Gamma Ray

Vor kurzem dachte ich mir, es wäre mal wieder an der Zeit eine neue Biographie zu schreiben. Doch über wen? Ich dachte dabei u.a. an TORI AMOS, CARCASS, dann wieder an einen Thrash Metal Report, ein Horror Film Special, doch konnte mich dies alles nicht so richtig begeistern. Als ich dann die neue GAMMA RAY CD "No World Order" hörte, wusste ich letztendlich wem ich meine Zeit widmen sollte: Kai Hansen & GAMMA RAY!
v.l.n.r. Dan (oben) - Kai (unten) - Henjo - Dirk
Kai Hansen gehört schon seit Anbeginn zu meinen Lieblingsgitarristen und war diesbezüglich auch ein sehr großes Vorbild für mich. Somit ist es nun unumgänglich im bzw. seiner Band GAMMA RAY ein wenig Tribut zu zollen in Form dieses Specials. Doch wollen wir ganz am Anfang beginnen:
Die Heavy Metal Welt traf es Ende 1988 die Nachricht wie ein Schlag ins Gesicht: Kai Hansen - Mitgründer, Gitarrist und ehemaliger Sänger - verlässt die deutsche Heavy Metal Kultband HELLOWEEN. Was für eine Tragödie! Doch schon bald kam die neue Nachricht, dass Kai zusammen mit seinem Kumpel Ralf Scheepers die Band GAMMA RAY gründete, benannt nach dem BIRTH CONTROL Kultsong.

Kai wollte mit dieser Band neue musikalische Wege öffnen, sich weiterentwickeln. Zunächst war GAMMA RAY lediglich als Solo-Projekt geplant zusammen mit Ralf als Sänger, doch das Debut Album "Heading for Tomorrow", welches 1989 veröffentlicht wurde, war sehr erfolgreich, und da die Aufnahmen mit den Gastmusikern Dirk, Schlächter, Uwe Wessel und Mathias Burchardt sehr gut verlief, war schnell klar, dass man es als Band weiterbringen würde. Doch der Drummerposten sollte bald mit ex-HOLY MOSES-Schlagwerker Uli Kusch (jetzt bei HELLOWEEN) neu besetzt werden. Dies sollte das erste Live-Line-Up darstellen.

HEADING FOR TOMORROW (1989):

"Heading for Tomorrow" beginnt sehr episch und bombastisch mit dem Intro "Welcome" welches nahtlos in den speedigen Hansen typischen Opener "Lust for Life" übergeht, einem Stück welches ebenso auf den HELLOWEEN Alben "Keeper of the seven Keys I + II" hätte stehen können und den gleichen Hitcharakter wie "I want out" oder "Future World" besitzt. Mit "Heaven can wait" - hierbei handelt es sich nicht um einen IRON MAIDEN Coversong - geht es eher Midtempo lastig weiter, wobei der Refrain einen typischen Mitsing-Charakter hat. Mehr treibend klingt hingegen "Space Eater", zu dem auch ein Videoclip gedreht wurde. Ein wenig aus der Reihe fällt hierbei der Song "Money" der ein wenig an HELLOWEENs "Don´t run for cover" und "Savage" erinnert. Dies ändert sich hingegen mit der Ballade "The Silence", die mehr in die ruhige sentimental Ecke tendiert; der Refrain hat meiner Meinung nach übrigens einen leichten Schunkelcharakter! Wieder um einiges kraftvoller wird es mit "Hold your Ground", wobei hier wieder typische alte HELLOWEEN Elemente zum Vorschein kommen. "Free Time" hingegen hat mehr typische Hard Rock Tendenzen, welche deutlich machen, das Kai Hansen hier versucht hat zu experimentieren. Danach kommt erst mal Epik und Bombast pur in Form von dem fast viertelstündigen Titelsong "Heading for Tomorrow", einfach nur der Hammer. Dieses Stück erinnert leicht sogar an den HELLOWEEN Song "Keeper of the seven Keys". Abgeschlossen wird das Album von dem URIAH HEEP Coversong "Look at yourself", welcher allerdings eher unspektakulär klingt. Alles in allem ist Kai Hansen mit "Heading for Tomorrow" ein guter Neueinstieg gelungen, da das Debut gesunde Abwechslung für Hörer bietet.

Heading for Tomorrow - Cover
Die Songlist:
1. Welcome
2. Lust for Life (RA)
3. Heaven can wait
4. Space Eater
5. Money
6. The Silence (RA)
7. Hold your Ground
8. Free Time
9. Heading for Tomorrow
10. Look at yourself (RA)
Fangface - das Maskottchen von GAMMA RAY

HEAVEN CAN WAIT / HEADING FOR THE EAST

Nach der Veröffentlichung der "Heaven can wait"-EP, auf der mit "Who do you think you are", "Sail on" (Bonussong auf der japanischen "Sigh no more"-Version), "Mr. Outlaw" (Bonussong auf der japanischen "Heading for Tomorrow"-Version) und "Lonesome Stranger" auch 4 neue Songs vertreten waren, wobei das Titelstück in der neuen Besetzung nochmals neu eingespielt wurde, begab man sich dann erstmals auf Tour, wobei es die Band auch nach Japan verschlug, wo das Video "Heading for the East" aufgezeichnet wurde. Eigentlich schon sehr fraglich, ob das überhaupt Sinn macht, nach lediglich zwei Veröffentlichungen, doch die Setlist hat es in sich, da auch die alten HELLOWEEN Klassiker "Ride the Sky", "I want out" und "Save us" berücksichtigt wurden - sehr frenetisch vom Publikum abgefeiert! - und auch ansonsten die Performance vor allem beim Song "Heading for Tomorrow" einfach sagenhaft ist.

SIGH NO MORE (1991):

War man auf dem Debut mit "Lust for Life" ein speediger Opener gewohnt, beginnt der Zweitling mit "Changes" eher ruhig aber charismatisch. Jedoch wird mit "Rich & famous" ein typischer Heavy Metal Stampfer im Sinne von "Heaven can wait" und "Space Eater" geboten. Wer es aber ein wenig schneller mag, wird mit "As Time goes by" - meiner Meinung nach immer noch einer der besten GAMMA RAY Songs - bestens bedient. "(We won´t) Stop the War" ähnelt eher dem Song "Free Time", erinnert mich ab und an auch ein wenig an HELLOWEENs "Chamäleon"-Album, aufgrund der Bläsereinsätze. Zwar recht interessant, doch passt meiner Meinung nach ins Gesamtkonzept des Albums. Was wiederum man von der Halbballade "Father and Son" nicht behaupten kann, da dieses Stück trotz seinem ruhigen Charakter sehr gut die Atmosphäre auf "Sigh no more" trifft, wobei mir der leicht traurige Touch sehr gut gefällt. Mit "One with the World" kommt eindeutig der beste Song auf diesem Album an die Reihe - Dank diesem Song habe ich damals GAMMA RAY überhaupt kennengelernt! - ein Song der alles vereint, er treibt, er ist melodisch, dazu ein hypnotischer Refrain, der zum Mitsingen einlädt; um Hage zu zitieren: "Soooo geil!". Wieder speediger wird es mit "Start running", ein Song der leider sehr unterschätzt wird. Weshalb "Countdown" als CD-Bonus tituliert wird, ist mir echt fraglich, da solche Songs damals eigentlich als Anreiz dienen sollten die CD anstatt der LP zu kaufen. Jedoch wird dieser Song dieser Aufgabe leider nicht gerecht. "Dream Healer" schon eher. Dieses Stück kann man quasi als Kurzversion des Songs "Heading for Tomorrow" bezeichnen, da er ebenfalls sehr kraftvoll und episch ausgefallen ist. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich damals "The Spirit" - den Abschlusssong - zum ersten Mal hörte: Ich fand ihn echt scheußlich, einfach nur schlecht, doch mit der Zeit fing er an mir zu gefallen und mittlerweile zählt auch er zu meinen persönlichen Favoriten. "Sigh no more setzt konsequent da fort, wo "Heading for Tomorrow" aufgehört hat, wobei der bandeigene Stil leider immer noch nicht gefunden wurde.

Sigh no more - Cover
Die Songlist:
1. Changes
2. Rich & famous
3. As Time goes by
4. (We won´t) Stop the War
5. Father and Son
6. One with the World (RA)
7. Start running (RA)
8. Countdown (CD-Bonus)
9. Dream Healer 
10. The Spirit 

Insanity and Genius - Cover

INSANITY AND GENIUS (1993)

Es war eine Weile ruhig geworden um GAMMA RAY, vielleicht auch aufgrund der Tatsache, weil Basser Uwe Wessel und Drummer Uli Kusch die Band verlassen haben. Doch mit Thomas Nack (Drums) und Jan Rubach (Bass) wurde schnell Ersatz gefunden. In der neuen Besetzung wurde schließlich das dritte Album "Insanity and Genius" eingespielt, das wesentlich frischer und stärker als seine beiden Vorgänger klingt. Alleine die ersten drei Songs "Tribute to the Past", "No Return" und "Last before the Storm" klingen verdammt kraftvoll, wobei deutlich Kai´s Wurzel wieder freigelegt wurden. Erst mit "The Cave Principle" wird es erst wieder ein wenig ruhiger. "Future Madhouse" soll laut Bandaussage die GAMMA RAY Version von "Future World" klingen, wobei ich diese Meinung nicht unbedingt teilen kann, jedoch dieses Stück dennoch sehr gut klingt. Lediglich das Cover der dazugehörigen, auf nur 2000 Stück limitierte, Single sieht ein wenig lächerlich aus, aber da kann man ja mal ein Auge zudrücken. Mit "Gamma Ray" folgt dann ein Cover des BIRTH CONTROL Songs nachdem sich die Hanseaten benannt haben, wobei mir die Metal Version deutlich besser gefällt als das Original. Mit "Insanity and Genius" folgt dann das Titelstück des Albums, welches die Thematik der Lyriks auch perfekt musikalisch einfängt. Was mal aus "18 Years" ursprünglich werden sollte, ist mir ehrlich gesagt unklar, da der Song längst nicht an die Klasse des restlichen Albums heranreicht. Dies gilt ebenso für "Your Torn is over", das anfangs sehr vielversprechend klingt, doch dies verfliegt schnell als der Gesang einsetzt, hier von Ex-Klampfer und Nun-Basser Dirk Schlächter übernommen. Mit "Heal me" konnte Satan-sei-dank nochmal das Ruder rumgerissen werden. Zur Überraschung steht hier Kai Hansen hinterm Mikro, wobei man sich damals die Frage stellte weshalb er eigentlich mit dem Singen aufgehört hat. Auch "Brothers" kann das Niveau zum Schluss nicht mehr halten. Auch "Insanity and Genius" ist an sich ein sehr gutes Album geworden, welches allerdings dennoch seine Schwachstellen hat. 

Die Songlist:
1. Tribute to the Past
2. No Return (RA)
3. Last before the Storm (RA)
4. The Cave Principle
5. Future Madhouse
6. Gamma Ray
7. Insanity & Genius
8. 18 Years
9. Your Torn is over
10. Heal me
11. Brothers
Nachdem man solch ein Killeralbum in der Hinterhand hatte, war dies auch Grund genug, um ausgiebig zu touren. Mit dabei auf der "Melodic Metal strikes back"-Tour waren RAGE als Headliner, sowie die beiden Support-Acts HELICON und CONCEPTION. Bei dem Hamburg-Gig wurde nebenbei noch ein Live-Video und -Album aufgenommen, welches alle vier Bands beinhaltet und "The Power of Metal" heißt. GAMMA RAY nutzten dabei die Chance und veröffentlichten gleich mit "Lust for Live" ihr zweites Live-Video, welches neben dem Auftritt, auch noch einige Interview und Studio-Sequenzen enthält. 
v.l.n.r.: Kai - Henjo - Dan - Dirk Unmittelbar bevor man sich an die Aufnahmen zum neuen Album begab wurde Langzeitfrontmann Ralf Scheepers aus mehreren Gründen vor die Tür gesetzt. Zu den wichtigsten zählten u.a. die große Distanz von seinem Heimatort Stuttgart bis Hamburg, womit er nur am Wochenende zu den Proben kommen konnte. Zudem hatte er sich auch als neuer Sänger bei JUDAS PRIEST beworben, womit seine Zukunft bei GAMMA RAY sowieso ungewiss gewesen wäre. Somit war sein Weggang unumgänglich, wobei die Nachricht, wer denn der neue Sänger sein würde sensationell war: niemand geringeres als Kai Hansen himself! 

LAND OF THE FREE (1995):

Ich war sehr auf dieses Album gespannt, nach 3 Alben soll nun beim vierten Machwerk von GAMMA RAY endlich seit "Walls of Jericho" (HELLOWEEN), wieder Kai Hansen ein komplettes Album einsingen. Aber wie wird das Resultat klingen? In dem Falle einfach nur perfekt, da er und seine drei Mitstreiter mit "Land of the Free" ihr bis dato bestes Album abgeliefert haben. Schon der über 8-minütige Opener und Singleauskopplung "Rebellion in Dreamland" weist den Hörer in seine Schranken und zeigt, dass Kai Hansen melodischen Metal am besten beherrscht. Dies verhärtet sich mit der schnellen Nummer "Man on a Mission", welche an die seligen "Keeper of the seven Keys I"-Tage erinnern lässt. Nach dem Interludium "Fairytale" geht es auch gleich mit der Hymne "All of the Damned" weiter, welches an die Reprise "Rising of the Damned" anknüpft. Wieder ein wenig schneller wird es mit "Gods of Deliverance". hier sollte man vor allem auf den sehr genialen Refrain achten. Mit "Farewell" ist GAMMA RAY eine sehr ruhige Nummer gelungen, die sich dennoch perfekt in das Konzept des Albums einreiht. Hier legte man viel wert auf Betonungen, wobei der leicht melancholische Touch die Atmosphäre sehr gut unterstreicht. Doch ist man gerade in der Ruhe versunken, wird man mit "Salvation´s Calling" wieder aufgeweckt. Danach folgt auch schon mit "Land of the Free" das Titelstück, welches man getrost als Hymne bezeichnen darf, da der Refrain und vor allem die zahlreichen Hooklines dieses Stück unvergesslich werden lassen. Nach dem kurzen Instrumental "The Saviour" folgt "Abyss of the Void", welches zunächst sehr ruhig beginnt, mit der Zeit aber an Kraft gewinnt und wie auch die meisten Stücke auf diesem Album sehr episch strukturiert wurde. Mit "Time to break free" ist den Fischköpfen nochmal eine kleine Überraschung gelungen, da hier - surprise, surprise - Michael Kiske die Leadvoals übernommen hat. Dieser Song erinnert sogar witzigerweise an die "Pink Bubbles go Ape"- und "Chamäleon"-Phase von HELLOWEEN. Schade eigentlich, dass Michael Kiske nicht als fester Sänger bei GAMMA RAY eingestiegen ist. Der abschließende Song "Afterlife" gehört eigentlich nicht mehr zum Albumkonzept, jedoch hat er dennoch eine besondere Bewandtnis auf sich: Er soll an den Tod von Ex-HELLOWEEN Drummer Ingo Schwichtenberg gedenken. Auf der Single "Rebellion in Dreamland" ist der HOLOCAUST Coversong "Heavy Metal Mania" enthalten, den eigentlich auch Ingo hätte einspielen sollen. Deswegen hat Kai ihm den Song "Afterlife" gewidmet, welcher einer meiner absoluten Favoriten ist. GAMMA RAY haben mit "Land of the Free" geschafft, ein sagenhaftes, zeitloses Heavy Metal Album abzuliefern, welches in keiner Sammlung fehlen sollte!

Land of the Free
Die Songlist:
1. Rebellion in Dreamland
2. Man on a Mission
3. Fairytale
4. All of the Damned (RA)
5. Rising of the Damned
6. Gods of Deliverance
7. Farewell
8. Salvation´s Calling
9. Land of the Free 
10. The Savior
11. Abyss of the Void
12. Time to break free (RA)
13. Afterlife
ALive ´95 - Live Album
Alive ´95 (1995)

Nach 4 Studioalben, sowie zweier EPs und diversen Singles, war es nun auch für GAMMA RAY unumgänglich ein Live-Album zu veröffentlichen, vor allem weil nun auch Kai die alten Songs gesangstechnisch sehr gut beherrscht. Dies wird mit "Alive ´95" auch sehr gut dokumentiert, da der Sound einerseits druckvoll und klar, auch sehr roh und fan-nah ausgefallen ist und somit schon mal eine gute Basis für ein Live-Album bietet. Aufgenommen wurde auf Konzerten in Mailand, Paris, Madrid und Erlangen (also ausschließlich in Metropolen, hehehe), wobei deutlich ist, das GAMMA RAY überall frenetisch abgefeiert werden. Auch die Songauswahl ist an sich gut ausgefallen, da man auch einige alte Kracher berücksichtigte. Dennoch fehlen leider Kultsongs wie "Lust for Life", "Heading for Tomorrow", "One with the World" oder "Last before the Storm", aber hier sind die Geschmäcker natürlich verschieden. Dafür haben es mit "Ride the Sky" und "Future World" gleich zwei alte HELLOWEEN Klassiker auf das Album geschafft, was wohl sehr darüber hinweg tröstet. Ein Doppelalbum wäre vielleicht hier ein wenig angebrachter gewesen, um auch wirklich die Wünsche aller Fans zu erfüllen, doch hätte dies sicherlich auch den Rahmen gesprengt. Unter´m Strich betrachtet ist "Alive´95" dennoch ein sehr gutes Livealbum geworden, dass wohl bei jedem GAMMA RAY Fan Gefallen finden dürfte. 

Kai Hansen - live
weitere Livesongs als Real Audio Files:
Anywhere in the Galaxy Italien 1999
Gardens of the Sinner Italien 1999
Short as Hell Italien 1999
Valley of the Kings Brasilien 1997
Heaven can wait Brasilien 1997
No Return Hamburg 1994
Die Songlist:
1. Land of the Free (RA)
2. Man on a Mission
3. Rebellion in Dreamland
4. Space Eater
5. Fairytale
6. Tribute to the Past
7. Heal me
8. The Saviour
9. Abyss of the Void
10. Ride the Sky (RA)
11. Future World
12. Heavy Metal Mania
Ein wenig später entschloss man sich mit "Silent Miracles" die zweite EP zu veröffentlichen, welches neben "Farewell" vom "Land of the Free" Album, noch eine neue Version von "The Silence" (vom Debut Album "Heading for Tomorrow") und auch die beiden neuen Songs "Miracle" und "A While in Dreamland" enthält. Dieser Silberling wurde allerdings, wie auch die Maxi "Future Madhouse", auf lediglich 2000 Exemplare limitiert und ist heute nur noch in Japan oder auf Plattenbörsen erhältlich! Der Veröffentlichungstermin musste allerdings aufgrund Terminproblemen leider auf Februar 1996 verschoben werden.  Silent Miracle-EP limitiert auf 2000 Stück
1996 wollte man dann in Spanien zusammen mit STRATOVARIUS und RAGE auf Tour gehen, doch entschlossen sich Basser Jan Rubach und Drummer Thomas Nack, die Band zu verlassen. Der Grund war, dass Dirk wieder Bass spielen wollte, da er eigentlich eher Bassist ist und kein Gitarrist. Die Idee, dass Jan der eigentlich eher Gitarrist ist, die 6 Saiten bei GAMMA RAY übernehmen sollte, fand keinen Anklang und somit verließen beide die Band, wobei Thomas solidarisch die Tour noch zu Ende spielte. Als Ersatzklampfer wurde Henjo Richter engagiert, welcher wenig später als festes Mitglied bei GAMMA RAY aufgenommen wurde. Im Februar 1997 war dann endlich ein neues Line-Up komplett, das auch noch bis heute Bestand hat:

 

Kai Hansen Vocals & Guitars
Henjo Richter Guitars & Keyboards
Dirk Schlächter Bass
Dan Zimmermann Drums

SOMEWHERE OUT IN SPACE (1997):

1997 ein weiteres Jahr in der Geschichte von GAMMA RAY. Der Line Up Wechsel hat der Band viel Zeit gekostet, aber auch wieder frischen Wind mitgebracht. Das merkt man schon beim Opener "Beyond the black Hole", der bei genauerem Hinhören ein wenig an HELLOWEENs "March of Time" und "Twilight of the Gods" erinnert. "Men, Martians and Machines" geht wieder ein wenig Back to the Roots von GAMMA RAY und erinnert stark an die "Insanity and Genius"-Ära, wohingegen "No Stranger (another Day in Life)" sehr straight und etwas langsamer ausgefallen ist. Das Titelstück "Somewhere out in Space" beeindruckt durch hohen Abwechslungsreichtum und zeigt, das GAMMA RAY gekonnt den Heavy Metal in das neue Millenium transponieren können. Witzigerweise erinnert diese Stück gelegentlich ein wenig an BLIND GUARDIAN. "The Guardians of Mankind" wendet sich hingegen wieder in die traditionelle Richtung, wobei das kurze "The Landing" wiederum eher atmosphärisch und getragen ausgefallen ist. Erneut etwas moderner wird es mit "Valley of the Kings" - hierzu wurde vorab schon eine Maxi veröffentlicht. Dieser Song erinnert im Refrain sehr stark an den eigenen Song "Last before the Storm", ebenfalls vom "Insanity and Genius"-Album. Einen leicht melancholischen Touch hat "Pray" eine sehr ruhige und balladeske Nummer, die ein wenig an "Farewell" ("Land of the Free"-CD) erinnert. Meine ich es nur, oder haben Kai Hansen und Co auf "Somewhere out in Space" ein wenig abgekupfert? Dies kommt mir zumindest in den Sinn, da der Beginn von "The winged Horse" verdammt an IRON MAIDEN zu "Killers" Zeiten-erinnert. Dies wandelt sich jedoch und vor allem der Refrain kann mit einem hervorragenden Gitarrenlick auftrumpfen. Nach dem verwirrenden Drumsolo namens "Cosmic Chaos" wird man direkt von dem treibenden "Lost in the Future" mitgerissen, welches durch ein stakkatoartiges Riff in der Strophe besticht. "Watcher in the Sky" ist wiederum sehr melodisch und traditionell ausgefallen, sprich hier gibt es 100% GAMMA RAY pur. Nach dem kurzen Intro "Rising Star" geht es auch direkt mit "Shine on" weiter. Auch diese Nummer kommt mir relativ bekannt vor, doch fällt mir leider im Moment nicht ein, an wen sie mich erinnert. Als Rausschmeißer dient der URIAH HEEP Song "Return to Fantasy", der wesentlich besser verbraten wurde als damals "Look at yourself" auf dem "Heading for Tomorrow"-Album. Fazit: "Somewhere out in Space" ist ein Album das sowohl traditionelle als auch moderne Elemente beinhaltet und somit beweist, dass GAMMA RAY immer noch zur Speerspitze gehören! 

Somewhere out in Space Cover

Die Songlist:

1. Beyond the black Hole (RA)
2. Men, Martians and Machines (RA)
3. No Stranger (another Day in Life)
4. Somewhere out in Space
5. The Guardians of Mankind
6. The Landing
7. Valley of the Kings (RA
8. Pray
9. The winged Horse (RA)
10. Cosmic Chaos
11. Lost in the Future
12. Watcher in the Sky
13. Rising Star
14. Shine on
15. Return to Fantasy (RA)
Powerplant Cover - gezeichnet von Derek Riggs

Powerplant (1999)

Sehr kraftvoll beginnt "Powerplant" mit dem treibenden Opener "Anywhere in the Galaxy". Hier fällt auf, dass GAMMA RAY ihren Stil weiter ausgebaut haben. "Razorblade Sigh" kommt mir jedoch ein wenig kalt vor, wobei dennoch die Hooklines dieses Songs dennoch herausragend sind. "Send me a Sign" markiert den ersten Höhepunkt auf "Powerplant", komponiert von Zweitklampfer Henjo Richter, was wohl beweisen dürfte, dass er sich mittlerweile sehr gut in der Band integriert hat. Hatten GAMMA RAY auf "Somewhere out in Space" die leichten Tendenzen ab und an in Richtung "Insanity and Genius" zu tendieren, scheint dies hier eher mit "Land of the Free" der Fall zu sein, da "Strangers in the Night" gelegentlich an die Songs dieses Albums erinnert. "Gardens of the Sinner" ist hingegen wieder ein typischer GAMMA RAY Stampfer geworden, wie man ihn eigentlich auf jedem Album der Hanseaten findet. Bei "Short as Hell" wurde der Titel wohl eher ein wenig unglücklich ausgewählt, da man dahinter wohl eher einen Speedkracher erwartet als die treibende Nummer die sich dahinter verbirgt. Danach folgt mit "It´s a Sin" ein PET SHOP BOY´S Coversong, der sehr gut gelungen ist und sogar den Eindruck erwecken lässt, dass es sich dabei um einen eigenen Song handelt. "Heavy Metal Universe", was sagt uns dieser Titel? Yep, Klischee ohne Ende, dieses Stück hätte genauso gut von MANOWAR stammen können, also schnell weiter zu "Wings of Destiny", welcher da wieder mehr an GAMMA RAY erinnert. "Hand of Fate" hat hingegen wieder eher hymnische Charakterzüge, sprich viele Chöre, massig Melodien, bombastisches Arrangement und viel Abwechslung. Als Rausschmeißer dient der fast 9 minütige Song "Armageddon", welcher nochmal alles aus dem Quartett herausholt und massig Hooklines, sowie eine perfekte Struktur beinhaltet. Insgesamt ist "Powerplant" sehr abwechslungsreich ausgefallen, wobei mit "Short as Hell" und "Heavy Metal Universe" zwei deutliche Schwachstellen zu vermerken sind!

Die Songlist:
1. Anywhere in the Galaxy (RA)
2. Razorblade Sigh (RA / MP3)
3. Send me a Sign (RA)
4. Strangers in the Night
5. Gardens of the Sinner
6. Short as Hell (RA)
7. It´s a Sin (RA)
8. Heavy Metal Universe
9. Wings of Destiny (RA)
10. Hand of Fate
11. Armageddon
Nachdem das Album bei den Fans wie eine Bombe eingeschlagen war, ging man wieder ausschweifend auf Tour, als Support STEEL PROPHET und EDGUY, was also ein Power Metal Package erster Klasse bedeuten sollte! Die Tour verlief an sich reibungslos, bis jedoch Kai Probleme mit seiner Stimme bekam. Es bestand die Gefahr das Konzert in Salzburg am 21.04.99 absagen zu müssen, doch fand man eine Lösung darin, die Gesangsparts aufzuteilen. So durften neben Kai Hansen auch Chris Bailey (FREEDOM CALL), Tobias Sammet (EDGUY) und Rick Mythiasin (STEEL PROPHET) sich den Job hinterm Mikro teilen und alle erledigten dies laut mehrfachen Aussagen sehr professionell. Die Setlist sah dabei wie folgt aus: 
1. Intro (Sandmännchen)

  

  
2. Anywhere in the Galaxy

 

Chris
3. Gardens of the Sinner

 

Chris
4. Short as Hell

 

Kai
5. Man on a Mission

 

Chris
6. It´s a Sin

 

Kai
7. I want out

 

Tobias
8. Rebellion in Dreamland

 

Tobias 
9. Land of the Free

 

Tobias
10. Drum / Bass-Solo

 

 
11. Somewhere out in Space

RA

Chris / Kai
12. Send me a Sign

RA

Chris
13. Armageddon 

RA

Kai
14. Future World

 

Rick
15. Ride the Sky

 

Rick

Auf alle Fälle ist den Jungs und vor allem Kai Hansen hoch anzurechnen, dass sie das Konzert nicht einfach abgesagt, sondern das Beste draus gemacht haben. Dank gebührt dabei vor allem den Ersatzsängern Chris, Tobias und Rick!

BLAST FROM THE PAST (2000):

Nach 10 Jahren GAMMA RAY war es nun endlich auch an der Zeit eine Best of-CD zu veröffentlichen. Doch wie sollte man sich bezüglich der Songauswahl einigen? Nichts leichter als das, denn da es mittlerweile das Medium Internet gibt, sowie auch eine offizielle Bandpage, überlässt man diese Aufgabe einfach den Fans selbst. So kann man eigentlich schon behaupten, dass hier nur die besten Songs ausgewählt wurden. Natürlich fehlen immer noch Hammersongs wie "As Time goes by", "Start Running", "No Return", "Abyss of the Void", "Afterlife", "Men, Martians ans Machines" oder auch den Kultcoversong "It´s a Sin", wobei selbstverständlich einige rare, unveröffentlichte Songs, Liveversionen, Coverstücke oder auch alte HELLOWEEN Klassiker wie z.B. "Ride The Sky", "Judas" oder "Future World" auch angebracht gewesen wären. Nichtsdestotrotz ist "Blast from the Past" ein passables Danke schön an die Fans geworden. Man hat sich sogar extra die Mühe gemacht, die Songs der Alben "Heading for Tomorrow", "Sigh no more", "Insanity and Genius" und "Land of the Free" noch einmal neu aufgenommen, wobei die Aufnahmen der beiden neueren Alben "Somewhere out in Space" und "Powerplant" nochmal neu gemastert wurden. 

Powerplant - Zusatzzeichnung Originellerweise kommen dabei manche Songs, welche ursprünglich von Ralf Scheepers gesungen wurden und jetzt von Kai Hansen vorgetragen werden, in ihrer neueren Fassung viel besser zur Geltung, als die Originale, sei es das die Arrangements besser ausgearbeitet wurden, oder aber auch weil manche Stücke mit Kai´s Gesang an Aggression, vor allem bei dem Stück "Dream Healer", dazu gewonnen haben, hingegen "Tribute to the Past" mir auf der "Insanity and Genius"-CD um einiges besser gefällt, als auf "Blast from the Past". Doch wie heißt es auch hier wieder so schön: Geschmäcker sind eben verschieden! GAMMA RAY haben sich auf alle Fälle mit dieser Doppel-CD alle Mühe gegeben und der Kauf ist eh allemal gerechtfertigt, wobei "Blast from the Past" deutlich ihr Geld wert ist!

Hier geht es zum CD-Review von "Blast from the Past"

Diese Best of-CD brachte den 4 sympathischen Spaßvögeln die Ehre ein, auf dem Wacken Open Air am Freitag Abend die True Metal Stage nach ICED EARTH headlinen zu dürfen.

Hier geht es zum Live-Review vom GAMMA RAY-Auftritt in Wacken 2000

Blast from the Past - Best of Doppel CD
Die Songlist:

CD 1

1. Welcome
2. Lust for Life (RA)
3. Heaven can wait (RA / MP3)
4. Heading for Tomorrow
5. Changes (RA)
6. One with the World (RA)
7. Dream Healer (RA)
8. Tribute to the Past (RA / MP3)
9. Last before the Storm (RA)
10. Heal me

CD 2

1. Rebellion in Dreamland
2. Man on a Mission
3. Land of the Free (RA)
4. The Silence (Bonus Track)
5. Beyond the black Hole (RA)
6. Somewhere out in Space
7. Valley of the Kings (RA)
8. Anywhere in the Galaxy
9. Send me a Sign (RA)
10. Armageddon
No World Order - cover

No World Order (2001)

Wann ruhen sich Kai Hansen und seine 3 Mitstreiter eigentlich mal aus? 1999 kam "Somewhere out in Space" auf den Markt, letztes Jahr die Best of "Blast from the Past" und nun sind sie schon wieder mit ihrer neusten Scheibe "No World Order" am Start. Das kann eigentlich qualitativ nicht gut sein, aber nicht bei GAMMA RAY, denn ihr mittlerweile 7. Studioalbum schlägt erneut ein wie eine Bombe, was schon das sehr majestätische Intro "Induction" zeigt. Der nachfolgende Song "Dethrone Tyranny zeigt das Quartett zugleich von ihrer besten Seite, es erinnert sogar an das glorreiche "Land of the Free"-Album. Ganz anders "The Heart of the Unicorn", das vordergründig nach JUDAS PRIEST klingt, im Refrain allerdings wieder typisch nach Kai & Co. klingt. Die erste Singleauskopplung "Heaven or Hell" erinnert stark an "Send me a Sign" vom letzten Album, wobei auch leichte Parallelen zur "Insanity and Genius"-Platte vorhanden sind. Mit "New World Order" folgt der eigentliche Titeltrack, auch wenn mit leichter Abwandlung. Diese Nummer entwickelt sich sehr straight, mit leicht rockigen Tendenzen, wobei mich die Gitarren leicht an IRON MAIDENs zu "No Prayer for the Dying".Zeiten erinnern. "Damn the Machine" erinnert von den Gitarrenleads hingegen eher an ICED EARTH, allerdings ändert sich dies schnell und man tendiert wieder in die eigene Richtung, wobei man im Mittelteil erneut einige moderne Elemente verwendet. Mit "Solid" ist der Band erneut eine wahre Hymne gelungen, die zwar an JUDAS PRIEST´s "Rapid Fire", aber auch HELLOWEENs Klassiker "Walls of Jericho" erinnert. Alleine der Chorus lässt sofort Gänsehaut entstehen, das ist nicht nur geil, das ist magisch! "Fire below" ist eher ein wenig treibender und direkter ausgefallen, ebenfalls mit einem klasse Refrain, man merkt langsam richtig, dass Kai immer sicherer hinterm Mikro wird. Apropos: Mir ist auch zusätzlich aufgefallen, dass die früher typischen Happy Metal Nummern "Freetime", "Rich & Famous" sowie "Future Madhouse", mittlerweile bei GAMMA RAY komplett verschwunden sind.

Die Songlist:
1. Induction 
2. Dethrone Tyranny
3. The Heart of the Unicorn
4. Heaven or Hell
5. New World Order
6. Damn the Machine
7. Solid
8. Fire below
9. Follow me
10. Eagle
11. Lake of Tears
"Follow me" lässt dann wieder einige alte Tage aufleben und erinnert hier und da ein wenig an "Future World" (HELLOWEEN), aber auch ein klein wenig an STRATOVARIUS. Mehr hymnenhaft präsentiert sich "Eagle" (sehr spartanisch betitelt), wobei man auch hier eine sehr düstere, geheimnisvolle Schlagseite abbekommen, welche sich eigentlich wie ein roter Faden durch das komplette Album zieht. Zum Abschluss wird uns mit "Lake of Tears" noch ein sehr ruhiges Stück dargeboten, welches über die Tatsache hinweg tröstet, dass auf dem letzten Album "Powerplant" keine Ballade enthalten war. Unterm Strich ist "No World Order" wieder erneut ein megageniales Album, das an die Kultscheibe "Land of the Free" verdammt nah heranreicht und zeigt, dass GAMMA RAY auch im neuen Jahrtausend zu den besten Metalbands der Welt gehören. 

Sascha

"No World Order" Gesamtcover - gezeichnet von Derek Riggs

 

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