Noch etwas verwirrt vom Traum der vergangenen Nacht fiel es mir am darauf folgendem Abend wesentlich schwerer ins Bett zu gehen. Skeptisch ging ich eine Runde vor dem Bett des Grauens auf und ab, sah nach ob nicht jemand darunter lag und durchsuchte den Schrank nach eventuellen Buhmännern, da man in der heutigen Zeit nicht wissen konnte wo die sich überall verstecken. Nachdem sicher war, das sich nix in meinem Zimmer versteckte, wagte ich den Schritt und bereitete mich aufs zu-Bett gehen vor. Lichter aus, Cola rüber, Radio an und so weiter, wie am Vortag. Als ich mich in meinen Kokon gewickelt hatte, juckte es mich plötzlich furchtbar und ich kämpfte mich wieder aus dem selbstgebauten Gefängnis, um nachzusehen was dieses unangenehme Gefühl auslöste. Suchend fuhren meine Hände über die Matraze. Nix ... auch nix ... tote Spinne ... weg damit ... gut, weg ist ... und was war das? Ein Büschel Haare! Erst dachte ich mir nichts dabei (wer denkt sich schon was dabei wenn er in seinem Bett ein Haarbüschel findet, ist doch ganz normal!), doch dann schossen mir die Bilder der vergangenen Nacht wieder durch den Kopf ... Ich zuckte mit den Schultern und schmiss mich wieder auf mein repariertes Bett. Triumphierend lachte ich, denn ich hatte das Bett mit einer Stahlplatte verstärkt. Dann kamen Rückenschmerzen. Vorbei das lachen, schwerer das schlafen. Aber nach einigen Minuten wälzen gelang es mir und nun kann ich wieder etwas berichten, denn es gab wieder Skurrile Träume Ein leichtes Schaukeln riss mich diesmal aus dem Schlaf und als ich meine Augen öffnete lag ich mit verschränkten Armen in einer Hängematte, die sich nach meiner Schätzung einen halben Meter über dem Boden befand. Um mich herum saßen andere Männer, unterhielten sich, tranken oder aßen, sangen Lieder oder erzählten sich Geschichten. Okay, sie waren dreckig, hatten kaum Zähne im Mund und Lumpen am Körper, ihre Stimmen klangen versoffen und verraucht und im allgemeinen waren sie keine besonders sympatischen Gestalten mit denen ich meine Freitage verbringen würde. "Ah, schaut mal er ist aufgewacht, ich sag's dem Käpt'n!" lallte einer der Kerle und versuchte sich zu erheben. Ich fand es herrlich dem Typen zuzusehen, wie er probierte zur Tür zu wanken und nachdem er es endlich geschafft hatte, setzte ich mich auf und sprang von der ungemütlichen Matte. "Hast du aber Glück gehabt, das wir dich heut Nacht gefunden haben!" sprach mich ein anderer an und klopfte mir auf die Schulter. "Wieso, was war mit mir?" fragte ich verdutzt und kratzte mich am Kopf. "Du bist mitten auf dem Meer rumgetrieben und der Käpt'n war so frei dich mitzunehmen. Ihm verdankst du das dein Arsch jetzt im trockenen ist und nicht von den Haien gefressen wurde." antwortete er mir. "Ach ja ... ich bin ja ... mein Schiff ist ja ... gesunken ..." ich erzählte eine Lüge um den Umstand zu klären weswegen ich hier war. "Bei ruhiger See?! Wir hatten seit Wochen keinen richtigen Sturm mehr und Riffe gibt es hier auch nicht, wie hast du das geschafft!?" Verdammt, der Kerl hatte mich. "Ähm naja, ein Coyote und ein Vogel rannten bei mir auf dem Schiff umher. Der Coyote hatte die Idee, den Anker am Segel zu befestigen, doch dann hat er was falsch gemacht und der Anker ist ... runtergefallen ... Loch im Boden, Wasser rein, verstehst du?" mir fiel nix besseres ein als diese alte Fernsehserie zu missbrauchen. "Ah ... ich verstehe. Kann nervig sein, darum nehmen wir keine Tiere mehr mit an Bord." Der Kerl hatte mir geglaubt! Er hatte es geschluckt! Himmel sei dank ... Doch kaum hatte ich mich von dieser Begegnung erholt, da erwartete mich schon der nächste recht seltsame Gefährte. "Na schau mal einer an!" eine kräftige Stimme röhrte mir laut entgegen, gefolgt von einem lauten lachen. "Wenn das nicht unser kleiner Kampfschwimmer ist!" "Ah, ähm, du musst der Kapitän sein ..." sagte ich kleinlaut, als sich der knapp über zwei Meter große und nochmal so breite Koloss vor mir aufbaute und grinsend auf mich herabschaute. "Richtig, richtig mein Sohn!" wieder lachte er und klopfte mir auf die Schulter. Ich wäre beinahe zusammengesagt, wenn ich mich nicht auf einem neben mir stehenden Fass abgestützt hätte. Erst kurz danach sah ich, das drei ziemlich große Ratten lustig ihre Runden darin schwammen und entsetzt zog ich meine Hand weg davon. "Ja, danke nochmal ... aber ich will nicht unhöflich sein ... also ich bin ..." "Schiffbrüchig, das wissen wir!" irgendwie kam mir diese Szene sehr bekannt vor. Der Kapitän hatte mich unterbrochen, als ich mich vorstellen wollte ... Scheissdrauf, das Leben geht weiter. "Wo fährt das Schiff eigentlich hin?" fragte ich und lies das Rattenfass nicht aus den Augen. "Wir fahren rüber zu einer kleinen Insel, ein Geschäftsmann hat uns da hingeschickt. Es gibt da was, das interessant für den Klient ist und wir sollen es holen." erklärte mir der Kapitän. "Lass mich raten ... als Gegenleistung für meine Rettung wollt ihr das ich mitkommen und helfe?" ich hätte auch schweigen können, aber die Worte mussten einfach raus - Filmklischee. "Nein, hatten wir nicht vor, aber wenn du es vorschlägst .... gute Idee, wir können jeden Mann brauchen!" Mist ... schon wieder in eine selbstgestellte Falle gerannt. "Einen Seelöwen wie dich können wir immer gebrauchen!" NEIN! Was hatte er da eben gesagt?! Es war doch nicht schon wieder passiert ... "Bin ich denn ein Löwe ... ?" fragte ich resigniert. "Wie kommst du da drauf? Kennst du den Ausdruck nicht?!" antwortete er ungläubig und nahm einen seiner Männer eine Flasche ab. Dann nahm er einen großen Schluck, rülpste mir ins Gesicht und gab sie wieder an den Besitzer zurück. Ich dagegen war erleichtert zu hören das das nur ein Ausdruck war, auch wenn ich den nicht kannte. "Ach Seelöwe meinst du ... heisst das nicht Seebär!?" nun war mir der Ausdruck wieder eingefallen. "Du spinnst! Bär ... bei allen Göttern, was ist das?" OK, es gibt keine Bären, das gab mir der Kapitän unmissverständlich zu verstehen. Aber Löwen. Die gab es. Wahrscheinlich zu Millionen. Das ist ja auch schön. "LAND IN SICHT!" schallte es nach einigen Minuten der Weiterreise. Toll, wieder einmal war es so, das man dann aufwacht, wenn das Ziel fast erreicht ist - Filmklischee. Die ganze Mannschaft rannte aufs Deck hinaus und starrte in die Richtung, auf die der Mann mit dem Fernrohr zeigte. "Da ist doch nichts ..." muffelte ich und wollte schon wieder runter gehen, als mich der Kapitän packte und auf einen kleinen Fleck im Wasser deutete. Dabei zog er stolz an seiner Pfeife, die er im rechten Mundwinkel hielt. "Toll, ein Erdklecks!" kommentierte ich diese ... ENTDECKUNG und riss mich los. "Für dich vielleicht. Doch das ist unser Ziel!" rief der Kapitän und seine Männer stiessen einen Freudenschrei aus. "... Was ... ? Dieser kleine Fleck im Wasser?" Das Lachen zu unterdrücken fiel mir immer schwerer, bis der Kapitän einen kleinen Wassertropfen auf den Erdklops tropfen lies und dieser plötzlich aufging wie ein Hefeklos. Von einen Moment auf den anderen standen wir am Strand einer gigantischen Insel, deren Mitte ein gigantischer Berg zierte. Doch bis dahin musste man einen etwa zwölf Kilometer langen Weg durch einen dichten Urwald nehmen, so wie ich das vom Strand aus einschätzen konnte. "... Was habt ihr jetzt gemacht ... ?" fragte ich ohne jede Emotion, immernoch auf den Berg schauend. "... Ich hab doch nur mein Getränk verschüttet, damit hab ich jetzt allerdings nicht gerechnet." sagte der Kapitän fassunglos und mir klappte die Kinnlade in den Sand hinunter. "Da kommt was!" rief einer seiner Männer dazwischen und alle starrten auf den Wald. Heraus kamen kleine plüschige Wesen mit dichtem Fell und großen schwarzen Augen. Piepsend kamen sie auf uns zugehüpft und wackelten mit ihren großen Ohren. "Wie süss!" pfiff ich entzückt und wollte eins davon umarmen, als ich feststellen musste, das die ganze Mannschaft aufs Schiff zurück gerannt war nun beobachtete, was denn passieren würde. "Was ist denn? Das sind kleine niedliche Wesen!" rief ich den Leuten zu und zeigte auf eins der kleinen Wesen, die friedlich am Strand spielten. "Mach sie tot!" riefen sie mir zu und warfen ein altes, rostiges Schwert zu mir herüber. "Aber wieso denn?" fragte ich. "Die machen doch nix!" "Töte die einfach!" alle kreischten vor entsetzen, obwohl die kleinen Tierchen sich nun an mir kuschelten und ich sie streichelte. Ich rollte mit den Augen und rammte einem dieser kleinen Kerlchen das Schwert zwischen die Rippen, woraufhin die anderen flohen. "Zufrieden?" sagte ich genervt und zog das Schwert aus den zappelnden Körper. "JA! SUPER! Ein Held!" jubilierte die Truppe und strömte wieder vom Schiff. Ich lies mich in den Sand fallen und schüttelte mit dem Kopf, da hab ich ja wieder eine Truppe bekommen ... Ich nahm mir zwei Männer (einen gewissen Jeff und den Kapitän) und machte mich mit denen auf, den Urwald zu erkunden. Die ersten Meter waren ein Kinderspiel, doch je tiefer wir kamen umso dichter wurde das Gestrüpp, bis wir uns irgendwann nur noch in der Hocke fortbewegen konnten, während Jeff uns den Weg mit einem Schwert freihackte. Eine Stunde nachdem wir aufbebrochen waren, brach die Dunkelheit herein und langsam kam Leben in den Wald. Kurz zuvor hatten wir einen Trampelpfad gefunden, den wir vorsichtig folgten, bis wir an ein großes Tor kamen, an dem vier Fackeln brannten und den ein Schriftzug zierte: "Welcome to 'Vom folgenden Wort fehlen ein paar Buchstaben' ssic Park" Nachdem wir es passiert hatten waren zu unserer linken und rechten gigantische Zäune, die zum Teil aufgerissen waren und wohl nicht mehr unter den zehntausend Volt Starkstrom standen, wie auf den Schildern versprochen. Regen setzte ein und ein kräftiger Wind blies uns ins Gesicht, sodass wir etwas schneller gingen, um einen Unterschlupf zu finden. "Filmklischee ..." flüsterte ich, während ich mir die Jacke über den Kopf zog, die mir der Kapitän gegeben hatte, bevor wir aufgebrochen sind. "Ein was?" fragte Jeff und kam zu mir hinüber. "Etwas das IMMER passiert, aber ohne einen Film glaubst du mir das nicht ..." Ich war noch nie gut im erklären und ich werde es wohl auch nie werden ... "Ich glaub eher an meine Chaostheorie ..." sagte Jeff, "Das Leben findet immer einen Weg! Da vorne ist ein Gebäude, gehen wir da rein." "Nein, da wär ich jetzt dran vorbei gerannt ..." wieder ein unnötiger Kommentar, der sich in einem Augenblick der Konzentrationsschwäche über meine Lippen in die Freiheit gepresst hatte. Wir stahlen uns also in das Gebäude, in dessen Eingangshalle ein riesiges Skelett aufgehängt war, was auch immer das für ein Vieh war, es gefiel mir nicht und ich stellte mich auf einen Angriff irgendeiner verrückten Spezies ein. "Wo ist eigentlich der Kapitän?" fragte mich ein leicht nervöser Jeff. "Keine Ahnung ..." antwortete ich und war in Gedanken schon bei einer verrückten Kamerfahrt um Jeff und mich herum, die dann plötzlich hinter mir stoppte und zeigte wie mich ein Vieh angriff. Schnell wandt ich mich um stiess mein Schwert einfach geradeaus. Ich sah nur noch, wie es sich in den Körper eines merkwürdigen Wesens bohrte, das kreischend zu Boden ging und röchelnd verendete. "Woher wusstest du, das da was ist?" fragte Jeff, der erschrocken zu Boden gegangen war. Ich sah ihn lässig an, zog das Schwert aus dem Vieh und antwortete ... "Filmklischee ..." Danach sah ich mir das Teil genauer an. "Hm ... große Krallen ... ein Echsenförmiger Kopf und ein spitzzulaufender Schwanz ... alles in allen deutet es darauf hin ... das es ... ein ... ein ..." ich überlegte. "Velociraptor ist?" setzte Jeff meinen Satz fort. "Ja! Genau, woher weisst du das?" fragte ich überrascht. "Er hat eine Binde um, da steht das drauf ..." sagte er und zeigte mit dem Finger auf die Binde, in der mit goldenen Lettern 'Velociraptor' geschrieben stand. "Oha! Dann sollten wir uns verpissen, denn wo einer ist, sind immer mehrere dieser Bestien ..." fachsimpelte ich, da ich nun endlich wusste, von welchen Film ich träumte. "Dann lass uns einfach ziellos umherrennen, bis uns irgendwann die Lösung einfällt!" schlug Jeff vor und begeistert davon taten wir das dann auch. "Was sucht ihr hier eigentlich?" fragte ich Jeff, während wir wild wieder ins Gestrüpp rannten. "Der Kapitän sollte einen Bernstein holen, indem sich irgendwelche Informationen befinden sollten, frag nicht was für welche, für irgend ein Fabelwesen wahrscheinlich ..." keuchte er. "Schau mal, da vorne steht ein Wagen vor einem Gehege, setzen wir uns darein ..." "... Ich weiss zwar was passieren wird, aber na gut, eine Pause wär nicht schlecht." japste ich und griff an meinen Brustkorb, der vom rennen schon schmerzte. Zuviel geraucht, zu wenig Ausdauer. Wir stiegen in den Wagen ein und während Jeff sich auf den Fahrersitz setzte, lies ich mich auf den Beifahrersitz nieder. Wir schwiegen einige Augenblicke um wieder zu Luft zu kommen. Jeff hielt seine Flasche zum Fenster hinaus, um diese mit Regenwasser zu füllen und während er dabei zusah durchsuchte ich das Handschuhfach des Beifahrersitzes. Betriebsanleitungen für den Wagen, Fackeln, eine Leuchtschusspistole und ... oh, ein Brocken Bernstein. Vorsichtig nahm ich den Stein hinaus und lies ihn in meine Jackentasche fallen, warum weiss ich auch nicht. Wieder einen Moment der Ruhe. KLATSCH! Ein Bein landete auf unserer Frontscheibe und der Regen verbreitete das Blut quer über das Glas. Während Jeff geschockt nach oben sah, musste ich lachen, irgendwie kam mir alles so Unreal vor das ich mir keinen Hehl darum machte. Das es das Bein des Kapitäns war, interessierte mich nicht. "Okay, was jetzt auch passiert, wir sollten uns nicht bewegen ... es ist ein T-Rex und der sieht uns nicht wenn wir uns nicht bewegen ..." flüsterte ich zu Jeff und war stolz das ich das über zehn Jahre behalten hatte. "Der trägt aber eine Brille ..." stotterte Jeff und presste sich in den Sitz. Und tatsächlich. Das Vieh hatte eine Brille auf und sah direkt zu uns den Wagen hinein. Das war zuviel für meine Nerven! Brillentragende Dinosaurier, eine durchgeknallte Schiffsbesatzung, was sollte noch alles passieren?! "Halt dich fest, ich fahr los!" rief Jeff und trat auf das Gaspedal. Wortlos sah ich ihn an. Er sah mich an. Ich löste die Handbremse und drehte den Zündschlüssel um. Das Auto kam langsam in Bewegung und schließlich fuhr es sogar. Mit fünf Kilometern in der Stunde. Ich sprang aus dem Wagen und rannte was meine Beine hergaben, während Jeff im Wagen blieb und mir nachrief, das ich wiederkommen sollte um mit ihm zu fliehen. Ich wandt mich noch einmal um, um nach ihm zu sehen, doch da hatte der Dino schon den Wagen umgeschmissen und die Reifen zerbissen. Als ich meinen Blick wieder nach vorne richtete, sah ich wie der Boden vor mir aprupt abriss und sich eine riesige Schlucht vor mir auftat. Zum stoppen war es zu spät und so stürzte ich in die Tiefe ... ... nur um Sekunden Später mit dem Gefühl aufzuwachen, das ich eben aufs Bett gefallen war. Schweiss stand auf meiner Stirn und ich atmete hastig, doch dann war mir klar das es wieder ein Traum war und ich kippte erleichtert wieder nach hinten. "AU!" rief ich als ich auf dem Kissen aufschlug. Ich hob es an und fand darunter das Stück Bernstein, das ich zuvor in meinem Traum eingepackt hatte. "Krasse Sache ..." dachte ich mir und stand auf, den Stein legte ich einfach auf meinen Nachttisch und lebte in den Tag hinein.