NOW I LAY ME DOWN TO STEELE
Intro
„Now I lay me down to weep“
Weep for the moon, for the moon has no reason to glow now;
Weep for the rose, for the rose has no reason to grow now;
The river won´t flow now
As I lay me down to weep.
You went away and the break in my heart isn´t mending;
You went away and I know there is no happy ending;
There´s no use pretending
As I lay me down to weep.
When you were mine, the world was mine,
And fate constantly smiled.
Now in its place, I have to face
A pillow of tears, all through the years.
Though you are gone, I still pray that the sun shines above you;
Time marches on, yet I know that I always will love you;
I´ll keep dreaming of you,
As I lay me down to weep.
Lyrics: Eddie Heyman
Music: Glenn Miller
Teil 1
Es war ein ganz gewöhnlicher Morgen. Und wie an jedem ganz gewöhnlichen Morgen fuhr Laura zur Remington Steele Detektei.
„Guten Morgen, Mildred. Ist der Chef schon da?“
„Nein, Miss Holt.“
„Na, macht nichts. Er wird wohl bald hier auftauchen, mit einem breiten Lächeln im Gesicht und einer faulen Ausrede, warum er zu spät dran ist.“
Mildred musste grinsen. Miss Holt hatte recht. Der Chef kam wirklich jeden Morgen zu spät. Kein Grund also, sich Sorgen zu machen.
Laura verschwand in ihrem Büro, um den Papierkram zu erledigen. Wenn sie Remy doch nur soweit hätte, ihr damit zu helfen. Es war leicht, bloß den Kunden vorzugaukeln, man sei der Chef. Er könnte sich wenigstens einmal so verhalten, als entspräche das der Wahrheit.
Da kam Mildred herein: „Miss Holt, hier sind zwei Herren von der Polizei, die Sie sprechen möchten.“
„Mich?“ fragte Laura erstaunt. „Na gut. Ich hoffe nur, der Chef hat nicht wieder die Agentur verspielt.“ meinte sie sarkastisch. „Schicken Sie die beiden Herren in Mr. Steeles Büro.“
„OK, Miss Holt.“
Die beiden Polizisten in Zivil standen bereits in Remys Büro, als Laura durch die Verbindungstür zwischen den beiden Büros hereinkam. An den Gesichtern der beiden Beamten erkannte Laura, dass sie schlechte Neuigkeiten zu erwarten hatte.
Teil 2
„Miss Laura Holt?“ fragte der jüngere Beamte.
„Ja, das bin ich“, antwortete Laura.
„Wie gut kannten Sie Ihren Chef?“
„Wieso kannten?“ fragte Laura verwirrt.
„Bitte, Miss Holt, beantworten Sie nur die Frage“, entgegnete der ältere Polizist.
„Nun, gut, er ist mein Chef und wir beide verstehen uns recht gut. Wir sind gute Freunde, aber mehr auch nicht.“ stammelte Laura.
„Bitte, setzen Sie sich. Wir haben leider eine sehr schlechte Nachricht für Sie“, fuhr der ältere fort. Laura setzte sich in den schwarzen Lederchefsessel. Sie verstand immer noch nicht, was das Ganze hier sollte.
„Bleiben Sie jetzt bitte ruhig, denn wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass Mr. Steele heute morgen einen Unfall hatte.“
„Ein Unfall?“
„Ja, er verlor die Kontrolle über sein Auto und flog einen Abhang hinunter. Miss Holt, Ihr Chef, Mr. Remington Steele, hat diesen Unfall leider nicht überlebt. Es tut uns sehr leid.“
Laura wurde kreidebleich im Gesicht.
„Können wir noch etwas für Sie tun? Ihnen ein Glas Wasser holen, vielleicht?“ fragte der jüngere.
„Hm? Nein, danke. Sie sind sehr freundlich. Bitte entschuldigen Sie…“ antwortete Laura geistesabwesend.
„Aber natürlich. Wir wollen Sie auch nicht länger aufhalten. Wir haben nur noch eine Bitte an Sie: Wir bräuchten jemanden, der den Toten identifizieren kann. Wären Sie vielleicht so nett, mit uns zum pathologischen Institut zu fahren?“ fragte der ältere Beamte in freundlichem, verständnisvollem Ton.
„Ja, natürlich“, antwortete Laura mit gespielter Selbstsicherheit.
Teil 3
Im Leichenschauhaus. Laura wurde von den zwei Polizisten und dem diensthabenden Pathologen begleitet. Man zeigte ihr das Gesicht der Leiche, die mit einem weißen Laken zugedeckt war.
Laura wäre bei diesem Anblick fast das Herz stehen geblieben. Remingtons einstmals hübsches, jungenhaftes Gesicht war aufs grauenvollste entstellt. Es war mit Schnittwunden und Abschürfungen übersät, die Nase war gebrochen und die Lippen waren aufgeplatzt. Doch trotz dieser Entstellungen konnte Laura eindeutig erkennen, dass ihr Remington Steele hier lag. Tot. Auf die Frage „Ist das Mr. Steele?“ nickte sie nur kurz.
„Kommen Sie, Miss Holt, wir fahren Sie nach Hause“
Bei Lauras Wohnung angekommen, stieg sie aus dem schwarzen Cadillac.
„Bitte sehr. Und noch mal: Unser tiefstes Beileid.“
Die beiden Beamten verabschiedeten sich.
Teil 4
Laura wankte in ihre Wohnung. Sie setzte sich an den Küchentisch und legte die Hände vors Gesicht. Sie wollte das nicht glauben. Das war doch nicht möglich. Es kam ihr so vor, als müsste Remy jeden Moment hereinkommen, mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht.
Erst nach und nach realisierte sie die Ereignisse dieses Morgens. Es war real. Remy war weg. Unwiederbringlich. Für immer.
Da fiel ihr auf einmal ein, dass sie unbedingt Mildred anrufen musste. Sie nahm den Telefonhörer und wählte die Nummer der Agentur. „Mildred. Hier ist Miss Holt. Schließen Sie die Agentur und nehmen Sie sich eine Woche Urlaub, ja?“
„Miss Holt, Sie klingen so merkwürdig. Geht es Ihnen gut?“
„Ja“, log Laura, aber das half nichts. Sie würde es Mildred doch irgendwann sagen müssen. Also besser jetzt gleich. Laura nahm ihren ganzen Mut zusammen: „Nein, eigentlich nicht. Mildred. Ich muss Ihnen etwas ganz Schreckliches sagen. Nun … es ist so…“ druckste sie herum. „Mr. Steele hatte einen Autounfall heute morgen. Er ist tot.“
„Wie bitte?!“ Mildred dachte, sie hätte sich verhört. „Das kann doch nicht… nein, das glaube ich nicht.“
„Doch, es ist wahr, Mildred.“
„Kann ich Ihnen helfen, Miss Holt?“
Laura zögerte: „Wenn Sie unbedingt etwas tun wollen, wären Sie dann bitte so lieb, die Beerdigung zu organisieren? Ich weiß, unter diesen Umständen ist das viel verlangt. Aber das wäre eine echte Hilfe für mich.“
„Natürlich, Miss Holt. Das mach ich doch glatt. Bleiben Sie ruhig zuhause, ich mach das schon. Und kommen Sie mir ja nicht auf dumme Gedanken.“
„Vielen Dank, Mildred. Ich wüsste nicht, was ich ohne Sie tun sollte.“
„Ich helf doch gern.“
„Auf Wiedersehen, Mildred.“ Laura legte den Hörer auf. Bis jetzt hatte sie sich fassen können, doch nun brach sie in Tränen aus.
Teil 5
3 Tage später bei Remingtons Beerdigung. Laura trug einen schwarzen Hosenanzug und eine große Sonnenbrille, die ihre verweinten Augen verdecken sollte.
Neben ihr stand Mildred. Sie trug ein schwarzes Kleid und war kreidebleich im Gesicht.
Der Pfarrer hatte gerade seine Predigt beendet und der Mahagonisarg, in dem Remy lag, wurde ins Grab niedergelassen.
Bernice und Murphy waren auch gekommen. „Laura, es tut mir so leid.“ meinte Bernice und Murphy sagte: „Das muss ein grauenvoller Schock für dich gewesen sein. Wenn du Hilfe brauchst… also, du weißt, wo du uns beide findest.“
„Ja, danke“, flüsterte Laura. Sie brachte ein kurzes Lächeln zustande.
Aber der Tag war noch nicht vorbei. Sie musste auch noch zum Notar. Testamentsverlesung. Gott, wie sie diesen Gedanken hasste. Aber es war nicht zu vermeiden.
Der Notar verlas das Testament. Es enthielt eine kleine Summe von $10.000,- für Mildred. Der Rest von Remys weltlichem Besitz ging an Laura. Es waren dies: Die Eigentumswohnung inklusive allem, was darin stand, sowie die Summe von $52.000.000,- deponiert auf einem Luxemburger Nummernkonto und wohl das Resultat Remys früherer Beutezüge. Auch die Agentur war jetzt offiziell ihr Eigentum. Zudem reichte der Notar ihr noch einen versiegelten Umschlag, der an sie persönlich gerichtet war. Sie steckte den Brief in ihre Handtasche. Sie würde ihn später lesen.
Teil 6
Sie fuhr von der Kanzlei des Notars direkt zu Remingtons Wohnung. Als sie die Tür öffnete und eintrat, überwältigten sie die Erinnerungen. Sie konnte Remys Gegenwart regelrecht spüren. Es war fast so, als ob er nur mal kurz weggegangen wäre und jeden Augenblick wieder zurückkommen würde.
„Warum? Wie konntest du mir das nur antun? Du weißt doch genau, dass du mich nicht so einfach verlassen darfst. Du hast mir noch nicht einmal die Chance gegeben, dir zu sagen, dass ich dich liebe. Wie soll ich denn alles alleine schaffen? Ohne dich?“ schrie sie in die leere Wohnung.
Sie setzte sich auf die Couch und versuchte, sich zu beruhigen. Da fiel ihr der Brief ein. Sie nahm ihn aus ihrer Handtasche und begann zu lesen.
Teil 7
„Liebste Laura,
Wenn du das hier liest, bin ich wahrscheinlich schon unter der Erde. Ich habe diesen Brief geschrieben, um dir zu sagen, dass ich dich liebe. Ich weiß, du glaubst mir nicht, aber ich liebe alles an dir: Deine seidigen, braunen Haare, deine braunen Rehaugen, deine Art, wie du gehst, wie du dich bewegst, was du sagst. Das alles kommt zu spät, doch ich möchte, dass du eins weißt: Der Tod ist das Einzige, was mich von dir fernhalten kann. Ich habe keine Ahnung, ob du das Gleiche für mich empfindest. Ich werde es auch nicht mehr erfahren. Ich wollte nur, dass du Bescheid weißt.
P.S.: Ich hoffe, dir gefällt die Wohnung, nun, da sie dir gehört. Bitte verkauf sie nicht. Du würdest mir damit das Herz brechen.“
Teil 8
Laura schluckte. Sollte sie wirklich hier wohnen? Wo jedes einzelne Stück sie an Remington erinnerte? Aber, was noch viel wichtiger war: Er hatte sie wirklich geliebt, mit jeder Faser seines Herzens. Und sie war so blind, so kalt und vor allem so dumm gewesen, das zu ignorieren und zu verdrängen. Sie hatte ihn auch geliebt, doch aus Angst, er hätte sie verlassen können, hatte sie sich verstellt und gelogen. So getan, als sähe sie in ihm nichts weiter als einen guten Freund. Es war ihre Schuld. Ganz allein ihre Schuld. Hätte sie ihm doch nur vertraut. Dann wäre sie an jenem Morgen vielleicht mit ihm zusammen gewesen. Und der Unfall wäre nie passiert. Oder sie wären beide tot. Ja, im Moment wünschte Laura sich nichts sehnlicher, als zu sterben. Warum musste Remy sterben und sie sollte weiterleben? Das war nicht fair.
Ohne Remy war ihr Leben sinnlos geworden. Die Agentur, die Wohnung, das Geld, das alles bedeutete ihr nichts. Sie würde liebend gerne darauf verzichten, wenn Remy wieder zurückkommen könnte. Aber das ging nicht.
Dann dachte sie an eine andere Möglichkeit. Vielleicht sollte sie Selbstmord begehen. Der Gedanke fing an, ihr zu gefallen. Sie könnte sich einfach nur die Pulsadern aufschneiden. Messer gab es genug in Remys Küche. Ja, so sollte sie es machen.
Teil 9
Laura fuhr aus dem Schlaf hoch. Sie schwitzte und hatte Tränen in den Augen.
Im ersten Moment wusste sie nicht, wo sie war. Doch dann begriff sie: Das war nur ein Alptraum gewesen. Oder?!
Sie sprang aus dem Bett, nahm den Telefonhörer in die Hand und wählte Remys Telefonnummer. Es klingelte einmal, zweimal, dreimal, -- das war doch bloß ein Alptraum gewesen, oder? -- viermal… da meldete sich eine verschlafene Stimme: „Steele hier!“
„Oh, Gott sei Dank! Remy, du lebst!“ schrie Laura außer sich vor Freude.
Remy hielt den Hörer etwas weiter entfernt von seinem Ohr und antwortete verwirrt: „Ja, scheint so.“
„Kann ich zu dir kommen? Ich muss dir was sagen. Was ganz Wichtiges.“
„Das kannst du mir doch auch morgen früh erzählen.“
„Nein, das kann nicht warten.“
„Na schön. Bis gleich.“
5 Minuten später stand Laura in Remys Wohnung. Dieser hatte das Radio eingeschaltet, um wachzuwerden. Es lief gerade die „Moonlight Serenade“ von Glenn Miller.
Laura rannte auf Remy zu und umarmte ihn fest.
Remy, der immer noch im Halbschlaf war, murmelte nur: „Schon gut, Laura. Was hast du?“
„Ich wollte dir nur sagen, dass ich dich liebe. Und dass ich nicht will, dass du mich verlässt.“ Mit diesen Worten umarmte sie ihn noch fester.
© 06.04.2006 by MajorPetrofsky