Eine Streitschrift zur Berliner Kulturpolitik im Allgemeinen und zur Zukunft der staatlichen B�hnen im Besonderen
herausgegeben von
www.der-vorhang.de
unter Mitarbeit der
Personalratsvorsitzenden des Deutschen Theater und der Deutschen Oper- Berlin
Detlef W�nsch, Rainer Zacke- Beaucaire sowie den Personalr�ten des caroussel-
und Gorki-Theater- Berlin David
Kusche und Frank Walle
1.
Kultur und
Arbeit
Zum Zusammenhang von Kultur
und Arbeitspl�tzen
2. Theater als
Wirtschaftsfaktor
3. Kritische
Einsch�tzung der Kulturpolitik des Berliner Senats
4. Anmerkungen zur
Koalitionsvereinbarung zwischen der SPD und der PDS f�r die Legislaturperiode
2001-2006
5. Standpunkt zu den
Ergebnissen der Expertenkommission Staatsaufgabenkritik
6. Zur gegenw�rtigen
Personalsituation und zu den Folgen eines weiteren
Personalabbaus
7. Zum Thema
�Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz�
8. Zum Thema
�Tarifvertr�ge�
9. Zum Thema
�Rechtsform�nderungen�
10. Zum Thema �Privatisierung und
Outsourcing�
11. Zum Thema
�Unternehmenssicherungsvertr�ge�
12.
Forderungen
Liebe Kolleginnen und
Kollegen,
mit dieser Brosch�re legen
wir Euch unsere Lagebetrachtung zur Entwicklung der berliner Kultur unter
besonderer Ber�cksichtigung der staatlichen B�hnen vor. Wir, das sind
gewerkschaftlich organisierte Theaterpersonalr�te aus vier H�usern Berlins. Aus
eigener Anschauung vor Ort, aber auch durch gewerkschaftliche Schulung und den
Austausch mit Kollegen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum sind wir �ber die
Entwicklungsprozesse und ihre gef�hrlichen Potentiale im Bilde.
In unserer Brosch�re weisen
wir nicht nur schl�ssig nach, warum alle H�user erhalten werden m�ssen, wir
zeigen auch machbare Mittel und Wege dazu. An dieser Stelle bedanken wir uns f�r
die Mitarbeit und Hilfestellung der ver.di-Landesbezirksleitung, die diese
Brosch�re initiiert und hauptamtlich gef�rdert hat. Nun m�chten wir Euch
erkl�ren, warum Ihr eine Brosch�re in H�nden haltet, auf der unser �ver.di�-Logo
nirgends zu finden ist. Wir haben diese Streitschrift im Auftrag und mit
Unterst�tzung unserer Gewerkschaft ausgearbeitet. Leider ist eine
Ver�ffentlichung bei ver.di seit Juli 2002 nicht erfolgt. Da die Entwicklung,
besonders in Berlin, �u�erst rasant fortschreitet, konnten wir nun nicht mehr
l�nger warten und verlegen unsere Streitschrift selbst. �Nur auf die Minute
kommt es immer an.�
Es gibt viel zu
tun.
David Kusche,
der-vorhang.de
Der
B�cker backt uns Morgenrot
Weill /
Kaiser
Der B�cker backt uns
Morgenrot
Das allerfeinste
Weizenbrot
Doch wer sein Geld
vergessen
Darf das wei�e Brot nicht
essen
In Berlin gibt�s kein Brot
in der Not
F�r ihn gibt�s kein Brot in
der Not
Schnalle deinen G�rtel enger
um ein Loch
Es geht noch, es geht
noch,
Es geht ja immer
noch
Schnalle deinen G�rtel enger
um ein Loch
Erst denkt man, es geht
nicht,
Und dann geht�s
doch
Wo liegt das blanke
Silbergeld,
F�r das man Weizenbrot
erh�lt?
Wir haben�s nicht
vergessen
Wir haben�s nie
besessen!
F�r uns gibt�s kein Geld in
der Welt
F�r uns gibt�s kein Geld in
der Welt
Schnalle deinen G�rtel enger
um ein Loch
Es geht noch, es geht
noch,
Es geht ja immer
noch
Schnalle deinen G�rtel enger
um ein Loch
Erst denkt man, es geht
nicht,
Und dann geht�s
doch
Und so vergeht die
Lebenszeit
Man war doch da, man war
bereit
Doch will sich wer
beschweren,
Mu� er h�ren,
Was man ihm in die Ohren
schreit
Was man ihm in die Ohren
schreit:
Schnalle deinen G�rtel enger
um ein Loch
Es geht noch, es geht
noch,
Es geht ja immer
noch
Schnalle deinen G�rtel, bis
das Leder bricht
Das geht
nicht!
Das geht
nicht!
Und wenn du denkst, es geht
noch,
Das geht
nicht!
1. Kultur und
Arbeit
�Kunst ist sch�n, macht aber viel
Arbeit�
(Karl Valentin)
Wir, die Personalr�te und
Besch�ftigten der staatlichen B�hnen in der Vereinten
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wissen, dass Kultur nicht nur Arbeit macht,
sondern vor allem auch Arbeit schafft. Der Zusammenhang von Kultur und
Arbeitspl�tzen wird aber in der gegenw�rtigen Spardebatte wieder einmal
vernachl�ssigt.
Angesichts der
Wechselwirkungen von Kultur und Wirtschaft muss daran erinnert werden, was
Ergebnis diverser Untersuchungen f�hrender Wirtschaftsforschungsinstitute
ist:
Gelder, die f�r Theater,
Museen und andere kulturelle Einrichtungen ausgegeben werden, sind keine
verlorenen Zusch�sse, keine Subventionen ohne �konomischen Nutzen, sondern diese
Gelder schaffen Arbeitspl�tze und flie�en vermehrt zur�ck.
Das �ffentlich
subventionierte Kulturangebot l�st Arbeitsplatz-, Einkommens- und
Umsatzsteigerungen aus, die sich positiv auf die Berliner Wirtschaft und damit
erh�hend auf das Steueraufkommen des Landes auswirken. Kultur ist damit nicht
nur ein Dienstleistungsangebot f�r die �Kunst-Konsumenten�, sondern ein
Produktionsfaktor und eben kein �berfl�ssiger
Luxus.
�ltere Berechnungen haben
ergeben:
Jede/r f�r Kunst und Kultur
ausgegebene Mark/Euro kommt 1,2fach bis 1,7fach wieder in den
Wirtschaftskreislauf zur�ck.
Den verantwortlichen
Politikern sollte endlich klar werden:
Kultur bringt Geld,
Subventionen im Kulturbereich sind gut angelegt. Eine Steigerung der
Kulturausgaben w�rde einen Besch�ftigungsmultiplikator ausl�sen: Zus�tzliche
Besch�ftigung, zus�tzliche Einkommen, direkte Steuereinnahmen und indirekte
Steuerr�ckfl�sse durch Vergabe von Auftr�gen an die Berliner Wirtschaft.
Die verantwortlichen
Politiker sollten endlich erkennen, dass Kultur in Berlin ein wichtiger
Wirtschaftszweig mit Zukunft ist!
Die Ergebnisse aus dem
Gutachten, das seinerzeit im Auftrag des Bundesministers des Innern vom
IFO-Institut f�r Wirtschaftsforschung erstellt wurde*), lassen sich sinngem��
auch auf die Berliner Situation �bertragen: Die Berliner Theater, Opernh�user
und Konzerth�user z�hlen zu den bedeutendsten Kulturinstitutionen
(�Kulturmetropole Berlin�) und spielen eine beachtliche Rolle als
Arbeitgeber.
Tausende Besch�ftigte
verdienen hier f�r sich und ihre Familien ihren Lebensunterhalt
.
Schauspiel- und
Musiktheater-Solisten, Ballettmitglieder, Chors�nger und Orchestermusiker zahlen
in der Region Steuern, kaufen hier Lebensmittel, Kleidung, Musikinstrumente,
B�cher, Noten und M�bel f�r sich und ihre Familien. Neben den K�nstlern geben
Verwaltungsmitarbeiter ihr Gehalt in Stadt und Umland aus, ebenso die
Besch�ftigten der Theaterwerkst�tten, in denen vom B�hnenbild-Zimmern bis zum
Per�ckenkn�pfen, vom N�hen der Operettenf�rstenroben bis zur W�sche der
Ballett-Trikots fast alle Arbeiten erledigt werden, die ein Theater
braucht.
*)
Gutachten �Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur�, vom
IFO-Institut f�r Wirtschaftsforschung in M�nchen erstellt. Autoren: M. Hummel,
M. Berger unter Mitarbeit von F. M�ller, Mai 1988
Und auch Beleuchter,
Requisiteure oder B�hnenarbeiter zahlen Miete und nutzen die
Dienstleistungsangebote der Region.
Das summiert sich. Es ist
eine Menge finanzieller �Treibstoff�, mit dem Theatermitarbeiter den
Wirtschaftsmotor der Region in Bewegung halten. Von den Millionen Euro, die f�r
Personal- und Sachkosten aufgewendet werden, bleibt ein gro�er Teil im Land. Die
B�hnen kaufen bei Betrieben in der N�he Holz, Metall, Farbe und Stoffe, bis auf
Spezialit�ten, die bundesweit nur wenige Hersteller liefern k�nnen. Berliner
Firmen sorgen auch f�r Versicherungen, f�r Werbung, f�r Fahrzeuge, sie drucken
Plakate und Programme.
Auch den benachteiligten
B�rgerinnen und B�rgern wird der Besuch von Auff�hrungen
erm�glicht.
Schlussfolgerungen f�r
staatliche Ausgaben im Kunst- und Kulturbereich:
Kunst- und Kulturausgaben
des Staates, die eine Erh�hung des staatlichen Angebots an kulturellen
Leistungen bewirken, haben positive Einkommens- und Besch�ftigungseffekte,
bringen �mehr Arbeit�!
2. Theater als
Wirtschaftsfaktor
die sogenannte
Umwegrentabilit�t. Damit bezeichnet man die Belebung der Wirtschaft dadurch,
dass die Theaterbesucher rund um die
Auff�hrung Geld ausgeben. F�r Abendkleidung, f�r Taxi- und Parkhauskosten, f�r
das Essengehen und das Glas Wein nach der Vorstellung, oder f�r den
Friseurbesuch vorher. Genaue Zahlen zur �Umwegrentabilit�t� liegen f�r die
Berliner B�hnen aktuell zwar nicht vor, aber es kann auf Daten verwiesen werden,
die die Theater in Bremen und Z�rich ermittelten. In Bremen kam heraus, dass f�r
jede Zuschussmark das Anderthalbfache an die lokale Wirtschaft zur�ckfloss. In
Z�rich war es gar das 1,7fache*).
Ein Theater ist nicht nur
ein Kostenfaktor, sondern ein Wirtschaftsfaktor!
Daraus ergibt
sich:
Angesichts der staatlichen
Zust�ndigkeit � im Rahmen der Kulturhoheit der L�nder � darf mit dem Ruf nach
Privatisierung kultureller Aktivit�ten die Verantwortung f�r staatliche
Mitgestaltung (insbesondere der L�nder und Kommunen) nicht auf Sponsoren und
M�zene abgew�lzt werden!
Wir begr��en ausdr�cklich
das Engagement der Sponsoren, die oft erhebliche Summen in die Unterst�tzung von
K�nstlern oder Orchester investieren und damit bestimmte Auff�hrungen erst
erm�glichen**)
Kultur ist ein
Wirtschaftsfaktor; aber die Rahmengestaltung ist � mehr als die Herstellung von
Schuhen, Zahnpasten oder Gl�hbirnen � in Verbindung mit der politischen Kultur
eines demokratischen Staatswesens zu handhaben. Notwendig ist aber auch eine Auslotung
aller M�glichkeiten einer effizienten Ausgestaltung der Kulturausgaben, einer
verst�rkten Einbindung von Verteilern (nach dem Subsidiarit�tsprinzip) und einer
m�glichen Erschlie�ung zus�tzlicher Finanzierungsquellen z. B. durch Sponsorship
und M�zenatentum. Diese Ausgaben erg�nzen die staatliche Kulturf�rderung, sie
werden sie jedoch nicht ersetzen k�nnen.
*)
Quelle: Saarbr�cker Zeitung vom 29.01.1997
**)
vgl. Dokumentation des 4. Theaterworkshops der Gewerkschaften �TV,
DAG und IG Medien,
21. � 23. Juni 1999
(Anhang)
Nachstehend sollen noch
einmal die Ergebnisse des IFO-Gutachtens von M. Hummel und M. Berger, unter
Mitarbeit von F. M�ller �Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Kunst und
Kultur� zusammengefasst werden.
Ziel der vorliegenden
Untersuchung war es, Antworten auf folgende Fragen zu
geben:
�
In welchem Umfang tr�gt der
Kunst- und Kulturbereich zur Entstehung von Einkommen und Besch�ftigung
bei?
�
Welchen Anteil hat er an den
gesamtwirtschaftlichen Investitionen?
�
Wie hoch sind die
staatlichen Ausgaben f�r Kunst und Kultur?
�
Mit welchen R�ckfl�ssen an
Steuern und Sozialversicherungsbeitr�gen kann der kunst- und kulturf�rdernde
Staat rechnen?
Nach den Ergebnissen der
Untersuchungen, die sich auf das Jahr 1984 beziehen, ist der Kunst- und
Kulturbereich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor:
�
680.000 Personen waren mit
der Schaffung, Verbreitung und Bewahrung von Kunst und Kultur
befasst.
�
Der Kunst- und Kulturbereich
leistete einen Beitrag von 40 Mrd. DM zur Entstehung von Einkommen im
Inland.
�
Die Anlageinvestitionen
dieses Bereichs beliefen sich auf 5 Mrd. DM.
44 % der Arbeitspl�tze
stammten aus dem Kernuntersuchungsbereich. Die �brigen
Besch�ftigungsm�glichkeiten verteilten sich auf die vor- und nachgelagerten
Wirtschaftsbereiche in nahezu gleichem Umfang. Die wirtschaftliche Leistung
(gemessen an der Bruttowertsch�pfung) konzentrierte sich st�rker auf den
Kernuntersuchungsbereich. Dort entstanden 50 % der Einkommen. Sie beruhten im
wesentlichen auf den Aktivit�ten der Vermarkter.
Mit 20 Mrd. Wertsch�pfung
und 300.000 Erwerbst�tigen war der Kernbereich im Hinblick auf die
wirtschaftlichen Indikatoren merklich gr��er als z. B. der Luft- und
Raumfahrzeugbau oder der Sektor Herstellung von B�romaschinen, EDV-Ger�ten und
-einrichtungen (1984: 4,2 bzw. 9,4 Mrd. DMM Wertsch�pfung und 56.000 bzw. 84.000
Erwerbst�tige).
Bez�glich des Anteils des
gesamten Kunst- und Kulturbereichs an der wirtschaftlichen Leistung aller
Wirtschaftsbereiche zeigte sich folgendes Ergebnis:
�
Der Kunst- und Kultursektor
hatte einen Anteil von 2,3 % an der gesamtwirtschaftlichen
Bruttowertsch�pfung.
�
Sein Anteil an allen
Erwerbst�tigen lag bei 2,7 %.
�
Sein Anteil an den
gesamtwirtschaftlichen Anlageinvestitionen betrug 1,4 %.
Ber�cksichtigt man neben den
Kernsektoren des Kunst- und Kulturbereichs auch die vor- und nachgelagerten
Bereiche, so best�tigt sich durch die Untersuchungen in noch h�herem Ma�e, dass die Zahlungen des Kunst- und
Kulturbereiches an den Staat die �bertragungen des Staates an den Kunst- und
Kulturbereich weit �bersteigen.
Um die Auswirkungen einer
Erh�hung der staatlichen Ausgaben f�r die Theater darstellen zu k�nnen, wurde
eine Erh�hung der Ausgaben �ffentlicher Theater um 100 Mill. DM angenommen. Dies
entspricht in etwa einer Erh�hung des Theateretats um 5 %. Weiter wurde
angenommen, dass diese Ausgabensteigerung durch eine proportionale Erh�hung des
Staatszuschusses und der Einnahmen aus Eintrittskartenverkauf erm�glicht wird;
so l�sst sich f�r 80 Mill. DM erh�hter staatlicher Theaterzusch�sse ein
Zusatzeinkommen von 100 Mill. DM errechnen, und zwar entst�nden 79 Mill. DM
direkt im Theaterbereich, 14 Mill. DM im Vorleistungsbereich (Einkommen aus
unselbstst�ndiger Arbeit und aus Unternehmert�tigkeit und Verm�gen) und weitere
7 Mill. DM �ber den Einkommensmultiplikator.
Die unterstellte
Ausgabenerh�hung der Theater bewirkte eine zus�tzliche Besch�ftigung von 1.500
Personen, wovon 1.050 direkt im Theaterbereich, 300 Besch�ftigte im
Vorleistungsbereich und zus�tzlich etwa 150 Personen �ber den Multiplikator
Arbeit finden w�rden.
Insgesamt bewirkte also die
Ausgabenerh�hung der �ffentlichen Theater ein Zusatzeinkommen von 100 Mill. DM
und eine zus�tzliche Besch�ftigung von 1.500 Personen. F�r den Fall, dass es den
Theaterleitungen gel�nge, f�r das zus�tzliche Theaterangebot das
durchschnittliche Einspielergebnis �ffentlicher Theater in der Bundesrepublik
Deutschland in H�he von etwa 20 % zu erreichen, lie�en sich die
gesamtwirtschaftlichen Multiplikatoren auf die St�dte �bertragen: Jede
zus�tzlich verausgabte Million DM staatlicher Zusch�sse erzeugte dann �ber die
Vorleistungsverflechtung und den Keynes-Multiplikator*) Zusatzeinkommen in H�he
von 1,25 Mill. DM! Zwei zus�tzliche
Arbeitspl�tze, die in diesem Zusammenhang bei den Theatern entstehen, schaffen
danach nahezu einen weiteren Arbeitsplatz in der �brigen
Wirtschaft!
Wenn das Einspielergebnis
niedriger ausfallen w�rde, verringerten sich allerdings die Einkommens- und
Besch�ftigungseffekte der staatlichen Zusch�sse. Weniger Einkommen und weniger
Besch�ftigung entstehen auch, wenn � bei unver�ndertem Einspielergebnis � die
Theaterbesucher ihre sonstigen Ausgaben an anderer Stelle einschr�nkten. Diese
�berlegung ist von besonderer Bedeutung im Zusammenhang mit den Nebenausgaben
von Theaterbesuchern (vgl. hierzu die Darstellung im Anhang)**)
Fazit der Untersuchungen des
IFO-Instituts:
Jede zus�tzliche Million DM,
die den �ffentlichen Theatern aus staatlichen Kassen zuflie�t, k�nnte � wenn man
weiterhin ein 20 %iges Einspielergebnis unterstellt � das 1,3fache (bei
�normalen� Theaterbesuchern) bzw. das 1,4fache (bei Festspielbesuchern oder
festlichen Theaterbesuchen) an Einkommen induzieren. Auch die
Besch�ftigungsmultiplikatoren w�ren h�her: Sie l�gen bei 1,6 (im Fall von
�normalen� Theaterbesuchen) bzw. bei 1,8 (im Fall von Festspielbesuchen oder
bzw. festlichen Theaterbesuchen).
*)
John M. Keynes erbrachte in seinem 1936 erschienenen Werk �Allgemeine
Besch�ftigungs-, Zins- und Geldtheorie� den wissenschaftlichen Beweis, dass in
bestimmten Situationen Volkswirtschaften aus eigener Kraft nicht mehr zur
Vollbesch�ftigung gelangen k�nnen. Die damalige Bundesregierung schuf deshalb im
Jahre 1967 das Stabilit�tsgesetz (Gesetz zur F�rderung der Stabilit�t und des
Wachstums der Wirtschaft).
**)
vgl. Dokumentation des 4. Theaterworkshops der Gewerkschaften �TV, DAG
und IG Medien (Auszug, Anhang)
Die Untersuchungen des IFO-
Institutes und die neueren Angaben aus Bremen und Z�rich werden durch
Untersuchungsergebnisse aus Nordrhein-Westfalen best�tigt: Danach sind von 1996
bis 1999 in NRW die Ums�tze im Kultursektor um 20,7 % auf 37,8 Mrd. Euro
gewachsen, das macht 3,6 % des Gesamtertrags aller Wirtschaftszweige in
Nordrhein- Westfalen aus. Parallel dazu kletterte auch die Anzahl der
Arbeitspl�tze im Kultursektor um 9% auf 278.000! *)
Aufgrund der o. g.
Untersuchungsergebnisse w�re es folgerichtig, wenn sich der Senat auf die
Dienstleistungsbranche Kultur neu besinnt und auf deren Verflechtung mit anderen
Wirtschaftszweigen. Die Verantwortlichen sollten endlich begreifen, wie
segensreich sich Investitionen in der Kulturbranche und speziell auf die
Berliner Theater auswirken w�rden.
3. Kritische Einsch�tzung
der Kulturpolitik
des
Berliner Senats
Berlin hat(te) Weltniveau . . .
�Berlin hat Weltniveau als
Wissenschaftsstandort. In Bio-, Medizin-, Verkehrs- und Informationstechnologie
haben wir eine ganze Menge an Know-how zu bieten. Auch als Medizinstandort wird
Berlin immer interessanter. Hier wirken sich die N�he zur Bundesregierung und
das Kulturangebot positiv
aus.�
Der Berliner
Wirtschaftssenator Gregor Gysi**)
Der Wirtschaftssenator
bewertet die Lage der Berliner Wirtschaft offensichtlich weit g�nstiger, als sie
sich tats�chlich darstellt:
Die allgemeine
Wirtschaftslage und eine daraus resultierende schwache Kaufkraft in der Region
wird zus�tzlich durch den Sparkurs des Senats weiter verschlechtert. Dringend
notwendige Wachstumsimpulse der �ffentlichen Hand bleiben
aus.
Berlin entfernt sich damit
immer weiter von seiner alten Gr��e und St�rke. Aktuelle Betriebsschlie�ungen,
Unternehmensverlagerungen und Insolvenzen machen deutlich, in welch angespannter
Lage sich die Berliner Wirtschaft befindet. Jeder Wegzug eines Unternehmens,
jede Insolvenz bedeutet f�r den Standort eine weitere Schw�chung. Dabei hat die
Metropole ohnehin schon an hoher Arbeitslosigkeit und Wachstumsschw�che zu
leiden. In den zwanziger Jahren war die Stadt der viertgr��te Industriestandort
der Welt, nach London, New York und Chicago.
Heute konzentriert sich die
Wirtschaftspolitik auf Wachstumsnischen. In den Bereichen Biotechnologie,
Umwelttechnik, Medien und neue Kommunikationstechnologie werden
Entwicklungschancen gesehen. Angesichts des Scheiterns industrieller
Gro�projekte ruhen die Hoffnungen nunmehr auf der innovativen
Gr�nderszene.
Aktuelle Umfragen und
Untersuchungen zum Wirtschaftsstandort Berlin haben jedoch ergeben, dass nicht
nur f�r die Bev�lkerung sondern auch aus der Sicht von Spitzenmanagern die Lebensqualit�t Berlins nur noch auf
einen mittleren Platz hinter M�nchen, Frankfurt am Main und D�sseldorf
einrangiert wird. Zur Lebensqualit�t z�hlen
nach einer Studie der
Unternehmensberatung William M. Mercer u. a. politische Stabilit�t,
Freiheitsrechte, Gesundheitsversorgung, Schulen, Restaurants und Theater.***) Was liegt n�her, als die
positiven Standortfaktoren, die die Stadt (noch) zu bieten hat, zu
st�rken?
*)
Quelle: Standortfaktor Kultur, in : Berliner Wirtschaft, Zeitschrift der
IHK Berlin, H.5, 52 Jahrg. Mai 2002
**) , zit. n.:
Frankfurten Rundschau, 11. April 2002,
***)
vgl. hierzu auch: DIW � Untersuchung Mai 2002 �ber die Kostenfaktoren der
�ffentlichen Theater (Anhang)
Statt dessen stranguliert
sich Berlin durch seine Sparpolitik! Die Stadt investiert viel zu wenig in ihre
Infrastruktur, warnte das Deutsche Institut f�r Wirtschaftsforschung (DIW)
bereits im Jahre 2000.*)
Durch radikale K�rzungen hat
der Senat bereits in den vergangenen Jahren die wirtschaftlichen
Wachstumspotenziale deutlich beschnitten; Berlin ist dadurch mittlerweile das
Schlusslicht bei der wirtschaftlichen Entwicklung der
Bundesl�nder.
Insbesondere die K�rzungen
bei den �ffentlichen Investitionsmitteln haben bereits in der Vergangenheit dazu
gef�hrt, dass heute die elementaren Voraussetzungen f�r einen attraktiven
Wirtschaftsstandort stark beeintr�chtigt sind: Neben schlechten Strassen,
unterfinanzierten Schulen und Hochschulen, Verfall der sozialen Infrastruktur,
weiterhin zu knappen Mitteln f�r Wissenschaft und Forschung, weiter steigender
Arbeitslosigkeit durch Stellenabbau in der �ffentlichen Verwaltung drohen nun
auch massive K�rzungen in der Kulturpolitik und desolate bauliche Zust�nde an den
Theatern und Opernh�usern durch fehlende Sachinvestitionen.
Durch den Senat wird auch
noch der Bereich, der fr�her Weltniveau hatte, der stets f�r die Attraktivit�t
des Standortes Berlins eine gro�e Rolle spielte, im wahrsten Sinne des Wortes
ruiniert: Die Berliner
Kulturlandschaft!
Was wir z. Z. erleben, ist
mehr als eine Finanzkrise. Bankendesaster und Haushaltsnotstand haben sich zur
Systemkrise entwickelt! Im Land Berlin ist das Ende der Politik, und damit auch
das Ende der Kulturpolitik zu besichtigen. Wir bef�rchten, dass Berlin weiter
verlottern wird, dass neben Schwimmb�dern und Schulen auch weitere
Kultureinrichtungen geschlossen werden. F�r eine solche Politik kann es aber
keine Akzeptanz geben!
Der Zerst�rung der
kulturellen Infrastruktur muss Einhalt geboten werden!
Die f�r die Sanierung der
Theater dringend ben�tigten Gelder m�ssen bereitgestellt
werden:
�
F�r die Staatsoper
200 Mio Euro
�
F�r das Deutsche
Theater
35 Mio
Euro
�
F�r das
carrousel-Theater
20 Mio
Euro
�
F�r die Volksb�hne
19 Mio
Euro
Insgesamt ist mit Ausgaben
von ca. 400 Mio Euro zu rechnen, um den Spielbetrieb nicht zu gef�hrden. Ohne
Investitionen geht es nicht!
Wir fordern, dass bei allen
Sparbem�hungen Investitionen nicht g�nzlich wegfallen d�rfen. Sonst ist in k�rzester Zeit die
Situation da, dass B�hnentechnik stillgelegt und Auff�hrungen gestrichen werden
m�ssen.
Wir haben die Besorgnis,
dass einige Berliner Theater und Opernh�user ohne die dringende notwendigen und
jahrelang hinausgez�gerten Investitionen nur noch als Ruinen bespielbar sind,
nach dem offensichtlichen Investitionsmotto des Senats: �Ruinen schaffen ohne
Waffen!�
Wie soll man die
kulturpolitische Einstellung des Finanzsenators sonst verstehen, der gesagt
haben soll: �Berlin nimmt nicht zu wenig ein, sondern gibt zu viel aus, auch f�r
Kultur�**) und das angesichts der von uns beschriebenen Zusammenh�nge von Kultur
und Arbeitspl�tzen, der dargestellten Besch�ftigungs- und Einkommenswirkungen
von staatlichen Kulturpolitik?
Darauf sollte man Herrn
Sarrazin ein Bibelzitat ans Herz legen, das da lautet:
�Darum bekenne ich, da� ich
habe unweislich geredet, das mir zu hoch ist, und nicht verstehe
��***)
Finanzsenator Sarrazin
kritisiert angeblich zu hohe Kulturausgaben: Pro 1000 Einwohner sollen es 179
Euro im Jahr sein, in Hamburg und Bayern �nur� 102 Euro.
Berlin habe 135 Theater und
170 Museen und 3 Opernh�user;
Hamburg nur 50 Museen und 40
B�hnen,
M�nchen 46 Museen und 59
B�hnen.
.
*)
Perspektiven der Finanzpolitik in Berlin, hrsg. v. DIW, November
2000
**)
zit.n. Frankfurter Rundschau, 11. Apr. 2002
***)
Buch Hiob, Kap. 42, Vers 3, nach der �bers. von Martin Luther, in: Die
Heilige Schrift, Altes Testament, Berlin 1895
Bei einer
Einwohnerzahl: Berlin
3,4 Mio
Hamburg
1,7 Mio
M�nchen
1,2 Mio
Herr Sarrazin sollte froh
sein, dass die Ausgaben f�r Kultur die Einnahmeseite seines Haushalts
st�rken!
Herrn Sarrazin m�sste aus
der Geschichte eigentlich bekannt sein, dass Berlin in den 20iger Jahren eine
Kulturmetropole von Weltrang war, aus der international bekannte K�nstler
hervorgegangen sind .
Herrn Sarrazin m�sste des
weiteren bekannt sein, dass Berlin
bis heute die jahrzehntelange Teilung nicht ganz �berwunden hat: zwei
vollst�ndig ausgestattete Gro�st�dte mussten zusammengef�hrt werden, alles war
doppelt vorhanden. 230 Mio DM Kulturzuschuss gab es vom Bund noch 1990, dann
jahrelang nichts mehr, schlie�lich 120 Mio DM lt. Hauptstadtkulturvertrag. In
dieser Zeit ging schon vielen verloren, ein Drittel der Besch�ftigten und 5
gro�e Theater:
(1) das Theater im Palast
der Republik (1990)
(2)
das Schillertheater (1993)
(3)
die Freie Volksb�hne-West (1992)
(4)
das Metropol-Theater (1997)
(5)
und nun das Theater des Westens!
Diese Schlie�ungen
schw�chen die Einnahmeseite im Haushalt!
Weitere, vom Finanzsenator
geplante Einsparungen im Kulturbereich sto�en jetzt auch in seiner eigenen
Partei anscheinend auf heftigen Widerstand. �Die kursierenden Zahlen sind
unrealistisch und viel zu hoch�, sagte die kulturpolitische Sprecherin der
SPD-Fraktion, Brigitte Lange, ��das
kann man nicht so hinnehmen!�.*)
Die Senatsverwaltung f�r
Wissenschaft, Forschung und Kultur soll in den n�chsten beiden Jahren insgesamt 170 Mio Euro einsparen. Davon sollen etwa 40 Mio Euro den
Kulturbereich betreffen, der einen Gesamtetat von etwa 370 Mio Euro
hat.
Lange kritisierte weiter, in
Berlin entstehe ein Klima der Verunsicherung, da die Zukunft der Kultur in der
Hauptstadt v�llig unklar sei. �Das ist �u�erst unproduktiv�.
Lange sieht im Kulturbereich
kaum noch Sparpotential. �Wir gehen ja davon aus, kein Haus zu schlie�en�. Zudem
d�rfe nicht auf Kosten der k�nstlerischen Vielfalt gek�rzt
werden.**)
Das Deutsche Institut f�r
Wirtschaftsforschung (DIW) warnt in seiner Untersuchung �ber die Kostenfaktoren
der �ffentlichen Theater vor einer weiteren Schlie�ung von Theatern. Dies d�rfe
nur die Ultima Ratio sein. Es wird auf die negativen Effekte einer Schlie�ung
verwiesen: schwindende kulturelle Ausstrahlung, sinkende Attraktivit�t der
Stadt, Verlust der Arbeitspl�tze u.a. ***)
Zum Thema Sparhaushalt und
Kulturetat stellen wir fest:
Der Kultursenator hat f�r
den Berliner Haushaltsentwurf hastig und planlos, ohne erkennbares Konzept, den
Kulturetat zusammengeflickt.
Die Freude �ber z. Z. nicht
geplante, weitere Theaterschlie�ungen d�rfte unserer Meinung nach verfr�ht sein.
Der eigentliche Sparhaushalt im Bereich Kultur kommt sp�testens im Jahre 2004
auf uns zu.
Eine schon jetzt vorhandene
Deckungsl�cke ist der Kn�ppel, der geschwungen wird, um fl�chendeckend zu
sparen. Weitere 5 % des Jahresbudgets sollen eingespart werden, weiterer
Personalabbau wird von den staatlichen B�hnen verlangt. Neue Belastungen, die
aufgrund von dringend sanierungsbed�rftigen B�hnen auf ca. 400 Mio Euro
gesch�tzt werden (siehe Aufstellung Investitionsbedarf) sind noch gar nicht
eingeplant!
*)
zit. n. dpa/taz v. 13.03.2002
**)
ebenda
***)
Julio R. Robledo: Die Kostenfaktoren der �ffentlichen Theater in
Deutschland in: DIW-Wochenbericht Nr. 21/2002
Weitere Sparma�nahmen durch
Personalabbau, Ausgliederungen und Fremdvergabe, K�rzung von staatlichen
Zusch�ssen und Schlie�ung einzelner H�user k�nnen keine Fortschritte zur
Sanierung des Berliner Haushalts bringen! Im Gegenteil: Sie schm�lern die
Magnetwirkung der Berliner Theaterlandschaft auf den Tourismus.
Die Festspiele von Bayreuth
finden in Berlin sozusagen im Sommer und
Winter statt!
Am knappen Kulturetat von 370 Mio Euro f�r Dutzende von Theatern,
Opern, Orchestern und Museen (gerade mal 2,3 % des Gesamtetats) sind keine
Summen einzusparen, die die
Berliner Schuldenlast von mind. 42 Mrd. Euro nennenswert verringern
k�nnten. Statt weiterer Einsparungen sollte man den Anziehungspunkt Kultur- und
Theaterlandschaft wie bisher, ja sogar noch intensiver, f�rdern! Schlie�lich
bringt jeder investierte Euro vielfachen Ertrag; jede verkaufte Theaterkarte
erwirtschaftet Gewinn (siehe ifo- Untersuchung).
Den verantwortlichen
Kulturpolitikern sollte klar sein, dass eine vielf�ltige B�hnenlandschaft mit
entwickelter k�nstlerischer Qualit�t
einen wesentlichen
Wirtschaftsfaktor darstellt und unmittelbar oder mittelbar positive
Folgewirkungen erbringt, f�r :
�
die Berliner
Fremdenverkehrsbranche, insbes. f�r die Hotels- und
Gastst�tten
�
die Medien, insbes. f�r die
Presse, Rundfunk, Fernsehen
�
den �ffentlichen
Nahverkehr
�
die sonstigen
Dienstleistungen usw.
Kultur ist ein wichtiges Gut
in der Gesellschaft; wir sind nicht nur Sozialstaat, sondern auch Kulturstaat!
Die kulturelle Substanz ist zu erhalten (vgl. Art. 35
Einigungsvertrag)!
4. Anmerkungen zur
Koalitionsvereinbarung
zwischen der SPD und der PDS
f�r die Legislaturperiode 2001 - 2006
In der
Koalitionsvereinbarung zwischen der SPD, Landesverband Berlin, und der PDS,
Landesverband Berlin, hei�t es im Abschnitt 23 �Kulturstadt Berlin�: dass � ...
die Vielfalt Berliner Kultur, das Neben- und Miteinander von Hoch- und
Off-Kultur, von �berregional bedeutsamen Einrichtungen (...) eine der
wesentlichen Zukunftsressourcen der Metropole�� sei, und dass Berlin als
Kulturmetropole �internationale Ausstrahlung und Lebensqualit�t� besitze.*)
Dick zu unterstreichen ist
die Aussage, dass langfristige Planungssicherheit erforderlich sei, um
diese vielf�ltige B�hnenlandschaft zu erhalten. Aus diesem Grunde fordern wir
langfristige Unternehmenssicherungsvertr�ge (siehe Abschnitt:
11).
Zielsetzung der
Kulturpolitik soll die Sicherung und Weiterentwicklung der k�nstlerischen
Qualit�t und der Profile der Einrichtungen und die Erh�hung der
Zuschauerakzeptanz und die Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz sein).
Es wird bezweifelt, ob eine Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz bei den
�derzeit nach � 26 LHO gef�hrten�, landeseigenen B�hnen m�glich sei;
Rechtsform�nderungen werden angek�ndigt.**)
Wir sind der Auffassung,
dass Rechtsform�nderungen nicht notwendig, ja abzulehnen sind, und dass
die sog. LHO-Betriebe sehr wohl wirtschaftlich effizient gef�hrt werden k�nnen
(vgl.
hierzu den Abschnitt 9).
*)
Koalitionsvereinbarung
zwischen SPD und PDS, Legislaturperiode 2001-2006
**)
Koalitionsvereinbarung, a.a.O.
Nach der
Landeshaushaltsordnung, � 26, haben die staatlichen B�hnen einen
Wirtschaftsplan aufzustellen. Der Wirtschaftsplan �umfasst einen Erfolgs- und einen Finanzplan.
Im Erfolgsplan sind die im Wirtschaftsjahr voraussichtlich anfallenden
Aufwendungen und Ertr�ge nach Art einer Gewinn- und Verlustrechnung
darzustellen.
Im Finanzplan sind
die geplanten Ma�nahmen zur Vermehrung des Anlage- und Umlaufverm�gens,
Schuldentilgungen und Gewinnabf�hrungen sowie die zu erwartenden Deckungsmittel
darzustellen. Im �brigen sind, soweit der Senator f�r Finanzen im Einzelfall
nichts anderes bestimmt oder zul�sst, f�r den Wirtschaftsplan, den
Jahresabschluss und den Gesch�ftsbericht die Vorschriften des
Eigenbetriebsgesetzes entsprechend anzuwenden.�*)
Die staatlichen B�hnen
wirtschaften folglich wie ein �...erwerbswirtschaftlicher Betrieb, der sich den
Erfordernissen des freien Wettbewerbs anzupassen hat�.**)
Zu der in der
Koalitionsvereinbarung beabsichtigten Reform der Tarifvertragsstrukturen im
k�nstlerischen und nichtk�nstlerischen Bereich soll gemeinsam mit den
Gewerkschaften und dem Deutschen B�hnenverein ein �Berliner Modell� entwickelt
werden. Tarifvertr�ge sollen auf die b�hnenspezifischen, wirtschaftlichen und
k�nstlerischen Notwendigkeiten ausgerichtet und bestehende Regelungen
vereinheitlicht werden. Sollte dies nicht gelingen, k�ndigt Berlin an, aus dem
Deutschen B�hnenverein auszutreten.
Dieses Vorhaben, dass mit
einer Flucht aus den Fl�chentarifvertr�gen gleichzusetzen w�re, wird von der
Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di abgelehnt. Personalr�te und
Besch�ftigte haben sich in der Vergangenheit bereits mehrfach f�r die
Erhaltung der Tarifvertr�ge ausgesprochen (siehe hierzu Abschnitt 8).
Weitere angek�ndigte
�Strukturreformen� und �Strukturma�nahmen� m�ssen erst noch konkretisiert und
auf ihren Sinngehalt sowie die Zweckm��igkeit �berpr�ft werden. Zur Umsetzung
einzelner Strukturma�nahmen soll den B�hnen ein B�hnenstrukturfonds zur
Verf�gung gestellt werden. Die Werkst�tten der Landesb�hnen sollen unter
Beibehaltung ihrer B�hnenn�he hinsichtlich einer Konzentration von Potentialen
und der Verbesserung ihrer Kooperation �berpr�ft werden. Weitere Verbundl�sungen
im nichtk�nstlerischen Bereich sollen gepr�ft werden; dem Marketingbereich soll
dabei besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Die drei Opernh�user haben
nach der Koalitionsvereinbarung eine wirksame und nachhaltige
Spielplanabstimmung zu gew�hrleisten, die ein international konkurrenzf�higes
Opernangebot, deutlich unterscheidbare k�nstlerische Profile und
unverwechselbare Programmkonturen sicherstellt. Zur F�rderung des Nachwuchses
und der zeitgen�ssischen Oper sollen Kooperationsmodelle mit der freien Szene
unterst�tzt werden. In der Koalitionsvereinbarung ist die zutreffende
Feststellung enthalten, dass der bauliche Zustand der staatlichen B�hnen
Besorgnis erregend ist und zunehmend die Arbeitsf�higkeit der H�user gef�hrdet.
Leider fehlen entsprechende Mittel f�r Bauinvestitionen im Haushaltsplan! Die
Kulturf�rderung und Kulturverwaltung soll �reformiert� werden; dabei sollen
ausdr�cklich Besitzst�nde nicht gewahrt werden, sondern es soll �Raum und
Platz� gegeben werden, um auf �neue Entwicklungen� zu reagieren bzw. diese
ansto�en zu k�nnen.
*)
zit. n. AV LHO � 26; Erl�uterungen zur
Landeshaushaltsordnung
**)
zit. n. AV LHO � 26; Erl. � (s.o.)
Diese nebul�sen
Formulierungen werden in der Koalitionsvereinbarung durch Stichworte
wie
�
Planungssicherheit,
Eigenverantwortung, Rahmenvereinbarung, Erhaltung der vielf�ltigen Berliner
B�hnenlandschaft, wirksame Strukturreformen, inhaltliche/ organisatorische
Ma�nahmen und Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz
erg�nzt.
Das Ziel soll
sein,
�
langfristig ausgeglichene
Betriebsergebnisse unter Einhaltung der vereinbarten Zusch�sse zu erreichen,
leistungsorientierte Kriterien sowie Anreiz- und Steuerungsm�glichkeiten zu
schaffen.
Eine Kulturpolitik, die
diese Ziele konkretisiert, ist z. Z., wenn �berhaupt, nur in Ans�tzen erkennbar.
Was jedoch konkret erkannt werden kann, sind die negativen Auswirkungen der
Sparpolitik:
Seit dem Jahr 1992 sind im
�ffentlichen Dienst schon mehr als 67.000 Arbeitspl�tze abgebaut worden, hierzu
geh�ren auch die Arbeitspl�tze bei den staatlichen B�hnen. Es sollen noch mehr werden. Darauf hat
sich die SPD-PDS-Koalition verst�ndigt. Der Kassensturz des neuen Finanzsenators
Sarrazin offenbart einen tiefen Blick in ein Fass ohne Boden. Berlin sitzt in
der Schuldenfalle, daraus ergibt sich
folgende Situation: Berlin kann sparen, soviel es will; durch den Zins-
und Schuldendienst von z. Z. 6,3 Mio Euro t�glich werden alle Einsparbem�hungen
wieder aufgefressen.
Beispiele:
Die Einsparung von einer
Mrd. Euro Personalkosten in der �ffentlichen Verwaltung ist innerhalb von ca. 4
Wochen �verfr�hst�ckt�.
Der Abbau von �ffentlichen
Zusch�ssen f�r Theater, wie z. B. 9,2 Mio f�r das Hansa-Theater, bringt den
Berlinern ganze 27 Stunden Zinsfreiheit.
Die in die Diskussion
gebrachte Schlie�ung eines von 3 Opernh�usern k�nnte das �gro�e Loch im Eimer�
(Sarrazin) nicht stopfen, w�rde jedoch die kulturelle Vielfalt in der
Kulturmetropole Berlin empfindlich treffen. In der Vergangenheit erbrachte
Sparopfer w�rden in wenigen Minuten durch die Zinsfalle zunichte
gemacht.
Wir haben nichts gegen
sinnvolle Sparkonzepte.
Wir wehren uns
aber
�
gegen weitere Fremdvergabe
von Leistungen
�
gegen konzeptionsloses
Kaputtsparen
�
gegen weitere Ausgr�ndungen
und Privatisierungen
Wir warnen vor einer
Sparpolitik, die zu Verlusten f�hrt:
Bei der Staatsoper legen
mittlerweile jahrelang verz�gerte Erhaltungs- und Ersatzinvestitionen den Spielbetrieb lahm und f�hren zu
Einnahmeausf�llen.
Sparma�nahmen und
Personalabbau f�hren zum Einsatz von Fremdfirmen und Externen. Statt
eingearbeitetem, qualifizierten Fachpersonal in allen Bereichen des Theaters
kommt es durch Fremdfirmeneinsatz zu Mehrkosten. Mehrarbeit der Stammbelegschaft
f�hrt zu Kostensteigerung.
5.
Standpunkt zu den
Ergebnissen der Expertenkommission
Staatsaufgabenkritik
Der Berliner Senat hatte am
14. M�rz 2000 die Einsetzung einer Expertenkommission beschlossen. Vorsitzender war der
Bundesminister a. D. Prof. Dr. Rupert Scholz, CDU-MdB. Die Expertenkommission
sollte u. a. begutachten, welche staatlichen Aufgaben in welchem Umfang
wahrgenommen und wie Kostensenkungen einerseits sowie Qualit�tsverbesserungen
andererseits erzielt werden k�nnen. Dem Senat wurden mit dem Abschlussbericht
Vorschl�ge f�r einen �wirkungsvollen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung durch
Abbau von Ausgaben des Landes Berlin� gemacht.
Die Expertenkommission kommt
zu der Auffassung, dass die Staatsaufgaben auf den �Pr�fstand� geh�ren und
schl�gt vor, staatliche Aufgaben in
a) staatliche Kernaufgaben
(verfassungsrechtlich vorgegeben) und
b) sonstige vom Staat
wahrgenommene Aufgaben
einzuteilen.
Zu den �sonstigen Aufgaben�
soll u. a. die ... �bisher in �ffentlicher Tr�gerschaft wahrgenommene (...)
Erstellung von �ffentlichen G�tern und Dienstleistungen ...� geh�ren. Der Staat
solle zwar die Erf�llung �ffentlicher Aufgaben (Dienste und G�ter)
gew�hrleisten, diese Dienstleistungen und G�ter m�ssen jedoch nach Auffassung
der Kommission nicht in �Eigenproduktion� erstellt werden (vgl. Abschn. II Ziff.
7 des Abschlussberichts).*)
Die Expertenkommission
fordert den Senat auf, in eine �m�glichst umfassende Wettbewerbssituation�
einzutreten und s�mtliche Bereiche mit �anderen �ffentlichen Aufgaben� in den
Wettbewerb mit anderen Anbietern zu stellen (vgl. Abschn. II, Vorschlag
2).
Beispielhaft werden
genannt:
�
Facility-Management
(Hausverwaltung, bauliche Unterhaltung, Pf�rtnerdienst,
Botendienste)
�
Fort- und
Weiterbildungseinrichtungen
�
IT-Angebote (Hardware,
Software, Betreuung, Schulung etc.)
�
das gesamte Bauwesen
(Hochbau, Tiefbau, bauliche Unterhaltung).
Diese und andere Bereiche sollen in Zukunft zu �konkurrenzf�higen Kosten� arbeiten. Zwar sind die staatlichen B�hnen in dem Abschlussbericht nicht ausdr�cklich erw�hnt, die Expertenkommission hat auch keine Vorschl�ge f�r strukturelle Ver�nderungen in den Berliner Kultureinrichtungen gemacht, jedoch sind einige Vorschl�ge der Expertenkommission, die die staatlichen B�hnen betreffen, bereits in der Umsetzungsphase (z. B. Facilitymanagement).**) Die Expertenkommission bereitet argumentativ den R�ckzug des Staates aus zahlreichen Verantwortungsbereichen vor und ebnet den politischen Weg weiterer Ausgliederungen und Privatisierungen (siehe hierzu Abschn. Nr.10 Privatisierung und Outsourcing).
*)
Expertenkommission Staatsaufgabenkritik, Abschlu�bericht, 23. Nov.
2001
**)
vgl. 50- Punkte- Programm zur Sanierung des Berliner Haushalts
(Anhang)
Bemerkenswert ist der
Vorschlag der Expertenkommission einer �Produktivit�tsdividende�
f�r den Personalhaushalt des
Landes Berlin, der wohl auch die Besch�ftigten des Landes bei den staatlichen
B�hnen betreffen d�rfte. In Abschn. IX, Ziff. 4f des Abschlussberichtes wird zum
Thema �Produktivit�tsfortschritt� folgendes ausgef�hrt:
�Mangels unternehmerischer
Gewinnerzielung kann f�r den �ffentlichen Sektor kein methodisch dem
Privatsektor entsprechender Produktivit�tsfortschritt ermittelt werden.
Rationalisierungen sind zwar in der �ffentlichen Verwaltung wegen ihres
Dienstleistungscharakters schwieriger zu realisieren als z. B. in
Industrieunternehmen. Es ist aber grunds�tzlich anzunehmen, dass ein
Produktivit�tsfortschritt �hnlich wie in vergleichbaren
Dienstleistungsunternehmen stattfindet bzw. durchgesetzt werden kann und sollte.
Er kann pauschal auferlegt werden, indem die o.a. globalen Personalbudgets mit
einer j�hrlichen �Produktivit�tsdividende� von z. B. 1,5 % bzw. 1 % belegt
werden. Wie die Beh�rden diesen verordneten Produktivit�tsfortschritt
erwirtschaften, bleibt ihnen �berlassen. Durch die j�hrliche Wiederkehr entsteht
allerdings ein allgemeiner Rationalisierungsdruck, der die eigen-st�ndigen
Anstrengungen der Verwaltungen zur Verbesserung ihrer Arbeitsprozesse dauerhaft
am Leben h�lt.
Die �Ertr�ge� dieser
Produktivit�tsdividende sind z. T. zur Konsolidierung zu verwenden, k�nnen z. T.
aber auch f�r neue Aufgaben bzw. Aufgaben mit wachsender Bedeutung verwendet
werden.�
Die SPD-PDS-Koalition will
das Land Berlin wie ein Unternehmen f�hren (�Unternehmen Verwaltung�). Dazu
liefert die Expertenkommission die
Konzepte, die angeblich zur F�hrung des Landes Berlin nach unternehmerischen
Grunds�tzen (was immer das hei�en mag) beitragen und aus der Schuldenfalle
f�hren sollen. Der Erfolg l�sst jedoch weiterhin auf sich warten. Im Gegenteil:
�Unternehmerisches Handeln� der Bankgesellschaft- Berlin f�hrte jetzt dazu, dass
das Land sich zus�tzlich �ber 30 Jahre lang mit Geld verschuldet, welches gar
nicht vorhanden ist. Diese Milliarden Euro h�tten ausgereicht, jahrelang der
Berliner Kulturlandschaft zu einer neuen Bl�te zu verhelfen
.
Die Expertenkommission
schl�gt vor, unternehmerische Grunds�tze noch st�rker zur Anwendung zu bringen.
�bertragen auf die staatlichen B�hnen hei�t das, diese sollen wie Unternehmen
gef�hrt werden. Betriebswirtschaftliche Grunds�tze, wie sie f�r die private
Wirtschaft gelten, sollen Anwendung finden. Abgesehen davon, dass die oft
beschworenen �betriebswirtschaftlichen Grunds�tze� auch kein Allheilmittel sind
(siehe Bankgesellschaft Berlin) k�me wohl kaum ein privatwirtschaftlich
gef�hrtes Unternehmen auf die Idee, seine g�ngigen Produkte, mit denen es
Ertr�ge erzielt, vom Markt zu nehmen. Aber genau dies macht der Berliner Senat
seit geraumer Zeit: Ein Theater nach dem anderen wird durch die Sparpolitik
ruiniert und muss dann schlie�en. Das Argument, man schlie�e ja keine B�hne,
sondern reduziere bzw. streiche lediglich die Zusch�sse, muss f�r die
Besch�ftigten und das treue Theaterpublikum wie glatter Hohn
klingen.
Nach den Vorschl�gen der
Expertenkommission soll die Arbeitsproduktivit�t j�hrlich um 1 %- 1,5%
gesteigert werden. Marx schreibt �ber die Arbeitsproduktivit�t, dass ihr
�historischer Beruf� in der kapitalistischen Produktionsweise �... die r�cksichtslose, in geometrischer
Progressive vorangetriebene Entfaltung der Produktivit�t der menschlichen Arbeit
(ist)�.*)
Er schreibt ferner: �Masse und Wert der angewandten Maschinerie
w�chst mit der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit
(...).**)
Dies bedeutet, dass die
Steigerung der Arbeitsproduktivit�t durch Maschineneinsatz und Kapital zu dem
Prozess f�hrt, den wir als �Rationalisierung� bezeichnen. Angesichts der
Tatsache, dass wir z. Z. eine konjunkturelle Schw�cheperiode erleben, verbunden mit einem
drastischen R�ckgang des Steueraufkommens, mutet es geradezu wie Schwachsinn an,
*)
Karl
Marx, Das Kapital Band III, S. 272
**)
Karl Marx, a.a.O., S. 118
wenn das Land Berlin seine
ertragstarken Produkte, die es auf dem Dienstleistungsmarkt noch anzubieten hat,
n�mlich die aus der kulturellen
Produktpalette, die Angebote der Theater und Opernh�user,
wegrationalisiert; damit werden alle Impulse f�r mehr Besch�ftigung und
Einkommen abgew�rgt! Wenn hier nicht schleunigst das Steuer herumgerissen wird,
ist die Zeit nicht mehr fern, in der kaum noch ein Tourist sich in die ehemalige, nun
ver�dete Kulturlandschaft Berlin verirren wird. Jung-dynamischen und kulturell
interessierte Unternehmer/innen und B�rger/innen werden dann angesichts der
zuk�nftigen verarmten kulturellen Steppenlandschaft nach mehrj�hriger
Kahlschlagpolitik wom�glich sagen: �Nichts wie weg hier...!� Zum Gl�ck ist es
soweit noch nicht gekommen; ein solches Szenario entspricht noch nicht der
gegenw�rtigen Situation.
Jean van Daalen,
Vizepr�sident des Hotel- und Gastst�ttenverbandes und Mitglied des Pr�sidiums
der IHK- Berlin, spricht (noch) von der �starken Anziehungskraft�, die vom
kulturellen Sektor auf den Tourismus ausgeht, und dass f�r Berlin- Besucher die
kulturelle Szene nach wie vor � der Magnet schlechthin� sei.*) Volksb�hnenchef
Frank Casdorf hat lt. Berichterstattung des � Spiegel� aber schon die � die
Schnauze voll von dieser Stadt�, die ihn zwinge, �wie eine Nutte auf den Strich
zu gehen��, um sich ein paar Mark f�r sein Theater �zusammenzubetteln�**) und
Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles droht damit; dass er, w�rden ihm
versprochene Zusatzmittel gestrichen, die Stadt verlassen wird:��dann bin ich
weg- und zwar blitzartig�.***)
Fest
steht:
In den Theatern, Konzert-
und Opernh�usern l�sst sich nichts mehr einsparen, l�sst sich niemand mehr durch
Maschinen ersetzen! Es kommt, anders als in der von Marx beschriebenen
und von Unternehmensberatern favorisierten industriellen Produktionsweise im
kulturellen Bereich, vor allem bei Schauspiel-, Oper-, Ballett und
Konzertveranstaltungen auf die menschliche Arbeitskraft des
k�nstlerischen und nichtk�nstlerischen Personals, auf eine kompetente
Theaterleitung und f�hige Intendanten an. Da gibt es keine
Rationalisierungsreserven mehr- da kann das Ziel nicht weitere
�Ausgabek�rzungen� sondern nur �Einnahmesteigerungen� hei�en!
6. Zur gegenw�rtigen
Personalsituation und zu den Folgen eines weiteren
Personalabbaus
Im Land Berlin wurden seit
dem Jahr 1992 insgesamt 62.000 Stellen abgebaut. Mehr als ein Viertel des
Stellenbestandes ist seit der Vereinigung nicht mehr vorhanden. Der Stellenabbau
ist z. T. �aufgabenkritisch�, z. T. durch Rationalisierung, z. T. durch
Kapazit�tsr�ckg�nge (Sch�lerr�ckg�nge), z. T. durch Ausgliederungen
(Outsourcing) und Privatisierungen erreicht worden, in gro�em Umfang aber auch
durch Arbeitsverdichtung.
Sogar die Expertenkommission
ist zu der Einsch�tzung gelangt, dass �� f�r Arbeitsverdichtung nunmehr nach
allgemeiner Einsch�tzung kein Raum mehr (ist)�!****)
In der
Koalitionsvereinbarung haben sich SPD und PDS darauf verst�ndigt, weitere 1,074
Euro (= 2,1 Mrd. DM) bei den Personalkosten einzusparen. In den n�chsten Jahren
wird es nach gewerkschaftlicher Sch�tzung zu einem weiterem rasanten Abbau in
einer Gr��enordnung von 60.-80.000 Stellen kommen. Dies ergibt sich aus den
aktuellen vorliegenden Daten (Stand: Juni 2002).
*)
Zit.n; Berliner Wirtschaft, Standortfaktor Kultur, a.a.O.
**)
Zit.n.; Der Spiegel, H.24/2002 V.10.Juni 20
***)
Zit.n. Der Spiegel, a.a.O
****)
vgl. Expertenkommission, a.a.O., S. 39
Von diesen
Stellenstreichungen werden auch die Besch�ftigten in den Staatlichen B�hnen
betroffen sein. Angestrebt wird z. B. die �nat�rliche Fluktuation� zu
forcieren.
Der Senat will mit den
Gewerkschaften u. a. verhandeln �ber:
-
die Umverteilung von
Arbeitszeit und Einkommen;
-
die m�glichst umfassende
Anwendung des Altersteilzeitgesetzes;
-
den zeitlich begrenzten
Verzicht auf Lohn- bzw. Einkommensbestandteile.
Bereits in der Vergangenheit
ist es zu einem erheblichen Personalabbau gekommen:
Beispiel:
carrousel-Theater 1989 - 2000
Personalabbau von 242 auf 121 Besch�ftigte
Arbeitsplatzverlust:
-121
in Prozent:
50 %
Personalstand (Stichtag:
31.12. des Jahres)
1989
242
1990
177
-65
1991
182
5
1992
171
-11
1993
174
3
1994
171
- 3
1995
171
0
1996
168
- 3
1997
156
-12
1998
151
- 5
1998
141
-10
1999
135
- 6
2000
121
-14
Gesamt:
-121
Folgen f�r die
Besch�ftigten: Stress, Mehrarbeit, erh�hter Krankenstand,
Motivationsverlust
Beispiel:
Deutsche
Oper 1991 -
2002
Personalabbau von 959 auf 720 Besch�ftigte
Arbeitsplatzverlust:
-239
in Prozent:
24,9 %
Personalstand
1971
931
1976
940
1980
852
1991
959
1993
943
1994
904
1995
887
1996
857
1997
806
2000
760
2001
739
2002
720
Gesamt: -
239
Folgen f�r die
Besch�ftigten: Personaleinsparungen
werden �berwiegend mit Mehrarbeit und zus�tzlicher Belastung der Besch�ftigten
mit den daraus resultierenden Folgen wie z. B. Stress, Infarkte, andauernde
Arbeitsunf�higkeit, Fr�hverrentung �bezahlt�
worden.
Folgen f�r die Bev�lkerung:
Weniger kulturelle Angebote; R�ckgang k�nstlerischer
Qualit�t.
Beispiel:
Deutsches
Theater/Kammerspiele
1989 - 2001 Personalabbau von 485 auf 300
Besch�ftigte
Arbeitsplatzverlust:
-185
in Prozent:
38,1 %
Personalstand
1989
485
1995
408
2000
349
2001
300
Gesamt:
-
185
Folgen f�r die
Besch�ftigten: Arbeitsverdichtung, Arbeits�berlastung des Personals,
�beralterung des Personals, Zeitmangel, gestresstes
Personal.
Gesamtfolgen f�r die
Bev�lkerung und die Tourismusbranche : Weniger kulturelle Angebote, R�ckgang
k�nstlerischer Qualit�t, keine hochkar�tigen Inszenierungen und
Weltklassekonzerte mehr.
Die negative
Personalentwicklung bei den staatlichen B�hnen in Berlin folgt nicht nur dem
bundesweiten Trend, er geht sogar dar�ber hinaus. Durchschnittlich 1/3 aller
Stellen gingen seit der Vereinigung bei beiden Stadth�lften verloren. Bundesweit
sind seit der Wiedervereinigung in deutschen Theatern und Orchestern rund 6.000
von urspr�nglich 45.000 Stellen abgebaut worden.
Allein bei den Orchestern
sind bundesweit seit 1992 von 12.500 Planstellen f�r Musiker 1.770 gestrichen
worden. Diese Ma�nahmen haben drei Hauptleidtragende:
- de betroffenen
Besch�ftigten,
- die betroffenen Zuh�rer,
Zuschauer und die Tourismusbranche.
Da die Stellen zwar abgebaut
worden sind, aber die Arbeit weiterhin geschafft werden muss, greifen die
gesch�ftsf�hrenden Direktoren zu der Notma�nahme, Aushilfskr�fte f�r den
technischen Bereich einzustellen. Dies f�hrt wiederum zur Steigerung der
Personalkosten und belastet den Landeshaushalt, so dass Einsparpotenziale sich
wieder aufheben ( siehe hierzu die Personalkostenberichte im
Anhang).
F�r die Besch�ftigten ergibt
sich bei der gegenw�rtigen Kulturpolitik neben dem oben gesagten das Problem der
Sicherheit des Arbeitsplatzes, die Frage nach den erworbenen Rechten der
sozialen Sicherheit und schlie�lich der Motivation.
Sie werden konfrontiert
mit
�
Zwang zu
Kostensenkungen
�
Wettbewerbsdruck und
Konkurrenz
�
Outsourcing und
Privatisierung
�
weiteren
Stellenabbau
�
weniger
Auszubildenden
�
Abbau von
Schutzrechten
�
weiteren
Rationalisierungsma�nahmen
�
weiterer
Leistungsverdichtung
�
dem Vorhaben, keine
Tarifl�hne und Tarifgeh�lter mehr zu zahlen
�
einer �ffentlichen
Diskussion �ber evtl. betriebsbedingte K�ndigungen
Es ist deshalb von gro�er
Wichtigkeit, nicht nur Planungssicherheit f�r die Leitungen der staatlichen
B�hnen, sondern auch Planungssicherheit f�r die Besch�ftigten
wiederherzustellen! Insofern ist es wichtiger denn je, den Besch�ftigten im
Rahmen eines Personalentwicklungskonzeptes Berufsperspektiven
aufzuzeigen.
Wir fordern ein
Personalentwicklungskonzept, um neben
�
einer sorgf�ltigen
Bildungsbedarfsanalyse
�
die Aus- und Weiterbildung
zu verst�rken sowie
�
eine systematischen
F�hrungskr�fte- Fortbildung sicherzustellen
Insbesondere sind
gezielt
�
�ltere Besch�ftigte,
Leistungsgeminderte, Besch�ftigte mit gesundheitlichen Beeintr�chtigungen,
Frauen mit Familie, Berufsr�ckkehrerinnen, Schwerbehinderte und
Alleinerziehende;
�
Nachwuchs- und
Nachwuchsf�hrungskr�fte sowie die Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter;
�
Besch�ftigte aus Bereichen
mit Personal�berh�ngen zu f�rdern.
Das Land Berlin wird
aufgefordert, auch bei den staatlichen B�hnen jungen Menschen durch die
Schaffung zus�tzlicher Ausbildungspl�tze eine berufliche Perspektive zu
er�ffnen. Dies schlie�t die �bernahme nach erfolgreich abgeschlossener
Ausbildung ein. Auszubildende, die in Ausbildungsberufen ausschlie�lich f�r den
�ffentlichen Dienst ausgebildet werden, sind in unbefristete Arbeitsverh�ltnisse
zu �bernehmen.
Wir fordern die
Verantwortlichen auf, ihrer Verantwortung als Arbeitgeber angesichts von Dauer-
und Massenarbeitslosigkeit gerecht zu werden und alle Besch�ftigungs- und
Ausbildungsm�glichkeiten zu nutzen.
Es ist inkonsequent und
zynisch, von den Arbeitgebern der freien Wirtschaft und von den Arbeitnehmern im
B�ndnis f�r Arbeit einen Beitrag zur Besch�ftigungssicherung und -f�rderung
einzufordern und selbst weiter Personal abzubauen.
7.
Zum Thema �Steigerung der
wirtschaftlichen Effizienz�
Vor dem Hintergrund
drohender massiver Einschnitte im Kulturetat sind in der Koalitionsvereinbarung
�wirksame Strukturma�nahmen� angek�ndigt worden. Angesichts einer strukturellen
Unterfinanzierung in den letzten Jahren soll nun eine �Steigerung der
wirtschaftlichen Effizienz� erfolgen, um langfristig ausgeglichene
Betriebsergebnisse der B�hnen zu erreichen, und so den Zuschussbedarf des Landes
Berlin zu senken.
Wir warnen davor, Theater
und Opernh�user einfach wie �normale� Unternehmen zu behandeln. Die bereits von
der Expertenkommission Staatsaufgabenkritik (der sog. Scholz-Kommission)
vorgeschlagene Produktivit�tssteigerung w�rde sich nach unserer Auffassung
verh�ngnisvoll auswirken.
L�sst sich dieses
Produktivit�tsziel (1 %- 1,5% j�hrl. Steigerung) einfach auf die staatlichen
B�hnen �bertragen? Durch welche Ma�nahmen soll angesichts des bereits in den
letzten Jahren erfolgten Personalabbaus denn die Produktivit�t noch gesteigert
werden? Die Personalr�te und Besch�ftigten der staatlichen B�hnen sind
grunds�tzlich bereit, sinnvolle Ma�nahmen zur Steigerung der wirtschaftlichen
Effizienz mit zu tragen.
Ein Mehrsparten-Haus mit
anspruchsvollem Programm kann jedoch nicht, wie beispielsweise ein
Revue-Theater, ohne staatliche Zusch�sse auskommen! Kostensenkungsma�nahmen, die
das Ziel verfolgen, auf ein populistisches Kulturprogramm zu reduzieren, werden
von uns abgelehnt.
Und: Genauso wie man die
ersten 16 Geiger eines Orchesters nicht runterschrumpfen kann, ist es auch nicht
m�glich, von den Schauspielern eines Ensembles einfach jedes Jahr 1% -1,5% der
Mitglieder wegzurationalisieren!
Die personelle Ausd�nnung bei dem sog.
Nichtk�nstlerischen Personal, den
�
B�hnenhandwerker/innen
�
Beleuchter/innen
�
Inspizient/innen
�
Souffleusen
�
B�hnenbildner/innen
�
Ankleider/innen
�
Requisiteur/innen
�
Tontechniker/innen
�
Maskenbildner/innen
�
Pf�rtner/innen
und
�
Kraftfahrer/innen sowie bei
�
den zentralen
Diensten
ist bereits so weit
fortgeschritten, dass weitere Sparma�nahmen sich kontraproduktiv auswirken
w�rden. Weiterer Personalabbau als Sparma�nahme w�rde bei den Besch�ftigten, die
in den letzten Jahren ihre Bereitschaft zum Sparen bereits hinl�nglich unter
Beweis gestellt haben, fatale Wirkungen ausl�sen. Die Besch�ftigten w�rden
demotiviert, was unmittelbare Auswirkungen auf den Spielbetrieb h�tte, nach dem
Motto: "Weine nicht,
Bajazzo..."
Sollen die B�hnen etwa
kaputt gespart werden? Kultur (und Wissenschaft) ist das Einzige, was diese
Stadt (noch) hat!
Kultur interessiert nicht
nur die Theater- und Operng�nger Berlins, sondern auch die Touristen/den
Tourismus. Bei der Kultur sollte man deshalb nicht weiter sparen! Das von den
Berliner B�hnen geforderte Profil l�sst sich nicht administrieren. So etwas muss
sich entwickeln und darf nicht kaputt gespart werden. Kulturpolitik darf sich
nicht in die K�nste einmischen � damit ist bereits die DDR-Kulturpolitik
gescheitert!
Ist die Sparpolitik
��konomisch vern�nftig�?
Personalabsenkungen in der
Vergangenheit haben bereits dazu gef�hrt, dass w�hrend des Proben-Betriebs keine
Vorstellungen im Foyer oder auf Nebenb�hnen mit den Besch�ftigten mehr
stattfinden k�nnen, die z. Z. keine Proben haben. W�hrend des Probebetriebes
werden also keine Einnahmen mehr erzielt. Die Sparma�nahme �Personalabbau�
f�hrte so bereits unmittelbar zu Einnahmeverlusten! Wenn die besondere Form des
Spielbetriebes es mit sich bringt, dass an Tagen ohne Auff�hrungen keine
Einnahmen durch stattfindende Proben oder Gastspielen au�erhalb erzielt werden
k�nnen, dann f�hren weitere Sparma�nahmen von dem Ziel, die personellen
Ressourcen so einzusetzen, dass parallel wieder verschiedene Veranstaltungen
stattfinden k�nnen, immer weiter weg.
Wir fordern einnahmewirksame
Ma�nahmen statt weitere Schrumpfkuren, die zum Ruin der Berliner
B�hnenlandschaft (Kulturlandschaft) f�hren w�rden. Wir fordern sicherzustellen,
dass die personellen Ressourcen nicht weiter gesch�digt werden, damit die
Kulturlandschaft Berlin nicht weiter ver�det!
Jeder Student der
Wirtschaftswissenschaften lernt im 1. Semester das sog. �konomische Prinzip: Das wirtschaftliche Handeln unterliegt wie
jedes auf Zwecke gerichtete menschliche Handeln dem allgemeinen Vernunftsprinzip
(= Rationalprinzip oder �konomisches Prinzip).
Entweder soll mit einem
gegebenen Aufwand an Produktionsfaktoren der gr��tm�gliche G�terertrag erzielt
werden, d. h. der Ertrag soll maximiert werden (Maximalprinzip) oder
der Mitteleinsatz soll
minimiert werden (Minimalprinzip). Mit einem minimalen Geldeinsatz
soll ein bestimmter Erl�s
erwirtschaftet werden.*) Die Betriebswirtschaftslehre soll als Theorie der
kapitalistischen Unternehmung erkl�ren, wie mittels des betrieblichen Prozesses
der Unternehmer den gr��tm�glichen Gewinn erzielen kann.
Deshalb eignet sich die
Betriebswirtschaftslehre nicht dazu, direkt in die Kulturpolitik einzugreifen,
denn diese dient nicht der Profitmaximierung, sondern dazu, einen m�glichst
gro�en Beitrag zur Bedarfsdeckung der Gemeinschaft mit einem vielf�ltigen
Kulturangebot zu leisten. Dieses Kulturangebot muss durch den Staat durch
Bereitstellung entsprechender finanzieller Mittel dauerhaft zur Verf�gung
gestellt und gesichert werden (Freiheit der Kultur,
Grundgesetz).
8. Zum Thema
�Tarifvertr�ge�
�Was die angebliche
Unflexibilit�t von Tarifvertr�gen angeht, da muss ich erstmal uns Intendanten
ran nehmen. Wir k�nnen unter Ausnutzung der M�glichkeiten, die wir haben, mit
all unseren verschiedenen Dienstvertr�gen � davon gibt es bestimmt f�nf oder
sechs � sehr gut fahren. Ich kann
die Klage, dass mein Haus unbeweglich sei, nicht f�hren (...)� (Frank Baumbauer,
seinerzeit Intendant in Hamburg),**)
Das leidige Finanzproblem,
vor dem die Kommunen angesichts leerer �ffentlicher Kassen stehen, soll nach den
Vorstellungen von Unternehmensberatern, Anwaltskanzleien und anderen �Experten�
durch folgendes Modell gel�st werden:
Raus aus dem Haushaltsrecht,
raus aus den Tarifvertr�gen, raus aus dem Deutschen B�hnenverein, rein in
privatrechtliche Unternehmensformen, rein in individuelle Vereinbarungen, wie
Haustarifvertr�ge oder Betriebsvereinbarungen. Die Besch�ftigten sollen den
Betriebs�berg�ngen zustimmen. Dadurch soll angeblich die Kunst sowohl billiger
als auch besser werden.
Nicht von der �ffentlichen Hand
getragene GmbHs sollen das Allheilmittel sein. Diese w�ren nicht mehr an die
Tarifvertr�ge des �ffentlichen Dienstes gebunden. Dazu werden angeblich
ausschlie�lich positiv gelaufene Beispiele angef�hrt, wie beim
Friedrichstadtpalast oder dem Berliner Ensemble .
Dort wurden im Wege der
Privatisierung Tarifvertr�ge des �ffentlichen Dienstes f�r den
nichtk�nstlerischen Bereich aufgehoben und gleichzeitig die Koppelung der
Tarifsteigerungen des �ffentlichen Dienstes f�r den k�nstlerischen Bereich
abgeschafft.
*)
vgl.
W�he, Einf�hrung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, M�nchen 1986, S.
1
**)
zit. n. Theater heute, H. 5/2000, in: H. 4/2002, S.
7
Aus der Sicht der
Besch�ftigten kann es wohl nicht als Fortschritt bezeichnet werden, den
Schauspielern eine Tariferh�hung zu verwehren, die ein Verwaltungsangestellter
erh�lt.
Angesichts der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere dem Kaufkraftschwund und der
negativen Realeinkommensentwicklung, kann es gesellschaftspolitisch und
sozialpolitisch nicht das Ziel sein, immer gr��ere Gruppen von Besch�ftigten an
den Theatern und Opernh�usern aus den Tariferh�hungen herauszunehmen und
Haustarifvertr�ge sowie andere Vereinbarungen mit Verg�tungsverzicht
abzuschlie�en.
Die beachtlichen
Steigerungen der Arbeitsproduktivit�t und Arbeitsintensit�t erfordern einen
entsprechenden Ausgleich durch Tariferh�hungen. Das Prinzip, dass der Lohn, das
Einkommen ein Preis f�r die (gestiegene) Leistung ist, w�rde durch
Lohnverzicht v�llig ad absurdum gef�hrt. Auch das h�ufig genannte
Argument, die g�ltigen Tarifvertr�ge w�ren nicht flexibel genug, h�lt einer
n�heren Betrachtung nicht stand (siehe das Zitat von F. Baumbauer). Man muss die
Tarifvertr�ge nur richtig anwenden k�nnen!
Die Personalr�te und
Besch�ftigten der staatlichen B�hnen setzen sich ein f�r die Verteidigung der
Tarifvertr�ge des �ffentlichen Dienstes, BAT/BAT-O, BMTG/BMTG-O. Sie sind gegen
betriebsbedingte K�ndigungen und f�r die Erhaltung der Rechte der
Besch�ftigten.
Sie wenden
sich
�
gegen das Antasten der
Besch�ftigungssicherungsvereinbarung VBSV 2000
�
gegen einen Verzicht auf
Lohn- oder Verg�tungsanteile
�
gegen eine Aufl�sung der
Fl�chentarifvertr�ge
9. Zum Thema
�Rechtsform�nderungen�
�Le
travailleur est le seul v�ritable expert en ce qui concerne son
travail�
(Der Arbeiter ist der einzige, wirkliche
Experte seiner Arbeit)
Klassische Feststellung des
ehemaligen Generalsekret�rs der franz�sischen Gewerkschaft CFDT, Edmon Maire zur
Forderung, die abh�ngigen Besch�ftigten in ihrem Expertenstatus endlich ernst zu
nehmen!
Der Senat hat in seiner 56.
Sitzung am 06. M�rz 2001 Folgendes beschlossen (Senatsbeschluss Nr. 912/01 vom
06.03.2001 - Auszug):
1.
Der Senat stimmt der Bildung
von GmbH'n als Tr�gerform der LHO-Betriebe (mit Ausnahme der Philharmonie) zu.
Damit sind keine Entscheidungen �ber ggf. notwendige Entschuldungen getroffen
worden. Der Einrichtung eines Opernrates zur Koordinierung der gegenseitigen
Erg�nzung des Angebotes und die Koordinierung der Opernballette durch einen
gemeinsamen Verantwortlichen wird ebenfalls zugestimmt.
2.
Die Senatsverwaltung f�r
Wissenschaft, Forschung und Kultur wird beauftragt, f�r die Einzeleinrichtungen
Deutsche Oper, Carrousel-Theater und Deutsches Theater eine besondere
Beschlussvorlage einzubringen, in der Einzelheiten der Entschuldung und der
Finanzierung dargelegt werden.
3.
Die Senatsverwaltung f�r
Wissenschaft, Forschung und Kultur wird erm�chtigt, die Ver�nderungen der
Rechtsform f�r die Deutsche Staatsoper und die Komische Oper
einzuleiten.
4.
Die Senatsverwaltung f�r
Wissenschaft, Forschung und Kultur wird beauftragt, den Gesetzentwurf zur
Errichtung einer Stiftung Philharmonie dem Senat zur Beschlussfassung in der
Senatssitzung am 20. M�rz 2001 vorzulegen.
5.
Der Senat wird seine
Entscheidung �ber langfristige Finanzierungsvertr�ge mit Berliner
Kultureinrichtungen nach Er�rterung der Auswirkungen auf die mittelfristige
Finanzplanung treffen.
(...)
Erneut wird angek�ndigt, die
Rechtsformen der staatlichen B�hnen zu �berpr�fen, mit dem Ziel, zu pr�fen, ob
die �wirtschaftliche Effizienz� der derzeit nach � 26 LHO gef�hrten, der
landeseigenen und der mit Landesmitteln gef�rderten B�hnen nicht noch gesteigert
werden k�nne. Dahinter steckt offensichtlich der Versuch, weitere H�user in
GmbHs oder andere Rechtsformen umzuwandeln, d. h. zu
privatisieren!
Welche Argumente sprechen
f�r- und gegen Rechtsform�nderungen?
Ausgangslage:
Sowohl in privaten und
�ffentlichen Betrieben als auch den �ffentlichen Verwaltungen werden z. Z.
zahlreiche Ausgliederungs- und Privatisierungsprozesse geplant, eingeleitet oder
durchgef�hrt. Die f�r Rechtsformwechsel vorgetragenen Gr�nde sind
vielf�ltig:
Verbesserung der
Wirtschaftlichkeit, Zugang zum privaten Kapitalmarkt, Schaffung oder Erh�hung
der unternehmerischen Flexibilit�t, besserer Marktzugang. Nicht genannt werden
Gr�nde, die h�ufig auch ein Motiv f�r einen Rechtsformwechsel sind, wie Senkung
der Personalkosten, Tarifflucht oder Abw�lzung der Verantwortung f�r das
Personal auf Dritte. �Eigenverantwortung!� �Flexibilit�t!� �Tochterunternehmen!�
hei�en die Zauberw�rter.
Das Metropol-Theater konnte
1997 nur deswegen in Konkurs gehen und sein gro�es Ensemble entlassen, weil es
vorher in eine GmbH umgewandelt worden war. Warum wird von einigen
Kulturpolitikern vorgeschlagen, auch die letzten acht Berliner B�hnen zu
privatisieren, also die drei Opernh�user, das Konzerthaus, das Deutsche Theater,
das Maxim Gorki Theater, die Volksb�hne und das carrousel-Theater? Es geht um
Geld, darum, weniger Geld auszugeben, es geht um neue
Sparm�glichkeiten.
Z. Z. werden massiv weitere
Zusammenlegungen, Eingliederungen und Ausgliederungen (Outsourcing) vorbereitet,
mit allen negativen Folgen f�r die Besch�ftigten. Die Zusammenlegung der
Ballette von Deutscher Oper und Staatsoper ist nur ein weiterer Schritt in diese
Richtung.
Was bringt die
GmbH-L�sung?
Hierzu J�rgen Flimm,
Ex-Intendant des Hamburger Thalia Theaters und amtierender Pr�sident des
B�hnenvereins:
�Da muss man aufpassen. Eine
GmbH l�sst sich leichter f�hren, das ist wahr. Es ist aber kein Zufall, dass
gerade in Berlin �ber Zuschussk�rzungen f�r die Schaub�hne und das Berliner
Ensemble schwadroniert wird. Beide H�user sind private GmbHs. Da braucht das
Land Berlin nur Subventionen zu streichen, die GmbH geht in die Insolvenz und -
aus die Maus.�*)
Wir weisen darauf hin, dass
durch GmbH-Bildungen keine wesentlichen Ver�nderungen gegen�ber dem derzeitigen
Status der staatlichen B�hnen erreichbar sind. Die Basis f�r mehr
Wirtschaftlichkeit war bereits 1996 erreicht, als die �berf�hrung der H�user von
der Kameralistik in die relative Selbstst�ndigkeit von B�hnen nach der
Landeshaushaltsordnung erfolgte. Seitdem sind die staatlichen B�hnen
Einrichtungen, die nach wirtschaftlichen Grunds�tzen handeln. Die GmbH ist eine
Rechtsform, die auf das Erzielen von Gewinnen ausgerichtet ist. Eine einseitige
Gewinn-Orientierung f�hrt zwangsl�ufig zu einem populistischen Programm. Dies
kann aber nicht der Auftrag der staatlichen B�hnen sein.
Die Rechtsform des sog.
LHO-Betriebes hat sich bew�hrt.
*)
Zit. n. Theater heute, H. 4/2002, S. 8
Wir wenden uns gegen
beabsichtigte Rechtsform�nderungen und fordern die Erhaltung des jetzigen Status
der staatlichen B�hnen als LHO-Betriebe!
Die Personalr�te und
Besch�ftigten der staatlichen B�hnen haben bereits im April 2001 die Umwandlung
ihrer H�user in GmbHs abgelehnt. Diese sei eine �Falle f�r die Mitarbeiter� und
eine �Existenzgef�hrdung f�r die Opernh�user und Theater�, Rechtsformen wie die
GmbHs h�tten erhebliche und nicht vertretbare Risiken. Das zeigten die Beispiele
des Theaters des
Westens und das des
Metropol-Theaters, erkl�rte der Gesamtpersonalrat der staatlichen B�hnen (25.
April 2001).
Das DIW kommt in seiner
Untersuchung �ber die Kostenfaktoren der �ffentlichen Theater zu dem Ergebnis,
dass sich die in der Rechtsform der GmbH gef�hrten Theater nicht kosteng�nstiger
darstellen als z.B. Regiebetriebe und dass man sich von Umwandlungen in eine
GmbH oder einen privaten Betrieb keine gro�en Ersparnisse erhoffen d�rfe. Nicht
auf die Rechtsform oder den Rechtstr�ger komme es vorrangig an, sondern darauf,
ob das jeweilige Theater auch wirtschaftlich gut gef�hrt
werde.*)
10. Zum Thema �Privatisierung und
Outsourcing�
In der aktuellen Diskussion
um die Zukunft der staatlichen B�hnen wird erneut angek�ndigt, die Rechtsformen
der staatlichen B�hnen zu �berpr�fen, mit dem Ziel, zu pr�fen, ob die
�wirtschaftliche Effizienz� der derzeit nach � 26 LHO gef�hrten, der
landeseigenen und der mit Landesmitteln gef�rderten B�hnen nicht noch gesteigert
werden k�nne. Dahinter steckt der Versuch, weitere H�user in GmbHs oder andere
Rechtsformen umzuwandeln, d. h. zu privatisieren!
�
Welche Argumente sprechen
f�r- und gegen die Privatisierung?
�
Welche Folgen h�tten
Ausgliederung, Rechtstr�gerwechsel, Privatisierung, �Outsourcing� f�r
Besch�ftigte, Zuschauer und die Bev�lkerung?
�
Was kann alles mit dem
Begriff �Privatisierung� gemeint sein?
�
Welche Gr�nde und Anl�sse
f�r Ausgliederungen und Privatisierungen werden genannt?
�
Existiert eine
Effizienzanalyse privater und �ffentlicher
Leistungserstellung?
�
Welche
�ffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Rechtsformen existieren
�berhaupt?
Das sind einige der Fragen,
die sich bei der Auseinandersetzung mit diesem Themenbereich stellen. Ein Aspekt
ist dabei der beabsichtigte Rechtsformwechsel einerseits und die Flucht aus den Tarifvertr�gen
andererseits.
Obwohl bekannt ist, dass
Jedermann f�r eine Seminargeb�hr von einigen hundert Euro eines der zahlreich
angebotenen Existenzgr�nderseminare besuchen kann, um zu erfahren: �Wie gr�nde
ich eine GmbH?�, werden nach wie vor von verschiedenen Senatsverwaltungen wie
bekannt geworden ist, auch durch den Finanzsenator, Unternehmensberater
besch�ftigt, die f�r ein Honorar im Gr��enbereich von einigen Hunderttausend Euro auf Hochglanzpapier
Konzepte f�r Privatisierung, Outsourcing und Rechtsformwechsel erstellen, alles
zu Lasten des Steuerzahlers, der dies zu finanzieren hat. Besonders favorisiert
wird die GmbH-Gr�ndung als Allheilmittel. Auch in der Kulturverwaltung sollen z.
Z. wieder entsprechende �berlegungen angestellt werden.
*)
Die Kostenfaktoren der �ffentlichen Theater in Deutschland-Eine
Untersuchung mit dem Schwerpunkt Berlin,
DIW-Wochenbericht Nr.
21/2002, Seite 345
Im Abschnitt
�Rechtsform�nderung� haben wir bereits dargestellt, dass GmbH-Gr�ndungen keine
L�sung der Misere darstellen k�nnen. Auch das als abenteuerlich zu bezeichnende
Vorhaben einer Zusammenfassung aller staatlichen B�hnen unter das Dach einer
GmbH bringt Niemanden weiter, h�chstens die zu bestellenden GmbH-Gesch�ftsf�hrer
(Gesch�ftsf�hrereinkommen!) und die
Unternehmensberater (Honorare!).
Zur Begriffsbestimmung
�Privatisierung�
Sachverhalte und
Problemstellungen
Das allgemeine Schlagwort
�Privatisierung� bedarf einer Differenzierung. Man kann vier verschiedene Formen
der Privatisierung einschl. der Teil-Privatisierung
unterscheiden:
a)
Die formelle Privatisierung
Durch eine formelle
Privatisierung wird eine bisher in �ffentlich-rechtlicher
Rechtsform gef�hrte Einrichtung (z. B. Anstalt des �ffentlichen Rechts)
oder ein LHO- Betrieb in ein
privatrechtliches Unternehmen (z. B. Kapitalgesellschaft) umgewandelt. Durch
die Umwandlung in eine andere Rechtsform, die auch als
Organisations-Privatisierung bezeichnet wird, gilt statt �ffentlichem Recht
nunmehr Privatrecht. Eigent�mer (Gesellschafter) des Unternehmens bleibt aber
der bisherige Tr�ger, z. B.
das Land Berlin.
b)
Die materielle Privatisierung
Durch eine materielle
Privatisierung gehen die bisher vom �ffentlichen Tr�ger (z. B. Land Berlin)
wahrgenommenen Aufgaben auf ein privatrechtliches Unternehmen �ber. Es handelt
sich hierbei um die Vergabe der gesamten Aufgaben an private
Auftragnehmer.
c)
Die Verm�gens-Privatisierung
Durch einen Verkauf der Gesch�ftsanteile �ffentlicher Unternehmen an
private Eigent�mer geht die
Inhaberschaft an den Unternehmen auf private Unternehmen oder Kapitalanleger
�ber. Der bisherige �ffentliche Tr�ger, z. B. das Land Berlin, erzielt einen
Ver�u�erungserl�s.
d)
Das Outsourcing
Durch Vorg�nge, die man als
�Outsourcing� bezeichnet, werden bestimmte �ffentliche Aufgaben zum Teil
privatisiert, in dem sie aus Unternehmen mit �ffentlichrechtlicher Rechtsform
ausgegliedert und in private Rechtsform �berf�hrt werden. Statt �ffentlichem
Recht gilt nunmehr Privatrecht. Haupts�chlich kommen in Frage: Ausgliederungen
durch Ausgr�ndung und Fortf�hrung als Tochtergesellschaft sowie Ausgr�ndung und
Verkauf an Dritte. Au�erdem f�llt die Fremdvergabe von bisher geleisteten
Aufgaben unter das �Outsourcing�,
z. B. an Reinigungsdienste und Catering-Unternehmen.
Gr�nde f�r
Privatisierungen
Soweit �berlegungen des
Senats von Berlin und der Koalitionsfraktionen bekannt geworden sind, sollen
alle o. g. Formen der Privatisierung in die Praxis umgesetzt werden. Bei den beabsichtigten
Verm�gens-Privatisierungen geht es in erster Linie um die Erzielung von
Ver�u�erungserl�sen, um die Haushaltsdefizite abzudecken.
In einem von der fr�heren
Berliner Finanzsenatorin Fugmann-Heesing vorgelegten Konzept zur Privatisierung
�ffentlicher Unternehmen und zur Aktivierung von Verm�gen wird die Forderung
nach �Neuabgrenzung von privater und �ffentlicher Leistungserstellung�
erhoben.*)
*)
Dr. Annette Fugmann-Heesing: Konzept zur Privatisierung �ffentlicher
Unternehmen und zur Aktivierung von Verm�gen im Land Berlin, Berlin
19.09.1997
Dies greift die
Expertenkommission Staatsaufgabenkritik wieder auf. Vieles, was fr�her als
�unabdingbare �ffentliche Aufgabe� gegolten habe, werde heute von Privaten
angeboten. Die Versorgung der Bev�lkerung mit Energie und Wasser, die Entsorgung
und das �ffentliche Verkehrsangebot m�sse nicht zwingend durch
�ffentlich-rechtliche Organisationsformen oder durch Unternehmen, an denen
ausschlie�lich die �ffentliche Hand beteiligt sei, erbracht werden. Man bezieht
diese Argumentation neuerdings auch auf die staatlichen B�hnen. Hierzu muss angemerkt werden, dass �ber
privatisierte Organisationsformen keine leistungsf�hige kulturelle Infrastruktur
erhalten werden kann!
Am Negativ-Beispiel anderer
L�nder, wie z. B. USA, k�nnen mittlerweile die Folgen der
Privatisierungs-Strategien an einigen Punkten deutlich herausgearbeitet
werden:
Verfolgte Strategien
Sichtbares Ergebnis
�Schlanker Staat� als
Ziel
Abbau der Besch�ftigtenzahl in den
Reduzierung der Staatsquote
und
�ffentlichen Diensten durch �Lean
Privatisierung �ffentlicher
Aufgaben
Management�
Haushaltskonsolidierung
und
Reduzierung
der �ffentlichen Dienste
Sanierung der �ffentlichen
Finanzen
auf sog. Kernbereiche (hoheits-
durch Privatisierung
rechtliche Aufgaben)
St�rkung der
�Eigeninitiative� und
Vernachl�ssigung der
�gesellschaftlichen
Selbstregulie-
Gemeinwohlorientierung staatlicher
rungskr�fte�
Aufgaben und staatlicher Vorsorge-
aufgaben
Privatisierung/Kapazit�tsreduzierung
Unzureichende Versorgung der
Bev�lkerung mit �ffentlichen
Dienstleistungen (innere Sicher-
heit, Bildungssystem, �ffentl.
Nahverkehr, Sozial- und Kultur-
einrichtungen, leistungsf�hige
Verwaltung)
Umfassende Privatisierungs-
und
Arbeitsplatzverluste durch Pri-
Outsourcing-Strategien
vatisierung, Teilzeitjobs mit
Billiglohn statt Vollzeitarbeits-
pl�tze mit Normallohn, Wegfall
Sozialleistungen und
Alterssicherung, Einkommens-
verluste durch Fortfall der
Tarifbindung (Herausdr�ngen
der Gewerkschaften aus den
Betrieben), Abbau von Gewerk-
schaftsrechten im Rahmen von
�Outsourcing� und
�Downsizing�,
allgemeine Schw�chung der
Interessenvertretungen der
Arbeitnehmer/innen
Die Finanznot des Landes
erfordere die Aktivierung von gro�en Teilen des landeseigenen Verm�gens. Es
stelle sich die Frage, wie hoch der Landeseigentumsanteil an den neuen
Unternehmen durch Verk�ufe noch
sein k�nne, hei�t es in dem Konzept zur
Verm�gensaktivierung.
Die Umwandlungen von
�ffentlichen Unternehmen seien auch deshalb unvermeidlich, weil Berlin
Verm�gensanteile zur Deckung von Haushaltsl�cken einsetzen m�sse. Die Gr��e des
zu ver�u�ernden Anteils oder des verbleibenden Anteils richte sich nach
Marktchancen, evtl. notwendigen Einflussnotwendigkeiten (Sperrminorit�t) und
Haushaltsnotwendigkeiten.*)
Zu diesen �berlegungen ist
folgendes kritisch anzumerken:
Privatisierung ist kein
Allheilmittel!
Die Personalr�te und
Besch�ftigten in der Vereinigten Dienstleistungs-Gewerkschaft ver.di sprechen
sich gegen Rechtsformumwandlungen, Privatisierungs- und
Teilprivatisierungsmassnahmen aus. Sie sind jedoch bereit, notwendige
Umstrukturierungs- und Modernisierungsprozesse konstruktiv zu begleiten, wenn
zentrale Fragen von Arbeitsplatzsicherheit, Mitbestimmung und Sozialleistungen
entsprechend gewerkschaftlicher Grunds�tze geregelt werden.
*)
Dr. A. Fugmann-Heesing, Konzept zur Privatisierung, a.a.O.
Zum Begriff �Outsourcing� in
den �ffentlichen Diensten
Outsourcing in der Form der
Ausgliederung ist in der
Unternehmenspraxis nicht neu. Die Entwicklung des Outsourcing zu seiner heutigen
Ausgestaltung als Konzept zur Wirtschaftlichkeitsoptimierung von
Unternehmensfunktionen und -prozessen ist eng verbunden mit der Entwicklung
gro�er Untenehmen, Beh�rden und Institutionen. Bereits seit den 50er Jahren sind
aus Abteilungen und Betrieben zunehmend Hilfsbetriebe und
Dienstleistungsbereiche ausgegliedert bzw. an Dritte �bergeben worden. W�hrend
zun�chst Instandhaltungsbetriebe und kleine unternehmenseigene Zulieferbetriebe
wie Tischlereien, Dienstleistungsbereiche, Druckereien sowie Kantinen, Wach- und
Sicherheitsdienste ausgegliedert wurden, hat sich dieser Prozess seit Beginn der
80er Jahre auf die Ausgliederung der Datenverarbeitung konzentriert. Grund f�r
diese Auslagerungen ist der �konomische Druck, der zu Kostensenkungen und
Strukturver�nderungen f�hrt.
Anfang der 90er Jahre ist
der angels�chsische Begriff �Outsourcing� f�r die Ausgliederung und Auslagerung von
Funktionen und Prozessen als Oberbegriff f�r verschiedene Formen der
Unternehmensoptimierung im deutschsprachigen Wirtschaftsraum eingef�hrt worden.
Die Wirtschaftswissenschaften haben zu der Outsourcing-Thematik u. a. folgende
Motive aufgef�hrt:
�
Bessere Steuerung/Kontrolle
durch Schaffung von klar abgegrenzten F�hrungsbereichen
�
Imageverbesserung
�
leichtere
Personalbeschaffung
�
bessere Aufgabenabgrenzung
(Fremdfirmen)
�
Erzielung von Gewinnen durch
Drittleistungen z. B. durch Verkauf von Werkstattleistungen an
Dritte
�
h�here Service-Leistungen in
Verbindung mit anderen Theatern
�
geringeres
Haftungsrisiko
�
Verbesserung der
Kooperationsf�higkeit
�
h�here Gehaltsflexibilit�t
durch Wegfall der Tarifbindung
�
geringeres Streikrisiko
durch Schw�chung der gewerkschaftlichen Organisation
�
Reduzierung der
Mitbestimmung durch kleinere Einheiten
Nicht nur im Bereich der
Privatunternehmen, auch in den �ffentlichen Diensten � insbesondere im Rahmen
der Verwaltungsreform � verweisen die Beratungsunternehmen zunehmend auf den
angeblichen Zwang zur Konzentration auf das Kerngesch�ft. In diesem Zusammenhang
sollen auch im Bereich der �ffentlichen Dienste Lean-Konzepte (Lean-Management)
eingef�hrt werden.
Lean-Konzepte beinhalten im
Einzelnen:
Kaizen
Kaizen beschreibt den
kollektiven Proze� zur kontinuierlichen, schrittweisen Verbesserung der
Produktions- und Arbeitsprozesse.
Fraktale
Organisation
Als Fraktale Organisation
bezeichnet man selbstorganisierende, flexible Teams, die Aufgaben und Probleme
selbst�ndig und in Eigenverantwortung l�sen.
Outsourcing
Outsourcing beschreibt die
Auslagerung oder Ausgliederung von Unternehmensfunktionen bzw.
�prozessen.
Allgemeine Motive und
Beispiele
Beispiele f�r
Ausgliederungen oder Auslagerungen in Betrieben und Verwaltungen
Welche Einheit?
Welche Begr�ndung wird genannt?
Personalabteilung
Externe Lohnabrechnung aus Kosten-
Lohnb�ro
gr�nden/Senkung der Personal- und
Ausstattungskosten
Elektronische
Au�enstehende sind kompetenter,
Datenverarbeitung
private Anbieter sind vorhanden,
Personalabbau
Verschiedene Bereiche wie
Know-how-Konzentration und
Werkst�tten,
Personaleinsparung, Anbieter
K�chen- und Kantinen,
sind angeblich kosteng�nstiger,
Fuhrpark,
Effizienzsteigerung,
St�rungsdienst,
Personalabbau
Pf�rtnerdienst,
Poststelle, Botendienste
Hausverwaltung,
Instandhaltung,
Aus- und Weiterbildung
Personalentwicklung
Liegenschaften
Facility-Management
Grundst�cks- und
Personaleinsparung
Geb�udeverwaltung
Kosteneinsparung
Sekund�re
Dienstleistungen
kosteng�nstiger
z. B. Reisekostenab-
rechnung
Haushaltstechnik, -
Bereithaltung, Material,
Elektro-Technik,
Instandhaltung und Personal
EDV-Technik
entfallen, Know-how-Konzentration
und Personaleinsparung,
externe Anbieter sind kosteng�nstiger;
Effizienzsteigerung
Aus der Berliner Verwaltung
und anderen Wirtschaftsbereichen, insbes. der
Metall-, Elektro-und
Stahlindustrie; Dienstleistungsbereich,
ist bekannt, dass nahezu
alle Unternehmensbereiche
ausgegliedert werden k�nnen.
Welche Bereiche dann noch zum sog. Kerngesch�ft
geh�ren,
ist h�ufig nicht definiert.
Die Ausgliederungen gehen
dann i. d. R. in folgenden Phasen vor sich:
1. Bildung Costcenter
wirtschaftliche Einheit im Unternehmen
mit eigenen Kostenstellen
2. Bildung Profitcenter
wirtschaftliche Einheit im Unternehmen
mit eigener
Kostenrechnung
3. Rechtliche Ausgliederung
wirtschaftliche und rechtliche Einheit
au�erhalb des Unternehmens
mit eigener Kosten- und Gewinnrechnung
Auch wenn f�r Einige
der Begriff �Outsourcing� schon zum Reizwort geworden ist, das sie nicht mehr
h�ren k�nnen, sei davor gewarnt, die Entwicklung zu verharmlosen oder zu
ignorieren. In den �ffentlichen Diensten und bei den staatlichen B�hnen wird die
Tendenz zu Ausgliederungsma�nahmen und Teilprivatisierungen in den n�chsten
Jahren st�ndig zunehmen. Neben der Ausgliederung von Aufgabenbereichen erh�lt
das sog. Proze�-Outsourcing, d. h.
das Fremdbeziehen von Dienstleistungen, eine immer gr��er werdende Bedeutung,
gekoppelt mit Arbeitnehmer�berlassung.
Wir sehen es als eine
wichtige gewerkschaftliche Aufgabe an, angesichts dieser Entwicklung die Interessen
der Besch�ftigten zu verteidigen und eine funktions-
f�hige
Arbeitnehmervertretung zu gew�hrleisten.
11. Zum Thema
�Unternehmenssicherungsvertr�ge�
Die Vereinte
Dienstleistungsgewerkschaft e. V. fordert langfristig
Unternehmenssicherungsvertr�ge f�r die staatlichen B�hnen als
LHO-Betriebe.
Angesichts der unsicheren
finanziellen Zukunftsperspektiven stellt sich verst�rkt die Frage nach der
Verl�sslichkeit der staatlichen F�rder- und Zuwendungspolitik. Es gibt keine
Bestandsgarantie f�r Theater, in welcher Rechtsform auch immer. Auch f�r die
staatlichen B�hnen existiert der �Risikofaktor staatliche Kulturpolitik�.
Abh�ngig von den jeweils amtierenden Kulturpolitikern ist das Existenzrisiko
mehr oder weniger hoch.
Die staatlichen B�hnen
m�ssen � im Gegensatz zu den �ffentlichen Verwaltungen und staatlichen �mtern �
als LHO- Betriebe gem. � 26 der Landeshaushaltsordnung wirtschaftlich abrechnen
und eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellen. Etwaige durch aktive Ma�nahmen
erzielte Einnahmesteigerungen m�ssen in den Betrieben verbleiben. Es
besteht die Gefahr der K�rzung von
staatlichen Zusch�ssen, wenn die Einnahmeseite sich durch Bem�hungen der
gesch�ftsf�hrenden Direktoren oder Intendanten verbessert. Deshalb ist die
Forderung nach einer Verl�sslichkeit der Landeszusch�sse zu erheben. Um die
Einnahmesituation zu stabilisieren, ist die Forderung nach l�ngerfristigen
Unternehmenssicherungsvertr�gen zu stellen.
Wir halten deshalb solche Unternehmenssicherungsvertr�ge, z. B. �ber eine Laufzeit von 5 Jahren, zur Absicherung der Einnahmesituation, f�r dringend erforderlich. Diese Vertr�ge sollten sich an den Vereinbarungen orientieren, die das Land Berlin mit seinen ehem. Eigenbetrieben, der BVG oder der BSR, geschlossen hat.
Politische Initiativen und parlamentarische Bem�hungen zur Absicherung des Berliner Kulturbetriebes durch ein Landeskulturgesetz werden von uns ausdr�cklich unterst�tzt.
Ziele/
Forderungen
Wir sind
�
gegen sinnlose Sparma�nahmen
� f�r den Erhalt einer vielf�ltigen Kulturlandschaft
�
f�r die Verteidigung der
Tarifvertr�ge des �ffentlichen Dienstes,
�
gegen betriebsbedingte
K�ndigungen und f�r die Erhaltung der Rechte der Besch�ftigten in den staatlichen
B�hnen
�
f�r die Erhaltung der
Rechtsform der staatlichen B�hnen als LHO-Betriebe und Verhinderung von
Rechtsform�nderungen
�
f�r
Unternehmenssicherungsvertr�ge f�r die staatlichen B�hnen als
LHO-Betriebe.
�
F�r die Verst�rkung von Aus-
und Weiterbildung mit Zukunftsperspektiven f�r die
Besch�ftigten
�
gegen konzeptionsloses
Kaputtsparen
�
gegen weitere Ausgr�ndungen
und Privatisierungen
�
gegen das Antasten der
Besch�ftigungssicherungsvereinbarung VBSV 2000
�
gegen einen Verzicht auf
Lohn- oder Verg�tungsanteile
�
gegen eine Aufl�sung der
Fl�chentarifvertr�ge
Inhaltsverzeichnis Anhang
1.) Welche Arten von Sponsoring gibt es ?
2.) Strukturelle Sparma�nahmen
Auszug Einzelplan 17 (Wissenschaft, Forschung,
Kultur)
3.) 50-Punkte Programm zur Sanierung des Berliner Haushaltes
2001
4.) Personalkosten und Stellenabbau, Land Berlin
Quelle: Expertenkommission
Staatsaufgabenkritik
5.) Entwicklung der Personalkosten, Land Berlin
Quelle: Expertenkommission
Staatsaufgabenkritik
6.) Zuwendungen, Zusch�sse und Personalkosten,
Konzerth�user
7.) Zuwendungen/ Zusch�sse: Sprechb�hnen
8.) Zuwendungen/ Zusch�sse: Opernh�user
9.) Der Theaterbesuch als nachhaltiges Erlebnis
Modernes Theater-Marketing als Instrument zur Sicherung
bestehender und Schaffung von neuen Arbeitspl�tzen.
Quelle: Dokumentation des 4. Theaterworkshops der
Gewerkschaften �TV, DAG und IG Medien, Stuttgart 1999
10) Kennzahlen �ffentlicher Theater in
Deutschland
Quelle: DIVV Berlin, Wochenbericht Nr. 21/2002
11)
Rechtsformen �ffentlicher
Betriebe
12)
Rechtsformen privatrechtlicher
Unternehmen
13)
Vergleichende Darstellung