DIARIES OF STEELE
TEIL 1: REMINGTON STEELE
Montagmorgen.
08.00 Uhr:
Wache langsam auf. Viel zu früh. Liege allein im Bett. Warum liegt da nicht Laura, die ich jetzt einmal knuddeln könnte und vielleicht auch noch… Ach, wovon träumst du, alter Knabe? Sie wird dir nie vertrauen. Und wenn du ihr noch tausendmal zeigst, dass du mehr in ihr siehst als nur eine platonische Freundin.
Mir kommt eine Idee: Ich locke sie hierher, indem ich nicht zur Detektei fahre. Und wenn sie erst mal hier ist, dann… jaaa… das könnte funktionieren.
Noch besser: Ich stelle mich krank.
Ein teuflisches Grinsen tritt in mein Gesicht und ich drehe mich um und schlafe weiter.
09.00 Uhr:
Konnte nicht schlafen. Habe nur vor mich hingedöst und mir Laura vorgestellt, wie sie mir endlich vertraut und mir meine wahren Gefühle für sie abkauft.
Das heute muss klappen. Bitte mach, dass es funktioniert.
09.30 Uhr:
Das Telefon klingelt. Das ist eindeutig Laura. Ich wette, sie ist stocksauer. Hö hö. Aber ich geh nicht ran.
09.45 Uhr
Das Telefon klingelt jetzt schon zum dritten Mal. Nein, Laura, wenn du etwas von mir wissen willst, musst du schon herkommen.
10.00 Uhr:
Es klingelt an der Tür. Verdammt, das ist sie. Springe schnell ins Badezimmer und verstecke mich dort. Sie hat ja einen Schlüssel. Wenn sie hier drinnen ist, tue ich einfach so, als wäre mir schlecht. He he he…
10.02 Uhr
Laura ist reingekommen und ruft mich. Ich höre Ihre Schritte, wie sie sich nähern. Also taumele ich aus dem Bad zu ihr hin und werfe mich in ihre Arme. Mmm! Sie riecht so gut.
Ich murmele, mir ginge es überhaupt nicht gut. Noch dazu huste ich. Hätte das vielleicht doch nicht tun sollen. Ich finde es etwas theatralisch. Aber es scheint ihr nicht aufgefallen zu sein.
Sie bringt mich ins Bett, deckt mich zu und fühlt meine Stirn. Ich liebe es, wenn sie an mir rumfummelt. Und mit ihrer lieblichen Stimme redet sie auf mich ein. Ich bin ganz hin und weg. Sie wäre ´ne gute Krankenschwester geworden.
Ich mache ein jammervolles Gesicht und bettele ganz lieb, dass Sie bei mir bleiben soll.
Sie zögert anfangs… das gefällt mir gar nicht. Ich huste und bettele weiter. Wenn nötig, setze ich auch noch Tränen ein.
Aber jetzt erstmal der treue Hundeblick. Sie gibt schon etwas nach. Heiser flüstere ich noch mal: „Bitte, Laura!“
Sie atmet tief ein und… Geschafft! Sie bleibt hier. Sie will bloß noch Mildred anrufen und Bescheid sagen.
Ich könnte vor Freude durch die Wohnung tanzen. Aber Vorsicht! Ich darf das nicht zeigen. Auf gar keinen Fall! Mache stattdessen wieder meinen traurigen Blick und flüstere: „Danke, Laura. Du bist die Beste.“
Sie winkt irritiert ab und geht zum Telefon, um in der Agentur anzurufen.
Hmm… Schämt Sie sich etwa oder täuscht mich da mein Eindruck? Na, mal sehen.
Auf jeden Fall sind wir beide jetzt allein und ungestört.
11.00 Uhr
Laura hat jetzt den Telefonhörer aufgelegt und kommt zurück. Sie fragt mich, wie´s mir geht.
Ich hüstele diskret und flüstere: „Seit du da bist, ein bisschen besser.“
Schade, dass ich keine Theaterschminke im Haus habe. Dann hätte ich mir nämlich noch mein Gesicht weiß färben können. Aber ich war letzte Woche sowieso nicht im Solarium. Dann fällt das hoffentlich nicht so ins Gewicht.
Sie geht wortlos ins Badezimmer. Was macht sie denn jetzt?
Eine bange Unruhe macht mir auf einmal zu schaffen.
Sie kommt wieder zurück. Aber was hat sie denn da in ihrer Hand? Sowas dünnes, weißes? Oh, nein. Ein Fieberthermometer. Laura, was hast du nur vor? Ach, verflucht, warum muss ich auch so´n Ding im Haus haben?
Sie steckt mir so einfach mir nichts, dir nichts, das Thermometer in den Mund, den ich geöffnet hatte, um Widerstand zu leisten. Hat sie etwa Verdacht geschöpft?
11.30 Uhr:
Da klingelt das Telefon. Laura geht ran.
Ich nehme rasch ein Feuerzeug aus meinem Nachttisch und halte es ans Thermometer. Der Trick wirkt. Jetzt steht die Temperatur auf 39°C. Da hör ich mal lieber auf. Soll ja nicht zu übertrieben sein. Sonst büße ich meine Glaubwürdigkeit ein.
Ich vernehme das Klicken des Telefonhörers, der aufgelegt wird.
Schnell schmeiße ich das Feuerzeug wieder in den Nachttisch und stecke das Thermometer wieder in meinen Mund.
Autsch! Habe mir die Zunge verbrannt. Na ja, ein geringer Preis dafür, Laura wieder ein Stück näher zu kommen.
Sie reißt mir den Fiebermesser rabiat zwischen den Zähnen hervor und guckt mit strengem Blick drauf. Dann sieht sie mir misstrauisch in die Augen und will einen Arzt holen.
Oh, nein, nicht das auch noch. Kein Arzt! Niemand soll uns stören.
Ich will keinen Arzt. Ich brauche auch keinen. Ich will und brauche nur sie, Laura. Ich will sie bei mir haben, für immer…
Ich will sie in meinen Armen halten und küssen. Ich will sie heiraten und ich will auch Kinder mit ihr haben.
Aber es hat ja keinen Sinn, ihr das zu sagen. Sie glaubt´s mir doch nicht. Also halte ich den Mund.
Stattdessen flehe ich sie an, den Arzt nicht zu rufen.
Seufzend geht sie darauf ein.
Puh! Noch mal Glück gehabt, alter Knabe!
12.30 Uhr
Laura kommt mit einem Tablett zurück. Sie hat mir eine Hühnerbrühe gekocht.
Ja, wenn ich so drüber nachdenke, könnte ich jetzt schon was zu essen vertragen.
Tue am Anfang jedoch so, als hätte ich keinen Appetit und weigere mich, die Suppe auch nur zu probieren. Laura wird mir sie dann bestimmt mit Gewalt einflößen wollen. Nur zu! He he.
Aber was macht sie denn jetzt? Sie nimmt das Tablett wieder weg. Nein! Nicht doch! Ich hab doch Hunger! Verflixt! Sie fällt einfach auf keinen Trick rein.
Moment mal! Wen ruft sie denn jetzt schon wieder an? Etwa doch den Arzt? Bitte nicht. War wohl doch nicht so gut, der Plan. Was tu ich denn jetzt nur?
Hey, warum nimmt sie denn nun ihre Handtasche und hängt sie sich über die Schulter? Wo will sie hin?
Sie komme gleich zurück, sagt sie.
Ich flehe sie inständig an, mich nicht alleine zu lassen.
Sie lächelt und gibt mir einen Kuss auf die Stirn.
Ich halte sie an ihrem Arm fest.
Sie reißt sich los. Sie habe eine Überraschung für mich, meint sie, aber ich müsse sie schon gehen lassen.
Das ist toll! Ich liebe Überraschungen!
13.45 Uhr
Wollte mir während Lauras Abwesenheit die Hühnerbrühe aufwärmen, aber dann fiel mir ein, dass sie das bestimmt merkt. Also hab ich in der Küche eine Banane verdrückt. Hab aber nicht mitgekriegt, dass die Schale auf den Boden gefallen ist.
Als ich vom Küchenfenster aus bei ihrer Rückkehr ihren Wagen gesehen habe, wollte ich flugs wieder ins Bett huschen. Bin dabei aber auf der #$%@§*!-Schale ausgerutscht und hingefallen.
Oh, Gooottt!!! Hab mir meinen linken Fuß gebrochen. Sollte mir endlich Knochen aus Gummi einbauen lassen.
Jetzt fliegt mein Schwindel wohl auf. Ganz abgesehen davon, ist der Tag hier im Eimer. Und diese Schmerzen! Kaum auszuhalten. Bitte beeil dich, Laura! Diesmal meine ich es ernst!
14.00 Uhr
Die Tür geht auf. Laura ruft nach mir. Sie ist schon auf dem Weg zum Schlafzimmer.
Mit letzter Kraft rufe ich sie. Meine Stimme klingt jämmerlich.
Da kommt sie. Sie erschrickt.
Ich auch, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass Mildred die Überraschung sein soll.
Aufgeregt ruft die gute Miss Krebbs einen Krankenwagen.
Jetzt komme ich um einen Arzt doch nicht mehr herum.
Laura befiehlt mir, ruhig liegen zu bleiben. Ich wünschte mir, sie hätte das in einem anderen Kontext zu mir gesagt.
Mildred will mir derweil einen Kuss auf die schmerzende Stelle geben.
Ich antworte schroff, dass es nicht so schlimm wehtue.
Sie ist etwas beleidigt. Was soll´s? Das gibt sich wieder.
Hätte ihre Frage lieber aus Lauras Mund gehört.
14.30 Uhr
Der Rettungswagen ist da. Man bringt mich in die Notaufnahme des nächsten Hospitals.
Als man dort hört, was mir passiert ist, gibt man mir die „Tim-Taylor-Suite“.
Laura lacht sich halbtot.
Ich finde das gar nicht komisch. Eher grausam.
Der Anblick der Stationsschwester hebt auch nicht gerade meine Stimmung. An einem Skelett zur Halloween-Deko ist mehr dran oder wie Father Ted schon sagte: „Es wird kommen eine lange Dürre.“ Jetzt weiß ich, was er damit gemeint hat.
Sehr gesprächig ist die Vogelscheuche auch nicht. Hat wohl ´nen Regenschirm verschluckt.
Nachdem der Fuß also geröntgt und eingegipst worden ist, bringt man mich in mein Zimmer. Liege jetzt dort im Bett und starre enttäuscht die geblümte Tapete an.
So hatte ich mir den heutigen Tag nicht vorgestellt.
16.30 Uhr
Laura und Mildred betreten mein Zimmer. Sie haben mir Kleidung zum Anziehen gebracht. Hatte ja nur meine Boxershorts an bei der Einlieferung.
Ich darf nach Hause! Gott sei Dank!
Die beiden helfen mir beim Anziehen. Laura geht nicht gerade zimperlich mit mir um, das muss ich schon sagen. Sie scheint sauer auf mich zu sein.
Ich winsele ein bisschen übertrieben rum.
Was sie aber nicht beeindruckt. Sie scheint eher noch wütender zu werden.
Wortlos verfrachten die beiden Damen mich in einen Rollstuhl und fahren mich zum Empfang, wo ich noch irgendeinen Wisch unterschreiben muss.
Dann bringen meine beiden Lieblingsvertreterinnen des weiblichen Geschlechts mich in mein Apartment.
17.30 Uhr
Laura und Mildred haben mich wieder in mein Bett verfrachtet.
Mildred legt mir ein Kissen unter meinen eingegipsten Fuß. Sie ist nett, aber Laura ist bloß verärgert. Keine Ahnung, warum.
Was hat sie nur? Eigentlich erwarte ich ja ein bisschen Mitleid von ihr. Aber das Gefühl scheint sie gar nicht zu kennen.
Vielleicht spielt sie auch nur den Eisblock, weil Mildred jetzt da ist.
Da Laura gerade nicht hier im Zimmer ist, versuche ich, Mildred loszuwerden. Ich schicke sie nach Hause. Sie ist unschlüssig. Ich lasse meinen ganzen Charme spielen. Zögernd verlässt sie meine Wohnung.
Laura kommt zu mir und fragt mich, was das sollte.
Ich sage ihr die Wahrheit: Dass ich mit ihr allein sein wolle.
Sie bleibt skeptisch.
Ich sage ihr, dass ich mit ihr reden muss. Ernsthaft. Jetzt gleich.
Sie wendet ihren Blick von mir ab. Vielleicht ahnt sie, was jetzt kommt. Also lenkt sie ab und wärmt einen Teller Suppe für mich auf.
Diesmal esse ich sie. Sie ist gar nicht mal schlecht. Anscheinend hat Laura das Rezept von Mildred.
Warum tut sie das?
Warum quält sie mich so, indem sie mir nicht vertraut?
Ich will wieder anfangen, ihr meine Gefühle zu beichten, aber sie nimmt bloß meinen leeren Teller und bringt ihn in die Küche. Sie macht den Abwasch.
Großartig! Immer läuft sie mir weg.
19.00 Uhr
Laura scheint fertig zu sein mit Spülen. Das Klappern des Geschirrs hat aufgehört. Langsam kommt sie wieder ins Schlafzimmer. Sie bleibt schüchtern im Türrahmen stehen. Ihr Gesicht ist rot, ihre Augen sind ganz klein und ihre Wimperntusche ist verlaufen.
Ich frage sie, ob sie geweint hat und sie schüttelt verneinend den Kopf.
Ich sehe sie mit einem Blick an, der bedeuten soll: „Komm schon! Du bist eine schlechte Lügnerin!“
Da senkt sie ihren Kopf und nickt zaghaft.
Ich will wissen, weshalb.
Sie antwortet, sie habe bloß zuviel nachgedacht.
Ich kaufe ihr das nicht ab und strecke meine Arme nach ihr aus.
Sie kommt zu mir, setzt sich neben mich aufs Bett und ich umarme sie.
Wow! Sie wehrt sich nicht mal.
Ich will, dass sie mir erzählt, was los ist.
Zögerlich, ja fast ängstlich stammelt sie, dass ich sie sehr erschreckt hätte.
Das wundert mich. Was habe ich denn getan?
Sie antwortet, als ich heute morgen nicht zur Arbeit erschienen sei und auch nicht den Hörer abgenommen habe, da dachte sie, mir sei etwas Schreckliches passiert. Und dann sei sie hierher gekommen und am Anfang habe sie mein Schmierentheater ja noch abgekauft, aber als sie mich dann später in der Küche liegen habe sehen, da habe sie zum zweitenmal einen Schreck gekriegt.
Ich versuche, sie zu beruhigen.
Sie erzählt weiter, wie besorgt sie um mich gewesen sei und dass sie mich auf gar keinen Fall verlieren wolle.
Sie liebt mich also doch. Ich könnte vor Glück zerspringen. Endlich vertraut sie mir. Oder zumindest hat sie etwas mehr Vertrauen in mich als vorher. So langsam machen wir Fortschritte.
Ich habe Zeit. Ich kann warten. Solange sie mir endlich irgendwann blind vertraut.
Wir brauchen nichts zu überstürzen. Ich werde für immer bei ihr bleiben, d.h. wenn sie das will. Und wenn sie das nicht will, dann… bleibe ich trotzdem.
Ich tröste sie weiter und mache ihr einen Vorschlag, den sie nicht ablehnen kann: Zuerst sehen wir uns „Frühstück bei Tiffany“, Audrey Hepburn, George Peppard, Paramount, 1961 auf TCM an und danach bleibt sie über Nacht bei mir. Das Bett ist groß genug und wir sind zwei erwachsene Menschen. Und mit meinem gebrochenen Fuß könnte ich sowieso nicht viel anstellen, sage ich zu ihr.
Sie lacht und wischt sich die Tränen aus den Augen. Sie stimmt meinem Vorschlag zu und bleibt.
Das ist der glücklichste Tag meines Lebens.
TEIL 2: LAURA HOLT
Montagmorgen
08.00 Uhr
Der Wecker klingelt. Haue auf ihn drauf, damit er aufhören soll. Drehe mich noch einmal um… Ach, das hilft ja alles nichts. Die Arbeit wartet schon.
Stehe auf, schlurfe zum Badezimmer, dusche und ziehe mich an.
Ein Morgenmuffel wie ich frühstückt nicht. Kaffee kann ich im Büro trinken.
Steige in meinen VW Golf und fahre los.
08.55 Uhr
Schließe die Detektei auf. Mildred kommt auch grade an. Das ist gut. Ich schätze Pünktlichkeit.
Von Remy ist noch nichts zu sehen. Mit dem brauche ich von 09.30 Uhr nicht zu rechnen. So wie ich den kenne, hat der sich gestern abend wieder mit ´nem billigen Flittchen amüsiert und sich dabei so versoffen, dass er heute morgen nicht mehr aus dem Bett kommt. Fauler Penner! Am liebsten würde ich ihn feuern. Komme einfach nicht drüber weg, wie er mich da reingezogen hat. Einfach meine Figur zu nehmen, die ich erfunden habe. Und alle Welt glaubt ihm das auch noch. Dabei ist er gar nicht wie „mein“ Remington Steele.
Er ist ein Lügner und Betrüger. Er ist ein Dieb. Er ist… der absolut wundervollste Mann, den ich je getroffen habe. Er sieht umwerfend aus, er ist der perfekte Gentleman, er ist… ein guter Freund, aber mehr auch nicht.
Ich mag ihn, aber Liebe?!? Ich will meine Freundschaft zu ihm nicht aufs Spiel setzen bloß wegen einer Nacht.
Außerdem weiß ich nicht, ob ich ihm so sehr trauen kann. Er ist ein geschickter Lügner. Wie alle Männer. Er ist so geschickt darin, dass man seine Lügen nur sehr schwer von seinen ernst gemeinten Sätzen unterscheiden kann.
Ich wünschte, ich wüsste mehr über ihn.
Ich wünschte, ich wüsste, wer er in Wirklichkeit ist. Aber das weiß er selbst nicht mal.
09.28 Uhr
Remy ist immer noch nicht da. Ich weiß, ich sollte das nicht tun, aber ich rufe ihn trotzdem an.
1. Versuch 09.30 Uhr:
Lasse es zehnmal klingeln, aber niemand geht ran. Muss ein böser Kater sein, den er da hat.
2. Versuch 09.38 Uhr:
Lasse es wieder zehnmal klingeln. Wieder keine Antwort. Wohl eher Alkoholkoma als Kater. Meine Laune verschlechtert sich zusehends.
3. Versuch 09.45 Uhr:
Lasse es diesmal 20mal klingeln. Noch immer keine Antwort. Langsam beschleicht mich das ungute Gefühl, es könnte ihm etwas passiert sein. Immerhin nimmt er sonst immer den Hörer ab.
Ich eile aus dem Büro, sage Mildred, ich würde gleich zurückkommen.
Ich springe in meinen VW Golf, der in der Tiefgarage geparkt ist und sause in Richtung Remys Apartment.
Gott sei Dank werde ich bei meinem Tempo nicht von einer Polizeistreife erwischt und angehalten.
10.00 Uhr
Ich stehe vor Remys Wohnungstür und klingele Sturm. Er öffnet nicht. Ich bin nun wirklich in Sorge. Vielleicht ist er krank oder verletzt…
Schnell krame ich meinen Schlüssel aus meiner Handtasche hervor und verschaffe mir so Zugang zu seiner Wohnung.
10.02 Uhr
Ich trete ins Wohnzimmer. Von Remy ist nichts zu sehen. Ich rufe nach ihm und gehe misstrauisch in Richtung Schlafzimmer.
Da torkelt er auf mich zu und wirft sich gegen mich.
Mit knapper Not kann ich ihn auffangen. Ich hätte nicht gedacht, dass er so schwer ist.
Er sagt, es sei ihm schlecht und hustet.
Bin nicht sicher, ob das der Wahrheit entspricht. Sein Husten klang ziemlich theatralisch. Na ja. Ich packe ihn ins Bett. Fieber scheint er nicht zu haben. Seine Stirn ist nicht heiß.
Jetzt brabbelt er wieder. Er kann also gar nicht so krank sein.
Er will, dass ich bei ihm bleibe. Er geht mir damit auf den Zeiger.
Versuche, eine Ausrede zu erfinden, um zu verschwinden. Mache stattdessen jedoch den Fehler, ihm direkt in seine babyblauen Augen zu gucken. Verdammt! Jetzt hat er mich wieder rumgekriegt. Diese Augen haben die gleiche hypnotische Wirkung wie bei der Schlange aus dem „Dschungelbuch“: Einfach tödlich! Ich muss lernen, gegen seine manipulatorischen Blicke immun zu werden.
Rufe nun Mildred an und sage ihr, die Detektei für heute zu schließen. Montags läuft sowieso nichts. Da überlegen die alle erst noch, ob sie überhaupt einen Privatdetektiv engagieren sollen.
11.00 Uhr
So, Mildred weiß Bescheid. Ich werde sie später abholden, damit sie sich den Hypochonder mal ansehen kann. Traue ihm nicht. Er versucht bestimmt nur, mich ins Bett zu kriegen. Das könnte ihm so passen.
Gehe zurück zu ihm und sehe nach, was er so treibt. Er liegt im Bett wie ein armseliges Häufchen Elend.
Frage mich ernsthaft, warum er mit seinem schauspielerischen Talent nicht zum Theater gegangen ist. Oder nach Hollywood.
Da kommt mir eine Idee: Wenn ich schon die Pflegerin für ihn spielen soll, dann mache ich das auch richtig. Also suche ich im Badezimmer nach einem Fieberthermometer. Bingo! Im Spiegelschrank über dem Waschbecken finde ich eins. Hö hö.
Gehe ins Schlafzimmer und stecke es dem Simulanten dominant in den Mund.
Tja, Remington, das Stück kann man auch zu zweit spielen.
11.30 Uhr
Da klingelt das Telefon. Ich geh ran. Es ist Felicia. Ich hab der dussligen Kuh gesagt, wenn sie mir das nächste Mal unter die Augen tritt, polier ich ihr solange die Fresse bis sie glänzt wie die Brillis, die sie immer mit Remys Hilfe gestohlen hat, und hab dann wieder aufgelegt. Ha! Das ist gut für mein Selbstvertrauen.
Kehre nun mental gestärkt an die Front zurück. Energisch reiße ich Remy das Thermometer aus dem Mund. Vielleicht doch etwas zu rabiat. Ich entschuldige mich aber nicht. Wenn er mich als Krankenschwester haben will, muss er eben leiden.
Lese nun die Temperatur ab und kann es nicht fassen: 39°C! Wie hat er das gemacht? Mit ´nem Feuerzeug? Auch egal.
Ich drohe ihm damit, einen Arzt zu rufen. Aha! Jetzt kriegt er Panik. Er bettelt mich an, das nicht zu tun. Als ob ich sein Todesurteil verlesen hätte, so verzweifelt ist sein Flehen. Na ja. Hatte das mit dem Arzt sowieso nicht vor. Ich weiß ja, dass der schlaue Hund hier nicht krank ist.
Er versucht, seine Erleichterung zu überspielen. Als ob mir so was nicht auffallen würde. Ts!
Verziehe mich in die Küche und koche ihm eine Hühnerbrühe à la Mildred. Solange hab ich meine Ruhe.
12.30 Uhr
So! Die Suppe wäre fertig. Stelle den Teller auf ein Tablett, lege einen Löffel dazu und bringe Remy das Ganze.
Nanu. Er hat keinen Appetit? Ich will, dass er sie wenigstens probiert. Nicht mal das macht er. Bin zutiefst beleidigt, zeige es aber nicht. Moment mal! Das ist sein Plan: Er will, dass ich ihn füttere. Das kann er vergessen. Er wird doch wohl noch dazu imstande seins, die Suppe hier selber auszulöffeln.
OK, wenn er nicht will, dann nehme ich den Teller halt wieder weg.
Wofür hält der mich denn? Für sein Kindermädchen?
Rufe jetzt Mildred an und frage sie, ob sie den Papierkram schon fertig hat und ich sie abholen kann. Sie sagt, sie sei eben fertig geworden. Gut!
Schnappe mir meine Handtasche und will gehen. Rufe ihm noch zu, ich sei gleich wieder da.
Er bettelt wieder, ich solle ihn nicht verlassen.
Ich gehe auf ihn zu und küsse ihn freundschaftlich auf die Stirn. Beruhige ihn mit den Worten, dass ich nicht lange wegbliebe. Drehe mich um, um zu gehen, aber was ist das? Er hält mich am Arm fest. Das geht ja nun wohl mal gar nicht. Kann mich aber wieder losreißen.
Erzähle ihm, ich hätte eine Überraschung für ihn, aber er müsse mich schon gehen lassen.
Dieser Trick wirkt. Er lächelt voller Vorfreude.
Ich freue mich auch schon auf sein blödes Gesicht, wenn er Mildred sieht. He he!
13.20 Uhr
Bin mittlerweile in der Agentur angekommen und bespreche den Fall mit Mildred. Sie meint, sie würde sich „unseren Boss“ mal ansehen. Vielleicht sei er wirklich krank und er sei ja auch nur ein Mensch, meint sie.
Bin davon nicht so überzeugt. Also davon, dass er krank sein soll.
Mildred muntert mich wieder auf und meint, das würde schon wieder werden. Sie habe sowieso den Eindruck, der Chef habe ein Auge auf mich geworfen und wenn sie an meiner Stelle wäre, würde sie ihn sofort heiraten.
Hmpf! Sie weiß ja auch längst nicht alles über ihn. Unter anderen Umständen hätte ich vielleicht auch nicht nein gesagt. Aber es ist nun mal so, wie´s ist.
Zuversichtlich meint sie nun, wir sollten mal so langsam zu ihm fahren.
Was wir dann auch ohne Umschweife tun.
14.00 Uhr
Mildred und ich betreten Remys Wohnung. Nanu! Sein Bett ist leer? Im Badezimmer ist er auch nicht. Ich rufe ihn. Er ruft zurück, er sei in der Küche. Seine Stimme klingt so komisch. Bin mal gespannt, was er jetzt wieder angestellt hat.
In der Küchentür trifft mich fast der Schlag.
Da liegt Remy auf dem Boden, mit hochrotem, vor Schmerzen verzerrtem Gesicht. Schweißtropfen stehen ihm auf der Stirn und sein linker Fuß liegt in einem bizarren Winkel zum Bein da. Er scheint gebrochen zu sein. Remy muss höllische Qualen leiden, der Arme.
Muss feststellen, dass Mildred ein besseres Reaktionsvermögen hat als ich. Ohne zu zögern, hat sie 911 angerufen. Bin ihr unendlich dankbar dafür, auch wenn ich ihr das jetzt nicht so sagen kann.
Ich tupfe mit einem Küchentuch den Schweiß von seiner Stirn.
Mildred fragt ihn, ob sie ihm einen Kuss auf den gebrochenen Fuß geben soll. Das habe sie auch immer bei ihrem Neffen so gemacht.
Remy schnauzt sie nur an, das sei nicht nötig. Ich finde, das hätte er auch in einem anderen Ton sagen können.
Mildred ist etwas perplex ob dieser Brüllerei. Na, das gibt sich wieder. Sie ist hart im Nehmen.
14.30 Uhr
Der Krankenwagen ist da. Man bringt Remy in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses. Als man dort hört, was ihm passiert ist, gibt man ihm die „Tim-Taylor-Suite“.
Muss deswegen und trotz der Situation laut auflachen.
Remy guckt mich nur böse an.
Eine große, recht dünne Krankenschwester karrt ihn im Rollstuhl zum Röntgen. Da dürfen wir nicht mit.
Wir bleiben also im Wartesaal. Gott, wie ich das hasse! Man ist zum Nichtstun verdammt. Ich bin aber nicht gemacht für´s Rumsitzen.
Nerve die Schwester am Empfang alle 2 Minuten, wann er denn endlich fertig sei. Ich will zu ihm. Jetzt! Und dabei hatte er „nur“ einen gebrochenen Fuß. Was hätte ich denn gemacht, wenn er einen schweren Unfall gehabt hätte? Und im Koma läge? Ich darf gar nicht daran denken. Mir wird schlagartig bewusst, dass ich ohne ihn nicht mehr leben könnte.
Vorsicht, Laura! Vergiss das schnell wieder. Oder doch nicht? Kann es sein, dass ich ihn doch liebe? Aber das will ich doch gar nicht.
Ich hatte das alles doch schon. Da hängt man sich an einen Kerl, denkt, man würde den Rest seines Lebens mit ihm verbringen und was passiert? Man landet zusammen im Bett und am nächsten Morgen heißt es: „War schön mit dir Laura, aber für uns gibt es keine gemeinsame Zukunft.“ Ich könnte so was nicht mehr ertragen.
Die Schwester vom Empfang tritt auf mich zu. Sie meint, es würde nicht mehr lange dauern, aber wir sollten schon mal Kleidung für ihn besorgen. Er bräuchte nicht hier zu bleiben. Als er eingeliefert wurde, hatte er bloß seine Boxershorts angehabt. Wenigstens waren es keine mit Micky-Maus-Motiv gewesen.
15.30 Uhr
Fahre alleine zu Remys Wohnung und hole ihm einen Jogginganzug. Das muss reichen. Ist schließlich keine Modenschau.
In seiner Wohnung überkommt mich ein merkwürdiges Gefühl, so als sei dies mein Zuhause. So viele Erinnerungen steigen in mir hoch… schöne Dinge sind es an die ich denke, z.B. als Remy und ich damals hier cocktailschlürfend auf dem Boden vor dem Kamin lagen unter einem aufgespannten Sonnenschirm, oder als wir diese Pornohefte mit meinem Foto drin verbrannt haben.
Es fällt mir immer schwerer, ihm zu widerstehen, mit seinen blauen Augen und seinem jungenhaften Charme. Aber ich kann nicht anders. Ich darf ihm einfach nicht zeigen, was ich wirklich für ihn empfinde. Das habe ich mir damals auf dem College geschworen, als diese Sache passierte: Dass ich immer vernünftig und selbständig sein würde. Und daran werde ich mich auch halten.
Hör auf, so nostalgisch und sentimental zu sein, sage ich streng zu mir selbst.
Ich muss hier raus. So schnell wie möglich packe ich seine Kleidung und ein Paar Turnschuhe in eine Sporttasche und fahre zurück ins Hospital.
16.30 Uhr
Betrete zusammen mit Mildred Remys Zimmer. Da liegt er im Bett wie ´ne flügellahme Ente. Er lächelt schon wieder. Er tut mir doch ein bisschen leid. Würde ihm gerne einen Kuss geben, aber ich muss der Versuchung widerstehen. Nicht nur, weil Mildred dabei ist.
Ziehe ihm den Pullover an. Das hätte er auch selber machen können. Immerhin sind seine Arme noch intakt. Manchmal ist er wirklich wie ein kleiner Junge.
Als Mildred und ich ihm beim Anziehen der Hose helfen wollen, fängt er an zu jammern und zu winseln. OK, ich geb´s ja zu, ich bin ein bisschen rabiat dabei vorgegangen.
Hör jetzt endlich mit dieser Winselei auf, denke ich. Ich will mir das nicht anhören müssen. Ich kann den Gedanken einfach nicht ertragen, dass ich ihm wehtue. Ich würde ihn so gerne umarmen und fest drücken, aber das geht nicht. Ich kann das nicht. Haltung bewahren!
Mildred hilft mir, ihn in den Rollstuhl zu hieven. Boah, hätte nicht gedacht, dass jemand so dünn und doch so schwer sein kann. Puh! Geschafft! Jetzt nichts wie raus hier.
Am Empfang muss er noch unterschreiben, dass wir ihn in einem Stück mitgenommen haben, und dann sind wir auch schon weg.
17.30 Uhr
Wieder bei Remy zu Hause. Verfrachte ihn mit Hilfe von Mildred wieder in sein Bett. Sie legt ihm ein Kissen unter seinen Gipsfuß und redet ihm gut zu. Als ob er ein unschuldiger, kleiner Junge wäre. Unschuldig? Von wegen. Wenn ich´s nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass er sich den Fuß absichtlich gebrochen hat.
Ich muss mich etwas abregen und gehe ins Badezimmer, wo ich mir mit meinen Händen kaltes Wasser ins Gesicht schütte.
Als ich wieder ins Schlafzimmer komme, verlässt Mildred gerade die Wohnung. Er hat sie bestimmt weggeschickt. Ich frage ihn sauer, was das sollte.
Er antwortet, er wolle mit mir allein sein. Und ernsthaft mit mir reden.
Oh, nein, bitte nicht, denke ich mir. Ich lenke ihn ab und frage ihn, ob er Hunger hat. Er bejaht. Also gehe ich in die Küche und wärme ihm einen Teller Hühnerbrühe in der Mikrowelle. Diesmal isst er sie. Sie scheint ihm zu schmecken. Aber er sagt das bestimmt nur so, um mich aufzuheitern.
Er hat den Teller leergelöffelt. Jetzt fängt er wieder davon an, dass er mit mir reden müsse. Warum tut er das? Warum quält er mich mit seinem Gefasel von Liebe und Romantik? Ich glaube nicht an die Liebe. Nicht mehr. Und Romantik gehört meinetwegen in Filme aber nicht ins reale Leben.
Ich nehme rasch den leeren Teller und verschwinde schleunigst in die Küche.
18.30 Uhr
Ich mache den Abwasch. Das gibt mir etwas Zeit, nachzudenken. Remy will mehr von mir als bloße Freundschaft. Aber ich bin mir nicht im Klaren darüber, ob ich das auch will.
Ich denke wieder zurück an meine Zeit auf dem College und an ihn: Den attraktiven, charmanten Professor. Anfangs hat er mich ignoriert, doch dann… plötzlich hat es zwischen uns beiden gefunkt. Für mich war es die große Liebe und ich dachte, er würde genauso empfinden. Immer hat er mir versprochen, wenn ich mein Studium erstmal beendet hätte, dann würde er sich von seiner Frau scheiden lassen und mich heiraten. Und ich Dummkopf habe ihm auch noch geglaubt.
Die Affäre hat nur 5 Monate gedauert. Dann wurde ich von ihm schwanger. Ich dachte, er würde sich freuen, aber er hat nur gemeint, das wäre unmöglich, er wolle nichts damit zu tun haben, schließlich könnte es das Ende seiner Karriere bedeuten. Er hat mich verlassen, Schluss gemacht von einem Tag auf den anderen.
Nächtelang habe ich gegrübelt, was ich denn nun tun sollte. Ich, eine Studentin ohne Geld, aber dafür in Erwartung eines Babys.
Ich wollte meine Karriere nicht aufs Spiel setzen. Ein Kind hätte ich nicht gebrauchen können. Abtreibungen waren illegal und ich hatte nicht die finanziellen Möglichkeiten, jemanden zu bezahlen, der es heimlich getan hätte. Also hab ich es selber gemacht. Mit einer Stricknadel. Das Blut schoss nur so aus mir heraus. Ich verlor schließlich das Bewusstsein, da die Blutung nicht mehr zu stoppen war. Meine Zimmergenossin fand mich in letzter Sekunde und brachte mich sofort ins Krankenhaus. Dort wurde ich operiert. Sie mussten mir alles rausnehmen.
„Sie werden nie mehr Kinder haben können“, sagte der Arzt damals zu mir, „durch diesen Unfug, den Sie da angestellt haben.“ Er hatte mir damals ganz ordentlich die Leviten gelesen.
Eine Familie wollte ich ohnehin nicht. Ich hab dann meine ganze Energie ins Studium gesteckt.
Und jetzt kommt der perfekte Traummann daher, hofiert mich, will mich heiraten und eine Familie mit mir gründen. Und was noch schlimmer ist: Er ist auch noch mein bester Freund. Mehr könnte eine Frau sich nicht wünschen.
Aber was soll ich ihm denn sagen? Tut mir Leid, Remy, aber so sehr du dich auch anstrengst, wir werden nie eigene Kinder haben können? Wozu also heiraten und wozu miteinander schlafen? Und sogar wenn ich ihm das sage, wenn ich mich dazu überwinden kann, dann läuft er doch wieder weg. Ich könnte es ihm nicht mal verübeln.
Da spare ich mir dann doch lieber die Enttäuschung, nach einer Liebesnacht, ganz egal ob sie schön war oder nicht, morgens alleine aufzuwachen, auf seinem Kissen ein Zettel: „Danke für die schöne Nacht. Auf Nimmerwiedersehen. Dein Remington, von dem du geglaubt hast, dass er dich lieben würde.“
Jetzt realisiere ich erst, dass ich geweint habe. Nun denke ich wieder an heute morgen. Die Sorgen, die ich mir um Remy gemacht habe. Ich versuche immer noch, es zu verleugnen, aber Tatsache ist: Es liegt mir sehr viel an ihm. Mehr als man von einer normalen Freundschaft erwarten könnte. Und gerade deshalb, weil ich ihn so sehr liebe, will ich mir die Enttäuschung sparen. Es ist doch sowieso nur eine Frage der Zeit, bis er geht.
Eines Morgens kommt er nicht mehr ins Büro, seine Wohnung ist leer und in meinem Briefkasten liegt ein Zettel, auf dem steht: „Liebste Laura. Tut mir Leid, aber ich bleibe nicht bei dir. Weswegen auch immer. Such nicht nach mir. Noch ein schönes Leben usw.“
Als er heute morgen nicht ans Telefon ging, dachte ich, es wäre schon soweit. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als er dann doch hier war. Obwohl er mir diese alberne Komödie vorgespielt hat.
Bin jetzt mit dem Abwasch fertig.
Trockne meine Tränen etwas und versuche, mich jetzt zusammenzureißen, um wieder nach ihm zu sehen.
19.00 Uhr
Langsam gehe ich zu Remys Schlafzimmer. Zaghaft bleibe ich dort im Türrahmen stehen.
Remy fragt mich, ob ich geweint hätte. Ich verneine. Er sieht mich skeptisch an mit seinen leuchtenden, blauen Augen. Kann er damit etwa auch die Seele eines Menschen durchleuchten, wie man es bei einem menschlichen Körper mir Röntgenstrahlen macht? frage ich mich.
Ich nicke nur.
Er will wissen, warum ich geweint habe.
Ich weiche aus.
Aber auch das kauft er mir nicht ab. Ich trete jetzt näher an ihn ran und setze mich zu ihm aufs Bett.
Er umarmt mich tröstend. Das tut so gut.
Ich erzähle ihm, wie er mich heute schon zweimal fast zu Tode erschreckt hätte.
Er redet beruhigend auf mich ein mit seiner dunklen, virilen Stimme. Das ist so ein schönes Gefühl.
Ich gebe jetzt zu, dass ich ihn immer bei mir haben will. Er fühlt sich so gut an.
Jetzt versucht er, mich aufzumuntern und schlägt mir vor, einen Film mit ihm zu gucken.
Ich muss innerlich lachen. Das ist typisch Remy. Für jede Situation gibt´s einen Film.
Dann will er noch, dass ich über Nacht bei ihm bleibe. Nach anfänglichem Zögern gehe ich darauf ein.
Mit einem Gipsfuß könne er nicht viel anstellen, meint er.
Ich bleibe.
Irgendwann werde ich ihm alles beichten. Aber nicht heute. Nicht jetzt. Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dann.
Ich werde ihm irgendwann vielleicht blind vertrauen können, aber ich brauche Zeit dazu.
Bitte, Remy, gib mir nur Zeit und irgendwann werde ich dir meine wahren Gefühle offenbaren.
Ich lege mich neben ihn ins Bett, kuschle mich fest an ihn und noch bevor der Film zu Ende ist, schlafe ich in seinen Armen ein.
© 01.07.2006 by MajorPetrofsky