Fall Foliage Steele

 

Teil 1

 

Der Amtrak-Express war pünktlich um 16.30 Uhr am Bahnhof Middle Fritham/Neuengland angekommen.

Laura stieg aus dem Erste-Klasse-Abteil hinaus ins Freie und betrachtete die prachtvolle herbstliche Landschaft. Die Blätter der Bäume hatten sich nun, Ende September, in die verschiedensten Schattierungen von goldgelb bis leuchtendrot verfärbt. Dieses fantastische Naturschauspiel wird auch „Fall Foliage“ genannt.

Hinter Laura trat Remy, in jeder Hand 2 Koffer und um den Hals eine Reisetasche hängend, ächzend aus dem Zug. Zu Laura meinte er, vor Anstrengung schnaufend: „Wir müssen doch nicht zu Fuß zum Hotel, oder?“

„Zu Fuß? Du hast vielleicht Ideen. Ein Fahrer vom Hotel erwartet uns. Sollte er auf jeden Fall.“

„Gut.“

Da kam auch schon ein älterer, rüstiger Mann auf die beiden zu: „Mr und Mrs Steele?“

„Äh…ja…“ stotterte Laura erstaunt. Hatte Remy sie schon wieder als Ehepaar angemeldet? Sie würde mal bei Gelegenheit ein Wörtchen mit ihm darüber reden müssen. Jetzt warf sie ihm nur einen sauertöpfischen Blick zu.

Remy hingegen grinste nur breit und sagte: „Ja, wir haben ein Zimmer reserviert.“

„Natürlich. Warten Sie, ich helfe Ihnen mit dem Gepäck.“, entgegnete der Fahrer und nahm Remy zwei der Koffer ab. Zusammen stiegen die drei in den hoteleigenen Kombi und fuhren ab.

 

Teil 2

 

„So, hier wären wir. North Cothlestone Hall.“ verkündete der Fahrer eine halbe Sunde später. Während Laura und  Remy das riesige, schlossartige Gebäude mit der weißen Fassade und den roten Dächern fasziniert betrachteten, lud der Fahrer die Koffer aus. Dann folgten sie dem Mann zur Rezeption und erledigten die Check-In-Formalitäten. Ein Hotelpage brachte ihr Gepäck in ihre gigantische Luxussuite, während Laura und Remy von der Ehefrau des Eigentümers Lord Hasketh-Fortescue nach oben geführt wurden. Sie erzählte hnen etwas über die Geschichte des Hauses: „Sehen Sie, das Hotel ist mittlerweile seit 3 Generationen im Familienbesitz. Der Urgroßvater meines Mannes hat es damals bei einer Partie Skat gewonnen.“

„Ach?“ meinte Remy nur.

Laura bewunderte währenddessen die geschmackvolle Kombination aus antikem und neuzeitlichem Mobiliar, sowie die original frühgotische Bettstatt in einem Zimmer mit offen stehender Tür und das dunkelgrüne Sofa aus dem elterlichen Besitz des Lords.

Lady Hasketh-Fortescue fuhr fort: „Jetzt, im Herbst, ist es etwas ruhiger. So richtig fängt der Betrieb erst mit der Wintersportsaison wieder an.“

„Sind wir denn die einzigen Gäste?“ fragte Laura etwas beunruhigt.

Die Frau lachte: „Nein, außer Ihnen ist noch eine Touristengruppe aus Deutschland da. Sehr reizende Leute. Es sind die Absolventen eines Volkshochschulkurses mit dem Ziel, das Jodeldiplom zu erreichen.“

„Jodeldiplom???“ fragte Remy verblüfft.

„Ja, sie beherrschen vor allem den Kaiser-Franz-Jodler aus dem FF.“

„Ach, wie … ungewöhnlich.“ antwortete Remy, der sich nun nicht mehr so ganz sicher über den Geisteszustand der Hausherrin war.

„Ja, nicht wahr?“ fragte die Frau freundlich.

 

Teil 3

 

Da waren Sie auch schon bei ihrem Zimmer angekommen. Lady Hasketh-Fortescue wünschte Ihnen einen angenehmen Aufenthalt und verabschiedete sich.

Als sie fort war, meinte Remy zu Laura in sarkastischem Ton: „Na, hoffentlich jodeln die nicht den ganzen Tag.“

„Was hast du nur immer? Das sind bestimmt sehr nette Leute.“ antwortete sie.

„Na ja, wenn du meinst.“, entgegnete er skeptisch.

„Remy, sei doch nicht so sarkastisch. Wenigstens mir zuliebe.“

„Na gut.“, versicherte er ihr, während sie ihre Koffer auspackte und er dem Pagen, anstatt Trinkgeld zu geben, die Hand schüttelte und ihn hinauskomplimentierte.

 

Teil 4

 

Es war mittlerweile 18.00 Uhr geworden.

Laura und Remy hatten sich umgezogen und gingen nun nach unten, um gepflegt zu dinieren. Sie nahmen an einem extra für sie reservierten Tisch am Fenster Platz. In der Mitte des Speisesaals war das Bankett für die Jodelgruppe aufgerichtet. Die Gruppe schien auch vollzählig anwesend zu sein. Remy beobachtete sie.

Da war zunächst ein großer, weißhaariger Mann mit einer altmodischen Hornbrille. Er schien der Leiter des Kurses zu sein und führte gerade eine hitzige Diskussion mit einem jüngeren, dunkelhaarigen Mann. Offensichtlich ging es bei dem Streitgespräch um eine Badewanne, die die beiden Herren sich, ebenso wie das Zimmer, teilen mussten. „Mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht, Herr Müller-Lüdenscheidt.“, entschied der Weißhaarige.

„Ich verbiete es Ihnen sowieso, mit mir zu gleicher Zeit zu baden, Herr Döbler.“, antwortete der Jüngere.

Überdies beobachtete Remy eine Familie, bestehend aus Mann und Frau. 7jährigem Kind und einem Opa mit schütterem, grauem Haar, Bart und Brille, der unentwegt deutsche Märsche vor sich hin brummelte und dabei mit seinem hölzernen Gehstock in der Luft herumfuchtelte. Sein Schwiegersohn ermahnte ihn erfolglos mehrere Male: „Sei friedlich, Opa. Setz dich hin. Guck dir doch die schöne Inneneinrichtung an, ja?“

Das 7jährige Kind, bei dem man nicht auf Anhieb erkennen konnte, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist, mit anderen Worten, ob es ein Zipfelchen hat, trat auf Remy zu, hielt sich die Hand vor die Augen und streckte die Zunge raus, worauf der Detektiv meinte: „Die Jugend von heute. Hast du keine andere Beschäftigung?“

Dies quittierte das Kind lapidar mit den Worten: „Zicke, Zacke, Hühnerkacke.“

Da eilte die Mutter des Kindes heran: „Dickie! So benimmt man sich doch nicht vor fremden Leuten. Geh spielen!“ Daraufhin machte sich Dickie schleunigst aus dem Staub.

Die Mutter entschuldigte sich beschämt bei Laura und Remy: „Es tut mir wirklich sehr Leid. Ach, mein Name ist Hoppenstedt.“

„Nett, Sie kennenzulernen“, erwiderte Remy charmant und gab der Dame einen Handkuss, so wie es sich nun eben für einen Gentleman gehört. Dafür erntete er von Laura nur einen eifersüchtigen Blick. Frau Hoppenstedt verabschiedete sich und ging wieder zurück an ihren Platz.

Jetzt fiel Remy ein etwa 60jähriger, dünner, weißhaariger Mann mit Brille auf. Dieser gab eine sehr lehrerhafte Figur ab und unterhielt sich mit einem etwa 50jährigen Mann namens Lindemann, der vor kurzem in der Lotterie gewonnen hatte und einer Frau, die dessen Tochter zu sein schien, über ein Insekt oder Tier namens Steinlaus. Die beiden Zuhörer schienen nur mäßig interessiert am Vortrag des Professors und die knapp 20jährige Tochter kümmerte sich lieber um ihre beiden reinrassigen Dackel Wum und Wendelin.

 

Teil 5

 

Während seines Nachtischs „Birne Helene“ beobachtete Remy noch, wie der Gruppe endlich die Vorspeise serviert wurde und am Banketttisch Ruhe einkehrte. Während die Touristengruppe friedlich ihr Menü bestehend aus einer Tagessuppe, Kalbshaxe „Florida“ mit Salzkartoffeln, Bandnudeln und Reis und einem ungewöhnlichen Dessert namens „Kosakenzipfel“ – das ist ein Mokka-Trüffel-Parfait mit einem Zitronenbällchen – einnahm, verließen Laura und Remy das Restaurant. Sie hörten noch, wie Opa Hoppenstedt die Kellnerin fragte: „Gehörst du zur Familie?“

„Nee“, antwortete diese.

„Schwein gehabt!“, meinte der alte Mann und fischte das Ende seiner Krawatte aus der Suppe, das versehentlich dort hineingeraten war.

Prof. Grzimek, der Steinlaus-Spezialist, versuchte unterdessen, die Tochter des Lottogewinners Lindemann zu becircen, was ihm jedoch nicht so recht gelingen wollte. Diese starrte ihn nämlich nur, aus für ihn unerfindlichen Gründen, an. Oder besser gesagt, sie starrte die widerspenstige Nudel in des Professors Gesicht an, die sich partout nicht entfernen lassen wollte und bloß unachtsam vom Professor von einer Stelle zur anderen verschoben wurde, bis sie späterhin in seinem Espresso landete.

 

Teil 6

 

Laura und Remy machten es sich in der Bar am offenen Kamin gemütlich. Sie freuten sich auf einen romantischen Abend in diesem abgelegenen, lauschigen Hotel, fernab von jedem Verbrechen oder anderen Störenfrieden. Die Touristen aus Deutschland würden sie kaum stören. Die würden nach dem Essen sowieso im Restaurant bleiben.

Sie lehnten sich also gemütlich in die bequemen Polstersessel in der Bar zurück und genossen die entspannte Ruhe, bis… die Touristengruppe sich ebenfalls dazu entschloss, sich in der Bar zu amüsieren.

Frau Hoppenstedt war von dem Flügel in der Ecke bezaubert und rief: „Ein Klavier! Ein Klavier!“ worauf Herr Hoppenstedt anfing, Schubertsche Klavierkonzerte auf ebendiesem zu klimpern.

Opa Hoppenstedt kam indes auf Remy zu und fragte ihn: „Was ist der Unterschied zwischen einem Eichhörnchen und einem Klavier?“

Remy konnte darauf nur ahnungslos antworten, er wisse es nicht. Doch bevor der Opa Remy diesen Unterschied erklären konnte, trat Herr Döbler, der Kursleiter, auf die beiden zu und begann folgendes Gespräch: „Ich bin gewiss ein toleranter Mensch, aber das mit der Badewanne geht zu weit. Wissen Sie, im liberalen Sinne bedeutet liberal nicht immer liberal.“

„Ah ja!“ antwortete Laura missmutig. Den Abend hatte sie sich so sicherlich nicht vorgestellt. Sie sah Remy an, dessen Laune auch nicht besser war als ihre und wortlos kamen sie überein, die Bar zu verlassen und nach oben zu gehen, wo sie müde ins Bett fielen.

 

Teil 7

 

Lauras Schlaf fand ein jähes Ende, als gegen 6.00 Uhr in der Früh ein Knall sie aufweckte. Mit einem Ruck fuhr sie hoch und weckte Remy: „Hast du das gehört? Ein Schuss!“

„Mmm! Das war nur ein Champagnerkorken. Die feiern bestimmt noch da unten.“, antwortete Remy im Halbschlaf.

„Nein, das war unzweifelhaft ein Schuss.“ widersprach Laura, warf sich ihren Morgenmantel über und verließ das Zimmer, um nachzusehen, was geschehen war.

Widerwillig und stirnrunzelnd stand Remy auf, zog seinerseits seinen Morgenmantel an und taumelte Laura schlaftrunken nach. Sie stand inzwischen in der Tür zu Herrn Lindemanns Zimmer, ihren Blick starr vor Entsetzen auf die Leiche des Rentners, in dessen Herz eine Patrone steckte, gerichtet.

Als Remy sie eingeholt hatte und ebenfalls die Leiche sah, wurde er mit einem Schlag wach. Er nahm Laura, drehte sie zu sich und hielt ihren Kopf an seine Brust, um sie von diesem Anblick abzuwenden.

 

Teil 8

 

Laura und Remy blieben nicht lange allein. Die anderen Hotelgäste kamen nach und nach, um zu sehen, was geschehen war. Auch Lord Hasketh-Fortescue fand sich bald ein. Allgemeines schockiertes Gemurmel setzte ein.

Nun kam auch die Tochter des Verblichenen, gefolgt von Wum und Wendelin.

Remy, der Laura inzwischen losgelassen hatte, wollte die junge Frau noch zurückhalten, aber da war es schon zu spät. Ungläubig sah sie in die Runde und lief dann weinend weg, wobei sie fast noch über ihre beiden Hunde gestolpert wäre.

Der Lord trat auf Laura und Remy zu und bat sie, den Fall zu übernehmen, was sie dann auch taten.

 

Teil 9

 

„Mit wem sollen wir denn nun anfangen?“ fragte Remy etwas später ratlos.

„Gehen wir doch für den Anfang mal zu den beiden Herren, die sich um die Badewanne streiten.“ meinte Laura.

Sie sprachen zuerst mit dem jüngeren der beiden Männer.

„Herr Müller-Lüdenscheidt?“ fragte Remy.

„Jawohl, ich bin Staubsaugervertreter für die Firma Heinzelmann mit Sitz in Bonn. Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann. Das ist unser Werbeslogan.“

„Ah ja“, antwortete Remy.

Viel mehr bekamen sie auch nicht aus ihm raus. Scheinbar hatte am vorigen Abend nichts Außergewöhnliches stattgefunden.

Auch Herr Döbler, der Jodelkursleiter, konnte Ihnen nichts erzählen, was für sie von Nutzen gewesen wäre. Der Streit der beiden Männer um die Badewanne hatte jedenfalls nichts mit dem Mord zu tun.

 

Teil 10

 

Als nächstes nahmen sich die beiden Detektive die Familie Hoppenstedt vor. Während Dickie herumlief und Grimassen schnitt, wollten Laura und Remy mit dem Ehepaar sprechen. Dies erwies sich jedoch als schwieriger denn erwartet, da Opa Hoppenstedt seinen Plattenspieler auf volle Lautstärke drehte und im Takt der Marschmusik mit seinem Gehstock auf den Boden klopfte.

„Sei gemütlich, Opa!“, schrie Herr Hoppenstedt, während seine Frau den Plattenspieler ausschaltete und den Großvater vor den Fernseher setzte. Sie schaltete das Programm zu einer Gameshow und sagte zum Opa: „Sieh dir doch lieber die schöne Sendung an.“

„Tja, also eigentlich nimmt nur meine Frau am Jodelkurs teil. Ich bin ganztägig bei der Arbeit.“

„Genau“, bestätigte die Frau. „Ich habe die Mitgliedschaft im Jodelverein beim Salamo-Bratfett-Preisausschreiben gewonnen. Ich hatte das Preisrätsel richtig gelöst“, fuhr sie nicht ganz ohne Stolz fort.

„Ah ja, sehr aufschlussreich. Können Sie uns sagen, wo Sie waren, als der Schuss fiel?“ fragte Remy.

„Aber, natürlich waren wir im Bett und haben geschlafen.“

„Und wie steht es mit Ihrem Vater?“

„Ja, der hat auch geschlafen, nicht wahr, Opa?“ schrie Herr Hoppenstedt in Richtung seines Schwiegervaters.

„Ba ba uff, ba ba uff, ba ba uff ba da damm bamm bamm.“ sang der nur.

Remy versuchte, mit dem alten Mann ein Gespräch anzufangen, doch der hatte nur seine Märsche im Kopf und informierte Remy nur darüber, dass er seinen Cousin in Hannover und seine Schwester Else in Bremen herzlich grüßen lässt und sich als musikalischen Gruß den Marsch „Alte Kameraden“ wünscht.

Remy sah ein, dass der Opa ihm nicht weiterhelfen könnte, und er und Laura verabschiedeten sich sodann.

Als sie weg waren, fragte der Opa das Kind: „War das wieder einer von deinen Bekloppten?“ womit er natürlich Remy meinte. Dickie streckte als Antwort nur die Zunge heraus.

 

Teil 11

 

Auf dem Korridor trafen Laura und Remy auf Lord Hasketh-Fortescue, der ihnen bereitwillig erklärte, die Jagdtrophäen an der Wand seien Erbstücke von seinem Großvater mütterlicherseits. Auf ihre Fragen bezüglich des Mordes war der Lord aber extrem ausweichend und betrachtete dauernd die Wände, wobei er feststellte: „Das Bild hängt schief.“ Bei dem Versuch, es gerade zu rücken, stolperte er jedoch über Wum und murmelte: „Der Hund liegt aber sehr ungünstig.“ Der Lord verursachte im Flur ein mittleres Chaos. Er versuchte dann, davon abzulenken, indem er den beiden Detektiven anvertraute, dass er gerne Gedichte schreibe und gab dann auch sofort ungefragt eine Kostprobe seiner Poesie zum Besten:

„Ich muss die Nase meiner Ollen

an jeder Grenze neu verzollen.“

So langsam sahen sie ein, dass auch der Besitzer des Hotels keine große Hilfe war. Da sah Remy durchs Fenster, wie die Tochter des toten Lottogewinners im Park des Hotels spazieren ging. Er griff Laura bei der Hand und zog sie mit sich.

Der Lord, verblüfft über diesen plötzlichen Abgang, rief ihnen noch nach: „Wo laufen Sie denn? Wo laufen Sie denn hin?“

 

Teil 12

 

„Fräulein Lindemann!“ rief Remy.

Die junge Frau blieb stehen und drehte sich um. Sie sah, wie Laura und Remy auf sie zugerannt kamen. Sie fragte dann: „Haben Sie schon etwas herausgefunden?“

„Nun ja, wie man´s nimmt.“ stammelte Remy. und fuhr dann fort: „Erzählen Sie uns doch mal… Ist das richtig, dass Ihr Vater im Lotto gewonnen hatte?“

„Ja, genau. 500.000 D-Mark hat er gewonnen. Er war so glücklich darüber. Mit dem Geld wollte er zuerst eine Reise nach Island machen und dann nach Rom zu einer Audienz beim Papst fahren. Anschließend wollten wir zusammen eine Herrenboutique in Wuppertal aufmachen. Er wollte auch noch Golf spielen lernen, aber ich habe ihm davon abgeraten. Golf ist ein richtiger Klein-Leute-Sport geworden.“

„Das klingt sehr vielversprechend. Haben Sie vielleicht einen Verdacht? Jemand aus der Gruppe…“

„Verdacht? Um Himmels willen, nein. Das sind alles so nette Leute. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mörder dabei sein soll.“ antwortete die Frau.

„Tja, für den Moment wäre das alles“

 

Teil 13

 

Enttäuscht gingen Laura und Remy über den original-englischen Rasen zur Terrasse, wo Prof. Grzimek an diesem wunderschönen sonnigen Nachmittag die Herbstsonne genoss und Zugfahrpläne studierte. Als sie an den zerstreuten Gelehrten herantraten, meinte der freundlich zu ihnen: „Ach, ist das schön.“

„Bitte, wie meinen?“ fragte Remy verdutzt.

„Ach, ist der Rasen schön grün.“, schwärmte der Prof weiter.

„Äh…ja…er hat was. In der Tat.“ entgegnete Laura ratlos.

„Wissen Sie, dieses Gebiet wäre nicht geeignet für die Ansiedlung der Steinlaus. Sie verträgt keine Pflanzen, sondern fühlt sich ausschließlich in steinigem Gelände wohl.“ fuhr der Prof mit seinem Vortrag fort.

„Nun, um ehrlich zu sein, kamen wir zu Ihnen, um über den Mord an Herrn Lindemann zu sprechen.“ meinte Laura.

„Aber ja, natürlich. Sie sind die beiden Detektive. Eine scheußliche Sache, das mit dem Mord. Ich hab´s ja von Anfang an gesagt: Wir hätten eine Reise nach Österreich oder in die Schweiz unternehmen sollen, da wäre so was nicht passiert.“

„Ja, aber können Sie uns auch verraten, was Sie heute morgen gegen 6.00 Uhr getan haben?“

„Nun, ich war bereits wach. Ich konnte nicht mehr schlafen, also habe ich noch ein bisschen an meinem Buch geschrieben, das demnächst erscheinen soll. Es ist ein Werk über das Leben der Steinlaus. Wussten Sie z.B. schon…“

Doch bevor Prof Grzimek ausreden konnte, meinte Remy: „Der dünne Mann, William Powell, Myrna Loy, MGM, 1934.“

„Och, du wieder mit deinen Filmen.“

„Ich habe da auch mal so einen entzückenden Film gesehen mit äh… wie hieß der denn noch mal? Ah ja. Micky Maus. Es war ein Film mit Micky Maus.“, warf der Prof hilfsbereit ein.

Etwas irritiert meinte Remy dann zu ihm: „Suchen Sie alle Mitglieder Ihrer Gruppe und kommen Sie dann alle in die Bar. Ich werde Ihnen dort die Lösung präsentieren.“

 

Teil 14

 

„Also, meine Herrschaften. Ich werde Sie nun mit der Lösung des Falles konfrontieren. Der Mörder von Herrn Lindemann befindet sich nicht, wie Sie vielleicht erwartet hätten, in Ihrer Gruppe. Nein, der Mörder, oder sollte ich lieber sagen, die Mörder sind Lord und Lady Hasketh-Fortescue.

Verwirrt und erschrocken starrten alle auf die beiden Hotelbesitzer.

Remy fuhr fort: „In Wirklichkeit sind sie nicht einmal miteinander verheiratet, nicht wahr, Graf Vicco von Bülow und Ihre Schwester Evelyn? Sie wussten genau, wer Herr Lindemann war. Er war der Urenkel des Mannes, der  damals gegen Ihren Urgroßvater sein Schloss beim Skat verloren hat. Und mit dem Geld, das Herr Lindemann gewonnen hatte, wollte er nicht all das tun, was uns seine Tochter erzählt hat, sondern… er wollte dieses Schloss zurückkaufen, um es wieder in Familienbesitz zu bringen. Das hat Ihnen natürlich nicht gepasst. Sie wollten das Schloss unter keinen Umständen wieder hergeben. Die einzige Möglichkeit sahen Sie also darin, den armen Mann zu erschießen.“

Überrascht und verärgert antwortete der Graf: „Das müssen Sie mir erstmal beweisen.“

„Och das ist kein Problem“, entgegnete Remy. „Wir haben Dokumente, die eindeutig beweisen, dass das Skatspiel manipuliert worden ist. Die Polizei wird sich nun um den Rest kümmern.“ entgegnete Remy.

Mit diesen Worten traten 2 Polizisten der Middle Fritham Police in den Raum und nahmen die beiden Mörder fest.

„Das wird Ihnen noch leid tun.“, zischte der Graf Remy im Vorbeigehen zu.

 

Teil 15

 

Laura und Remy waren wieder in ihrer Agentur. Die Touristen aus Deutschland hatten Ihnen, als Glückwunschpräsent zur reibungslosen Aufklärung des Falles, eine CD von ihrem Jodelverein geschenkt mit den 20 besten Jodlern der Welt. Remy hob eine Augenbraue hoch und meinte: „Na, die müssen wir uns ja wohl nicht anhören.“

„Ich finde, da hast du recht.“ antwortete Laura. „Aber es ist eine nette Geste, und ich finde, es ist der Gedanke, der zählt.“

„Das hier ist auch eine nette Geste und ich hoffe, dir gefällt der Gedanke dahinter.“, meinte Remy verführerisch lächelnd und küsste sie.

 

© 27.05.2006 by MajorPetrofsky

 

 

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