Spring Roll Steele

 

Teil „yi“

Der Flug American Airways von L.A. nach Shanghai trifft gerade auf dem Flughafen „Pudong“ ein. „Remy, ich bin total fertig. Ich will so schnell wie möglich ins Hotel.“ „Geht mir genau so, liebste Laura. Bald haben wir es geschafft.“, meinte Remy und zerrte ihre Koffer vom Gepäckband. „Gott, Laura, was hast du da alles drin? Das Ding wiegt ja ‚ne Tonne!?“ „Na ja, man weiß ja nie was kommt. Ein paar Essenvorräte und so.“ „EIN PAAR? Du hast wohl Angst, dass du hier nicht genügend Schokolade kriegst.“ „Du Fiesling.“, keifte Laura ihn an und gab ihm eins auf den Hinterkopf. Dann erblickten die zwei auch schon einen Mann, der sie anscheinend zu ihrem Hotel bringen sollte, denn auf dem Schild das er in seinen Händen hatte stand groß „Lemington Steele“ drauf, woraufhin Laura von einem gewaltigen Lachkrampf befallen wurde. „Mistel Steele? Ni hao! Ich bin wählend ihles Aufenthaltes in Shanghai ihl pelsönlichel Fahlel und Übelsetzel. Ich wünsche ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“ „Vielen Dank“, entgegnete Remy höflich und die zwei folgten dem Chinesen zu einer großen Limousine, die sie schnurstracks durch den wilden shanghaier Verkehr zu ihrem Hotel beförderte.

 

Teil „er“

Am nächsten Morgen wurden die zwei vom gestrigen „Fahlel und Übelsetzel“ direkt zu ihrem neuen Auftraggeber gebracht. Er hatte sein Büro in einem dieser neuen und schicken Wolkenkratzer. Er war ebenfalls Amerikaner und hatte in China sein großes Geld gemacht. „Guten Tag, Mr. Steele, Miss Holt. Wie sie sicher schon gehört haben bin ich einer der reichsten Männer in Shanghai. Doch seit mehreren Monaten scheine ich jemandem ein Dorn im Auge zu sein, verstehen sie? Ich gebe häufig Gala-Dinner für meine Kunden. Doch in den letzten drei Monaten verlief keines dieser sonst so harmonischen Abendessen mehr ohne Zwischenfälle. Beim ersten Mal explodierte das elektrische Schoko-Fondue. Zuerst dachten wir alle nur an einen Materialfehler doch dies sollte sich sehr bald ändern.“ „Was ist dann passiert?“, fragte Remy und von Laura abzulenken, die irgendwie nicht mehr ganz bei Sinnen war, nachdem sie das Wort „Schoko-Fondue“ gehört hatte. „ Der zweite Vorfall ereignete sich nur wenige Tage später. Im Keller brach das ganze Regal, das mit einem der teuersten Weine gefüllt war zusammen, jemand hatte die Beine angesägt. Zuerst blieb es ja auch nur bei Sachschäden. Wir nahmen es hin und dachten, jemand wolle uns nur einen bösen Streich spielen. Doch dann wurden letzte Woche zwei meiner besten Mitarbeiter von einem Plastik-Barrock-Kronleuchter erschlagen. Nun halte ich das ganze nicht mehr nur für einen Scherz. Und nun kommen sie zum Einsatz. Ich möchte, dass sie herausfinden, wer hinter der ganzen Sache Steckt, okay? Sie werden übermorgen zu meinem nächsten Gala-Dinner erscheinen und sich als Gäste ausgeben. Bitte verhalten sie sich möglichst unauffällig, damit niemand Verdacht schöpft.“ „Wir werden sie nicht enttäuschen.“, versicherte Remy und mit einem Zähneschnalzen verschwand er gemeinsam mit Laura aus dem Büro.

 

 

 

Teil „san“

Der Tag ihres Einsatzes war gekommen und die zwei hatten sich in ihre teuersten Klamotten geschmissen, um zwischen den ganzen reichen Leuten möglichst nicht aufzufallen. Ihr Übersetzer war ebenfalls mitgekommen. Sie gesellten sich zu einer Gruppe Chinesen, die in der Einganghalle standen und kleine Frühlingsrollen aßen. Dann huschte plötzlich einer riesiger Käfer über den frisch gewienerten Fußboden. Laura bekam den puren Ekel. Eine Chinesin schrie plötzlich: „ Ou, hen piao liang jiachong!!!“ Remy fasste dies so auf, dass die Chinesin den Käfer ebenfalls ekelhaft fand und trat mit seinen teuren Italienischen Schuhen voll drauf, so dass es ganz widerlich knackte. Doch dann stieß die Frau einen heftigen Schrei aus und fiel in Ohnmacht. „Oh Gott, oh Gott, Remy was hast du da gemacht!?“, jammerte Laura und kniete sich zu der Frau auf den Boden. Dann mischte sich auch der „Übelsetzel“ in das Geschehen ein: „Mistel Steele. Was haben sie da gemacht. Die Flau fand den Käfel äußelst hübsch und nun ist el zelquetscht. Das wal ein großel Schock!“ Als Laura das hörte, guckte sie Remy ganz böse an. „Du solltest doch kein Aufsehen erregen!“ und immer mehr Menschen versammelten sich um die Frau, die nun wieder erwacht war und ständig „wo ai jiachong“ schrie. Remy kam sich vor, als wenn nur noch Bekloppte um ihn herum wären. Laura unterhielt sich mit der Frau auf Chinesisch. Seit wann konnte sie das? Alles um Remy herum drehte sich und er begann zu schreien, Dann wurde ihm schwarz vor Augen…

 

Teil „si“

„Remy, Remy? Alles ok mit dir?“, fragte Laura, die neben ihm auf dem Boden saß. Der Boden war nass, um Remy herum waren viele Menschen, Amerikaner. „Sind wir wieder zu Hause?“, fragte er. „Wo sollen wir denn gewesen sein?“, fragte Laura, „wir waren doch seit zwei Monaten nicht mehr außerhalb von L.A.!“. Dann erblickte er plötzlich einen Chinesen mit Kochmütze. „Nein!“, schrie Remy. „Remy, Remy beruhig dich, wir sind doch nur im China-Restaurant und du bist auf dem nassen Boden ausgerutscht.“ Langsam schien Remy zu begreifen. Sie waren gar nicht in China gewesen, das war alles nur ein Traum. „Laura? Versprich mir bitte, dass wir beiden nie nach China fliegen!“

 

ZAIJIAN J

 

Von SuiteIrlandaise, 2006

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