Nun gut, schlaflos ist jeder mal ... Auch mir ging es in den letzten Tagen so. Grad zwölf Stunden Schlaf in einer Woche machten sich bemerkbar, tiefe Augenringe zogen sich durch mein Gesicht und den halben Tag lang stammelte ich debiles Zeug vor mich hin, bis ich mich ins Fernsehprogramm zurück zog, in der Hoffnung müde zu werden. Ich hatte mir sogar einen Liebesroman besorgt und las den während die Richtersendungen liefen, eine perfekte Schlaftablette hatte ich mir dadurch geschaffen ... und nach endlosen Lesen schlug diese auch endlich an. "Ich bin Pennywise, der lachende Clown ..." flüsterte ich noch während mir die Augen zufielen und der Roman langsam aus meiner Hand glitt. War das eigentlich ein Liebesroman? Egal ... Zeit für Skurrile Träume "Komm, komm, komm, komm, wach auf! Du musst zum Set, wir drehen heute die Zimmer-szene!" sprach eine Stimme zu mir, die klang als wär da jemand schrecklich erkältet und riss mich aus dem Schlaf. Noch leicht benommen blickte ich nach oben und sah einen blondgetönten Mann vor mir stehen, von oben bis unten gekleidet in den grellsten Rosa das ich in meinem noch jungen Leben je gesehen hatte. Ausserdem glänzte er wie verrückt, diese Glitterperlen waren der Tod für ein müdes Auge. "Was für eine Szene? Schlafen will ich, mehr nicht ..." flüsterte ich und rollte mich auf die andere Seite. "Ach Schnuffelchen, nun steh auf oder willst du die große Luthena Martens stehen lassen?" empört stemmte der Kerl seine Hände in die Hüften und plusterte sich vor mir auf. "Luthena wer?" wollte ich wissen und rappelte mich schwerfällig auf. Ich pfiff einen vorbeilaufenden Mann zu mir herüber und lies mir von dem eine Flasche Cola geben. "Ach, Spätzchen! Hast du Luthena vergessen!? Der Shootingstar der letzten siebenundzwanzig Stunden! Seit wir angefangen haben zu drehen, reisst sich die Presse um sie!" erklärte mir der Typ, während er die wildesten Verrenkungen machte. "Und das du hier mitspielen darfst, hast du nur deiner wilden Mähne zu verdanken." Stop! Ich wusste es ... Wortlos zeigte ich mit einem Finger auf ihn und hob eine Augenbraue. "Mähne? Lass mich kombinieren ... ich komme aus Afrika?" Warum ich das fragte, ist mir unklar aber die neugierde war stärker. "Natürlich!" antwortete er und wedelte wild mit den Händen. Er riss seine Augen auf und stiefelte mit einem Hüftschwung los, der selbst den tolerantesten Menschen ... oder eben dem tolerantestem Tier eine kalte Schauer über den Rücken jagte. "Komm mit, Honey!" rief er mir noch nach und verschwand um die Ecke. Kopfschüttelnd folgte ich ihm. Ich hatte eigentlich keine Lust, etwas zu tun was ich nicht konnte ... mit einer fremden Frau reden und ... schauspielern ... Ich kam um die Ecke und starrte auf das Set für den Film ... Ein großer, nach vorne geöffneter Raum mit Rosa Wänden und Fenstern, die mit plüschigen Gardinen verhangen waren. In der Mitte dieses Zimmers stand ein großes Bett, indem eine Frau saß und ein Buch laß. Der Rosa gekleidete Mann, offenbar der Regisseur, sprang in diesem Raum herum und erteilte Anweisungen. "Okay, ich erkläre es einmal, gern auch ein zweites mal, aber kein drittes mal! Also Ohren auf und zugehört! Zuerst einmal eine direkte Aufnahme von Luthena, die im Bett liegt und liest. Gunthar fährt näher drauf zu, bis man den Buchtitel erahnen kann, derweil macht sich Luther drüben bereit. Sobald Luthena nun umblättert, beginnt Luther mit einer Kamerafahrt um den Raum herum und unser Mähnenfreund hier drüben macht sich auf den Weg! Während die beiden nun ihren Text abrattern, sind bitte alle Kameras auf On geschalten, ich nehme dann die beste Einstellung. Fragen?" er sah sich um, in der Hand das Skript haltend, das er plötzlich aus dem nichts gegriffen hatte. "Meinen Text!" rief ich dazwischen und verschränkte die Arme. "Ach, Mäuselchen ... Improvisier eben, eventuell ist es gut!" rief mir das Rosa Männchen zu während er in seinen Stuhl sank. "Wenn du meinst ..." sagte ich resignierend und verschränkte die Arme, während ich auf meinen Einsatz wartete. "Eins, zwei, drei und Action!" pfiff das pinke Bübel und das Spiel begann. Langsam schritt ich vorwärts. Der Regisseur nickte mir zu und ich wusste, das ich im moment auf dem richtigen Weg war. Schließlich kam mein großer Moment und ich stand im Zimmer von Luthena. Ich wartete darauf, das sie etwas sagte, damit ich spontan losbrabbeln konnte ... aber Fehlanzeige. Schnitt. "Ach, Tuffelchen! Was ist denn heute mit dir los? Hast du denn alles vergessen? Wir haben das heut morgen noch einmal besprochen." Der Regisseur kam auf mich zu und begann mit seiner Hand durch mein Haar zu fahren. "Lass das ..." sagte ich ohne ihn anzusehen. "Ist ja schon gut! Also, hör zu ... sobald du hier vorne bist, springst du auf das Bett und begrüßt Luthena ..." erklärte er mir. "Moment ... ich tue was?!" nun war ich mir nicht mehr im klaren, was für eine Art Film das hier werden sollte. "Tu es einfach! Dann geht alles von alleine, keine Angst ..." sagte der mein spezieller Rosa Freund mit Nachdruck und schwang sich zurück auf seinen Stuhl. Meine Zweifel an diesem Film wurden durch seinen letzten Satz noch einmal verstärkt. Aber egal, wir werden ja sehen. Zweiter Versuch. Diesmal klappte alles am schnürchen, ich stolzierte nach vorne und machte einen galanten Sprung auf das Bett. Ich setzte mich und sah mein Gegenüber an. Sie war eine äusserst hübsche Frau mit langem schwarzen Haar, einem kleinen Mund und richtig schönen braunen Rehaugen, die irgendwie magisch in den Bann zogen, aber das kennt bestimmt jeder von Traumfrauen die nur im Traum erscheinen (ein galantes Wortspiel, ich weiss). "Hallo ..." sagte ich und hörte schon den Regisseur vor Freude toben. Er war offensichtlich davon angetan, das ich etwas verwirrt klang. "Hallo, mein guter ..." sagte Luthena und legte ihr Buch bei Seite. "Wie geht es dir denn heute morgen?" "Ach, ich kann nicht klagen. Könnte aber besser sein ..." improvisierte ich und blieb im selben Tonfall. Durch einen Spiegel der über Luthena hing konnte ich sehen, wie der Regisseur sein Rosa Taschentuch zückte und sich damit Luft zufächerte. "... Die Worte von gestern tun mir furchtbar Leid ..." sagte sie, das sie gemerkt hatte das ich improvisieren musste. Also half sie mir auf die Sprünge. "Aber seit du ... nicht mehr du selbst ... sondern DAS hier vor mir bist ... nein, da kann ich mir nichts mehr mit dir vorstellen." AHA! Eine romantische Komödie, in der sich wohl der Freund der Hauptdarstellerin in mein jetztiges Ich verwandelt hatte. Okay, erste Vermutung, also musste ich versuchen das umzusetzen. "Aber du kannst mich doch deswegen nicht einfach so verstoßen!" rief ich und versuchte, eine erbost-traurige Emotion darzustellen, beziehungsweise das auch in meine Stimme zu verlagern. Und offenbar gelang mir das auch, denn im Spiegel sah ich, wie drei Männer den Regisseur festhalten mussten, damit dieser nicht freudig schreiend auf seinen knien zu uns hinüber rutschte. "Ich kann einfach nicht dasselbe für einen Löwen empfinden wie für einen Menschen ... das ist doch ganz normal. Schau dich doch einmal an, du bist ein wandelnder Pelzvorleger mit einem Mob auf dem Kopf und merkwürdigen Barthaaren." sagte sie in einem tröstenden Ton. Es war schwer für mich, mir das Lachen zu verkneifen, aber mir gelang es. Den Spruch musste ich mir merken. Wenn das so im Drehbuch stand, muss ich den Autor wohl mal kennenlernen und mir einige Sprüche von ihm geben lassen. Ein Genie der Mann. Jetzt egal, der Film musste gedreht werden. "Das ist mir schon klar. Aber wie soll ich nun damit umgehen? Oder glaubst du, das alles was ich damals für dich empfand, mit einem mal erlischt und nichts mehr von dem da ist, was war?" Der Regisseur rollte einmal quer durch den Raum und er hatte Freudentränen im Gesicht, obwohl das alles bisher keinen Sinn ergab. "Nein, das verlange ich nicht von dir, aber zumindest könntest du dich damit abfinden, das nichts mehr so sein wird, wie es mal war. Du bist nun nicht mehr als mein Haustier ..." wieder musste ich mit dem lachen ringen. Was für ein romantischer Film das doch war. "... und nicht mehr mein Freund. Aber zum Abschied möchte ich dir noch etwas mitgeben ..." Sie beugte sich zu mir vor und gab mir einen Schmatzer aufs Kinn. Meine Augenbraue fuhr hoch und ich hatte Probleme, meinen Gleichgewichtssinn zu behalten. Der Mann in Rosa sprang derweil freudig auf und ab, doch mir kam nur ein Wort in den Sinn, das den Film beschreiben konnte: Flopp. Nach der Szene verschwand ich in meinen kleinen Privatraum und las ein paar Seiten des Skriptes, um auf die kommende Szene gefasst zu sein. Es war so wie ich gedacht hatte. Der gesamte Film war stinklangweilig und ohne jeden Sinn, die Dialoge waren schwach und versuchten mit Pseudomoral zu punkten, waren mies aneinandergeklatscht und voller misslungener Versuche etwas Dramatik in die Geschichte zu bekommen. Lediglich einige der Sprüche waren klasse, sonst konnte mich nichts begeistern und ich zweifelte nicht daran, das der Film in den hinteresten Filmecken der Videotheken verstauben würde. Gott sei dank sollte nur noch die letzte Szene folgen, ein grottiger Monolog des Freundes der Frau, der nicht mehr ihrer war und nun Selbstmord plante, was er in den letzten Minuten des Filmes erklärte. Grenzenloser Stuss, der nicht aufgrund der Thematik deprimierte, sondern einzig und allein durch den Monolog selbst. Wenigstens die letzten Minuten sollten etwas haben, das dacht ich mir und nahm Zettel und Stift zur Hand. Alles war schon für die letzte Szene vorbereitet als ich aufs Set zurückkehrte. Das Licht war abgedunkelt und ein billiger Pappmond wurde ans Fenster geheftet, man wollte wohl die Nacht simulieren ... "Okay, zur Abwechslung eine Szene im Zimmer von Luthena ..." der Rosa Typ klatschte in die Hände und alle sahen zu ihm rüber. "Moment, siebzig Prozent des Filmes werden hier gedreht ... Der Rest spielt am Fenster von Luthena!" rief einer der Kameramänner dazwischen. "Unterbrich mich nicht, ich erkläre!" keifte mein pinker Kollege und wedelte mit einem Zettel in der Luft herum. "Die ganze Szene spielt sich vor dem Fenster ..." mein schallendes Gelächter hallte durch den Raum. Nur mal nebenbei gesagt ... "Also nochmal! Die ganze Szene spielt am Fenster von Luthena. Unser pelziger Freund hier hält seinen Monolog, danach ist Sense, ihr habts geschafft! Mein Kopf tut weh und meine Gallensteine bewegen sich ... bringen wir es hinter uns ..." Er gab ein Handzeichen und ein jeder rannte auf seinen Platz, während ich lachend zu meinem rollte, mich aber dann recht schnell wieder fing und versuchte die Fassung zu bewahren. "Action!" schalmeite es und plötzlich herrschte Ruhe im ganzen Raum. Alle starrten mich an und Nervosität stieg in mir auf. Ich räusperte mich und las noch einmal schnell nach, was ich auf meinen kleinen Zettel stehen hatte, den ich raffiniert wie ich war unterm Bett versteckt hatte. "Ach Weib ..." begann ich. "Voller Sinnlosigkeit ist das Sein von mir und dir, wenn ich vergleiche was auf der Welt geschehen ist ... heute, gestern und in den letzten Millionen Jahren. Ich sehe nicht ein, wieso dieser Pulk zwischen dir und mir mit meinem Tod enden soll, sowie es eigentlich von mir geplant war, deswegen hab ich mir vorgenommen, es ganz anders zu machen. Ich werde dir eine kleine Geschichte erzählen. Es war einmal ein kleiner Löwe. Dieser litt schrecklich unter seinem dasein, da sein Weib ihn deswegen verstossen hatte und alle Welt ihn hasste. Also beschloss er, zu gehen und sich irgendwo niederzulassen, in der Hoffnung das es Ballons und Melonen regnet, die ihn irgendwann erschlagen!" die gesamte Crew starrte mich entsetzt an und Luthena musste die Fassung bewahren, um nicht los zu lachen. "Ach könntest du nur bei mir sein, im Land indem die Züge fahren, das Land der schwarzen Krautbonbons und der Genmanipulierten Cornflakes die Kühe fressen und Stahlbolzen scheissen, gute nacht!" der Kameramann schaltete amüsiert die Kamera aus und weigerte sich auch auf Nachdruck des Regisseurs, eine weitere Aufnahme zu machen. "Was denn, das ist doch gut ... das beschreibt den ganzen Film ..." kicherte Luthena und nahm mich in den Arm. "Danke, kleines Kuschelmiezchen, du beschreibst den ganzen Film in zwei Minuten." Nun weiss ich leider nicht ob ich in diesem Moment rot geworden bin oder ob Löwen rot werden können, aber ich schwöre euch, wenn sie es können dann war ich es unter Garantie. So hatte wenigstens mein Traum ein Happy End, denn kurz darauf lief ein Abspann und ich wachte in meinem gemütlichen Chefsessel auf , der schon leicht zur rechten Seite geneigt war, da etwas (was genau weiss ich nicht) herausgebrochen war und nun irgendwo in den weiten meines Fussbodens verschollen herumlag und ein gemütliches Leben mit leeren Bonbontüten führte. Endlich wieder ausgeschlafen tänzelte ich hinüber zu meinem PC, um meine E-Mails zu checken. Ich brauchte ihn nicht hochzufahren, denn es war wieder mal der Fall eingetreten das ich vergessen hatte ihn aus zu schalten und nun war ich seit knapp siebzehn Stunden im Internet eingeloggt und mein Online Messenger dampfte vor bereit stehenden Nachrichten die gelesen werden wollten. Egal, erstmal Mails abrufen und überrascht reagieren, denn eine E-Mail mit dem Absender LuMa@veryverybadfilms.com wartete in meinem Postfach auf mich. Wortwörtliche Wiedergabe der Nachricht: "Hallo! Ich danke dir für die Zusammenarbeit bei diesem Film (Du findest ihn in den hintersten Ecken der Videotheken, neben der Wesley Snipes-Kurve). Die Dreharbeiten waren verdammt lustig und ich hätte nicht damit gerechnet, das du den Film doch noch in ein etwas interessanteres Niveau reissen würdest, auch wenn es nur die letzten zwei Minuten waren. Amityville 3 war auch schlecht bis zum Ende, also haben wir immerhin einen Vorteil vorzuweisen =) Wie wir zu dieser Ehre gekommen sind, da überhaupt mitzuspielen, weiss ich nicht, aber ich wette das ist eine Geschichte ohne jeden Sinn, die voll Slapstick-gags steckt. Nun ja, fand die Zeit echt nett und würde die große Miez wirklich gern mal an der Leine durch den Park führen." Okay, nun hatte ich noch so eine Sinnfreie Mail erhalten, die ich mir ausdrucke und zu den Brief des Professors packte, in der Hoffnung, irgendwann einen Sinn hinter all dem zu entdecken ... solang verbleibe ich mit sinnfreien grüßen und warte auf den nächsten wirren Traum.