STEELE REPLACED

 

Teil 1

Remy und Mildred waren einen Tag früher als vorgesehen aus ihrem gemeinsamen Ski-Urlaub zurückgekehrt. Der Detektiv hatte mit seiner Sekretärin verreisen müssen, da Laura sich bei ihrem letzten Fall den Fuß verstaucht hatte.

Mildred war nun bereits auf dem Weg nach Hause, während Remy in einem Taxi unterwegs in die Agentur war. Er freute sich schon auf Lauras Reaktion, wenn er sie so überraschen würde mit seiner Rückkehr.

Gutgelaunt, wie er war, gab er dem Taxifahrer ein großzügiges Trinkgeld.

Mit seinem Paar Skiern in einer Hand und seiner Reisetasche in der anderen, stieg er pfeifend in den Lift des berühmten Bürogebäudes im Century City Plaza, 2049 Century Park East, LA, CA, 90067.

Zu diesem Zeitpunkt konnte er ja noch nicht ahnen, was heute alles auf ihn zukommen würde.

 

Teil 2

Als er die Suite 1157 des Century City Plaza betrat, blieb er verwundert stehen.

An Mildreds Schreibtisch saß eine neue Sekretärin. Sie hatte lange, rotblonde und gelockte Haare und schien nicht älter als 26 zu sein. Vielleicht war sie ja auch nur eine Urlaubsvertretung.

Vorsichtshalber spähte Remy noch einmal auf die Aufschrift auf der Glastür. Doch, da stand in Großbuchstaben:

„SUITE 1157

REMINGTON STEELE INVESTIGATIONS“

Die neue Sekretärin, sie hieß offenbar Janet, wie Remy nun herausfand, fragte ihn freundlich: „Kann ich Ihnen behilflich sein, Sir?“

„Äh… ach ja… Sie kennen mich noch gar nicht. Ich bin Remington Steele.“

Die Sekretärin beäugte ihn skeptisch: „Ist alles in Ordnung?“

Verwirrt antwortete Remy: „Natürlich!“ Warum hatte er auf einmal bloß so ein ungutes Gefühl? Als ob hier was nicht stimmte. Mutig fuhr er fort: „Könnte ich bitte Miss Holt sprechen?“

„Ja, einen Moment bitte.“ Über die Sprechanlage rief Janet die heimliche Chefin der Detektei.

Remy sah sich noch mal um. Es schien aber alles normal zu sein. Alles sah so aus wie immer.

Da kam Laura auf ihn zu.

„Laura, Schatz, ich bin schon früher gekommen. Freust du dich?“ begrüßte Remy sie überschwänglich.

Laura sah ihn von oben bis unten an, als ob er irgendein widerliches Insekt sei. Schließlich sagte sie: „Wie bitte?! Was wollen Sie?“

„A… aber Laura, was hast du denn? Ich hab nur meinen Urlaub verkürzt, um schnell wieder bei dir zu sein. Ich dachte, es würde dich freuen.“

„Ich muss doch sehr bitten.“ entgegnete sie. „Ich kenne Sie nicht.“

„Ich bin´s doch, dein eiskalter Remy, dein Mr. Steele… Icy calm, Miss Holt, icy calm, klingelts?“ fragte er, verzweifelt lächelnd.

„Sir, ich glaube, Sie sind an der falschen Adresse. Die städtische Nervenheilanstalt befindet sich ein paar Straßen weiter.“

„Laura, du musst mich doch erkennen, mit meinen blauen Augen und meiner geheimnisvollen Vergangenheit…“

„Sir, ich wiederhole es zum letzten Mal: „Ich habe Sie in meinem ganzen Leben noch nie gesehen. Falls das ein Trick sein sollte, um Bekanntschaften zu schließen, würde ich Ihnen dringend raten, Ihre Strategie noch einmal zu überdenken.“

„Ein Trick… Bekanntschaften… Strategie?“ stammelte Remy verständnislos.

„Sie sind nicht Remington Steele.“ erwiderte Laura scharf.

Für Remy fühlte sich das an, als hätte man ihm sein Herz mit einer Kettensäge herausgerissen.

„Mr. Steele ist übrigens in seinem Büro und wird wohl keine Zeit für Ihre Märchen haben. Er ist ein äußerst vielbeschäftigter Mann.“ erklärte sie weiter.

Remy verstand die Welt nicht mehr.

 

Teil 3

Bevor Remy nun irgendwas zu seiner Verteidigung vorbringen konnte, kam ein Fremder aus seinem Büro: „Miss Holt, würden Sie das hier bitte für mich erledigen?“ Damit drückte er ihr einen Aktenordner in die Hand.

„Selbstverständlich, Mr. Steele.“ Mit diesen Worten ging sie wieder in ihr Büro.

Remy betrachtete sich diesen Mr. Steele näher. Dieser war ein hagerer Mann mit kurzen, blonden Haaren und eingefallenem Gesicht.

„Das soll ich sein? Ich meine: Dieser Kerl hat meinen Platz eingenommen?“, dachte Remy so bei sich voller Entsetzen.

Höflich, jedoch nicht herzlich, verabschiedete er sich aus der Detektei und fuhr mit einem Taxi nach Hause. Diesmal gab er dem Fahrer kein großzügiges Trinkgeld. Seine gute Laune war verflogen. Stattdessen versank er in tiefes Grübeln.

Wer waren diese beiden Fremden? Was wollten sie? Und am Wichtigsten: Was hatten sie nur mit seiner geliebten Laura gemacht?

In seiner Wohnung angekommen, kam Remy eine Idee. Er rief Mildred an und bat sie, zu ihm zu kommen. Er musste die Situation mit ihr besprechen. Ihre Hilfe war jetzt unbedingt vonnöten.

 

Teil 4

Mildred hatte sich nach Remys Anruf sofort auf den Weg gemacht. Ihr Boss hatte am Telefon merkwürdig geklungen. Näheres wusste sie nicht, bloß, dass er ihre Hilfe brauchte. Und auf sie würde er sich verlassen können. Zu 100%.

So trat sie also wenig später energisch in Remys Wohnung. „Ich bin hier, Chef, und zu allem bereit.“ verkündete sie bei ihrem Eintritt.

„Bitte, Mildred, setzen Sie sich doch. Möchten Sie was trinken?“

„Nein, danke, Chef.“ lehnte sie ab.

„Mildred, die Lage ist sehr ernst. Zwei Betrüger haben unsere Stellen eingenommen und Miss Holt bemerkt es nicht einmal.“

„Das versteh ich nicht… Das müssen Sie mir näher erklären, Chef.“ entgegnete Mildred verdutzt.

Also erzählte Remy ihr, was ihm vorhin in der Agentur passiert war.

Als er geendet hatte, meinte Mildred schockiert: „Jetzt könnte ich doch einen Drink gebrauchen…“

„Kein Problem“, antwortete Remy und schenkte ihr einen Bourbon aus seiner erlesenen Hausbar ein. Mildred schluckte das Gesöff auf Ex und sagte dann: „Wir müssen unbedingt was unternehmen.“

„Ja, nur, was?“

„Ich habe die Schlüssel zum Büro. Heute nacht gehen wir rein und ich stelle ein paar Nachforschungen im Computer an.“

„Mildred, das ist eine großartige Idee“, lobte er sie. „Dafür haben Sie eine Gehaltserhöhung verdient.“

Mildred winkte verlegen ab und meinte: „Wissen Sie was, Chef? Ich hab Hunger. Sie auch? Ich koche uns was Schönes. Bis heute nacht ist noch lang.“

„Mildred, Sie sind ein Goldstück.“

Teil 5

Um Mitternacht betraten Remy und Mildred das Century City Plaza und schlichen wie zwei Einbrecher in den 11. Stock.

An der Tür zur Detektei mussten sie jedoch zu ihrem Leidwesen feststellen, dass der Schlüssel nicht passte.

„Die haben das Schloss ausgewechselt“, sagte Mildred enttäuscht.

„Keine Sorge, das haben wir gleich…“ erwiderte Remy und nahm ein Stück Draht aus der Innentasche seiner schwarzen Lederjacke. Er fuhrwerkte damit solange am Schloss herum, bis die beiden das Büro problemlos betreten konnten.

Dort schaltete Mildred eilig den PC an, während Remy Schmiere stand. Doch hier erwartete sie das zweite Hindernis: Alle Passwörter waren geändert worden.

„Oh nein, nicht doooch…“ stöhnte Remy verzweifelt.

„Keine Bange, Chef, ich kann die knacken, aber das dauert ein bisschen.“

„Gut.“

Als Mildred die einzelnen Codes gerade geknackt hatte, zischte Remy: „Auf den Boden! Schnell! Der Nachtwächter!“

Mildred verkroch sich unter ihrem Schreibtisch und Remy versteckte sich hinter dem Gummibaum, der da als Deko stand.

Der Nachtwächter leuchtete mit seiner Taschenlampe durch die Glastür.

Remy und Mildred erschien das wie eine Ewigkeit.

Dann, endlich, setzte der Wachmann seine Runde fort.

Die beiden „Einbrecher“ atmeten erleichtert auf und Mildred setzte ihre Recherchen fort.

 

Teil 6

Währenddessen durchsuchte Remy seinen Schreibtisch.

Wider Erwarten waren nicht alle Schubladen leer.

Er fand ein Schreiben, das er im Schein seiner Taschenlampe studierte. Auf dem ersten Blatt stand als Überschrift: „KAUFVERTRAG“.

Offensichtlich handelte es sich hier um ein feindliches Übernahmeangebot für „seine“ Agentur durch eine andere Detektei. Der Kaufpreis lag bei 20.000$.

Er steckte den Wisch schnell ein und ging wieder zu Mildred.

 

Teil 7

Die hatte in der Zwischenzeit durch Zeitungsausschnitte auf ihrem Schreibtisch herausgefunden, dass die Remington-Steele-Detektei während ihrer beider Abwesenheit mehrere große Fälle unzweifelhaft in den Sand gesetzt hatte. Bei jedem Artikel war ein Foto, auf dem der falsche Remington zu sehen war.

Sie steckte die Ausschnitte schnell in ihre Handtasche. Dann schaltete sie noch schnell den Computer aus und schon waren die beiden verschwunden.

 

Teil 8

Zurück in Remys Wohnung versuchte Mildred, zu kombinieren. „Wie kann das sein, dass Miss Holt einen anderen Mr. Steele anheuert und dann auch noch alle Fälle vergeigt?“

„Ganz einfach, Mildred. Sehen Sie sich das hier mal an und dann sagen Sie mir, was Sie davon halten.“ Er gab ihr den Kaufvertrag.

Als sie ihn fertig gelesen hatte, meinte sie entsetzt: „Glauben Sie wirklich, dass Miss Holt darauf eingeht?“

„Ich hoffe nicht, aber: Den Vertrag muss Remington Steele unterzeichnen. Und da kommt dann wohl mein „Ersatzmann“ ins Spiel.“

„Aber dieser Kaufpreis… der ist doch viel zu niedrig…“ lenkte Mildred nachdenklich ein.

„Darum die vergeigten Fälle, wie Sie sich ausdrücken. Unsere Detektei soll ruiniert werden, damit wir verkaufen müssen… für ein Butterbrot praktisch.“

„Was wollen Sie nun tun?“ fragte Mildred ratlos.

„Ich muss mit Miss Holt sprechen. Wären Sie so lieb, hier auf mich zu warten, während ich versuche, sie hierher zu bringen? Es wird nicht lange dauern.“

„Na gut, wenn Sie meinen…“ entgegnete sie skeptisch.

Augenscheinlich hatte ihr Chef nichts Gutes im Sinn.

 

Teil 9

Laura lag im Bett und schlief tief und fest. Sie hörte nicht, dass jemand in ihrer Wohnung herumschlich. So konnte sie sich auch nicht mehr lange wehren, als sie von hinten gepackt und ihr ein mit Äther getränktes Stück Watte auf Mund und Nase gepresst wurde. Sie versuchte noch, um sich zu schlagen, aber es war zwecklos. Binnen weniger Sekunden verlor sie das Bewusstsein.

„Tut mir leid, liebste Laura, aber es muss sein“, flüsterte Remy entschuldigend. Er steckte das Stück Watte in seine Jackentasche, um keine Spuren zu hinterlassen. Dann hob er die schlafende Detektivin auf seine Schulter und schleppte sie ins Auto.

 

Teil 10

Remy schleppte Laura durch die Hintertür des Hauses herein, da er aus bekannten Gründen nicht gesehen werden wollte.

Mildred öffnete ihm die Tür. Erstaunt stotterte sie: „Chef, was… äh… soll das denn?“

„Keine Angst, Mildred, das erfahren Sie gleich.“ antwortete er und legte Laura behutsam auf die Couch. Er setzte sich neben sie und schüttelte sie sanft, um sie aufzuwecken.

„Was?… Wo?“ murmelte sie und als sie wieder ganz zu sich gekommen war, fuhr sie erschreckt hoch und schrie hysterisch: „Sie? Kommen Sie mir nicht zu nahe!“

„Laura, Liebste, erkennst du mich denn wirklich nicht mehr? Und was ist mit Mildred? Kennst du sie denn auch nicht mehr?“

„Wer ist Mildred? Ihre Komplizin?“

Da meldete sich die Sekretärin entsetzt: „Miss Holt, was haben Sie denn? Sie müssen doch wissen, wer ich bin.“

Laura kriegte es langsam mit der Angst zu tun. Sie wurde ihrer Ansicht nach hier von zwei Beknackten gefangen gehalten. Aber: Irgendwas an dieser Wohnung rief ganz vage Erinnerungen in ihr hervor. Sie konnte nur nicht genau feststellen, was. Trotzdem keifte sie: „Bleiben Sie bloß von mir weg. Ich kann Sie im Handumdrehen auf den Rücken legen, Mister.“

Remy schüttelte sie verzweifelt: „Weißt du denn gar nicht mehr, wer ich bin?“

Laura kriegte einen Hauch von seinem Aftershave in ihre Nase. Wieder glaubte sie, sich an etwas zu erinnern, doch sie verwarf diesen Gedanken schnell wieder. Barsch antwortete sie: „Nein! Ich kenne Sie nicht. Und falls Sie mich vergewaltigen wollen, vergessen Sie´s. Ich habe den schwarzen Gürtel in Karate.“

Die Lage war aussichtslos. Jetzt hielt sie Remy auch noch für einen Perversen. Er sah nur noch eine Möglichkeit. Hoffentlich würde das dann funktionieren…

 

Teil 11

Remy sah Hilfe suchend auf Mildred. Die wusste auch nicht mehr weiter.

„Bitte, verzeih mir, Laura“. meinte er reuevoll und haute ihr eine runter, die sich gewaschen hatte. Er hatte das nur äußerst ungern getan, aber sie hatte ihm keine andere Wahl gelassen.

„Au!“ schrie Laura auf und hielt sich die Wange, auf der Remys fünf Finger abgezeichnet waren. „Sag mal, Remy, hast du sie noch alle?“ schrie sie ihn sauer an.

„Wie hast du mich genannt?“ fragte er bloß ungläubig.

Sie erwiderte genervt: „Remy. So hab ich dich doch schon immer genannt.“

Remy umarmte sie liebevoll und stammelte nur: „Laura… meine Laura… endlich bist du wieder normal.“

„Was heißt denn hier: wieder normal? War ich früher denn verrückt oder was?“ entgegnete sie verständnislos.

Remy und Mildred erklärten ihr in kurzen Worten die Situation.

Wie´s aussah, hatte Laura vor knapp einer Woche, kurz nach Remys und Mildreds Abfahrt, eine gründliche Gehirnwäsche verpasst bekommen.

Remy zeigte ihr den Vertrag, den er in seinem Schreibtisch gefunden hatte.

Sie las ihn voller Fassungslosigkeit durch. „Das müssen wir verhindern“, stellte sie schließlich fest.

„Ja, aber wie?“ fragte Mildred ratlos.

„Ich habe eine Idee, aber dafür brauche ich euch beide…“ warf Remy ein.

Mildred war sofort Feuer und Flamme, noch bevor sie den Plan überhaupt gehört hatte. Wenn es um die Agentur ging, würde sie ohnehin alles tun.

Laut Vertrag war das Verkaufsdatum schon auf den folgenden Tag festgelegt. Mit anderen Worten: Ihnen blieben nur noch wenige Stunden. Es galt nun also, keine Zeit mehr zu verlieren.

 

Teil 12

Am nächsten Morgen um 8.00 Uhr in der Remington-Steele-Detektei.

Remy fragte Laura und Mildred: „Also, ihr wisst, was zu tun ist?“

„Ja, keine Sorge, Chef.“ antwortete Mildred tatkräftig.

„Gut“, meinte Remy. Er verzog sich nun in sein Büro, während Laura und Mildred sich in Miss Holts Büro verschanzten.

Eine halbe Stunde später erschien auch schon der Ersatz-Remington und spazierte schnurstracks auf „sein“ Büro zu.

Remy saß mit dem Rücken zur Tür in seinem hohen Ledersessel.

Als der Fremde nun hereinkam, drehte Remy sich langsam mit dem Stuhl um.

„Sie? Was tun Sie denn hier?“ fragte der Blonde unverfroren.

„Was ich hier tue? Ganz einfach: Meinen Platz zurückerobern.“ antwortete Remy arrogant. Dass seine Arroganz nur Mache war, konnte der andere ja nicht ahnen.

„Ich könnte die Polizei rufen.“, drohte der Blonde ihm nun.

Das beeindruckte Remy wenig. Er ging auf den Fremden zu und packte ihn am Kragen: „Werd nicht unverschämt, Bürschchen. Ich hab was gegen Großmäuler.“ Dabei sah er den Betrüger mit seinem berühmten eiskalten Killerblick an.

„Nein… bitte… nicht schlagen…“ stotterte der Fremde nun ängstlich. Seine Unverschämtheit war mit einem Schlag wie weggewischt. „Bitte… ich kann Ihnen alles erklären…“ flehte er weiter.

„Aha. Da bin ich aber mal gespannt. Und wehe, ich krieg Lügenmärchen zu hören. Darauf reagier ich allergisch.“ warnte Remy ihn.

„Würden Sie nur… bitte… mich loslassen? Ich verspreche auch, keine Dummheiten zu machen.“ bettelte der andere weiter.

„Na gut“, meinte Remy skeptisch und lockerte umsichtig seinen Griff.

Der andere zog nun seinen Anzug zurecht und fing an zu erzählen: „Mein Name ist Gilbert Wilder. Ich bin Schauspieler von Beruf. Nur kein besonders erfolgreicher. Leider.“

„Klingt ja rührend“, meinte Remy zynisch.

„Na ja. Und dann bekam ich eines Tages einen Job. Ich sollte für ein paar Tage einen berühmten Privatdetektiv spielen. Man hat mir eine großzügige Gage versprochen und, falls ich meinen Job zufrieden stellend erledige, die Chance, mich in Hollywood zu etablieren. Ich brauchte unbedingt das Geld, also hab ich zugesagt.“

„Ah ja. So weit, so gut. Wer hat Sie engagiert?“

„Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass eine Firma namens Red Sun Investigations mir den Scheck ausgestellt hat. Aber eine Person kann ich Ihnen nicht nennen.“

Remy atmete tief ein. „Na schön. Dann will ich Ihnen das mal glauben. Tut mir leid, dass Ihre Chance auf Hollywood geplatzt ist. Ab jetzt übernehme ich hier wieder das Steuer. Den Rest können Sie mit dem Richter abmachen…“

 

Teil 13

Während Remy sich mit dem erfolglosen Schauspieler unterhalten hatte, hatten Laura und Mildred Janet in Lauras Büro gelockt und dort überwältigt.

Janet saß jetzt völlig aufgelöst in Lauras Drehstuhl.

Laura herrschte sie an: „So, Janet, jetzt klären Sie uns doch mal bitte darüber auf, was hier gespielt wird.“

Ängstlich antwortete die Sekretärin: „Ich weiß nicht, wovon Sie reden.“

„Ach was. Erzähl keine Märchen, Frollein“, meinte Mildred schnippisch.

Laura versuchte es jetzt anders: „Also, zuerst mal: Wer sind Sie?“

„Mein Name ist Janet Colgate. Ich bin Sekretärin. Bis vor kurzem war ich arbeitslos. Da bekam ich das Angebot, hier zu arbeiten. Man bot mir ein beträchtliches Gehalt an. Ich hatte klare Anweisung, nur von einer Person – Remington Steele – Befehle anzunehmen. Man hat mir auch ein Foto des Mannes gezeigt und mich ausdrücklich ermahnt, niemand anderem zuzuhören. Ich fand das zwar etwas merkwürdig, habe mir aber weiter nichts dabei gedacht. Ich war froh, überhaupt wieder eine Stelle zu haben.“

„Aha. Und wer hat sie eingestellt?“

„Eine Firma namens Red Sun Investigations. Nur Personennamen kenne ich keine. Ich habe dort niemanden persönlich gesprochen. Es lief alles über Telefon.“

„Nun gut, Sie scheinen die Wahrheit zu sagen.“, stellte Laura fest. Dann bat sie Mildred, Näheres über diese ominöse Detektei herauszufinden.

Janet und Gilbert konnten fürs Erste nach Hause geschickt werden.

 

Teil 14

Das Detektiv-Duo beriet sich in Remys Büro, was nun zu tun sei.

Da kam Mildred freudestrahlend dazu: „Ich habe was herausgefunden. Eine Red Sun Investigations gibt es nicht. Es gibt nur: Yellow Cloud, Purple Planet, Green Star und Blue Moon.“

„Da könnten alle dahinter stecken“, gab Remy zu bedenken.

„Warten Sie, es geht ja noch weiter“, fuhr Mildred fort. „Alle Detekteien laufen gut, bis auf die Blue Moon Investigations. Die stehen kurz vor dem Bankrott…“

„Mildred, Sie sind die Beste“, lobte Laura sie.

Die Sekretärin meinte verlegen: Nicht doooch… Ich bin doch da nicht auf etwas gestoßen…“

„Wir müssen sofort dahin und die Sache ein für allemal klären.“, entschied Laura und schleppte Remy mit zum Auto. Mildred blieb verdeutzt in Remys Büro stehen.

 

Teil 15

Laura und Remy stürmten in die Blue-Moon-Detektei.

Miss Topisto, die Sekretärin der Firma, wollte sie zurückhalten, doch die beiden ignorierten sie. Sie stießen die Tür des Chefbüros auf, wo David Addison und Maddie Hayes gerade mit einer Flasche Dom Pérignon die Übernahme der Remington-Steele-Detektei feierten.

Ein bisschen früh, wie Remy fand, daher sagte er nur: „An Ihrer Stelle würde ich den Champagner mal wieder zurückstellen.“

David und Maddie waren total überwältigt von diesem Auftritt.

Die Sekretärin entschuldigte sich bei ihrem Chef.

David vertröstete sie: „Wir kommen schon zurecht, Miss Topisto.“

„So sehen also zwei Betrüger aus. Reicht es euch nicht, eure eigene Agentur zu ruinieren, müsst ihr das jetzt auch mit unserer machen?“ schrie Laura außer sich vor Wut.

„Pah, wer soll euch denn den Mist glauben?“ brüllte Maddie zurück. „Ihr könnt uns gar nichts beweisen.“

„Doch, können wir. Wir haben Zeugen, einen gefälschten Kaufvertrag und noch vieles mehr…“ antwortete Remy. „Und die Polizei ist auch schon unterwegs hierher.“ fügte er triumphierend hinzu.

Da hörten sie auch schon die Sirenen der Streifenwagen auf der Straße.

Maddie keifte nun David entsetzt an: „Du Idiot! Das ist alles deine Schuld. Du mit deinen brillanten Ideen. Wegen dir muss ich jetzt in den Bau. Du Vollidiot!“

David schrie zurück: „Ach, leck mich doch! Du spielst dich hier nur immer groß als Chefin auf, dabei hast du von Tuten und Blasen keine Ahnung. Du hättest bei deinen Shampoos und Schminksachen bleiben sollen. Aber da will dich keiner mehr, weil dein Gesicht so voller Falten ist, dass du es jeden Morgen extra eine halbe Stunde lang bügeln musst.“

„Waass?!“ schrie Maddie entsetzt.

David brüllte weiter: „Wenn du nicht wärst, hätte ich ne gut gehende Detektei und könnte auf dein Gewäsch verzichten, du dusselige Kuh.“

Das Gezanke ging sogar noch weiter, als die beiden in Handschellen von der Polizei abgeführt wurden.

 

Teil 16

Laura und Remy fuhren in Lauras weißem VW Golf Cabrio zu ihrer Detektei zurück.

Glücklich meinte sie: „Ich bin so froh, dass wir die Agentur nicht verloren haben. Du nicht?“

„Doch, schon“, gab Remy zu.

„Worüber denkst du nach?“

„Über einen passenden Film zu diesem Fall.“

„Jetzt wo du´s sagst, fällt´s mir auch auf, dass du keinen deiner Hollywood-Schinken erwähnt hast.“

„Ha! Jetzt hab ich einen: „Mit Schirm, Charme und Melone, Uma Thurman, Ralph Fiennes, Sean Connery, Warner Bros. 1998. Da kriegt sie auch eine Gehirnwäsche verpasst.“ Er grinste selbstzufrieden.

„Oh, nein“, stöhnte Laura nur. Sein Hollywood-Fimmel konnte manchmal echt nerven.

„Weißt du was, liebste Laura, lass uns doch den Film heute abend ansehen, OK? Ich bin davon überzeugt, dir wird Sean Connery als Bösewicht gefallen“, entgegnete er, verführerisch lächelnd.

„Na schön“, gab sie nach. „Aber du besorgst die DVD.“

„Kein Problem. Für dich tu ich doch alles.“

Und so hatten der „große“ Remington Steele und seine „Assistentin“ Laura Holt wieder mal einen Fall erfolgreich zu Ende gebracht.

Und trotz der Tatsache, dass sie ein Traumpaar waren, gestanden sie sich ihre Liebe immer noch nicht ein…

 

© 10.07.2006 by MajorPetrofsky

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