Liga für die Freiheit der
Zaza-DimilI-Kirmanc wurde gegründet
In den letzten Jahren führte die patriotische Intelligenz der Zaza bedeutende Arbeiten auf dem Gebiet der Sprache, Kultur und der Politik durch. Diese Arbeiten waren jedoch zerstreut und in politischer Hinsicht unzureichend gewesen. Angesichts der Lage, in der sich unser Volk befindet, und der vielseitigen und massiven Angriffe gegen unser Heimatland, wurde es dringend erforderlich, eine politische Bewegung zu gründen. Zu diesem Zwecke wurden 1995 entsprechende Vorbereitungen getroffen; am 22.-24. November 1996 fand eine Gründungskonferenz statt, an der zahlreiche Delegierte aus verschiedenen Orten unserer Heimat teilnahmen.
Gegen die barbarische Herrschaft türkischer Kolonialisten in unserem Heimatland und ihre Kriegszerstörung sowie gegen die neue territoriale Beanspruchung unserer Heimat, kommt der Gründung unserer Bewegung eine historische Bedeutung zu.
Der Hauptbeschluß der Konferenz lautet: die türkische Invasion in Zaza-Land muß beendet werden, alle fremden politisch-militärischen Kräfte sollen unser Land verlassen. Unser Heimatland, unsere Sprache und Kultur müssen von der Unterdrückung befreit werden. Unser Volk sollte selbst über sein Schicksal entscheiden. Unser Volk soll über seine Souveränität selbst verfügen.
Der Kurzname unserer Organisation lautet Serbestiye 'die Freiheit'; Komê Serbestiya Ma 'Liga für unsere Freiheit' ist ein demokratischer und patriotischer Zusammenschluß.
Die Konferenz befaßte sich mit dem zur Diskussion vorgelegten Programmentwurf und nahm ihn an. Die Konferenz beschloß, die Selbstbezeichnung unseres Volkes als Grundlage zu nehmen. Zaza-Dımıli-Kırmanc sind die regionalen Benennungen unseres Volkes. Dies lautet mit der Kurzform das Zaza-Kırmanc-Volk (Mıletê Kırmanc-Zazay) und das Zaza-Kırmanc-Land (Welatê Kırmanc-Zazay)
Die Konferenz beschäftigte sich mit der Organisationsform, sowie mit den künftig durchzuführenden Arbeiten und beschloß folgendes: bei der Organisierung und der Arbeit gilt das Prinzip der örtlichen Initiative. Das Programm stellt den Rahmen für den Zusammenschluß dar. Jede Aktivität muß den dortigen Bedingungen entsprechend organisiert und gestaltet werden. Die Aufgabe des Koordinationskomitees besteht darin, diese Arbeiten aufeinander abzustimmen, gemeinsame Kampagnen zu planen, die Publikationen vorzubereiten und das Budget zu verwalten. Die Mitglieder und die lokalen Vertretungen sind nicht gezwungen, einen Beschluß, den sie nicht befürworten, auch einzuhalten; sie erfüllen nur das, was sie akzeptieren. Der Beitritt und die Mitarbeit basieren auf Freiwilligkeit. Die Vielstimmigkeit innerhalb des Programmrahmens liegt in der Natur der Sache.
Unsere Liga tritt dafür ein, mit den demokratischen Kräften des türkischen und des kurdischen Volkes, mit denen wir benachbart sind, zusammenzuarbeiten, und betrachten dies im Interesse unseres Volkes. Gerade deshalb, weil der blinde türkische Nationalismus einen Haß zwischen die Völker schürt, ist dies besonders zu betonen. Es ist allerdings unmöglich mit denjenigen zusammenzuarbeiten, die unsere ethnische Identität ableugnen, unser Heimatland für sich beanspruchen und unser Volk bevormunden. Diesbezüglich befaßte sich die Konferenz mit den Behauptungen der kurdischen Nationalisten, und gelangte zu folgender Auffassung: die Behauptungen 'kurdischer Dialekt', unsere Sprache betreffend, und 'Zaza-Kurde', bezüglich unseres Volkes, wurden verurteilt und zurückgewiesen. Diese nationalistische Haltung, welche eine Solidarisierung mit dem ebenfalls unterdrückten Kurden-Volk blockiert, muß aufgegeben werden.
Unsere Geschichte und unsere humanistischen kulturellen Traditionen dürfen von keinem vereinnahmt werden. Die Volkswiderstände von 1918-20, 1925, 1937-38 gehören zur Geschichte unseres Freiheitskampfes. Unsere Geschichte wurde von anderen verfaßt und uns beraubt worden. Wir wollen sie wieder zurück haben. Die von türkischen Nationalisten übernommene Geschichtsverfälschung durch kurdische Autoren muß beendet werden.
Die Konferenz diskutierte über den Krieg in Zaza-Land, in Kurdistan und in der Türkei, und stellte fest: der Krieg, den die Türkische Republik (TR) gegen das Zaza- und das Kurden-Volk durchführt, ist ungerecht und kolonialistisch. Die TR will ihre beiden letzten Kolonien, das Zaza-Land und das Kurdistan, mit allen Mitteln weiter unter ihrem Joch halten, und führt darum einen dreckigen Krieg durch, wobei sie gegen jede internationale Norm verstößt. Dieser Krieg und seine Folgen wirft das türkische Volk in den Schoß des Faschismus. Die Türkische Republik hat sich inzwischen in einen von Kopf bis Fuß verdorbenen und terroristischen Mafia-Staat verwandelt.
Dieser Krieg richtete die größte Zerstörung in unserer Heimat an. In Dersim (Tunceli), Erzincan, Sivas, Bingöl (Çewlig), Elâzig, Dicle (Piran), Terikan, Hani, Maden, Varto, Hinis wurden mehr als tausend unserer Dörfer zwangsgeräumt. Allein in Dersim wurden von 420 Dörfern 300 zwangsgeräumt; über unser Volk wurde eine Nahrungsmittelsperre verhängt, und unsere Landsleute sind gezwungen, die Besatzer um Erlaubnis zu bitten, wenn sie sogar ein Kilo Mehl oder Zucker einkaufen wollen. In unserem Heimatland wird eine ethnische Entvölkerung durchgeführt. Unser Volk wird aus seiner Heimat vertrieben und unser Land evakuiert.
In diesen Krieg sind zwar auch Söhne des Zaza Volkes verwickelt. Aber unser Volk ist weder eigenwillig daran beteiligt, noch ist er darin vertreten. Wir unterstützen den Freiheitskampf der Kurden gegen die TR; wir lehnen jedoch die weitgehende Forderung kurdischer Nationalisten und ihre Politik, unser Land territorial für sich zu beanspruchen, entschieden ab. Wenn man den gegenwärtigen Krieg und seine Folgen bewertet, wird offensichtlich, daß der Verlierer unser Volk ist. Wer auch diesen Krieg gewinnen mag, wir verlieren ihn. Die Kriegsparteien sollen unser Land verlassen, und die verursachten Kriegsschäden ersetzen.
Der Krieg soll in kürzester Zeit beendet werden. Es sollte den Völkern selbst überlassen werden, ob sie selbständig oder in einem gemeinsamen Staat leben wollen. Die Beharrung türkischer Militärs auf einer gewaltsamen Lösung und einer totalen Liquidierung kommt den Völkern teuer zu stehen, und erschwert ein nachbarschaftliches Zusammenleben immer mehr.
Für einen anhaltenden Frieden müssen die Dörfer restauriert werden, der Zaza-, der asyrischen und der kurdischen Bevölkerung soll die Rückkehr in ihre Heimatdörfer ermöglicht werden. Die Institutionen der Dorfwächter und der sogenannten Sonderteams soll aufgelöst, der Ausnahmezustand aufgehoben, und eine Generalamnestie soll erlassen werden. Der über die Sprachen Zaza, Kurdisch, Asyrisch, Lasisch, u. a. verhängte Verbot soll aufgehoben werden. Allen ethnischen Volksgruppen und anderen Gemeinschaften soll die uneingeschränkte Möglichkeit für freie politische Betätigung anerkannt werden.
Unsere Konferenz machte weiterhin auf folgendes aufmerksam: ohne Berücksichtigung der nationalen und demokratischen Rechte unseres Volkes ist eine gerechte Lösung nicht möglich. Niemand sollte ohne Mitberücksichtigung unseres Volkes etwas planen. Das Zaza-Volk wird sämtliche Beschlüsse über seine unter Hypothek gestellte Gegenwart und Zukunft für nichtig erklären.
Die türkischen und kurdischen demokratischen Kräfte sollten die Lage neubewerten, Fehler und Irrtümer korrigieren. Das bisherige Status Quo schadet nämlich den Beziehungen zwischen den Völkern. Niemand kann durch Ignorieren der legitimen Forderungen eines mehr als 5 Millionen zählenden Volkes, ein Demokrat werden.
Unsere Konferenz apelliert an die zaza-stämmigen Aktivisten in türkischen und kurdischen Organisationen, ihre Beziehungen zu überdenken. Unser Volk ist einer akuten Existenzbedrohung ausgesetzt. Angesichts der Sklaverei, in der sich unser Volk befindet, sowie der Aussterbegefahr unserer Sprache und Kultur, werdet ihr euch der Geschichte gegenüber mitschuldig machen, wenn ihr euch nicht rührt, oder sogar euch gegen uns stellt. Setzt euerer Abhängigkeit ein Ende und unterstützt die auf der Basis der Unabhängigkeit gegründete Serbestiye.
Serbestiye wird ihren Kampf auf allen Gebieten nach demokratischen Prinzipien durchführen. Serbestiye wird die Rechte des Zaza-Volkes sowohl im Heimatland, als auch der aus ihrer Heimat in die Metropole der Türkei vertriebenen Bevölkerung verteidigen.
Wir lehnen die Gewaltanwendung in der politischen Auseinandersetzung ab. Aber wir nutzen unser Recht auf Selbstverteidigung. Unsere Geschichte lehrt dies uns durch zahlreiche Beispiele. Die Volkswiderstände von Koçkiri, Piran und Dersim weisen uns den Weg.
Für die Durchbrechung des unserem Volk auferlegten kolonialistischen Jochs, und für die Gründung eines freien und demokratischen Zaza-Kırmanc-Landes, rufen wir zum gemeinsamen Kampf und zu Solidarität auf.
Liga für unsere Freiheit
Die Gründungskonferenz