Nach etlich langen Wochen des Schlafentzuges fühlte ich mich endlich mal wieder müde ... Mit großen Schritten ging ich in Richtung Bett, das schon einladend seine Bettdecke für mich geöffnet hatte und mir entgegen zu rufen schien ... "Kuschel dich in mich" riefen meine Kissen, "Deck dich mit mir zu" schalmeite meine Decke, "Schalt mich an und hör auf mich!" pfiff mein Radio mit einem empörend lautem Störton und zeigte mir eine Uhrzeit, die wohl auf schrecklichste Art und Weise verstellt war. "Ich werde alle eure Wünsche erfüllen!" rief ich und warf mich in mein Bett ... Ich hatte die Stahlplatte vergessen. Nach ungefähr zwei Stunden konnte ich meinen Rücken wieder spüren und lag hellwach im Bett, gespannt auf den Schlaf der mich doch nun bald überfallen dürfte. "Gleich ist es soweit, ah ich merke er kommt. Müdigkeit, da ist sie! Mist geirrt, aber was ist das! Mist nur ein Husten ..." So würde ich nie schlafen ... ich kommentierte jedes Ereignis das um mich rum passierte ... dann traf ich die einzig richtige Entscheidung und SCHLOSS ENDLICH DIE AUGEN! Skurrile Träume Ich erwachte gut gelaunt und ausgeruht in einem kleinen Zimmer, dessen Wände mit schwarzen Lederteilchen behängt waren. Schädel standen auf den Tischen, Poster diverser Gothic Rock-Bands hingen an der Wand und in einem offenen Schrank erkannte ich zahlreiche Folterinstrumente, über die sich die Leute der Inquisition dumm und dämlich gefreut hätten. Von Neugier getrieben durchsuchte ich die Kartons, fand neben Peitschen auch Handschellen, zahlreiche Nieten und Latexmasken und mich beschäftigte nur eine Frage: WO ZUR HÖLLE WAR ICH?! Die Tür ging langsam auf und ich machte mich auf den Anblick einer Hardcore-Domina gefasst, so weiblich wie Arnold Schwarzenegger und männlicher als ein ganzer Sack voller Wrestlingkämpfer, doch ... es trat eine junge Frau herein, gekleidet in einem weiß-schwarzem Minirock und mit mittellangen rotem Haar, ihr Gesicht wirkte sehr scheu und zurückhaltend. "Was willst du hier?! Geh lieber schnell wieder, bevor dieses Monsterweib reinkommt der das ganze Zeug hier gehört!" versuchte ich sie zu warnen. "Nein, das ist doch mein Zimmer ..." sagte sie schüchtern und lies die Tür hinter sich zufallen. "... Das ist dein Zimmer? Okeh, dann sag mir doch mal was du mit dem ganzen Zeug hier willst ..." sagte ich, in eine Vaterrolle verfallend. "Wer auch immer du bist ... du hast noch nie etwas von Ebay gehört, oder?" Dieser Kommentar schlug mir ins Gesicht wie ein Schneeball der zulange im Eiswasser gelegen hatte. Doch ich bewahrte meine Coolness und lies meine Arme verschränkt. "Ausserdem ist es merkwürdig das ein aufrecht gehender Löwe in meinem Zimmer steht und mich ausfragt, was denn das ganze Zeug hier zu suchen hat ..." sie hatte nachgesetzt und ich schrumpfte etwas auf die Größe eines kleinen feuchten Popels ... so fühlte ich mich auch. Sie sprach leise und schüchtern, doch sie hatte deftige Kommentare drauf, die einen zusammenschrumpeln liessen, aufdass man nie mehr wieder kehrt aus der Welt der kleinen Nasenparasiten. Nachdem sie sich an ihren Rechner gesetzt hatte, griff sie blind auf den Boden und nahm ein Handtuch zur Hand das sie mir herüber warf ohne mir auch nur einen Blick zu schenken. "Bind' dir das rum, den Anblick kann ich nicht ertragen, Nudist ..." Ich wusste auf was sie hinaus wollte ... Gedanklich war ich in einen Strudel gefallen, der mich nun immer weiter nach unten sog, während ich schrie wie ein kleines Mädchen. "Jaja, ist ja schon gut ..." sagte ich, während ich all die Kommentare schluckte, die in mir aufkamen um die Gemeinheiten zu kontern, die sie mir gegeben hatte. Ich werkelte einen Moment mit dem Handtuch herum (JA, ich kam mir dumm dabei vor) und als ich ihren Wunsch nach gekommen war, schritt ich hinüber zu ihr und sah ihr einen Moment bei der Arbeit zu. "Was machst du da?" fragte ich und ging in die Hocke. "Ich versuch' das Zeug hier zu verscherbeln ..." sagte sie und tippte wild auf die Tasten der Tastatur. "Wo bekommst du das denn alles her?!" Ich war wie ein neugieriges kleines Kind, das in das Zimmer seiner großen Schwester gegangen war und mehr über die Sachen wissen wollte, die es entdeckt hatte. "Ach, da ist dieser Kerl ... keine Ahnung wie er heisst ... er bringt mir dauernd so etwas vorbei und bittet mich, das an ihm auszuprobieren ... aber der nervt mich nur ... ich verkauf das Zeug und verdien' mich dumm und dämlich dran ..." erklärte sie und zog den Vorhang ihres Fensters beiseite. Was ich beim Blick nach draussen sah, ist noch immer in meinem Gehirn manifestiert und wird auch so gleich nicht verschwinden ... Ein Kerl stand unten, knapp unter Zwei Meter und schwarz gekleidet ... nichts aussergewöhnliches eigentlich ... die einzige Besonderheit war eben sein Kopf, denn aus diesem wuchs das, was der gewöhnliche Mann ein Stück weiter unten hatte ... "Oh mein Gott ..." sagte ich und hielt mir die Hand vor den Mund. "Pass mal auf was passiert wenn er mich sieht!" fiepte sie und wollte ans Fenster gehen, doch ritterlich wie ich war sprang ich dazwischen und riss sie zu Boden. Schnell zog ich den Vorhang zu und nagelte ein Brett vor's Fenster bevor ich es zu zementierte. "Ich - will - es - nicht - wissen!" stammelte ich und hielt ihr wild gestikulierend die Hände vors Gesicht. "Ist ja schon gut ..." sie erhob sich und klopfte sich von oben bis unten ab, während ich durch den kleinen Spalt lugte, den ich zum durchgucken nicht zugemauert hatte. Er stand immernoch unten. Und er grinste nach oben. Oh mein Gott. "Er hat bald Geburtstag und ich will ihm noch ein Geschenk kaufen ..." sagte sie und setzte sich zurück an ihren Computer. "Wie wärs wenn du ihm eine Mütze strickst ..." schlug ich vor und befestigte eine Titan-platte am Fenster. Zustimmend schnippte sie und zeigte mit dem Finger auf mich. "He, mit dem Finger zeigt man nicht auf angezogene Menschen ..." ballerte der Reflex aus meiner Dummspruchkartei des Hirns ... und das während ich eine weitere Mauer vor die Titanplatte baute. "Also erstens bist du kein Mensch und zweitens hast du mein Schönes Handtuch eben mit eingemauert ..." sagte sie und ihre Stimme wurde lauter als sie sah, wie der Zement langsam über das Rosa Ding floss, das mit den kleinen niedlichen Katzen drauf. "Wollt ich ehrlich nicht ..." pfiff ich und erfreute mich meiner körperlichen Freiheit. Der kleine Hippie in mir dankte. Eine wilde Diskussion entbrannte. "Kannst du damit leben das dich so keiner ansieht?" "Ohne Bedenken ..." "Ist dir nicht kalt?" "Hab mein Fell." "Aber dir starrt doch jeder auf ..." "Nicht wenn ich auf allen vieren gehe wie jeder normale Löwe ..." "Es gibt in der Stadt hier nicht allzuviele Löwen." "Ich kenne diese Art von Traum, es wird normal sein ..." "Dann probieren wir das aus ..." Und schon war ich an eine Leine gekettet, die kaum das atmen zuließ und grausam wurde ich die Treppe runtergeschliffen, Ziel ungewiss. Vor der Tür trafen wir zwei lustig dreinschauende Postboten, die gerade die Briefe anderer öffneten und sich gegenseitig vorlasen. "Oh hallo Milady, wer ist denn der nackte Kerl da?" fragte der erste, dessen Zähne ungefähr so groß waren wie mein Mittelfinger. Geschockt hörte ich die Aussage des Postboten und mir wurde schon etwas mulmig. "Ich habe Schamgefühle ..." sagte ich kleinlaut und resignierend zu ihr, doch sie blickte kalt geradeaus und zog mich auf die Straße hinaus. "Ich will auch wieder lieb sein!!!" flehte ich und stemmte mich mit aller Macht gegen den Spaziergangszwang. "Hat das große Löwentier die Hosen voll? Oh! Entschuldigung!" lachte sie hämisch und zerstruwelte meine Mähne. "Komm, wir gehen in die Stadt einkaufen!" setzte sie nach und riss die Augen auf, während sie mit ihrer Nasenspitze fast die meine berührte. "Aber ich mag nicht so gehen!" Eben wurde der Hippie in mir von Skinheads ermordet. "Ich schau nicht hin, ich weiß nicht warum du nicht willst." sang sie und so begann der Zug durch die Straßen der Stadt. Unterwegs hielt uns eine alte Frau an, die wohl nicht mehr so gut sehen konnte ... jedenfalls rannte sie nicht weg ... "Oh, das ist ja ein schnuckeliger Dackel ... wie heißt der denn?" fragte sie und kniff mir in die Wange. "Panthera! Leo! Nekobe!" kam es in Schüben aus ihrem Mund und ich wusste das sie mich ärgern wollte. "Das ist aber ein toller Name für einen Hund ..." meinte sie und ging weiter. Vorher gab sie mir lecker Frolic zu essen. Toll. "Und, erfreuen wir uns immernoch der tollen FREIHEIT?" sagte sie, stolz nach vorne grinsend, ohne ihren Kopf zu mir zu drehen. "Ich hab mich und den Gehweg mit Schamgefühl vollgemacht, lass uns gehen ..." sagte ich und stieg die Treppe der peinlichkeiten weiter nach oben. "Dann müsstest du auch gelernt haben, das es niederer Kultur ist, sich so vor anderen Leuten zu zeigen ..." Na toll. Eine Lektion, damit hätte ich rechnen sollen. "Ja, ich hab es begriffen ... lass uns zurück gehen ... bitte ..." noch schlimmer konnte es für mich nicht werden ... dachte ich. Eine kleine Armee lustiger Prolltypen kam gerade aus einen Supermarkt, beladen mit Gel und allem anderen wichtigen Zeug, das diese Spezies zum überleben brauchte. "Bitte entschuldige meine Intoleranz, aber die Idioten sollen mich nicht sehen, können wir uns nicht irgendwo verstecken?" sagte ich mit immer zittriger werdender Stimme. Und da war es auch schon zu spät. "Jungs, seht mal! Eine Chicka mit irgend einem nackten Typ! Lasst uns hingehen und doofes Zeug labern, so das wir selbst nicht mehr merken wie bescheuert wir eigentlich sind! Verdrängen wir für einen Moment unsere eigene Unfähigkeit und ziehen wir über den da her, schnell!" Da kamen sie auch schon angelaufen. Lachend und mit einer Gangart die wohl jeder Bibliothekar beherrschen wöllte, wenn er mal wieder mehr als zwanzig Bücher gleichzeitig unter die Arme nehmen muss. "Sieh mal, sie haben ihre Achseln mit Glasscherben zerstochen und können die Arme nicht hängen lassen ..." das war der einzige Kommentar, der mir einfiel ... denn sofort begannen die Typen mit dem Hochkultivierten loslassen ihrer Qualitativ hochwertigen Sprüche. "Ich hatte deine Mutter!" "Wenn ich aussehen würde wie du würde ich den ganzen Tag kotzen!" "Geh spielen!" Immerhin waren wir auf den Rückweg und deshalb blieb es uns erspart den Deppentrupp zuzusehen, wie er uns hinterher hüpfte und sich selber lächerlich machte. Noch während wir auf dem Rückweg waren unterbrach der Traum und ich wachte schweissgebadet in meinem Bett auf ... So einen Alptraum hatte ich schon lange nicht mehr ... Naja es gab schlimmeres ... ich hob die Decke und sah, ob alles in Ordnung war ... Puh, ich sah noch genauso aus wie am Tag zuvor als ich zu Bett ging ... mir war schwindelig vom Traum und ich beschloss etwas frische Luft zu öffnen. Ich öffnete das Fenster und sah hinaus, kurz danach verlor ich die Balance ... Unten stand dieser Kerl ... mit dem Ding auf dem Kopf ... und er sah zu mir herauf. Das könnte ein lustiger Tag werden.