IT´S A MAD, MAD, MAD, MAD STEELE
 
Teil 1
Laura betrat traurig die Agentur an diesem grauen Herbstmorgen. Draußen regnete es in Strömen. Das Wetter passte zu ihrer Stimmung.
Schon beim Eintreten fragte Mildred sie: „Sie sehen aber schlecht aus. Ist was passiert?“
„Ach, Mildred, es ist alles so furchtbar.“ jammerte Laura.
„Am besten, Sie schütten mir Ihr Herz aus. Dann geht es Ihnen gleich viel besser.“, meinte Mildred tröstend.
„OK. Dann kommen Sie mit in Mr. Steeles Büro. Dort lässt es sich vielleicht besser reden.“
„Wie Sie sollen“, antwortete Mildred und brühte den beiden einen frischen Kaffee auf.
 
Teil 2
So setzten Laura und Mildred sich also an Remingtons Schreibtisch; Laura in den Chefsessel und Mildred auf einen Stuhl, der normalerweise für Klienten gedacht war.
Laura fing an zu erzählen: „Wir waren bei Mr. Steele zu Hause. Da klingelte es an der Tür. Mr. Steele öffnete und da standen zwei Männer in weißen Kitteln. Sie forderten ihn auf, mitzugehen. Er weigerte sich. Da haben sie ihn unter den Armen gepackt und ihn rausgezerrt. Da hab ich geschrieen, was das denn sollte. Und dann drückt mir bloße einer der beiden Gorillas eine Visitenkarte in die Hand.“ Mit diesen Worten zog sie ein Kärtchen aus ihrer Handtasche und gab es Mildred.
Auf der Karte stand:
„Dr. Edgar Witherspoon
Chef der Psychiatrie
Happydale Sanatorium
1743 Cherry Tree Lane
Santa Barbara, CA
Tel: 555-566639“
„Und? Haben Sie schon da angerufen?“ fragte Mildred neugierig.
„Natürlich. Ich habe heute Nachmittag einen Termin bei diesem Dr. Witherspoon.“
„Gut. Dann können Sie dem alles erklären- Der Chef hat zwar unorthodoxe Methoden, aber verrücket ist er doch nicht.“
„Ich hoffe, Sie behalten Recht, Mildred. In die Psychiatrie kommt man leichter rein als raus.“
Die Zeit bis zu Lauras Termin mit dem Irrenarzt verging im Schneckentempo.
 
Teil 3
Endlich saß Laura im Vorzimmer von Witherspoons Büro im „Happydale Institut für die sehr, sehr Nervösen“. Es schien ein friedlicher Ort zu sein.
Es sah gar nicht so aus, wie Laura es sich vorgestellt hatte. Bei dem Wort Sanatorium hatte sie an ein kaltes, steriles Krankenhaus im Stile eines Gefängnisses gedacht. Dieser Ort hier war aber das genaue Gegenteil. Wären nicht die Pfleger und Patienten im Park gewesen, hätte man sich hier eher wie in einem Luxushotel gefühlt. Remy würde es hier sicher sehr gut haben, ging es ihr noch schnell durch den Kopf. Diesen Gedanken verwarf sie jedoch schnell wieder.
Remy musste hier raus. Sofort. Da ließ die Sekretärin sie ins Chefbüro.
Dr. Witherspoon, ein Mann mit dunkelgrauen, kurzgeschnittenen Haaren und Knubbelnase begrüßte sie freundlich: „Guten Tag, Miss Holt. Ich bedauere es zutiefst, unter so ungünstigen Bedingungen Ihre Bekanntschaft zu machen.“
Laura antwortete bloß ernst: „Dr. Wintersport…“
„Witherspoon.“ verbesserte er sie.
„Ähm, ja, Verzeihung… Witherspoon. Ich möchte bitte ohne Umschweife zur Sache kommen. Warum wurde Mr. Steele hierher verbracht?“
„Ah, nun, wissen Sie, es ist so: Gestern wurden die Papiere zur Einweisung Ihres Chefs eingereicht. Sie sind alle einwandfrei- Wir durften nicht mehr zögern, denn sehen Sie: Mr. Steele ist, leider, ein sehr, sehr kranker Mann…“
„Er ist krank?“ fragte Laura ungläubig.
„Nun ja. Wissen Sie, die Diagnose lautet zweifelsfrei auf: Zyklotyniker mit depressiven Tendenzen…“
„Er ist was bitte schön?“
„Nun, im Volksmund würde man sagen: Er hat nen Sprung in der Schüssel.“
„Das kann doch nicht sein…“ erwiderte Laura.
„Nun, und was noch schlimmer ist: Wir mussten ihn als gemeingefährlich einstufen- Er stellt eine große Gefahr für sich selbst und andere dar. Es ist ein Wunder, dass er noch keinen Mord begangen hat. Eine Einweisung konnte bedauerlicherweise nicht vermieden werden. Aber mit ein paar Elektroschocks müssten wir ihn wieder hinkriegen…“ meinte Witherspoon aufmunternd.
„Ach, das ist doch alles ausgemachter Blödsinn“, regte Laura sich auf. „Ich glaube Ihnen kein Wort. Wo ist er? Ich möchte mit ihm reden.“ schrie sie.
„Aber bitte, Miss Holt, so beruhigen Sie sich doch…“
„Mich beruhigen? Ich will wissen, wo Mr. Steele ist. Ich will wissen, wo Mr. Steele ist. Ich will mit ihm sprechen. Sofort.“
„Tut mir leid, das ist unmöglich.“
„Zum letzten Mal: Wo ist er?“ fragte Laura noch lauter.
Witherspoon hatte unmerklich einen Knopf seiner Sprechanlage gedrückt und nun kamen die beiden Gorillas von heute morgen rein. „Sie haben geläutet?“ fragte der Blonde.
Witherspoon nickte und befahl den beiden: „Jesse, Chester! Bringt sie in die Abteilung für Gewalttätige!“
„Was?!“ schrie Laura panisch. Doch sie konnte sich nicht mehr wehren.
Jesse hatte ihr schon eine Spritze mit einem starken Beruhigungsmittel in ihren Oberarm gejagt.
Laura verlor das Bewusstsein.
Die beiden Pfleger packten sie auf eine Trage und rollten sie in ein Krankenzimmer.
 
Teil 4
Als Laura aufwachte, lag sie in einem Krankenhausbett. Nur langsam erinnerte sie sich, wo sie war. Aber was machte sie hier? Na, egal. Sie würde jetzt aufstehen und Remy suchen gehen. Aber, als sie an die Tür kam, erwartete sie dort eine Überraschung. Die Tür hatte von innen keine Klinke. Sie konnte also nur von außen geöffnet werden.
Laura rüttelte an der Tür und stieß dagegen. Doch alles half nichts.
Das Fenster war ebenfalls verriegelt und mit einem Gitter versehen. Auch da konnte sie nicht hinaus.
Verzweifelt setzte sie sich auf ihr Bett und grübelte nach. Vielleicht sollte sie nach einer Krankenschwester läuten. Aber zuerst würde sie noch weiter darüber nachdenken, wie sie in aller Stille hier verschwinden konnte.
Und da bemerkte sie noch etwas: Ihre Handtasche war weg.
 
Teil 5
Nur zwei Zimmer weiter lag Remy in einem ähnlichen Zimmer wie Laura. Mit einem kleinen Unterschied: Er war ans Bett festgeschnallt worden.
Seit seiner Einlieferung hatte er bereits mehrere erfolglose Fluchtversuche unternommen und das Pflegepersonal hatte daraus seine Konsequenzen gezogen. Mit dem Resultat, dass das Einzige, was der bedauernswerte Detektiv jetzt noch tun konnte, war, an die Decke zu starren. Und nachzudenken.
Wenn er doch nur Laura erreichen könnte.
So war er den Leuten hier hilflos ausgeliefert.
Und was ihn nicht beschäftigte, war die Frage: Warum? Wie war es möglich gewesen, ihn hier einzuweisen? Wer hatte das angezettelt? Jemand aus seiner Vergangenheit? Jemand, der Lauras Lügenmärchen über Remington Steele glaubte und sich nun an ihm rächen wollte? Steckte etwa Major Descoine dahinter?
 
Teil 6
In der Agentur. Mildred wunderte sich mittlerweile, dass Laura und Remy immer noch nicht zurück waren. Sie hatte ein ganz komisches Gefühl. Also setzte sie sich an ihren PC und stellte Nachforschungen an.
Sie fand jedoch weder ein Happydale Sanatorium noch einen Dr. Witherspoon und die Telefonnummer existierte auch nicht. In Santa Barbara gab es auch gar keine andere Nervenheilanstalt.
Da half nur eins: Sie musste auch dorthin. Sie bestellte sich ein Taxi und schloss eigenmächtig die Detektei.
Dem Taxifahrer gab sie das Kärtchen mit der Adresse. Dieser meinte skeptisch: „Soll das ein Scherz sein?“
„Wieso? Lache ich etwa?“ fragte Mildred schnippisch.
„Nö. Ma´am, aber ich kenne diese Adresse und das ist keine Klapsmühle, sondern die Villa von so ´nem Diplomaten. Aber die steht jetzt wieder leer. Den hab ich gestern zum Flughafen gebracht und da hat der noch so gemeint, vor nächsten Mai würd er nicht zurückkommen.“
Mildred traute ihren Ohren kaum: „Sind Sie sich da sicher?“
„Klar!“
„OK: Fahren Sie mich dahin. Und drücken Sie auf die Tube.“
„Wie Sie wünschen, Ma´am.“
 
Teil 7
An der Diplomatenvilla in Sta Barbara angekommen, befahl Mildred dem Taxifahrer, zu warten. Sie gab ihm ein großzügiges Trinkgeld und so wartete der Mann gerne.
Mildred klingelte an der Tür.
Ein Butler öffnete: „Sie wünschen?“
„Guten Tag. Ich suche Mr. Steele und Miss Holt. Sind sie hier?“
„Es tut mir leid, Madam, aber da müssen Sie sich irren. Es gibt hier niemanden dieses Namens.“
„Aber dies ist doch: 1743 Cherry Tree Lane?“
„Natürlich, aber trotzdem. Leute dieses Namens sind hier nicht bekannt.“ Damit schloss er die Tür wieder und ließ eine verdutzte Mildred stehen. Sie konnte im Moment nichts weiter tun, als mit dem Taxi nach L.A. zurückzufahren.
Sie musste sich was anderes einfallen lassen…
 
Teil 8
Zwei Tage später. Mildred war immer noch nicht weiter gekommen bei ihrem Versuch, den Chef und Miss Holt zu befreien.
Lauras und Remingtons Lage hatte sich auch nicht verbessert.
Da wurde Remy von Jesse und Chester aus seinem Zimmer geholt und sollte zum Chefarzt gebracht werden. Er wehrte sich und brüllte rum, obwohl es zwecklos war. Trotzdem: Er wollte sich nicht tatenlos geschlagen geben.
Laura hörte seine Stimme vom Flur her. Sie, die nicht angeschnallt war, lief zur Tür, klopfte daran und rief: „Remy! Bist du das? Remy? Hilf mir!“
Er hörte ihre Stimme. „Lauraaa“, rief er. Jetzt konnte ihn nichts mehr aufhalten. Er musste sie da rausholen, komme, was da wolle. Irgendwie gelang es ihm, sich aus den festen Griffen der beiden Pfleger zu befreien und die beiden K.O. zu schlagen.
Die Tür zu Lauras Zimmer ließ sich von außen einfach öffnen. Er tat das denn auch und lief auf Laura zu. Er drückte sie fest an sich.
„Remy, was ist hier los? Warum haben sie uns eingesperrt?“
„Das werden wir jetzt rausfinden. Komm, ich will nicht länger als unbedingt nötig hier bleiben.“
Damit zerrte er sie aus dem Zimmer.
Jetzt mussten sie nur noch das Büro des Chefs finden.
 
Teil 9
Laura und Remy huschten durch die Korridore, auf der Suche nach dem Büro von Dr. Witherspoon. Aber eines war merkwürdig: Sie begegneten niemandem. Keiner Menschenseele.
„Einer flog übers Kuckucksnest“, fiel Remy ein,
„Wo fliegt der hin?“ fragte Laura verwirrt.
„Jack Nicholson, Louise Fletcher????????? Laura, ist dir schon aufgefallen, dass außer uns niemand hier ist? Ich meine, wo sind all die anderen Patienten, Pfleger, Ärzte usw?“
„Ja, du hast Recht.“, entgegnete sie grüblerisch. „Weißt du was, Remy? Das hier ist gar kein richtiges Irrenhaus.“ fuhr sie fort.
„Umso mehr Grund, herauszufinden, was hier wirklich gespielt wird.“, erwiderte er.
 
Teil 10
„Remy, da hinten, die große Mahagonitür am Ende des Ganges.“, schrie Laura auf.
„Ja, was ist damit?“
„Das ist das Büro von Mr. Witherspoon.“
„Sicher?“
„Ganz sicher. Da bin ich doch zuerst hingegangen, bevor man mich eingesperrt hat.“
„Oh, du hattest also noch die Ehre“, meinte Remy sarkastisch.
Sie betraten das Büro vorsichtig. Es war leer. So machten sie sich daran, nach Anhaltspunkten zu suchen. Dabei fanden sie auch heraus, wem das Haus gehörte. Es war das Eigentum eines gewissen Alain Goedert nebst Gattin. Er war der luxemburgische Botschafter in Kalifornien. Desweiteren fanden sie Papiere, laut denen der Diplomat seine Beziehungen zur CIA ausgenutzt haben sollte, um Waffen für den US-Geheimdienst nach Luxemburg zu schmuggeln.
„Wenn diese Dokumente an die Öffentlichkeit gelangen, ist dieser Goedert geliefert…“ meinte Laura.
Just in diesem Augenblick erschien eine Gestalt in der Tür und richtete einen Beretta-Revolver auf die beiden…
 
Teil 11
Es war eine Frau, die Laura und Remy mit der Waffe bedrohte. Sie war Mitte 50, klein, hatte kurze, braun-graue Haare. „Keine falsche Bewegung!“ warnte sie die beiden Detektive.
Remy ging langsam, Schritt für Schritt, mit erhobenen Händen, auf sie zu und brabbelte: „Ah, Mrs Goedert, nehme ich an. Fast wären Sie mit der Waffenschmuggelei durchgekommen. Sie stecken doch hinter den Transporten von Massenvernichtungswaffen durch die luxemburgischen Fluggesellschaften, oder?“
„Dann wissen Sie also…“ stotterte die Frau erstaunt.
„Dass Ihr Mann nicht die geringste Ahnung von Ihren „Freizeitaktivitäten“ hat.“ fuhr Remy fort. „Sie hassen ihn wie die Pest, nicht wahr? Aber das alles hier gehört ihm. Bei einer Scheidung gingen sie leer aus. Und ein Mord wäre viel zu auffällig. Also haben Sie die Waffen geschmuggelt, um an eigenes Geld zu kommen. Dann haben Sie ein paar Papiere gefälscht, um ihren Mann mundtot zu machen und für lange Zeit hinter Gitter zu bringen. Dann hätten Sie freie Bahn gehabt. Sie hätten über das ganze Vermögen Ihres Gatten frei verfügen können. Jeder hätte Sie bedauert, die arme, unschuldige Frau, die auf so einen Dreckskerl hereingefallen war. Ja, Sie hatten das alles schön eingefädelt.“ Mittlerweile war Remy bei Mrs Goedert angekommen.
„Geben Sie mir den Revolver. Das hat doch alles keinen Sinn mehr…“ forderte er sie sanft auf.
 
Teil 12
Schließlich gelang es Remy mit seinem unwiderstehlichen Charme, der Diplomatengemahlin die Waffe behutsam abzunehmen.
Da stürmte auch schon Mildred mit einer Armee von Polizisten herein, allen voran Inspector Jarvis, der Remy links liegen ließ und stattdessen sofort auf Laura zueilte. „Miss Holt“, fing er besorgt an, „Geht es Ihnen gut?“
Remy sah ihn eifersüchtig an.
Laura antwortete nur beschämt: „Ja, es ist alles in Ordnung. Danke, Inspector.“
Der Inspector sah Remy mit einem verächtlichen Blick an.
Da fuhr Mildred dazwischen: „Gott sei Dank! Sie beide sind wohlauf. Sie ahnen ja nicht, wie sehr mich das freut.“
„Mich, auch Mildred, mich auch.“ meinte Remy.
 
Teil 13
Eine Stunde später in Remingtons Büro in der Agentur.
Laura und Remy hatten Mildred ihre Erlebnisse der vergangenen zwei Tage geschildert.
„Meine Güte, was müssen Sie da für Ängste ausgestanden haben.“, meinte Mildred entsetzt.
Die beiden lächelten und Remy versicherte ihr: „Aber nicht doch, Mildred… Wir wussten doch, dass Sie nicht eher ruhen würden, als bis sie uns gefunden hätten.“ Er zwinkerte ihr zu und machte sein berühmtes Zähneschnalzen.
„Aber eins verstehe ich noch nicht, Chef: Warum hat die denn Sie beide eingesperrt? Was sollte der ganze Aufwand mit dem falschen Irrenhaus?“
„Ganz einfach. Mrs Goedert wusste, woher auch immer, dass Mr. Goedert sie durch uns beobachten ließ, da er sie des Fremdgehens verdächtigte. Wir wussten ihr wohl zuviel und so wollte sie uns so lange gefangen halten, bis sie außer Landes und in Sicherheit war, damit wir ihr nicht im Weg stehen konnten.“ antwortete Laura.
„Sie wusste nur nicht, was für eine tüchtige Sekretärin wir haben…“ warf Remy lächelnd ein.
„Och… Chef… ich hab… mir nur… große Sorgen um Sie gemacht“, stammelte Mildred errötend.
„So, jetzt ist es 18.00 Uhr. Zeit, dass wir Feierabend machen, nicht wahr, meine Damen?“ beschloss Remy und die drei gingen, jeder für sich, nach Hause.
 
MajorPetrofsky
 
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