THE STEELE GOOD FRIDAY
ODER: A STEELE DAY IN LONDON TOWN
Teil 1
Endlich Karfreitag. Laura und Remy befanden sich an Bord des Airbus A380, British-Airways-Flug Nummer 48712 L.A.X – London Heathrow unterwegs in die Osterferien. Sie saßen nebeneinander in der mittleren Reihe und der Sitz links neben Remy war von einem etwas aus dem Leim geratenen Mann, der um die 40 zu sein schien, besetzt. Er schien überdies luftkrank zu sein und sein Gesicht hatte die Farbe eines frisch gewaschenen Krankenhausbettlakens angenommen.
„Ist das Ihr erster Flug?“ fragte Remy ihn mitfühlend.
„Nein, ich hasse das Fliegen nur. Aber als Geschäftsmann komm ich ums Reisen nicht herum.“ antwortete der luftkranke Passagier.
„Tja, da kann ich Ihnen leider auch nicht helfen.“, entgegnete Remy bedauernd.
Der Mann nickte nur und bevor er sich noch lange die Hand vor den Mund halten konnte, war das Unglück geschehen und zwar genau auf Remys marineblaues Sakko. Der Geschäftsmann war äußerst peinlich berührt. Er entschuldigte sich tausendmal und bot an, die Reinigung zu bezahlen, doch Remy, Gentleman der er war, lehnte höflich ab: „Keine Sorge, das ist nur halb so schlimm.“ Dann stand er auf, ging zum Waschraum und versuchte, das Sakko wieder halbwegs sauber zu kriegen.
Teil 2
Die Maschine war pünktlich auf Heathrow Airport gelandet.
Laura und Remy standen nun am Gepäckband. Bald hätten sie die Reisestrapazen überstanden und würden in einem der typischen Londoner Taxis sitzen.
Da blieb plötzlich mit einem Ruck das Gepäckband stehen.
„Oh nein. Nicht das auch noch“, dachte Laura.
Von ihren 2 Louis-Vuitton-Koffern war auch noch nicht das Geringste zu sehen.
Zuversichtlich wie immer meinte Remy: „Icy calm, Miss Holt, icy calm. Es geht bestimmt gleich weiter.“
Eine halbe Stunde später jedoch hatte sich noch immer nichts getan. Die Leute, die auf ihr Gepäck warteten, wurden langsam unruhig.
Remy meinte: „Weißt du was, Laura, ich fahre jetzt zum Hotel. Ich muss das Sakko hier loswerden. Und sowieso hab ich ein paar neue Anzüge bestellt, weil ich wusste, dass wir herkommen würden. Ich hol die dann auch gleich ab. Du weißt ja, wo du hinmusst, wenn ich noch nicht zurück sein sollte. Ins Savoy Hotel. Die Reservierung läuft auf Steele.“
„OK. Klingt vernünftig. Bis später.“
„Ja, bis nachher“, meinte er und drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Dann trat er aus dem Flughafengebäude und stieg in ein Taxi.
Teil 3
„Ah, Mr. Steele, wie schön, dass Sie wieder hier sind.“ begrüßte ihn Arthur Braithwaite, der stellvertretende Chef vom exklusivsten Herrenschneider ganz Londons, Gieves & Hawkes in der Savile Row. Das war übrigens auch Remys Lieblingsschneider. ;-)
„Danke. Wie weit ist meine Bestellung?“ fragte Remy.
„Oh, Ihre Anzüge sind bereit für eine letzte Anprobe. Ihre Maße haben sich hoffentlich nicht zu sehr geändert. Wenn Sie mir bitte folgen wollen.“ Der Schneider begleitete Remy zu einer Umkleidekabine und bat ihn dort, eine Sekunde zu warten. Kurz darauf kehrte er mit Remys 3 neuen Anzügen zurück.
Remy wollte gerade das erste Sakko anprobieren, als eine Anti-Terror-Einheit der Londoner Metropolitan Police geräuschvoll das luxuriöse Herrenbekleidungsgeschäft stürmte. Einer der in alle mögliche Sicherheitskleidung vermummten Polizisten zerrte Remy mit Gewalt aus der Kabine und ein ganzes Heer weiterer bis an die Zähne bewaffneter Polizisten umringte ihn.
Der Schneider hatte indes vor Schreck sein Maßband und die Stecknadeln fallen gelassen und beobachtete nun mit offenem Mund und ungläubig das Spektakel.
Zwei Detectives in Zivil traten nun auf Remy zu, der seinerseits nicht den geringsten Schimmer hatte, was hier vor sich ging.
Teil 4
Remy wurde unsanft ins Verhörzimmer der H-Blocks – das sind die H-förmigen Gefängnisblocks für irische Terroristen in London – verfrachtet. Dort wurde er nun von den beiden Zivilbeamten in die Mangel genommen. Der größere der beiden schnauzte ihn an: „Bootsy O´Connor alias „Belfast Bomber“. Endlich haben wir dich, du irischer Mistkerl. War ein Fehler zu versuchen, dich hier in London zu verstecken. Das Pflaster in Irland ist dir wohl zu heiß geworden, wie?“
„Ich bin nicht der, für den Sie mich halten. Mein Name ist Remington Steele. ich bin ein Privatdetektiv aus Amerika.“ versuchte er verzweifelt, zu erklären.
„Ja, klar und ich bin ein Schneider aus Panama.“, antwortete nun der untersetzte Detective spöttisch.
„Aber, bitte, Sie müssen mir glauben. Ich habe zwar nur meine Kreditkarte dabei und keinen Ausweis…“ bettelte Remy weiter.
„Hör schon auf, Bürschchen, wir kennen deinen Lebenslauf. Mit 12 von zuhause weg. Hast dich einer Ganovenbande angeschlossen. Damals war´s noch einfacher Diebstahl. Mit 16 Jahren jüngstes Mitglied der Terrororganisation IRA. Du warst ein sehr begabter Junge, vor allem, wenn es darum ging, Bomben zu basteln. Mit 18 hast du dann erst so richtig losgelegt. 3 Discos, 5 Pubs, eine ganze verdammte Wohnsiedlung innerhalb eines Monats. Einfach mal eben so in die Luft gesprengt, was? Und jetzt sitzt du hier und machst einen auf unschuldig. Nicht mit uns.“
Remy war verzweifelt und wütend. Er war kein Terrorist. Aber er konnte seine Betrügereien und Diebstähle genauso wenig zugeben. Also flehte er weiter: „So glauben Sie mir doch. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie was mit Terroristen zu tun, geschweige denn bin ich selber einer. Ich weiß nicht mal, wie man eine Bombe zündet.“
„Wenn du jetzt nicht singen willst, mir soll´s recht sein. Dann wanderst du eben in die Zelle und da bleibst du so lange, bis du auspackst. Wärter! Führen Sie den Dreckskerl hier ab!“ bellte der größere Detective den Wachmann an, der in der Ecke des Verhörzimmers stand.
Remy wurde also in Handschellen zu seiner Gefängniszelle gebracht. Wie sich herausstellte, würde er sich hier nicht langweilen. Denn in derselben Zelle waren noch 3 andere Iren gefangen.
Teil 5
In der Zwischenzeit war Laura im Savoy angekommen. 10 Minuten, nachdem Remy den Flughafen verlassen hatte, war das Gepäckband wieder in Betrieb genommen worden. Es hatte sich herausgestellt, dass bloß irgendein Volltrottel versehentlich den Schalter des Bandes betätigt hatte.
Laura ließ sich auf die bequeme Couch in der riesigen Suite fallen, in der sie und Remy diese Woche wohnen würden. Remy würde bestimmt auch jeden Moment hereinkommen. Sie freute sich schon auf ein gemütliches Candlelight-Dinner mit ihm. Und morgen würde er ihr die schönsten Orte der Stadt zeigen.
Aber jetzt legte sie erstmal ihre schmerzenden Füße hoch. Der Flug und die lange Steherei am Gepäckband waren doch sehr anstrengend gewesen.
5 Minuten später war sie auf der Couch eingeschlafen.
Teil 6
„Hey, bist du echt Bootsy O´Connor, der Belfast Bomber?“ fragte ein kleiner, dunkelhaariger Kerl à la Peter Lorre Remy. Der wollte zunächst wahrheitsgemäß verneinen, sah jedoch ein, dass das wohl keinen Zweck hätte. Also antwortete er mit starkem irischem Akzent: „Darauf kannst du einen lassen.“
Die zwei anderen, ein glatzköpfiger, dicklicher Kerl mit Brille und ein dunkelrothaariger, schlaksiger Junge von knapp 20 Jahren kamen daraufhin voller Ehrfurcht auf Remy zu.
Der Junge fing aufgeregt an zu stammeln: „Wow! Ich habe dich schon immer bewundert. Du bist mein großes Vorbild. Kannst du mir… ich meine… wenn´s dir nichts ausmacht… ein paar Tricks zum Bombenbau verraten? Bitte?“
Bevor Remy darauf antworten konnte, fing der Kleine wieder an: „Entschuldige, Bootsy, ähm… wenn wir dich so nennen dürfen. Ich bin Mick, der mit der Glatze ist Pat und der Junge heißt Sean.“
„Und wieso haben sie euch erwischt?“ fragte Remy.
„Ein früherer Kollege von uns hat uns verraten. Der Drecksack!“ erwiderte Pat wütend. „Wenn ich hier wieder rauskomme, mach ich das Schwein zu Hackfleisch.“ fügte er hinzu.
Remy runzelte die Stirn. Hoffentlich kämen sie nie dahinter, wer er in Wirklichkeit war.
Teil 7
Laura war nach gut zwei Stunden wieder aufgewacht. Blinzelnd sah sie sich im Zimmer um. Keine Spur von Remy. Sie stand auf und ging ins Schlafzimmer. Er war tatsächlich noch nicht da gewesen. Wie lange konnte das denn dauern, ein paar Anzüge abzuholen? Vielleicht kaufte er ihr noch ein Geschenk. Ein schwärmerisches Lächeln trat in ihr Gesicht bei diesem Gedanken. Sie konnte ja nicht wissen, wo er tatsächlich steckte.
Nun ging sie erstmal duschen und danach zog sie ihr neues, paillettenbesticktes Abendkleid an, das sie extra für dieses Dinner gekauft hatte. Sie schminkte und frisierte sich, und als sie endlich fertig war, musste sie enttäuscht feststellen, dass Remy immer noch nicht da war.
Sie setzte sich auf die Couch und schaltete den Fernseher ein. Dann würde sie halt noch etwas warten. Weit konnte Remy ja nicht sein.
Teil 8
Remy hatte unterdessen ganz andere Sorgen. Zum einen wollte er wieder aus der Zelle raus und zum anderen waren da die drei bekloppten Iren, die ihm Löcher in den Bauch fragten über seine Wundertaten.
Also fing er an, Lügenmärchen zu erzählen: „Na gut, Jungs, aber was ich euch jetzt sage, bleibt unter uns, sonst seid ihr die Nächsten auf meiner Abschussliste. Ist das klar, ihr verblödeten Paddies?!“ Dabei sah er sie mit einem gekünstelten, bedrohlichen, Remy-eiskalte-blaue-Augen-Blick an. Die 3 Möchtegern-Terroristen nickten nur eingeschüchtert. Dass der Blick nicht echt war, konnten sie ja nicht wissen.
„Dann sperrt mal eure Ohren auf: Alles, was ihr über mich in Belfast gehört habt, könnt ihr vergessen. Das waren Peanuts. Ich bin nicht zum ersten Mal hier in London. Die ganzen Autobomben in den 70er Jahren, das war ich. Voriges Jahr wär fast mal der Buckingham Palace dran gewesen, aber das war mir dann doch zu auffällig. Und wenn die Wichser hier mich wieder rauslassen, geht´s an die Tower Bridge. Belfast. Ha! Wen interessiert das Kaff denn schon?“
Pat, Mick und Sean waren gleichermaßen beeindruckt und begeistert. Sie beteten Remy praktisch an.
Mittlerweile war es später Abend geworden und für Remy bestand immer noch keine Hoffnung, freigelassen zu werden. Er hatte jetzt auch keine Lust mehr, den Märchenonkel für die 3 Vollidioten zu spielen und legte sich todmüde von der Reise und den übrigen Erlebnissen des Tages auf seine Pritsche.
Teil 9
Laura war sauer. Sie hatte bereits mehrere Male an der Rezeption nach Remy gefragt, aber jedes Mal hatte ihr der Portier versichert, der Detektiv sei noch nicht eingetroffen.
Sie hatte sich ihr Essen per Zimmerservice bestellt und stocherte jetzt lustlos in ihrem „Krabbencocktail à la Savoy“ herum. Was auch immer Remy tat, so lange konnte er doch unmöglich dazu brauchen. Sie einfach so alleine im Hotel sitzen zu lassen. Das war schon eine Frechheit! Bestimmt trieb er sich mit seinen Freunden von früher herum und ließ sich in irgendwelchen billigen Spelunken in Whitechapel/East End vollaufen. Und irgendwann mitten in der Nacht, würde er sturzbetrunken ins Hotel zu ihr kommen, englische Sauflieder grölen und sich an sie ranmachen. Verärgert schmiss sie die Gabel auf den Teller und ging ins Schlafzimmer, wo sie sich abschminkte und ihr schönes Kleid auszog, das sie wütend in eine Ecke warf.
Sie zog ihren Pyjama an und ging zu Bett.
Teil 10
Remy konnte nicht schlafen. Die Pritsche war hart, Pat schnarchte wie ein Sägewerk, Mick knirschte mit den Zähnen und Sean rief im Schlaf nach seiner Mutter. Außerdem war der muffige Gestank in dem Raum schier unerträglich.
Remy könnte heulen bei dem Gedanken daran, wo er jetzt eigentlich sein sollte. Er dachte an „Quiche Lorraine“ als Vorspeise, dann ein Champagnersorbet, schließlich Ente in Rotwein als Hauptgang und eine köstliche „Bombe Richelieu“ als Dessert. Das alles würde er in der Luxussuite des Savoy zu sich nehmen. Aber er wäre nicht allein. Laura würde mit ihm essen. Sie würde ein schickes Kleid tragen, sie würde nach ihrem Lieblingsparfüm „Giorgio Beverly Hills“ riechen und sie würde einfach umwerfend aussehen. Er würde ihr ein teures Geschenk überreichen, ein Schmuckstück. Eine Kette vielleicht, oder ein Armband.
Aber soweit war er ja nicht mehr gekommen. Ausgerechnet bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Anprobieren neuer Anzüge, war er verschleppt worden, von Leuten, die ihn für einen gefährlichen Revoluzzer hielten.
Dann dachte er wieder an Laura, seine Laura. Wie er sie umarmen würde und sie sich wieder dagegen sträuben würde bei seinem Versuch, sie zu küssen. Das fand er so niedlich. Überhaupt ihre Art, dass sie immer das Private vom Geschäftlichen trennen wollte, fand er irgendwie süß. Irgendwann würde ihr Widerstand brechen und dann würden sie heiraten und Kinder haben und zusammen alt werden.
Da hatte er eine Idee: Laura. Sie würde ihn hier rausbekommen. Er musste sie im Hotel anrufen. Das würde zwar jetzt nicht mehr gehen, aber er würde das gleich morgen früh machen. Dieser Gedanke tröstete ihn ein wenig und zuversichtlich fiel er in einen unruhigen Schlaf.
Teil 11
Der Radiowecker in Lauras Hotelsuite zeigte 3.56 Uhr an. Sie hatte diese Nacht noch kein Auge zugetan, sondern sich nur unruhig hin- und hergewälzt.
Jetzt stand sie auf, warf sich ihren Bademantel über und ging ins Wohnzimmer, wo sie den Fernseher einschaltete. Auf BBC1 liefen gerade die Nachrichten.
Laut Nachrichtensprecher war der Londoner Polizei ein dicker Fisch ins Netz gegangen. Einer der gefürchtetsten IRA-Terroristen war geschnappt worden. Laura sah genauer hin. Das war doch Remy. Aber seit wann gehörte der der IRA an? Das musste ein Irrtum sein, oder?! Sie wusste, dass er eine turbulente Vergangenheit hatte, aber das hier konnte und wollte sie nicht glauben.
Sie zog sich so schnell wie möglich an und ließ sich in einem Taxi zum nächsten Polizeirevier bringen.
Teil 12
Dort angekommen, ließ sie sich nach Überprüfung ihres Ausweises und ihrer Detektivlizenz zum diensthabenden Chef, Inspector Fowler, führen. Dieser versuchte, die völlig aufgelöste Frau zu beruhigen, die, den Tränen nahe, in seinem Büro saß: „Keine Sorge, Miss Holt, ich bin sicher, wir können dieses Missverständnis aufklären.“ sagte er zu ihr, griff zum Telefonhörer und erledigte einige, für diesen Fall wichtige Anrufe.
Wenig später meinte er optimistisch zu Laura: „In die H-Blocks wurde heute Nachmittag ein Mann gebracht, der der Beschreibung Ihres Chefs sehr nahe kommt. Die Beamten vermuten jedoch, dass er ein extrem gefährlicher Terrorist namens Bootsy O´Connor ist. Nichtsdestotrotz, wenn Sie wollen, werden zwei unserer Beamten Sie zwecks einer Identifikation dorthin bringen.“
„Oh, ja bitte, Sie ahnen ja nicht, was das mir bedeutet. Ich weiß nicht, wie ich mich bei Ihnen bedanken soll.“ entgegnete Laura freudig.
„Schon gut, Madam. Constable Tenison und Sergeant Lambeth werden Sie begleiten.“
Teil 13
Remy wurde unsanft von einem muskelbepackten Wärter aus dem Schlaf gerissen: „Los Bürschchen, dein Typ wird verlangt.“
Verwirrt fragte Remy: „Was? Wer? Ich?“
„Ja, frag nicht so blöd, sondern komm schon.“ schnauzte der Wärter ungeduldig zurück.
Remy blieb keine andere Wahl, als zu gehorchen. Man drückte ihm eine Schild mit der Nummer 5 drauf in die Hand und steckte ihn mit 4 anderen, unsympathisch aussehenden Typen in einen hell erleuchteten Raum zwecks Gegenüberstellung.
In dem Raum daneben, aber für Remy nicht sichtbar, fragte Constable Tenison Laura: „Ist Ihr Mr. Steele dabei?“
„Oh, ja, es ist Nummer 5.“
„Sind Sie sicher?“
„Definitiv. Das ist er. Ohne Zweifel.“
„Gut. Danke, Madam.“ Zu seinen Leuten meinte er: „Ihr könnt Nummer 5 freilassen. Das ist nicht der Belfast Bomber.“
Zehn Minuten später trat ein verwunderter Remy aus seiner Zelle und wurde in die Eingangshalle geführt, wo Laura ihn schon aufgeregt erwartete.
Als sie ihn sah, lief sie auf ihn zu und umarmte ihn: „Gott sei Dank. Ich hab schon gedacht, du wärst weggelaufen.“
„Och, Laura, du müsstest mittlerweile wissen, dass ich dich nie freiwillig alleine lassen würde.“
Die beiden verließen das Gefängnis und fuhren mit dem Taxi zurück ins Savoy.
Mittlerweile war es 7.00 Uhr früh und sie beschlossen, sich erstmal ein ausgedehntes Frühstück aufs Zimmer kommen zu lassen.
Teil 14
Remy beendete seine Schilderung der Ereignisse des Freitags mit den Worten: „Rififi am Karfreitag, Bob Hoskins, Pierce Brosnan in einer kleinen Nebenrolle, 1980. Warum hält mich bloß jeder für einen IRA-Terroristen?“
„Armer Remy!“ meinte Laura schließlich. „Aber jetzt bist du wieder bei mir und die Polizei weiß, dass du kein Massenmörder bist.“ fügte sie aufmunternd hinzu.
An den nächsten paar Tagen unternahmen die beiden mehrere Streifzüge durch die Stadt. Remy zeigte Laura den Buckingham Palace, die Tower Bridge, Big Ben und die Westminster Abbey, den Piccadilly Circus und den Tower of London. Mal gingen sie in Madame Tussaud´s Wachsfigurenkabinett, mal ins British Museum. mal in die British Library. Sie gingen zum Shopping in die Oxford Street und ins Harrod´s. Natürlich durfte ein Besuch im Sherlock-Holmes-Museum in 221B, Baker Street nicht fehlen, genauso wenig wie der Markt in der Portobello Road, auf dem man alles Mögliche kaufen kann. Das erinnerte Remy an den Film: „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“, Angela Lansbury, Walt Disney Pictures, 19?? in dem es eine Szene gibt, die auf diesem Markt spielt. Und Remy kam endlich dazu, seine Anzüge von Gieves & Hawkes abzuholen.
Arthur Braithwaite, der Schneider, machte zunächst keinen erfreuten Eindruck, als Remy sein Geschäft betrat, aber letzterer konnte ihn rasch davon überzeugen, dass es sich lediglich um ein kleines Missverständnis gehandelt hatte, das in der Zwischenzeit beseitigt worden war.
Teil 15
Am Tag vor ihrer Abreise hatte Remy noch eine besondere Überraschung für Laura: Er ging mit ihr zu Tessier´s of Bond Street, wo er ihr die schönste und teuerste Diamantenhalskette schenkte, die im ganzen Juweliergeschäft zu finden war.
Abends gingen sie ins St. Martin´s Theatre im West End, um das Stück „Die Mausefalle“ von Agatha Christie zu sehen. Remy trug natürlich einen Smoking und Laura ihr Kleid, das sie schon am ersten Abend umsonst getragen hatte. Dazu ihr neues, glitzerndes Diamantencollier und ihr Lieblingsparfüm. Remy fand, sie sah einfach hinreißend aus.
Nach dem Theater kehrten sie ins Savoy zurück, wo Remy das Menü bestellt hatte, von dem er vor wenigen Tagen noch in seiner Gefängniszelle geträumt hatte.
Teil 16
Und dann war es auch schon soweit. Der Tag der Heimreise war gekommen.
Remy und Laura warteten am Heathrow Airport darauf, dass ihre Maschine aufgerufen wurde. In ihrer Nähe saß auf einer Bank ein dünner Mann mit hellroten, etwas zu langen Haaren, 3-Tage-Bart und Sommersprossen im Gesicht. Er trug eine Jeanshose, ein Jeanshemd und darüber eine braune Lederjacke und wippte nervös mit den Füßen hin und her. Unruhig schaute er dauernd umher, als suche er etwas oder jemanden.
Da stürmten auch schon zwei Flughafenpolizisten heran. Mit den Worten: „Vorsicht!“ und „Aus dem Weg!“ rannten sie haarscharf an unseren beiden Detektiven vorbei und hätten diese fast noch umgerannt.
Der nervöse Rothaarige versuchte noch, zu fliehen, aber vergebens. Die beiden Polizisten hielten ihn noch fest. Einer der beiden Polizisten fing an: „Bootsy O´Connor?“
„Ja,“, schnauzte der widerwillig zurück.
„Sie haben das Recht zu schweigen…“
Und während die Polizisten den echten Belfast Bomber über seine Rechte aufklärten, murmelte Remy, der die Szene aufmerksam beobachtet hatte: „Viel Spaß mit Pat, Mick und Sean, Bootsy!“
„Was?“ fragte Laura verständnislos.
„Ach, nichts“, antwortete Remy geistesabwesend. „Oh, hör mal! Unser Flug wird aufgerufen. Ich schätze, wir sollten gehen.“ fügte er hinzu.
Laura nahm ihre Handtasche und die beiden machten sich auf den Weg nach L.A.
© 21.05.2006 by MajorPetrofsky