsteigt. Dass sich die Links-Tradition hartnäckig hält, hat nur einen Grund: Die meisten Menschen sind Rechtshänder, mit ihrer rechten Körperhälfte also geschickter als mit der Linken. Von links aufzusteigen oder zu führen, fällt Rechtshänder grundsätzlich leichter; sie tun es daher also automatisch.

 

Leichttraben schont das Pferd

 

Leichttraben schon vor allem den Reiter! Er wird auf dem schwungvoll trabenden oder steif zackelnden Pferd weniger durchgeschüttelt wenn er jeden zweiten Trabschritt aufsteht. Da es manchen Reitern, vor allem den Anfängern, an Geschmeidigkeit und Körperbeherrschung fehlt, plumpsen sie dem Pferd dabei ins Kreus oder halten sich an den Zügeln fest. Weil Pferde ausserdem eine von Natur aus steifere und eine geschmeidigere Seite haben, trabt ein schlechter Reiter automatisch auf dem Hinterfuss leicht, der sich führ ihn bequemer anfühlt. Dadurch verstärkt er die Schiefe des Pferdes und verursacht im Extremfall Maul und Rittigkeitsprobleme sowie unregelmässig abgelaufene Hufe.

 

Langes, flottes Leichttraben löst das Pferd.

 

Nein. Dadurch kommt das Pferd sehr leicht auf die Vorhand, wird hart im Maul und verliert vor Übereile Takt und Gleichgewicht.  Ausserdem macht zwanzigminütiges Leichttraben ein Pferd eher steif als rittig. Richtig ist ein dem Pferd angemessenes Tempo, bei dem es leicht im Maul bleibt.

 

Ein Pferd muss immer am Zügel gehen, sonst bekommt es Rückenprobleme

 

Falsch. Ein Pferd, dem lediglich der Kopf heruntergezogen wird, bekommt genauso Rückenprobleme wie ein Pferd das am langen Zügel dahin schlurft. Deshalb ist in Reitlehren oft von Anlehnung die Rede. Die findet ein Pferd nur, wenn es vom ersten Anreiten an sein Gleichgewicht selber suchen kann. Dazu muss es zuerst bei ganz leichter Anlehnung vorwärts-abwärts dehnen und den Rücken aufwölben. Es darf sich nicht verspannen, etwa durch Aufregung und Schmerz. Mit hergegebenem, schwingendem Rücken kann ein Pferd nur gehen wenn es fleissig untertritt. Je besser das Gleichgewicht ist, desto müheloser läuft das Pferd am immer kürzeren Zügel; es beginnt sich aufzurichten.

 

Pferde, welche die Zunge über das Gebiss nehmen, brauchen einen Zungenstrecker.

 

Keinesfalls. Solche Pferde brauchen eine bessere Grundausbildung, aber keinen Zungenstrecker, der lediglich die Symptome kuriert. Diese Angewohntheit signalisiert meist, dass ein Pferd mit zu harter Hand geritten wurde oder das Gebiss nicht passt. Westernpferde entwickeln daher seltener Zungenprobleme als Dressurpferde.

 

Der Reiter kann mit dem Sitz treiben.

 

Nein. Viele Ausbilder lehren, dass leichtes Zurücklehnen des Oberkörpers hinter die Senkrechte Rücken und Hinterhand stärker belastet und deshalb vorwärts treibend wirkt („Schieb ihn mal an!“). Ein Reiter kann aber nur dann wirksam vorwärts treiben, wenn er in Übereinstimmung mit dem Schwerpunkt des Pferds sitzt. Sonst stört er dessen Bewegungen und drückt ihm in den Rücken. Jede Belastung, also auch der Sitz, wirkt mit der Schwerkraft senkrecht zum Boden und behindert die Vorwärtsbewegung. Durch seinen Sitz kann der Reiter sein Pferd die Bewegung also nur erleichtern oder erschweren aber nicht treiben. Das muss er mit den Schenkeln oder der Gerte.

 

Der Sporen ersetzt den treibenden Schenkel.

 

Sporen sensibilisieren Pferde für Schenkelhilfen und können so die Schenkelhilfen verbessern. Sie bieten zusätzlich zum Schenkel weitere Signale, dürfen ihn aber nicht ersetzen. Wird der Sporen als Strafe eingesetzt, muss der erste Impuls vom Schenkel kommen. Erst wenn das Pferd nicht reagiert, kommt der Sporen. Dadurch lernt das Pferd, immer schneller auf immer feinere Schenkelhilfen zu achten.

 

Hin- und Herziehen des Kopfs macht Pferde locker im Genick.

 

Diese Unsitte bewirkt genau das Gegenteil. Riegelt der Reiter, versteifen sich Pferde reflexartig gegen den mechanischen Zug, bekommen Muskelkater und werden erst recht steif. Manche lernen auch, den Kopf mechanisch von links nach rechts und zurück zu bewegen, ohne dabei eine Deut lockerer zu werden.

 

Kandaren sind brutale Gebisse.

 

Ein Gebiss ist weder brutal noch mild. Seine Wirkung hängt vom Ausbildungsstand des Reiters und des Pferdes ab. Jedes Gebiss ist deshalb nur so brutal, wie die Hand die daran zieht. Weil Kandaren aber durch ihre Konstruktion aber minimale Handbewegungen in ihrer Wirkung verstärken und nicht nur an das Pferdemaul, sondern auch auf Genick und Kinn übertragen, taugen sie nur für Reiter mit zügelunabhängigem Sitz!!!

 

Hafer macht heiss.

 

Hafer ist für Pferde leichter verdaulich als jedes andere Getreide. Dadurch wird die Energie dieses Futters optimal genutzt, weshalb eine Hafer-Ration ruhig kleiner ausfallen darf als eine Gerste-Ration. Heiss werden die Pferde davon nicht, ausser sie werden überfüttert

 

Bandagen müssen auf eine spezielle Art gewickelt werden

 

Es gibt keinen medizinischen Grund, Bandagen in die eine oder andere Richtung zu wickeln. Solange bandagieren nicht mit Tauziehen oder Schlingenwerfen verwechselt wird und der Verschluss immer aussen liegt und nicht drückt, ist jede Richtung richtig

 

Bandagen stützen das Pferdebein.

 

Eine besonders hartnäckige Mär. Bandagen können, wie Gamaschen, vor äusseren Verletzungen wie Schürfungen oder Kratzern bewahren. Sie stützen jedoch kein bisschen. Das Gewicht das auf einem Pferdebein lastet ist so hoch, dass sich sogar Gipsverbände oder Titanschrauben unter seinem Gewicht verbiegen. Eher schnürt eine Bandage Haut und Sehnen ab, als dass sie stützt.

 

Die Absätze müssen nach unten gedrückt werden

 

Wer das tut, verkrampft sein Bein in allen Gelenken, wird steif und spürt das Pferd nicht mehr. Der Fuss darf ruhig gerade sein – Hauptsache die Fussgelenke bleiben locker.

 

Koppen steckt an.

 

Ganz falsch. Beginnen in einem Stall mehrere Pferde an zu koppen, leiden sie allesamt unter den gleichen, schlechten Bedingungen: Langeweile, Stress, Isolation, zuwenig Raufutter

 

 

 

 

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