FATHER STEELE
oder: Prost, Gemeinde, der Pfarrer säuft
Teil 1
Als Laura heute an diesem wunderschönen, sonnigen Spätsommermorgen in die Agentur kam, erwartete sie eine böse Überraschung: Remy war nicht da und würde auch nicht kommen. Stattdessen hatte er ihr eine eilig gekritzelte Notiz hinterlassen:
„Liebste Laura,
ich muss ganz dringend nach Craggy Island, Irland. Ein Freund braucht dort
meine Hilfe. Leider konnte ich dich nicht mitnehmen. Werde aber so bald wie
möglich zurück sein.
In Liebe, Remington“
Für Laura stand eindeutig fest, dass sie unbedingt auch dorthin musste.
Sie buchte den nächsten Flug nach Irland und ging nach Hause packen.
Teil 2
In Irland angekommen, nahm sie die erste Fähre vom Festland nach Craggy Island.
Der Fährenkapitän beäugte sie misstrauisch: „Sind Sie sicher, dass Sie dorthin wollen?“
„Äh… ja… schon“ antwortete Laura verwundert.
Der wortkarge Mann brummte nur was Unverständliches in seinen Bart und verschwand wieder auf die Brücke.
Auf der kleinen Insel angekommen, betrat Laura als Erstes einen Tante-Emma-Laden. Sie fragte die Ladenbesitzern, Mrs. O´Scanlon: „Verzeihen Sie, gibt es hier in der Nähe vielleicht ein Hotel oder eine kleine Pension?“
Die Frau meinte verächtlich: „Nee, Miss, da sind Se hier falsch. Sowas gibt´s bei uns nicht. Aber fragen Se doch mal im Pfarrhaus nach. Vielleicht kriegen Se da ´ne Unterkunft.“
„Ah, vielen Dank.“ verabschiedete sich Laura und trat aus dem Geschäft. Es gefiel ihr hier überhaupt nicht.
Die Menschen starrten sie nur blöde an. Noch dazu waren sie unfreundlich.
Sie beschloss trotzdem, zum Pfarrhaus zu gehen.
Teil 3
Da sah Laura aus der Ferne eine Gestalt in schwarzer Priestersoutane auf einem altmodischen Damenfahrrad, die zufällig in ihre Richtung fuhr. „Wie praktisch“, dachte sie, „da ist ja der Pfarrer, ich frag den mal.“
Die Gestalt war mittlerweile etwas näher gekommen.
„Das ist ja ulkig“, dachte Laura belustigt. „Der sieht ja fast so aus wie Remy… Moment mal! Das ist Remy! Das kann doch nicht wahr sein. Hab ich denn Hallus oder was?“
Die hatte sie nicht. Es war wirklich Remy, der da, im Priestergewand, nun von seinem Drahtesel stieg und einen großen Stoffbeutel aus dem Fahrradkorb nahm. Er wollte gerade in Mrs. O´Scanlons kleines Geschäft treten, als er, zu seinem Missfallen, Laura entdeckte, die nicht sicher war, ob sie zu ihm gehen sollte oder nicht.
Einen kurzen Moment lang zögerten beide, dann entschloss Remy sich, seinen Weg wie geplant fortzusetzen.
Laura blieb ratlos stehen. „Mein Gott, steht es wirklich so schlimm um uns beide, dass er jetzt ins Kloster gegangen ist?“ dachte sie entsetzt.
Da verließ Remy wieder den Laden.
Noch bevor Laura auf ihn zugehen konnte, sah sie, dass er ein Stück Papier fallen gelassen hatte. Er schien das jedoch nicht bemerkt zu haben, denn er radelte arglos davon.
Teil 4
Laura lief auf den Zettel zu, den Remy verloren hatte. Sie hob ihn auf und las:
„Liebste Laura,
komm in ½ Stunde zum Pfarrhaus und bewirb dich dort als Haushälterin. Frag
nur nach Father Mick, sag sonst nichts und rede mit sonst niemandem. Ich
erklär dir alles später.
In Liebe, Remington“
Lauras detektivischer Spürsinn war hier offensichtlich gefragt. Es galt, ein Geheimnis zu lüften. So langsam fing es an, ihr hier doch zu gefallen.
Sie steckte den Zettel in ihre Jackentasche und machte sich auf den Weg zum Pfarrhaus.
Teil 5
Laura klingelte an der Tür zum Pfarrhaus.
Ein älterer Pfarrer mit wirren, weißen Haaren und rotem Gesicht öffnete die Tür. Er war augenscheinlich stockbesoffen. Bei Lauras Anblick brüllte er: „Donnerwetter! Das nenn ich mal ´ne gut aussehende Masseuse.“
Laura stammelte bloß überrascht: „Ähm, ich möchte gerne mit Father Mick sprechen. Bitte?“
„Seit der hier ist, rennen uns die Hühner die Bude ein. Da schnappt der mir doch glatt das schönste Mädel weit und breit weg. Feck! Na gut, Süße, dann komm mal rein. Ich geh den Wichser holen.“ sagte er und torkelte dann aus dem Raum.
Laura betrat schüchtern das Haus und blieb unschlüssig im Flur stehen.
Dieser Pfarrer konnte doch wohl nicht echt sein, oder?
Teil 6
Kurz darauf kam Remy auf Laura zu.
Er schien nicht besonders erfreut darüber zu sein, sie hier zu sehen. „Was machst du hier?“ flüsterte er.
„Das gleiche könnte ich dich auch fragen“, antwortete Laura, „Und was soll überhaupt diese blöde Verkleidung?“ hakte sie weiter nach in Anbetracht seiner Priesterkluft.
„Ich segne bloß jeden, den ich treffe.“ erwiderte er quietschvergnügt. Dann wurde er wieder ernst: „Also gut, ich hab nicht viel Zeit für Erklärungen. Hör zu, du spielst jetzt hier die neue Haushälterin, Mrs. Myrtle Groggins. Hast du das verstanden?“
„Ich hasse diesen idiotischen Namen“, entgegnete sie grimmig.
„Bitte, mir zuliebe“, bettelte er liebevoll und sah sie dabei mit einem Blick an, der selbst einen Stein hätte erweichen können.
Nach anfänglichem Zögern ging Laura widerwillig darauf ein.
„Gut, Mrs. Groggins. Dann kommen Sie, ich zeige Ihnen die Küche.“ fügte Remy laut hinzu. Er ging mit ihr durch das gemeinschaftliche Wohnzimmer dieser Priester-WG und stellte sie vor: „Father Jack Hackett kennen Sie ja bereits.“
„Ja, wir hatten vorhin schon das Vergnügen“, antwortete sie und Jack meinte nur: „Darauf kannst du einen lassen, Boyo.“
Remy fuhr unbeeindruckt fort: „Und das ist Father Ted Crilly. Er ist der Chef hier, sozusagen.“ Dabei zeigte er auf einen großgewachsenen, weißhaarigen Mann. Laura dachte bei sich, dass dieser Ted als junger Mann vielleicht gar nicht mal schlecht ausgesehen hatte.
„Hoffentlich können Sie wenigstens gut kochen, nicht so wie Ihre Vorgängerin.“, meinte er sarkastisch und schüttelte sich bei dem Gedanken an die frühere Hausmannskost.
„Ja, und dann hätten wir hier noch Father Dougal McGuire.“ fuhr Remy fort und stellte einen relativ jungen, rothaarigen Priester vor, der nicht gerade besonders helle im Kopf zu sein schien.
„Sie sind also keine Nonne?“ fragte Dougal, woraufhin Laura verwirrt antwortete: „Ähm… nein… nicht dass ich wüsste…“
„Gut, da Sie uns nun alle kennen, schlag ich vor, dass ich Ihnen den Rest des Hauses zeige.“ lenkte Remy ein und verließ mit ihr das Wohnzimmer.
Teil 7
Ihr Rundgang führte die beiden Detektive durch die Küche, in den ersten Stock und schließlich in den Keller und den Weinkeller.
Als sie unbeobachtet waren, erklärte Remy knapp: „Also, der Grund warum ich hier bin: Father Ted hat meine Hilfe angefordert. Seine Haushälterin, Mrs. Doyle, ist letzte Woche mal wieder vom Dach gefallen. Diesmal hat sie sich bei dem Sturz das Genick gebrochen. Ted glaubt nicht an einen Unfall. Wir sollen rausfinden, wer´s war. Und pass gut auf: Ted weiß, dass ich kein Priester bin, die anderen nicht. Und keiner weiß, wer du wirklich bist, kapiert? Tut mir leid, die Zeit ist knapp. Also, du gehst jetzt nach oben und bereitest das Abendessen zu, ok? Du isst natürlich mit uns. Aber sei vorsichtig! Jemand hier ist ein gefährlicher Mörder.“ warnte er sie noch. Dann ließ er sie stehen und stieg die Treppe hinauf auf den Flur.
Laura folgte ihm nachdenklich. Sie musste einen ersten Anhaltspunkt finden.
Aber zuerst würde sie das Abendessen kochen.
Teil 8
In der Küche öffnete Laura zuerst den Kühlschrank und studierte dessen Inhalt:
Da stand eine Ente auf einem Silbertablett, fertig zum Braten.
Laura grinste und dachte: „Man merkt, dass Remy hier ist. Das sollte bestimmt „Ente in Rotwein“ werden.“ Sie nahm das Tablett aus dem Kühlschrank und stellte es auf den Tisch.
Da kam das Priester-Triumvirat rein.
Dougal betrachtete die Ente und fragte: „Was ist das, Ted?“
„Ein Tier, das schlauer ist als du, Dougal. Es stellt keine blöden Fragen. Wenigstens tut es das jetzt nicht mehr.“ antwortete Ted zynisch.
„Ah, gut, ja“, war Dougals Reaktion.
Laura ließ sich davon nicht beeindrucken, sondern machte sich ans Kochen. Sie konnte Father Jack nur mühsam davon abhalten, den Rotwein weg zu saufen, der für die Soße gedacht war.
Laut fluchend, weil er so nichts zu trinken bekam, verzog Jack sich wieder ins Wohnzimmer. Dort setzte er sich in den Ohrensessel in der Ecke und hielt ein Nickerchen.
Teil 9
Remy sah sich derweil in den Zimmern der einzelnen Priester um. Sie waren alle eher spartanisch eingerichtet.
Bei Father Jack standen mehr leere Flaschen rum als in Fergal´s Pub in Dublin.
Bei Dougal fand er auch nichts Besonderes, außer einem Brief von der SPCC, der etwa 20 Jahre alt war. In dem Brief wurde die Adoption eines sechsjährigen Jungen namens George O´Brien durch ein Ehepaar namens Doyle bestätigt. Hatte das etwas mit der verstorbenen Mrs Doyle zu tun? Das hier schien eine wichtige Spur zu sein.
Remy steckte schnell das Schreiben ein und verließ eilig Dougals Zimmer.
Als Ausrede, was er hier oben treibe, nutzte Remy die Gelegenheit, Lauras Gepäck raufzutragen und ihr Zimmer ein wenig herzurichten. Er hing ihre Jacke auf einen Stuhl und verfrachtete ihre restlichen Klamotten im Schrank.
Danach machte er sich wieder auf den Weg nach unten.
Teil 10
Mittlerweile war es Zeit fürs Abendessen geworden.
Dougal hatte sich entschuldigt, da er angeblich Kopfschmerzen hatte.
Dazu hatte Ted nur gemeint: „Der Vollidiot hat bloß wieder versucht, nachzudenken.“
Laura kam diese Priester-WG hier mehr als suspekt vor.
Remy hingegen tat so, als sei dies alles vollkommen normal.
Jack meinte: „So, Father Mick, du verfluchter Sauhund, heute sprichst du mal das verdammte Tischgebet.“
Remy faltete die Hände und da er keine Gebete kannte – er war kein religiöser Mensch – trug er nur vor: „Möget ihr schon alle eine halbe Stunde im Himmel sein, bevor der Teufel merkt, dass ihr tot seid.“
Laura zog daraufhin eine Augenbraue hoch, Jack ignorierte das – ihn interessierte das Essen sowieso weitaus mehr – und Ted meinte: „Bravo. Das nenn ich endlich mal ein originelles Tischgebet.“
Das Essen verlief ohne besondere Zwischenfälle, wenn man mal von Jacks fehlenden Tischmanieren absieht. Es schien allen gut zu schmecken. Die Priester und Remy schienen keine Kostverächter zu sein.
Teil 11
Nach dem Essen räumte Laura den Tisch ab und Remy half ihr dabei.
Ted und Jack sahen sich währenddessen im Fernsehen das Fußballspiel Irland – Luxemburg an. Dabei grölte Jack gelegentlich Sachen wie: „Am Arsch! Warum greift der Penner von Stürmer nicht an?“ oder betätigte seine Stadionhupe, was Ted jedes Mal halb zu Tode erschreckte.
Unbemerkt von den beiden Fußballfanatikern hatte Remy sich zu Laura in die Küche geschlichen und zeigte ihr den Brief, den er in Dougals Schreibtisch gefunden hatte.
„Hmm… Der Sache müssen wir nachgehen. Aber dieser Dougal… ich weiß nicht, er kommt mir zu dumm vor, um ein kaltblütiger Mörder zu sein… Vielleicht hat das auch nichts zu bedeuten, aber trotzdem…“ meinte Laura.
„Ich werde morgen mal zu Mrs O´Scanlon gehen und sie befragen. Sie scheint mich zu mögen. Sie ist immer sehr nett zu mir.“ meinte Remy stolz.
Laura rümpfte daraufhin nur die Nase.
„Doch“, verteidigte sich Remy. „Ich krieg immer Gratisschokolade von ihr. Guck!“ Dabei zog er zufrieden grinsend mehrere Schokoriegel aus der Tasche seiner Soutane.
Laura zog ihren Kopf weg und stotterte panisch: „Nein, nein, bitte nicht…“
„Was hast du denn?“ fragte Remy unschuldig. „Ach so, ja, das hatte ich doch glatt vergessen. Du bist ja süchtig danach… Upps… Tschuldigung.“ Er steckte die Schokolade wieder ein.
Laura atmete erleichtert auf. „Tu das nie wieder. Hörst du?“ ermahnte sie ihn.
„Icy calm, Miss Holt, icy calm. Ich hab nicht mehr dran gedacht.“ entgegnete er zerknirscht.
„Schon gut, Ich bin müde. Ich geh jetzt zu Bett. Gute Nacht.“ erwiderte sie.
„Ja, Nacht, Laura. Schlaf gut.“
Während Laura in den ersten Stock ging, setzte sich Remy zu Ted und Jack und versuchte, herauszufinden, was an Fußball so interessant sein sollte. Er fand jedoch lediglich heraus, dass das ganz und gar nicht sein Ding war und ging 15 Minuten später ebenfalls zu Bett.
Teil 12
In der Zwischenzeit hatte Laura ihr Zimmer betreten. Doch noch ehe sie das Licht anknipsen konnte, spürte sie einen harten Schlag auf den Hinterkopf. Sie brach ohnmächtig zusammen.
Remy hatte von alldem nichts mitbekommen und legte sich arglos schlafen. Wie gerne hätte er Laura jetzt hier neben sich gehabt. Aber in einem Pfarrhaus, selbst wenn man den Gottesmann nur spielte, ging so was schon gar nicht.
Teil 13
Als Laura wieder aufwachte, saß sie gefesselt und geknebelt auf dem Boden des Weinkellers im Pfarrhaus. Erst nach und nach realisierte sie, wo sie hier war. Sie war allein. Sie sah sich um und versuchte, sich aus ihren Fesseln zu winden. Aber wer immer sie so zusammengeschnürt hatte, hatte ganze Arbeit geleistet. Je mehr sie sich bewegte, desto mehr schnitt das Seil in ihre Haut ein.
Sie gab die Befreiungsversuche auf. Ihre Lage war hoffnungslos. Niemand würde sie hier finden.
Teil 14
Mehrere Stunden später – zumindest kam es Laura so vor – trat eine Gestalt auf sie zu. In der Dunkelheit konnte sie nicht erkennen, wer es war, aber er nahm ihr den Knebel aus dem Mund. Dann fing der Unbekannte an zu reden, mit einer gruseligen, fiependen Kinderstimme: „Guten Morgen, Laura. Hast du gut geschlafen?“
Sie antwortete nicht. Es war ihr immer noch nicht klar, wer da mit ihr redete.
Der Unbekannte fuhr fort: „Ich hab vorhin den Zettel von Remington in deiner Tasche gefunden.“ Er kicherte. Es war ein unheimliches Kichern, das Laura einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
Als sie nicht antwortete, redete die Kinderstimme weiter: „Willst du mit mir spielen?“
„Wa… was… sollen wir denn … spielen?“ fragte Laura.
Darauf ertönte Remys Stimme hinter der Gestalt: „Wie wär´s denn mit: „Die Mausefalle“ von Agatha Christie?“ Mit diesen Worten knipste er das Licht an und richtete einen Revolver auf Father Dougal. Dieser zuckte erschreckt zusammen. Damit hatte er offensichtlich nicht gerechnet.
„Father Dougal?“ fragte Laura erstaunt.
„Ja, genau, Father Dougal alias George O´Brien.“ entgegnete Remy triumphierend und fuhr dann fort: „Als er 6 Jahre alt war, wurde er von den Doyles adoptiert. Mr. Doyle behandelte ihn immer wie einen Idioten, nicht wahr, Georgie? Aber du bist kein Idiot, du bist ein schizophrener Psychopath. Dein Adoptivvater war gar nicht nett zu dir. Er hat dich verprügelt und ausgelacht. So war´s doch, oder?“
„Ja“, piepste Dougal verlegen.
Remy erklärte weiter: „Mit 12 bist du aus dem Haus der Doyles geflüchtet. Damals hast du dir Rache geschworen für den ganzen Spott, den du hattest erdulden müssen. Schlussendlich bist du als Father Dougal zurückgekehrt. Mrs Doyle konntest du vom Dach stoßen, aber Mr Doyle war ein zäher Brocken. Der hat deine Mordversuche immer überlebt.“
Dougal fragte leise mit seiner kindlichen Stimme: „ Seid ihr mir jetzt böse?“
Darauf sahen Remy und Laura einander seufzend an. Was sollten sie auf diese Frage antworten?
Dougal hatte mittlerweile angefangen, wie ein kleiner Junge zu weinen. Er ließ sich wenig später anstandslos von der herbeigerufenen Polizei verhaften.
Remy band Laura los und drückte sie fest an sich, während er ihr beruhigend zuredete: „Es ist vorbei, Laura. Jetzt kann dir nichts mehr passieren.“
Teil 15
Nachdem Laura und Remy den beiden Pfarrern Ted und Jack erzählt hatten, was geschehen war, meinte Ted: „Danke, Mick, das war ein echt guter Job. Hab mir schon gedacht, dass bei dem ´ne Schraube locker ist. So dumm wie der kann kein normaler Mensch sein.“
„Kein Problem. Wir sind schließlich Profis, nicht wahr, Myrtle?“ Dabei warf er einen schadenfroh grinsenden Seitenblick auf Laura. Die zog bloß die Augenbrauen hoch. Am liebsten hätte sie ihm jetzt eine gescheuert. Das verkniff sie sich jedoch.
Da kam Jack mit einer Flasche feinsten irischen Whiskeys und ein paar Gläsern an und brüllte: „Da leck mich doch einer am Arsch. Ist der bekloppte Vollidiot da doch ein irrer Mörder. Darauf müssen wir jetzt erst mal einen lüpfen.“ Er schenkte allen ein und noch bevor die anderen ihr Glas erheben konnten, um anzustoßen, hatte er seins schon auf Ex leer gesoffen.
Teil 16
Wieder zurück in L.A. in der Steeleschen Wohnung. Laura und Remy sahen sich „Ein Papst zum Küssen“, Robbie Coltrane, Beverly D´Angelo, UFA, 1990 an.
Laura meinte: „Also, die Priester in Irland, sind die alle so bescheuert?“
„Keine Ahnung. Ich kenne bloß Father Ted. Aber um ehrlich zu sein, ich wollte seinen Job nicht machen.“ erwiderte Remy.
„Wieso? In der Kutte hast du echt zum Anbeißen ausgesehen.“ entgegnete Laura spöttisch grinsend.
Remy schnitt bloß einen Flunsch, was bedeuten sollte, dass er keineswegs ihre Meinung teilte.
„Aber so in Zivil bist du mir trotzdem lieber.“ fügte sie versöhnlich hinzu.
„Na gut, das will ich noch mal akzeptieren“, brummte Remy.
„Oh, der Film ist schon zu Ende.“ bemerkte sie.
„Ja, es scheint so…“ antwortete er.
Laura stand auf und sagte: „Tja, dann geh ich mal nach Hause. Ich bin todmüde.“
Und noch bevor Remy sie zurückhalten konnte, hatte sie schon die Wohnungstür von außen geschlossen.
© 07.07.2006 by Major Petrofsky