Steele, where´s my car?

oder: Remy, wo ist die Limo?

 

Teil 1

 

Laura wachte auf. Mit einem dicken Brummschädel und zusammengekniffenen Augen sah sie sich im Raum um. Das hier war nicht ihre Wohnung. Aber merkwürdigerweise kam ihr dieses Schlafzimmer so bekannt vor. Wieso nur? „Ach ja, richtig!“ fiel es ihr ein. Das hier war Remingtons Wohnung. Moment mal! Was machte sie denn in seinem Bett? Da hörte sie ein lang gezogenes Schnarchen.

Langsam drehte sie sich um und bemerkte zu ihrem Entsetzen Remy, der – den Rücken ihr zugewandt – mit nacktem Oberkörper friedlich neben ihr schlummerte. Vorsichtig stupste sie seinen linken Arm mit ihrem rechten Zeigefinger an. Doch außer einem Brummen und einem weiteren Schnarchen erfolgte keine Reaktion von seiner Seite. Was sollte sie nur tun? Sie überlegte einen kurzen Augenblick, sah sich dabei im Zimmer um und kam doch nur zu dem Schluss, dass sie es vielleicht doch mal etwas rabiater versuchen sollte. Also schrie sie „Wach auf!“ während sie ihn fest auf den Rücken schlug.

Remy fuhr aus dem Schlaf hoch und murmelte dabei: „Nein, Daniel, ich werden den Habsburger Dolch nicht noch mal stehlen.“ Dann jedoch bemerkte er, dass er das nur geträumt hatte und sagte: „Oh, guten Morgen, Laura.“

„Den kannst du vergessen.“ erwiderte sie grantig.

Er lächelte sie an und fragte erstaunt: „Ist was nicht in Ordnung?“

„Ich liege hier halbnackt in deinem Bett und du fragst mich, ob was nicht in Ordnung sei?“ schrie sie.

Sie beruhigte sich jedoch schnell wieder und fragte ihn in einem etwas freundlicheren Ton: „Ist gestern Nacht irgendwas passiert, das ich bereuen könnte?“

„Ich hoffe nicht.“ gab Remy stirnrunzelnd zurück.

 

Teil 2

 

„Soll das etwa heißen, dass du dich auch nicht an gestern Abend erinnern kannst?“ fragte Laura erschrocken.

„Gestern Abend?… Warte mal… War da was Besonderes?“ entgegnete Remy grüblerisch, fuhr dann aber schwärmerisch lächelnd fort: „Hat dir schon mal jemand gesagt, wie sexy du in dieser geblümten Unterwäsche aussiehst?“

„Was? Das… geht dich nichts an.“, sagte Laura sauer und zog sich die Decke bis ans Kinn. „Überleg lieber mal, warum ich hier bin! In deinem Bett. Zusammen mit… dir.“ fuhr sie ihn angewidert an.

„Na ja, offensichtlich bedeute ich dir doch mehr, als du zugeben willst.“ meinte er fröhlich.

„Ach, kannst du nicht einmal ernst sein?“ Laura wurde zusehends wütender.

„Ups. Sorry. Ich wollte dich doch nur aufmuntern.“ Remy sah sie mit einem treuen blaue-Augen-Hundeblick an.

„Schon gut. War nicht so gemeint.“ entschuldigte sie sich.

„Weißt du was? Jetzt frühstücken wir erstmal gemütlich“, wechselte er das Thema, sprang aus dem Bett und wollte gerade ins Bad gehen. Da prustete Laura los.

„Was hast du?“ fragte er verwundert.

„Nichts“, lachte sie, „ich hätte nur nie gedacht, dass mein stets so eleganter Mr. Steele Boxershorts mit Comic-Figuren drauf trägt.“

Tatsächlich waren auf seiner dunkelblauen Unterhose lauter kleine, grinsende und winkende Garfields zu sehen.

„Och, die hat mir mal die kleine Tochter eines Freundes geschenkt, weil sie Garfield so sehr mag.“, nuschelte Remy verlegen, verdrückte sich ins Badezimmer und kam kurz darauf geduscht, rasiert und angezogen wieder.

 

Teil 3

 

„Ist das hier besser?“ fragte Remy Laura, die sich immer noch unter der Decke versteckt hielt.

„Ja, so siehst du richtig zivilisiert aus.“ meinte Laura grinsend. „Aber, ähm… Remington… ich hab da ein kleines Problem… Ich hab nichts anzuziehen hier, außer… das hier…“ Sie hielt ein dezentes schwarzes Abendkleid hoch.

„Laura, dabei fällt mir was ein. Wir waren gestern auf einer Party von so ´nem Klienten von uns. Warte mal… der hieß… Donovan. Walter Donovan. Der war doch so glücklich darüber, dass wir diesen Betrüger in seiner Firma entlarvt haben. Und da hat er uns zu seinem alljährlichen Frühjahrsball eingeladen.“ fiel Remy ein.

„Wenigstens ein Anhaltspunkt“, seufzte Laura.

„Oh, tut mir Leid, ich rufe jetzt Fred an, damit er mit der Limo rüberkommt. Denn mir fällt gerade ein, dass der VW und der Auburn auf dem Parkplatz vor der Detektei stehen müssen. Hier sind sie nämlich nicht.“ meinte er mit einem Blick aus dem Fenster.

„Das heißt, dass Fred uns mit der Limo zur Party gefahren hat und wieder zurück.“ folgerte Laura.

„Ja, genau… nehm ich mal an.“ antwortete er und nahm den Telefonhörer in die Hand.

Doch Fred meldete sich nicht. Also versuchte Remy es in der Detektei. Mildred müsste schon da sein.

Und tatsächlich hob sie auch den Hörer ab: „Remington Steele Detektei. Guten Morgen.“

„Ja, guten Morgen, Mildred. Steele hier. Sagen Sie, ich bräuchte die Limousine, aber Fred meldet sich nicht.“

„Aber Chef, der ist gestern Abend weg. Er hat was gefaselt von wegen Sie hätten ihn gestern urplötzlich in Urlaub geschickt.“

„Äh,… ach so, ja, natürlich. Das war mir entfallen. Wie dumm von mir.“

„Aber die Schlüssel zur Limo sind hier. Soll ich Sie abholen?“

„Nein, danke, Mildred. Halten Sie lieber die Stellung in der Detektei, falls jemand anruft. Ach ja, da fällt mir noch was ein… stehen unsere beiden Autos in der Tiefgarage der Century City Towers?“

„Nein, Chef, nicht, dass ich wüsste. Heute Morgen standen sie jedenfalls nicht hier.“

„Ähm…gut…danke, Mildred. Wir kommen so bald wie möglich, ja?“ sagte Remy noch und legte den Hörer wieder auf.

 

Teil 4

 

„Was war denn los?“ fragte Laura.

„Ähm, hö, verehrte Miss Holt“, grinste Remy, „wir haben ein kleines Problem… nun, wie soll ich sagen? … Also… wir haben kein Auto mehr.“

„Was?“ fragte Laura entsetzt.

„Keine Angst, ich denke schon über dieses Problem nach.“

„Dann denk bitte etwas schneller.“

„Ja, schon gut. Also, zuerst… du kannst eins von meinen Hemden anziehen und in meinem Schrank liegt noch ein Rock. Den hat mal jemand hier vergessen“, sagte Remy zögerlich.

Laura sah ihn eifersüchtig an.

„Also gut, der hat Felicia gehört. Sie hat ihn hier vergessen, als sie hier war und wir dieses Bild mit den fünf Nackten aus Kairo stehlen sollten.“ gestand Remy zerknirscht.

„Hat sie sich etwas für die sechste Nackte gehalten?“ fragte Laura voller Spott.

„Nein, nein, nein, es ist nicht das, was du jetzt denkst. Sie hat nur hier übernachten wollen, nach dem Raub. Dass sie fort war, hab ich erst morgens bemerkt, weil sie in meinem Bett geschlafen hat und ich auf der Couch.“

„Und das soll ich dir glauben, du… Drecksack!“

„Laura, wann lernst du endlich, mir zu vertrauen?“ fragte Remy traurig.

„Also schön, dann leg die Kleidung hierhin. Ich geh duschen.“ sagte sie, und verschwand, in die Decke gehüllt, im Badezimmer.

 

Teil 5

 

Als die beiden nun angezogen waren und fertig gefrühstückt hatten, fragte Laura: „OK, was jetzt? Unsere 3 Autos sind weg.“

„Das ist nur halb so schlimm, wie´s aussieht. Ich ruf uns ein Taxi und dann fahren wir zuerst mal zur Detektei.“

„Und dann?“

„Dann… sehen wir weiter.“

„Na, immerhin ist es ein Anfang“, meinte sie mürrisch.

Gesagt, getan. Als sie die Agentur betraten, berichtete Mildred ihnen aufgeregt: „Vorhin waren zwei Bullen hier, die haben mir diese Zettel hier gegeben.“

Remy nahm die zwei Zettel an sich und las sie. Schließlich sagte er: „Eine gute Nachricht. Der VW und der Auburn sind in der Verwahrungsstelle. Die wurden nur abgeschleppt. Dann brauchen wir sie bloß abzuholen.“

„Wenigstens etwas. Aber das beantwortet noch nicht die Frage: Wo ist die Limo?“

„Wo ist die Limo?!? Na, die wird doch sicher in der Garage stehen.“ antwortete Remy.

„Nein, eben nicht. Ich hab extra nachgesehen. Sie ist weg.“

„Aber, Laura, das kann nicht sein. Die Schlüssel sind doch hier, nicht wahr, Mildred?“

Diese griff in die oberste Schreibtischschublade und zog die Limoschlüssel hervor mit den Worten: „Ja, hier sind sie. Fred hat mir sie gestern abend noch zurückgegeben, weil Sie ihn für zwei Wochen in Urlaub geschickt haben. Wissen Sie das denn nicht mehr?“

„Zwei ganze Wochen?“ fragte Laura entgeistert.

„Miss Holt, ich glaube, wir müssen Mildred was beichten.“ meinte Remy verzweifelt.

„Ja, das glaube ich so langsam auch.“, sagte Mildred verwirrt.

 

Teil 6

 

„Also, die Sache ist so: Miss Holt und ich, wir haben einen schweren Fehler gemacht.“

„Und was für einen!“ stöhnte Laura.

„Na ja, also wir haben wohl etwas zuviel getrunken auf der Party und wir können uns nur noch bruchstückhaft an den gestrigen Abend erinnern. Könnten Sie uns vielleicht weiterhelfen? Sie können sich eventuell an etwas erinnern.“ bettelte er.

„Ja, bitte, Mildred, wir wissen nicht mehr weiter.“ fügte Laura hinzu.

„Na schön, aber viel weiß ich auch nicht.“

„Bitte, Sie wären uns eine große Hilfe!“ bettelte Remy weiter.

„Also gut“, begann Mildred. „Sie waren gestern zu einer Party eingeladen. Und das war sehr wichtig für Sie, weil das doch ein Klient war. Und da haben Sie sich extra fein gemacht. Oh, Miss Holt, Sie haben bezaubernd ausgesehen in dem schwarzen Kleid. Und, Mr. Steele, in dem Smoking hätte man Sie glatt für James Bond halten können.“ schwärmte Mildred.

„Ja, schon gut. Aber wie ging´s weiter?“ drängte Remy ungeduldig.

„Ah ja, also, Sie sind dann von hier aus mit der Limo zu dieser Party gefahren. Ja, und dann weiß ich bloß noch, dass Fred eine ¾ Stunde später zurückkam und überglücklich verkündet hat, er werde die nächsten 2 Wochen irgendwie in Mexiko verbringen, weil er Urlaub bekommen hat. Krieg ich auch Urlaub, Chef?“ fragte Mildred voller Vorfreude.

„Das sehen wir später“, erklärte er.

„Moment mal, das heißt, dass wir nicht mit der Limo zu deiner Wohnung gefahren sind.“ schlussfolgerte Laura.

„Also ist die Limo geklaut worden?“ fragte Mildred.

„Ja, und jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wer sie hat“, schlug Remy tatenfreudig vor.

„Ich bremse ungern Ihren Enthusiasmus, Mr. Steele, aber wir sollten für den Anfang vielleicht mal unsere beiden anderen Autos auslösen gehen.“ meinte Laura.

„Ja, du hast recht.“

Also fuhren die beiden mit einem Taxi zur Verwahrungsstelle und binnen kurzem hatten sie die beiden Fahrzeuge zurück. Allerdings erst, nachdem Remy seine irische Diplomatie angewandt hatte, will heißen, nachdem er den Trottel hinter dem Schalter mal kurz am Kragen gepackt und geschüttelt hatte.

Nachdem die beiden Autos also wieder in den Händen ihrer jeweiligen Besitzer waren, machten Laura und Remy sich als erstes auf den Weg zu Donovans Villa in Bel Air.

 

Teil 7

 

Dort angekommen, erfuhren sie von Mrs. Donovan, die ebenfalls ein Auge auf Remington geworfen hatte, weitere Details des vorigen Abends.

„Aber natürlich, Mr. Steele, wer könnte so ein schönes Gesicht vergessen?“

Laura versuchte, ihre Eifersucht zu verbergen und fragte daher nur höflich: „Könnten wir hereinkommen?“

„Aber selbstverständlich“, antwortete Mrs. Donovan und ließ die beiden eintreten. Dabei hielt sie ihren schmachtenden Blick stets auf Remy geheftet. Der grinste nur verlegen, was Lauras Laune keineswegs besserte.

Im Wohnzimmer setzten die beiden Detektive sich auf die Ledercouch, während Mrs. Donovan bei Arthur, ihrem Butler, ein paar Drinks bestellen wollte. Remy wollte annehmen, doch Laura fuhr dazwischen: „Wir sind leider im Dienst und es ist von äußerster Wichtigkeit für uns, dass Sie uns soviel wie möglich über die Geschehnisse des letzten Abends erzählen können.“

„Ja, ähem“, räusperte sich Remy, „meine Assistentin hat es auf den Punkt gebracht.“

Enttäuscht über diese Abfuhr fing Mrs. Donovan schließlich an: „Na gut, wie Sie wollen. Also, die Party gestern Abend war auch nicht interessanter als alle diese stumpfsinnigen Dinnerparties, aber lassen Sie mich mal überlegen: Es gab einen Gast, einen kleinen, komischen Kerl mit Knollennase und einer Halbglatze. Er hat die ganze Zeit meinem Mann nachgestellt mit irgendeiner verrückten Geschäftsidee, in die Walter investieren sollte. Der Typ war ein richtiger Spinner. Wie war doch gleich sein Name? … ähm,… Mulch oder so ähnlich.“

„Meinen Sie etwa George Edward Mulch?“ fragte Laura ahnungsvoll.

„Ja, genau. Das war´s. Und… warten Sie… nachdem Walter ihn mehrmals einfach stehen gelassen hatte, ging dieser komische kleine Kerl auf Sie zu. Ja, als ob er Sie kennen würde…“ fuhr Mrs. Donovan fort.

„Das ist gut möglich. Bei aller Bescheidenheit: So ein berühmter Detektiv wie ich wird schon mal in der Öffentlichkeit erkannt.“ gab Remy verlegen zu.

„Ja, das kann ich mir vorstellen“, erwiderte Mrs. Donovan mit einem koketten Lächeln, was Laura überhaupt nicht geistreich fand.

„Na, wie auch immer“, erzählte die Frau weiter, „Er hat noch eine ganze Weile mit Ihnen geredet und auf einmal war er verschwunden. Niemand hat ihn vermisst, deshalb weiß ich nicht, wo er abgeblieben ist.“

„Noch eine letzte Frage“, meldete sich Laura zu Wort. „Als wir die Party verließen, wie sind wir… also, mit welchem Auto sind wir da gefahren?“

„Oh, ja, warten Sie. Also, nachdem alle anderen Gäste gegangen waren, luden mein Mann und ich Sie noch zu einem letzten Glas ein. Nur haben wir uns alle so gut verstanden, dass aus dem Glas ein paar Flaschen wurden. Na ja, zum Fahren waren Sie zu betrunken, also hat Arthur Sie in unserer Limousine nach Hause gebracht. Sie beide waren wirklich mächtig betrunken, wenn ich das so sagen darf.“

„Tja, Sie haben uns sehr geholfen, Mrs. Donovan“, meinte Remy und verabschiedete sich auf charmanteste Weise von der Dame des Hauses. „Kommen Sie, Miss Holt, wir müssen weiter auf unserem glorreichen Weg zur Wahrheit.“, wandte er sich an Laura, die sich nach dieser Bemerkung seinerseits fragte, ob er jetzt vollends den Verstand verloren hatte.

 

Teil 8

 

In der Auffahrt der Donovan-Villa fragte Laura: „Sag mal, was sollte denn dieser geschraubte Satz da vorhin, beim Abschied?“

„Och nichts, mir war nur danach. Aber jetzt statten wir einem alten Freund einen Besuch ab.“

Sie fuhren zu G.E.Ms Büro. Der war jedoch nicht anwesend.

„Hätte mich auch gewundert“, meinte Laura schnippisch.

Allerdings fand Remy etwas sehr Interessantes auf Mulchs Schreibtisch. „Sieh dir das hier mal an, Laura. Mulchs neuestes Geschäftskonzept: Straßenkarten zu den Häusern der Hollywood-Stars“

„Und was, bitteschön, soll daran neu sein? Die gibt´s doch schon ewig.“ fragte Laura skeptisch.

„Dass die Karten nicht von irgendjemandem, sondern von den Stars selber verkauft werden sollen.“ antwortete Remy kopfschüttelnd. „Der Mensch hat Ideen…“

„Und wie will er die Stars dazu kriegen, sich auf die Straße zu stellen und sich zum Affen zu machen?“ Laura wurde zusehends skeptischer. „Der hat doch ´nen Knall. Zuerst diese Briefe an die 3 Schauspieler, weißt du noch? Und danach die Puppe ohne Zubehör, ganz zu schweigen von den Remington-Steele-Agenturen, die er überall eröffnen wollte. Und jetzt das hier… als Krönung obendrauf. Wer steht denn auf der Liste der glücklichen VIPs?“ Sie nahm einen Zettel vom Schreibtisch, auf dem die Namen und Adressen verschiedener Schauspieler standen und las: „Mel Gibson, Michael Caine, Demi Moore, Uma Thurman, Pierce Brosnan…“

„Pierce Brosnan? Echt? Wow! Den wollte ich schon immer mal kennenlernen.“ Remys Augen leuchteten vor Begeisterung.

„Und ich wollte schon immer mal mit Mel Gibson reden.“ beschloss Laura.

„OK, also: Auf dann.“

Die beiden machten sich also getrennt auf den Weg nach Hollywood.

 

Teil 9

 

Als Remy an der Haustür seines zweitliebsten Schauspielers stand (Cary Grant war Nummer 1), rückte er noch mal seine Sonnenbrille zurecht und drückte auf den Klingelknopf. Eine Frau mit langen, dunklen Haaren öffnete die Tür. Bevor sie etwas sagen konnte, legte Remy los: „Guten Tag, Ma´am. Bitte verzeihen Sie die Störung, Gnädigste, aber ich würde gerne mit Mr. Brosnan sprechen.“ Dabei war er so charmant wie nur irgend möglich. Die Frau, sie schien die Ehefrau des Stars zu sein, antwortete jedoch nur lapidar: „Also, wirklich, Pierce. Findest du das etwa komisch?“

„Bitte, wie meinen?“ fragte Remy verblüfft.

„Komm schon. Hör endlich auf, diesen Privatdetektiv zu imitieren, den du in dieser albernen Fernsehserie gespielt hast.“

„Werte Lady, ich bin ein echter Privatdetektiv. Mein Name ist Remington Steele. Hier, mein Pass und meine Lizenz.“ konterte Remy und zeigte der Frau seine Papiere.

Diese fiel aus allen Wolken: „Oh, bitte, verzeihen Sie, Mr. Steele, aber Sie sehen meinem Mann sehr ähnlich. Und, wissen Sie, um mich zu ärgern, spielt er manchmal seine Rollen nach.“ entschuldigte sich die Frau beschämt.

„Schon gut, Gnädigste. Aber könnte ich jetzt bitte Ihren Mann sprechen?“

„Oh, das tut mir furchtbar leid. Er ist momentan nicht zu Hause, sondern bei Dreharbeiten in den MGM Studios.“

„Ah, meinen herzlichsten Dank, Ma´am. Auf Wiedersehen.“ verabschiedete Remy sich. Als er wieder in seinem Auburn saß, betrachtete er sich im Spiegel. Er dachte nur: „Ich seh doch nicht aus wie PB. Ts! Die Gute scheint Schwierigkeiten mit der kalifornischen Sonne zu haben.“ Dann machte er sich auf den Weg zu den MGM Studios. „Wie komm ich da bloß rein?“ grübelte er.

 

Teil 10

 

An der Einfahrt zu den MGM Studios angekommen, begrüßte ihn der Security-Typ: „Ah, hallo, Mr. Brosnan. Schöner Tag heute, nicht? Wie geht´s Ihrer Frau und den Kindern?“

Remy fackelte nicht lange, sondern log: „Danke, sehr gut. Ich hoffe, das Wetter bleibt so.“

„Einen Moment, Sir, ich öffne nur schnell das Tor.“

„Vielen Dank“, meinte Remy noch, und ehe er sich recht besonnen hatte, war er drinnen. „Das war ja leicht. Ich wette, das liegt an der Sonnenbrille, dass alle mich für PB halten. Na ja, es gibt Schlimmeres.“, dachte er so bei sich. Er stieg aus seinem geparkten Auto und hatte gerade erst ein paar Schritte zurückgelegt, als er – in seine Hollywood-Träume versunken – mit einem Mann zusammenstieß, der daraufhin den riesigen Stapel Bewerbungsunterlagen verschiedener Schauspieler, den er trug, fallen ließ. Der Mann hatte in etwa Remys Statur, dunkle Haare mit ein paar grauen Strähnen und blaue Augen.

„Oh, bitte, entschuldigen Sie vielmals. Das ist mir äußerst peinlich“, stammelte Remy.

„Schon gut, nichts passiert“, meinte der andere leicht gereizt. Remy wollte dem Mann dabei helfen, seine Akten wieder aufzuheben, als er bemerkte, wen er da vor sich hatte. Schüchtern meinte er: „Ähm… bitte entschuldigen Sie, sind Sie nicht Pierce Brosnan?“

„Ja, ich kann´s nicht leugnen“, antwortete der kurz angebunden. „Wenn Sie wegen der Rolle kommen…“ Da erst sah sich der Schauspieler den Typen an, der ihn fast umgeworfen hätte und meinte vollkommen erstaunt: „Jesus, Maria und Joseph!“

„Nein, eigentlich ist mein Name Remington Steele.“ stammelte dieser nervös.

„Das ist einfach unglaublich. Diese Ähnlichkeit! Und Humor haben Sie auch noch. Nein, kein weiteres Wort mehr. Sie haben die Rolle.“

„Wer? Was? Ich? Welche Rolle? Oh, nein, nein, nein. Sie müssen da was verwechseln. Ich bin kein Schauspieler“, meinte Remy, mehr als nur verdutzt.

„Ach, Blödsinn! Das ist nur Lampenfieber. Geht uns allen so.“

„Nein, Sie missverstehen mich. Ich bin nicht hier wegen einer Rolle. Ich muss mit Ihnen über etwas ganz Anderes reden. Ich bin nämlich Privatdetektiv.“

„Sind Sie ganz sicher, dass Sie nicht wegen der Rolle hier sind?“ fragte PB enttäuscht. „Sie wären perfekt gewesen.“

„Tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen, Mr. Brosnan. Ich bin nämlich ein großer Fan Ihrer Filme.“ An dieser Stelle versank Remy in einem endlosen Vortrag über PBs Filmographie. Er riskierte, wieder in seinen Kinoträumen zu landen.

„Ah, ja, danke. Aber was wollen Sie dann von mir?“

„Ich muss mit Ihnen über einen Mann namens George Edward Mulch reden.“

„Was? Der Penner? Setzt der jetzt schon einen Privatdetektiv auf mich an? Hören Sie, Mr… äh, Verzeihung, ich hab Ihren Namen nicht verstanden…“

„Steele!“

„Ja, Mr. Steele, richtig. Also, ich weiß nicht, was dieser Idiot Ihnen erzählt hat, aber wenn er nicht damit aufhört, mir und meiner Familie nachzustellen, bieg ich ihm seine hässliche Kartoffelnase zurecht. Das können Sie ihm ruhig zuflüstern. Hab ich mich klar genug ausgedrückt?“

„Ähm… stotterte Remy, „ich bin nicht in seinem Auftrag hier. Wissen Sie, die Sache ist die…“

„Moment mal, junger Freund. Das scheint sich hier zu einer längeren Geschichte zu entwickeln. Was halten Sie davon, wenn wir in die Cafeteria da drüben gehen und das bei einem schönen Guinness besprechen?“

„Äh, OK…“ stotterte Remy. Er schwebte auf Wolke 7 bei der Vorstellung, mit einem seiner Lieblingsschauspieler was trinken zu gehen.

 

Teil 11

 

„Also, junger Freund, Sie sind wirklich ein echter Privatdetektiv?“ fragte PB fasziniert auf dem Weg zur Cafeteria. „Ich hab nämlich mal einen gespielt. In einer Fernsehserie, wissen Sie? Aber das ist mittlerweile 20 Jahre her. Das ist übrigens auch die Serie, die jetzt verfilmt werden soll und ich dachte halt, na ja, dass Sie ein Schauspieler wären, der sich für meine damalige Rolle bewerben will.“

„Nun, ich muss zu meiner Schande eingestehen, dass ich mich nicht besonders für TV-Serien interessiere. Ich gehe lieber ins Kino.“, stammelte Remy verlegen.

In der Cafeteria fuhr er dann fort: „Also, was diesen Mulch angeht…“ Und dann erzählte er von ihrer Suche nach der Limo und von G.E.M.s verrückter Geschäftsidee. Als er mit seinem Bericht fertig war, meinte PB dazu nur: „Dann kennen Sie den Penner also?“

„Äh, nun… mehr oder weniger…“ gab Remy zu.

„Gut, dann können Sie ihn mir vielleicht vom Hals schaffen. Nicht genug damit, dass er mich im Studio mit diesen Landkarten da nervt. Er hat auch schon versucht, in meine Villa einzudringen und meine Frau kann nicht mal mehr in Ruhe einkaufen gehen, ohne von dem Typen belästigt zu werden. Keiner meiner Fans war je so aufdringlich.“

Eine Kellnerin trat auf die beiden zu und fragte verwirrt: „Verzeihung, wer von Ihnen ist Mr. Steele?“

„Das bin ich“, antwortete Remy.

„Draußen vor der Einfahrt zum Studiogelände steht eine junge Dame und behauptet, Sie zu kennen. Ihr Name ist Laura Holt oder so.“

„Ah ja, das ist meine Assistentin. Ich komme gleich.“ Er entschuldigte sich bei PB und ging zum Security-Typen, um das Missverständnis zu beseitigen.


 

Teil 12

 

Remy hatte den Gorilla gerade soweit, ihm zu glauben, als PB ihm nachrief: „Warten Sie, Mr. Steele. Mir ist gerade eingefallen, dass Sie mir noch behilflich sein könnten. Ich hab nämlich noch ein Problem. Und zwar geschehen am Set zu meinem aktuellen Film lauter mysteriöse Dinge.“ Und dann fing er an zu erzählen: von Scheinwerfern, die von der Decke krachten, Pistolen, die unerklärlicherweise mit echter Munition geladen waren, einem anderen Schauspieler, der sich beinahe das Genick gebrochen hätte, explodierenden Kameras usw…

„Na schön, da ich gerade hier bin, kann ich ja mit meiner Assistentin, Miss Holt, da mal nachsehen.“

„Oh, danke vielmals. Gehen Sie zu Stage 8, da hinten rechts. Ich muss jetzt leider los und kann Sie nicht begleiten. Viel Glück!“

„Ja, danke!“ stotterte Remy noch und die beiden Detektive gingen zum Tatort. Unterwegs fragte Remy Laura: „Und, wie war´s bei Mel Gibson?“

„Pustekuchen!“ antwortete sie enttäuscht. „Der war überhaupt nicht da. Ist angeblich bei Dreharbeiten in Schottland. Aber ich wette, du hast dich köstlich amüsiert.“ meinte Laura nicht ohne Neid.

„Ja, doch, schon“ nuschelte Remy verträumt. „Sag mal, Laura, findest du auch, dass ich aussehe wie Pierce Brosnan?“

„Du meinst doch den von gerade eben, oder?“ Sie betrachtete ihren Mr. Steele etwas genauer von oben bis unten und meinte schließlich: „Nein, kein Stück. Wie kommst du denn darauf?“

„Och, nur so.“ entgegnete Remy.

„Also so was, früher hast du dich immer für Cary Grant gehalten. Ist das jetzt was Neues, oder wie?“ fragte Laura weiter.

„Nein, nein. Vergiss es ganz einfach.“

 

Teil 13

 

Mittlerweile waren Laura und Remy bei Stage 8 angekommen. Sie gingen hinein. Momentan wurde nicht gedreht. Es gab nur Kostümproben, jede Menge Handwerksleute, die die Sets aufbauten und Steven Spielberg, der Regisseur, der sich gerade mit zwei seiner Hauptdarsteller, Denis Leary und Rene Russo, unterhielt.

Die beiden Detektive gingen auf die 3 Promis zu.

Steven Spielberg herrschte Remy sofort an: „Hi, Pierce! Wie schön, dass du auch noch auftauchst. Und wie ich sehe, hast du die kleine Stuntmaus für Rene gleich mitgebracht.“

„Wie bitte?“ fragte Remy verdutzt und Laura sah ihn nur verärgert an.

„Was heißt hier „Wie bitte?“. Du kommst auch nur, wenn du Lust hast, wie? Mach nur so weiter, es gibt genügend andere Schauspieler, die liebend gern deinen Part übernehmen würden. Ich bräuchte nur Harrison anzurufen. In 5 Minuten wär er hier und könnte anfangen.“

„Ich fürchte, hier liegt ein kleiner Irrtum vor. Ich bin Remington Steele, Privatdetektiv, und das ist meine Assistentin, Miss Holt. Wir sind damit beauftragt worden, die geheimnisvollen „Unfälle“ etwas näher zu untersuchen.“ Er zeigte dem Regisseur ebenfalls seine Papiere. Der war paff und stammelte eine Entschuldigung. Dann meinte er noch zu Denis Leary und Rene Russo: „Sagt mal, findet ihr beiden nicht auch, dass der Gentleman hier genauso aussieht wie Pierce?“

„Ja, es ist unglaublich!“ und „Eher schon unheimlich!“ waren die Reaktionen der beiden.

„Nehmen Sie doch mal bitte diese Sonnenbrille da ab.“, bat Spielberg, was Remy denn auch arglos tat. War ja nichts dabei.

Bei dem Anblick jedoch glotzten die 3 Stars ihn nur blöde an und Rene Russo meinte: „Ich fass es nicht! Blaue Augen hat der Kerl auch noch!“

„Hätten Sie nicht eventuell Lust, in meinem nächsten Film mitzuspielen?“ fragte Spielberg Remy.

„Ähm… tut mir sehr leid, aber ich habe keinerlei schauspielerisches Talent, obwohl ich die Kunst des Filmemachens äußerst bewundernswert finde.“

„Schade“, bedauerte Steven Spielberg, „aus Ihnen hätte der nächste Cary Grant werden können. Wenn ich das erst George erzähle. Der wird mir das nie glauben.“

Laura hatte so langsam genug davon und fuhr barsch dazwischen: „Könnten Sie uns eventuell Näheres über diese Zwischenfälle hier erzählen?“

„Ah, ja, kein Problem! Deswegen sind Sie ja hier. Dann kommen Sie mit, ich führe Sie durchs Studio.“ Er zeigte den beiden alle Sets, die Garderoben und welcher Scheinwerfer sich nicht mit der Schwerkraft verstanden hatte. Am Ende der Tour sagte er: „Warten Sie mal einen Moment! Hey, George! Komm mal hierher!“

George Lucas kam heran und sagte: „Ja, was gibt´s denn?“

„Sieh dir doch mal den Kerl hier an!“ entgegnete Spielberg und zeigte auf Remy.

„Och, Mann, Steve, du nervst. Ich weiß, dass Pierce Brosnan in deinem Film mitspielt. Du hast es mir schon hundertmal erzählt.“

„Nein, das hier ist nicht Pierce.“

„Du machst Witze. Wow! Das ist echt abgefahren!“

„Es tut uns sehr leid“, fuhr Laura wieder dazwischen, „aber wir müssen uns jetzt von Ihnen verabschieden. Wir versuchen, Sie so schnell wie möglich von diesen Zwischenfällen zu befreien.“

 

Teil 14

 

Als die beiden aus dem Studiogelände kamen, meinte Laura: „Diese Hollywood-Typen haben doch alle einen an der Waffel. Halten ausgerechnet dich für Pierce Brosnan. Du siehst dem nicht mal annähernd ähnlich.“

„Tja, wie du siehst, anscheinend doch.“ grinste Remy selbstzufrieden. Wenigstens, so dachte er, hat sie nicht die Reaktion von Mrs. Brosnan gesehen. In diesem Moment sah er auf der anderen Straßenseite Fred, den Chauffeur. Laura und Remy wollten zu ihm, um ihn  zur Rede zu stellen. Doch als Fred die beiden entdeckte, machte er ´ne Fliege. Also rannten unsere beiden Spürnasen ihm nach. Sie verfolgten ihn über den „Walk of Fame“ und ins „Chinese Theater“, wo gerade „The Matador“ (Pierce Brosnan, Greg Kinnear, Irish Dreamtime, 2005) lief. Als sie über die Bühne vor der Leinwand rannten, klatschte das Publikum begeistert, in der Meinung, den Hauptdarsteller des Films in Fleisch und Blut vor sich zu haben. Remy grinste einmal kurz in die Menge, und dann rannten die beiden auch schon weiter. Sie verließen das Kino durch die Hintertür und schlussendlich erwischten sie Fred im Hinterhof des „Chinese Theaters“.

„So, Freundchen, jetzt erklärst du uns mal, was das Ganze zu bedeuten hat.“ forderte Remy, während er den Chauffeur am Kragen festhielt.

„Schon gut, Mr. Steele, ich erklär Ihnen alles, was Sie wissen wollen. Aber bitte, verprügeln Sie mich nicht.“ winselte Fred.

„Na gut. Und keine krummen Tricks, ok?“ warnte Remy ihn, bevor er ihn losließ.

 

Teil 15

 

„Also, Sie kennen ja diesen G.E.M.?“ fragte Fred.

„Ja, tun wir. Kommen Sie zum Punkt!“ drängte Remy.

„OK, er ist ein Schwager oder so was von einem guten Freund von mir: Max, er arbeitet als Butler und Chauffeur für die Harts. Sie wissen schon: Jonathan Hart, der Industrielle und seine Frau Jennifer. Und dieser G.E.M hat ernste Schwierigkeiten, denn halb Hollywood hat ihm die Polizei an die Fersen geheftet. Diese ganzen Unfälle beim Dreh sind nämlich ihm zu verdanken. Er wollte das als Druckmittel benutzen, um die ganzen Filmstars dazu zu bringen, bei irgend so einer bekloppten Geschäftsidee zu investieren. Aber Sie müssen mir glauben, darüber weiß ich nichts.“

„Gut“, stöhnte Remy, „und was hat das mit Ihnen zu tun?“

„Also, Mulch musste verschwinden und da hat Max mich gebeten, ob ich den Kerl nicht nach Mexiko bringen könnte. Er selber konnte es nicht tun, weil er nicht so einfach wegbleiben kann. Und da hab ich gedacht, weil Sie mich doch gestern Abend sowieso nicht mehr gebraucht hätten, hätte ich schnell diesen G.E.M. über die Grenze schmuggeln können.“

„Oh, nein“, seufzte Laura, „aber wieso dieser ganze Aufwand und vor allem: Wo ist die Limo?“

„Tja, nun“, murmelte Fred, „als ich gestern Abend dann zu Mulchs Wohnung fuhr, fand ich dort seine Leiche. Und die Polente war schon im Anmarsch. Ich wusste, wenn die mich da mit der Leiche erwischen würden, käm ich als Mörder auf den elektrischen Stuhl. Aber ich schwör´s Ihnen: Ich hab ihn nicht kaltgestellt.“

„Na schön. Und weiter?“ fragte Remy ungeduldig.

„Ja, also“, fuhr Fred fort, „ich hab dann Mulchs Leiche in die Limo verfrachtet, bin über die Grenze und hab die Karre samt Leiche in ´nem mexikanischen Moor versenkt. Die findet so schnell niemand. He He.“

Diesmal packte Laura Fred am Kragen und schrie ihn an: „Sie haben was? Ticken Sie noch ganz richtig?! Das gibt´s ja nicht. Versenkt der eine 200.000$-Limo, ohne mit der Wimper zu zucken.“

„Icy calm, Miss Holt, icy calm! Ich bin sicher, dass es Fred sehr Leid tut und dass er den Schaden ersetzen wird“, beruhigte Remington sie und sorgte dafür, dass sie den Chauffeur losließ. „Nicht wahr, Fred?“ zwinkerte Remy ihm zu.

„Selbstverständlich, Mr. Steele. Ach, übrigens, zur Sicherheit hab ich die Kfz-Kennzeichen vom Wagen entfernt.“

„Gute Idee.“, lobte Remy.

„Na, ich wollte eben nicht, dass Sie deswegen Ärger kriegen.“

„Danke, Fred, aber das klärt noch nicht, wer denn nun der Mörder von G.E.M. ist.“ fügte Laura hinzu.

 

Teil 16

 

Wenig später durchsuchten Laura und Remy erneut Mulchs Büro. Zunächst erfolglos. Doch dann bemerkte Remy das blinkende, rote Lämpchen auf dem Anrufbeantworter. Er drückte den Play-Knopf, um die Nachricht abzuhören. Eine männliche Stimme zischte ins Telefon: „Mulch, Sie schmieriges, kleines Wiesel. Wenn Sie mir nicht sofort die 50.000$ zurückerstatten, die ich in Ihre blödsinnige Idee da gesteckt habe, leg ich Sie um. Das ist kein Scherz.“

„Tja, wieder einer mehr auf der Liste von Mulchs Freunden.“ meinte Laura sarkastisch. „Allerdings, die Stimme kommt mir bekannt vor…“ überlegte sie laut.

„Charade“, platzte Remy hervor.

„Ach, das ist jetzt nicht die richtige Zeit für Spiele.“, antwortete Laura gereizt.

„Universal, 1963. In einer Szene sagt Audrey Hepburn zu Cary Grant, dass sie die Leiche ihres Mannes gesehen hat, er also wirklich tot ist. G.E.M. ist nicht ermordet worden. Das war seine Stimme auf dem AB. Er hat das Ganze bloß inszeniert, um ungehindert seinen Geschäften nachzugehen. Dann würde ihn auch niemand mehr all der Zwischenfälle in den Filmstudios verdächtigen, die er verursacht hat.“

Just in diesem Moment öffnete G.E.M. fröhlich pfeifend die Tür. Als er die beiden sah, schickte er sich jedoch erschrocken an, so schnell wie möglich zu flüchten. Laura und Remy blieb es nicht erspart, ihn zu verfolgen. Doch G.E.M. war nicht besonders flink. Schnell hatten sie ihn auf dem Flur eingeholt. An der obersten Stufe hechtete Remy auf ihn zu, um ihn aufzuhalten. Dabei purzelten die beiden Männer die Treppe runter.

„Remy!“ rief Laura erschrocken und rannte nach unten.

G.E.M. stöhnte laut auf: „Also schön, Sie haben mich erwischt. Ich geb´s ja zu. Ich hab all diese sogenannten Unfälle verursacht. Aber ich wollte nie jemandem wehtun, das müssen Sie mir glauben.“

Remy biss vor Schmerzen die Zähne zusammen. Er hatte sich beim Sturz das linke Bein gebrochen und winselte nur leise: „Ob wollen oder nicht, ist mir im Moment egal.“

Laura eilte zurück in Mulchs Büro, um einen Krankenwagen zu rufen. Währenddessen erzählte G.E.M. weiter: „Also, ich hab meinen Tod inszeniert. Der ganze Blödsinn mit meiner Flucht nach Mexiko.“

„Und…wer…war…die…Leiche?“ stöhnte Remy.

„Ach, das. Keine Ahnung. Ich kann doch niemanden umbringen, das müssten Sie doch wissen. Also hab ich einen Toten aus dem Leichenschauhaus geklaut und ihn in mein Büro geschleppt. Der Typ hatte keine Familie oder Freunde. Ich hatte mich vorher darüber schlau gemacht.“

„Das können Sie morgen alles dem Richter erzählen“, entgegnete Laura, die mittlerweile zurückgekommen war. Dann kniete sie sich auf den Boden neben Remy und flüsterte: Keine Sorge, der Rettungswagen ist schon unterwegs.“

„Gut“, stöhnte er noch und verlor das Bewusstsein.

 

Teil 17

 

Drei Tage später. Remy lag mit Gipsbein zu Hause im Bett und schaute fern. Da kam Laura gutgelaunt rein: „Armer Mr. Steele, geht es dir schon etwas besser?“

„Wenn ich dich sehe, immer.“

„Guck mal, was ich dir mitgebracht habe.“ Sie hielt eine Plastiktüte in der Hand und verkündete: „Lauter Filme mit diesem Pierre… Pierce…ähm, na, du weißt schon.“

„Schön. Willst du mir nicht Gesellschaft leisten und wenigstens einen dieser Filme mitgucken? Da G.E.M. jetzt für die nächsten 6 Monate hinter Gittern ist, und sonst keine Fälle anstehen, hast du doch Zeit.“, grinste er sie verführerisch an.

„Na gut, wenn du meinst. Welchen Film sollen wir denn zuerst gucken?“

„Wie wär´s mit dem hier: „Aus der Wiege gerissen“. Den kenn ich noch gar nicht.“

„OK“, stimmte Laura zu und legte die DVD ein.

Nach dem Film meinte Laura: „Weißt du, dieser… Pierce Brosnan oder wie der da heißt…“

„Ja“, antwortete Remy erwartungsvoll.

„Also, ich kann mir nicht helfen, aber der sieht dir wirklich kein bisschen ähnlich. Aber auch nicht die geringste Spur.“ meinte Laura nachdenklich. „Er ist auch viel charmanter als du, obwohl er sich zum Schluss als Psychopath entpuppt.“, schwärmte sie weiter, worauf Remy nur ein kurzes und enttäuschtes „Oh!“ von sich gab.

„Tja, man kann eben nicht alles haben“, folgerte Laura und ging in die Küche, um für Remy eine Hühnerbrühe zu kochen.

 

© 07.05.2006 by MajorPetrofsky

Hosted by www.Geocities.ws

1