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Salva me

Disclaimer: Harry Potter ist Eigentum J.K. Rowlings und verschiedener Publizisten einschlie�lich aber nicht ausschlie�lich Scholastic Books, Bloomsbury Publishing, Warner Bros. und Carlsen Verlag. Diese Geschichte will nicht in deren Rechte eingreifen, ist nur zur Unterhaltung geschrieben worden und jeder Versuch, aus ihr Profit zu schlagen steht im ausdr�cklichen Widerspruch zur Absicht der Autorin.

Kurzinfo:

Titel: Salva me

Autor: starlight, aka Hoshiakari, aka Neli

Rating: PG

Kontakt: [email protected]

"..." = sprechen

>...< = denken

()-_-_-() = Orts-/ Zeitwechsel (was, dürfte klar sein)


Salva me



 

'Verdammter Potter!' Severus Snape, in seinem ledernen Armstuhl vor dem m�de prasselnden Kaminfeuer in seinen Privatgem�chern, hinderte sich selbst gerade eben so noch daran, den kristallenen Brandysnifter samt teurem Inhalt gegen den gemauerten Kamin zu schleudern. Der Bengel hatte mit seiner Entschuldigung das Geb�ude eines ganzen Lebens ins wanken gebracht.

"Wie konnte er... seine Erinnerungen? Zu denken, da� er in jeder einzelnen Okklumentik-Stunde so pathetisch versagt, und dann festzustellen, da�... nein, das ist einfach unm�glich. Potter... Potter hat seine Erinnerungen manipuliert. Manipuliert!" Snape lachte bitter, st�rzte ungeachtet des scharfen Brennens das volle Glas Brandy in einem Zug hinunter. Das Scheit im Kamin gab ein Krachen von sich, st�rzte in sich zusammen, lie� einen Regen aus gl�henden Funken und hei�er Asche aufsteigen.

"Brich zusammen... Turning and turning in the widening gyre, The falcon cannot hear the falconer; Things fall apart; the centre cannot hold; Mere anarchy is loosed upon the world� Yeats hatte recht. Wahnsinn, die Welt ist Wahnsinn!" Wieder lachte er, ein schmerzhaftes Lachen, aus einer Brust gezwungen, in der ein vertrocknetes Herz qualvoll an bessere Zeiten erinnert wurde. "Potter!"

Der MRF surrte, bevor die machtvollen Kl�nge des Dies Irae aus Mozarts Requiem aus unsichtbaren Lautsprechern dr�hnten. Snape lie� sie wie Wellen �ber sich hineinbrechen, ihnen wehrlos ausgeliefert, wie er seinen Gedanken ausgeliefert war. Seine Meisterschaft der Okklumentik brachte sich nicht zum Stillstand, jene ewigen Erinnerungen...

Er hatte sie �bersehen, all die Zeichen. Sie waren da gewesen, aber er hatte sie nicht erkannt. Nach allem, was er erlebt hatte, was er wu�te, was er dachte war er nicht in der Lage gewesen, einfach nur seine Vergangenheit zu konfrontieren. In seinem Haus fand sich mehr als ein Sch�ler in dieser Lage, und er hatte stets mit Stolz von sich behauptet, jeden einzelnen von ihnen entdeckt und gef�rdert zu  haben, noch ehe der erste Monat ihres ersten Jahres um war. War er wirklich ein so alter, verbitterter Mann, da� der Geist seines alten Feindes seinen Blick so sehr tr�ben konnte?

"Potter, du hast deine Rache noch von jenseits des Grabes!" schrie er, und warf den Snifter nun doch mit einem gellenden, animalischen Br�llen nach den Gespenstern der Vergangenheit, gemalt in flackerndem Feuerschein auf tausendj�hrigem Gem�uer. Wie h�tte er auch ahnen sollen, da� ausgerechnet der Sohn des Potter all die alten Wunden wieder aufri�, mit dieser falschen Verletzlichkeit, der betr�gerischen Offenheit, den ungesch�tzten gr�nen Augen, in deren Tiefen Schatten lauerten, die auch in Snapes Seele ein Zuhause gefunden hatten.

'Kein Verstecken, Professor. W�hlen Sie einen beliebigen Tag, oder mein ganzes Leben. Es k�mmert mich nicht. Sie werden nicht finden, wonach Sie suchen.' Waren das wirklich die Worte des hitzk�pfigen Jungen gewesen, der ihn noch vor wenigen Wochen gegen die Wand gehext hatte? Und was hatte ihn bewogen, auf das Angebot einzugehen? 

Er hatte es jedenfalls angenommen. Weihnachten f�r den Jungen der lebt, hatte er sich gedacht, und war dabei in eine Szene versetzt worden, die er zun�chst nicht realisieren konnte.

 

()-_-_-()

Ein kleiner Junge hielt ein schmutziges St�ck Tesafilm zwischen den Fingern. Seine Zunge steckte im Mundwinkel, w�hrend er konzentriert versuchte, gleichzeitig ein zerfetztes St�ck Papier an die richtige Stelle der Wand zu pressen und den wertvollen Klebstoff davon abzuhalten, sich  aufzuwickeln und mit sich selbst zu verkleben.

"Geschafft!" Stolz betrachtete der Kleine sein Werk, ein schiefes, h�lzernes Abbild eines stilisierten Weihnachtsbaums. Ein gr�nes Dreieck mit einem braunen Viereck darunter, wenn man ehrlich war, aber f�r ihn war es ein Weihnachtsbaum. Er hatte nur die Stummel eines gr�nen und braunen Buntstiftes gehabt, so da� er weder Kerzen noch Weihnachtsschmuck hatte malen k�nnen, aber er hatte noch einen Trumpf in der Hinterhand. Vorsichtig kramte er in den riesigen Taschen seiner �berdimensionalen Jeans. Er war zwar ein wenig schief, ein wenig verknittert, ein wenig plattgequetscht und ein wenig feucht (Dudley hatte die Reste seiner Cola dar�ber ausgeleert), aber der gr�n-rote Stern, den er am letzten Schultag gebastelt hatte wurde dennoch mit einer Rei�zwecke �ber den Weihnachtsbaum gesteckt.

"Fr�hliche Weihnachten!" wisperte der Kleine.

"Bengel!" bellte die tiefe Stimme eines Mannnes.

"Ja, Onkel Vernon?" rief der Junge zur�ck, vergewisserte sich, da� sein Weihnachtsbaum au�er Sichtweite an der Innenseite des T�rbalkens war.

"Bengel, deine Tante braucht Hilfe. Wasch das Gem�se f�r den Truthahn!" Die fleischige Hand seines Onkels reichte durch die aufgerissene T�r, packte ihn am Hemdskragen und hob ihn mit Leichtigkeit aus seinem Schrank. Der Junge blinzelte nur einmal, rieb sich  die Schulter und r�ckte seine mit Klebeband zusammengehaltene Brille auf der Nase zurecht.

"Ja, Onkel Vernon," sagte er leise.

Im Wohnzimmer duftete es nach Harz und nasser Erde. Anscheinend hatten sein Onkel und sein Cousin gerade den Tannenbaum hineingebracht. Auf dem Kaminsims standen all die Weihnachtspostkarten, die die Dursleys in diesem Jahr geschickt bekommen hatten (1), so viele, da� sie sich gegenseitig vom schmalen Kunstmarmorbrett schubsten.

Tante Petunia werkelte in der K�che. Mit einem leisen Seufzen und einem wehm�tigen Blick auf das weihnachtlich geschm�ckte Zimmer schlich der Kleine in den stickigen, hei�en Raum, in dem er die Stunden bis zum Weihnachtsessen zubringen w�rde. Wenigstens drangen aus dem Radio Weihnachtslieder!

Er wurde bald alleine gelassen. Der Truthahn brutzelte im Ofen, was noch zu tun war, war die Maroni f�r die extra F�llung (Tante Petunia f�llte den Truthahn, dann machte sie noch eine zweite Sch�ssel des leckeren Inhalts) zu sch�len und kleinzupressen, eine Aufgabe, die Harry schon seit Jahren �bernahm. Die gleichf�rmigen Bewegungen und der leckere Essensduft wirkten beruhigend auf ihn, und bald verga� er alles andere.

"God rest ye, merry gentlemen..." sang er zum Radio mit. Er hatte eine sanfte, klare Stimme, die seine Lehrerin gerne im Schulchor gesehen h�tte, aber die Dursleys hatten ihm die Erlaubnis dazu verweigert. "Gloria in excelsis deo!" Selbst bei den hohen T�nen seines Lieblingsliedes hatte er wenig Probleme.

"Bengel, was ist das f�r ein infernalisches Gejaule?" Onkel Vernon war in die K�che gepoltert gekommen, hatte wohl Hunger.

"Entschuldige, Onkel Vernon," sagte der Kleine mechanisch.

"Halt in Zukunft den Mund. Niemand interessiert sich f�r das, was herauskommt," grummelte sein Onkel. "Bist du bald fertig?"

"Ja, Onkel Vernon."

"Dann ab in deinen Schrank!"

"Ja, Onkel Vernon." Er wusch das Messer und die Presse, mit der er das Maroni-Mus hergestellt hatte, dann folgte er seinem Onkel durch das Wohnzimmer. Der Weihnachtsbaum  war inzwischen geschm�ckt, strahlte bunt und festlich im Glanz der elektrischen Lichter. Harry versuchte, so lange wie m�glich auf die roten Schleifen und filigranen Engelshaar-Streifen zu schauen, doch sein Onkel schubste ihn wenig sanft in Richtung Schrank.

"Und keine... komischen Sachen, verstanden?"

"Ja, Onkel Vernon."

Sein Schrank war kalt und dunkel. Harry schaltete die Lampe �ber seinem Bett an und versuchte, seinen grummelnden Magen zu ignorieren. Vom Wohnzimmer aus klang dumpf das Radio, der Duft des Weihnachtsessens und das unmelodische Singen der Dursleys, das diese immer zelebrierten bevor Dudley seine Geschenke �ffnen durfte. Harry starrte auf seinen eigenen kleinen Papier-Weihnachtsbaum.

"We wish you a merry Christmas... we wish you a merry Christmas..." sang er, ganz leise, damit sein Onkel ihn nicht h�ren konnte. Endlich verstummten die Stimmen der Dursleys, wurden ersetzt durch das Rascheln zerrei�enden Papiers. Harry kramte in seiner Tasche, zog den ganz neuen Bleistift, den ihm seine Lehrerin geschenkt hatte und den er in eine rote Papierserviette eingepackt hatte hervor und setzte sich auf seinem Bett gerade hin. Vorsichtig packte er sein Geschenk wieder aus, drehte den Stift zwischen den kleinen Fingern hin und her und legte ihn schlie�lich and�chtig hinter die alten Konservendosen auf dem Regal hinter dem Kopfende seines Bettes.  

"Fr�hliche Weihnachten, Mum und Dad," wisperte er. Dann l�schte er das Licht, er war schlie�lich  ein sehr ersch�pfter kleiner Junge, der den ganzen Tag �ber gearbeitet hatte. Er wickelte seine Decke fest um seine Schultern und nahm die Brille ab. "Fr�hliche Weihnachte, Harry."

 

()-_-_-()

"Potter!" grummelte Snape, doch seine �bliche Sch�rfe fehlte in seiner Stimme. Seine eigene Kindheit war alles andere als gl�cklich gewesen, er wu�te, wie es war, ohne ein einziges warmes Wort aufzuwachsen, und dennoch... alles, was er sehen konnte, waren die haselbraunen Augen seines �rgsten Feindes, wie sie ihn anklagend anstarrten.

"Wie h�tte ich es wissen sollen, wie, Potter?" verteidigte er sich und nahm einen gro�en Schluck Brandy aus der Flasche, obwohl der rationale Teil seines Verstandes erkannte, da� er schon weit jenseits der Trrunkenheitsgrenze stand. "Der perfekte Potter, dein Abbild. Das ist er! Nichts weiter! Ein Tunichtgut! Ein Hallodri! Ein hochgelobter Retter, der nicht einmal sich selbst retten kann! Ein Versager!"

"Versager!" seine Stimme verlor sich.

'Nichts weiter', sagte er sich selbst. Doch die Erinnerung des Jungen der lebt, in ihrer starren Einfachheit, der Leichtigkeit, mit der Potter akzeptiert hatte, was er bekam, dr�ngte sich immer wieder in sein Bewu�tsein.

"Nein!" Wieder Brandy. Die Flasche war beinahe leer. Hatte er nicht noch irgendwo eine volle Flasche Feuerwhisky stehen?

"Verdammt seist du, Potter. Verdammt wenn ich deinetwegen all das bedenke, was ich bin. Das bist du nicht wert. Wertloser Versager!" Snape war sich nicht mehr sicher, ob seine Zunge noch seinem Befehl gehorchte, doch er lallte nichtsdestotrotz den leeren W�nden seiner Wohnung seinen Protest entgegen. "Wertlos! Kein Retter. Wertloser Versager!"

Und in jenem einen Moment, in dem sein Bewu�tsein sich bereit machte, seinen K�rper zu verlassen sah er mit schmerzhafter Deutlichkeit einen dunkelhaarigen Mann, das Gesicht von Wut und Entt�uschung verzerrt, vor sich stehen, die Hand erhoben und die schwarzen Augen gef�hrlich verengt.

"Was denkst du, wer du bist, Severus Snape? Nichts weiter als ein wertloser Versager!"

Wenigstens blieb es ihm erspart, �ber seine eigenen Erinnerungen nachzudenken. Salva me con benedictis, flehte die Sopranstimme im MRF, doch ihre Bitte verhallte ungeh�rt. Vielleicht kam sie zu sp�t, vielleicht jedoch war sie schon erh�rt worden und nunmehr �berfl�ssig. Snape k�mmerte es nicht, war er doch geborgen in der warmen, dunklen Umarmung der Bewu�tlosigkeit.

 

 

Finite incantatem!

 please review!

Information:

(1) In den US ist es sehr wichtig, Weihnachtskarten zu schreiben und zu bekommen. Jede Einzelne wird stolz ausgestellt... ich wei� nun nicht, ob diese Tradition in GB genauso vorhanden ist, nehme es jedoch an.

Tja, eigentlich habe ich Snape mehr als den Kammermusik-Typen im Kopf... *g* Genau wie Dumbledore. Vielleicht kann jemand mit mehr Snape-Verst�ndnis als ich ja eine Snape/Dumbledore bondingfiction mit Kammermusik schreiben? Hier jedenfalls hat mir Mozarts Requiem einfach besser gepa�t, besonders das erw�hnte 'Dies Irae'.

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