"Steiles Teil ..." ich lag auf meinem Bett und betrachtete das Stück Bernstein, das ich aus meinem letzten Traum mitgebracht hatte. Wie das ging? Fragt nicht ... Den halben Tag hatte ich damit verbracht, mir eine Kette daraus zu basteln (Ja, ich bin technisch unbegabt), die ich nun um meinen Hals gehängt hatte und schon den ganzen Abend anstarrte. Die ganzen Wunden, die ich im Laufe meines Arbeitertages erlitten hatte waren verbunden und schmerzten nur noch halb so sehr wie zu dem Moment, da ich sie mir schlug. Durch den Gebrauch von Werkzeugen und die daraus enstehende körperliche Belastung war ich dementsprechend geschlaucht und wollte nur noch schlafen. Diesmal ging es schnell, auch ohne das allabendliche Programm und schon hatte ich wieder Skurrile Träume "... Hier werden sie mit anderen paläozoischen Arthropoden wie Triobiten und Eurypteriden verglichen. In Gegensatz zu diesen haben die Xiphosuren bis heute überlebt ..." Was? Ich hob den Kopf um nachzusehen, wer das eben gesagt hatte. Ein alter Mann stand plötzlich vor mir und sah mich gereizt an. Erst dann registrierte ich, das ich in einer Vorlesung war, über was er da redete, weiss ich nicht aber ich glaube es war etwas Paläontologisches. "Guten Morgen, es ist schön das Sie endlich ausgeschlafen sind." sagte der Mann mit ruhiger Stimme zu mir. "E ... Entschuldigung ..." sagte ich kleinlaut, während die anderen im Saal über mich lachten. Einige begannen sofort zu tuscheln, während die andere Hälfte konzentriert die Aufzeichnungen abschrieb, die der Professor an die Tafel geschrieben hatte. "Nach der Vorlesung muss ich mit Ihnen sprechen." drohte er und kehrte zurück zu seinem Pult, um seine Vorlesung fortzusetzen. Schluck ... wo war ich da wieder reingeraten? Unauffällig sah ich im Saal herum und beobachtete die anderen Menschen, die sich hier befanden. Etwa siebzig Prozent waren Streber, so wie man sie aus den Teenagerfilmen kennt, also Astmakrank und mit einer zwanzig-dioptrinbrille ... die Hochwasserhosen brauch ich sicherlich nicht zu erwähnen ... die anderen Prozente waren gleichmäßig unter Sportlern und Normalos verteilt, die zum einem aufpassten um etwas zu lernen und zum anderen großkotzig in der hinteren Ecke des Saales saßen und einen auf Oberruler machten. Dann sah ich mich selber an, um zu schauen was mir diesmal beschert wurde. Okay, immerhin war ich einer der Normalos, also konnte ich mich nicht im Fadenkreuz der Sportler befinden, die sicherlich schon wieder ihr nächstes Opfer wählten. Ausserdem hatte ich meine Bernstein-Kette um und war gottseidank menschlicher Form. Man weiss ja nie was man so erlebt. Lange dauerte die Vorlesung nicht mehr und nachdem ich einige Minuten so tat als würde ich zuhören oder mitschreiben, beendete der Professor das ganze und schickte die Studenten nach Hause ... bis auf mich. Langsam schlenderte ich vor zum Pult des Mannes mit der ruhigen Stimme und stellte mich davor. "Was kann ich für Sie tun?" fragte ich gelangweilt. "Wechseln Sie alle Glühbirnen in der Universität aus!" schallte es mir entgegen. Bitte? Der Professor hielt mir eine Kiste voll mit Glühbirnen entgegen, er schien seine Worte ernst zu meinen. "Aber ... was soll das ... ?" Leicht verstört nahm ich die Kiste entgegen und blickte den Mann vor mir fragend an. "Sie haben mich gefragt, ob Sie was für mich tun können ..." antwortete er während er einige Arbeiten durchsah. Resigniert schüttelte ich mit dem Kopf und machte ich mich auf dem Weg, um die mir zugeteilte Aufgabe zu erledigen. Einige Flure später kam ich in das Zimmer eines Wissenschaftlers. Das erkannte ich an all den Diplomen an der Wand, den Experimentlogbüchern auf dem Tisch und dem Chemiebaukasten auf der Kommode am Eingang. Der ältere Mann kam mir auch gleich freudenstrahlend entgegen und reichte mir seine Hand. "Guten Tag!" lächelte er freundlich. "Ja, tag ... ich soll hier die Glühbirnen auswechseln ..." antwortete ich und gab ihn die Hand, während ich die Kiste mit den Birnen unter meinen anderen Arm klemmte. "Ah ja, der Professor hat mir schon bescheid gesagt, ich bin der Leiter dieser Universität hier, der Dekan oder ihr Freund, wie Sie es nennen wollen, ja der bin ich ..." sagte der alte freundlich. Er sprach schnell und mit gesenktem Ton, während er an seiner Brille spielte. "Freut mich ..." sagte ich, da ich nicht unhöflich erscheinen wollte. Dann blickte der alte auf meinen Bernstein, den ich um den Hals trug. Er nahm ihn in die Hand und musterte ihn ganz genau, dann riss er sich die Brille von der Nase und begann auf dem Bügel herumzukauen. "Äusserst interessant was Sie da haben ... ist das echtes Bernstein?" fragte er mich und kam etwas auf mich zu gelaufen. "Ja, ja, sicher doch, ja ..." stammelte ich und sah mir das Teil selbst noch einmal an. "Das hab ich gefunden ... bei einer Reise ..." "Oh, das ist ja interessant ... Bernstein ist fossiles Baumharz, müssen Sie wissen und es enthält mitunter Insekten, Pflanzenreste und in seltenen Fällen sogar ganze Eidechsen, die an der klebrigen Flüssigkeit hängen geblieben sind und anschließend umflossen wurden, ersteres scheint bei Ihnen der Fall zu sein und wenn Sie nichts dagegen hätten würde ich das gerne einmal untersuchen ..." erklärte er mir und verschränkte die Arme, während er immernoch auf seinem Brillenbügel herumkaute. "Von mir aus ... aber machen Sie es bitte nicht kaputt, das ist schließlich meine Kette ... und ein zweites mal werde ich sicherlich NICHT die Chance haben, diese Reise noch einmal anzutreten ..." sagte ich ihm, nahm die Kette ab und gab sie ihm. "Nein, nein keine Sorge, bitte warten Sie doch hier, es dauert ganz bestimmt nicht lang ..." rief er während er ins Nebenzimmer ging ... nun ... eher wackelte, denn er hatte eine lustige Gangart und er wippte bei jedem Schritt leicht nach links oder rechts. "Ich warte dann hier!" schalmeite ich und lies mich in seinen Stuhl fallen. Während ich wartete, sah ich mir einige der Experimentlogbücher an. Er hatte zum Beispiel einmal versucht zu Beweisen, das theoretisch eine Tonne Federn leichter sein kann als eine Tonne Blei, jedoch endete das Logbuch aprupt und ohne jedes Ende, jedoch konnte er nur aufgegeben haben. "So da bin ich wieder! Es wird Sie interessieren ... Moment wie sehen Sie denn aus?!" Der Wissenschaftler sah mich erschrocken an und richtete seine Brille. Ich saß in seinem Stuhl und war kreidebleich, schweissperlen rollten von meiner Stirn und ich atmete schwerer als es üblich war. "Mir war langweilig ... und ich habe ein paar Runden in diesem Stuhl gedreht ...Jetzt ist mir schlecht ..." sagte ich und hielt mir die Hand vor die Augen. Alles drehte sich. "Wie dem auch sei ... in dem Bernstein, den Sie bei sich hatten befindet sich eine Stechmücke, die das Blut einer uns noch unbekannten Spezies bei sich trägt, vermutlich ein Säuger ... aber ... genau kann ich das nicht sagen, dafür bräuchte ich noch etwas Zeit, etwas Zeit bräuchte ich ..." erklärte er. "Ist es vielleich ein Löwe ... ?" fragte ich, als mich eine böse Vorraussicht ereilte. "Kann sein, ich weiss es nicht genau ..." antwortete mir der alte. "Nebenbei ... wie konnten Sie so das so schell herausfinden ... das dieses Vieh da drin was enthält, was wir noch nicht kennen?" die Frage konnte ich mir nicht verkneifen. "Ein Filmklischee ..." sagte er lächelnd und verschwand wieder in seinem Labor. Ich grinste und nickte verständnisvoll. "Yeah ... das war mir klar. Jetzt muss ich kotzen ..." denn das Schwindelgefühl kehrte zurück. Während ich ein Behältnis suchte, schallte eine Stimme durch den Gang, die röhrend verkünden lies "SIND DIE GLÜHBIRNEN AUSGEWECHSELT!?" Sofort ging es mir wieder gut. Ich schnappte mir die Kiste und setzte meine spaßige Arbeit fort und zwar während ich von dem Professor begleitet wurde, der mir diese Ehre erteilt hatte. Ich wachte auf. Früher als gewohnt. Mein Blick fiel sofort auf meine Lampe, die mir direkt gegenüber hing und mich regelrecht dazu einlud, ihre Glühbirne auszuwechseln. Ich ging nach unten, um mir eine Birne zu holen. Als ich den Schrank durchwühlte, mich an Tabletten, Gläsern und sonstigen Kram vorbei kämpfte um das zu finden was ich begehrte klopfte mir meine Mutter auf die Schulter. "Du, für dich ist ein Brief gekommen, der ist von irgend so einer Universität, hast du ohne mein Wissen Abi gemacht und dich dort beworben?!" fragte sie und sah sie mit hochgezogener Augenbraue an. "Klar, ist ja so leicht ... Mutter, du hast die letzten drei Jahre versäumt, ich bin heimlich auf die Hochschule gegangen und hab mein Abi gemacht, es tut mir leid, mein Leben wie du es kennst ist eine einzige Lüge, die in Wirklichkeit in einen Sumpf aus Intrigen, Sex und Drogen führt." ich muss lernen mich zu beherrschen. Diese Bemerkungen verderben mir mein ganzes Sozialleben ... Ich erntete jedoch nur einen schiefen Blick. Meine Mutter gab mir den Brief und ich entschwand mit diesem - und einer Glühbirne - zurück auf mein Zimmer. Während ich die Birne wechselte las ich den Brief, indem folgendes stand: "Hallo, Herr (Sie haben mir Ihren Namen nicht gesagt). Die Untersuchungen haben folgendes (Sie werden überrascht sein) festgestellt: Noch nichts! Wir arbeiten noch daran und sobald wir etwas mehr wissen, lassen wir Sie es wissen, schließlich haben Sie uns den Stein gestellt und es ist Ihr gutes Recht über die Fortschritte der Forschungen zu erfahren. Der Wissenschaftler" "Deswegen schreiben die mir einen Brief?! Woher haben die meine Adresse?! Und wieso sollte eine Person mit 'Der Wissenschaftler' unterschreiben!?" Fragen über Fragen, die mich beschäftigten. Ich bekam noch einen Schlag beim Glühbirne wechseln, das sollte nur mal gesagt sein.