STEELE IMPROVEMENT

 

Teil 1

 

8.00 Uhr morgens an einem schwülen Sommertag. Schon jetzt, so früh, war die Hitze erdrückend.

Laura war gerade nach Hause gekommen. Sie hatte eine lange Nacht hinter sich. Sie musste einen Ehemann beschatten, der von seiner Frau verdächtigt wurde, fremdzugehen. Der Verdacht hatte sich bestätigt. Der Mann zog des Nachts von einer Bar zur anderen. Stets besuchte er nur Etablissements von zweifelhaftem Ruf. Ein Routinejob. Der Fall war klar.

Doch nun freute Laura sich erst mal auf ihr Bett. Heute war Sonntag. Die Agentur war geschlossen und so würde sie den ganzen Tag schlafen können.

So betrat sie also voller Vorfreude ihre Wohnung. „Himmlisch, diese Ruhe hier“, dachte sie. Jedoch, bevor sie sich ins Bett legte, kam ihr der Gedanke, einen Schlummertrunk einzunehmen. Sie hatte noch eine Flasche feinsten „Rémy-Martin“ Cognacs den ihr ein äußerst zufriedener Klient geschenkt hatte. Sie beschloss, nun ein Glas davon zu trinken. Das würde ihr beim Einschlafen helfen.

 

Teil 2

 

Kaum jedoch hatte Laura das Glas an ihre Lippen gehoben, kam Remy auch schon mit seinem Zweitschlüssel herein. Er ging auf Zehenspitzen und versuchte, die Tür so leise wie möglich zu schließen.

„Himmel, Arsch und Zwirn!“ entfuhr es Laura vor Schreck.

Remy wäre da vor Schreck fast das Herz stehengeblieben. „Ähm… upps… sorry, ich dachte, du schläfst.“ entschuldigte er sich.

„Du hast mich vielleicht erschreckt“, meinte sie bloß.

„Na, und du mich erst“, antwortete Remy, nachdem er den ersten Schreck überwunden hatte.

„Was schleichst du denn hier rum wie Falschgeld?“ fragte Laura nachdem auch sie sich wieder etwas beruhigt hatte.

„Na ja, ich dachte… es war doch eine lange Nacht für dich. Und da wollte ich mal sehen, wie´s dir geht. Hab ich dich geweckt?“

„Nein, wie du siehst, wollte ich gerade zu Bett gehen.“ erwiderte Laura wahrheitsgemäß.

Nun erst bemerkte Remy die Flasche und das Glas mit dem Cognac. Er trat näher, begutachtete das Etikett und roch prüfend an der Spirituose. „Mhm, eine gute Qualität, das muss ich zugeben. Aber seit wann trinkst du?“

„Ich trinke nicht“, entgegnete Laura pikiert. „Das eine Glas Cognac sollte mir beim Einschlafen helfen.“

„OK, wenn du meinst…“ entgegnete Remy spöttisch.

„Ich bin keine Säuferin, das weißt du doch.“

Er lachte: „Das weiß ich. Deshalb wundert mich das ja auch so.“

„Ach, vergiss es.“, meinte sie und leerte ihr Glas. „Wenn´s dir nichts ausmacht, ich leg mich jetzt hin. Ohne dich. Ich bin fix und fertig.“ fuhr sie fort und drehte sich um, um ins Bett zu gehen.

„Ja, gut, Laura… ähm… schlaf gut. Ich geh dann mal wieder. Gute Nacht.“, meinte Remy. Er bekam allerdings keine Antwort mehr darauf. Laura war schon im Land der Träume…


 

Teil 3

 

Als Remy die Tür öffnete, um Lauras Wohnung zu verlassen, standen da zwei Fremde. Offensichtlich ein Ehepaar. In der Überzeugung, die wären von den Zeugen Jehovas, wollte Remy sie abwimmeln.

Doch der Mann meinte freundlich: „Hi. Wir sind Ihre neuen Nachbarn, die Taylors. Das ist meine Frau Jill und ich bin Tim.“

Remy sah sich hilfesuchend um. „Neue Nachbarn?“

„Ja, wir sind gestern nebenan eingezogen.“, fuhr der Mann fort.

Die Frau redete schließlich weiter: „Und jetzt dachten wir, wir stellen uns mal vor…“

„Ah… ja… wissen Sie, im Moment ist das etwas… unpassend.“

„Oh, wie schade“, bedauerte Jill.

Schnell log Remy: „Ja, es geht meiner Frau nicht so gut heute. Sie liegt im Bett und ich wollte ihr gerade etwas aus der Apotheke besorgen.“

„Oh, ich verstehe“, meinte Jill, die nun den Cognac erspäht hatte.

Remy begriff und wollte abwehren, doch Tim meinte nur: „Wissen Sie was? Gehen wir doch morgen abend essen. Wir laden Sie beide ein.“

„Gut. OK. Danke. Dann bis morgen abend.“ antwortete Remington und schloss wieder die Tür. Jetzt musste er nachdenken. Laura würde ja nicht begeistert sein, wenn sie aufwachte.

 

Teil 4

 

Gegen 18.00 Uhr am Abend wachte Laura auf.

Remy guckte fern.

Ausgeruht und fröhlich kam Laura zu ihm und fragte erstaunt: „Du bist noch hier? Wozu war das denn gut?“

„Och, nur so“, stotterte er. „Ich wollte hier sein, damit du dich nicht so einsam fühlst…“

Laura zog ungläubig eine Augenbraue hoch. Sie war sich absolut nicht sicher, ob sie ihm diese Ausrede abkaufen sollte.

Remy redete weiter: „Ach ja. Und da waren zwei Leute an der Tür, ein Ehepaar. Deine neuen Nachbarn, Jill und Tim Taylor, heißen sie. Sie haben uns für morgen abend zum Essen eingeladen.“

„Neue Nachbarn? Davon wusste ich ja noch gar nichts. Wie sind die denn so?“

„Sie scheinen ganz nett zu sein.“

„Das klingt ja nicht gerade überzeugend.“

Remy hatte beschlossen, ihr nichts von dem weiteren Verlauf seiner Unterhaltung mit den beiden Fremden zu berichten.

Laura war jetzt so gutgelaunt, das wollte er sich nicht verderben.

 

Teil 5

 

Am nächsten Abend holte Remy Laura ab. Sie wollten sich mit Jill und Tim im „L´Ornate“ treffen.

Als Laura die Tür aufmachte und Remy sie in ihrem hübschen Abendkleid sah, machte er ihr ein Kompliment: „Das Kleid gefällt mir gut.“

„Was? Dieser alte Fummel?“ antwortete sie verdutzt.

„Schade, dass du so auf Komplimente abfährst“, meinte Remy enttäuscht.

„Entschuldige, aber ich habe so ein komisches Gefühl, wenn  ich an heute abend denke.“ entgegnete sie.

Remy war jedoch arglos. „Ach, das bildest du dir nur ein. Wir werden uns prächtig amüsieren.“ versuchte er, sie zu beruhigen.

„Na, wenn du meinst…“ erwiderte sie zweifelnd.

„Icy calm. Ich bin doch bei dir. Was kann da noch passieren?“ fragte er vergnügt.

Eine ganze Menge, dachte Laura. Sie hielt es jedoch für besser, das jetzt nicht zur Sprache zu bringen.

 

Teil 6

 

Im „L´Ornate“ übernahm Remy das Vorstellen: „Guten Abend, Mr und Mrs Taylor. Das ist meine Frau, Laura. Und ich bin Remington Steele, wie Sie vielleicht wissen. Laura, das sind Jill und Tim Taylor. Sie sind vorgestern eingezogen, nicht wahr?“

„Ja, das stimmt“, antwortete Tim. „Aber setzen wir uns doch. Ich habe uns schon mal einen Apéritif bestellt.“ fuhr er munter fort. „Und das Abendessen ist auch schon geordert. Ich war so frei.“

„Ähm… fein. Dann können wir ja loslegen.“ entgegnete Remy.

Laura war nicht sehr erfreut darüber, dass er sie wieder als seine Frau vorgestellt hatte. Sie machte trotzdem gute Miene zum bösen Spiel. Es blieb ihr auch gar nichts anderes übrig.

Da nahte auch schon der Oberkellner mit dem Apéritif.

Tim meinte: „So, der Orangensaft ist für Sie, Laura. Und für uns drei habe ich einen 68er Dom Pérignon bestellt. Ich hoffe, Ihnen gefällt der Jahrgang, Remington.“

Laura starrte Remy verblüfft an. Was hatte denn das zu bedeuten? War das wieder eine seiner billigen Lügen?

Remy sah sie mit einem flehenden Blick an, der bedeuten sollte: „Entschuldige, Laura, ich erklär´s dir später.“

Doch ihr ging so was gehörig gegen den Strich. Beim Essen ging das dann noch weiter.

Nach einem unverfänglichen „Salade niçoise“ folgte als Hauptgang „Filet Wellington in Madeira-Sauce“, aber nicht für Laura. Sie bekam ein „Kalbsschnitzel Cordon bleu mit kleinen Erbsen.“

„Wegen Ihres Problems“ hatte Tim gemeint und die beiden Taylors lächelten verständnisvoll. Remy unterdrückte ein hämisches Grinsen. „Also dann, guten Appetit“, versuchte er, abzulenken.

„Mein lieber Mr Steele“, dachte Laura, „jetzt hast du´s zu weit getrieben.“ Nach dem Essen würde sie ihm gehörig die Leviten lesen.

 

Teil 7

 

So geschah es dann auch. Nach einem Caramel-Pudding als Dessert und einer Tasse Espresso saßen die beiden Detektive in Remys Auburn auf dem Weg zu Lauras Wohnung.

„Sag mal, hast du sie noch alle?“ fuhr sie ihn an.

„Was hast du denn, Laura? Der Abend war doch nicht so schlimm.“ antwortete er scheinheilig.

„Du weißt genau, was ich meine, Lügner. Den Leuten zu erzählen, ich sei eine Alkoholikerin.“ schrie sie weiter.

„Äh äh äh. So war´s nicht, Laura.“ Und dann erzählte er, was wirklich passiert war. „Bitte verzeih mir. Ich wollte das nicht.“

„Na schön. Aber du erklärst denen das, ist das klar?“

„Kein Problem, Miss Holt. Ich werde mich schon darum kümmern.“ Er guckte wie ein ausgesetzter Hund, der alleine im Regen steht und den niemand haben will. Das weckte ein bisschen Mitleid für ihn in Laura. Sie murmelte verschämt: „Tut mir leid, dass ich dich gleich wieder verdächtigt habe. Aber du bist so geschickt im Lügen, dass man bei dir nie weiß, ob du´s ernst meinst oder nicht.“

Remy guckte immer noch gekränkt drein, gab dann aber zu: „Ja, so ganz Unrecht hast du nicht.“

Tröstend lehnte sie ihren Kopf an seine Schulter und schloss verträumt die Augen.

Remy grinste selbstzufrieden vor sich hin. Er hatte es wieder mal geschafft, ein Stückchen näher an Laura zu kommen.

 

Teil 8

 

Als Laura und Remy an diesem Abend die Tür zu Lauras Wohnung öffneten, trauten sie ihren Augen kaum: Das Apartment war durchwühlt worden. Schränke standen offen, Schubladen waren herausgerissen worden, Kleidung lag überall auf dem Boden verstreut rum.

„Oh, nein. Nicht schon wieder. Das darf doch nicht wahr sein.“ jammerte sie und die beiden machten sich daran, festzustellen, ob etwas fehlte.

„Alles noch da!“ meinte Laura zufrieden.

„Was glaubst du, haben die gesucht?“ fragte Remy.

„Keine Ahnung. Alles Mögliche. Vielleicht eine bestimmte Akte, die jemanden kompromittieren könnte… Ich weiß es nicht.“

„Na ja. Komm, ich helf dir beim Aufräumen.“

Gesagt, getan. Binnen kürzester Zeit war die Wohnung wieder blitzblank.

Nach getaner Arbeit meinte Remy zu Laura: „Du siehst schrecklich müde aus. Du könntest ein heißes Bad vertragen. Warte, ich lass dir das Wasser in die Badewanne ein.“ Er duldete keine Widerrede und ging ins Badezimmer.

Laura hörte, wie das Wasser in die Wanne rauschte. Kurz darauf hörte sie einen kurzen Schrei und ein lautes Platschen. Besorgt lief sie ins Bad.

Dort lag Remy in voller Bekleidung in der Badewanne. Er spuckte etwas Wasser aus.

„Wie hast du das denn fertig gebracht?“ fragte Laura, die sich vor Lachen kringelte.

Mit einem Mitleid erheischenden Blick antwortete Remy: „Da lag wohl ein Stück Seife auf dem Boden. Das muss ich übersehen haben und drauf ausgerutscht sein. Und das Resultat davon siehst du ja…“

„Och, armer Mr Steele. Hast du dir sehr wehgetan?“

„Nein, es geht schon“, ächzte er und stieg aus der Badewanne.

„Die Kleider da kannst du aber nicht anbehalten. Die sind ja patschnass. Sonst erkältest du dich noch.“ meinte Laura jetzt ernsthaft.

„Mhm. Und was soll ich denn deiner Meinung nach dann anziehen?“

„Na ganz einfach: Ich hänge deine Kleider zum Trocknen auf und du ziehst solange meinen Bademantel an.“ entgegnete Laura und drückte ihm einen weißen, eindeutig femininen, mit viel Plüsch besetzten Bademantel in die Hand. Missmutig nahm Remy das Teil und während er sich auszog, war Laura schon in der Küche, um Tee zu kochen.

Zwei Minuten später kam Remy, nur mit Lauras Bademantel bekleidet, aus dem Badezimmer. In seinem Gesicht lag ein sauertöpfischer Ausdruck.

Laura kriegte sich bei diesem Anblick fast nicht mehr ein vor Lachen. „Du siehst aus wie ´ne Tucke“, sagte sie.

„Danke. Du bist auch bezaubernd.“ brummelte er.

„Ich hab dir Tee gekocht. Wenn du willst, bedien dich. Ich geh jetzt baden.“ verkündete sie und verschwand ins Badezimmer.

Remy goss sich derweil eine Tasse Tee ein und setzte sich auf die Couch.


 

Teil 9

 

Remy hatte die Nacht natürlich in Lauras Apartment verbracht. Er hätte ja schlecht im Morgenrock wegfahren können.

Nun war es schon 9.00 Uhr durch. Sie hatten beide verschlafen.

Da klingelte jemand Sturm an der Tür. Remy, der als erster wach geworden war, öffnete.

Da stand Mildred. Mit vor Erstaunen weit aufgerissenen Augen starrte sie ihren Chef in weißem Plüsch an. Schließlich fand sie ihre Sprache wieder und fragte: „Boss… was… ähm… also… warum?“

Da erst fiel ihm wieder ein, was er da anhatte und gereizt meinte er: „Weil ich gerade schwul geworden bin.“ Dabei machte er noch einen kleinen Hüpfer auf der Stelle und ließ dann die total verwirrte Sekretärin rein.

„Chef, geht´s Ihnen gut?“ fragte sie beim Eintreten.

„Natürlich geht´s mir gut. Das hier ist ´ne komplizierte Geschichte.“

Da kam Laura gähnend auf die beiden zu: „Was los? Mitten in der Nacht…“

„Ah, ja. Darum bin ich ja hier. Die Detektei ist durchwühlt worden.“ redete Mildred nun weiter.

„Was?“ schrie Laura und Remy stöhnte nur: „Och!“

Laura fasste sich als Erste wieder: „Haben Sie schon nachgesehen, ob was fehlt?“

„Ja, natürlich. Da fehlt die komplette Akte über einen Al Borland.“ antwortete die Sekretärin aufgeregt.

„Wer ist das?“ fragte Remy unwissend.

„Al Borland…“ grübelte Laura, „das ist doch der, der mit einem Komplizen zusammen ein illegales Casino betrieb. Im Hinterzimmer von seinem Werkzeugladen. Der Fall war schon so gut wie gelöst. Jetzt muss ich wieder ganz von vorne anfangen.“, jammerte sie schließlich. „3 Monate Arbeit umsonst!“ fügte sie hinzu.

„Keine Sorge, Laura, wir helfen dir, den Ganoven dingfest zu machen.“ tröstete Remy sie. „Mildred, fangen Sie schon mal mit den Recherchen an. Wir müssen wissen, wo der Mann steckt.“ befahl er.

„Geht klar, Boss. Ich verpfeif mich dann mal wieder ins Büro.“ antwortete Mildred und verließ die Wohnung.

Währenddessen zog Remy seinen mittlerweile getrockneten dunklen Anzug an.

Auch Laura machte sich fertig.

 

Teil 10

 

Laura und Remy standen vor „Harry´s DIY-Shop“. Der Laden war natürlich geschlossen.

„Irgendwie müssen wir da rein. Du kennst doch so gute Tricks, wie man ein Schloss knackt“, meinte Laura.

„Ja, schon, aber am helllichten Tage, Laura. Was, wenn uns jemand sieht? Lass uns lieber nach einem anderen Eingang suchen.“ antwortete Remy.

„Na gut“, seufzte sie.

Nach relativ kurzem Suchen fanden sie eine offene Kellerluke, durch die sie bequem eindringen konnten, was sie denn auch taten.

Im Keller war es stockdunkel. Remy hörte nur noch eine Art dumpfes Klopfen und ein kurzes „Au!“.

„Laura, was ist los?“ konnte er noch fragen. Dann wurde auch ihm der Schädel eingeschlagen.


 

Teil 11

 

Laura und Remy waren an zwei, sich den Rücken zukehrenden, Stühlen gefesselt.

Langsam erwachte Remy aus seiner Bewusstlosigkeit. Er blinzelte ein paar Mal. In seinem Schädel dröhnte es wie in einem Bienenstock. Zuerst wusste er nicht, wo er war. Aber so langsam kam die Erinnerung zurück. Jemand hatte die beiden erwischt. „Laura!“ rief er.

Keine Antwort.

Dann noch mal lauter: „Laura!“

„Mmm…“ brummte sie, als auch sie langsam wieder zu sich kam. „Remy?“

„Oh, Laura, du lebst.“ entgegnete Remy freudig.

„Sieht so aus. Sag mal, weißt du, wo wir hier sind?“

„Keine Ahnung. Ich nehme mal an, im Keller von diesem Werkzeugladen da.“

„Pst!“ machte Laura plötzlich und flüsterte: „Ich höre Schritte.“

Tatsächlich ging auch schon im nächsten Moment die Tür auf und ein großer, schwerer Mann mit Schnurrbart betrat den Raum. Er sah nicht gerade fröhlich aus. Er war´s auch nicht. „Was wollt ihr hier? Reicht´s noch nicht, dass mein Laden dichtgemacht wird, müsst ihr jetzt auch noch meine Ware klauen?“

„Wir sind keine Diebe. Wir wollten nichts stehlen“, beteuerte Remy ehrlich.

„Ja, ja, das sagen sie alle. Mit mir kann man´s ja machen. Genau so wie dieser Al. Schleicht sich bei mir als Geschäftspartner ein. Am Anfang läuft alles glatt. Harry, sach ich noch zu mir selbst, Harry, dieser Al ist Gold wert. Versteht was vom Geschäft. Und wissen Sie, was dieser Penner da macht? Öffnet im Keller ein illegales Casino. Und der Clou ist: Von alldem hab ich nüschts mitgekriegt. Aber die Polizei glaubt das nich´, und die suchen jetzt nach mir. Aber nich´ mit mir, sach ich. Ich versteck mich hier und geh nich´ raus. Ich wander nie nich´ ins Kittchen, für was, was ich nie nich´ getan hab.“, jammerte der Mann.

Laura ergriff das Wort: „Dann sind Sie also Harry Turner?“

„Ja, das bin ich“, antwortete dieser.

„Wir können Ihnen vielleicht helfen.“, bot Laura an.

„Nee, nee, lass mal stecken, Mädel. Die Tour kenne ich. Ihr seid auch nur Betrüger.“

„Nein, Harry, hören Sie mir zu“, meinte nun Remy und stellte sich vor. „Wir sind Privatdetektive“, fügte er hinzu.

„Seid ihr dat echt? Ihr seht überhaupt nich´ so aus. Eher wie Bullen.“

Laura stöhnte auf.

„Remy fuhr fort: „OK, Harry, greifen Sie doch mal in meine linke Sakkotasche. Da ist mein Ausweis drin.“

Skeptisch tat der Ladenbesitzer, was Remy ihm gesagt hatte. Er beäugte den Detektivausweis kritisch und meinte dann: „Der scheint echt zu sein. OK, aber betrügt mich nich´. Ich bin sehr nachtragend.“

„Keine Sorge, Harry. Aber bevor wir Ihnen helfen, würden Sie uns bitte losbinden?“

„Jau. Aber denkt dran, keine Sperenzchen.“ warnte er sie noch mal und löste dann die Fesseln.

 

Teil 12

 

Harry nahm die beiden Detektive mit in den Laden, wo er ihnen Bier anbot

„Seh ich so aus, als ob ich Bier trinke?“ fragte Remy brüskiert.

Laura lehnte höflich ab. Sie fragte Harry: „Gut. Sie sind also unschuldig?“

„Jau.“

„Erzählen Sie mir doch mal was über Al. Wo ist er im Moment?“

„Das weiß ich auch nicht. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, is´ er gerade, weil Feierabend war, mit Tim einen draufmachen gegangen.“

„Tim? Wer ist Tim?“ hakte Laura nach.

„Tim Taylor. Mein bester Stammkunde. Er hat zwar zwei linke Hände, aber trotzdem ist er ein begeisterter Heimwerker. Na ja, und das Zeug, das er braucht, kauft er bei mir. Bis vor kurzem, als die Penner mir meinen Laden zugemacht haben.“ Mit einem traurigen Blick nahm er einen Schluck aus einer frischen Budweiser-Flasche.

„Na, na, Kopf hoch, alter Knabe. Wir klären diese Geschichte auf und im Nu läuft Ihr Laden wieder.“ meinte Remy aufmunternd und schnalzte mit den Zähnen.

Harrys Augen leuchteten auf. „Meinen Sie das wirklich?“

„Aber natürlich. Warum sollte ich Sie belügen?“ erwiderte Remy.

Im Geiste errechnete Harry schon seinen Umsatz, wenn das Geschäft erst wieder eröffnet war. „OK. Gut. Ich vertraue Ihnen. Aber beeilen Sie sich mit der Auflösung.“

„Alles klar“, antwortete Remy und die beiden Detektive verließen den Laden, diesmal durch die Vordertür.

 

Teil 13

 

Laura und Remy klingelten bei den Taylors.

Jill öffnete. „Hallo“, begrüßte sie die beiden freundlich. „Das ist aber schön, dass ihr mal zu Besuch kommt. Kommt doch rein.“

„Wir würden gerne mit Tim sprechen.“, entgegnete Remy ernst.

„Hat er wieder was ausgefressen? Was auch immer es war, wir werden den Schaden selbstverständlich ersetzen.“ meinte Jill gewissenhaft.

„Äh, nein, wir müssen ihn nur was fragen.“ antwortete Laura.

„Ah so. Nehmt doch Platz. Ich hole ihn. Er bastelt wieder an seinem Hot Rod rum. Kleinen Moment. Ach, wollt ihr was trinken?“ fragte Jill noch.

„Nein, danke“, lehnte Laura ab.

Jill verschwand in die Garage.

2 Minuten später kam Tim ins Wohnzimmer. Seine Hände waren ölverschmiert und auf der Stirn klebte ein großes Pflaster. Jill meinte dazu: „Er hatte sich aus Versehen den Kopf an die Tischplatte geklebt.“

Laura und Remy sahen einander ungläubig an. Jetzt wussten sie, was Harry damit gemeint hatte, als er gesagt hatte, Tim habe zwei linke Hände.

„Hi, ihr beiden. Was gibt´s?“ grüßte Tim nun freundlich.

„Tim, wir haben ein paar wichtige Fragen an Sie.“

„Klar, schießen Sie los.“

„Es geht um Al Borland. Sie kennen ihn?“ fragte Laura.

Tims Miene verhärtete sich. „Ja, er ist mein Arbeitskollege und bester Freund. Das mit dem Casino kann ich immer noch nicht glauben.“

„Wir sind dabei, dem auf den Grund zu gehen. Aber dafür müssen wir wissen, wo Mr. Borland sich aufhält. Wir hatten gehofft, Sie könnten uns da weiterhelfen.“ meinte Remy.

Tim warf einen fragenden Blick auf Jill, die kaum merkbar nickte. „Also gut, wir wissen zwar nichts Genaues. Aber, kurz bevor Al verschwand, sagte er, dass er nach Detroit fahren müsse. Er sagte, er wolle seine Unschuld in dem Fall beweisen. Und da wir schon dabei sind, zu beichten“, fuhr er zögerlich fort, „er war es auch, der Ihre Wohnung und Ihr Büro durchwühlt hat, um seine Akte mitzunehmen.“

„Sowas haben wir uns schon gedacht. Ein alter Trick: Das Abendessen war nur eine Ablenkung.“ entgegnete Laura.

„Tut uns leid“, warf Jill zerknirscht ein. „Wir mussten Al helfen. Er gehört praktisch zur Familie.“

„Ja, ja, schon gut“, erwiderte Remy. „Sind Sie sicher, dass er in Detroit ist?“

„Das war alles, was er uns hat wissen lassen.“, beteuerte Jill.

 

Teil 14

 

Laura und Remy wollten gerade aufstehen, als die Haustür der Taylors aufflog und zwei Männer das Haus betraten.

Zuvorderst ein Mann mit Schlapphut. Als er dort stand, konnte man sein Gesicht nicht ganz erkennen, da durch das Fenster ein Schatten auf die untere Gesichtshälfte fiel.

Hinter ihm ein leicht übergewichtiger, bärtiger Kerl im Flanellhemd, Typ kanadischer Holzfäller. Er hielt unauffällig eine Pistole an den Rücken seines Vordermannes.

„Al!“ schrieen Jill und Tim gleichzeitig. „Was hat das zu bedeuten?“

„Das wüssten wir auch gerne.“ meinte Laura.

„Hier habt ihr euren illegalen Casino-Betreiber.“ meinte Al triumphierend.

„Wilson?“ fragte Tim ungläubig.

„Ja, er war´s. Er war nicht in Detroit, sondern gleich hier in L.A. Vor meiner Nase. Und dass die Polizei mich verdächtigte, hab ich auch ihm zu verdanken.“ antwortete der Holzfäller-Typ.

„Wilson Wilson jr?“ fragte Remy. „Der wird doch auch schon seit längerer Zeit gesucht. Der Pate, Marlon Brando, Al Pacino, Diane Keaton, Paramount ,1972

„Hä?!?“ entfuhr es Tim.

„Er unterhält Verbindungen zur Mafia. Deshalb auch das Casino. Das ist nur ein Deckmantel für die Geldwäscherei des Syndikats.“

„Ja, ich gebe es zu. Sie haben mich überführt, oder wie ein großer Philosoph einmal sagte: Verbrechen lohnt sich nicht.“ sagte Wilson resignierend. „Lassen Sie mich verhaften. Ich bin sogar froh, wenn das mir hilft, aus den Fängen der Mafia zu entfliehen“, fügte er reumütig hinzu.

 

Teil 15

 

Wilson wurde kurz darauf von der Polizei verhaftet und später als Kronzeuge gegen die Mafia eingesetzt. Sein Gesicht hatte sowieso nie jemand gesehen, deshalb fiel es ihm auch relativ leicht, sich vor einer eventuellen Vendetta zu schützen,

Harry´s DIY-Shop wurde wiedereröffnet und hat seitdem mehr Kunden als je zuvor. Als Dank schenkte der Ladenbesitzer den beiden Detektiven einen Werkzeugkasten mit komplettem Inhalt.

Die Taylors zogen wieder nach Detroit, genauso wie Al Borland, der mittlerweile eine Millionärin aus Michigan geheiratet hatte.

Und Laura und Remy?

Nun, ihr Leben ging weiter wie gewohnt. Sie lebten auch weiterhin in getrennten Wohnungen und heirateten immer noch nicht. Und trotzdem liebten sie sich, auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollten.

 

© 27.06.2006 by MajorPetrofsky

Hosted by www.Geocities.ws

1