Asterix im Morgenland

1001



Arabisch lernen im Ausland � was bringt�s?


Bericht aus "1001" (Heft 2, WS 2002/03) der FSI Orientalistik an der FAU Erlangen-Nürnberg - mit weiter führenden Links

Noch zum Ende des Sommersemesters 2002 veranstaltete die FSI Orientalistik einen Themenabend zum Arabischlernen im Ausland. Dazu waren vier junge Frauen und Männer eingeladen, die bereits einen mehrwöchigen oder gar mehrmonatigen Aufenthalt vor Ort absolviert haben. Ob Wirtschaftspraktikum im Libanon oder DAAD-Sprachkurs in Kairo, ob soziales Praktikum in Jordanien oder Sprachkurs im Jemen. Für die Vielfalt des Angebots hatten die Verantwortlichen bei der FSI gesorgt. Die Referenten waren ausnahmslos Studierende am Lehrstuhl für Orientalische Philologie. Unter den Zuhörern hingegen waren Interessierte an einem Sprachaufenthalt ebenso anwesend wie Dozenten des Lehrstuhls. Insgesamt war der Raum gut gefüllt.

Lilli Oberndorfer-Al Farah gab einen Überblick über ihr Praktikum an der Theodor-Schneller-Schule in Amman. Diese Einrichtung ist ein reines Jungeninternat. Die zwischen sechs und 18 Jahre alten Jungen stammen meist aus problematischen Familienverhältnissen. Die Besonderheit der Schule ist in ihrer Erziehung zu religiöser Toleranz zu suchen. Denn sowohl christliche als auch muslimische Jungen leben dort zusammen. Jährlich kommen etwa sieben Praktikanten aus Deutschland. Ihre Aufgabe ist vor allem die Hausaufgabenbetreuung der jüngeren Kinder gerade in den Fächern Arabisch, Englisch und Deutsch sowie die gemeinsame Freizeitgestaltung der Kleinen. Diese Arbeiten sind relativ anstrengend und zeitaufwändig. Die Praktikantinnen und Praktikanten wohnen während ihres Aufenthaltes mit arabischen Christen zusammen, deren Regeln sie sich anpassen müssen. Alles in allem ist somit das spielerische und schnelle Erlernen der arabischen Umgangssprache nach rund vier Monaten sehr gut gewährleistet. Eine finanzielle Vergütung wird nicht geleistet. Zu bedenken ist aber, dass Jordanien ein vergleichsweise teures Land ist. Im Monat fallen Kosten von etwa 400 Euro an, die Flugkosten belaufen sich auf etwa 500 Euro.

Von seinem Sprachkurs in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa berichtete Christoph Frickhinger. Der Jemen ist im Gegensatz zu Jordanien ein preiswertes Land mit Lebenshaltungskosten von etwa 100 Euro im Monat. Der Flug ist mit rund 600 Euro nur wenig teurer. Über eine Mitgliedschaft in der deutsch-jemenitischen Gesellschaft können möglicherweise sogar günstigere Flüge gebucht werden. Die Bewerbung für den Sprachkurs beim Center for Arabic Language and Eastern Studies (CALES) ist unkompliziert. Auch Frauen gegenüber sei der Jemen tolerant, so Frickhinger. Ein Visum für den Aufenthalt im Jemen bekommt man bei der Botschaft in Berlin. Der zu empfehlende Einzelkurs am CALES kostet einschließlich Übernachtung ungefähr 1000 US-Dollar für drei Monate. Unterrichtet wird vier Stunden täglich an fünf Tagen in der Woche. Thematisiert wird innerhalb des Programms beispielsweise die Geschichte des Landes. Zu den Vorteilen des Kurses zählt sicherlich, dass der im Jemen gesprochene Dialekt gut verständlich ist, während Englisch gänzlich außen vor bleibt.

Ein zweimonatiges Praktikum an der deutschen Außenhandelskammer in Beirut absolvierte Johannes Groß. Dafür sind Englisch- oder Französischkenntnisse notwendig sowie wirtschaftliche Vorkenntnisse sinnvoll. Zur Aufgabe des Praktikanten kann die Anfertigung von Berichten über Teilbereiche der libanesischen Wirtschaft zählen. Wer nur kurz im Libanon bleibt, wird möglicherweise mit der Überholung bestehender Berichte betraut. Die Länder Syrien und Jordanien gehören ebenfalls zum Einzugsgebiet der Außenhandelskammer in Beirut. Das Praktikum wird nicht vergütet. Die Kosten für Flug, Wohnung, Lebensmittel und sonstige Ausgaben belaufen sich bei einem zweimonatigen Aufenthalt auf mindestens 1500 Euro. Wohnmöglichkeiten bietet zum Beispiel das Foyer des Jeunes. Um den Kontakt mit Einheimischen muss sich der Praktikant selbst kümmern. Am Goethe-Institut finden sich stets Araber, die Deutsch lernen möchten und im Austausch Arabisch beibringen. Gerade zum libanesischen Dialekt hat man dann guten Zugang.

Auch Steffi Redmann kann ihren Sprachaufenthalt in Ägypten empfehlen. Der DAAD hatte ihr nach Bestehen eines schriftlichen Arabischtests und einer mündlichen Befragung in Bezug auf Ägypten ein Stipendium bewilligt. Dieses umfasst die Kursgebühren und zusätzlich etwa 400 Euro für den Lebensunterhalt. Der Flugpreis wird nicht erstattet. Für die Dauer von fünf Monaten lernte sie am Zentrum für Arabische Sprache der Universität Kairo. Der vier- bis fünfstündige Unterricht fand an fünf Tagen in der Woche statt. Er beinhaltete unter anderem eine Einführung in den ägyptischen Dialekt, den Erwerb landesspezifischer Kenntnisse sowie Exkursionen. Zwar wären die Lehrer sehr engagiert. Doch hätte man gerade in den Kursen zu wenig Sprachpraxis und zu viel Frontalunterricht, bedauert Redmann. Außerdem störte das ständige Deutschsprechen mit den übrigen Kursteilnehmern. Daher befürwortet sie das Zusammenwohnen mit ägyptischen Studierenden. Denn gerade durch Tandempartner (Araber also, die Deutsch lernen möchten) erziele man eine optimale Verbesserung des Hörverständnisses.

Im Großen und Ganzen besticht der DAAD-Sprachkurs gerade auch durch seine Lage in Kairo, laut Redmann �eine faszinierende Stadt, in der es niemals langweilig wird.� Das für Ägypten bestehende Vorurteil, es eignete sich kaum für das Erlernen der arabischen Sprache, weil viele Einheimische ihre eigenen Englischkenntnisse anbringen wollten, galt in diesem Fall nicht. �Die Begeisterung für jedes arabische Wort ist auf der anderen Seite außerordentlich hoch�, betont Redmann.

Für alle Aufenthalte in einem arabischen Land gilt, dass sie schon gezielt für die Vorbereitung oder Ausarbeitung einer Magister- bzw. Diplomarbeit dienen sollten. Vor Ort könnte man bereits empirische Vorarbeit leisten, meint Johannes Groß. Steffi Redmann pflichtet ihm bei. Wer frühzeitig das Thema der eigenen Abschlussarbeit wüsste, könnte an den fünfmonatigen DAAD-Sprachkurs in ägypten ein Praktikum anhängen, um sich entsprechend vorzubereiten. Denn darin sind sich alle Ehemaligen einig: Ein Aufenthalt unter einem halben Jahr birgt praktische Einblicke in die arabische Sprache, aber längst keine Möglichkeiten zum flüssigen Gespräch mit den Einheimischen. Kontaktadressen für alle genannten Kurse und Praktika können bei der FSI Orientalistik erfragt werden.

Jens Kutscher Hier ist der Text zu Ende.

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