Der blaue Vogel                                             (Seren Silberdorn)

Schlaftrunken streifte sein Blick im Dunkel des Raumes umher. Vorbei an der Silhouette des Baldachins, der sich �ber die Sitzbank legt und vorbei an den groben Umrissen von Schrank und Arbeitstisch. Irgendwie gelang es ihm trotz seines augenblicklichen Zustandes all jene Objekte ihren Schatten zuzuordnen, doch dieser eine, der die Form eines Vogels zu besitzen schien, war ihm fremd. Sicherlich nicht Teil seiner kleineren Sammlung von Skulpturen, die sein Regal zierten.

Das fahle Licht des Mondes, da� durch das tr�be Fensterglas fiel, lie� erkennen, da� es sich wohl um ein gr��eres Tier handeln mu�te. Langsam richtete er sich auf und z�ndete, ohne seinen Blick von dem Wesen abzuwenden, eine Kerze an. Da sah er einen Vogel mit blau schimmernden Gefieder, der ihn mit einer Ruhe anblickte, die in krassen Gegensatz zu dem Wesen seiner Artgenossen zu stehen schien. Sein Kopf bewegte sich auf unerwartet geschmeidige Weise und es war ihm, als w�ren seine Augen voll wehm�tiger Erhabenheit. Als k�nnten sie wundersame Geschichten erz�hlen, die niemand mehr zu erz�hlen vermochte, als h�tten sie die schwarzen Jahre gesehen, einst gesponnen aus dunklen F�den...

Crell erschrak ein wenig, als sei ihm erst jetzt bewu�t, da� da ein Jemand auf seiner Fensterbank sa�. In all den Jahren, die er schon in diesen W�ldern lebte, hatte er noch nie zuvor ein Tier wie dieses gesehen. Der Vogel neigte abermals den Kopf und pl�tzlich waren Crells Gedanken bestimmt von Orten jenseits der Vertrautheit seiner B�ume, von leuchtenden Pfaden und dunkler Erde, von Aufbruch und Wanderschaft, von vertrauter Einsamkeit und trauriger Sch�nheit.

Fragend schaute er das Lichtgesch�pf an, scheinbar erstarrt und unf�hig eines einzigen klaren Gedankens. Der blaue Vogel begann seine feinen, zerbrechlich wirkenden Schwingen zu bewegen, ganz langsam und unmerklich, als w�rde ein sanfter Wind durch seine Federn wehen und er erhob sich und flog mit vollkommer Leichtigkeit in die Nacht, aus der er kam, als sp�rte er ihr unaufhaltsames Dr�ngen.

Noch Jahre sp�ter sollte sich der Waldl�ufer an diesen Moment erinnern, als dieses unwirkliche Wesen mit der Nacht verschmolz und etwas in ihm zur�cklie�, dessen er sich nicht erwehren konnte, f�r das es keine Worte gab.


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