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Harry Potter und die Zweite Prophezeiung

Disclaimer: Harry Potter ist Eigentum J.K. Rowlings und verschiedener Publizisten einschlie�lich aber nicht ausschlie�lich Scholastic Books, Bloomsbury Publishing, Warner Bros. und Carlsen Verlag. Diese Geschichte will nicht in deren Rechte eingreifen, ist nur zur Unterhaltung geschrieben worden und jeder Versuch, aus ihr Profit zu schlagen steht im ausdr�cklichen Widerspruch zur Absicht der Autorin.

Kurzinfo:

Titel: Harry Potter und die Zweite Prophezeiung

Autor: starlight, aka Hoshiakari, aka Neli

Rating: PG-15

Kontakt: [email protected] (Neli), [email protected]  (Brandy)

Kurzzusammenfassung: Nach einem eher aufregenden Sommer kehrt Harry Potter nach Hogwarts zurück. Sirius' Tod belastet ihn schwer, trotzdem gibt er sein Bestes, um zu der Waffe zu werden, die Voldemort vernichten kann. Wenn da nur nicht die Zweite Prophezeiung Professor Trelawneys und der mysteriöse Talisman des Ourouboros wäre! Und was meint ein Mädchen, wenn es um Hilfe mit den Wahrsage-Hausaufgaben bittet? Harrys Jahr wird vieles werden, nur eines nicht: langweilig!

Ships: HP/GW, RW/HrG, NL/LL

"..." = sprechen

>...< = denken

*~* = Orts-/ Zeitwechsel (was, dürfte klar sein)

Spiderman gehört Marvel Comics und anderen. Eine Verletzung des copyright ist nicht beabsichtigt! Die Idee, die Kobolde stärker in den Kampf gegen Voldemort einzubringen haben wir zum ersten Mal in Horst Pollmans genialer 'Flying Squad'-Serie gesehen, die uns dazu inspiriert hat, sie auch in DZP zu benutzen.

Harry Potter und die Zweite Prophezeiung

Kapitel 10

Hagrids neues Haustier

 

Hermines Geburtstag war, wie sich herausstellte, das letzte einigermaßen interessante Ereignis im September. Harry und seine Freunde fanden sich nur widerwillig in den Trott des ewig gleichen Schulalltags ein. Selbst seine Extra-Stunden waren für Harry langweilig, da sowohl Tonks, die die erste Trainingswoche übernommen hatte, weil sie in der nächsten jeden Tag Dienst hatte als auch Dumbledore ihm zunächst nur mehr und mehr zu lesen gaben und ihn in der Theorie abprüften.

Das einzig Ablenkende waren die verschiedenen Streiche, die Ginny- manchmal mit Harrys Hilfe- den anderen Häusern (vorwiegend natürlich Slytherin) spielte. Harrys Lieblingsstreich war der, bei dem die beiden mit Tinsys und Dobbys Hilfe ein Energieserum in den Kürbissaft der Slytherins gemischt hatten- natürlich beim Mittagessen. Das Resultat war, dass diese im wahrsten Sinne des Wortes an den Wänden herumsprangen- Ginny hatte noch einen kleinen Spinnenbein-Zauber hinzugefügt, der sie an senkrechten Oberflächen haften ließ. Harry meinte nur, die Slytherins verhielten sich wie Spiderman, der eindeutig zu viel Espresso getrunken hatte und musste natürlich allen Nicht-Muggelgeborenen klarmachen, was das bedeuten sollte und wer Spiderman war. Nachdem auch Ron unter Schaudern begriffen hatte, dass Peter Parker, der von einer radioaktiv verseuchten(1) Spinne- "Iiih! Harry, muss das sein?"- gebissen wurde, sich als Superheld verkleidet- "Warum nimmt der nicht einfach einen Glamourie-Zauber?"- und die Stadt rettet brach die gesamte Große Halle minus der Slytherins und Snape in lautes Gelächter aus. Ginny nickte Harry zu und dieser nahm seinen ganzen Mut zusammen. Bei seiner Suche nach Wegen, um Voldemort zu vernichten war er über einige interessante Flüche und Zauber gestolpert, die bestimmt teilweise auf die Herumtreiber zurückgingen. Einer von diesen verwandelte nun die Roben der Slytherins- in hautenge Spiderman-Kostüme. Malfoy, Zabini und Nott hatten davon eigentlich keinen Nachteil- eine Viertklässlerin aus Hufflepuff fiel mit einem entzückten Aufschrei in Ohnmacht. Allerdings hatten Millicent Bulstrode, Crabbe und Goyle eher weniger Glück- wenn Harry nicht alles täuschte, war es ein Zweitklässler aus Gryffindor gewesen, der die Toilette hatte aufsuchen müssen, als er dieser Slytherins ansichtig wurde.

Man sprach noch Tage nach diesem Streich von Malfoys Spinnen-Stunt entlang der Wände, aber Harry musste für die paar Minuten der Fröhlichkeit teuer bezahlen, da der rachsüchtige Slytherin-Prinz seine Brandsalbe in Zaubertränke so zum Explodieren brachte, dass seine Hände, seine Unterarme und ein Teil seines Gesichts mit mit magischen Mitteln nicht heilbaren Brandblasen bedeckt waren. Harry machte gute Miene zum bösen Spiel und ließ sich in Grundlagen der Heilkunst einen Tag später von seinem Kurs untersuchen.  Madam Pomfrey ließ seine Klassenkameraden die Verbände anlegen, und Harry stellte fest, dass Hermine darin zwar geschickt, aber nicht besonders zart war. Nevilles schnelle, aber vorsichtige Technik gefiel ihm am besten.

Am Abend hatte er sein letztes Training mit Tonks, bevor diese ins Ministerium zurückkehren und ihren Dienst wieder aufnehmen musste. Weder Remus noch Tonks sahen bei der Aussicht darauf begeistert aus, und so war es eine sehr gedämpfte Stimmung, in der Harry seine Metamorphmagus-Kräfte zu nutzen versuchte. Tonks und er hatten es aufgegeben, an seiner Narbe zu arbeiten oder seine Hautfarbe zu verändern. Er konnte dies nur, wenn man ihm eine Verwandlung durch einen Fluch oder einen fehlgegangenen Versuch sozusagen aufgezwungen hatte, ansonsten war jede Veränderung seines Gesichtes für ihn noch unmöglich. Farbe an sich war ein schweres Thema... Harry hatte noch nicht einmal Tonks' Lieblingstrick geschafft und seine Haarfarbe verändert. Alles, was er konnte, war, seine Haare nach Belieben länger und kürzer wachsen zu lassen, und das auch nur wenn er sich besonders anstrengte.

Tonks war ziemlich enttäuscht am Ende ihrer letzten Stunde, aber sie erinnerte ihn dennoch mit aufmunternder Stimme daran, dass er weiterüben sollte und versuchen sollte, seine Fingernägel umzuformen, der nächste Schritt, den sie angehen wollten. Remus zwinkerte Harry zu und deutete auf Tonks' Hände- und tatsäclich hatte sie ihre Nägel passend zu ihren in einer psychedelischen schwarz-lila Spirale gefärbten Haare ebenfalls verändert- nur, dass sich die Farben auf ihren Nägeln auch noch bewegten. Harry wurde schwindelig, wenn er auch nur eine Sekunde lang zusah.

"Gefällt's dir?" fragte Tonks und schüttelte ihre Haare, so dass sich die Spirale darin ebenfalls zu drehen schien, "war gar nicht so einfach." Harry konnte sich das vorstellen.

"Bis dann also... sehen uns in zwei Wochen, Harry," sagte sie zum Abschied. Harry nickte. Ab dem nächsten Tag hatte er Unterricht mit Remus.

Ron und Hermine hatten es sich zur Angewohnheit gemacht, während seiner Extrastunden ebenfalls nicht im Unterricht erwähnte Dinge zu lernen- oder eher, Hermine hatte Ron dazu gezwungen. Meistens endeten sie in Vorbereitungen für die DA, die noch immer Mittwoch abends stattfand, wenn Harry von Dumbledores Büro zurückkehrte. Die Defensiv-Allianz, wie sie sich offiziell nannten, war nicht mehr so geheim wie noch im letzten Jahr, dennoch wurde weitestgehend Stillschweigen bewahrt, was sie anging. Dies war nicht ganz einfach, vor allem da die Zahl der teilnehmenden Schüler sich fast verdoppelt hatte im Vergleich zum letzten Jahr.

Der Gruppenschildzauber funktionierte noch immer nicht einwandfrei, zu wenige der Schüler vertrauten einander genug oder hatten eine Verbindung zueinander, die es ermöglichte, ihn synchron zu sprechen. Harrys 'Generäle' waren die einzigen, die es bisher geschafft hatten- trotz, oder vielleicht gerade wegen, der beiden Slytherins in ihrer Gruppe. Zabini und Moon erwiesen sich als äußerst wertvolle Neuzugänge, die nicht nur die jüngeren Slytherins in die DA und damit auf die Seite des Lichts brachten sondern auch Informationen über die 'Junior-Todesserfraktion' in ihrem Haus lieferten, die verhinderten, dass in den Wochen, die auf Hermines Geburtstag folgten irgendjemand einem gemeinen Hinterhalt zum Opfer fiel. Außer neuen Zaubern und Flüchen versuchte Harry auch, etwas in die DA-Stunden einzubringen, über das er bei seinen Recherchen zu Dingen wie dem Gruppenschildzauber gestolpert war: Taktik und Strategie(2). Er selbst war hoffnungslos in Strategie, was sich darin zeigte, dass er bei Schachspielen mit Ron zwar taktisch handeln und ein bis zwei Züge vorausdenken konnte, er aber größere Strategien, die das ganze Spiel beeinflussten, nicht erkennen konnte. So war es Ron, der die strategischen Planspiele, die er aus Harrys Buch heraus entwickelte, leitete. Mit der Zeit würde dadurch die DA hoffentlich zusammenwachsen... dadurch, und durch eine weitere Maßnahme Harrys.

Harry hatte in der zweiten DA-Stunde, in der auch die jüngeren Schüler waren, angeordnet, dass diese sich nur in Gruppen fortbewegen sollten. Zu seiner großen Freude hatten sie sich alle sofort zusammengesetzt und ihre Stundenpläne verglichen- es war keine Seltenheit mehr, kleine Gruppen von Viertklässlern aus allen vier Häusern fröhlich schwatzend von einem Klassenzimmer zum anderen gehen zu sehen.

Remus wurde zwar rastloser, je länger Tonks von Hogwarts fort war aber er machte Harry Komplimente zu seiner besonders guten Arbeit in ihren Stunden und seinen Bemühungen, die Einigkeit unter den Schülern wieder herzustellen. Harry nickte und konzentrierte sich auf seine Hand- Remus wollte, dass er die kleinen Glockenblumenflammen, die er im Zug nach Hogwarts vor Harrys drittem Schuljahr heraufbeschworen hatte, länger als fünf Minuten am Leben halten konnte. Selten war der Werwolf so erstaunt gewesen wie an seinem ersten Trainingswochenende mit Harry: sein Schüler hatte schon beim dritten Versuch einen leuchtend blauen Flammenball in der Hand gehabt, der allerdings nach ein paar Sekunden wieder erloschen war.

Harry biss die Zähne zusammen und versuchte, die hämmernden Kopfschmerzen, die diesesmal ausnahmsweise nicht von seiner Narbe sondern von einer schlaflosen Nacht herrührten, zu ignorieren. Was niemand wusste war, dass er für all das, wofür er gelobt wurde einen teuren Preis bezahlte. Mit den Aufgaben von Professor Dumbledore und Remus, den Vorbereitungen für die Quidditch-Auswahlspiele am ersten Oktoberwochenende, dem Versuch, in seinen regulären Unterrichtsstunden die notwendigen Noten für eine Auror-Ausbildung zu erzielen und der inzwischen schon zweimal wöchentlich stattfindenden DA konnte er sich nicht mehr als drei Stunden Schlaf pro Nacht leisten. Die Glamourie-Zauber waren ihm zur zweiten Natur geworden, er hatte sogar gelernt, sie zauberstablos zu sprechen weil er nicht wollte, dass sie durch ein fehlgegangenes finite incantatem einfach entfernt werden konnten. So musste er sie eben in seiner Person verankern, und das ging laut der einschlägigen Literatur nur zauberstablos.

Er war vier Stunden bewusstlos gewesen, nachdem er die Zauber gesprochen hatte- sie gingen weit über das, was er eigentlich tun konnte, hinaus. Zum Glück schienen Ron und Hermine sich gut zu amüsieren, auch ohne ihn, so dass seine Abwesenheit unbemerkt geblieben war. Einzig Professor Dumbledore war ein wenig enttäuscht gewesen am Abend, weil er es nicht geschafft hatte, all seine Vorbereitungen für ihre Stunde abzuschließen. Das Funkeln in seinen blauen Augen war für einen Moment erloschen, und er hatte Harry ermahnt, dass er sich daran erinnern sollte, dass Voldemort mit jedem Tag, der verstrich, mehr Menschen tötete.

Als ob Harry daran erinnert werden musste... die Narbe, die unter seinen Tarnzaubern beinahe ständig rot und ärgerlich gegen seinen Schädel pochte, war eine stärkere Verbindung, als Snape und Dumbledore geahnt hatten- oder vielleicht war sie auch  nur seit dem Sommer stärker geworden. Jedenfalls konnte Harry zwar sowohl seinen Schulleiter als auch den Meister der Zaubertränke aus seinen Gedanken verbannen, aber seine Okklumentik-Kenntnisse waren nach wie vor wirkungslos gegen die Bilder des Grauens, die ein amüsierter Tom Riddle ihn Nacht für Nacht zu sehen zwang- wohl aus Rache, weil Harry zu stark war, als dass er ihn in Besitz nehmen oder zu sich hinüber ziehen und in seinen Gedanken fangen konnte... jedenfalls so lange, wie Harry Nacht für Nacht seine Okklumentik-Übungen machte.

"Harry?" fragte Remus in diesem besorgten, sanften Vater-Ton, den er von Zeit zu Zeit anschlug wenn sich sein Schüler wieder zu sehr auf etwas versteifte, "ich glaube, du hast es jetzt."

Harry blickte auf seine Hand- tatsächlich, dort leuchtete  noch immer das blaue Feuer. Mit einem Seufzer der Erleichterung ballte Harry die Hand zur Faust und erstickte so das Feuer.

"Das war sehr gut- ich frage mich, ob Dumbledore nicht deine Fähigkeiten unterschätzt hat," meinte Remus, der es sich auf einem Sofa in der Mitte seines Wohnzimmers- er hatte eine Wohnung im Lehrertrakt von Hogwarts- gemütlich gemacht hatte. "Du machst so schnelle Fortschritte... man könnte meinen, du übst Tag und Nacht, aber das kann nicht sein, oder?" Harry hielt den Atem an. Hatte der Werwolf etwa bemerkt, was allen anderen nicht auffiel? Er atmete vorsichtig, versuchte, sein Gesicht regungslos zu halten und versteckte seine Augen hinter dem Licht, das sich in seinen Brillengläsern spiegelte.

"Nein, natürlich nicht... das ist unmöglich, du könntest nicht so lange weitermachen, wenn das der Fall wäre. Es tut mir leid, dass ich dich schon wieder wie ein kleines Kind behandelt habe," sagte Remus, der Harrys Schweigen wohl aufkeimendem Zorn zugeschrieben hatte.

"Das ist schon in Ordnung, Remus," meinte Harry und ließ sich neben seinen Lehrer und Vertrauten in die Sofakissen fallen, "sollte langsam dran gewöhnt sein, oder?"

"Ich weiß nicht- etwas ist anders, seit du in Hogwarts bist. Ron und Hermine meinten, dass du kaum je Zeit für sie hast. Ginny sagt, sie erwischt dich fast nie ohne ein Buch und behauptet, du verwandelst dich in eine zweite Hermine. Und Dumbledore hat uns gew-" er brach ab und senkte schuldbewusst den Kopf. Harry fuhr auf.

"Dumbledore hat euch was?" fragte er scharf und mit wütend blitzenden Augen. Er konnte sich schon gut vorstellen, was der alte Schulleiter wieder gesagt hatte.

"Harry, bitte- ich habe ihm so vehement widersprochen, wie ich nur konnte, aber er hat uns gewarnt und gesagt, wir müssten auf dich aufpassen weil du... Nun, es gab schon einmal einen Schüler, der plötzlich extrem gut in all seinen Fächern geworden ist und sich von allen zurückgezogen hat und... er meinte, du könntest zu Tom Riddle werden, wer auch immer das ist." Harry lachte, ein tonloser, freudloser Laut.

"Das denkt er also wirklich von mir? Dass ich ein zweiter Riddle bin? Nach allem, was geschehen ist denkt er, ich würde diesen Weg einschlagen? Und warum kann er mir das nicht einmal ins Gesicht sagen? Warum finde ich alles immer nur per Zufall heraus? Snape ermordet meine Großeltern und Dumbledore denkt ich bin der nächste Voldemort. Jetzt muss sich nur noch herausstellen, dass Malfoy meine unsterbliche, ewige Liebe ist und Voldemort mein Großvater und die Welt ist perfekt!" Er raufte sich die Haare, sprang vom Sofa und begann, mit langen Schritten im Raum auf und ab zu gehen.

"Aber ich bin nicht wichtig, alles, was zählt, ist die Waffe. Dumbledore hat sich ein nettes Paket mit der Aufschrift 'Harry Potter' geschnürt und jetzt gefällt ihm der Inhalt plötzlich nicht mehr? Ich glaube..."

"HARRY!" Remus erhob nur selten die Stimme, aber wenn er es tat hatte es einen Effekt wie bei Dumbledore- selbst ein zorniger Harry Potter konnte ihn nicht ignorieren.

"Harry, Albus macht sich Sorgen. Er denkt nicht, dass du der nächste- Moment, Tom Riddle ist Voldemort? Nein, das glaube ich nicht. Albus kann nicht glauben, dass du auch nur ansatzweise... Ist das wahr?" Harry nickte kurz, das Feuer in seinen Augen nicht erloschen.

"Aber... Nein, Harry, Albus glaubt nicht, dass du in Voldemorts Fußstapfen trittst. Aber er befürchtet, dass du dich selbst verlierst. Albus hat dich sehr gerne, Harry- er sorgt sich um dich wie um ein Enkelkind, und darum macht er Fehler. Wir alle machen Fehler, wenn es um die Menschen geht, die wir am meisten lieben- das solltest du doch am besten wissen!"

In dem Moment, in dem er es ausgesprochen hatte, wusste Remus, dass er einen Fehler gemacht hatte. Einen nicht wiedergutzumachenden Fehler. Harrys bleiches, zorniges Gesicht wurde noch weißer. Seine Augen hinter der Brille verloren jeden Ausdruck, wurden zu harten Stücken grüner Jade. Die Narbe auf seiner Stirn trat deutlicher hervor, pochte dunkelrot. Seine Hände zitterten, sein ganzer Körper versteifte sich.

"Ich... weiß," würgte er hervor. "Gute Nacht, Remus." Er stolperte aus der Wohnung seines Lieblingslehrers, einmal mehr automatisch, da seine Gedanken nur um die Nacht im Ministerium kreisten.

Remus Lupin war zu versteinert, um ihm zu folgen. Als er nach Harry suchte, konnte er ihn nirgends in der Schule finden. Remus wusste es besser, als dass er den Orden benachrichtigt hätte. Harry musste allein sein... und er, Remus Lupin, ebenfalls. Am Morgen tauchte Harry auch wie erwartet wieder auf, etwas stiller als zuvor, aber sonst nicht verändert. Remus seufzte erleichtert. Harry schickte nicht einmal wütende Blicke zu Dumbledore, und er kam mit den anderen Schülern zum Frühstück, obwohl er das seit dem letzten Schuljahr nicht mehr getan hatte. Vielleicht... vielleicht hatte er doch keinen Fehler gemacht, sondern Harry nur aufgeweckt. Vielleicht kehrte ja jetzt endlich wieder ein wenig Normalität ein- wenigstens so viel, wie es in der Umgebung von Harry James Potter aushielt.

Harry hielt seinen Rücken steif und die Augen gesenkt. Er antwortete auf die Fragen seiner Freunde, ging auf Ginnys Scherze und ihre Panikattacke vor ihrem ersten kleinen Zauberergradlevel-Test ein und war im Großen und Ganzen der Alte. Er hatte sich hinter die schützende Taubheit der weißen Wände geflüchtet, er konnte nicht daran denken, was die Agenten des Phoenixordens von ihm hielten. Sirius' Gedächtnisstein, den er an der silbernen Kette von Tonks um den Hals trug brannte mit einer fast schmerzhaft intensiven Wärme ein winziges Loch in die Taubheit, und dass Remus Dumbledore nicht glaubte befeuerte ein kleines Feuer der Hoffnung in seiner Magengrube, aber dennoch war der Ausblick auf den Tag nicht gerade ein rosiger.

Er stand auf als Professor McGonagall vom Lehrertisch zu ihnen herüberkam. "Guten Morgen, Professor," grüßte er. Professor McGonagall nickte ihm knapp über die Gläser ihrer Brille hin zu.

"Guten Morgen, Mr. Potter. Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass Sie Professor Snape heute Abend um 19:30 Uhr in den Kerkern aufsuchen werden, um nachzusitzen- Sie wissen doch sicher noch, wofür?" Harry nickte. Die Eiseskälte, die jedes Gefühl verdrängte half ihm, sein Gesicht ausdruckslos zu halten.

"In Ordnung, Professor," sagte er einfach. Hermine warf ihm einen fragenden Blick zu, aber er schüttelte nur den Kopf.

"Einmal hab ich es geschafft, euch nicht in meine Probleme mit hineinzuziehen," meinte er nur. Ron nickte und stupste Hermine in die Seite.

"Sag mal, Mine- kannst du mir deinen Aufsatz für Zauberkunst ausleihen?" Das war Ablenkung genug für sie. Hermines Augen funkelten mit einer Mischung aus Amusement und Verärgerung während sie zum wer-weiß-wievielten Mal in ihren sechs Schuljahren Ron erklärte, warum es wichtig war, seine eigenen Aufsätze zu schreiben. Harry schlüpfte ungesehen davon.

Während er auf dem Weg zu Zauberkunst übte, den kleinen blauen Flammenball entlang seiner Arme tanzen zu lassen (Remus hatte gemeint, dass diese Übung seine Kontrolle und Ausdauer verbessern würde) dachte er zum ersten Mal seit langer Zeit an seine frühe Kindheit zurück, an die unkontrollierten Ausbrüche von Magie, die er gehabt hatte seit er denken konnte. Einmal, er musste vielleicht drei Jahre alt gewesen sein, hatte Tante Petunia Dudley sein Abendessen gegeben aber Harry vergessen. Er hatte den Teller mit seinem kalten Haferbrei zu sich levitiert- bevor er ihm von einem wütenden Onkel Vernon weggenommen wurde, der ihm immer wieder das Wort entgegenschrie, das sein ganzes Leben bei den Dursleys bestimmte: Freak. Tante Petunia hatte sich immer beklagt, dass er als kleines Baby seine Wickelsachen wie ein bizarres Mobilé um ihren Kopf hatte kreisen lassen. Seine Magie war noch immer wild und unkontrollierbar- wenn er wütend wurde zersprangen Gläser und wackelten Möbelstücke. Remus hatte, wie immer, Recht- er musste Kontrolle über seine Fähigkeiten gewinnen. Er hatte die Fähigkeiten, aber er verstand sie nicht. Und es konnte gefährlich werden, für andere und ihn selbst, wenn das weiter so blieb. Er konnte nicht vergessen, dass in der Großen Halle jedes einzelne Exemplar der Jungen Hexenwoche in Flammen aufgegangen war.

Harry wusste, dass er bewusst nie jemanden verletzen wollte der ihn nicht zuvor angegriffen hatte, aber wenn seine Magie weiterhin so wild blieb konnte das geschehen. Dumbledore hatte ihn davor gewarnt. Remus versuchte, ihm die Schranken zu geben, die er brauchte. Er konnte nicht jedes Mal entweder jemanden gefährden oder ohnmächtig zusammenbrechen, wenn er wütend wurde. Er hatte Glück, dass sein Instinkt ihn aus den Kerkern und über den See geführt hatte, bevor er explodiert war. Und er wollte nicht wissen, was er tun würde sollte Voldemort es wagen, einen seiner Freunde, die in Wahrheit seine Familie waren, verletzen.

Er war gefährlich. Er war eine Waffe. Und damit er nicht Amok lief musste er weiterhin versuchen, sich zurechtzuschmieden. Harry biss die Zähne zusammen. Er konnte sich wirklich keine Zweifel leisten. Eiserne Disziplin und ein starker Wille waren seine einzigen Hilfsmittel- er musste sich auf beide verlassen können oder er würde alles zerstören, wofür er eigentlich kämpfte.

Professor Flitwicks letzte Theoriestunde war recht amüsant. Dabei erklärte er ihnen ein eigentlich ernsthaftes Thema: warum sie die Stimmveränderungszauber gelernt hatten. Angeblich flogen viele verdeckte Ermittler und Auroren auf weil sie an der Stimme erkannt wurden. Und nach der Theorie der vergangenen Woche sollten sie in der nächsten Stunde soweit sein, ihre Stimme und die ihrer Partner für die ganze Stunde zu verändern- in eine andere Sprechstimme.

Verteidigung gegen die Dunklen Künste wurde immer komplizierter. Dank seiner Übungen im Raum der Erfordernis war Harry der Klasse zwar immer noch voraus, schaffte es aber nicht einmal, Professor Stevenson bei einer Demonstration zu überrumpeln. Ihre Lehrerin bewies wieder und wieder, dass sie, ähnlich wie Mad-Eye Moody, noch lange nicht zum alten Eisen gehörte. Harry und die DA-Mitglieder hingegen schafften es ebenfalls wieder und wieder, durch ihre harte, unfreundliche Schale zu brechen und in ihr den Funken der Anerkennung zu wecken. Stevenson erwähnte des Öfteren, dass ein paar von ihnen vielleicht doch eine Chance hatten, am Leben zu bleiben- ihr höchstes Lob. Harry fragte sich immer noch, was sie zu einer derart passimistischen Einstellung geführt hatte, aber er hatte nichts über Marina Stevenson herausgefunden außer dass sie im Jahr 1927 geboren worden war und 1944 ihre Ausbildung in Hogwarts abgeschlossen hatte. Anschließend war sie wohl mit Dumbledore in den Krieg gegen Grindelwald gezogen...

"Was meinst du, Harry- schaffst du die Prisma-Mauer?" Neville lehnte sich verschwörerisch in seinem Sitz hinter dem Trio nach vorne. Harry nickte. Die Prisma-Mauer war ein Schild gegen Schneideflüche und –zauber, der den Angriff wie ein Prisma im Dreieck herumjagte bevor er sich selbst auslöschte. Harry hatte noch nie zuvor von ihr gehört, aber nach Stevensons Demonstration war er sich ziemlich sicher, dass er den ätherischen, durchsichtigen dreidimensionalen Körper beschwören konnte.

Zu seinem Glück- oder Unglück- war dieses Mal jedoch Neville derjenige, der als Erster aufgerufen wurde, den Schild zu demonstrieren. Bereits bei seinem zweiten Versuch schaffte er es, eine durchsichtige Pyramide von etwa fünfzig Zentimeter Kantenlänge erscheinen zu lassen, in der sich das Licht brach und Regenbogen an alle Wände warf.

Stevenson war in dieser Stunde sehr zufrieden mit ihren Studenten und ließ selbst Harry in Ruhe. Er war dankbar für jede kleine Gnade, die ihm an diesem Tag zuteil wurde, schließlich musste er den Mörder seiner Großmütter sehen obwohl keine Zaubertränkestunde auf dem Stundenplan stand. Snape würde sich mit Sicherheit wieder in seiner Überlegenheit sonnen... aber wie Harry Dumbledore erklärt hatte, er würde es nicht mehr einfach so hinnehmen. Wenn der Professor persönlich werden wollte dann würde er auf einem persönlichen Level zurückschlagen. Sein Kiefer knirschte als er die Zähne fest aufeinanderpresste. Dumbledore mochte Snape vertrauen, Dumbledore mochte fordern dass er, Harry, Severus Snape seine Fehltritte verzieh, aber Dumbledore hatte nicht zehn Jahre in einem Schrank unter der Treppe bei den Dursleys gelebt.

"Harry- Madam Pomfrey möchte, dass jeder von uns einen ganz normalen Druckverband am Oberarm seines Partners anlegt. Ist es okay wenn ich anfange?" Hermines schüchterne Berührung an seiner Schulter riss Harry aus den brütenden Gedanken, die er schon den ganzen Tag über hegte. In Grundlagen der Heilkunst waren sie nun endlich über die Theorie hinaus damit beschäftigt, Erste Hilfe zu lernen. Und die bestand bei Zauberern, ähnlich wie bei Muggeln, zunächst aus einem einfachen Anlegen von Verbänden und dem Erlernen der stabilen Seitenlage.

"Klar, mach nur," meinte Harry abwesend und streckte seinen linken Arm aus. Hermine wickelte mit höchster Konzentration einen kleinen Holzklotz und mehrere Mullbindenpackungen mit einem fest geschnürten Verband um seinen Arm.

"Perfekt, Miss Granger," lobte Madam Pomfrey. Harry nickte.

"Klasse, 'Mine- aber könntest du es jetzt bitte wieder abwickeln? Mein Arm schläft mir ein!" Er spannte leicht die Oberarmmuskeln an, um den unangenehmen Druck zu lockern.

"Sicher, Harry- du bist übrigens dran, Ron hat es schon an mir ausprobiert. Das heißt er ist dein Versuchskaninchen." Ron sah nicht gerade erfreut aus, aber als Harry wie Hermine mit geübten Bewegungen den Verband anlegte wirkte er wieder erleichterter.

"Warum könnt ihr das eigentlich so gut? So ziemlich alle anderen machen ein großes Durcheinander!" fragte er. Harry sah Hermine an, die mit den Schultern zuckte.

"Weiß nicht wie es bei dir war, Harry, aber wir haben in Gesundheitskunde in der Grundschule Erste Hilfe gelernt." Harry nickte.

"Ich auch. Und das war auch nötig, wenn Dudley in der Nähe war," sagte er. Madam Pomfrey räusperte sich.

"Ich glaube, Madam Pomfrey will etwas sagen," meinte Hermine überflüssigerweise. Ron rollte die Augen, aber er hielt den Mund.

"Gut," sagte Pomfrey nach einem skeptischen Blick über das Chaos aus Mullbinden und Pflastern, das ihr sonst so aufgeräumter Krankenflügel war, "in der nächsten Woche machen wir dann mit dem Verbinden weiter. Lest bis dahin bitte Kapitel 5 in euren Büchern und schreibt einen Aufsatz von zehn Zoll Länge über den Ferula-Zauber." Hermine nickte und kritzelte in ihrem Hausaufgabenplaner während Ron sich zu Harry hinüber beugte.

"Erinnerst du dich noch? Lupin hat mir damit mein Bein geschient als es gebrochen war- in der Heulenden Hütte. Das war an dem Tag, an dem wir..."

"Sirius kennengelernt haben," ergänzte Harry dumpf. Auf seiner Brust pulsierte der Gedächtnisstein mit einer sanften Wärme, wie immer, wenn eine besonders schmerzhafte Erinnerung an seinen Paten aufkam.

"Ich glaube, ich hatte noch nie solche Angst wie vor diesem riesigen, schwarzen Hund!" fuhr Ron fort. Hermine trat ihm auf den Fuß. "Autsch! Mine, was sollte das? Ich sag doch nur die Wahrheit!"

"Und du hast mal wieder zu viel gesagt!" zischte sie und deutete auf Harry, der die beiden mit einem undeutbaren Gesichtsausdruck ansah.

"Lass nur, 'Mine- meinetwegen müsst ihr Sirius' Namen nicht vermeiden. Es ist besser... besser wenn man sich  an ihn erinnert als wenn er vergessen wird. Wenn man sich an ihn erinnert ist er..." Er umklammerte nun seinen Gedächtnisstein, aber er wollte endlich loswerden, was ihm schon seit Schulbeginn auf der Zunge brannte. Seine Freunde sollten sich nicht immer schuldig fühlen, weil sie seinen Paten erwähnt hatten. "Wenn man sich an ihn erinnert ist er noch nicht ganz tot. Dann lebt ein Stück von ihm weiter," schloß er. Er konnte Ron und Hermine nicht ins Gesicht sehen, aber er wusste, dass die beiden ihn verstanden hatten.

"Ich hab jetzt Training mit Lupin," sagte er endlich, "und danach Nachsitzen. Ich seh euch dann später." Ron und Hermine nickten.

"Harry- es tut mir Leid. Ich... wir vermissen ihn auch. Und wir wollten ihn nicht vermeiden. Wir wollen die Erinnerung an ihn genauso wachhalten wie du," sagte Hermine und legte ihm eine Hand auf den Arm bevor sie gemeinsam mit Ron aus dem Krankenflügel verschwand.

"Ja, Kumpel. Tschuldigung. Und bis später," murmelte Ron unbeholfen. Harry sah ihnen hinterher bevor er sich  schwerfällig erhob. Sein linkes Bein stach wie schon seit Wochen nicht mehr.

"Na dann... mal sehen, was Remus heute so für mich zu tun hat," murmelte er. "Auf Wiedersehen, Madam Pomfrey!"

Die Schulkrankenschwester nickte ihm freundlich zu, ein Klemmbord mit einer Vorratsliste für ihre Zaubertrankvorräte darauf in der Hand. "Bis zur nächsten Stunde, Mr. Potter," verabschiedete sie ihn.

Harry trödelte auf dem Weg zum Raum der Erfordernis. Remus war der geduldigste Lehrer, den er kannte und hatte Verständnis dafür, wenn sein einziger Schüler einmal ein wenig später kam. Erst kurz vor der Tür beschwor er zwei kleine Glockenblumenflammen herauf, die fröhlich über seinen Handflächen schwebten. Remus hatte die Angewohnheit, ihn in einem völlig dunklen Raum überraschend anzugreifen. Nach dem ersten Mal war Harry vorbereitet. 'Immer wachsam!' meinte sein innerer Moody dazu.

Umso größer war die Überraschung als er statt eines dunklen, mit Hindernissen vollgestopften Raumes eine weite, offene Halle vorfand in der außer zwei mit roter Leuchtfarbe auf den Boden gemalten Kreisen mit Kreuzen darin und einem breit grinsenden Remus nichts war. Gar nichts.

"W... was?" stammelte er verwirrt und verlor die Konzentration, die nötig war, um seine Glockenblumenflämmchen am Leben zu erhalten.

"Überraschung, Harry- die Erlaubnis vom Ministerium ist endlich eingetroffen. Du darfst lernen, wie man appariert!" Remus war anscheinend ziemlich begeistert davon, während Harry noch immer wie ein Nashorn im Urwald blinzelte.

"Aber..." meinte er. Remus winkte ab.

"Dumbledore hat dir doch vor Beginn des Schuljahres gesagt, dass du es lernen wirst, oder? Damit nicht noch einmal so eine Situation wie bei der dritten Aufgabe oder wie im Park von Little Whinging aufkommt." Harry nickte.

"Ich weiß. Aber... man kann in Hogwarts nicht apparieren." Remus grinste. Für einen Moment erkannte Harry in seinem müden Gesicht den Herumtreiber Moony, so verschmitzt war dieses Grinsen.

"Woher weißt du das? Hermine? Dachte ich mir. Nun, dieser Raum ist eine Ausnahme. Er gibt dir genau das, was erforderlich ist, oder? Und in unserem Fall ist das eine kleine... Blase innerhalb Hogwarts' in der Apparation möglich ist. Natürlich kann man weder von draußen hinein noch von hier hinaus apparieren, aber von einer Seite des Raumes zur anderen, innerhalb dieser Blase, das geht."

"Und... ich soll jetzt einfach so an einem einzigen Abend lernen, wie man appariert?" fragte Harry. Er war, um ehrlich zu sein, ziemlich nervös- Hermine hatte, weil sie im Winter ihren Apparationskurs belegen würde, schon einmal alles gelesen, was es über diese komplizierte Art der Fortbewegung zu lesen gab. Sich zu zersplintern hörte sich absolut nicht nach Harrys Lieblingsbeschäftigung an. Eigentlich mochte er seine Zehen und Finger da, wo sie waren...

"Keine Sorge, du wirst dich nicht zersplintern. Die meisten, die das tun, haben entweder Probleme damit, ihre Magie dazu zu bringen, ihren Körper zu bewegen oder haben nicht genug Konzentration für zauberstablose Magie. Du kannst schon ganz gut mit den Glockenblumenflammen umgehen. Deine Magie verlässt deinen Körper sogar, wenn du sie heraufbeschwörst, und das ist schwerer, als sie einfach nur den Körper ausfüllen zu lassen. Weißt du eigentlich, was beim Apparieren geschieht?" Harry schüttelte den Kopf. Woher sollte er das denn wissen? Er war nicht Hermine!

"Ein Zauberer, der appariert, verwandelt sich für einen Moment in pure magische Energie. Diese ist, wie du aus deinem ersten Schuljahr weißt, nicht an die physikalischen Gesetze von Zeit und Raum gebunden. Es gibt natürlich gewisse Regeln, die nicht außer Kraft gesetzt werden können... aber ich bin kein Magiphysiker und kann dir deswegen auch nichts Genaueres sagen. Auf alle Fälle ist der magischen Energie nicht bewusst, an welchem Ort sie sich befindet. Hier kommt nun das Bewusstsein des Zauberers ins Spiel. Indem er sich bewusst einen anderen Ort als den, an dem er eben war, vorstellt, verschiebt er die magische Energie- sich selbst- dorthin. Er gibt ihr einen Ansporn, einfach so an diesem anderen Ort aufzutauchen. Theoretisch macht es dabei keinen Unterschied, ob dieser andere Ort nun einfach hier gegenüber im Raum ist oder auf der anderen Seite der Erdkugel. Die meisten Zauberer haben nur Schwierigkeiten, sich das vorzustellen. Kannst du es?"

Harry schwirrte der Kopf. Magiphysik? Er kannte bisher nur Mathemagie in ihren Grundzügen aus seinem Arithmantik-Kurs. Aus seiner Schulzeit bei den Muggeln erinnerte er sich an eine Relativitätstheorie, aber warum diese ihm jetzt in den Sinn kam, wusste er nicht(3).

"Ich glaube schon," meinte er vorsichtig. Also stellte er sich einfach vor, auf dem zweiten Kreis zu stehen und stand dann da?

"Genau, so ist es," Remus' Bestätigung machte Harry klar, dass er laut gedacht hatte. "Natürlich gibt es ein paar Hindernisse auf dem Weg dorthin. Du musst deinen Körper vollkommen mit Magie füllen und jeden kleinen Teil spüren. Sonst zersplinterst du dich und lässt den Teil, den du nicht gespürt hast, zurück. Da du keinen Moment lang nicht da bist kann die Magie nicht erkennen, ob du ganz bist oder nicht. Jeder Teil von dir, auf den du dich nicht konzentriert hast, existiert weiter- nur eben an einem anderen Ort. Ich glaube nicht, dass du damit Probleme haben wirst- um zauberstablose Zauberei zu meistern musstest du die Magie ja schon in deinen Fingerspitzen konzentrieren. Jetzt musst du sie eben wie eine Decke über deinen ganzen Körper breiten. Verstanden?" Harry nickte. Das hatte er verstanden. Das weiße Licht sollte ihn einfach einhüllen, daran war er gewöhnt.

"Dann musst du dir dein Ziel deutlich vorstellen, am besten jede Einzelheit, zumindest am Anfang. Später wirst du lernen, zu einer Adresse zu apparieren, aber das ist schon sehr fortgeschritten und ich erwarte nicht, dass wir es vor den Weihnachtsferien schon schaffen. Also wirst du dich einfach auf einen Kreis stellen und dich auf den anderen konzentrieren." Remus stellte sich in die Mitte des Kreuzes im Kreis.

"Zielgenaue Apparation erfordert wirklich große Konzentration, deswegen darf man nicht apparieren, wenn man betrunken oder besonders aufgeregt ist. Entweder du landest im Nirgendwo oder du zersplinterst dich, und wenn das passiert sind Albus und ich schuld, also lass es einfach, in Ordnung?" Remus' Augen funkelten amüsiert. Harry wurde rot und nickte.

"Hatte ich auch nicht vor," murmelte er defensiv.

"Gut. Dann... brauchst du natürlich noch den Apparationszauber. Der Spruch ist Appareo, Betonung auf dem 'e'. Eine Zauberstabbewegung gibt es nicht, stattdessen musst du die Magie in deinem Körper dazu bringen, dich zu bewegen. Jeder Zauberer und jede Hexe macht das anders, deswegen kann ich dir auch nicht sagen, wie das geht. Aber ich kann es dir einmal langsam vorführen, in Ordnung?" Harry nickte und beobachtete Remus genau.

Er hatte die Augen geschlossen und ganz langsam tropfte ein hellblaues Licht von seinem Scheitel bis zu den Zehen, wie eine dünne, neblige Decke aus Flüssigkeit. Als jeder Teil von ihm leuchtete nickte Remus kurz und öffnete die Augen. Es war beinahe unheimlich, wie sich die bernsteinfarbene Iris hinter dem Blau versteckte.

"Appareo," sagte Remus. Es gab einen leisen Plopp und er stand in der Mitte des anderen Kreises, genau da, wo sich die Linien kreuzten.

"Wow," sagte Harry. Remus grinste und verbeugte sich leicht.

"Danke. Aber so leise geht es natürlich nur, wenn du genug Zeit hast, dich zu konzentrieren. Ansonsten verschiebt sich die Magie schneller und es ergibt sich der übliche Krach. Ich glaube, Albus ist der Einzige, der auch in einer Notfallsituation ziemlich leise apparieren kann. Aber er hat natürlich auch mehr Kraft, eine bessere Verbindung zu seiner Magie und mehr Übung als alle anderen. Wenn er sich Zeit nimmt dann appariert er sogar lautlos- das ist unheimlich!" Harry schauderte.

"Das kann ich mir vorstellen. Ist dann wie ein Geist, der aus dem Nichts auftaucht," sagte er. Remus lachte.

"Bis du ein Geist wirst kann es aber noch eine Zeit dauern. Jetzt versuchst du erst einmal, es überhaupt zu schaffen. Hast du genau zugesehen?" Harry nickte und schluckte nervös, während er in die Mitte des Kreises, aus dem Remus appariert war, ging.

"Das blaue Licht- was das Absicht?" Remus nickte.

"Ja, normalerweise ist unsere Magie unsichtbar, wie die Schutzzauber von Hogwarts. Aber wenn wir uns stark konzentrieren und viel davon einsetzen dann wird sie für einen Moment sichtbar. Die kleine Strecke, die ich eben appariert bin, war viel anstrengender als von London nach Hogsmeade zu apparieren, weil ich es sichtbar getan habe."

"Ich muss also keine sichtbare Decke erzeugen?" hakte Harry zur Sicherheit noch einmal nach. Er würde lieber noch einen Tag, eine Woche oder einen Monat... oder ein Jahr warten, bis er versuchte, zu apparieren. Das Bild des Mannes, der seinen Darm vergessen hatte, das Hermine ihm gezeigt hatte schreckte ihn doch.

"Nein, Harry. Konzentriere dich einfach darauf, die Magie durch deinen ganzen Körper zu schicken und dann auf den anderen Kreis und sage Appareo. Am Anfang hilft es, wenn du den Zauber laut sprichst, später musst du ihn nur noch denken. Aber jetzt versuch es endlich- du hast wirklich keinen Grund, nervös zu sein. Ich glaube, dieser Raum erlaubt es gar nicht, dass du dich zersplinterst. Alles, was erforderlich ist, erinnerst du dich? Stell dir einfach vor, es gibt keinen Abstand zwischen dem Punkt, wo du jetzt stehst und dem, wo du hinwillst und appariere!"

Harry schluckte. Seine Hände waren schweißnass und hingen verkrampft an seiner Seite herunter. 'Verdammt, und nachher noch Snape...' dachte er. Dann konzentrierte er sich auf das weiße Licht, das er immer rief, wenn er einen zauberstablosen Zauber ausführte. Dank des inzwischen schon monatelangen Trainings folgte es bereitwillig seinem Ruf und ließ sich wie eine Decke- er stellte sich seinen Unsichtbarkeitsumhang vor und achtete darauf, dass dieser besonders auch seine Zehen bedeckte- um seinen ganzen Körper.

'Von einem Kreis zum anderen... und es gibt keinen Abstand,' dachte er. 'Und ich muss  meinen eigenen Weg finden, dass sich mein Körper bewegt... aber es gibt keinen Abstand, also muss ich mich gar nicht bewegen... ich will also gar nicht erst dahin kommen, ich bin schon da!'

Triumphierend riss er die Augen auf. "Appareo!"

Es krachte als hätte der Blitz eingeschlagen und Harry stolperte über seine eigenen Füße. Unsanft landete er der Länge nach auf dem Boden- aber vor seinen Augen befand sich eine gebogene Linie, der Kreis... nur, war es der Startkreis oder das Ziel?

"Klasse, Harry- gleich beim ersten Mal bewegt! Leider bist du außerhalb des Kreises gelandet, aber... du bist schon fast da!" Remus' Stimme kam von der anderen Seite der hellen, großen Halle.

"Ich... hab's geschafft?" sagte Harry ungläubig und rappelte sich auf. "Ich hab's geschafft!" jubelte er dann. Remus tauchte mit einem Knall neben ihm auf, natürlich im Zentrum des Kreises.

"Angeber!" meinte Harry, aber der Werwolf legte ihm nur einen Arm um die Schulter und grinste stolz.

"Du hast es tatsächlich geschafft. Das war der schwerste Teil, alles, was jetzt kommt ist nur noch Übung. Wie geht es dir, Krone Jr.? Ich weiß, dass man beim ersten mal Apparieren ziemlich viel Energie verbraucht." Tatsächlich fühlte Harry sich etwas schwach auf den Beinen, aber der Erfolg verursachte gleichzeitig ein blubberndes Gefühl in seinem Magen, das den Energieverlust wieder ausglich.

"Mir geht's prima, Remus- das war ein klasse Gefühl. Bumm! Und man ist woanders! Wow!" Remus gluckste.

"Du erinnerst mich an Sirius- der hat genau dasselbe gesagt," lachte er, kaum einen Schatten in den Augen. "Dein Vater hatte mehr Probleme mit dem Apparieren. Beim ersten Mal hat er seinen linken Fuß vergessen, und danach ist er regelmäßig ein, zwei Meter über dem Ziel gelandet. Selbst Peter war besser als er! Was haben wir gelacht... der arme James, er ist immer mit blauen Flecken und einem ziemlich beschädigten Ego von unseren Stunden zurückgekommen. Zum Glück kommst du da eher nach deiner Mutter- Lily hat Apparieren ziemlich schnell gelernt." Harry lachte. Er konnte sich gut vorstellen, wie ein Mann, der aussah wie er mitten aus der Luft auf sein Hinterteil fiel- unter den Blicken seiner drei besten Freunde.

"Habt ihr alle zusammen Stunden genommen?" fragte er. Remus nickte.

"Wir waren fast gleich alt, hatten alle im Frühling Geburtstag und Lily im Juni. Wir haben in den Sommerferien vor unserem siebten Schuljahr alle einen Kurs gebucht. James bestand darauf, gemeinsam mit Lily zu lernen- sie haben am Ende des sechsten Schuljahres einen Waffenstillstand geschlossen und sind dann im siebten ein Paar geworden." Remus' blickte weit in die Ferne, in eine andere Zeit.

"Und dann... dann war unser letztes Schuljahr auch schon vorbei und wir haben Dumbledore im Kampf gegen Voldemort unterstützt. Du kannst dir nicht vorstellen, wie schlimm es damals war. Hogwarts war nur noch eine Insel im Chaos, der einzige Platz, an dem man sicher war. Täglich sind Menschen gestorben. Voldemort hatte seine Augen überall, und er hat jeden, der sich gegen ihn gewendet hat, auf eine schwarze Liste gesetzt- eine schwarze Liste, die einer seiner Getreuen am Anfang jeden Monats an den Eingang zur Winkelgasse gehängt hat. Es gab niemanden, der keine Angst hatte, wenn er auf die Straße gehen musste. Das, was jetzt geschieht ist erst der Anfang, Harry. Wenn... wenn Voldemort weitermachen kann dann verfällt die Zauberwelt endgültig in Anarchie. Sie war so kurz davor, als du ihn aufgehalten hast. So kurz..." Remus seufzte.

"Es wird nicht so weit kommen," sagte Harry. Seine Brust brannte schmerzhaft, als säße ein Troll darauf, aber Remus' Worte hatten seine Entschlossenheit nur noch weiter bestärkt. Egal wie sehr sich Tom Riddle sträubte, er würde untergehen. Auf die eine oder andere Weise...

"Solange er hinter mir her ist sterben wenigstens nicht so viele. Weil er sich darauf konzentriert, nach Hogwarts zu kommen und Dumbledore und mich umzubringen kann er nicht so viel Terror verbreiten. Wir müssen ihn nur stoppen bevor er Erfolg hat," meinte Harry mit einem schiefen Grinsen. Er konnte Remus nichts von der Prophezeiung sagen- der Blick, den ihm der Werwolf jetzt zuwarf bestätigte das.

"Ich wünschte, du wärst nicht in der Mitte von all dem," sagte Remus. Harry lehnte sich steif in seine Umarmung. "Aber dafür ist es zu spät. Du warst schon mittendrin bevor es angefangen hat..." Harry nickte.

"Aber wenigstens hat es doch etwas Gutes, oder? Hab ich doch eben erklärt." Remus schüttelte den Kopf.

"Ich kann dich nicht auch noch verlieren, Harry- Moony wird wahnsinnig, wenn der letzte Teil seines Rudels ausgelöscht wird. Und ich auch. Also... halt dich bitte zurück. Und pass auf dich auf. Albus weiß am besten, was zu tun ist, also hör auf ihn. Und..."

"Remus, ich hab keine Absicht, auf die Suche nach Voldemort zu gehen. Ich hab letztes Jahr gesehen, was Tom anrichten kann." Er zog seinen Gedächtnisstein hervor.

"Tatze..." sagte Remus und berührte die schimmernde Oberfläche des tropfenförmigen Steins.

"Also gut," rappelte er sich dann auf,  "genug der Trübsal- ich glaube, du versuchst es noch einmal und dann- AUTSCH!" Neben seinem Ohr rasselte Harrys Alarm los, der ankündigte, dass er zu seiner nächsten Stunde gehen musste. "WAS IST DAS? MACH ES AUS!!!"

Harry flüchtete sich aus dem Raum der Erfordernis. "Das ist mein Alarm- ich muss los, nachsitzen. Bis morgen, Remus!"

"MACH ES WENIGSTENS VORHER... ahhh, Ruhe!" Remus ließ die Hände sinken, aber Harry war schon verschwunden. "Nachsitzen? Was hat er denn schon wieder angestellt?" fragte er sich, aber da Harry nicht da war, um Antwort zu geben verschwand er lieber zurück in seine kleine Lehrerwohnung. Tonks würde am Abend noch zu Besuch kommen...

()-_-_-_()

 

Snape wartete hinter seinem Schreibtisch im Zaubertränkeklassenzimmer. Harry schluckte den schwarzen Hass, der in ihm aufstieg sobald er den ehemaligen Todesser sah, herunter. Es hatte keinen Sinn, sich gleich  gegenseitig an die Kehle zu gehen. Er musste noch seine Hausaufgaben machen und so sehr es ihn ärgerte- Snape saß am längeren Hebel.

"Potter." Snape hielt sich ebenfalls zurück. Harry nickte mit dem Kopf.

"Professor," sagte er in vorsichtig neutralem Tonfall.

"Was wollen Sie hier, Potter?" fragte Snape. Harry ballte die Fäuste. Dieser überhabliche Gesichtsausdruck...

"Professor McGonagall hat mich zum Nachsitzen zu Ihnen geschickt," sagte er. Seine Nerven waren so angespannt wie seine Haltung. Jede Sekunde mit diesem... Mörder war eine zu viel.

"Ohne Zweifel haben Sie wieder einmal gedacht, Ihren Vater nachmachen zu müssen. Schulregeln sind nicht zu dem Zweck da, gebrochen zu werden, Potter. Setzen." Harry kochte. Er wagte es, ihm Vorschriften zu machen? Ihn zu ermahnen?

"Das letzte Mal, als ich in ein Gesetzbuch gesehen  habe war Mord auch verboten, Professor!" entfuhr es ihm. Im selben Moment bereute er, was er gesagt hatte. Hatte er nicht einen kühlen Kopf bewahren wollen?

Snape wurde bleich, bleicher als der Tod. "Halten Sie sich aus Dingen heraus, die Sie nicht verstehen, Potter," schnappte er. Damit war Harrys Selbstbeherrschung endgültig an ihrem Ende.

"Dingen, die ich nicht verstehe?" Seine Stimme war dunkel und zugleich schrill, mit einem Unterton von Parsel, wie immer, wenn er sehr wütend wurde. "Ich denke, ich verstehe sehr wohl! Meine beiden Großmütter, Snape. Meine Familie! Alle tot! Was gibt es daran nicht zu verstehen? Vielleicht, warum ich zu den Dursleys geschickt wurde weil meine restliche Familie von Todessern wie dir, Snape, umgebracht wurden? Vielleicht, dass meine Eltern noch leben könnten wenn ein gewisser Todesser nicht so feige gewesen wäre?" Die Adern an seinen Schläfen traten hervor.

"Oder vielleicht, dass es einfach ist, zum Mörder zu werden? Das ist das Einzige, was ich nicht verstehe. Sadisten, Mörder und Abschaum. Und ich will sie auch gar nicht verstehen, Snape. Ich will nicht verstehen, wie Leute wie du denken!" Er atmete schwer, wilde Magie wirbelte die Aufsätze von Snapes Schreibtisch und ließ einige Gläser hinter dem Meister der Zaubertränke zersplittern. Snape duckte sich unter den Splittern weg und stand auf, blickte auf Harry hinunter.

"Ich habe wenigstens meine Fehler eingesehen, Potter. Glaubst du, ich habe freiwillig angesehen, wie der Dunkle Lord die Potters getötet hat? Glaubst du, ich bin freiwillig danebengestanden, als Lily gestorben ist? Ich hatte keine Wahl! Er hat versehentlich das Dunkle Mal berührt und mich gerufen! Als ich nach Godric's Hollow gekommen bin war er schon fast im Haus! Wenn er mich bemerkt hätte hätte er mich getötet! Was hätte ich tun sollen? Sterben?"

"Vielleicht ja!" Harry war außer sich. "Zumindest würde dann ein besserer Mensch noch leben! Meine Mutter nämlich!" 

"Arroganz, Potter- du bist wie der Dunkle Lord, zu entscheiden, wer lebt oder stirbt! Wie dein Vater! Nicht jeder hat ein so perfektes Leben, Potter. Manche von uns können sich diese Arroganz nicht leis-"

"Perfektes Leben? Oh, so weit bist du dann doch nicht in meinen Kopf eingedrungen, Snape. Sonst hättest du das perfekte Leben gesehen, zu dem du mich verurteilt hast. Zehn Jahre in einem Schrank, Snape. Zehn!" Er und Snape standen nun so dicht voreinander, dass sich ihre Nasen beinahe berührten. Beide hatten die Stimmen erhoben. Mit übermenschlicher Anstrengung und bebenden Nasenflügeln trat Snape einen Schritt zurück, steckte seinen Zauberstab, den er gezogen hatte ohne dass es einer von ihnen bemerkt hatte, wieder ein.

"Soll ich jetzt Mitleid mit dir haben, Potter? Du hast keine Ahnung davon, was wahre Schrecken sind, also erwarte nicht, dass ich dich bedauere. Du hast keine Ahnung von Schmerz, du hast keine Ahnung von Schuld, und du weißt auch nicht, was Verlust bedeutet. Du bist ein Kind, Potter- also benimm dich nicht, als ob dir die Welt gehört." Es reichte.

"Ich habe keine Ahnung von wahren Schrecken? Du warst nicht dabei, als Voldemort wiedergeboren wurde, Snape! Und ich kenne den Cruciatus so gut wie du. Mein Sommer war nicht gerade ein Traumurlaub! Und wenn ich keine Ahnung von Schuld habe... ich habe Cedric Diggory und meinen eigenen Paten auf dem Gewissen! Und wenn ich nicht weiß, was Verlust bedeutet dann bist du noch engstirniger, als ich dachte, Snape. Du benimmst dich arrogant. Du bist das Kind!"

"POTTER!" Snape sah aus, als wollte er ihn erwürgen, was Harry eine merkwürdige Befriedigung verschaffte.

"Oh ja, Snape- du bist das Kind," wiederholte er, nun eiskalt und tödlich leise. Snape zuckte unter seinem Ton zusammen. Harry lachte.

"Was ist? Hat eine Katze deine Zunge gefressen, Snape? Oder hat dir dein Meister verboten, zu sprechen? Du gehorchst natürlich wie ein guter Sklave. Weißt du, was der Unterschied zwischen Todessern und Hauselfen ist?" Harry lachte wieder. Das Gefühl, Snape in der Hand zu haben, seinen Willen zu brechen, ihn zu brechen war so gut, so berauschend...!

"Hauselfen sind wenigstens respektabel! Sie küssen den Mantelsaum ihrer Meister, sind unterwürfig und gehorchen jedem Befehl genau wie die Todesser- aber sie sind dabei noch respektabel. Ihr Todesser... ihr seid Nichts. Gar nichts." Snape bekam wohl demnächst einen Schlaganfall. Harry berauschte sich an seinem bleichen, halb zornigen, halb erschrockenen Gesicht.

"Und deswegen hatte mein Vater Recht. Es ist mehr die Tatsache, dass du existierst, Snape!"

"Es reicht, Potter! Silencio!" Harry hatte den Zauber nicht kommen sehen und taumelte rückwärts, eine Hand an seine schmerzende Kehle gepresst. Mit schreckgeweiteten Augen versuchte er, einen Ton herauszubringen aber der Schweigezauber hatte ihn voll getroffen.

"Nicht so stark jetzt, Potter?" höhnte Snape. Seine schwarzen Augen loderten voll Hass. Harry starrte ihm herausfordernd entgegen. "Was sagst du dazu? Rixa(4)!"

Eine Faust traf ihn in den Magen, eine gegen die Rippen. Harry stolperte, ging zu Boden, schnappte lautlos nach Luft. >Finite incantatem!< Seine Kehle brannte, aber er hatte seine Stimme wieder.

"Du hast angefangen, Snape," zischte er. Snapes Augen weiteten sich beinahe unmerklich. Fragte er sich, wie Harry seine Stimme wiederbekommen hatte? "Ich glaube, ich bin an der Reihe. [i]Rictusempra[/i]!"

Was auch immer Snape erwartet hatte, es war wohl nicht der Kitzelfluch gewesen. Er krümmte sich vor Lachen, ein bizarres Bild, da sein Gesicht weiterhin hassverzerrt blieb.

"Potter!" Harry lachte. Er trieb höher und höher auf seinen Rachegelüsten.

"Afflictatio tuberculosa(5)!" Snape krümmte sich, sein Lachen ging in Husten über. Er presste die Hand vor den Mund, konnte nicht aufhören, zu husten. Keuchend richtete er sich auf, die Finger, die er vor den Mund gehalten hatte, mit hellrotem Blut befleckt. Harrys Augen weiteten sich. Was hatte er getan? Er hatte diesen Fluch nicht einsetzen wollen- er war nicht verboten, aber er war mit Sicherheit auch nicht erlaubt.

"Das... das ist Dunkle Magie, Potter. Schwarze Magie. Woher... wie hast du das gelernt?" Snape hustete wieder. Mehr Blut quoll zwischen seinen dünnen Lippen hervor. "Du..."

"Warum? Neidisch, dass jemand anderes auch Schwarze Magie einsetzen kann? Jemand, der kein Slytherin ist?" Harry kauerte sich jetzt hinter dem Schild seiner Wut zusammen. Nein, Snape hatte ihn provoziert. Es war gerechtfertigt, dass er den Tuberkulose-Fluch angewendet hatte.

"Schwarze Magie?" Snape hielt sein Husten zurück. Mit seinen blutigen Lippen ähnelte er mehr denn je einem grausamen Vampir. Seine schwarzen Augen waren endlose Tiefen, aus denen kein Licht dringen konnte. Der Hass war aus seinen Zügen gewichen, stattdessen befand sich dort nur Ausdruckslosigkeit. Harry schauderte unter seinem Blick. Das war nicht mehr Snape, der Zaubertränkemeister. Es war auch nicht Snape der Spion. Das hier war Snape der Todesser, der mehr als fünfzehn Jahre geschlummert hatte und nun von ihm wiedererweckt worden war.

"Das war keine Schwarze Magie, Potter," er hustete, aber er wischte sich nicht einmal den dünnen Blutfaden vom Kinn. "Das hier ist Schwarze Magie. Cru-"

"Severus, NEIN!" Albus Dumbledore hatte selten so übermächtig und eindrucksvoll gewirkt wie in diesem Moment, als er ohne Hilfe seines Zauberstabes die Tür zum Zaubertränkeklassenzimmer aus den Angeln hob und die beiden Kontrahenten jeweils gegen eine Mauer des Kerkers schleuderte und dort festhielt.

"Was sollte das? Harry? Severus? Wolltet ihr euch ernsthaft töten? Was hättet ihr noch getan, wenn Fawkes mich nicht gerufen hätte? Severus?" Dumbledore sprühte vor Zorn- im wahrsten Sinne des Wortes. Aus seinen silbernen Haaren und seinem Bart flogen Funken. Harry versuchte, sich gegen die Kraft, die ihn gegen die Wand gepresst hielt, zur Wehr zu setzen, aber er konnte es nicht einmal versuchen. Es war, als ob seine eigene Magie von Dumbledores erstickt worden wäre.

"Curatio(6)." Dumbledore senkte die Hand, die auf Snape gerichtet gewesen war. Ärger, Scham, Wut, Angst, Schuld und ein tiefes Wissen, dass er einen sehr großen Fehler begangen hatte stürzten auf Harry ein, als Snape endlich aufhörte, zu husten. "Und nun will ich eine Erklärung dafür," forderte der alte Zauberer, um dessen Handgelenke noch immer elektrische Funken tanzten. "Und sie sollte besser gut sein."

"Professor, ich..." Harry schluckte. Er hatte einfach keine gute Erklärung. Zeit, die Tollkühnheit der Gryffindors zu einem Sprung ins eiskalte Wasser zu nutzen. "Ich habe die Kontrolle verloren. Über mein Temperament. Über..."

"Das dachte ich mir schon, Harry," sagte Dumbledore streng. Er ließ beide Arme sinken. Harry und Snape purzelten unsanft zu Boden(7). "Und weiter?"

"Ich habe Snape-"

"Professor Snape, trotz allem, Harry," ermahnte ihn der Schulleiter. Harrys Wut flackerte wieder auf.

"Warum soll ich ihn Professor nennen? Er hat meine Familie ermordet! Und Sie wussten davon!" Dumbledore seufzte und winkte mit einer Hand einen Tisch und drei Stühle heran während er mit der anderen, die nun seinen Zauberstab hielt, eine dampfende Kanne Tee und drei Tassen heraufbeschwor.

"Setzt euch, Kinder," sagte er müde. Misstrauisch einander beäugend bewegten sich Snape und Harry langsam zum Tisch, schnappten sich jeder einen Stuhl und ließen sich hineinfallen, nicht ohne darauf zu achten, dass möglichst viel Abstand zwischen ihnen lag.

"Harry, Severus hat deine beiden Großmütter getötet, das ist richtig. Aber es liegt fast genauso weit zurück wie die Ereignisse, wegen denen Severus eine Abneigung gegen dich hat. Ich hatte so eine Reaktion befürchtet, deswegen habe ich dir nie etwas davon gesagt. Und ich glaube, dass Severus sich selbst am heftigsten für seine Fehler bestraft. Er bezahlt dafür, indem er sein Leben für uns riskiert, als unser Spion. Der Tod deiner Großmutter mütterlicherseits hat ihn zum Nachdenken gebracht, und nach dem tragischen Tod der Potters ist er dann zu mir gekommen." Dumbledore nahm einen Schluck von seinem Tee und bedeutete den beiden Jüngeren, es ihm gleich zu tun. Snape kräuselte die Lippen, sobald das Getränk sie passiert hatte.

"Beruhigungstrank, Albus?" Dumbledores Augen funkelten. Harry spürte einen Stich in der Brust. Wie konnte Dumbledore nur so... mit Snape fühlen?

"Ich dachte, wir alle könnten ihn gut vertragen, Severus. Jetzt du- warum hast du Harry beinahe..."

"Du weißt genau, dass ich Potter nicht ausstehen kann. Und dann urteilt dieser arrogante kleine-"

"Du verwewchselst mich immer noch mit meinem Vater, Snape! Wenn er die Vergangenheit nicht ruhen lassen kann, warum soll ich es dann tun, Professor? Es tut mir Leid, dass ich Graue Magie benutzt habe. Meinetwegen geben Sie mir einen Monat lang Nachsitzen mit Filch, aber ich muss jetzt hier raus oder es bleibt nicht bei Grauer Magie!" Dumbledore seufzte, sein Gesicht sah wieder älter aus.

"Harry, bitte..." begann er, aber der wütende Teenager unterbrach.

"Nein, Professor. Ich... ich kann nicht! Es geht einfach nicht. Er hasst mich, und ich hasse ihn. Er hat meine Eltern sterben lassen, Professor. Er war da und er hat nichts getan!" Harry zeigte mit einem anklagenden Finger auf den noch immer leicht mitgenommenen Zaubertränkelehrer.

"Vielleicht wollte ich gar nicht da sein, Potter. Ich sagte doch, der Dunkle Lord hat das Mal zufällig berührt und als ich zu ihm apparieren konnte war es schon zu spät!" spuckte ihm Snape entgegen.

"Harry... vielleicht solltest du gehen. Aber denk einmal nach, warum. Warum, Harry?" Dumbledores warme Stimme fraß sich in seine wutumnebelten Gedanken. Warum, Harry?

"Gute Nacht, Professor," sagte er. Snape würdigte er keines Blickes, aber seine Roben flatterten so dramatisch hinter ihm her, dass er als Zwillingsbruder Snapes hätte durchgehen können.

"Severus, er ist ein Kind," hörte er Dumbledore noch sagen. Snapes Antwort bekam er nicht mehr mit.

()-_-_-_()

Der Gemeinschaftsraum der Gryffindors war leer. Ron, Hermine, Ginny und Neville hatten eine Notiz ans Schwarze Brett gepinnt dass sie noch im Raum der Erfordernis waren und für die nächste DA-Stunde übten. Harry riss den Zettel ab und steckte ihn in die Hosentasche. Die DA war schließlich noch immer eine exklusive Gesellschaft.

Die Stufen zum Schlafsaal zitterten unter seinen Füßen, obwohl sie aus Stein waren. Er war hin und hergerissen zwischen Wut und Verzweiflung. Warum?

Snape... er wollte nicht da sein an dem Abend, als seine Eltern gestorben waren? Warum hatte er dann den Ruf des Dunklen Mals nicht einfach ignoriert? Warum hatte er nicht Dumbledore alarmiert? Warum...

Warum musste er, Harry Potter, sich eigentlich immer Gedanken um das Warum machen? Warum durften alle anderen seine Handlungen hinterfragen bis er auch den letzten Gedanken dahinter erklärt hatte während er sich mit Bruchstücken von Wissen zufrieden geben musste?

Harry sank auf sein Bett im Jungenschlafsaal, schloß mit einem Wink seiner Hand die Vorhänge und hatte Verstummungszauber errichtet ohne recht darüber nachzudenken.

'Warum?' dachte er nur...

 

...-Warum bin ich nur von Idioten umgeben?- Seine Stimme zischte bedrohlich zwischen seinen scharfen, spitzen Zähnen hervor. -Ich hatte ihnen schon so lange Zeit gegeben!-

Vor ihm knieten zwölf Gestalten in dunklen Umhängen auf dem Boden, neben ihnen die elfenbeinweißen Masken, die in der ganzen Zauber- und inzwischen auch in der Muggelwelt, Terror hervorriefen. Die Muggel glaubten, es handele sich bei ihnen um Terrorristen! Dumme Muggel... Er lachte, aber aus Wut. Dumme Muggel, aber seine eigenen Gefolgsleute waren nicht besser als diese Fliegen, wie sie da kauerten...

Keine der anwesenden Figuren wagte es, seinen oder ihren Blick zu heben und den wütenden roten Schlitzen zu begegnen.

"Ihr hattet Zeit genug, um herauszufinden, wo er ist! Was habt ihr zu berichten, meine treuen Todesser?" Er zischte in Erwartung der Flüche, die bald aus seinem Zauberstab brechen würden.

"Der Talisman des Ourouboros ist seit Jahrhunderten verschwunden, Meister," sagte eine der Gestalten vorsichtig und hob den Kopf. Lucius Malfoys weißblondes Haar leuchtete selbst in einem unterirdischen Gefängnis noch, jede Spur seines Gefängnisaufenthalts war von ihm gewichen, nur seine Wangenknochen traten noch markanter hervor als zuvor und seine Augen waren noch härter und grausamer, mit einer Spur des Wahnsinns, der in seiner liebsten Dienerin lebte.

"Das weiß ich, Luciusss..." Er warnte seinen Todesser indem er seinen Zauberstab zog und zwischen seinen langen Fingern drehte.

"Angeblich wurde er, nachdem Salazar Slytherin ihn verloren hatte, von einer Muggelfamilie aus Irland erworben und als Familienerbstück weitergegeben.Die Familie ist nach England gezogen und hat in der Umgebung von London gelebt, bis ihr Haus niedergebrannt ist- in den Wirren von Cromwells Revolution ist er dann jedoch endgültig spurlos verschwunden. Nachforschungen haben ergeben, dass die letzten Überlebenden der Familie auf das Land gezogen sind..." Malfoy verstummte, er bemerkte die brodelnde Wut, die in seiner Magengrube kochte.

"Luciusss. Du enttäuschst mich," sagte er und hob beiläufig den Zauberstab. Malfoy verwehrte ihm die Befriedigung, ihn zusammenzucken zu sehen.

"Meister, der Talisman ist veschwunden, aber wir haben weitere Hinweise auf die Quelle der Stärke gefunden- sie befindet sich im Verlorenen Königreich von Faerie auf der Insel Irland. Die Muggellegende von Faerie geht auf ein unortbares Haus einer alten Zaubererfamilie zurück. Die Custos leben seit Jahrhunderten in einem als Hügel getarnten Schloß. Wenn unsere Informationen korrekt sind befindet sich die Quelle unter diesem Schloß." Ah, seine liebste Bella. Sie wusste immer, was zu sagen war...

"Das Haus befindet sich allerdings unter einem Unortbarkeits-, einem Fidelius- und einem Ablenkzauber und ist für uns unmöglich zu finden. Nur ein Magier von Eurer Macht kann das, Meister," ergänzte sie und starrte bewundernd in sein von einer dunklen Kapuze verhülltes Gesicht.

'Was ist die Quelle der Stärke? Warum will ich sie finden? Warum...'

Er zuckte zusammen- hatte er nicht eben etwas gespürt? War es etwa wieder...?

'Nicht denken, nicht denken! Ich habe meine Okklumentik vergessen, ich bin in einer Vision, ich bin...'

"Oh, wir haben wieder Besuch! Willkommen, Potter. Das hier ist mein Innerer Zirkel, wie du unzweifelhaft schon bemerkt hast... aber nun wird es Zeit, zu gehen- oh, und ich werde nicht noch einmal den Fehler machen, dich davonkommen zu lassen, Potter!"

'Nein, nicht, ich muss hier raus, nicht schon wieder... wo bin ich? Wo bin ich?'

"Potter?" fragte Malfoy, die zwölf Todesser blickten sich suchend um. Niemand konnte ihn sehen, aber...

"Entlassen! Bringt mir mehr Informationen über die Custos!" zischte er, dann: -Nagini!-

Die große Schlange entrollte sich von ihrem Platz am Feuer und schlängelte sich zu ihrem Meister, legte ihren großen, dreieckigen Kopf auf seine Knie. -Nagini, meine Ssschöne, hol Wurmschwanz zurück! Ihn werde ich später noch brauchen.- Die Schlange machte ihre Abscheu deutlich.

'Kein Ausweg... Wände überall, Gitter... Was geschieht mit mir? Wie... Warum? Ich erinnere mich nicht, was soll ich tun... Ich muss fort, muss fort!'

-Meissster, darf ich ihn dann fresssen?-  Er lachte und strich ihr über die glatten Schuppen.

-Bald, meine Sssschöne, bald,- versprach er. Die Schlange schlängelte sich aus seinem Thronsaal.

-Nun zu unsss, Potter!-

'Gitter, Wände... wie? Warum? Warum hat er mich bemerkt? Wie komme ich zurück? Er kann mich nicht...'

"Ich kann, Potter!" Damit stand er inmitten des schwarzen  Nichts, aus dem nun selbst die Wände und Gitter gewichen waren, der rotäugigen, aber erstaunlich menschlichen Gestalt Tom Riddles- denn das war Riddle, in seinem menschlichen Körper- gegenüber.

"Wenn eine Seele im Traum stirbt, stirbt sie auch in der Realität, Potter," zischte der dunkelhaarige, rotäugige Mann. Er war sich nicht sicher, ob er nun Parsel oder Englisch gesprochen hatte.

"Avada Kedavra wird dir nichts nützen, Tom," erwiderte er, benutzte zum ersten Mal in der Gegenwart seines Erzfeindes dessen  Geburtsnamen.

"Dieser Name... dafür, dass du ihn benutzt hast, sollst du bezahlen, Potter... ich kann dich nicht töten, noch nicht, genauso wenig wie du mich töten kannst, aber du wirst bezahlen. Erinnerst du dich daran? Incido!"

Harry wusste nicht, wie er plötzlich zu einem Körper gekommen war, da er sich voher nur als Gedanke im leeren Raum bewegt hatte aber er würde dies natürlich nicht zu einem Nachteil werden lassen- er wich aus.

"Deine Zeit läuft ab, Potter. Du hast zu viele Jahre gestohlen, die du nicht leben solltest." Voldemorts rote Augen wuchsen, wurden zu riesigen Flammenrädern.

"Und du hast zu viele Leben gestohlen!" entgegnete Harry hitzig. "Und ich lasse das nicht länger zu."

"Was willst du denn dagegen tun, Potter?" Voldemort lachte, das zischende, Halb-Parsel-Lachen das Harry zuerst auf dem Friedhof von Little Hangleton gehört hatte.

Harry antwortete nicht. Er musste einen Weg aus der Dunkelheit finden... es war ganz einfach... 'Du hast die Kontrolle. Es sind deine Gedanken!'

"Professor Dumbledore?" Suchend blickte sich Harry um. Dumbledore hatte doch soeben mit ihm gesprochen!

"Der alte Narr kann dir hier auch nicht helfen!" Voldemort warf ihm wieder einen Fluch entgegen, dieses Mal ohne einen Zauberspruch zu sprechen.

"Das muss er auch nicht!" rief Harry triumphierend und wich einem Messerfluch aus, "das hier sind meine Gedanken. Und das heißt dass ich derjenige bin, der sie kontrolliert!" Die Schwärze wich, das Licht strömte mit einem Wutschrei Riddles in ihren fiktiven Raum.

"Und jetzt... auf Wiedersehen, Tom!" Harry fixierte seinen Feind mit einem kalten Blick. "Ich weiß, dass wir uns wiedersehen. Also..." Er konnte es nicht lassen. "Hasta la vista, Baby," imitierte er, was er von Dudley gehört hatte. Voldemorts Wut verfolgte ihn durch seine Narbe und brachte sie zum Brennen und Pochen, aber da er nun wieder wusste, wo und was er war fiel es ihm leicht, seine Schilde aufzubauen.

 

"GAH!" Er schoss trotzdem mit einem Aufschrei in die Höhe. Seine Narbe brannte stärker, als er gedacht hatte. Voldemort war wohl doch noch wütender als erwartet, und dank der Stärke ihrer Verbindung konnte er ihn nicht ganz  ausschließen. Zum Glück hatte er seine Verstummungszauber!

Bevor die Vision, die er gehabt hatte, aus seinem Gedächtnis verschwinden konnte zog er einen Bogen Pergament und eine frische Feder hervor und kritzelte beim Schein einer kleinen Glockenblumenflamme jedes Wort, an das er sich erinnerte, hin.

"Hmmm... Quelle der Stärke? Faerie? Die Custos? Und ein Talisman, der sich in den Händen von Muggeln befindet?" Harrys Augenbrauen zogen sich zu einem Strich auf seiner Stirn zusammen. Er konnte sich keinen Reim auf die wenigen Hinweise, die er zusammengetragen hatte, machen. Dass Snape nichts von der Sache wusste, war ebenfalls verdächtig. Vertraute Voldemort dem Spion des Ordens nicht? Verdächtigte er ihn etwa? Im Inneren Zirkel war er zumindest schon einmal nicht. Dort hielten sich nur Todesser vom Schlage Avery, Malfoy und Lestrange auf.

"Dumbledore," schlussfolgerte er schließlich widerwillig. Der Schulleiter mit seinem immensen Wissen aus mehr als 150 Jahren Lebensalter konnte ihm sicher sagen, was das Ganze zu bedeuten hatte. Müde fuhr er sich mit der Hand durch die wirren Haare, trocknete sein Pergament mit einem schnellen Zauber, zu dem er seinen Zauberstab unter dem Kopfkissen hervorzog und löschte seine Flamme aus. Statt von Todesser-Treffen träumte er dieses Mal von einem grünen Hügel in einem Land des Grases, der das Tor zu einem prächtigen, palastartigen Haus freigab aus dem fröhliche Tanzmusik drang. "Willkommen im Reich unter den Hügeln, dem Haus von Rhodosius Custo!(8)" hauchte eine Stimme. Harry lächelte und folgte der Einladung. "Willkommen im Reich unter den Hügeln..."

()-_-_-_()

 

"Kommt näher! Er tut euch nichts!" Hagrids dröhnende Stimme versuchte, seine Schüler zu motivieren, sich näher an das Gehege hinter seiner Hütte heranzuwagen. Eine künstliche Sonne brannte darüber und wenn man sich auch nur an den Zaun stellte wurde die Hitze beinahe unerträglich, besonders, da es im schottischen Oktober doch schon recht kalt und nass war und alle Schüler bis auf die Knochen durchgefroren waren.

"Ist er nicht wundervoll?" fragte Hagrid Harry, Ron, Neville und Hermine, die drei Meter vom Zaun entfernt die angenehmen Temperaturen genossen.

"Wundervoll, ja," sagte Ron wenig überzeugend. Um ehrlich zu sein war Hagrids neuestes Haustier wirklich beeindruckend.

"Sein Name ist Baby," strahlte Hagrid. "Hey, Baby!" Das mächtige Wesen streckte sich in der Mitte des Geheges. Die Federn seiner Flügel strahlten, obwohl die natürliche Sonne sich hinter schweren, dunklen Wolken versteckte. Er war in jeder Hinsicht ein Geschöpf des Lichts und der Wärme, und Baby wusste, dass die Schüler ihn bewunderten- warum sonst hätte er wohl diesen Moment gewählt um mit einem lauten Gähnen seine eindrucksvollen Reißzähne zu präsentieren?

"Gah, Hagrid- er hat Mundgeruch!" beschwerte sich Hannah Abbott. Hagrid war zu sehr damit beschäftigt, zu versuchen, Baby näher an den Zaun zu locken.

"Uh... was ist er eigentlich?" fragte Ernie MacMillan, "ich habe noch nie einen Löwen mit Flügeln gesehen." Hermine rollte die Augen.

"Das ist ein Goldgreif. Sie entstehen, wenn ein Greif und ein Löwe sich paaren. Sie stehen für Mut und Großherzigkeit- Gryffindor hat einen auf seinem Wappen," sagte sie.

"Klasse, Hermine. 10 Punkte für Gryffindor," sagte Hagrid. Baby wählte diesen Moment um mit einem ohrenbetäubenden Brüllen seine Anwesenheit kundzutun.

"Tja also... Goldgreife. Sie sind nich' gefährlich oder so, aber man sollt sie besser nich' reizen. Sie reagier'n aggressiv auf Dunkle Magie und sie sin' prima im Aufspüren von Dementoren und anderen Dunklen Kreaturen. Aber wenn man mal ihre Freundschaft gewonnen hat sin' sie immer loyal un halten zu einem. Sie fressen am Liebsten frisches Gnellen-Fleisch. Gnellen sin' eine magische Art von Gazelle die aussieht wie ein Gnu mit nem Bart wie Professer Dumbledore," erklärte Hagrid, "un' sie sin' aus Afrika. Also, nächste Stunde stell ich euch Baby mal vor aber im Moment isser noch zu nervös von seiner langen Reise. Also zeichnet ihr ihn am besten einfach mal ab. Un' bis zum nächsten Mal solltet ihr dann einen Fuß Pergament über sein Jagdverhalten un' seine Heimat dabei haben."

Hermine kritzelte in ihrem Hausaufgabenplaner bevor sie einen frischen Bogen Pergament hervorzog und begann, eine Zeichnung von Baby anzufertigen. Ron hingegen sah aus, als hätte ihn der Goldgreif soeben gebissen.

"Sag mal, Harry- spinn ich oder hat Hagrid uns gerade Hausaufgaben gegeben?" Harry rutschte mit seiner Zeichenkohle ab, als er versuchte, Babys Maul aufs Papier zu bannen, was darin resultierte, dass sein Goldgreif sabberte.

"Nee... wir haben tatsächlich Hausaufgaben  in Pflege Magischer Geschöpfe," bestätigte er Ron.

"Jetzt muss Voldemort nur noch seine ewige Liebe zu allem, was gut und wahr ist bekennen und die Welt ist wirklich am Ende," meinte Ron bevor auch er seine Zeichensachen hervorholte.

"Hey, wie soll ich das Vieh eigentlich zeichnen?" Harry zuckte die Achseln.

"Keine Ahnung. Meins sieht auch mehr nach einem Strichmännchen aus- ich such mir dann in der Bibliothek eins zum Abpausen." Ron nickte eifrig.

"Gute Idee- und was machen wir jetzt so lange?" Harry schüttelte den Kopf.

"Hey, wenn ich sowieso nicht zeichnen kann, warum soll ich's dann versuchen? Du bist wirklich schon so schlimm wie 'Mine. Hoffentlich erinnerst du dich wenigstens noch daran, dass du eigentlich ganz gut Quidditch spielst und dass morgen unsere Auswahlspiele beginnen."

"Klar erinnere ich mich dran," schnappte Harry, "aber..." Er verstummte. Er wollte Ron nicht verletzen. Und wenn er sein Temperament nicht unter Kontrolle bekam dann war das eine sehr, sehr realistische Möglichkeit. Er konnte wieder dem Rausch der Dunklen Magie oder der Grauen Magie verfallen. So überwältigend auch der Moment, in dem er Snape verhext hatte, gewesen war, so schlecht hatte er sich danach gefühlt. Und er musste Dumbledore an diesem Tag noch einmal gegenübertreten, ihm seine Vision erklären. Es wunderte ihn ohnehin, dass der Schulleiter ihn noch nicht zu sich gerufen hatte, um sein Verhalten am gestrigen Tag zu diskutieren.

"Schon okay. Ich weiß, Er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf und so," meinte Ron beschwichtigend und erntete dafür ein anerkennendes Strahlen von Hermine, die ihren Wortwechsel über ihre perfekte Zeichnung des gähnenden Baby hinweg mitverfolgt hatte.

"Danke, Ron," murmelte Harry und trat einen Schritt näher an den Zaun heran, der sie von dem Goldgreifen trennte. Baby öffnete seine hellgelben Flügel, die mit einem Adlerfedermuster gezeichnet waren drohend und zog die Lefzen hoch als er den Beinahe-Eindringling bemerkte.

"Scheint als ob dein neues Haustier mich nicht so besonders gerne mag," stellte Harry fest. Hagrid war neben ihn getreten und beruhigte das aufgeregte Tier mit sanften Lauten.

"Nee, er mag dich schon, Harry- aber er is einfach noch mitgenommen. Is erst heute Morgen aus Afrika gekommen. Sie ham ihn unter der Nase der Sphinx gefangen, er hat den Muggeln nen ganz schönen Schrecken eingejagt. Das ägyptische Zaubereiministerium is immer noch'n Chaos!" Baby mochte Hagrids Stimme- er legte sich auf den Bauch und starrte aus gelben Katzenaugen auf die zeichnende und schwatzende Klasse.

"Er is noch ein Baby- seine Flügel sin' noch ganz hell un' er is' noch ziemlich klein." Harry wollte nicht wissen, wie groß ein ausgewachsener Goldgreif war wenn ein junger schon die doppelte Größe eines normalen Löwen hatte.

"Dumbledore hat 'nen Zauber über sein Gehege gesprochen, damit er nich' wegfliegt, aber die künstliche Sonne allein reicht auch schon. Er würd' sterben wenn er nach draußen in die Kälte geht." Das konnte Harry nachvollziehen- er war schließlich in dieser Kälte heute Morgen schon einmal um den See gelaufen.

"Dumbledore hat mir übrigens gesagt du sollst heut Mittag zu ihm ins Büro kommen, nach Verwandlung. Passwort is' Lakritzkobolde." Harry nickte. Dumbledore hatte ihr Gespräch also nicht vergessen, er war am Morgen wahrscheinlich nur zu beschäftigt gewesen. Nun, da Voldemort wieder aktiv geworden war und sich nicht mehr versteckte suchten immer mehr Leute den Rat des alten Schulleiters, der den letzten Dunklen Zauberer besiegt hatte.

"Mach ich. Sag mal, Hagrid- gibt es eigentlich noch jemanden außer Gryffindor, der so einen Goldgreifen als Wappen hat?" Er drehte seinen Siegelring am Finger. Auf ihm war, wie er wusste, ebenfalls ein Goldgreif eingeritzt.

"Keine Ahnung, Harry. Musst du Binns fragen." Er klatschte in die Hände. "So, das war's für heute! Zurück zum Schloß, ihr alle!" 

"Kommst du, Harry?" rief Neville ihm zu. Harry nickte. Ron und Hermine gingen ein paar Schritte vor ihnen, und er konnte ihr leises Gespräch überhören.

"Na ja, 'Mine- nach der Sache mit den Gehirnen hatte ich ein paar Probleme damit, meine eigenen Gedanken und die von den Zauberern, die ihre Gehirne in der Mysteriumsabteilung einlagern lassen haben zu trennen... St. Mungos hat dann ein spezielles Denkarium zur Verfügung gestellt, damit bin ich die komischen Erinnerungen von ihnen endlich losgeworden. Die waren vielleicht gruselig! Wollten ewig leben, eine Art Sekte, und darum haben sie ihre Gehirne aus ihrem Körper gelöst und in Magie eingelagert, Aber..."

"Ron, ist doch in Ordnung. Warum auch immer, ich fand toll, wie du Harry da eben geholfen hast. Und ich glaub nicht, dass es die Gehirne waren. Das warst ganz allein nur du." Rons Ohren wurden rot. Harry senkte schuldbewusst den Kopf. Seine Freunde waren in der Mysteriumsabteilung schwer verletzt worden, und er war daran schuld.

"Ja, Ron- das warst du. Und danke nochmal, dass du mir immer hilfst," sagte er, eine Hand auf der Schulter seines besten Freundes.

"Hey, wofür sind Freunde da?" meinte Neville. Hermine nickte.

"Wir sind alle zusammen in dieser Sache drin, Harry. Und wir bleiben zusammen in dieser Sache drin," sagte Ron mit Inbrunst.

"Ich... danke." Harry konnte nichts sagen. Er hatte so eine Freundschaft einfach nicht verdient. Er wandte Graue Magie an, er brachte sie alle in Gefahr und er war ein undankbarer Klotz.

"Einsicht ist der erste Schritt auf dem Weg zur Erkenntnis," sagte Hermine mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen und Harry erkannte wieder einmal, dass er laut gedacht hatte.

"Entschuldigt, Leute," sagte Neville, "aber ich halte das nicht mehr aus. Ja, es tut uns allen Leid, dass wir manchmal nicht gedacht haben und wir sind schrecklich dumm deswegen. Aber können wir jetzt bitte wieder normal werden?" Er zitterte fast vor Anspannung. Plötzlich lachte Ron, wenig später stimmten auch Harry und Hermine in ein ehrliches, lautes Gelächter ein.

"Danke, Neville. Das war nötig!" Hermine wischte sich noch eine Träne aus dem Augenwinkel.

"Man hätte uns für Dumbledores Zeitgenossen halten können!" ächzte Ron und hielt sich den Bauch.

"Und du hast uns gerettet. Danke, Kumpel!" fügte Harry an, dessen trübe Stimmung wie fortgeweht war. Dumbledore konnte warten. Momentan war das Leben in Ordnung, niemand würde mit Dunkler Magie seine Freunde angreifen und das Einzige, worüber er sich Sorgen machen musste war, dass Neville ihm in der Verwandlungsstunde gleich einen nicht wieder rückgängigen Verwandlungszauber auflegte. Leider hatte sein Freund nämlich immer noch nicht genau  herausgefunden, wie menschliche Verwandlung funktionierte während Harry im Gegensatz dazu fast ohne Theoriewissen auskam- er hatte einfach ein Talent für dieses Gebiet der Zauberei.

"Was meinst du? Reißzähne oder Klauen?" fragte Neville. Die drei Mitglieder des Trios schauten ihn verständnislos an.

"Na, was wir heute in Verwandlung zaubern müssen- glaubt ihr, Harry wird zur Säbelzahnkatze oder zum Krallenmonster?" Ron lachte. Hermine schüttelte den Kopf und Harry legte nachdenklich die Stirn in Falten.

"Weißt du was, Neville? Es ist mir egal! So lange ich mich nur nicht in Snape verwandeln muss..."

"Dagegen hätte sogar McGonagall was!" schüttelte sich Ron.

"Aber so weit sind wir ja zum Glück nicht," sagte Hermine sachlich. Ja, so weit waren sie zum Glück noch nicht...

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Dafür war es viel zu bald soweit, dass Harry zum Büro von Dumbledore gehen musste. Er betastete noch einmal vorsichtig seine Eckzähne- waren sie wirklich nicht schärfer und spitzer? Hatte Professor McGonagall die Verwandlung wirklich ganz rückgängig gemacht?- dann holte er tief Luft.

"Lakritzkobolde!" Der Wasserspeier schwang mit einem steinigen Grummeln auf. Harry stieg langsam die Treppe hinauf und versuchte, sich so gut wie möglich auf das ihm bevorstehende Gespräch vorzubereiten, indem er seine Okklumentik übte.

"Hallo, Harry," krächzte eine heisere Stimme zur Begrüßung, sobald er im ihm mittlerweile sehr bekannten Büro Dumbledores angekommen war. Suchend blickte er sich um- im Zimmer war niemand! "Schön dich wiederzusehen. Keine Sorge, Dumbledore kommt gleich, aber vorher muss noch jemand dich sprechen." Nun war es Harry wirklich unheimlich. Unter dem Schreibtisch war auch niemand, auch nicht hinter dem Wandbehang.

"Hier oben, du Dussel!" Er suchte nun die Decke ab. "Nein, auf dem Regal!"

"Was?" Der Sprechende Hut war der einzige Gegenstand auf dem Regal unter Godric Gryffindors Schwert. Harry wich einen Schritt zurück und schüttelte energisch den Kopf. "Oh nein, ich lass mich nicht nach Slytherin stecken, das kannst du vergessen!"

"Dummkopf! Ich will dich nicht mehr Auswählen, aber es gibt da jemanden, der mit dir reden will- ich kann dich außerdem gar nicht mehr Auswählen wenn du mir das nicht gestatten würdest." Die Krempe des Hutes zog eindeutig eine Schnute. "Du hast Okklumentik gelernt, oder? Wie soll ich denn da noch sehen, was in dir steckt? Also, setz mich schon auf, damit ich an meinem Lied weiterdichten kann. Sonst nervt mich der alte Zausel noch weiter!"

"Du... du arbeitest mit Legilimentik?" fragte Harry den Hut. Wenn der Augen gehabt hätte wären diese sicherlich himmelwärts gerollt.

"100 Punkte für Gryffindor. Scheint, als seien deine Lieblinge immer noch so beschränkt wie du selbst!" erwiderte der Hut, nun wirklich genervt. "Und jetzt setz mich endlich auf! Ich will meine Ruhe!"

"Schon gut," grummelte Harry und stülpte sich den alten, viel zu weiten Hut über die Ohren.

"Na endlich!" sagte beinahe sofort eine tiefe, eigentlich ganz angenehm klingende Stimme. "So, wie du dich dagegen gewehrt hast, einen alten Hut aufzusetzen könnte man fast meinen, du seist einer von meinen!"

"Einer von... Ihren? Wer oder was geht hier eigentlich vor?" fragte Harry.

"Hat der Hut nicht erklärt, was er ist? Dass jeder von uns einen Teil von sich hineingegeben hat damit er auch weiter die Schüler Auswählen kann?" fragte eine weibliche Stimme, die Harry von der Schärfe darin ein wenig an Professor McGonagall oder Hermine im Vortrags-Modus erinnerte.

"Doch... schon," meinte Harry, "aber was hat das damit zu tun, dass ich jetzt hier sitze?"

"Du bist wirklich manchmal nicht besonders schnell, Kleiner. Ganz einfach, wir müssen mit dir sprechen. Du hast mein Schwert aus diesem Hut gezogen, und seitdem wollten die anderen dich auch mal kennenlernen. Du hast schon ganz schön viel geleistet wenn man diesem... Albus Dumbledore glauben darf. Nein, keine Angst, er hat nichts verraten, aber er führt nachst oft Selbstgespräche, wenn er in seinem Büro auf und ab geht und fragt uns sogar manchmal um Rat. Na, weißt du jetzt, wer wir sind?"

"Uh... die Gründer? Aber das kann doch nicht sein!" Harry war verwirrt. Wie kamen die Gründer in den Hut?

"Nein, Kind, wir sind nicht die Gründer." Diese Frauenstimme war sanfter und lieblicher, wie ein streichelnder Frühlingswind. "Wir sind ein Teil von ihnen, ein Erinnerungsschatten, der in diesem Hut hier aufbewahrt wird. Aber du kannst uns ruhig die Gründer nennen, wenn dir das leichter fällt."

"Okay," meinte Harry vorsichtig, "und warum wollen Sie jetzt mit mir sprechen?"

"Eigentlich war es nur Salazar, der mit dir sprechen wollte. Er hat da etwas sehr Beunruhigendes erfahren... oder, Salazar?"

"Gryffindor, du plapperst zu viel. Hast du es immer noch nicht gelernt? Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!" schnappte die tiefe Stimme, die Harry zuerst gehört hatte.

"Aber viele Sickel ergeben auch viele Galleonen..." entgegnete Gryffindor. Slytherin- denn wer anderes konnte die tiefe Stimme sein- seufzte.

"Ich  geb es auf. Der Idiot lernt es nie! Aber nun zu uns, junger Mann." Harry zuckte unwillkürlich in Habachtstellung bei dieser Anrede. "Was soll dieses Gerede, dass ein Erbe von mir die Welt terrorrisiert?"

"Ich sag dir, es ist wahr," grummelte Gryffindor.

"Shhh!" ermahnten die beiden weiblichen Stimmen- Helga Hufflepuff und Rowena Ravenclaw- ihn.

"Na ja... Sie haben Recht, Sir Gryffindor," sagte Harry vorsichtig. "Es gibt da einen Erben von Sir Slytherin, der sich selbst Voldemort nennt aber sein richtiger Name ist Tom Vorlost Riddle. Und der..."

"Riddle? Das ist doch ein Muggelname!" unterbrach ihn Slytherin. Harry nickte unter dem Hut.

"Ist er, sein Vater ist ein Muggel, aber seine Mutter ist eine Hexe, die... ummm... die von Ihnen abstammt, Sir Slytherin," erklärte Harry höflich.

"Und dieser... Riddle meint nun, er könnte die Zauberwelt beherrschen?" fragte die sanfte Frauenstimme- das musste wohl Helga Hufflepuff sein.

"Ja, meint er. Entschuldigen Sie, Sir Slytherin, aber er hat Ihre Ideen genommen und will alle Muggelgeborenen und alle Muggel töten."

"Das waren nie meine Ideen!" empörte sich Slytherins Stimme, "was fällt diesem... Riddle ein? Riddle ist doch dieser Tom von dem Dumbledore spricht?"

"Ja, ist er- aber was meinen Sie damit, dass das nicht Ihre Ideen sind? Sie wollten doch keine Muggelgeborenen in Hogwarts haben und wollten nur reinblütigen Zauberern das Lernen ermöglichen!" Harry ballte die Fäuste. "Und Sie haben deswegen einen Basilisken in der Kammer des Schreckens eingesperrt und Hogwarts verlassen!"

"Godric, Rowena, Helga- das darf doch nicht wahr sein! Was haben die eigentlich in ihren Geschichtsbüchern über uns geschrieben?" Slytherin klang ehrlich empört. "Es stimmt, ich wollte zu unserer Zeit keine Muggelgeborenen in Hogwarts aufnehmen, aber das war zu ihrem eigenen Schutz! Wenn sie nach Hause zurückgekehrt sind haben oft schon ihre ehemaligen Dorfgenossen auf sie gewartet, sie zum Priester geschleppt und gefoltert und getötet! Und als Zauberschüler konnten sie sich natürlich nicht verteidigen! In diesen Tagen ist das doch ganz anders, es gibt ein Zaubereiministerium und diese..."

"Vergissmichs," warf Rowena ein.

"Genau! Und der Basilisk hat mir nur  Zutaten für meine Zaubertränke geliefert. Ich habe die Kammer gebaut, damit ich in Ruhe brauen kann und damit Sebastian keine Schüler angreift!"

"Sebastian?" fragte Harry.

"Der Basilisk. Aber das ist nicht wichtig... ich glaube, diese Situation ist ernster als alles andere. Kaum zu glauben, dass ein Nachfahre von mir..."

"Uh... Sir Slytherin, was wollten Sie mir eigentlich sagen?" fragte Harry, dem die aufgeregten Stimmen im Hut langsam zu viel wurden.

"Nun, eigentlich wollte ich dich nur bitten, mir Auskunft über diesen... Riddle zu geben, aber jetzt... Ich glaube, wir müssen dem Jungen helfen. Also gut. Helga?"

"Wir haben ein Geschenk für dich, Junge. Folge einfach heute Nacht deinem Herzen, dann findest du es. Sein Name ist übrigens Cirrus," sagte die sanfte Stimme von Helga Hufflepuff.

"Und du wirst schon wissen, was du damit zu tun hast," fügte Rowena Ravenclaws herbere Stimme hinzu.

"Bist schließlich einer von meinen," sagte Gryffindor stolz.

"Und denk daran- mein Nachfahre hat eindeutig die Grenze überschritten. Es gibt einen Unterschied zwischen den alten Traditionen, die mir wichtiger sind als alles andere und deren Unterstützung und Erhalt ich mir von meinen Schülern erhoffe und dem rein bösen Streben nach Macht und Unsterblichkeit. Mein... Erbe will unsterblich und allmächtig sein? Er kann nur untergehen bei seinem Versuch! Und ich bin dir dankbar, wenn du der Grund für seinen Untergang bist, Junge. Und ich glaube, jetzt will jemand mit dir sprechen... dein Schulleiter ruft dich schon zum dritten Mal." Harry nickte und wollte gerade den Hut absetzen als Gryffindor noch einmal sprach.

"Halt, warte, Junge- wie ist eigentlich dein Name?" Harry hatte den Hut schon fast über den Ohren.

"Harry. Harry Potter," sagte er und setzte ihn ab. "WAAAS?" klang es noch aus dem Hut, aber er hatte den Blick schon in einem silbernen Bart.

"Das weiß ich doch, Harry," sagte Albus Dumbledore und starrte ihn besorgt an. Harry schüttelte benommen den Kopf.

"Ich... wussten Sie, dass die Gründer da drin sind?" fragte er seinen Schulleiter. Dumbledore nickte mit einem Zwinkern im Auge.

"Sie haben mir schon manchen nützlichen Ratschlag erteilt, Harry. Ich nehme an, sie haben auch dir geholfen?"

"Nicht direkt... sie haben etwas von einem Geschenk gesagt, und Slytherin meinte, er ist mir nicht böse wenn ich Voldemort besiege. Aber es war schon... seltsam."

"Besser hätte ich es wohl auch nicht sagen können. Aber wir haben gerade leider keine Zeit für längere Diskussionen über das, was du vom Hut gesagt bekommen hast, Harry. In meinem Sprechzimmer warten ein paar Gäste auf dich, die ausdrücklich  auf deiner Anwesenheit bestanden haben bevor wir weiter verhandeln." Dumbledore richtete sich wieder auf. Er hatte vor Harry gekniet während er versucht hatte, ihn unter dem Hut hervorzuholen.

"Gäste, Professor?" fragte Harry. Dumbledore nickte.

"Folge mir, Harry." Der Schulleiter bewegte seinen Zauberstab in einem komplizierten Schlenker. Hinter dem Schreibstisch, wo Harry gesessen hatte, tat sich eine Tür auf, die wie ein Phoenix geformt war. "Das ist mein Besprechungszimmer," erklärte er.

Es war ein gemütlicher, wenn auch größerer Raum als sein Büro, elegant in dunklem Holz und silberweißem Stoff gehalten. Und auf drei der vier Sofas, die um einen niedrigen, rechteckigen Tisch standen, saßen...

"Das sind die Abgeordneten der Kobolde, Harry. Griphook, den Vertreter von Chief Dogak kennst du ja schon." Griphook erhob sich, verbeugte sich vor Harry und Dumbledore und grüßte sie mit einer langen Formel in Koboldogack. Harry blinzelte etwas überrumpelt, aber er verbeugte sich ebenfalls.

"Es ist auch mir eine Ehre," sagte er. Er hoffte, dass er jetzt nichts falsch gemacht hatte, denn Dumbledore blieb aufrecht stehen. Aber wenig später verbeugte sich auch der Schulleiter und sagte etwas in Koboldogack.

"Das hier sind die beiden Unterhändler Dronk und Magoge. Sie begleiten Chefunterhändler Griphook und werden gemeinsam mit ihm unsere Vorschläge an Chief Dogak übermitteln." Die beiden Kobolde standen wieder auf und verbeugten sich. Ihre Begrüßungsformel war noch länger und komplizierter als die Griphooks.

Als sie geendet hatten erwiderte Harry die Verbeugung und sagte: "Danke. Ich fühle mich geehrt, Sie kennenzulernen!" Dumbledore lächelte stolz und vollzog wieder die passende Erwiderung in Koboldogack.

Die drei Kobolde setzten sich jeder auf eine Seite des Tisches. Anscheinend wollten sie, dass Harry und Dumbledore die vierte Seite einnahmen, was Dumbledore auch bestätigte, als er Harry mit einer Handbewegung neben sich auf das Sofa bat.

"Darf ich Ihnen einen Tee anbieten?" fragte Dumbledore. Die Kobolde lehnten dankend ab. "Kaffee, dann?" fragte der Schulleiter. Dieses Mal nickten Magoge und Griphook dankend. Dumbledore zog seinen Zauberstab.

"Kaveh(9)!" befahl er mit einem schnellen Schlenker über dem Sofatisch. Vor Harrys Augen wuchs eine silberne Kaffeekanne aus der Tischplatte, komplett mit einem Meißner Service. Mit einem weiteren Schlenker von Dumbledores Zauberstab schenkte sie das dampfende, dunkelbraune Gebräu in die Tassen ein.

"Milch und Zucker?" fragte Dumbledore, doch die Kobolde lehnten dankend ab. Harry rutschte unruhig auf dem Sofa herum. So interessant Dumbledores Haushaltszauber waren, so gespannt war er doch auf das, was die Kobolde zu sagen hatten.

"Danke für Ihre Gastfreundschaft, Direktor Dumbledore. Wir würden uns geehrt fühlen, wenn Sie uns gestatten würden, sie bei einem Besuch in unserem Haus zu erwidern," begann Griphook. Harry sog den Kaffeeduft ein. Warum kamen die Kobolde denn einfach nicht zur Sache?

"Ich würde mich ebenfalls freuen, einmal Gast im Hohen Haus von Gringotts sein zu dürfen," erwiderte Dumbledore. Wenigstens sprachen er und die Kobolde jetzt englisch.

"Doch lasst uns nun zum Grund unseres Hierseins zurückkehren," sagte Griphook. Harry atmete auf. Genug der Formalitäten!

"Wie wir bereits an diesem Morgen besprochen haben wünscht unser Volk seine Optionen zu wissen. Sie-wissen-schon-Wer hat uns ein Angebot gemacht, das Gringotts und den Kobolden zum Vorteil gereichen könnte. Was haben Sie uns im Gegenzug zu bieten?" Harry blinzelte. Zuerst... zuerst verschwendeten sie fast eine halbe Stunde mit sinnlosen Förmlichkeiten und dann traten sie unvermittelt in die Verhandlung ein?

"Nun, zunächst einmal kennen Sie, wie der Rest unserer Welt, mit Sicherheit Tom Riddles Abneigung gegen alle Halbblüter, Muggelgeborenen und Nichtmenschen. Sollte er gewinnen würde das mit Sicherheit keinen Vorteil für Gringotts bedeuten- ein Großteil Ihres Geschäftes würde Ihnen durch Toms rassistische Einstellung verloren gehen." Dumbledore nahm einen Schluck Kaffee, Griphook und Magoge folgten seinem Beispiel.

"Dennoch wäre uns das wirklich einträgliche Geschäft, die Verwaltung der alten Familienvermögen, sicher," erwiderte Griphook und fasste dabei Harry ins Auge- oder bildete er sich das nur ein?

"Wenn Voldemort sich nicht entscheidet, dass er doch lieber die Geldgeschäfte in der Zauberwelt in seine eigene Hand nimmt," sagte der junge Zauberer leise. Griphooks Gesicht blieb undeutbar. Die Kobolde hatten ihre Gefühlsregungen viel besser im Griff als die Zauberer, von ihren Gesichtern war nichts abzulesen. Sie waren die perfekten Pokerspieler.

"Warum sollte er das tun? Er hat nicht die Mittel dazu," meinte Magoge trocken.

"Er wird sie haben, wenn er gewonnen hat," entgegnete Harry hitzig, "weil er dann uneingeschränkt herrscht. Ich denke kaum, dass die Angestellten von Gringotts dem Cruciatus oder dem Imperius lange standhalten können- bei allem Respekt!" fügte er hinzu.

Griphook nickte. "Ihr junger Schüler drückt unsere Sorgen sehr gut aus," sagte er langsam. Dumbledores Augen zwinkerten Harry anerkennend zu. "Aber auch wenn diese Möglichkeit besteht so hat er uns doch zumindest ein Angebot und ein Versprechen gemacht. Was ist Ihr Angebot?"

"Wir können Ihnen nichts versprechen. Sollte Tom nicht gewinnen werden Sie Ihr Geschäft weiterführen können wie bisher," sagte Dumbledore. Die Kobolde blieben ausdruckslos, aber die Kaffeetassen wanderten wieder zu ihren Gesichtern. Harry schüttelte den Kopf.

"Wenn wir gewinnen und Sie sich auf Toms Seite geschlagen haben dann wird das zu ernsten Problemen führen, zu noch mehr Vorurteilen und... wahrscheinlich zu einer neuen Rebellion," sagte Dumbledore ernst. "Aber mit den Fortschrittten, die die Zauberwelt gemacht hat wird diese wahrscheinlich nicht allzu gut für Ihr Volk enden."

"Aber wenn mein Volk sich auf Ihre Seite schlagen sollte und  Sie-wissen-schon-wer gewinnt dann sind die Befürchtungen Ihres jungen Schülers ein Best-Case-Szenario," sagte Dronk.

"Er gewinnt nicht," fuhr Harry auf, "er wird nicht gewinnen! Ich... ich weiß, es ist nicht viel, aber er wird nicht gewinnen, ohne dass er mich vorher umgebracht hat und ich will nicht umgebracht werden!"

"Das wissen wir, Harry," versuchte Dumbledore ihn zu beruhigen.

"Aber sie wissen es nicht!" Wild gestikulierend deutete Harry auf die Kobolde, deren Mienen immer noch versteinert blieben. "Es ist das einzige Versprechen, das ich machen kann. Ich geb mein Bestes, damit er besiegt wird. Ihr wisst, dass er hinter mir her ist!"

"Wir hören Ihr Versprechen, Harry Potter. Die Kobolde wissen von der Prophezeiung. Unser Volk weiß von dem Kind, das mit der Macht, Ihn-dessen-Name-nicht-zu-nennen-ist zu besiegen geboren wurde, am Ende des Monats Juli. Ihr Versprechen ehrt uns." Griphook stand auf und verneigte sich.

"Jedoch befürchtet unser Volk noch immer, dass die Zauberer das Ende des Konfliktes dazu nutzen werden, unser Volk weiter zu unterdrücken. Wir Kobolde haben das Recht auf einen Zauberstab verloren und sind dadurch in unserer Verteidigung beschränkt." Harry nickte. Hermine hätte das bestimmt gewusst, aber nun, da er es erfahren hatte, fand er es ziemlich unfair. Sicher, die Kobolde waren eine kämpferische und kriegerische Rasse, aber sie waren ebenso ein Teil der Zauberwelt wie die Menschen. Er sah zu Dumbledore hinüber und bat ihn schweigend um Hilfe, aber der alte Zauberer lehnte mit einem kleinen Lächeln in den Kissen und beobachtete seine Verhandlungen mit den Kobolden, ohne eingreifen zu wollen.

"Das... das ist nicht fair," sagte er, nachdem er einen Moment lang nachgedacht hatte. Hermine hatte Recht. Die Zauberer begingen Fehler, die die Muggel wenigstens schon seit einiger Zeit versuchten, zu beseitigen. "Und darum verspreche ich dass, sollte die Seite des Lichts gewinnen, ich alles in meiner Macht stehende tun werde, damit die Kobolde und die anderen magischen Völker den Zauberern gleichgestellt werden."

Dumbledore sog überrascht die Luft ein. Wusste Harry eigentlich, was er da versprach? Wenn sie gewannen dann war der Junge derjenige, der Tom zur Rechenschaft gezogen hatte und sein Einfluß in der Zauberwelt würde noch ungleich größer sein als jetzt schon. Harry war sich dessen zwar nicht bewusst, aber wenn er einen Wunsch aussprach, oder etwas forderte, dann überschlug sich schon jetzt die halbe Zauberwelt, um es zu erfüllen.

"Das ist ein sehr überzeugendes Angebot. Wir werden zu unserem Chief zurückkehren und es der Koboldversammlung vorstellen," sagte Griphook mit einer weiteren Verneigung. "Ich denke, wir können zumindest die Neutralität unseres Volkes versichern. Meine Unterstützung haben Sie, Harry Potter."

"Vielen Dank, Mr Griphook," sagte Harry und verbeugte sich unsicher. Dumbledore legte ihm eine Hand auf die Schulter.

"Wenn ich sie nach draußen geleiten darf?" Die Kobolde folgten der hochgewachsenen Gestalt des Schulleiters aus dem Besprechungszimmer in sein Büro. Nach einem ebenso langen wie komplizierten Abschiedsritual, das wieder mehrere Runden von Verbeugungen und unverständlichem Geschnatter in Koboldogack seitens Dumbledores und der Kobolde und Höflichkeiten seitens Harry beinhaltete verließen die Kobolde, geleitet von den beiden Zauberern, das Schloß.

"Ich hoffe, du weißt, was du ihnen da angeboten hast, Harry," sagte Dumbledore sobald sie außer Hörweite waren.

"Nichts als das, was fair ist," sagte Harry, "außerdem- was kann ich schon ausrichten? Ich bin noch nicht mal volljährig. Außer, dass Rita Kimmkorn ein Interview mit mir macht in dem ich meine Unterstützung für die Kobolde erkläre kann ich doch gar nichts machen!"

"Du weißt die Macht des Wortes noch nicht zu schätzen, Harry- und die Macht deines Wortes kennst du noch nicht. Dein Einfluß in der Zauberwelt ist schon gewaltig- denk an dein Interview im letzten Jahr! Und jetzt stell dir vor, wie das erst sein wird, wenn du Tom besiegt hast!"

"Falls," sagte Harry dumpf. "Und die Kobolde haben es verdient- ich meine, sie verwalten unser Geld, sie beschützen es mit ihren Zaubern und ihrem Leben und sie werden wie der letzte Dreck behandelt nur weil sie keine Menschen sind! Und sie sind nicht wie die Hauselfen- sie mögen es nicht! Sie sind stolz, das habe  ich heute gesehen! Und..."

"Du hast richtig gehandelt, Harry und ich bin stolz auf dich. Aber... ich glaube, es wird Zeit, dass du zu Verteidigung gegen die Dunklen Künste gehst. Das Mittagessen ist schon lange vorbei- hier, eine Entschuldigung von mir!" Ein Stück Pergament schwebte in Harrys Hand. Mit goldener Tinte erschien Dumbledores Signatur unter einer vorgeschriebenen Entschuldigung.

"So, alles fertig- jetzt geh, Harry." Harry nickte. Stevenson, wieder einmal. Aber mit einem Dokument von Dumbledore war er gegen ihren Zorn gefeit. Ihr Respekt für den Schulleiter erlaubte es ihr nicht, seine Entscheidungen anzuzweifeln.

Leider hinderte sie das nicht daran, Harry wieder einmal nach vorne zu rufen, um einen neuen, aus das Antike stammenden Schneidefluch zu zeigen. Keiner seiner Schilde konnte ihn aufhalten, und so durfte er die Zaubertrankstunde im Krankenflügel verbringen. Madam Pomfrey grummelte etwas über verrückte Verteidiungslehrerinnen, die ihr an einem Tag  mehr Arbeit schickten als sie sonst in einem ganzen Schuljahr hatte.

"Aber wenigstens lernen wir, wie wir uns gegen Voldemort verteidigen können," sagte Harry. Madam Pomfrey zuckte zusammen und ließ ein Tablett mit leeren Zaubertrankphiolen fallen. Glücklicherweise hatte Snape seine Unzerbrechlichkeitszauber über jede von ihnen gesprochen, so dass sie nur auf dem Boden herumklapperten.

"Du sollst den Namen nicht sagen!" Harry beugte sich hinunter, um Madam Pomfrey beim Aufheben zu helfen, zuckte aber zusammen, als er seinen linken Arm, den Stevenson erwischt hatte, bewegte. Prompt schimpfte die Schulkrankenschwester noch mehr.

"Aber du hast Recht- mir ist auch wohler, wenn unsere Schüler sich zur Wehr setzen können," sagte sie sobald sie ihre Phiolen sicher verstaut hatte. "Auch wenn es mehr Arbeit für Severus bedeutet- er muss mir neue Wundheilungstränke brauen." Harry versteifte sich bei der Nennung von Snapes Namen.

"Es tut mir Leid- mein Schild hat nicht gewirkt und ich wollte Scutum nicht riskieren weil dann jemand anderes getroffen werden könnte."

"Pass nur ein bisschen besser auf dich auf, Harry- ich will dich mindestens drei Wochen nicht mehr als Patienten sehen! Und jetzt ab zum Abendessen!"

"Bis dann, Madam Pomfrey!" Sie winkte ihrem häufigsten Patienten zum Abschied kopfschüttelnd zu.

Auf dem Weg in die Große Halle spürte er aber ein merkwürdiges Ziehen im Brustbereich, das stärker wurde, je weiter er sich von der Eingangstür entfernte. Es war, als wollte seine Magie aus ihm herausspringen, und es war nicht gerade angenehm.

"Wüsste gerne, was das soll," grummelte Harry. 'Wir haben ein Geschenk für dich, Junge. Folge einfach heute Nacht deinem Herzen, dann findest du es,' echote Helga Hufflepuffs Stimme zur Antwort.

"Das soll das Geschenk sein? Verflixt nervig!" Dennoch folgte er dem Ziehen, hinaus aus den Türen ins Halbdunkel vor dem Schloß.

Durch Versuch und Irrtum fand er sich bald am Rand des Verbotenen Waldes wieder, und noch immer hatte das Ziehen kaum nachgelassen. "Da hinein? Ich bin doch nicht verrückt!" Das Ziehen wandelte sich in einen Stich. Harry jaulte auf und hüpfte auf der Stelle. "Schon gut, schon gut, ich geh schon!"

Die Bäume warteten als schweigende Wächter auf die Rückkehr des Jungen, der zwischen ihnen verschwand, wie ein leiser Schatten der Nacht. Nun ja, fast wie ein leiser Schatten der Nacht.

"Ich hätte wenigstens meinen Tarnumhang mitnehmen sollen..."

 

... to be continued ...

 please review!

Information:

(1) M'sorry, aber das ist eine Info von Nelis Bruder. Anscheinend ist das in den Comics so- richtig? Ich meine, es ist rein biologisch gesehen unmöglich, DNA zu splicen wenn das Wesen schon erwachsen ist, aber who cares, right?

(2)Taktik=kleiner Teil einer Strategie (ich benutze hier die Definitionen der beiden Wörter aus dem juristischen/militärischen Englisch)

(3) Weil nach der Relativitätstheorie Lichtgeschwindigkeit die absolut höchste mögliche Geschwindigkeit ist. Apparieren setzt sie außer Kraft, die Apparation ist augenblicklich. Es gibt einen Moment, in dem der Zauberer oder die Hexe pure Energie ist, aber dieser ist in der Zeit nicht vorhanden. Also existiert der Apparierende keinen Moment nicht und verschwindet somit zum selben Zeitpunkt vom einen Ort zu dem er am anderen auftaucht. Das ermöglicht erst das Zersplintern.

(4)Rixa=Rauferei

(5)Afflicatio f= Pein, [i]tuberculosa[/i]= dazugehöriges Adjektiv, hergeleitet von 'Tuberkulose', einer Lungenkrankheit, die auch Schwindsucht genannt wird und von Tuberkelbakterien verursacht wird. Im 19. Jhd. weit verbreitet. Frédéric Chopin ist daran gestorben. 

(6)Curatio f= Heilung, Behandlung. Besser als Antibiotika, ne?

(7)Snape und purzeln? Ich glaube, ich hab da irgendwie ein dummes Wort gewählt °stellt sich Purzelbäume schlagende Fledermaus vor°

(8)Rhodosius Custo... Rhodosius habe ich von der Insel Rhodos abgeleitet, auf der der Sage nach ein riesiger bronzener Golem Wache gehalten haben soll (der Koloss von Rhodos), und Custo ist natürlich eine Ableitung von custodian, dem englischen Wort für Wächter.

(9)Kaveh ist soviel ich weiß die lateinschriftliche Umschreibung des arabischen Wortes für Kaffee, von dem das deutsche abstammt. Wenn ich falsch liege, bitte korrigieren! Ich hab das nur irgendwo mal gelesen und kann ein einziges Wort auf arabisch (und das ist 'Jalla').

Nette kleine Geschichte aus dem Matheunterricht meiner Mutter (Lehrerin in einer elementary school):

Mom: Also mal angenommen, ihr habt Siebenmeilenstiefel und wollt mit ihnen zum Haus eurer Freundin kommen, das aber nur fünf Meilen entfernt ist, und als Hilfsmittel habt ihr nur Zirkel, Lineal und eine Karte- was macht ihr? Bryan?

Bryan: Ich zieh die Stiefel aus, nehm sie in die Hand und lauf mit der Karte zu ihrem Haus. Bin mit den Stiefeln beim Haus!

 

Matt und ich haben uns so totgelacht als sie uns das erzählt hat! Talk about PISA, ne? (das war doch in Deutschland, oder?)

Brandys Soundtrack:

 

L.v. Beeethoven: Symphonie Nr. 9 (yup, die mit Ode an die Freude)

Georges Bizet: Au fond du temple saint (Freundschaftsduett aus Les pécheurs des perles) mit Marcello Alvarez und Salvatore Licitra

The Prince of Denmark's March (Trumpet Voluntary- gezwungenermaßen, mein Nachbar übt das gerade...)

Sergei Prokovieff: Der Tanz der Ritter (aus dem Ballett Romeo und Julia)

Nächstes Kapitel:

Voldemort hegt seinen Groll auf die Zauberwelt. Niemand ist vor ihm sicher, und der beste Weg, das zu zeigen, ist ein Stoß ins Herz dieser Welt. Ein Stoß, der ihr den Retter nehmen kann...

Ein actiongeladenes Kapitel voller Drama und dem ultimativen Test der Freundschaft. Freut euch auf Attacke auf Hogsmeade, coming soon to a computer screen near you!

Es war eine klassische Szene: der Zerstörer der Zauberwelt, ein dunkler Schatten oben am Eingang des Dorfes, einsam im Licht der untergehenden Sonne, den Umhang gebauscht vom plötzlich aufkommenden Windstoß. Und ihm gegenüber, einsam und allein, abgesetzt vom Chaos des halb zerstörten Dorfes, der Held, die Haare vom selben Windstoß zerzaust, die grünen Augen beleuchtet von dem Licht, das seinen Feind in Schatten tauchte...

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