Partners of Steele Partners of Steele

Die Arbeit eines Privatdetektivs ist nicht gerade einfach. Es gibt Tage, da ist einfach nichts los. Man versucht, die Langeweile gepflegt zu verbringen und die Unt�tigkeit vor sich selbst zu rechtfertigen. Man tr�umt von spannenden F�llen und aufregenden Klienten, die ihre extravaganten W�nsche gro�z�gig entlohnen. Auf der anderen Seite gibt es nat�rlich auch Tage, an denen man aufpassen muss, dass einen die Arbeit nicht �berholt. Anfragen kommen, F�lle m�ssen gekl�rt werden, auch wenn andere noch offen sind. Die Kunden geben sich die Klinke in die Hand und es f�llt nicht leicht, bei allen Aktivit�ten noch einen k�hlen Kopf zu bewahren. Auch ein Privatdetektiv ist nur ein Mensch, auch wenn es ihm noch so schwer f�llt, diese Tatsache zu akzeptieren. Das Am�sement darf zu keiner Zeit zu kurz kommen, die allzu menschlichen Bed�rfnisse m�ssen befriedigt werden. Auch wenn Rechnungen bezahlt werden m�ssen und der Lebensunterhalt, der durchaus aufw�ndig sein kann, bestritten werden muss. Das war auch in der bekanntesten und ber�hmtesten Detektei von Los Angeles, der Remington Steele Agency, nicht anders. Momentan ging alles ein wenig zu forsch, wenn man den Chef der Agentur, Remington Steele, fragte. Das hei�t, ihn zu fragen war schon fast ein Ding der Unm�glichkeit. Ihn zu Gesicht zu bekommen hie�, lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Vertr�ge mussten vorbereitet und �berpr�ft werden, Beschattungen geplant, Ergebnisse pr�sentiert und abgerechnet werden. Die Steele Agentur war f�r viele Privatdetektive vorbildlich. Auch in Zeiten, in denen das Gesch�ft hart war, konnten sie sich �ber Wasser halten, auch wenn die Auftragslage schlecht war, strahlten sie Stil und selbstverst�ndliche Eleganz aus, ohne �berheblich oder aufdringlich zu wirken. Genau das sch�tzten die Kunden an dieser Detektei. Die souver�ne Gelassenheit und das Selbstverst�ndnis, das Zuversicht ausstrahlte. Trotz alledem ging Mr. Steele momentan seine Arbeit geh�rig auf die Nerven. Genau das, was oben aufgef�hrt ist, ging ihm durch den Kopf. �Es kann ja nicht sein�, dachte er, �wir arbeiten uns hier noch auf. Was bringt uns das viele Geld, wenn wir es nicht genie�en k�nnen?� Er konnte sich schon nicht mehr erinnern, wie lange es her war, dass er das letzte Mal mit seiner Partnerin unterwegs war, ohne einen Fall im Auge zu haben. Wann sie das letzte Mal zusammen aus waren, ohne dabei einen Vertrag mit einem Klienten zu besprechen. Wieder einmal war es Freitagnachmittag. Fr�her war das f�r ihn ein Grund zur Freude. Die Arbeit und den Stress der Woche hinter sich lassen und einfach nur das Leben genie�en. Wie lange war es her, dass er sich zum letzten Mal so richtig auf seinen Freitag eingelassen hatte? Er war der unbedingten Meinung, dass es genug sei. Auf seinem Schreibtisch stapelten sich Akten, die archiviert werden mussten. An seinen H�nden hatte er Schnittwunden vom Umgang mit zu viel Papier. So konnte es nicht weitergehen, entschied Remington Steele spontan, erhob sich und ging in das Nachbarb�ro, um seine Partnerin davon zu �berzeugen, den Abend zwar mit ihm zu verbringen. Aber nicht um Akten zu sortieren, sondern um die feinen Seiten des Lebens gemeinsam zu genie�en. Ihm schwebte ein Abendessen in einem feudalen Restaurant vor, gefolgt vom Besuch einer der schicken Bars der Stadt. Dann k�nnten sie den Abend ja noch mit einer Flasche Champagner vor seinem Kamin ausklingen lassen�. F�r den Fall der F�lle, schlie�lich kannte er Miss Holt schon eine ganze Weile, hatte er nat�rlich schon Plan B vorbereitet. Ein kleines aber feines italienisches Abendessen in seinem Appartement, seine Lasagne mit Blattspinat und Ricotta-So�e war immerhin legend�r. Sie k�nnten gemeinsam einen Film ansehen, um ihre detektivischen F�higkeiten auszuweiten, dann w�re der Abend nicht ausschlie�lich dem Vergn�gen gewidmet. Dann k�nnten sie den Abend ja noch mit einer Flasche Champagner vor seinem Kamin ausklingen lassen�. Remington Steele rechnete damit, harte �berzeugungsarbeit leisten zu m�ssen, um Miss Holt von ihrem Schreibtisch los zu bekommen. �berraschenderweise blickte sie kurz auf, als er sein Vorhaben schilderte, Plan B �berzeugte sie allerdings schnell. �Hm, nun ja�, meinte sie, �ich sehe nicht gerade nach einem feinen Restaurant aus. Da w�re ich vorher schon gerne noch zum Friseur gegangen, zum Umziehen bleibt dann keine Zeit, schlie�lich ist es jetzt schon nach vier!� Plan B schien machbar zu sein. Mr. Steele wollte in seinem Appartement alles vorbereiten, seine ber�hmte Lasagne zaubern und f�r das in seinen Augen notwendige Ambiente sorgen. Miss Holt w�rde p�nktlich um sieben Uhr bei ihm eintreffen und der Abend- so dachte Mr. Steele � sollte als einer der erinnerungsw�rdigsten in ihre gemeinsame Geschichte eingehen. Er ahnte nicht, wie nah er mit seinen Gedanken an der Wahrheit war. Er ahnte aber ebenso wenig, dass trotzdem alles ganz anders enden w�rde, als er es geplant hatte. Ein fr�hes Ende in der Agentur fiel ihm nicht schwer, er fuhr in sein Appartement und begab sich an seinen Teil der Abmachung. Nicht lange, und das Essen war im Ofen, der Tisch fein gedeckt und der Champagner im K�hlschrank. Nun fehlte nur noch Miss Holt. Mr. Steele war blendender Laune, r�ckte noch dies gerade und r�ckte jenes zurecht. Es w�rde sich nur noch um Minuten handeln, bis Miss Holt, p�nktlich wie er sie ja kannte, vor der T�r stehen w�rde. Die Zeit verging, die Sekunden wurden zu Minuten, die Minuten erst zu einer halben, dann zu einer ganzen Stunde. Das Essen war nicht mehr zu retten, Mr. Steeles Laune n�herte sich dem absoluten Nullpunkt. Er griff zum Telefon und w�hlte die Nummer der Agentur. Er bekam nur Mildreds Stimme auf dem Anrufbeantworter zu h�ren. Das sah nun gar nicht nach Laura Holt aus. Auch wenn etwas dazwischen gekommen w�re, mit einem Anruf h�tte er rechnen k�nnen. Remington Steele wurde nerv�s. Alle Alarmglocken begannen zu schrillen. Aus dem zweisamen Abend sollte wohl nichts werden, aber er wollte sehen, was mit seiner Partnerin los war, warum sie ihn versetzt hatte. Rasch fuhr er in die Agentur. Er konnte nicht glauben, was er dort vorfand. Miss Holt sa� noch immer an ihrem Schreibtisch, aber nicht �ber Akten gebeugt, was er als sensibler und einf�hlsamer Mann noch verstanden h�tte. Nein, sie sa� nur da, das Kinn leicht nach oben geneigt und schien L�cher in die Luft zu starren. Untypischer h�tte sie sich nicht verhalten k�nnen. Jetzt wurde Remington Steele w�tend. Seine Lasagne war im Ofen verbrutzelt, er hatte sich Sorgen um sie gemacht, und jetzt das. �Miss Holt?� fragte er. Sein Tonfall verriet seine Anspannung. �Sch�n sie hier zu treffen. Sch�n zu sehen, dass die Deckent�felung ihres B�ros offensichtlich ein begl�ckender Anblick ist.� Erst jetzt schien er in Laura Holts Unterbewusstsein vorgedrungen zu sein. �Wie?� sie err�tete. �Oh. Mr. Steele. Dass sie so sp�t noch hier in der Agentur sind?� Nun reichte es entschieden. Er packte sie an den Schultern und sch�ttelte sie. �Miss Holt? Alles klar? Hatte ihre Arbeitssucht jetzt ein Stadium erreicht, in dem sie nichts anderes mehr wahrnehmen? Alles andere f�llt gleich durch ein Sieb und wir ausgesondert?� Mr. Steele war sich nicht sicher, wie er sich verhalten sollte. Auf Anhieb erschien es ihm eine gute Idee, die M�nner mit den wei�en Turnschuhen zu alarmieren. Andererseits wusste er aus eigener Erfahrung, dass es wesentlich leichter war, in solche Einrichtungen gebracht zu werden, als den Weg nach drau�en wieder zu finden. Er spielte mit dem Gedanken, sie durch sch�tteln und andere k�rperliche Aktivit�ten auf den Boden der Tatsachen zur�ckzuholen. Doch Hand an eine Frau zu legen erschien ihm eine primitive Methode, die ihm zuwider war. Bevor er handeln konnte, kam ihm Laura Holt zuvor. Freundlich distanziert l�chelnd fragte sie: �Mr. Steele? Haben Sie noch etwas vergessen? Kann ich etwas f�r Sie tun?� Jetzt kannte Steeles Ver�rgerung keine Grenzen mehr. Er baute sich vor ihrem Schreibtisch auf und schrie: �Was in aller Welt soll dieses Affentheater, Miss Holt? Das Essen ist ruiniert, der Champagner warm, aber was soll es. Wenn ich es nicht wert bin, dass Sie Verabredungen absagen und stattdessen lieber hier L�cher in die Luft starren, meinetwegen. Sie werden schon wissen, wo Sie Ihre Priorit�ten setzen!� Mit diesen Worten verlie� er erz�rnt ihr B�ro. Unglaublich, diese Frau. Er wusste auch ohne weibliche Begleitung, wie er einen unterhaltsamen Abend verbringen konnte. Die Zeit, als er Stammgast in den besseren und weniger guten Kneipen der Stadt gewesen war, war noch nicht sehr lange vorbei. Er begann in O�Flannigan�s Pub, wo er fr�her viel Zeit mit Pool Spielen und Wetten bei einem k�hlen Guiness verbracht hatte. Seine Stimmung hob sich schnell. Insgeheim hatte er solche Abende durchaus vermisst. Er schwelgte in Erinnerungen an die Zeit, zu der er sehr froh war, wenn jemand seine Zeche �bernahm und er keine Ahnung hatte, was der folgende Tag bringen w�rde. Es dauerte auch nicht lange bis eine bekannte Stimme an sein Ohr drang: �Hey, Mick, wenn das keine �berraschung ist! Lange nicht mehr gesehen, Kumpel!� Als Remington Steele sich umdrehte, blickte er in das Gesicht von Gregor McEwan, einem langj�hrigen Bekannten. Sie hatten gemeinsam schon ein paar schr�ge Dinge erlebt und frischten nun die Erinnerungen daran wieder auf. Gregor hatte sich im vergangenen Jahr selbstst�ndig gemacht. �Mick, du glaubst es nicht, es ist die absolute Marktl�cke!� Gregor war eigentlich eher f�r alle Arten von krummen Gesch�ften bekannt, weniger f�r sein gesch�ftliches Geschick. Unwillk�rlich musste Remington Steele an George Edward Mulch denken, einen alten Bekannten, dessen skurrile Ideen eher allgemeine Verwirrung als Wohlstand versprachen. �Eine Marktl�cke?� fragte er vorsichtig nach. Es stellte sich heraus, dass Gregor eine Partnervermittlung er�ffnet hatte. Auf den ersten Blick schien das nicht gerade eine Marktl�cke zu sein, doch der Name der Agentur �Partners of Steele�, machte Mr. Steele mehr als stutzig. �Hey, Kumpel, ich wei� nicht ob du es schon gemerkt hast, aber das ist doch eigentlich mein Name!� Genau das war der Punkt, auf den Gregor McEwan so stolz war. Die Steele Agentur hatte einen exzellenten Ruf, und auf diesen Zug wollte er nun aufspringen. �Das ist doch die Idee! Wenn sie dann nicht mehr zusammenpassen kommen sie zu dir, um sich gegenseitig beschatten zu lassen, und du hast auch ein Gesch�ft gemacht! Ich w�rde auch gar nicht viel Provision verlangen!� Die Aussicht auf Beschattungsauftr�ge rettete Remington Steeles Abend nicht. Im Gegensatz zu seinem langj�hrigen Kumpel gingen seine Gesch�fte sehr gut. Er ging bald nach Hause, obwohl ihm vor seinem leeren Appartement und dem einsamen Wochenende graute. Vielleicht sollte er die Zeit nutzen und in seinen Aktenschr�nken Ordnung schaffen. Laura Holt wollte eigentlich nur die Zeit nutzen, drei gekl�rte F�lle auch auf dem Papier abzuschlie�en und Rechnungen vorzubereiten. Der geplante Abend mit Mr. Steele war zwar nicht auffallend originell, aber sie stellte es sich entspannend vor. Gutes Essen, ein Glas Wein, und auch wenn sie es niemals zugeben w�rde- sie war sehr neugierig, welchen Film er wohl ausgew�hlt hatte. Nur noch die Unterschriften und sie w�rde nachkommen. Mildred war bereits vor ein paar Minuten gegangen, hatte aber die T�r nicht abgeschlossen, da Laura ja auch am Aufbrechen war. Der Unbekannte, der um diese Zeit noch in die Agentur kam, �berraschte Laura direkt in ihrem B�ro. �Guten Abend�, sagte er mit einer angenehm klangvollen und warmen Stimme. Der unerwartete Gru� lie� Laura aufschrecken. Der Besucher entschuldigte sofort daf�r, sie so erschreckt zu haben. �Miss Holt, bitte verzeihen Sie mir meine Ungeschicklichkeit! Wie ungest�m und unbedacht von mir! Wie kann ich das wieder gut machen?� Laura war wie gebannt von seinen Worten, seinem Charme und seinem Aussehen. Der Mann schien Anfang bis Mitte vierzig zu sein, trug einen teueren, ma�geschneiderten Anzug und elegante Schuhe. Sein scharf geschnittenes Profil wirkte aristokratisch, seine Augen schienen die verbindlichen Worte zu unterst�tzen. Seine gesamte Erscheinung lie� Lauras Herz h�her schlagen, sein zuvorkommendes und formvollendetes Benehmen brachte ihre Hormone in Wallung. Und sein After Shave� Der Duft schien ihr geradezu bet�rend, benebelte ihre Sinne. Der geheimnisvolle Fremde bemerkte Lauras Verwirrung. �Miss Holt, ich bin wirklich untr�stlich, entschuldigte sich der Besucher noch einmal. �Darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist William Gatsby, ich bin Gesch�ftsmann�, bei diesen Worten ergriff er Lauras Hand, beugte sich dar�ber und ber�hrte sie fast unmerklich mit seinen Lippen. Er legte eine Visitenkarte und einen Prospekt auf Lauras Schreibtisch. Er bot Laura an, bei einem eleganten Abendessen in einem noblen Restaurant er�rtern, warum er in ihre Agentur gekommen war. Um aber den Abend f�r sie frei zu haben musste er noch andere Termine absagen. Er versprach, in einer halben Stunde wieder bei ihr zu sein, sie wollte bis dorthin die Arbeit beenden und sich umziehen. Zum Gl�ck hatte sie ja das kleine Schwarze mit passenden High Heels f�r Notf�lle im Schrank. Gerade als der Fremde das B�ro verlassen hatte, war Mr. Steele aufgekreuzt. Laura hatte ihn kaum wahrgenommen, so verz�ckt und verwirrt war sie noch immer von von Auftreten und Ausstrahlung des mysteri�sen Mannes. Die Visitenkarte steckte sie in ihre Handtasche, den Prospekt w�rdigte sie keines Blickes. Am n�chsten Morgen hatte sich Mr. Steeles Laune in keiner Weise gebessert. Die Arbeit in im B�ro brachte ihn aber erst einmal auf andere Gedanken und er konnte Einiges erledigen. Erledigte F�lle hatten sich auf seinem Schreibtisch gestapelt und mit neu anzulegenden Akten vermischt. Mildred hatte ihm schon vieles vorbereitet, aber es waren Angebote abzugeben, Vertr�ge auszuarbeiten und zu unterschreiben. Es war schon Nachmittag, als ihm die B�roklammern ausgingen. Zum Gl�ck hatte Laura ja immer genug B�romaterial in ihren Schubladen. Als er ihr Zimmer betrat, fiel sein Blick sofort auf eine Brosch�re auf ihrem Schreibtisch. �Cawdor Castle Comfort�, war da in gro�en, blutroten Buchstaben geschrieben. Die Bilder zeigten ein stattliches, aber auch d�steres Schloss. �Partnerschaft oder nur verliebt? Pr�fen Sie sich an einem Wochenende im Mittelalter!� Im genannten Schloss wurden Wochenendseminare f�r frisch verliebte Paare angeboten. Die R�ume waren einer mittelalterlichen Burg nachempfunden, wie sich Amerikaner das Mittelalter eben vorstellten. Remington Steele konnte sich vorstellen, ein Liebeswochenende in einer der Kemenaten zu genie�en. Ein mittelalterliches Essen schien ihm eher derb als romantisch, aber �ber Geschmack l�sst sich ja bekanntlich streiten. �Wem es gef�llt��, dachte er lakonisch. Die perfekt eingerichtete Folterkammer bereitete ihm da schon mehr Kopfzerbrechen. Was in aller Welt hatte dieser Prospekt auf Lauras Schreibtisch verloren? Und �berhaupt- er hatte ihr spr�des Verhalten auf ihre mangelnde Emotionsf�higkeit geschoben und niemals in Erw�gung gezogen, dass sie ihn nur auf Distanz halten wollte. Und dann ihr mehr als sonderbares Verhalten am Abend zuvor. So konnte es nicht weitergehen. Er wollte ihr die Chancen auf ihr privates Gl�ck nicht verbauen, und er schien �berfl�ssig zu sein. Drei sind eine Party. Mildreds Standardspruch ging ihm durch den Kopf. Die einfachste L�sung schien ihm zu sein, seine Koffer zu packen, das Appartement zu r�umen und mit einem neuen Namen und einer neuen Identit�t neu anzufangen. Wo auch immer, es w�re ja nicht das erste Mal. Aber irgendetwas str�ubte sich in ihm. Er erinnerte sich, wie viel Leid er Laura durch seinen Fluchttrieb schon zugemutet hatte und was sie alles in Kauf nehmen musste, um ihn der Sackgasse, in die er sich gefl�chtet hatte, zu befreien. Diesmal sollte es anders sein, er w�rde Laura einen Besuch abstatten und offen mit ihr �ber die Situation sprechen. Erst dann w�rde er sich aus dem Staub machen. Obwohl Laura nicht ans Telefon ging, schnappte sich Remington Steele den Prospekt und machte sich auf den Weg zu ihrem Loft. Vielleicht war sie gerade unter der Dusche gestanden oder hatte das Telefon einfach nur nicht geh�rt. Als er ihr wei�es Cabrio vor dem Haus stehen sah, war er sich der Tragweite seines Vorhabens bewusst. Top oder Flop, alles oder nichts. Der Gedanke, in kurzer Zeit wieder ein namenloser Wanderer ohne Heimat zu sein, erfreute ihn nicht gerade. Nerv�s keuchte er die Stufen bis zu Lauras Wohnung. Er klopfte und klingelte, doch sie �ffnete nicht. Remington Steele wunderte sich immer mehr, Laura gab ihm ein R�tsel nach dem anderen auf. Zwar hatte er sich fest vorgenommen, nicht gewaltsam in die Wohnung einzudringen, gab aber seinen Vorsatz schnell auf. Auf den ersten Blick war nichts Besonderes festzustellen, alles befand sich an seinem Platz. Doch auf Lauras Bett lagen verschiedene Kleidungsst�cke, als h�tte sie ein paar Sachen gepackt und diese dann doch nicht mitgenommen. Steele setzte sich verunsichert und auch ver�rgert auf die Couch. Was in aller Welt war das? Erst die sonderbare Reaktion am Vorabend, dann ihr Verschwinden. Nicht dass sie ihm Rechenschaft schuldig gewesen w�re, aber das kr�nkte Remington Steeles Eitelkeit mehr als nur ein wenig. Mr. Gatsby lud Laura Holt in eines der teuersten Restaurants der Stadt ein. Er schien dort oft zu dinieren und wurde vom Personal regelrecht hofiert. Laura genoss seine Begleitung sehr und schwindlig wurde ihr nicht erst vom Champagner. Mr. Gatsby war ein wunderbarer Zuh�rer. Er gab der erz�hlenden Laura das Gef�hl, f�r ihn der Mittelpunkt des Daseins zu sein. Niemals wirkte er gelangweilt oder unterbrach er sie, auf seinen Lippen lag stets ein charmantes L�cheln und in seinen grauen Augen spiegelten sich Anerkennung und Bewunderung. Er machte ihr Komplimente, ohne �bertrieben zu wirken und ohne Zweifel an seiner Ernsthaftigkeit aufkommen zu lassen. In wenigen Worten � er hatte alles, was ein Mann brauchte, um das Herz selbst einer Frau wie Laura Holt schmelzen zu lassen. An diesem Abend existierten f�r sie keine Agentur, kein Remington Steele und keine Vernunft mehr. Das Essen selbst nahm sie nur noch peripher wahr, sie brachte kaum einen Bissen des exquisiten Men�s hinunter. Zwar erl�uterte Mr. Gatsby zwischen zwei G�ngen den Grund seines Besuches, drang aber nicht ganz bis in Lauras Bewusstsein vor. Darauf hatte William Gatsby gehofft. Er hatte seinen ganzen Charme eingesetzt, um Laura um den Finger zu wickeln, schlie�lich kannte er seine Wirkung auf die Damenwelt. Er war in erster Linie Gesch�ftsmann, sein Profit stand zu jedem Zeitpunkt im Zentrum seines Denken und Handelns. Sein neuestes Projekt war ein Schloss, das er in Schottland gekauft hatte und an der K�ste in der N�he von Santa Monica wieder hatte aufbauen lassen. In diesem Schloss wollte er zahlenden G�sten die M�glichkeit geben, sich gegenseitig zu testen, ob sie auch unter erschwerten Bedingungen zueinander passten. Auf Laura Holt wartete eine ganz besondere Aufgabe. Jetzt musste sie nur noch mit ihm kommen� Der Prospekt von Lauras Schreibtisch war der Anhaltspunkt, an dem sich Remington Steele orientierte. Im Lauf der Jahre war er in seine Rolle als Privatdetektiv hineingewachsen und hatte �bung im L�sen auch verzwickterer F�lle. Probleme bereitete ihm in seiner Arbeit diesmal auch etwas ganz anderes: verletzte Gef�hle. Er war sich sicher, mit Laura auch sein privates Gl�ck gefunden zu haben und w�re niemals auf die Idee gekommen, dass sie Augen f�r einen anderen Mann haben k�nnte. Schnell packte er ein paar Sachen ein und fuhr zum �Cawdor Castle�. Das Schloss hatte etwas Beeindruckendes. Mr. Steele fand allerdings, dass es eher in ein schottisches Hochmoor passte als an die kalifornische Pazifikk�ste. Die Parkpl�tze vor dem Hotel waren auch deutlich eine amerikanische Idee. Er parkte seinen Auburn, nahm seine Taschen und machte sich auf den Weg ins Innere. Insgeheim bewunderte er die Mischung aus modernem Hotelbetrieb und authentisch mittelalterlicher Burg. Er konnte sich durchaus vorstellen, hier ein Wochenende mit der Dame seiner Tr�ume zu verbringen. Die Dame seiner Tr�ume. Schlagartig konzentrierte er sich wieder auf seine Aufgabe. Seine Ahnung sagte ihm, dass hier etwas nicht stimmte. Sowohl mit dem Schloss, als auch mit Laura. Ob es ihr passte oder nicht, er w�rde sie finden und der Sache auf den Grund gehen. Aber erstmal brauchte er ein Zimmer. An der Rezeption war man von seiner alleinigen Anreise nicht gerade angetan. Da er nicht wusste was ihn erwartete hielt er es auch f�r eine gute Idee, unter falschem Namen aufzutreten. �Guten Abend�, sagte er mit deutlichem Akzent. �Mein Name ist Paul Fabrini. Ich h�tte gerne ein Doppelzimmer.� �Willkommen, Mr. Fabrini�, begr��te ihn die Empfangsdame. �F�r Sie und Ihre Begleitung?� �Ja�, best�tigte Mr. Steele. �Meine Verlobte wird bald anreisen.� W�hrend der Wochenenden war die Burg meist voll ausgebucht. Es war entweder gro�es Gl�ck oder Zufall, dass sich noch ein freies Zimmer fand. Der Butler brachte Remington Steele und sein Gep�ck nach oben. �Heute Abend findet im Saal ein rauschendes Fest statt, das f�r alle G�ste verpflichtend ist. Mr. Gatsby hat sogar vor, pers�nlich dort zu erscheinen. Bitte achten Sie auf P�nktlichkeit und Abendkleidung.� Die Zeit reichte gerade noch f�r eine ausgiebige Dusche und schon war es Zeit, sich anzukleiden und auf den Weg zu machen. Im Saal befanden sich bereits einige P�rchen, die den Mut gefunden hatten herauszufinden, wie sich der andere unter erschwerten Bedingungen wohl verhalten w�rde. Im Gespr�ch mit einigen der Anwesenden fand Mr. Steele zu seiner gro�en �berraschung heraus, dass sich alle �ber die Partnervermittlung �Partners of Steele�, die von Steeles altem Bekannten, Gregor McEwan gegr�ndet worden war, kennen gelernt hatten. Das Wochenende auf der Burg war verpflichtend, hier konnten sich die Interessenten gegenseitig begutachten und dann ihre Entscheidung treffen. Mr. Steele wurde stutzig. Mr. Gatsby schien ein �beraus wohlhabender Mann zu sein, daher kam auch Gregors Zuversicht, dass seine Agentur �berleben w�rde. Bestimmt erhielt er f�r seine Vermittlungsdienste eine satte Provision. Der Abenteuergedanke zog viele Klienten an, die Zahl der Partnerinteressenten boomte geradezu. Dieses Wochenende war ein besonderes. Der Butler hatte es bereits durchklingen lassen, Mr. Gatsby hatte eine �berraschung f�r die Anwesenden. Als alle an der gedeckten Tafel Platz genommen hatten, ging das Licht aus und eine Empore wurde angestrahlt. Es dauerte nicht lange und Mr. Gatsby erschien dort. Er trug einen rot bestickten Samtmantel mit Hermelinbesatz und eine Krone auf dem Haupt. Sein goldenes Zepter unterstrich den Eindruck eines K�nigs aus der Vergangenheit. Neben ihm trat eine junge Frau an seine Seite. Sie war ebenso k�niglich gekleidet wie Mr. Gatsby und l�chelte verz�ckt. Die goldene Sch�rpe �ber ihrem rubinroten Seidenkleid unterstrich ihre zierliche Silhouette. Das br�nette Haar war zu einer kunstvollen Frisur aufgesteckt. Mr. Gatsby ergriff ihre rechte Hand und f�hrte sie zu seinen Lippen. �Darf ich vorstellen�, fragte er ins Publikum �meine verehrte und hochgesch�tzte Daisy. Wir haben heute etwas ganz besonderes f�r Sie, liebe G�ste. Sie sind alle hier, weil Sie auf der Suche nach dem Abenteuer sind. Weil das Allt�gliche nicht mehr reicht. Die Ausnahmesituationen sind es, die Ihnen reizvoll erscheinen. Heute werden Sie auf Ihre Kosten kommen. Und mehr als das. Das Abenteuer wird so real sein, dass Sie es mitnehmen werden. Das Leben von mindestens zwei Personen hier wird sich dramatisch ver�ndern. Mindestens eine oder einer von Ihnen, meine Damen und Herren, wie sie hier sitzen, wird heute Nacht noch gewaltsam ums Leben kommen. Ermordet von einem oder einer von Ihnen. Und es gibt keine Chance, Ihrem Schicksal zu entkommen. Ich wei� bereits, wer M�rder ist, und wer das Opfer.� Mit diesen Worten verneigte er sich, noch immer die Hand seiner Begleiterin haltend. Mr. Steele hatte nur die H�lfte der Ansprache mitbekommen - als er die sch�ne Dame sah, lief es ihm eiskalt �ber den R�cken. Von wegen Daisy- es war niemand anderes als Laura Holt, die in dieser Verkleidung oben auf der Empore l�chelte und aussah, als h�tte sie jemand einer Gehirnw�sche unterzogen! Die Stimmung im Saal war umgeschlagen. W�hrend man sich vorher ged�mpft und gepflegt unterhalten hatte, kam Panik auf. Einige der G�ste versuchten zu fliehen, aber die T�ren aus dem Schloss heraus waren versperrt, ebenso die Schlafzimmer. Andere hielten es f�r einen Scherz und warteten gespannt darauf, wie es weiterging. Mr. Gatsby nahm seine Begleiterin, das Licht im Saal ging wieder an und sie setzten sich an den langen Tisch. Er hatte erst einmal an nichts gespart. Es wurden mehrere G�nge aufgetragen, dazu wurden erlesene Weine angeboten. Gegessen wurde trotzdem nicht viel. Mr. Steeles Ver�rgerung war in angespannte Angst umgeschlagen, was auch immer mit Laura passiert war, sie schien nicht in der Lage zu sein, sich selbst zu helfen. Mr. Gatsby war ein charmanter Begleiter und Gastgeber, daran gab es keinen Zweifel. Unter anderen Umst�nden h�tte Remington Steele dessen Ank�ndigung auch keinen Moment ernst genommen, doch Lauras Zustand gab dem Ganzen einen anderen Anstrich. Das Essen wurde wieder abserviert und die G�ste begannen, sich im Saal und dem angrenzenden Salon zu verteilen. Remington Steele stand etwas unschl�ssig herum. Alle anderen waren Paare, er war als einziger alleine. Gatsby hatte gleich nach dem Abendessen den Raum mit Laura verlassen. Er musste etwas unternehmen, um Laura auch gegen ihren Willen aus der Burg zu schaffen, verschlossene T�rschl�sser waren zwar ein Hindernis, aber keines, welches er nicht �berwinden konnte. Noch stand er gedankenverloren im Raum, als sich von hinten eine Hand auf seine Schulter legte. �Mr. Fabrini? So ganz alleine, ist Ihre Begleitung noch nicht eingetroffen?� Erschrocken murmelte Remington Steele etwas von Stau auf der Interstate und modernen berufst�tigen Frauen. Im Umdrehen erkannte er, dass es Mr. Gatsby war, der ihn angesprochen hatte. Ein leicht zynisches L�cheln umspielte seine Mundwinkel und der Geruch seines Aftershaves schien Steeles Gedanken zu umnebeln. Er hatte das schon einmal gerochen- sehr intensiv, aber nicht aufdringlich, leicht s�� und schwer und doch m�nnlich und herb. Verwirrt folgte er Gatsbys Einladung zu einer Unterhaltung ins Nebenzimmer. Dort nahmen sie vor einem stattlichen Kamin Platz, einen erlesenen Cognac in den Gl�sern. Der Duft wurde immer intensiver und Steele hatte Schwierigkeiten, sich auf seine Rolle und die Situation, in der er sich befand, zu konzentrieren. So viel war klar- Gatsby versuchte ihn auszuhorchen, den Grund f�r seine Anwesenheit herauszubekommen. Da erinnerte sich Steele, woher er den Duft kannte- gestern Abend, in Lauras B�ro! Jetzt war er nat�rlich wesentlich st�rker, er hatte ihn nur als feine Nuance wahrgenommen. Ihm wurde klar, dass etwas damit nicht in Ordnung war, woher seine pl�tzliche Benommenheit kam. Er sprang auf, stie� dabei den Cognacschwenker um und rannte zum Fenster. So schnell er konnte riss er es auf und atmete die frische Nachtluft ein. Langsam f�hlte er sich klarer, bemerkte aber trotzdem nicht, dass ihm William Gatsby gefolgt war. �Mr. Steele�, sagte er mit einer pl�tzlich eiskalten Stimme. �Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ein Mann wie ich keine Erkundigungen einholt, bevor er sich auf seine Mitmenschen einl�sst. Ich bin entt�uscht, so eine unbeholfene Inkognito-Aktion h�tte ich von Ihnen wirklich nicht erwartet! Aber Sie durchkreuzen meine Pl�ne nicht, Ihre Partnerin geh�rt jetzt mir! Lange genug musste ich auf diesen Moment der Vergeltung warten!� Diese Worte jagten Remington Steele einen Schauer des Entsetzens �ber den R�cken. In welche Falle war er hier nur gegangen? Bevor er sich noch umdrehen konnte, traf ihn etwas hart am Hinterkopf und die Umgebung versank im Dunkel. Er konnte nicht sagen, was zu erst in sein Bewusstsein vorgedrungen war. Der Schmerz in seinem Kopf oder der unangenehme Zug in seinen Armen und Schultern. Als er die Augen �ffnete brauchte er eine ganze Weile um sich im d�steren Halbdunkel, in dem er sich befand, zu orientieren. Steinw�nde, offensichtlich war er im Keller der Burg. In einer Halterung an der Wand befand sich eine Fackel, welche die Szene nur sp�rlich beleuchtete. M�hsam hob er den Kopf. Er fand keinen Boden unter seinen F��en, er war an den Handgelenken aufgeh�ngt. Schwere Eisenketten hielten ihn an der Kerkerwand fest. Benommen versuchte er, den Weg der ihn in diese problematische Lage gef�hrt hatte, zu rekonstruieren. Er war Laura gefolgt, die sich sehr sonderbar verhalten hatte. Die Burg, in deren Verlies er sich befand, geh�rte einem gewissen William Gatsby, der hier sonderbare Feste feierte. Schlie�lich erinnerte er sich an das sonderbare Parfum, das er verwendete, das die Gedanken zu vernebeln schien. Gatsby. Warum nur kam ihm dieser Name so bekannt vor? W�hrend er noch vor sich hin gr�belte, d�mmerte es ihm: The Great Gatsby, Robert Redford, Mia Farrow, Paramount 1974. Gatsby war von seiner Verlobten verlassen worden. Daisy. Laura sah der Daisy, die Gatsby verlassen hatte, vermutlich etwas �hnlich. Ihr sonderbares Verhalten war vermutlich durch Gatsbys Parfum ausgel�st worden, die Wirkung hatte er ja selbst erlebt. Blieb nur die Frage, warum Gatsby selbst gegen sein Parfum immun zu sein schien. �Ach ja�, f�gte Steele in Gedanken hinzu. �Zusammen mit der momentan noch spannenderen Frage, wie ich hier jemals wieder lebend herauskomme.� Er war nicht gerade erpicht darauf hier unten zu verenden und irgendwann als Geist von Canterville � nein, Cawdor nat�rlich, durch die Gem�uer zu spuken. Nicht einmal mit zusammen mit einer geisternden Laura erschien ihm das erstrebenswert. Sein K�rper hing an der Wand, sein Geist hing Fluchtgedanken nach, als ein quietschendes Ger�usch verriet, dass sich jemand an den rostigen Schl�ssern zu schaffen machte. Nicht wissend, was ihn erwartete, beschloss Remington Steele sich bewusstlos zu stellen. Er lie� seinen Kopf auf die Brust sinken und schloss die Augen soweit, dass er gerade noch durch die geschlossenen Lider sp�hen konnte. Timberlake, langj�hriger Butler von Mr. Gatsby hatte so seine Erfahrungen mit seinem Dienstherren gemacht. So sehr dieser es beherrschte, formvollendet und galant aufzutreten, so wenig Skrupel schien er auch zu haben, seine Mitmenschen zu seinen Zwecken zu instrumentalisieren. Das Wohlbefinden der jungen Dame, die sich seit 24 Stunden in seiner � wollen wir es einmal Gesellschaft nennen � befand, machte ihm Sorgen. Er hatte bemerkt, dass Gatsby den Gast, der unter falschem Namen eingecheckt war, in den Kerker geschleift hatte. Als devoter Butler hatte er schon einiges hier im Haus miterlebt und dazu geschwiegen, wie es von ihm erwartet wurde. Aber eine Leiche im Keller war nichts, womit er leben konnte. In einem unbeobachteten Moment schlich er nach unten, um nach dem Mann zu sehen. Gatsby hatte den Widersacher in den hintersten Winkel des Verlieses geschafft. Dort k�nnte er sich die Seele aus dem Leib schreien, ohne jemals geh�rt zu werden. Timberlake fand den Mann, der sich als Mr. Fabrini ausgegeben hatte. Er schien bewusstlos zu sein, hing leblos an der Wand. Vorsichtig fasste er sein Kinn und hob den Kopf etwas an. Noch immer stellte sich Steele schlafend. Der Butler holte eine Trittleiter aus der Ecke, stieg hinauf und �ffnete Steeles Ketten. Dieser hing zwar nicht sehr weit �ber dem Boden, schaffte es aber dennoch nicht, auf den F��en zu landen. Benommen fand er sich auf dem Steinfu�boden wieder. �Mr. Steele? Ist alles in Ordnung?� Timberlake hatte sich neben dem Detektiv auf den Boden gekniet und t�tschelte ihm vorsichtig die Wange, damit er zu sich komme. �Da haben Sie eine h�bsche Beule abbekommen. Warten Sie, ich helfe Ihnen auf!� Dankbar lie� sich Steele vom starken Arm des Butlers auf die Beine helfen. Langsam kehrte das Gef�hl in seine Arme zur�ck. �Wirklich authentisch, und diese Gastfreundschaft�, st�hnte er. �Vermutlich sollte ich jetzt dankbar sein, dass mein Kopf zumindest auf den Schultern sitzt, egal in welchem Zustand.� Timberlake brachte Steele in die K�che, wo er ihm eine Schmerztablette und ein Glas Wasser reichte und seine Beule mit einem Eisbeutel k�hlte. �Die Lady- kennen Sie diese Dame?� fragte der Butler. �Ich f�rchte, wir m�ssen uns Sorgen um sie machen. Er hat sie ganz in seiner Hand, sie hat keinen eigenen Willen mehr. Und Mr. Gatsby f�hrt etwas im Schilde, so gut kenne ich ihn. Sie m�ssen sie so schnell wie m�glich hier heraus bringen!� Timberlake erz�hlte Mr. Steele alles, was er �ber seinen Arbeitgeber wusste. Er schien vor einigen Jahren einfach aufgetaucht zu sein. Er hatte sich in eine junge Frau verliebt, sie trotz ihrer Liebesschw�re aus den Augen verloren. Es musste die ganz gro�e Liebe gewesen sein. Timberlake hatte einmal ein Foto von ihr gesehen, die �hnlichkeit mit Laura war frappierend. Daisy, so der Name der Angebeteten, hatte sich aber schnell und unerwartet umorientiert und einen flatterhaften Lebemann geehelicht. Seit er ihre Hochzeitsanzeige in der Zeitung gelesen hatte, war William Gatsby wie ausgewechselt. Obwohl er gerne gro�e Gesellschaften gab, war er menschenscheu. Kein Mensch kannte sein Innerstes. Er schien die F�higkeit, Zuneigung oder Liebe zu empfinden v�llig verloren zu haben. Hinter all seiner Freundlichkeit verbarg sich ein bitterer Mann mit einem Herzen aus Stein. Dazu kam ein Unfall vor zwei Jahren, bei dem eine Explosion seine Nase zerfetzt hatte. Man hatte ihm eine neue Nase transplantiert und dank teurerer kosmetischer Operationen waren keine sichtbaren Narben zu sehen. Aber nat�rlich arbeitete die Nase nicht normal, Gatsby konnte absolut nichts riechen. Remington Steele musste wieder an das sonderbare Parfum, das ihn fast um seinen Verstand gebracht h�tte, denken. Da gab es etwas, eine h�chst sonderbare Droge. Sie war Ende der 60er Jahre gro� in Mode gewesen. Devil�s Dirt. Ein Halluzinogen, das �ber das Erinnerungsverm�gen aktiviert wurde. Da Gatsby nichts riechen konnte, wurden von dem Geruch auch keine Erinnerungen wach, keine Assoziationen geweckt, aus denen er sich nicht mehr befreien konnte. So war er sicher vor seiner Waffe. Er war dem Duft nicht lange ausgesetzt gewesen, und doch war die Wirkung verh�ltnism��ig stark gewesen. Kein Wunder, dass Laura sich so sonderbar verhalten hatte! In seine Sorge um Laura mischte sich Wut. Wehe diesem Kerl, wenn ihr auch nur ein Haar gekr�mmt wurde! Mr. Gatsby befand sich bei seinen G�sten im Salon, von seinem �Opfer� keine Spur. Die Stimmung unter den Anwesenden hatte sich gebessert, die Panik war verflogen und einer neugierigen Anspannung gewichen. Schlie�lich hatte man nicht f�r einen Wellness-Urlaub bezahlt, sondern f�r ein Wochenende unter versch�rften Bedingungen. William Gatsby rauchte eine exquisite Zigarre und genoss es, so gro�en Einfluss auf das Befinden seiner Mitmenschen aus�ben zu k�nnen. Er wartete einen g�nstigen Moment ab und als es kurz vor Mitternacht war erhob er sich und klopfte mit seinem Siegelring an das Cognacglas. �Verehrte Damen, meine Herren, es ist soweit. Noch wenige Minuten, und es ist Mitternacht. Ich habe Ihnen f�r heute noch einen Mord versprochen und ich habe Ihnen einen M�rder versprochen. Sie sollen beides bekommen.� Schlagartig war die Stimmung im Raum wieder deutlich angespannter. Das Licht ging aus. Der Saal wurde von einzelnen Kerzen sp�rlich beleuchtet. Die G�ste befanden sich am Rand zur Hysterie. Schrille Schreie, kreischende Frauenstimmen, hektische Bewegungen. Pl�tzlich zuckte ein Blitz durch das Dunkel. Nur kurz tauchte er die Empore in taghelles Licht. Dennoch war es lang genug um zu erkennen, dass eine Frau leblos �ber dem Gel�nder hing. Einige der Anwesenden rannten hysterisch kreischend aus dem Saal und verliefen sich im Schloss. Es gab etliche Verletzungen, da viele der Anwesenden keine R�cksicht mehr auf das Befinden der anderen G�ste nahmen. Vermutlich �berrascht es nicht, dass nach diesem Abend voller verliebter P�rchen kaum Menschen �brig blieben, die auch ihr weiteres Leben zusammen verbringen wollten. Timberlake und Mr. Steele sa�en noch in der K�che, als sie vom Stromausfall �berrascht wurden. Situationen wie diese schienen an der Tagesordnung zu sein, denn wie aus dem nichts holte der Butler einen f�nfarmigen Leuchter hervor und z�ndete die Kerzen an. �Das verhei�t meistens nichts gutes�, unkte er. �Viele seiner spektakul�ren Aktionen beginnen so. Das Ziel ist meistens nur, das Haus wieder leer zu bekommen. Die Dunkelheit, ein paar Blitze, ein wenig Kettenklirren und makabere Ger�usche, je gr��er die Klappe, desto schneller sitzen die Leute wieder in ihrem Auto und fahren zur�ck in die Stadt. Mit alten schottischen Geistern, die noch dazu verpflanzt wurden, ist nicht zu spa�en.� Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Empore. Die Lichter des Leuchters warfen lange Schatten an die W�nde, die d�monisch grinsend mit den beiden durch die G�nge wanderten. W�re er nicht so sehr in Sorge um Laura gewesen, h�tte er sich wom�glich von der makaberen Stimmung beeindrucken lassen, dachte Mr. Steele. Aber Angst und Schrecken hatten seinen Adrenalinspiegel bis ins Unermessliche steigen lassen und ihn mit ungewohnter Kraft erf�llt. Zum Gl�ck war Timberlake mit den G�ngen im Schloss vertraut. �ber die Treppe konnten sie nicht gehen, denn die Gefahr dass Gatsby sie dort entdeckte, war zu gro�. Remington Steele sah seinen gro�en Vorteil darin, dass ihn der Hausherr vermutlich noch immer handlungsunf�hig im Keller w�hnte. �ber zahlreiche versteckte G�nge und Zwischenw�nde gelangten sie in einen verborgenen Nebenraum der Empore. Durch die Augen von K�nig Duncans lebensgro�em Portrait konnten sie einen gro�en Teil des Balkons �berblicken. Von dem vermeintlichen Mordopfer war nichts zu sehen, es war von ein paar mutigen G�sten verdeckt. �Mein Gott, ich denke das ist Laura�, st�hnte Steele. �Psst!� mahnte ihn der Butler. �Wir sind auch hier nicht sicher, Mr. Gatsby kennt das Labyrinth an Irrg�ngen wie seine Westentasche! Er kann jeden Moment hier aufkreuzen!� Von welcher Seite aus man das Problem auch betrachtete, es schien nahezu ausweglos. Gatsby konnte sie jederzeit in den G�ngen entdecken, ohne Versteck w�re er aber leichte Beute gewesen. Remington Steele beschloss, auf sein Gl�ck zu vertrauen, das ihm schon so oft aus der Patsche geholfen hatte. Er packte Timberlake am Arm, st�rmte vorw�rts und rannte zu der leblosen Dame. Wie er erwartet hatte handelte es sich um Laura. Sie trug noch immer die sonderbare Kleidung, die sie zuvor getragen hatte. Steele schob die Umstehenden bei Seite, nahm Laura und folgte dem Butler in einen anderen dunklen Gang. Die Aktion war so schnell von sich gegangen, dass im Dunkel keiner der Anwesenden wusste, was passiert war. Nur eines merkten sie- die vermeintliche Leiche fehlte! �Der M�rder, der M�rder!� fingen sie an zu schreien und rannten in die verschiedensten Richtungen. Steele und Timberlake allerdings waren in der Wand verschwunden, die G�ste hatten keine Chance. �Vor denen sind wir erstmal sicher�, meinte der Butler. Steele begutachtete erst einmal Lauras Zustand. Sie atmete sehr flach, aber tot war sie definitiv nicht. Erleichtert versuchte er, sie zu Bewusstsein zu bringen. �Lassen Sie das lieber einmal�, meinte der Butler. �Es ist leichter, sie in diesem Zustand zu transportieren als in der Verwirrung in der sie sich befinden wird, wenn sie zu sich kommt.� Lange konnten sie nicht �berlegen, wie sie weiter vorgehen sollten, als ein T�rscharnier in der N�he quietschend das Kommen von William Gatsby ank�ndigte. Schnell nahm Mr. Steele Laura �ber die Schulter und folgte Timberlake. �ber steile Stufen ging es im sp�rlich beleuchteten Dunkel treppauf und treppab, in einem Tempo, das auch alleine atemberaubend gewesen w�re. Durch das Gewicht war Steele eindeutig im Nachteil. H�hnisches Gel�chter hallte ihm nach. �Ihr entkommt mir nicht!� rief Gatsby und lachte wieder sein gespenstisches Lachen. So sehr er sich beeilte und bem�hte, Gatsby kam immer n�her und Steele ging die Kraft aus. Im Moment pfiff er auf den Ruhm und die Bewunderung, die ihm seine Arbeit als bekanntester Privatdetektiv im Gro�raum Los Angeles eingebracht hatte. Sein K�rper schmerzte, er kam fast um vor Sorge um Laura. Nicht lange und er strauchelte. Timberlake war ihm ein ganzes St�ck voraus und mit ihm der Kerzenleuchter. In der Dunkelheit sah er nicht, wo er hintreten sollte. Es ging wieder steil bergab. Er tastete sich langsam vorw�rts, panisch, da Gatsby immer n�her kam. Die Angst lie� sein Herz immer schneller schlagen, er beeilte sich, vorw�rts zu kommen. Die Dunkelheit und die unebenen Stufen- es kam wie es kommen musste, Steele verlor das Gleichgewicht und st�rzte. Im Fallen achtete er noch darauf, Lauras Kopf zu sch�tzen, doch sein eigener schlug ungebremst auf den Steinboden. Der Schmerz durchzuckte seinen Kopf wie ein Blitz, er schien sein Knie aufgeschlagen zu haben, aber zum Gl�ck verlor er diesmal das Bewusstsein nicht. Kampflos wollte er sich nicht in sein Schicksal ergeben m�ssen. Er versuchte, Laura auf die Seite zu schaffen, damit ihr kein Schaden zugef�gt werden w�rde und zog sie ein paar Meter weiter nach unten, ging dann zur�ck. Gatsby kam n�her, er konnte schon den Schein seiner Taschenlampe sehen. Steele beschloss, zum Frontalangriff �berzugehen und sprang Gatsby an. Durch die �berraschungsattacke verlor dieser das Gleichgewicht und verlor seine Taschenlampe. Steele hob sie auf, eine schwere Maglite-Lampe, und zog sie dem benommenen Gatsby �ber den Sch�del. Dieser ging zwar zu Boden, aber nicht, ohne seine H�nde vorher um Steeles Hals zu legen und ihn zu w�rgen. Es wurde ein harter Kampf. Beider H�upter machten Kontakt mit dem Boden, es gab kraftvolle Hiebe auf Unterkiefer und Nase, es schienen sich zwei Kontrahenten gefunden zu haben, die einander ebenb�rtig waren. Timberlake war Steele mit dem f�nfarmigen Leuchter vorausgeeilt. Nichts war ihm wichtiger, als die beiden heil aus dem Schloss herauszubekommen. Dabei �bersah er allerdings, dass Steele ihm nicht folgen konnte. Er war schnell, denn er hatte Licht und kannte sich im Schloss aus. Steele hatte kein Licht, kannte sich nicht aus und musste Laura tragen. Als dem Butler das bewusst wurde, drehte er sich um und zu seinem ern�chternden Schreck sah er, dass Steele ihm nicht gefolgt war. Stehenden Fu�es drehte er um und ging den Gang zur�ck, mit dem Schlimmsten rechnend. Erst fand er Laura auf einem Treppenabsatz, noch immer besinnungslos aber sonst ohne neue Sch�den. Steele und Gatsby lieferten sich einen erbitterten Kampf. Beide hatten deutliche Spuren davon getragen, Steele hatte eine klaffende Wunde auf der Stirn und schien zu hinken. Gatsbys Taschenlampe war auf den Boden gefallen und tauchte die Kampfszene in ein skurriles Licht. Timberlake hob sie auf und zog sie Gatsby blitzschnell �ber den Sch�del. Blutend brach er zusammen. Die Wucht des Schlages schien ihn hinweggerafft zu haben. Zitternd erhob sich Steele und sah sich suchend um. Er holte Laura und gemeinsam mit dem Butler verlie�en sie den geheimen Gang. Das Schloss hatte sich geleert. Alle G�ste hatten das Weite gesucht. Timberlake bef�rchtete, Gatsby get�tet zu haben und alarmierte die Polizei. Remington Steele legte Laura vorsichtig auf ein Sofa im Salon. Er f�chelte ihr besorgt Luft zu. Obwohl sie unverletzt zu sein schien, war sie noch immer nicht zu sich gekommen. Die Droge musste ihr hart zugesetzt haben. Es dauerte nicht lange, und die Polizei traf ein. Schnell war ein �berblick �ber die vergangenen Stunden erstellt, Gatsby war zwar tot, aber wie Remington Steele bezeugen konnte, handelte es sich um Notwehr. Sehr �berzeugend waren dabei Steeles Verletzungen, vor allem die stark blutende Wunde an seiner Stirn. �Das muss gen�ht werden, wenn sie keine h�ssliche Narbe davontragen wollen. Am besten holen wir einen Rettungswagen, Ihre Begleiterin scheint auch etwas indisponiert zu sein.� So lange er bei Laura bleiben konnte, war Steele alles Recht. Ohne zu murren folgte er den Sanit�tern und lie� sich gemeinsam mit Laura in die Klinik bringen. Die Platzwunde wurde dort gen�ht, sein aufgeschlagenes Knie versorgt und um Laura k�mmerte sich ein ganzes Krisenteam. Steele war mit seiner Vermutung richtig gelegen. Es handelte sich um Devil�s Dirt, einer Substanz, die so gef�hrlich war, dass sie in den 60ern sogar hartgesottenen Drogenjunkies in Angst und Schrecken versetzt hatte. Aber es half nichts. Laura bekam zwar Gegenmedikamente und Beruhigungsmittel, aber man konnte nicht mehr tun als abwarten, bis Laura ihren Drogenrausch ausgeschlafen hatte. Angesichts ihres Zustandes musste Steele nicht lange �berzeugt werden, die Nacht ebenfalls im Krankenhaus zu verbringen. So konnte er wenigstens in ihrer N�he sein. Am n�chsten Morgen ging es Remington Steele schon deutlich besser. Nur die Sorge um Laura machte ihm noch zu schaffen. Leise schlich er sich in ihr Zimmer und setzte sich an ihr Bett. Er nahm die Hand der schlafenden Laura in die seine. �Laura�, murmelte er. �Ich wei�, ich h�tte es dir schon l�ngst sagen m�ssen. Aber ohne dich ist mein Leben absolut wertlos. Bitte wache auf, bitte bleibe bei mir. Wir haben noch so viel gemeinsam vor.� Bei diesen Worten schlug Laura die Augen auf. Als sie Steeles mitgenommenes Gesicht sah, fragte sie verwundert: �Die K�che scheint ja einiges an Gefahren mit sich zu bringen. Wenn Sie schon so aussehen, wie wird es dann wohl der Lasagne gehen? Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie hungrig ich bin!� �F�r�s erste musst du damit vorlieb nehmen�, erl�uterte Steele und k�sste hingebungsvoll ihre Lippen. �Das Fr�hst�ck dauert noch ein wenig.� Laura hatte weder die Energie noch Lust sich gegen ihn zur Wehr zu setzen. Sie schloss genussvoll die Augen und beschloss, sich ganz auf ein Abenteuer a la Steele einzulassen.

� 30.06.2007 by Ruby
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