Manche werden sagen "Es muss doch langsam schwer sein immer einen Grund zu finden, weswegen du kaum schlafen kannst!" Meine Antwort darauf ist simpel: JA, ist es. Aber nachdem ich mich mehrere Wochen mit eher Ereignislosen Träumen herumgeschlagen habe und mir dies nun langsam leid wurde musste etwas geschehen um dem guten Schlaf Einhalt zu gebieten. Also las ich viel über Tornados. Sehr viel. Viel zu viel. Nun wurde ich von Alpträumen geplagt. Träume in denen ich von gigantischen Wirbelstürmen hinfort geweht wurde oder noch schlimmer, keine nähere Beschreibung erforderlich. Was Stürme tun können ... Igitt. Auch im reellen Leben litt meine Psyche schwer unter meinem Informationswahn. Jeder heranfahrende Zug (es sind viele ...) lies mich aufrecht im Bett stehen und beinahe in den Keller rennen, Cumuluswolken liesen mich vor Panik kreischen und jede noch so kleine Böe brachte mich dazu Weltrekorde im Hundertmetersprint aufzustellen. Doch irgendwann war das alles zuviel und es geschah erneut ... nachdem ich einen weiteren Tag ohne Tornado 'überlebt' hatte und erschöpft ins Bett fiel wusste ich nicht was mich erwarten würde ... Doch die Antwort war schnell gefunden ... Skurrile Träume Ich schlug erschrocken die Augen auf als ich in naher Entfernung die Geräusche eines heran nahenden Zuges vernehmen konnte. Ängstlich sprang ich aus dem Gebusch und sprang ... Moment ... ein Gebüsch?! DAS war nun doch um einiges interessanter als ein Zug, der irgendwo in der Ferne seinen immer gleichen Weg folgte. Es war immernoch tief in der Nacht und die Umgebung, in der ich mich befand, war matt beleuchtet von einigen Laternen die ihr ernüchterndes Licht auf den Gehweg warfen. Es war eine ziemlich frische Nacht mit leichtem Niederschlag, wenige Insekten suchten den sicheren Tod an den Lichtern der Laterne um die sie normalerweise wie die bekloppten fliegen als ob sie etwas gewonnen hätten. Mich fröstelte es leicht, also umschlang ich mich selbst mit den eigenen Armen und klapperte mit den Zähnen. "Hätte nur jemand gesagt ... das es so frisch ist ... dann hätte ich ... mir eine Strickjacke vor'm schlafen gehen ... angezogen ..." stammelte ich und versuchte einen genauen Überblick über das Gebiet, in dem ich mich befand, zu bekommen. Geradeaus von mir waren die Laternen, hinter denen ein morscher Zaun stand. Einige Latten waren scheinbar von halbstarken Jugendlichen eingetreten worden, denn man konnte hindurch gehen und in den dahinter liegenden Fluss fallen, der leise plätschernd seinen Weg ging. "Fluss muss man sein ..." flüsterte ich und betrachtete dabei das durch das Licht erkennbare Wasser. "Keine Probleme, einfach nur fröhlich dahin plätschern ohne Angst das es irgendwann aufhört so zu sein wie es ist ... und wenn doch kann es einem auch egal sein." Ich betrachtete den Weg, dessen linke Seite offenbar ein Fahrrad war, denn die markanten roten Steine hoben sich deutlich von den hellgrauen 'Hier darfst du nun laufen'-Steinen der anderen Seite ab. Nur schade das sich keiner daran hielt. Ich wandte mich nach rechts und ging den Fahrradweg entlang, immernoch von mir selbst umschlungen. Ein seichtes Windchen wehte, kaum stark genug um mich bei einer Olympiade Gold gewinnen zu lassen aber kalt genug um mich etwas langsamer werden zu lassen. Einige Meter weiter vorne kam eine Horde angetrunkener Jugendlicher auf mich zu. Sie gröhlten irgendwas und liesen ihre Flaschen aneinander prallen. "Nee nee, die Jungend von heute ..." dachte ich in mich hinein und schritt mit leicht gesenktem Kopf auf sie zu. "Guckt mal, da ist einer!" lallte einer von ihnen. "Spielen wir die starken Jungs und lassen einen total unlustigen Kommentar ab über den wir dann wie bekloppt lachen und weitergehen!" Augenrollend drehte ich den Kopf leicht nach rechts und sah das im Gebüsch zufälligerweise ein Mantel lag, den ich natürlich sofort aufhob und um mich wickelte. "Na du ... du ... dummer Grufti!" rief noch einer der hell erleuchteten, woraufhin alle begannen wie die verrückten zu lachen und sich 'High 5' zu geben. Dann begann die Gruppe wie verrückt herum zu springen und irgendwelche Lieder zu singen, den wohl nur die Sorte Menschen kannte die Jesus mal die Hand geschüttelt hatten. In einem plötzlichen Anfall von enormer Selbstsicherheit bekam ich die Lippen auseinander und versuchte ihren genialen Kracher zu kontern. "Lieber in einsam und verrückt in einer Gruft sitzen als meine Blödheit auch noch der Masse zu präsentieren ..." Ach herrje ... das konnte doch nicht alles gewesen sein. Nunja, es war spät und mir war kalt. Die aus fünf Personen bestehende Gruppe hielt sofort an und warf mir einen bösen Blick zu. Dann bildeten sie einen geschlossenen Kreis und begannen sich zu beraten ob dies nun eine Beleidigung oder ein für sie nicht verständlicher Vergleich war. Während sie also diskutierten versuchte ich mich an ihnen vorbei zu schleichen, aber ... ich hatte nicht mit dem Funken Intelligenz gerechnet der doch noch in ihnen zu leuchten schien ... "Moment mal! Du hast uns doch beleidigt!" rief einer von ihnen als ich bereits einige Meter von ihnen entfernt war. "Ja, ich weiss!" WARUM? Warum zur Hölle musste ich genau jetzt einen Anfall von schonungsloser Ehrlichkeit haben?? "Wir haben gerade einstimmig beschlossen das das nicht gut war!" sie schienen gereizt "Nicht einstimmig! Ich war dagegen!" tönte eine Stimme aus ihrem Reigen. "Du stimmst uns ja nie zu!" meckerte ein anderer. "Gar nicht wahr!" kam es zurück. "Ist jetzt gut? Wir müssen doch zeigen, das wir nix in der Birne haben!" schimpfte der Anführer (Ich hatte der Gruppe in meinen Gedanken Titel und Rang verliehen um sie etwas auseinander zu halten) und klatsche in die Hände. Nun kam die Ausgeburt der Dummheit auf mich zu, einer grinste Selbstgefälliger als der andere, den letzten der sich bildenden Reihe konnte man schon gar nicht mehr ansehen, so strahlte einem die Selbstgefälligkeit entgegen. "Und was wollt ihr jetzt von mir?" Ich versuchte Cool zu wirken um der plötzlichen Sonneneinstrahlung durch ihre blinkenden Zähne entgegen zu wirken und lugte lässig unter der Kapuze des Mantel hervor, den ich eben gefunden hatte. "Wir werden dich jetzt herumschubsen und dich dann hauen!" sagte der Handlanger des Anführers in einem schrecklich arroganten Ton, der wahrscheinlich sogar Jennifer Lopez in den Schatten stellte. "Dann tut was ihr nicht lassen könnt!" Helden opfern sich immer mindestens einmal in einem Film und für mich war dieser Zeitpunkt jetzt gekommen. Ich warf meine Kapuze zurück und schaute den Anführer an. Plötzlich verschwand jedoch das grelle Leuchten aus ihren Gesichtern und die Truppe ging einige Schritte zurück. "Was'n das für'n verrücktes Viech ..." stotterte der Checker unter ihnen, immernoch lässig auf seinem Kaugummi kauend. "Ich weiss es nicht, George, ich weiss es nicht ..." Der Philosoph hatte gesprochen. "Wer ist George?" fragte der Anführer kurz bevor die Gruppe anfing davon zu laufen. Ich sah ihnen noch ein wenig nach und fragte mich eigentlich gar nicht mehr warum sie nun weg gelaufen waren, irgendwie war mir die ganze Sache klar und ich suchte nur einen spiegelnden Gegenstand in dem ich mich betrachten und mir recht geben konnte. Zufälligerweise kam gerade die passende Gelegenheit um die Ecke gelaufen. "Hallo!" rief die Person fröhlich. "Ich bin Mister Spiegel und wenn Sie wollen können Sie sich betrachten!" Vor mir stand ein Mannsgrosserspiegel mit Füssen, einem Hut und einem Gehstock. Aber irgendwie verwunderte mich die ganze Sache gar nicht mehr und ich begann mich zu betrachten. Ich öffnete den Mantel und betrachtete mich im Spie ... Mister Spiegel. "Oh mein Gott, Sie Perversling!!" rief er als ich den Mantel aufriss um mich zu betrachten. "Was haben Sie denn, ich betrachte mich doch nur!" versuchte ich zu erklären und schlang das Kleidungsstück leicht beschämt wieder um mich. "Ja aber dazu brauchen Sie doch keinen Spiegel! Exhibitionist!" Mister Spiegel hüpfte davon und wetterte die ganze Zeit über das Ereignis bis er schließlich aus meiner Hörweite war. "Soll mir jetzt auch egal sein!" sagte ich laut um den Vorfall zu überspielen. "Muss mich putzen!" und tatsächlich. Ich begann mich zu putzen ... Mit der eigenen Zunge ... Nun zweifelte ich gar nicht mehr daran was wieder passiert war. Mit einem letzten verzweifelten Anfall von Menschlichkeit riss ich mich von meinem 'Instinkt' los und versuchte aus dieser Gasse heraus zu kommen, in der ich mich noch immer befand als plötzlich Sirenen zu hören waren und eine Stimme aus einem direkt neben mir auftauchenden Lautsprecher sprach ... "Achtung liebe Einwohner der Traumstadt!" Welch Einfallsreichtum ... "In diesem Moment nähert sich ein Tornado unserer geliebten Kleinstadt! Bitte suchen Sie einen Keller oder ein Sturmsicheres Gebäude auf. Bleiben Sie nicht in ihrer Wohung!" Warum mich das alles nicht überraschte? Nun ... erstens war mir klar das dieser Traum etwas mit Tornados zu tun haben würde und zweitens stand direkt gegenüber ein Sturmkeller, der einen Moment vorher noch nicht zu sehen war und nun mit anderen Kellern wie Blumen aus der Erde wuchs. Leicht gelangweilt betrat ich einen der Keller und veschloss die Tür hinter mir. Ich schritt die steinernen Treppen herunter, die nur von ein paar flackernden Kerzen beleuchtet war. Ganz unten angekommen betätigte ich den Lichtschalter und sah ein mir wohl bekanntes Gesicht ... mit einer gestrickten Wollmütze auf dem Kopf. "Oh nein ... du!?" rief ich erschrocken und zeigte mit dem Finger auf ihn. "Ich kenne dich! Du bist doch ein bekannter von ihr!" sagte er und ich sah wie sich die Mütze nach oben erhob. Angeekelt wandte ich mich ab und versuchte mir eine Faust in den Rachen zu schieben, auf dass ich sterbe. Soviele Keller und ich erwische diesen einen ... als plötzlich noch zwei bekannte Gesichter auftauchten ... "Na sieh mal einer an! Da haben wir ja noch einen Flüchtling!" grinste ein Mann und wieder ging die Sonne auf ... und mir war klar ... willkommen im Land der schrecklichen Erinnerungen. "Und es ist ... ein bekannter von Waldi!" jubelte die Frau und warf mir ein Zebrabein zu. "Bekannter?" fragte ich kauend. "Ich bin Waldi!" "Waldi war kein Panther!" und während ich mich verschluckte legten mir die beiden eine Leine an. "Ich bin ein WAS?!" "Eine schwarze Raubkatze!" antwortete der Typ mit Wollmütze. Okay, es gibt also doch noch Überraschungen. Wandelnde Spiegel, aus dem Boden wachsende Keller, ich bin ein Panther und der Typ mit Wollmütze weiss was das ist. Sensationell. Ich versuchte den Umstand, das ich mit drei Volltrotteln im selben Keller war, zu vergessen und so durchwühlte ich die Taschen des Mantels ein wenig. "Messer. Bäh. Ein Picasso? Igitt ... Autogramm von Elvis auf der Mona Lisa? Nix ... Oh, ein Portmonnaie!" mit zittrigen Händen öffnete ich voller Vorfreude die Börse, die ich gefunden hatte. Darin befanden sich noch immer einige Scheine und ein paar Kupfermünzen, von denenmir prompt einige auf den Boden fielen. Ich warf den Mantel in die Ecke und steckte mir die Geldbörse zwischen die Zähne. "Nun werde if mif bücken um die Geldmünfen auffuheben, die mir runtergefallen find!" sagte ich und wollte die Münzen aufheben, als ich plötzlich hinter mir Schritte und das fallen einer Wollmütze vernahm. Ich glaube, mein Fell hat sich von einen auf den anderen Moment Weiss gefärbt und im nullkommanix saß ich auf meinen Vier Buchstaben. Wie gelähmt musste ich beobachten, wie die fleissige Hausfrau den am Boden liegenden Mantel aufsammelte und in die Waschmaschine steckte während sich in mir die Gefühle Scham und Schock ein heisses Gefecht lieferten, denn eine Gruppe Tratschtanten war eben durch die Decke gefallen und diese saßen nun bei den anderen. Ich wollte am liebsten schreien, doch 'Herrchen' hatte mir netterweise einen Maulkorb umgelegt, da er sich um das Wohl seiner Mitmenschen sorgte. Immerhin liesen meine sekündlich wechselnden Gefühle noch Gedanlengänge zu und ich fragte mich leise woher eigentlich all diese Personen und Gegenstände kamen, denn selbst für einen Traum war die Sache sehr verwirrend. Der schnell fallende Sternenschauer im Keller lies mich weiter an meiner Theorie festhalten, das ich allmählich dem Wahnsinn verfiel ... und wieder einmal wünschte ich mir nichts sehnlicher als endlich aufzuwachen ... Und das geschah auch prompt. Erleichtert atmete ich durch und richtete mich auf. Endlich mal wieder ein skurriler Traum über den ich berichten konnte! Ich schwang mich aus dem Bett und eilte zum PC um den Traum nieder zu schreiben. Pfeifend schwang ich mich in meinen Sessel, mich kaum über meine plötzlich gewonnene Agilität wundernd und betätigte den On-schalter. Und gerade als ich den Monitor anschaltete und einen kurzen Blick auf mein darin erkenntliches Spiegelbild warf überkam mich ein Schrecken. Ich erkannte noch immer die Gesichtszüge des Panthers, der mir im letzten Traum seinen Körper lieh und mir nun scheinbar in die reale Welt gefolgt war. Na Klasse. Das sollte im Endeffekt eine lustige Sache werden, doch dazu später mehr~