A Caribbean Steele

oder: Steele and Margharitas

 

Teil 1

 

Remy und Laura waren gerade beim Frühstück in ihrem Schloss in Irland, als die Post kam. Neben den üblichen Rechnungen waren auch ein paar Prospekte über Kreuzfahrten dabei.

„Was willst du denn damit?“ fragte Laura, als sie die Prospekte sah.

„Was?“

„Was du mit den Prospekten da willst“, brüllte Laura zurück.

Jetzt, da sie beide 80 bzw. 83 Jahre alt waren, liebten sie sich nicht weniger als in jüngeren Jahren. Aber die Zeit hatte auch bei ihnen ihre Spuren hinterlassen: Laura hatte jetzt Falten im Gesicht und ihr langes, nunmehr schlohweißes Haar trug sie zu einem Dutt hochgesteckt.

Remys schwarzes Haar hatte sich in weiß-grau-meliert verwandelt; seine Haarsträhne, die ihm immer noch in die Stirn fiel, sah trotzdem noch immer unheimlich süß aus. Und er hatte Arthritis im linken Knie. Doch mit Stock sah er fast noch eleganter aus. Aber seine Schwerhörigkeit konnte manchmal nerven. Zudem vermied er es konsequent, sein Hörgerät einzuschalten.

„Meine verehrte Laura, wir sind jetzt im Ruhestand, haben Zeit und Geld, und ich dachte mir, wir könnten doch mal nur so zum Spaß eine Kreuzfahrt machen. Und außerdem ist die Seeluft gut für dein Rheuma.“

„Deine künstliche Bräune willst du auffrischen. Ich kenne dich.“

„Bitte, wie meinen?“

„Schalt dein Hörgerät ein“, brüllte Laura.

„Ist ja schon gut. Du brauchst nicht so zu schreien. Ich bin schließlich nicht taub.“, antwortete Remy und drückte den kleinen Knopf seiner Hörhilfe.

Laura dachte nach. Eigentlich war diese Idee gar nicht mal so schlecht. Mal was anderes sehen und sich entspannen.

„Wie wär´s mit der Karibik?“ fragte Remy.

„Ich muss zugeben, der Gedanke fängt an, mir zu gefallen. Wann soll´s denn losgehen?“ Remy grinste: „Icy calm, Mrs. Holt-Steele, icy calm. Lass uns doch erst mal die Prospekte durchsehen.“

 

Teil 2

 

Drei Wochen später war es dann soweit.

Laura und Remy gingen über die Gangway an Bord der „Seven Seas Navigator“, einem Luxuskreuzfahrtschiff der Extraklasse mit 5000 Kabinen, 15 Restaurants, diversen Bars, Clubs, Casinos und allem anderen Bordentertainment inklusive einem Kino, was Remy ganz besonders gefiel.

„Sag bloß nicht, du willst die nächsten drei Wochen im Bordkino verbringen.“

„Ach, woher denn, liebste Laura, ich habe doch dich.“ Er zwinkerte ihr zu. Sein berühmtes Geräusch mit den Zähnen machte er lieber nicht mehr, seitdem er eine Zahnprothese verpasst bekommen hatte.

Sie fanden ihre Suite auf dem obersten Kabinendeck. Glücklicherweise gab es hier einen Lift, fand Remy, als die Empfangsdame ihm den Kabinenschlüssel aushändigte.

Als Laura ihre großräumige Luxussuite – übrigens die größte und teuerste auf dem Schiff mit eigenem Butler – sah, war sie überwältigt. „Oh, Remington, das ist einfach wundervoll.“

„Also nehm ich an, dass es dir hier gefällt.“

„Natürlich, keine Frage.“ Bei sich dachte sie: „Ich habe wirklich den besten Ehemann erwischt, den eine Frau nur kriegen kann.“

Der Butler – er hieß Jordan, war Mitte 60 und hatte nach hinten gekämmtes, braun-graues Haar – packte die Sachen der beiden aus. Er hängte die Kleidung sorgfältig und ordentlich in den riesigen Schlafzimmerschrank. Danach fragte er: „Haben Sie sonst noch einen Wunsch?“

„Ach, wenn Sie mir bitte noch das Programm des Bordkinos bringen würden…“ antwortete Remy.

„Sehr wohl, Sir.“, entgegnete Jordan und verließ die Kabine.

 

Teil 3

 

Am nächsten Tag nach dem Mittagessen gingen Laura und Remy an Deck und legten sich in zwei nebeneinander stehende Liegestühle. Ein Kellner brachte ihnen die zwei Margharitas, die Remy bestellt hatte.

„Ist es nicht wundervoll hier?“ fragte Remy begeistert.

„Doch, es ist traumhaft. Das war die beste Idee, die du je hattest.“, antwortete Laura. Und wir können endlich mal was von der Welt sehen, ohne ein Verbrechen aufzuklären.“

„Genau. Und niemand stört uns.“

„Weißt du, es ist schade, dass Mildred das nicht mehr erleben konnte.“

„Na ja, die Gute war aber immerhin 94 Jahre alt, als sie starb.“ entgegnete Remy.

„Und doch vermisse ich sie manchmal.“

„Stimmt. Wir hatten viel Spaß zusammen. Weißt du noch, als sie einmal Inspector Jarvis abgelenkt hat, indem sie deine Kleider trug?“

Laura musste lachen. „Ja, oder als ihr Neffe diese Leiche in deinem Badezimmer versteckt hatte?“

„Du meinst die, die wir in die Leichenhalle gebracht haben? Das war doch so´n Industrieller, oder?!“

„Genau den meine ich.“

„Oh ja, wir hatten ein aufregendes Leben.“

Mitten in Remys Schwärmerei platzte ein 96jähriger, großer, weißhaariger Mann mit Hakennase und energischem Kinn, der es sich in dem Liegestuhl neben Laura bequem gemacht hatte: „Endlich zwei vernünftige Menschen auf diesem Schiff. Oh, Verzeihung. Meine Manieren. Ich bin Heinrich von Knutzhorn. Oberst a.D.“ Dabei rückte er sein Monokel zurecht.

„Hallo. Mein Name ist Remington Steele und das ist meine Frau Laura“, antwortete Remy, der nicht sehr erfreut über dieses abrupte Intermezzo war.

„Freut mich, Sie kennen zu lernen“, erwiderte der Oberst. „Dieses junge Gemüse überall lässt einem keine Ruhe. Wenn Sie nicht gerade laute Musik hören, brüllen Sie sich an.“ Dabei deutete er mit einem Kopfnicken auf ein junges Paar, das an einem Tisch in der Nähe der Bar saß.

Laura sah sich die beiden an. Der Mann war gut gebaut, hatte braune Haare und trug eine große Brille, die sein eigentlich hübsches Gesicht ein wenig verunstaltete. Die Frau war schlank, hatte einen sehr weißen Teint, lange, glatte, schwarze Haare mit einer Strähne in der Stirn und leuchtendblaue Augen. Sie schien auch Sommersprossen im Gesicht zu haben, aber auf die Distanz konnte Laura das nicht hundertprozentig erkennen. Die Frau erinnerte Laura vom Aussehen her ein bisschen an Remy, als er noch jung war.

Der Oberst unterbrach Lauras Gedankengang: „Auf jeden Fall, zu meiner Zeit hätte es so was nicht gegeben. Da herrschte noch Disziplin. Hmpf! Na ja! Ich geh wieder in meine Kabine. Ich brauch meinen Mittagsschlaf.“ Der Oberst stand auf und ging.

„Hoffentlich werden wir nie so wie der da.“, meinte Remy mit seinem typischen Sarkasmus. „Aber erinnern die beiden da hinten dich nicht zufällig an jemanden?“ fuhr er fort.

„Du hast sie also auch beobachtet?“ stellte Laura fest.

„Ja.“

„Es ist komisch, aber die Frau sieht dir sehr ähnlich…“

Remy runzelte die Stirn: „Das glaubst du nur so. Die sieht mir doch kein Stück ähnlich. Vielleicht ist sie auch Irin. Blaue Augen und schwarze Haare… das ist nun mal sehr … keltisch.“

„Wenn du meinst…“ entgegnete Laura skeptisch. „Ich würde die beiden trotzdem gerne kennen lernen.“

„Ich bitte dich, Laura, ich kann doch da nicht einfach rüberspazieren und die beiden anquatschen.“

„Da hast du auch wieder Recht, Schatz. Schade eigentlich.“ bedauerte Laura.

 

Teil 4

 

Die junge Frau stand auf und ging schnurstracks auf Remy und Laura zu,. Mit einem extrem charmanten Lächeln wandte sie sich an Remy: „Bitte entschuldigen Sie meine Neugierde, aber… sind Sie nicht der berühmte Detektiv Remington Steele?“

„Äh, ja, der bin… war ich. Ich bin jetzt im Ruhestand. Ach, und das ist meine Frau und frühere Assistentin, Laura Holt-Steele.“

„Hallo“, sagte Laura, leicht verwundert. „Nett, Sie kennen zu lernen.“

„Danke gleichfalls“, antwortete die Frau. „Mein Name ist Cathy Weicker und das da drüben ist mein Mann Tom.“

„Möchten Sie beide heute Abend nicht gern mit uns essen?“ fragte Remy. Etwas verblüffte antwortete Cathy: „Aber, ja, gern. Um wie viel Uhr?“

„Sagen wir um 19.30 Uhr. Treffen wir uns doch zum Aperitif in der Acapulco Lounge.“ schlug Remy vor.

„Gut. Bis dann also.“, verabschiedete sich Cathy.

Mit einem erstaunten Blick wandte Laura sich an Remy: „Wie schaffst du das bloß immer?“

„Das ist alles eine Frage des Charismas“, gab er zufrieden grinsend zurück.

 

Teil 5

 

Abends im Restaurant. Laura und Remy saßen zusammen mit Cathy und Tom an einem Tisch. Remy hatte selbstverständlich nur die feinsten Speisen und Weine bestellt. Nun versuchte er, die beiden auszufragen: „Sind Sie schon lange miteinander verheiratet?“

„Nein, das sind unsere Flitterwochen. Wir haben Samstag geheiratet. Wir sind beide erst 23 Jahre alt.“, antwortete Cathy. Sie war eine richtige Plaudertasche, während Tom eher wortkarg war; schon etwas zu ruhig für Lauras Geschmack. Armer Junge, dachte sie bei sich, er hat doch gar keinen Grund, so schüchtern zu sein. Aber ich kenne ihn gar nicht richtig.

„So jung und schon verheiratet?“ fuhr Remy fort. „Weißt du noch, Laura, als wir geheiratet haben? Das waren noch Zeiten.“ Er schwelgte in Erinnerungen.

„Ja, aber unsere Hochzeit war sehr chaotisch. Erinner mich lieber nicht daran“, erwiderte Laura grinsend.

„Och, bitte, erzählen Sie uns das doch.“, bat Cathy.

„Na schön“, gab Laura nach und fing an von dem Fischerboot und dem Kapitän zu erzählen, der die beiden miteinander vermählt hatte. Als sie fertig war, meinte Cathy: „So chaotisch war´s bei uns nicht. Aber die Familie hält einen bei den Hochzeitsvorbereitungen ganz schön auf Trab, das kann ich Ihnen sagen.“

„Das kann ich mir vorstellen. Woher kommen Sie denn, wenn ich fragen darf?“

„Wir stammen beide aus Luxemburg, d.h. Tom ist ein echter Luxemburger, aber ich bin nur dort aufgewachsen. Meine Eltern sind beide Iren. Aber weil mein Vater eine Arbeit am Flughafen „Findel“ angenommen hatte, sind wir dorthin gezogen.“

„Eins würde mich interessieren“, warf Remy ein. „Wie ist das Klima dort, jetzt, im April?“

„In Luxemburg ist der April ein Frühlingsmonat“, antwortete Cathy.

„Sagen Sie, Tom, sind alle Luxemburger so schweigsam wie Sie?“ wandte Remy sich nun an den jungen Mann.

Cathy musste lachen: „Nein, zu Hause ist er ganz anders. Aber er ist Fremden gegenüber immer etwas zurückhaltend. Ich nehme an, er grübelt bloß wieder über seine Doktorarbeit nach. Er studiert Anglistik, wissen Sie, und er will eine Arbeit über E. A. Poe schreiben.“

„Interessant. Da wünsche ich Ihnen viel Erfolg, Tom.“, meinte Laura herzlich.

„Danke“, stammelte dieser.

Wenn Laura bloß wüsste, was dem jungen Mann so schwer auf dem Herzen lag. Nein, Laura, ermahnte sie sich selbst. Lass das. Du bist schließlich pensioniert.

 

Teil 6

 

Am nächsten Morgen im Frühstücksraum.

„Sag mal, Remy, was hältst du eigentlich von den beiden?“ fragte Laura.

Keine Antwort. Remy war gerade vollauf damit beschäftigt, sein Brötchen zu belegen.

„Remy“, brüllte Laura.

Endlich reagierte dieser: „Ja, bitte?“

Laura zeigte ihm mit einer Handgeste, dass er sein Hörgerät einschalten solle, was er denn auch widerwillig tat. „Entschuldigung. Ich muss da wohl versehentlich den Schalter erwischt haben“, log er und runzelte die Stirn.

„Was hältst du von den Flitterwöchnern?“ fragte sie noch mal.

„Sie erinnern mich ein bisschen an uns beide, als wir noch jung waren“, entgegnete er träumerisch. „Aber jetzt mal im Ernst: Sie ist sympathisch, aber er wirkt so… unecht, irgendwie. Als hätte er was zu verbergen.“

„Genau dasselbe dachte ich auch.“

„Aber, Miss Holt, wollen Sie etwa einen nicht existierenden Fall lösen?“ sagte Remy neckisch.

„Nein, ich fand ihn nur ein bisschen zu ruhig, das ist alles. Na ja, kann auch nicht jeder so´n Plappermaul sein wie du.“

„Das nehme ich als Kompliment.“

Laura grunzte nur bestätigend, als sie sah, wie Oberst von Knutzhorn geradewegs auf sie zukam. Hinter ihm lief eine blonde Frau, um die 50, die Remy an Lauren Bacall erinnerte, her und keifte den Oberst an: „Sie perverser, alter Stinkstiefel! Dafür zeig ich Sie an. Einfach so in die Kabine einer Dame einzudringen. Was erlauben Sie sich eigentlich?“

„Was heißt hier eindringen? Bei dem Schrei, den Sie von sich gegeben haben, dachte ich, Sie wären in tödlicher Gefahr.“

„Ach ja? Halten Sie sich doch aus meinen Angelegenheiten raus, ja? Ich schreie, wie, wo und wann es mir passt!“

„Das nächste Mal sehe ich nicht mehr nach Ihnen, Sie alte Spinatwachtel. Dann können Sie in Ihrer Kabine verrotten. Guten Morgen.“

Der Oberst war inzwischen bei Remy und Laura angekommen.

„Ebenfalls.“, antwortete Laura.

Mrs. Hubbard, die alte Spinatwachtel, wie der Oberst sie nannte, rauschte beleidigt davon und begab sich ans Frühstücksbüffet.

Teil 7

 

„Was war denn da los?“ fragte Laura verwundert.

„Was da los war?“, brüllte der Oberst, putzte sein Monokel und setzte sich unaufgefordert zu den beiden an den Tisch. „Die alte Schachtel hat heute Morgen Zeter und Mordio geschrieen. Ich hab zuerst gedacht, ich wär wieder im afrikanischen Busch, wo die eingeborenen Frauen ein Stammesritual abhalten. Dann fiel mir ein, dass diese Person da in der Kabine gegenüber wohnt. Ich denke also, sie ist in Gefahr. Irgendein verdammter Deserteur oder so was, der sich an ehrbaren Damen vergreift. Ich greife also mein Gewehr, das ich seinerzeit in der Rundstedt-Offensive dabei hatte und laufe in ihre Kabine, um ihr zu helfen. Da hatte doch die olle Krähe bloß bemerkt, dass ihr ein Lippenstift fehlt. Und darum hat sie dann geschrieen wie am Spieß. Und statt mir dann wenigstens dankbar zu sein, dass ich ihr zu Hilfe geeilt bin, brüllt sie mich an, ich solle mich gefälligst aus ihrer Kabine und zum Teufel scheren. Und nennt mich dann auch noch einen perversen alten Lustmolch. Ich halt mich jetzt raus, und wenn ein ganzes Heer militanter Japaner über sie herfallen sollte… Hol´s der Geier! Ich hab´s ja immer gesagt: Mit Weibern kann man keinen Krieg gewinnen. Oh, bitte verzeihen Sie, Mrs. Holt-Steele. Sie sind da eine löbliche Ausnahme, ein ganz anderes Kaliber. Es wäre mir eine Ehre gewesen, Sie in meiner Division zu haben. Zu meiner Zeit wäre die alte Schabracke da vor´s Kriegsgericht gekommen.“

„Nun regen Sie sich ab, guter Freund. Das gibt nur Magengeschwüre.“ beschwichtigte Remy den Oberst. Er hatte sein Hörgerät zwar zuvor wieder abgeschaltet gehabt, aber das Gebrüll vom Oberst hatte er trotzdem einwandfrei mitbekommen.

„Sie haben Recht, alter Knabe. Ich frühstücke jetzt auch erst mal.“ Damit erhob sich Oberst von Knutzhorn und ging seiner Wege.

 

Teil 8

 

Knapp 5 Minuten später betraten Cathy und Tom den Frühstücksraum. Auch sie hatten sich offenbar zerstritten. Cathys Augen waren verweint und Toms Gesicht war puterrot. Sie setzten sich an den Tisch neben den von Laura und Remy. Beide schwiegen. Sie sahen einander nicht einmal an. Tom stand auf und holte sich was vom Büffet. Er ignorierte seine Frau komplett. Cathy hingegen sah ihn nur verächtlich an, stand ebenfalls auf und holte sich eine Schüssel voll Cornflakes. Ihr war aber nicht nach Essen zumute. Sie stocherte lustlos in den Maisflocken rum. Dann fing sie wieder an zu weinen und rannte weg. Tom wollte ihr zuerst nachlaufen, blieb dann aber doch sitzen. Er sah ratlos zu Remy und Laura hinüber, und schließlich sagte er schüchtern: „Bitte entschuldigen Sie meine Frau. Wir hatten bloß einen dummen Streit. Das gibt sich wieder.“

„Glauben Sie das wirklich, junger Freund?“ fragte Remy skeptisch. Er hatte sein Hörgerät wieder eingeschaltet. Verwundert entgegnete Tom: „Ach, es ging bloß um eine unwichtige Kleinigkeit.“

Remy schüttelte den Kopf bei soviel Naivität: „Wenn Sie einen guten Rat von mir annehmen wollen, dann laufen Sie jetzt so schnell Sie können, in den Blumenladen, kaufen einen riesigen Strauß roter Rosen und entschuldigen sich bei Ihrer Frau.“

„Meinen Sie…?“

„Oh, ja. Ich habe Erfahrung in diesen Dingen, vertrauen Sie mir.“ erwiderte Remy mit seinem berühmten, charmanten Zwinkern. Laura grinste.

Tom gefiel dieser Plan. Er machte sich also auf den Weg, um ihn auch in die Tat umzusetzen.

„Bravo, Schatz, du hast wieder mal eine Ehe gerettet.“, meinte Laura zufrieden. Remy grinste bloß selbstzufrieden zurück.

Der Rest des Tages verlief ereignislos. Cathy und Tom hatten sich wieder versöhnt und der Oberst ging Mrs Hubbard konsequent aus dem Weg.

 

Teil 9

 

Als das Zimmermädchen am folgenden Morgen die Kabine Nummer 471 betrat, fand sie die am Boden liegende Leiche des Obersts. Wie sich später herausstellte, war er mit der Saite einer Ukulele erdrosselt worden.

Als Remy diese Nachricht erfuhr, war er enttäuscht. „Nicht doch. Bitte nicht.“ dachte er. „Nicht mal im Ruhestand ist man sicher vor einem Mordfall.“

Laura hingegen war begeistert. Endlich wieder ein Verbrechen. Sie hatte die Detektivarbeit vermisst. Sofort zerrte sie Remy mit in die Kabine des Verstorbenen.

„Laura, müssen wir das tun?“ jammerte dieser.

„Sag bloß, du vermisst die alten Zeiten nicht. Komm, lass uns nach Hinweisen suchen.“

„Na schön“, seufzte Remy und machte sich am Kleiderschrank zu schaffen, während Laura unter dem Bett nachsah. Nicht ohne Schwierigkeiten, wie sie bald merkte. Ihr Rheuma meldete sich nämlich. „Au!“, schrie sie auf.

„Laura, ist alles in Ordnung?“ fragte Remy besorgt.

„Ja, es geht schon wieder. Danke. Ich hasse das Altwerden“, stöhnte Laura.

Schließlich zog sie einen riesigen Koffer unter dem Bett hervor. Sie legte ihn mühsam aufs Bett, um den Inhalt zu kontrollieren. Doch statt Kleidung, Wäsche oder ähnlichem enthielt dieser ein Gemälde.

 

Teil 10

 

„Oh, mein Gott! Laura, weißt du, was das ist?“ fragte Remy verblüfft, als er das Bild sah.

„Natürlich tue ich das: „Der Schrei“ von Edvard Munch. Das Bild wurde vor einer Ewigkeit aus dem Louvre in Paris gestohlen. Man hat nie herausgefunden, was damit passiert ist. Jetzt wissen wir´s.“

„Und wir wissen noch was.“ fügte Remy hinzu, als er einen Ausweis aus einer Seitentasche des Koffers zog. Es war jedoch kein deutscher, sondern ein luxemburgischer Pass. Innendrin prangte ein Foto des Obersts. Darauf war er zwar noch ein gutes Stück jünger, aber er war es, zweifellos.

„Unser guter Oberst von Knutzhorn a.D. hieß in Wirklichkeit Aloyse Freylinger. Hatte nie was mit Armee zu tun. Und schon gar nicht mit der deutschen.“

„Warum hat er sich dann ausgerechnet als deutscher Oberst ausgegeben?“ fragte Laura nachdenklich.

„Das will ich Ihnen gerne verraten“, antwortete Cathy, die in der Tür stand.

Laura und Remy fehlten die Worte.

 

Teil 11

 

In Lauras und Remys Suite. Sie saßen zusammen mit Cathy am Esstisch. Cathy erklärte den beiden: „Also es ist so: Tom und ich, wir sind gar nicht verheiratet. Und unsere Nachnamen sind auch falsch. Tom hat eine Detektei und ich arbeite für ihn.“

Laura und Remy warfen sich einen ahnungsvollen Blick zu.

Cathy fuhr fort: „Wir sind schon längere Zeit hinter diesem falschen Oberst her, da wir herausgefunden hatten, dass er einer der beiden Diebe von Edvard Munchs berühmtem Gemälde ist. Für uns war offensichtlich, dass er kein Deutscher war. Er sprach zwar ein fehlerfreies Deutsch, doch sein luxemburgischer Akzent war unverkennbar.“ Hier musste sie lächeln. „Wir wussten nur nicht seinen richtigen Namen. Aber den hätten wir dann jetzt auch.“

„Und was ist mit diesem mysteriösen Komplizen?“ fragte Remy.

„Über ihn wissen wir nur sehr wenig. Wir wissen nur, dass ein anderer Luxemburger mit dem Namen Raymond Knepper öfters mit dem falschen Oberst in Kontakt getreten ist. Doch nirgends ist ein Mann dieses Namens zu finden. Der Name muss also falsch sein.“

„Ja, das klingt einleuchtend.“, meinte Laura nachdenklich. „Ich nehme allerdings an, dass dieser Raymond Knepper sich in diesem Moment auch auf diesem Schiff befindet und nach dem Gemälde sucht. Apropos Gemälde: Remy, was hast du damit gemacht?“

„Ähm… das hab ich wieder an den Platz zurückgesteckt, an dem wir´s gefunden haben.“

Laura sah ihn verärgert an. Cathy jedoch war darüber sehr verwundert. War Remington Steele vielleicht doch nicht so großartig, wie sie dachte?!

 

Teil 12

 

„Wir müssen sofort zurück in die Kabine des Obersts“, schrie Cathy. Sie rannte voraus. Laura eilte, sich den Rücken vor Schmerzen haltend, hinterher und das Schlusslicht bildete Remy, am Stock humpelnd. „Wartet! Macht doch nicht so schnell. Ein alter Mann ist doch kein D-Zug!“, rief er, doch die beiden Frauen ignorierten ihn.

Als sie in der Kabine des Verstorbenen ankamen, war Tom schon da. Er wollte auch gerade auf Spurensuche gehen. „Cathy, was machst du denn hier? Und warum schleppst du die beiden da mit an?“ fragte er verärgert.

„Sie könnten uns eventuell helfen.“

„Sie sind genauso verdächtig wie alle anderen Passagiere auch.“

Bevor Cathy antworten konnte, kam Laura wieder aus der Kabine und verkündete: „Das Gemälde ist weg.“

„Was?!?“ schrieen Cathy und Tom gleichzeitig.

„Ja, Laura hat Recht. Das Gemälde ist mit dem Koffer verschwunden.“ bestätige Remy.

 

Teil 13

 

Während Cathy und Tom dem Kapitän die neuesten Entwicklungen in diesem Fall schilderten, saßen Laura und Remy an Deck und tranken Margharitas. Um die kleinen, grauen Zellen anzuregen, wie Remy sich so charmant ausdrückte.

„Das kann doch nicht sein, dass dieser riesige Koffer sich einfach so in Luft auflöst.“ meinte Laura.

„Die Thomas-Crown-Affäre.“ wandte Remy ein.

„Aber es ist niemand dieses Namens an Bord.“ entgegnete Laura.

„Pierce Brosnan, René Russo, MGM, 1999.“

„Oh, nein, das hätte ich mir ja denken können“, versetzte Laura.

„Nein, hör zu, Laura. Das Bild ist immer noch in der Kabine, nur der Koffer ist weg. Jemand will nur, dass wir glauben, das Gemälde sei fort. Komm mit! Wir müssen das kontrollieren.“

„Ja, aber…“ Weiter kam Laura nicht. Remy schleppte sie kurzerhand zurück zu Kabine 471.

Dort angekommen, durchsuchten sie noch mal alles von oben bis unten. Doch ohne Erfolg.

„Tja, scheint, als ob du diesmal im falschen Film gelandet bist.“ meinte Laura sarkastisch.

„Nein, nein, nein. Das Bild muss hier sein. Moment mal…“ Remy humpelte auf den Kleiderschrank zu. „Hilf mir doch mal, bitte“, bat er Laura. Sie öffneten den Schrank und Remy fand heraus, dass dessen Rückwand einen Hohlraum hatte. Die beiden fuhrwerkten so lange daran herum, bis sich die falsche Rückwand schließlich herausnehmen ließ. Dahinter verbarg sich ein Geheimfach, in welchem das Gemälde versteckt war. Genauso wie Remy richtig vermutet hatte.

„Na, bitte. Wer sagt´s denn?“ meinte er selbstzufrieden.

„Unglaublich, aber du hast es wieder mal geschafft“, sagte Laura nicht ganz ohne Stolz.

 

Teil 14

 

Diesmal verständigten sie den Kapitän, der das Gemälde in Sicherheit bringen ließ.

Laura und Remy kehrten wieder zurück zu ihren Margharitas. Cathy und Tom folgten ihnen. Die vier berieten sich immer noch darüber, wer denn nun der Mörder des Obersts war. Oder besser gesagt, was die richtige Identität von Raymond Knepper war.

„Cathy, sagen Sie mal, was wissen Sie sonst noch über den Oberst?“ fragte Laura.

„Nun, wir haben weiterhin herausgefunden, dass er in mehrere krumme Geschäfte verwickelt war: Raub, Erpressungen, Diebstähle usw. Und dieser Komplize oder vielmehr sein Handlanger taucht überall auf.“ erzählte Cathy. „Nur, wer hier an Bord könnte dieser mysteriöse Handlanger sein?“ fügte sie hinzu.

Da meldete sich Tom zu Wort: „Mord auf hoher See, Stephanie Zimbalist, Tony Randall, 1989.“

„Wie bitte?!?“ fragten Laura und Remy aus einem Munde, verdutzt über das, was sie soeben gehört hatten.

„Ach, ignorieren Sie das doch einfach. Ich glaube, Tom verträgt die karibische Sonne nicht“, entschuldigte sich Cathy lächelnd.

„Nein, pass mal auf.“ fuhr Tom fort. „Der Mörder von Aloyse Freylinger ist ein Mitglied des Personals. Jemand, der uneingeschränkten Zugang zu allen Kabinen hat.“

„Der Junge hat recht“, sagte Remy. „Und ich weiß auch, wer es war.“

 

Teil 15

 

„Der Komplize des Obersts ist kein Geringerer als Jordan, unser Butler“, erklärte Remy.

„Was?“ fragte Laura.

„Wie kommen Sie denn darauf?“ wollte Cathy wissen.

„Aber das ist doch einfach“, entgegnete Tom. „Jordan, oder besser gesagt, Raymond Knepper, und Aloyse Freylinger kennen sich aus der luxemburgischen Armee.“

„Eben“, übernahm Remy. „Und Raymond Knepper fand schnell heraus, dass Aloyse Freylinger einen Hang zu kriminellen Handlungen hegte. Ganz speziell der Diebstahl dieses Gemäldes hier hatte es ihm angetan. Und Knepper war nicht dumm. Er hat den Oberst oder was auch immer sein Titel war, ebenfalls erpresst. Er war also nicht der Handlanger, sondern der Oberst. Und, um den ganzen Erpressungen zu entkommen, floh er mitsamt seiner Beute, d.h. Bargeld, diversen Schmuck und andere Wertgegenstände, die er längst wieder verkauft hat. Nur das Bild konnte er natürlich nicht verkaufen. Und genau darauf hatte Knepper es abgesehen. Und außerdem machte es mich stutzig, dass Jordan mir das Kinoprogramm bis jetzt noch immer nicht gebracht hat.“

Laura reagierte als erste: „Wir müssen Jordan finden.“

 

Teil 16

 

Die vier rannten zur Suite von Laura und Remy, wo Jordan gerade dabei war, den Tisch für das Dinner zu decken. Als das Quartett die Kabine stürmte, drehte er sich langsam um und sagte seelenruhig: „Ich wusste, dass Sie mich entlarven würden.“

„Sie sind also wirklich der Mörder von Aloyse Freylinger.“ schlussfolgerte Tom.

„Ja. Sie können mich ruhig verhaften lassen. Ich habe keine Angst mehr vor einer Gefängnisstrafe. Sehen Sie, ich bin ein alter Mann und darüber hinaus wurde letzten Monat eine tödliche Krankheit bei mir festgestellt. Ich bin also auf alles gefasst. Es hätte keinen Sinn für mich, noch lange zu versuchen, wegzulaufen.“

Laura und Remy verständigten den Kapitän, der Jordan alias Raymond Knepper später am nächsten Hafen von der dortigen Polizei verhaften ließ.

 

Teil 17

 

„Mr. und Mrs. Steele, darf ich Ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit ein Geheimnis anvertrauen?“ fragte Cathy unsere beiden Detektive.

„Aber natürlich. Sie können auf unsere Diskretion zählen.“ entgegnete Remy aufmunternd.

„Nun gut, also. Wie soll ich anfangen? Tom ist überhaupt kein Privatdetektiv.“

Laura und Remy zogen jeweils eine Augenbraue hoch.

Zögernd fuhr Cathy fort: „Nein, eigentlich bin ich der Chef. Spannung, Abenteuer, das hab ich immer schon geliebt. Also hab ich studiert und eine Detektei eröffnet. Aber niemand hat mir die Tür eingerannt. Ein weiblicher Privatdetektiv wirkte so… na eben, zu weiblich. Also hab ich einen Chef erfunden, einen eindeutig männlichen Chef. Und dieser Trick hat gewirkt. Ich bekam Fälle noch und noch. Bis Tom auf einmal erschienen ist. Ausgerechnet ein früherer Juwelendieb. Und jetzt mache ich die Arbeit und er kassiert den Beifall. Es ist ein gefährliches Leben, aber solange die Leute es mir abkaufen, werden sie gut bedient. Ich weiß nicht einmal, wie er in Wirklichkeit heißt… Na ja, und seine Art, Fälle zu lösen, ist eben, irgendwelche Filme zu zitieren…“

Hilfesuchend schaute sie Laura und Remy an. Die beiden grinsten nur und Laura sagte: „Wir dachten uns so was schon. Aber geben Sie nicht auf. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre gemeinsame Zukunft. Und haben Sie Geduld mit Tom, oder wie immer er auch heißen mag. Es wird sich lohnen, glauben Sie mir.“

Erleichtert stand Cathy auf und ging zu Tom in ihre Kabine. Schlussendlich hatte sie es doch nicht übers Herz gebracht, Remy auch noch zu beichten, dass sie seine Enkelin war und Felicia Desmond, ihre Großmutter, vor zwei Monaten verstorben war.

 

© 02.05.2006 by MajorPetrofsky

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