The Steele before the Wedding
Intro
Suntanned,
windblown
Honeymooners at last alone
Feeling far above par
Oh, how lucky we are
While I give to you and you give to me
True love, true love
So on and on it will always be
True love, true love
For you and I have a guardian angel
On high, with nothing to do
But to give to you and to give to me
Love forever, true
For you and I have a guardian angel
On high, with nothing to do
But to give to you and to give to me
Love forever, true
Love forever, ...true
„True Love“
Lyrics and Music by Cole Porter
Performed by Bing Crosby and Grace Kelly (High Society, MGM, 1956)
Teil 1
Remington war abends im Büro geblieben. Laura war zu einer Party eingeladen worden und hatte ihn nicht mitgenommen. Er war beleidigt. Aus Trotz hatte er beschlossen, die Akten zu ordnen.
„Freitagabend, 23.50 Uhr und ich sitze allein im Büro, nur in Gesellschaft von verstaubtem Papier.“ murrte Remy zu sich selbst.
Er wollte gerade was in Mildreds Computer nachsuchen, als die Tür der Agentur aufflog und eine sturzbesoffene Laura reintorkelte. Sie schien bester Laune zu sein. Sie lallte ein Wort, das wie ein Zwischending aus „Remington“ und „Hamilton“ klang und wollte auf ihn zugehen, mit der Absicht, ihm einen dicken Schmatzer auf die Wange zu kleben.
Allerdings stolperte sie über ihr langes, glitzerndes Abendkleid und knallte in Remy, der sie auffing. Bei dem Versuch, sich an ihm festzuklammern, um nicht hinzufallen riss sie ihm auch noch die Tasche aus dem Sakko seines dunkelblauen, maßgeschneiderten Brioni-Anzugs.
„Upps! Höhö!“ grinste sie nur. „Schuldijung!“
Das verschlechterte Remys Laune noch zusätzlich. Er raunzte sie an: „Aber mir Vorhaltungen machen, wenn ich mal an einem Glas Champagner nippen will.“
„Nich böse sein – Hick -- Der Ansssuuug hat mir soso nie gefalln. – Hick – Muss dir was Wischtijes sahn: Ischwerde heiraten.“
Teil 2
Remy fiel aus allen Wolken. Währenddessen grölte Laura das Lied „True Love“ von Cole Porter.
Remy hatte sich mittlerweile wieder etwas gefangen und fragte sie: „Du wirst was? Wen denn?“
„Ich werde heiraten – Hick –„ schrie Laura. „Und swar Bill, mit dem wir mal im äh… L´Orage, L´Orange…“ Laura verdrehte nachdenklich die Augen, als sie versuchte, sich an den Namen des Restaurants zu erinnern.
„L´Ornate“, brüllte Remy nervös.
„Jap, Lö… Lo… wassu da gesaht hass…“ Sie grinste wieder dämlich.
„Sag mal. meinst du etwa diesen billigen Pierce-Brosnan-Verschnitt für Arme?“ fragte Remy außer sich.
„Er iss nich billisch, er is süüüüss – Hick --„
„Das kannst du nicht tun. Weißt du überhaupt, worauf du dich da einlässt?“
Teil 3
„Natürlich weiß sie das.“
Bill war gerade eingetreten. Wenigstens er schien nüchtern zu sein.
„Ach, nicht mehr beim Versuch, in Kontakt mit sich selbst zu treten?“ fragte Remy äußerst sarkastisch.
Bill war dumm genug, den Spott nicht zu bemerken. „Ich liebe sie. Das weiß ich schon von dem Augenblick an, als ich damals vor ihrer Tür stand. Ich werde sie glücklich machen.“
„So wie Ihre Exfrau?“
Darauf fiel Bill keine Antwort ein. Er war nun mal keinen Sarkasmus gewohnt. Stattdessen hielt er Ausschau nach Laura. Die hatte es sich inzwischen in Mr. Steeles Büro gemütlich gemacht. Sie lag im Chefsessel, Füße auf dem Schreibtisch und schnarchte zufrieden vor sich hin.
„Komm, Laura, Schatz, wir gehen“, stotterte Bill schüchtern. Keine Reaktion.
Nur herablassendes Kopfschütteln von Remy. „So wird das nie was.“ Er ging auf Laura zu: „Miss Holt, es wird Zeit für Sie, nach Hause zu gehen.“ sagte Remy wütend, packte Laura über seine Schulter und ging mit ihr und ihrem Verlobten nach unten in die Tiefgarage.
Teil 4
Remy verfrachtete Laura in die Steele-Limousine. Bill stand nur doof daneben.
„So“, keuchte Remy, „Ich fahre Sie beide nach Hause. Sie steigen bei mir vorne ein. Damit Sie mir nicht auf dumme Gedanken kommen.“ Bill tat, wie ihm befohlen.
Remy wusste, dass er diesen Kerl vergraulen musste. Also fing er auf der Fahrt an: „Sie wollen sie also heiraten, ja?“
„Ja.“
„Und warum?“
„Weil ich sie liebe. Sie ist hübsch und intelligent. Und ich will, dass sie ihre eigene Detektei gründet. Damit sie nicht mehr bei Ihnen arbeiten muss.“
„Ach ja? Und was sagt Laura dazu?“
„Sie ist ganz meiner Meinung. Sie wollte schon immer eine eigene Agentur.“
„Davon hat sie mir nie was erzählt.“ entgegnete Remy nur. Er dachte hingegen: „Es ist zwecklos. Der Kerl ist noch dümmer, als er aussieht. Und dann seine billigen Anzüge von der Stange. Die sind genauso wenig wert wie sein Rasierwasser. Der Typ hat keinen Stil, keinen Geschmack. Da stimmt was nicht.“
Teil 5
Bei Lauras Wohnung angekommen, kommandierte Remy seinen Konkurrenten: „Los, Bill, helfen Sie mit, Laura reinzutragen.“
Es gelang den beiden schließlich, Laura in ihr Bett zu bringen. Als sie im Bett lag, lallte sie noch was von: „Ich liiiieeebe dich!“ Es war aber nicht klar, welchen der beiden sie damit meinte.
Remy ignorierte das und wandte sich wieder an Bill: „Ich fahre Sie jetzt nach Hause. Wo wohnen Sie?“
„Elm Street 2437.“
„Also gut. Ich fahre Sie dahin.“
Wieder zurück in der Limousine quasselte Remy weiter: „Tja, guter Freund. In Zukunft müssen Sie Laura alleine in ihr Bett schleppen, wenn sie gesoffen hat.“
„Das war doch nur heute.“
„Ja, und an jedem anderen Tag ihres Lebens auch. Ich behalte sie nur, weil ich sie ganz gut leiden kann. In jeder anderen Detektei wäre sie schon längst geflogen.“
Bill schien skeptisch: „Sie hat mir erzählt, sie würde kaum jemals Alkohol trinken.“
„Wenn man mal von ihrer Alkoholsucht absieht.“ meinte Remy.
Dieser Trick schien zu funktionieren. Bill schien ihm zu glauben, denn er antwortete: „Ich werde ihr helfen, davon loszukommen. Sie trinkt dann doch nur Ihretwegen. Weil Sie sie wie Luft behandeln und sie nie einen Fall alleine lösen lassen.“
„Hast du ne Ahnung“, dachte Remy. Er hielt es jedoch für besser, zu schweigen. Tja, das hatte dann wohl doch nicht geklappt. Er musste sich was Besseres einfallen lassen.
Teil 6
Da waren sie auch schon bei Bills Wohnung angekommen. Eine richtige Bruchbude! Ein Wunder, dass die Baracke noch steht, dachte Remy und sagte: „Ist ja ein gemütliches Zuhause.“
Bill, der das als Kompliment auffasste, antwortete: „Ja, finden Sie nicht auch? Hier werde ich mit Laura eine Familie gründen.“
Remy grinste und dachte: „Welche Familie? Familie Flodder vielleicht?“
Bill stieg aus und ging in sein zerfallendes Haus.
„Laura, weißt du eigentlich, was für ein Penner der Typ hier ist?“ murmelte Remy vor sich hin. Ihm war klar, dass er diesen Kerl hier loswerden musste. Und zwar so schnell wie möglich. Er fuhr zurück zu Lauras Wohnung. Wozu hatte er schließlich einen Zweitschlüssel? Dort angekommen, ging er also hinein. Laura schlief den Schlaf der Gerechten. Irgendwie fand Remy ihr Schnarchen niedlich. Jetzt mit ihr zu reden, hatte keinen Sinn. Aber er würde sie nicht alleine lassen. Er legte sich auf die Couch. Damit er ihr gleich morgen früh als Erstes einen sprichwörtlichen Tritt in den Hintern verpassen konnte.
Während er noch überlegte, wie er Bill am besten zum Teufel schicken könnte, schlief er ein.
Teil 7
Am nächsten Morgen. Lauras Wecker klingelte. Laura murrte nur und schmiss den Apparat zu Boden, damit er mit der Klingelei aufhören sollte. Sie drehte sich um und schnarchte weiter.
Auch Remy war aufgewacht. Er stand auf und fing an, Frühstück zu machen. Dann versuchte er, Laura zu wecken. Zuerst auf die sanfte Art, aber das brachte nichts. Dann schrie er: „Laura, verdammt noch mal! Wach auf!“ und schüttelte sie.
„Mmmm!“ brummte sie. Ihr Schädel würde gleich platzen. Dann blickte sie in ein Paar leuchtendblaue Augen. Schlechtgelaunte leuchtendblaue Augen, um genau zu sein. Sie stellte fest, dass sie einen totalen Filmriss hatte. Was machte Remy hier? Warum schien er so sauer zu sein? Aber wenigstens hatte er Frühstück gemacht. Das war nett von ihm! Und es roch so gut nach Kaffee. Sie wollte aufstehen, aber bei dem Brummschädel, den sie hatte, schaffte sie es erst im dritten Anlauf.
„Vorsicht, Laura! Warte, ich helf dir!“ Er begleitete sie zum Küchentisch.
„Mann, is mir schlecht!“ stöhnte Laura.
„Überlass das Trinken in Zukunft den Leuten, die´s können.“ meinte Remy hartherzig.
„Warum bist du so sauer?“
„Das fragst ausgerechnet du?“
„Hab ich was angestellt?“ fragte Laura, vollkommen ahnungslos.
„Ich helf dir mal auf die Sprünge: Hörst du nicht schon die Hochzeitsglocken läuten?“
Laura schüttelte immer noch unwissend den Kopf. Doch dann schien es ihr zu dämmern. Sie hatte sich mit diesem Bill verlobt. „Oh, Gott! Stimmt das wirklich?“ fragte sie entsetzt.
„Oh, ja! Du hast mich gestern abend extra davon in Kenntnis gesetzt.“
Die Türglocke läutete.
Teil 8
Laura war starr vor Entsetzen. „Was soll ich denn jetzt tun?“
„Die Tür aufmachen, liebste Laura.“ erwiderte Remy trocken.
Sie tat, was er sagte. Da stand Bill vor der Tür: „Guten Morgen, Honigkuchen!“ rief er gutgelaunt und drückte Laura einen feuchten, schlabbrigen Kuss auf die Wange. Remy war richtig angeekelt davon.
Nun sah Bill, dass sein schärfster Konkurrent auch anwesend war. „Oh, hallo, Mr. Steele!“ begrüßte er ihn mit einem Ausdruck der Verwunderung im Gesicht.
„Hallo, Bob!“ murrte Remy zurück.
„Mein Name ist aber Bill!“ antwortete dieser leicht beleidigt.
„Von mir aus!“ meinte Remy.
Laura gab Remy ein Zeichen, abzuhauen, doch der wollte diese Szene um keinen Preis verpassen.
Laura wusste, dass Remy bleiben würde. Insgeheim hoffte sie, er möge ihr helfen. Doch Remy hatte nichts dergleichen vor. Er spielte lieber den stummen Beobachter.
„Laura, mein Moosröschen, heute gehen wir zum Juwelier und da kaufen wir dir einen Verlobungsring.“ Laura lächelte entsetzt.
„Ach, ein echter Ring? Respekt! Ich dachte, Sie würden den Verschluss einer Bierdose bevorzugen.“ warf Remy zynisch ein.
„Wie kommen Sie denn darauf?“ fragte Bill erstaunt.
„Och, ich dachte, nur so…“ war alles, was Remy darauf antwortete. Bill hätte den Sarkasmus sowieso nicht kapiert.
„Bill, ich muss dir was sagen…“ fing Laura an.
„Nicht jetzt, Honigkuchen. Jetzt fahren wir in die Stadt zum Juwelier.“
Laura warf einen hilfesuchenden Blick auf Remy. Der jedoch grinste nur. Die Schadenfreude stand ihm ins Gesicht geschrieben.
Teil 9
„Ach, Bill, geh doch schon mal vor, ja? Ich muss noch was ganz Wichtiges mit Mr. Steele besprechen.“ bat Laura ihren schusseligen Verlobten.
„Wie du willst“, antwortete der mit einem eifersüchtigen Blick auf Remy und ging.
Als er außer Sichtweite war, wandte Laura sich an Remy: „Was soll ich denn jetzt bloß tun?“
„Sag ihm doch einfach die Wahrheit.“, erwiderte dieser lapidar.
„Das kann ich nicht. Was, wenn er der Richtige ist? Im Suff offenbaren Menschen ihre wahren Gefühle.“
„Laws of Attraction, Pierce Brosnan, Julianne Moore, Irish Dreamtime, 2004.“
„Was? Und was hast du überhaupt mit diesem Pierce… äh… wie der auch immer heisst?“
„Der Satz, den du gerade gesagt hast, der ist aus dem Film.“ lächelte Remy. „Und dieser Pierce Brosnan ist gar kein schlechter Schauspieler. Er hat was von Cary Grant, weißt du?“ Remy träumte wieder vom alten Hollywood.
Laura verdrehte die Augen. „Kann dein Pierce Brosnan mir dann auch vielleicht verraten, was ich jetzt tun soll?“
„Ich fürchte, da musst du durch. Ein Versprechen muss man immer halten, vor allem ein so großes.“
Laura sah ihn mit einer Mischung aus Ärger und Entsetzen an. Remy grinste nur schadenfroh.
Teil 10
Widerwillig begleitete Laura ihren Zukünftigen zum Juweliergeschäft von Mr. Van Beers.
Gutgelaunt wandte sich Bill an Van Beers: „Zeigen Sie mir doch ein paar Verlobungsringe.“
„Sehr wohl, Sir“, antwortete der Juwelier und präsentierte seine teuersten Waren.
„Oh“, schluckte Bill, „das überzieht mein Budget doch etwas. Haben Sie nichts Billigeres?“
Seufzend sah der Juwelier Laura an. Diese lächelte entschuldigend. Er nahm ein Tablett mit etwas billigeren Stücken hervor.
Diesmal meinte Bill: „Kann ich mir das noch überlegen?“
„Wie Sie meinen, Sir.“
Beschämt verließen die beiden das Geschäft. Draußen sagte Laura zu Bill: „Bill, hör mal…“
„Nein, ich weiß, was du sagen willst. Dein Chef hat mir alles erzählt. Aber, zusammen können wir dieses Problem lösen. Ich werde dir helfen, deine Alkoholsucht zu überwinden.“
Laura verstand bloß noch Bahnhof. „Er hat dir… WAS erzählt?“ schrie sie.
„Ruhig, Honigkuchen. Ich habe vollstes Verständnis. Wir werden dein Problem schon lösen.“
Streitend gingen die beiden ihrer Wege.
In der Zwischenzeit war Remy aus dem Büro des Juweliers gekommen. „Vielen, herzlichen Dank, Mr. Van Beers, dass Sie ihm nur die teuersten Ringe gezeigt haben. Ich schulde Ihnen einen Gefallen.“
„Aber kein Problem, Mr. Steele, für Sie tu ich das doch gerne.“
„Ach, zeigen Sie mir doch bitte noch einmal den 48-Karäter, den ich vorhin schon bewundert habe.“
„Selbstverständlich, Mr. Steele.“ Mr. Van Beers öffnete den Safe und nahm einen silbernen Ring mit einem riesigen, rechteckigen Diamanten heraus.
„Ja, das ist genau das Richtige für meine zukünftige Braut.“
„Ich bin hocherfreut, dass er Ihnen gefällt, Mr. Steele. Das ist mein teuerster Verlobungsring.“
„Würden Sie ihn mir bitte einpacken?“
„Sehr wohl, Mr. Steele.“
Remy bedankte sich und stellte einen Scheck über $60.000,- aus.
Teil 11
Währenddessen war Laura in der Detektei angekommen. Nur ungern hatte Bill sie dort alleingelassen. Nun saß sie in ihrem Büro und dachte nach. Es musste doch einen Weg geben, diese Verlobung rückgängig zu machen. Sie brachte es nicht übers Herz, dem armen Mann zu sagen, dass das alles ein riesiges Missverständnis war. Und Remy war ihr keine Hilfe. Im Gegenteil! Der amüsierte sich köstlich! Er wäre sicher noch am liebsten Trauzeuge.
Da platzte Remy herein, in allerbester Stimmung. Er hatte schon mehr Klasse als Bill, dachte Laura. In diesem Anzug und dem dunklen marineblauen Mantel, und mit dieser niedlichen Haarsträhne, die er nicht bändigen konnte, sah er schon zum Auffressen aus. Warum konnte sie nicht jemanden wie ihn treffen?
„Na, wo ist denn dein Verlobungsring? Ich wette, Bill hat ein Vermögen dafür ausgegeben. Jetzt zeig schon her.“ bettelte Remy ungeduldig. Laura entschloss sich, ihm die Wahrheit zu sagen: „Ich hab keinen. Die waren alle zu teuer. Ist vielleicht auch besser so. Denn heiraten werde ich den Typ auf keinen Fall.“
Innerlich lachte Remy sich halbtot. Aber er sagte nur: „Arme Miss Holt! Da hast du dir einen schönen Verlobten ausgesucht. Der hat noch nicht mal Geld für einen einfachen Ring.“
„Hör auf, den Mann zu verspotten. Er ist nun mal nicht so reich wie du. Das heißt aber noch lange nicht, dass er ein schlechter Mensch ist“, verteidigte sie Bill.
„Natürlich nicht“, erwiderte Remy und zog eine Grimasse. „Er ist bestimmt ein guter Mensch. Darum hat seine Exfrau ihn auch rausgeschmissen.“
„Die beiden haben bloß nicht zueinander gepasst.“
„Ja, ist klar.“
„Ach, denk doch, was du willst.“
„Das tu ich sowieso.“, antwortete Remy und verschwand in sein Büro, wo er sein Gesicht hinter der Zeitung versteckte und hämisch grinste.
Teil 12
Remy rief Mildred in sein Büro. Allein würde er es nie schaffen, das frischgebackene Liebespaar auseinander zu reißen.
„Mildred, ich brauche Ihre Hilfe, ganz unbedingt. Ist Miss Holt noch hier?“
„Nein, Chef, sie ist vor einer halben Stunde gegangen. Wobei brauchen Sie mich denn?“ fragte Mildred unternehmungslustig. Remy erklärte ihr die Situation.
„OK, Chef, da helfe ich Ihnen doch glatt. Ich will Sie beide auch endlich unter der Haube sehen. Was soll ich denn tun?“ Mildred war begeistert.
„Nun, als Erstes fahren Sie jetzt nach Hause und ziehen schwarze Kleidung an. Und nehmen Sie auch eine dunkle Mütze mit. Ich hole Sie in einer Stunde ab.“
„Geht klar, Chef.“
Eine Stunde und 15 Minuten später waren Mildred und Remy – beide schwarz angezogen – bei Bills Haus angekommen.
„Gott im Himmel! Und hier soll die arme Miss Holt nach der Hochzeit wohnen? Das geht nicht. Das müssen wir unbedingt verhindern.“
„Ganz meine Meinung, Mildred. Also, auf geht´s.“
Teil 13
Mitternacht. Laura kam mit Bill nach Hause. Er hatte ihr unbedingt sein Haus zeigen wollen.
„Hier wohnst du?“ fragte sie.
„Ja, gefällt´s dir?“
„Es ist nett, wirklich.“ antwortete sie mit gespielter Höflichkeit.
Sie gingen hinein. Was für ein Anblick bot sich ihnen hier: Das ganze Haus war von oben bis unten verwüstet worden.
„Was zum… Hier sieht´s ja aus wie nach ´nem Vulkanausbruch!“ fand Laura.
„Dante´s Peak, Pierce Brosnan, Linda Hamilton, Universal, 1996.“ rief Remy gutgelaunt und trat durch die Vordertür. Ein wenig entschuldigend meinte er: „Ich war gerade hier in der Gegend und da dachte ich, ich schau mal vorbei und sag Hallo.“
Bill war den Tränen nahe. Zuerst war sein Haus verwüstet worden und zu allem Überfluss tauchte der auch noch hier auf. Hatte Bill denn nie Glück?
„Kopf hoch, guter Freund. Das hier haben Sie im Handumdrehen wieder aufgeräumt.“ versuchte Remy ihn aufzumuntern. „Oder Sie können´s auch gleich so lassen. Das passiert uns Privatdetektiven andauernd, nicht wahr, Miss Holt?“
„Hm? Ja, das tut es.“ antwortete Laura geistesabwesend. Jetzt war ihr klar, welcher Vulkan hier ausgebrochen war. Und sie hatte vor, mit diesem Vulkan ein Wörtchen zu reden. „Aber erst morgen, wenn ich mich wieder etwas beruhigt habe“, dachte sie und verabschiedete sich von Bill, um nach Hause zu fahren. Dabei warf sie Remy noch einen verärgerten Blick zu.
Teil 14
„Machen Sie sich keine Sorgen deswegen, Bob“, meinte Remy fröhlich. „Das passiert mir ständig. Ich räume schon gar nicht mehr auf. Ja ja, mit Miss Holt haben Sie sich was Schönes angelacht. Die ist nicht so wie Ihre Exfrau.“
„Was erlauben Sie sich, hierher zu kommen und mir meine Vergangenheit um die Ohren zu schlagen?“ entgegnete Bill, seine Wut unterdrückend.
„Ah, Der Schneider von Panama. Da sagt Geoffrey Rush genau das Gleiche zu Pierce Brosnan, äh… Columbia Tristar, 2001. Ja, wer hätte gedacht, dass Pierce Brosnan so genial als arroganter Drecksack ist“, schwärmte Remy.
Bill kam sich allmählich verarscht vor. „Verschwinden Sie. Und kommen Sie nie wieder hierher. Ich werde Laura doch heiraten.“
„Tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber sie hat einen schwierigen Charakter“, meinte Remy und verließ dann fluchtartig das Haus.
Unterwegs grübelte er weiter. Auch dieser Trick hatte nicht geholfen. Was muss dem denn noch alles passieren, damit er endlich von der Bildfläche verschwindet? Vielleicht sollte er den Penner auf eine Reise um die Welt schicken, so wie Pierce Brosnan als Phileas Fogg in „In 80 Tagen um die Welt“, NBC, 1989. Nein, zu aufwendig. Wenn er doch nur James Bond wäre, dann wäre dieser Bill der Bösewicht und er bräuchte ihn einfach nur zu erschießen. Moment mal! Das war doch die Idee. Genau! Das müsste hinhauen.
Teil 15
„Aber, Chef, ich hab doch keine Ahnung, wie man mit so ´nem Ding umgeht.“ flehte Mildred verzweifelt.
„Keine Angst, Miss Krebbs, das ist nur eine Schreckschusspistole. Außer einem lauten Knall kann da nichts passieren.“ beruhigte Remington seine Sekretärin, die in einem Pennerkostüm steckte. „Sie müssen nur aufpassen, dass die beiden Turteltauben Sie nicht entdecken.“
Mildred zögerte verzweifelt.
„Keine Angst, Mildred. Sie schaffen das schon.“ erwiderte Remy, zwinkerte mit den Augen und machte sein berühmtes Geräusch mit den Zähnen.
„Meinen Sie wirklich?“ fragte Mildred ängstlich.
„Aber das steht doch außer Frage. Ich habe vollstes Vertrauen zu Ihnen.“
„Na schön, wenn Sie meinen, Chef.“
„Und außerdem bin ich in der Nähe. Da kann überhaupt nichts schief gehen. Also, Sie wissen, was Sie zu tun haben, wenn wir unten am Hafen sind?“
„Ich schieße auf die beiden und verstecke mich dann. Und Sie sind sicher, dass die beiden auch kommen?“
„Machen Sie sich darüber keine Gedanken, Mildred. Das werden sie schon.“
Teil 16
„Es tut mir leid, Bill, aber ich muss unbedingt zum Hafen. Ein wichtiger Hinweis zu unserem momentanen Fall.“
„Ich komme mit, Laura.“
„Weißt du, ich halte das für keine so gute Idee.“ meinte Laura zweifelnd.
„Da kann doch nichts passieren. Du suchst deinen Hinweis und danach gehen wir aus.“ war Bills optimistische Antwort. Laura sah ein, dass es keinen Sinn hatte, auch nur zu versuchen, Bill das Mitkommen auszureden. Also fuhren die beiden zum Hafen. Jetzt am Abend, in der Dunkelheit, war es hier menschenleer.
Während Laura auf ihren geheimnisvollen Informanten wartete, schlich eine mysteriöse Gestalt hinter den Containern umher. Wer hätte es anders sein sollen als Mildred, die versuchte, einen guten Blickwinkel zu finden. Remy hatte ihr eingeschärft, zu schießen, sobald Bill Laura küssen würde. Mildred war sichtlich nervös. Sie dachte nur noch: „Großer Gott! Worauf hab ich mich da nur eingelassen?“ Aber wenigstens hatte sie jetzt das ideale Versteck gefunden.
„Laura, glaubst du wirklich, dass dein Informant noch kommt?“ fragte Bill verständnislos. Ihm war die ganze Geschichte unheimlich.
„Klar, warum fragst du?“
„Och, nur so.“ antwortete Bill einfallslos. Jetzt ergriff er die Gelegenheit. Ohne Vorwarnung packte er Laura und küsste sie. Diese wollte sich wehren, als ein Schuss fiel.
Ja, Mildred hatte tatsächlich abgedrückt. Jedoch hatte sie vor Schreck den Spielzeugrevolver fallenlassen und war zu Remy ins Auto gestiegen.
„Gute Arbeit, Mildred“, lobte er sie und sie fuhren davon.
Bill zitterte wie Espenlaub: „Laura… mir ist schlecht…“ murmelte er noch, bevor er in Ohnmacht fiel. Laura wollte ihm gerade helfen, als ihr Blick auf die Schreckschusspistole fiel. Sie hob sie auf und wusste sofort, was los war. „Na warte, wenn ich dich erwische.“ Sie war wütend. Das war der billigste Trick, den sie jemals erlebt hatte.
Teil 17
Zwei Tage später hatte sich die Situation für Remy noch immer nicht gebessert. Bill war eine harte Nuss. Aber Remy war nicht dumm. Er hatte noch einen Trick auf Lager. Es wurde auch höchste Zeit, denn die Hochzeit war auf den folgenden Tag festgelegt worden. Diese Nacht würde Laura keinesfalls bei diesem Penner verbringen. Remy zog seinen besten Anzug an, benutzte sein teuerstes Aftershave und mit einem riesigen Strauss langstieliger, roter Rosen fuhr er zu Bills Haus.
Teil 18
Dort angekommen, überdachte er noch einmal seinen Plan, holte tief Luft und klingelte an der Tür. Bill machte ihm auf.
„Hach, Bill, mein Marzipanschweinchen. Hier. Die sind für dich.“ schrie Remy in gespielt tuntigem Ton und drückte Bill die Rosen in die Hand. Dieser war sprachlos. Hiermit hatte er nicht gerechnet.
„Weißt du, wie lange ich schon hierauf gewartet habe?“ fuhr Remy fort und drängelte sich an Bill vorbei in dessen Bruchbude. „Nein, nein, du musst dich nicht schämen. Gottchen, du bist so gutaussehend. Ich würde dich am liebsten gleich hier vernaschen.“ Dabei zog er tuntige Grimassen.
Bill wurde knallrot im Gesicht und stotterte: „Was?…Ich…Verzeihen Sie bitte…aber…“
„Och, Zuckerjunge, warum bist du so schüchtern? Gib´s schon zu. Du willst es doch auch.“
„Aber… ich dachte…Sie und Laura…“
„Was denn? Miss Holt? Ich bitte dich, ich würde doch nie eine Frau anfassen. Igitt!“ Remy verzog angeekelt das Gesicht. Er ging lächelnd auf Bill zu. „Aber du bist echt zum Knuddeln.“ Dabei wollte er Bill einen Kuss geben. Oder zumindest so tun, als ob. Bill verzog sich aus dieser Position. Das brachte Remy dazu, sich auf die Couch zu werfen und sein Gesicht in den Kissen zu vergraben. „Warum bist du so gemein zu mir? Ich offenbare dir mein Herz und du stößt mich weg. Schnief.“, schluchzte er.
Bill war verzweifelt. Er hatte nicht die geringste Ahnung, was er tun sollte. Also trat er einen Schritt auf Remy zu. „Ähm, Mr. Steele… ich glaube…Sie haben da was falsch verstanden…“
Ruckartig und freudestrahlend drehte sich Remy um und quietschte: „Oh, Bill, du liebst mich also doch. Du machst mich zum glücklichsten Menschen auf der ganzen Welt.“ Dabei klatschte er fröhlich in die Hände wie ein kleines Schulmädchen.
„Wie bitte?!“ fragte Bill erstaunt.
„Ich wusste es von Anfang an. Nur deinetwegen war ich immer bei Miss Holt, wenn du auch da warst. Ich habe mich so nach dir gesehnt.“
„Bitte, Mr. Steele, Sie müssen mir glauben…“ stammelte Bill weiter
„Ach, mein Lieber, sei doch nicht so förmlich. Nenn mich doch einfach Remy.“ Mit diesen Worten zog er Bill zu sich auf die Couch.
Da bemerkten die beiden erst, dass Laura in der Tür stand. Vor Entsetzen weiteten sich ihre Augen. „Was ist denn hier los?“ fragte sie entgeistert. Sie trat energischen Schrittes auf Remy zu und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. Dann verließ sie Bills Haus genauso energisch wie sie hereingekommen war. Bill war starr vor Schreck ob der Szene, die sich da eben in seinem Heim abgespielt hatte. Remy war nicht weniger erschrocken und lief Laura hinterher. Doch sie war schon weg. Er ließ Bill, der völlig ratlos war, stehen, stieg in seinen Auburn und brauste davon, in Richtung Lauras Wohnung.
Teil 19
Remy klingelte an Lauras Tür. Sie öffnete, mit einem stocksaueren Gesichtsausdruck. Sie wollte ihm die Tür vor der Nase zuknallen, doch er bettelte: „Laura…warte!“
„Was willst du hier noch?“
„Bitte…lass mich rein. Ich muss mit dir reden. Ganz dringend.“
„Ich weiß, dass du neuerdings schwul bist und dich in Bill verliebt hast. Also brauchst du nichts mehr dazu zu sagen.“
„Nein! Oh, mein Gott! Laura!“ flehte er. „Bitte! Lass mich rein!“ Dabei sah er sie mit diesem unwiderstehlichen, bettelnden Blick an. Sie gab nach: „Na schön!“ und ließ ihn in ihre Wohnung.
„Bitte, Laura, du musst mir glauben: Ich war nie, bin nicht und werde nie schwul sein.“ fing er an. „Das war alles nur ein Trick, um Bill von dir wegzubekommen. Es gibt doch nur einen Menschen auf dieser Welt, der mir mehr bedeutet als mein eigenes Leben. Ich weiß, du willst unbedingt frei und unabhängig sein, aber ich kann´s nun mal nicht ändern: Vom ersten Augenblick an, als ich dich sah, habe ich mich in dich verliebt. Ich empfinde viel mehr für dich als nur Freundschaft. Aber jedes Mal, wenn ich dir endlich meine wahren Gefühle zeigen will, weist du mich zurück. Weißt du, warum ich damals geblieben bin? Weil ich dich nicht verlieren wollte. Ich habe nur behauptet, Remington Steele zu sein, damit ich bei dir bleiben konnte. Für immer.“
Laura war immer noch skeptisch. Sie war hin- und hergerissen zwischen ihren Prinzipien und ihren Gefühlen. Irgendwie wollte sie ihn auch. Aber sie könnte es nicht ertragen, schon wieder ausgenutzt zu werden. So wie von ihren früheren Freunden, die immer wegliefen, nach einer kurzen Affäre. Noch einmal würde sie das nicht mehr mitmachen. Lieber würde sie sterben.
Remy fuhr fort: „Ich habe jetzt alles gesagt, was ich dir zu sagen hatte. Jetzt liegt es an dir. Entweder vertraust du mir oder du heiratest morgen diesen Bill und ich gehe meiner Wege.“ Er sah sie noch mal traurig an. Laura wusste nicht, was sie sagen sollte. Also schwieg sie.
„Du hast ja noch bis morgen Zeit, es dir zu überlegen. Gute Nacht.“ Enttäuscht ging er nach Hause. Dort ließ er sich auf die Couch fallen und schaltete den Fernseher ein. Es lief gerade „Evelyn“, Pierce Brosnan, Sophie Vavasseur, Julianna Margulies, UA/Irish Dreamtime, 2000.
Laura hingegen legte sich in ihr Bett und weinte sich in den Schlaf.
Teil 20
Am Hochzeitsmorgen in Lauras Wohnung. Sie wollte gerade aufstehen, als jemand energisch an die Tür klopfte. Es war Bill: „Laura, ich muss dir was beichten.“
„Komm erst mal rein und setz dich. Ich muss dir auch was sagen.“
„Dann du zuerst.“ stammelte Bill.
„Nein, du zuerst.“ antwortete Laura.
„Na schön. Gestern, als dein Chef bei mir zu Hause war, da ist mir was klar geworden…“ druckste er herum.
„Ja“ ermutigte Laura ihn.
„Ich bin schwul.“
„Oh!“
„Aber, nein, ich bin nicht in deinen Mr. Steele verliebt. Nur, ich weiß jetzt, dass du nie mit mir glücklich sein könntest. Deshalb… sage ich die Hochzeit ab.“
Laura atmete erleichtert auf. Da bemerkte sie, dass Remy in der Tür stand. Er kam zögernd herein, nicht sicher, wie Laura reagieren würde.
Sie stürzte auf ihn zu und umarmte ihn. „Remy, bitte verzeih mir. Ich liebe dich doch so.“
„Schon gut, Laura.“ antwortete Remy und befreite sich aus ihrer Umklammerung. Er zog eine kleine, dunkelblaue Kiste aus seiner Anzugtasche und hielt sie Laura hin. „Laura, ich könnte alles ertragen, nur nicht, dich zu verlieren. Willst du meine Frau werden?“
Laura starrte sprachlos auf den Ring. Schließlich sagte sie ja und die beiden küssten sich innig.
Epilog
Die Hochzeit fand eine Woche später statt. Bill war als Trauzeuge dabei. Er war in Begleitung seines neuen Lebensgefährten, eines blonden Engländers, dessen Gesicht so aussah, als wäre er gerade mit einem Teppichklopfer verdroschen worden.
Mr. und Mrs. Holt-Steele verbringen zur Zeit ihre Flitterwochen auf den Bahamas, so wie Pierce Brosnan und Salma Hayek in „After the Sunset“. Warner Bros., 2004.
© 06.04.2006 by MajorPetrofsky